Murmeltiertag

Aufgeregt rief mich Herr C. gestern Morgen auf den Balkon. Neugierig reckte ein Murmeltier sein kleines Näschen in die klare Alpenluft. Schon beim Anblick eines einzigen Nagers geriet ich in Verzückung, als wir uns jedoch etwas mehr auf der umgebenden Wiese umschauten entdeckten wir sie ploetzlich überall. Es war ein kleines Murmeltierparadies. Abgesehen davon tummelten sich vor dem Stall schräg gegenüber ein paar Schweine und die Kuhglocken waren unueberhoerbar. Was für ein Idyll.

Nach einem ausgiebigen Frühstück hatte mein Begleiter bereits eine leichte Wanderung für uns ausgearbeitet. Zum eingewöhnen sagt er. Meine OP ist ja nun schon wieder fast vier Wochen her, und es wird gut sein, endlich wieder die eingerosteten Knochen zu ölen.

Am Anfang gab es einen nur klitzekleinen Anstieg und da offenbarte sich schon das ganze Ausmaß. Meine vom letzten Jahr wunderbar aufgebaute Grundkondition ist beim Teufel. Daran schuld sind auch sicher nicht nur die letzten Wochen. Aber es hilft alles nix. Da muss wieder was passieren.

Dennoch war ich froh, dass der Rest des Weges weitgehend eben entlang eines glasklaren Gebirgsbächleins verlief. Traumhaft schön war das. Umgeben von sattgrünen Wiesen gab der Nebel immer wieder fantastische Ausblicke auf die Berge frei. Wandern macht glücklich, besonders wenn man es in einer so tollen Umgebung machen kann.

Auf halber Strecke erreichten wir das winzige Örtchen Nessel. Wir freuten uns sehr auf eine kleine Einkehr. Da gab es aber nichts und so mussten wir uns mit etwas Wasser und ein bisschen Studentenfutter begnügen.

Nach etwa 4 1/2 Stunden waren wir wieder zurück in der Lodge. Frisch geduscht freute ich mich auf ein Stückchen leckeren Apfelkuchen und ein Tässchen Kaffee. Die gemütliche Kaminecke ist sehr einladend, und war zum Glück ganz leer. Nach einer Weile wurde es uns aber dann zu voll und das fühlt sich im Moment einfach nicht richtig an. Also räumten wir das Feld.

Mein Gatte hatte offensichtlich immer noch nicht genügend Frischluftzufuhr und ging noch ein bisschen spazieren. Ich verzog mich in unser kleines gemütliches Zimmer und begnügte mich mit leichtem Stricken.

Erkenntnis des Tages: auch bei Wolken verdecktem Himmel brennt die Sonne in 2000 Metern Höhe sehr ordentlich. Und auch wenn ich dies nach 51 Jahren hätte besser wissen müssen, habe ich mir ordentlich das Dekollete verbrannt.

Endlich wieder unterwegs

Puh, das war jetzt aber eine wirklich laaange Zeit für uns, wir habe das Reisen sehr bermisst. Das letzte Mal waren wir im Oktober in Portugal. Lange haben wir gezittert ob es auch wirklich klappt, oder ob uns Corona doch wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Geplant ist jedenfalls ein dreiwöchiger kleiner Roadtrip durch die obere Hälfte Italiens mit ein bisschen Schweiz. Wir freuen uns sehr, endlich wieder ein bisschen Reiseluft zu schnuppern.

Gestern morgen ging es los und wir sind auf einigermaßen freien Strassen in Richtung Schweiz gefahren. Das Packen war dieses Mal eine Herausforderung. Schliesslich führt uns die Reise in die eher kühleren Berge zum Wandern, auf spannende Städtetrips und zum Baden and den See und zum Schluss sogar ans Meer. Am Ende habe ich einfach zwei Taschen gepackt, denn wer braucht schon Wanderschuhe am Meer.

Am späteren Nachmittag sind wir in Goldiwil angekommen, dort wohnen Freunde von uns mit einer unverschämt herrlichen Sicht auf den Thunersee und die Berge. Wir wurden herzlich empfangen und verbrachten einen tollen Abend mit essen, trinken, lachen und ganz viel plaudern.

Heute morgen haben wir noch gemütlich zusammen gefrühstückt und sind später weiter gefahren in Richtung Wallis. Die Fahrt führte entlang am Nordufer des Thunersees und ich spiele dann immer Immobilienkaufen. So ein Haus mit Terrasse und Sprungbett direkt in den See, das wäre was. Am Ende träumen wir einfach ein bisschen und sind happy mit unserer Altbauwohnung unweit vom Mainufer in der hessischen Metropole ;-)

Über den malerischen Grimselpass ging die weitere Fahrt. Die Landschaft ist einfach unglaublich schön und erinnert mich immer wieder ein bisschen an die perfekte kleine Modellbahnwelt meines Vaters, mit Bergen aus Styropor und Wasserfällen aus fliessendem Klebstoff.

Weiter ging es durch ein langgezogenes Tal mit Bergen links und rechts und zauberhaften alten Holzhäusern. Kurz vor Brig biegen wir ab und erreichen nach ein paar Minuten die Talstation von Naters. Hier erweist es sich dann als vorteilhaft, dass ich einen Rucksack nur für die Berge gepackt habe. So nehmen wir das relativ leichte Gepäck und fahren mit der grossen Gondel auf die 2000 Meter hoch gelegene Belalp.

Und schon sind wir in der Gegenwart angekommen. Ich sitze gerade gemütlich am knisternden Lagerfeuer. Draussen sind es regnerische 13 Grad. Es ist der absolute Genuss nach dem grossen schwitzen die letzten Wochen.

Es ist nicht sehr voll hier. Ein bisschen mulmig ist es natürlich trotzdem, das Reisen im Jahr 2020.

Apero in Goldiwil
Blick auf den Thunersee
Unsere Unterkunft für die nächsten 4 Nächte.
Grimselpass
Gondel auf die Belalp
Stricken und Bloggen am Kaminfeuer 😁