Wie im Flug

Wie es so ist auf Reisen, die letzten Tage vergehen immer sehr schnell, so fühlt es sich wenigstens an. Die letzten Tage haben wir mit ausgiebigem Nichtstun verbracht und den Urlaub und die Wärme genossen. Umso mehr, nachdem die Nachrichten aus Deutschland einen eher wieder merkwürdigen Winter erwarten lassen.

Während ich nun diese Zeilen schreibe, sitzen wir bereits im Flugzeug auf dem Weg in die kalte Heimat. Also halte ich mit diesem Beitrag die Erinnerungen an eine fantastische Zeit wach.

Gestern waren wir noch mal am Strand. Das Bad im kristallklaren Wasser war herrlich. Es war noch einigermaßen warm und die Wellen waren sanft. Von allen Gewässerarten die es so gibt, ist das Meer immer noch mein absoluter Favorit. Vom Rauschen der Wellen kann ich gar nicht genug kriegen. Wenn dann noch der weiche Sand ins klare Wasser führt. Ach ich koennte den ganzen Tag davon schwärmen.

Ein paar mal haben wir uns auch noch ein leckeres Essen gegönnt, wobei man besonders die Papas Arrugadas hervorheben möchte. Die Kartoffeln werden mit wenig Wasser und viel Salz so lange gekocht, bis das Wasser verdunstet ist und eine leichte Salzkruste auf den Schalen entsteht. Zusammen mit den fuer die Kanaren bekannten Saucen, der Mojo Verde und der Mojo Rojo ist das ein absolutes Gedicht. Bei der roten Sauce sollte man allerdings etwas aufpassen, denn der groessere Teil des guten Geschmacks wird durch Unmengen an Knoblauch erzeugt. Eine Aioli ist harmlos dagegen ;-)

So, jetzt setzt sich der Flieger in Bewegung und ich muss in den Flugmodus. Mein Ipad ist gefüllt mit der Morning Show und die Wollvorraete sollten fuer den Flug ausreichen.

Hasta Luego!

Kleines Update zum Schluss. Wir sind wieder gut in Frankfurt angekommen. Die Katzen haben sich gefreut und sind sehr verschmust. Morgen geht der Alltag wieder los.

Montañas del Fuego

Mittwoch habe wir das wahrscheinlich die bekannteste Sehenswürdigkeit von Lanzarote besucht. Den Timanfaya Nationalpark.

Eine wirklich faszinierende Landschaft, die von schwarzen Lavaböden und rot leuchtenden Vulkanen geprägt wird. Der letzte Ausbruch war hier vor ueber 300 Jahren, aber im Park bekamen wir einige kleine Experimente gezeigt, aus denen man erkennen konnte, dass es wirklich sehr heiss ist im inneren unserer Erde.

Einer der Hauptwege im Park kann nicht individuell besucht werden, aber im Eintrittspreis enthalten war eine Busfahrt, von der aus man die faszinierende Natur erleben konnte. Gerne waere ich mal ausgestiegen. Aber das ging eben nicht, und irgendwie ist das ja auch nachvollziehbar.

Nach dem Park sind wir noch zum kleinen Ort „El Golfo“ gefahren, wo wir in einem der kleinen Lokale frischen Fisch verspeist haben, gefolgt von meiner neuen Lieblingsnachspeise „Bienmesabe“.

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Spaziergang zum Lago Verde, dessen Wasser in krassem Grün leuchtet. Die Färbung des Sees entsteht durch eine bestimmte Algenart und bildet einen tollen Kontrast zu den schwarzen Felsen und dem blauen Meer.

Jardin de Cactus

Dienstag mussten wir unseren kleinen geliebten Trailer schon wieder verlassen. Wir waren dort fuer vier Nächte und hatten nun fuer die nächsten 5 eine Unterkunft weiter im Süden gebucht. Genauergesagt das Coral Beach Resort bestehend aus einer Reihe kleiner weisser Häuschen direkt am Meer.

Auf der Fahrt dorthin haben wir noch einen kurzen Stop im kleinen Ort Punta Mujeres eimgelegt. Dort waren wir am Samstag schon einmal, aber es war deutlich weniger Wind und das Meer war ruhiger, so dass wir hofften, die natürlichen Pools besser sehen zu koennen.

Es war Ebbe, so dass sie meisten davon eher leer waren. Aber schoen war es trotzdem anzuschauen.

Weiter ging die Fahrt zum nächsten Inselhighlight, dem von Cesar Manrique gestalteten Jardin de Cactus. Ein zauberhafter Ort, wo man Kakteen aus aller Welt anschauen kann. Und wahnsinnig fotogen war es ausserdem.

Der letzte Abschnitt der Fahrt führte vorbei an den „Weinbergen“ von Lanzarote. Wobei Berge natuerlich ein irreführender Begriff ist. Denn viele der Weinreben wachsen etwas tiefergelegt im schwarzen Boden, umgebend von schützenden kleinen Mauern. Ich nehme mal an, dass dies wegen der starken Winde hier auf Lanzarote so gemacht wird.

Am Nachmittag erreichten wir dann unsere neue Unterkunft und verbrachten den Rest des Tages mit ausgiebigem Relaxprogramm bestehend aus gemütlichen kochen und leckerem Essen, leichtem Stricken und den Sonnenuntergang auf der Terrasse anschauen.

Famara Beach

Am Montag sind wir zum Famara Strand an der Westseite der Insel gefahren und haben dort einen langen ausgiebigen Strandspaziergang gemacht. Diese eher raueren Seiten werden meist von den Surfern okkupiert und es herrscht dort eine ganz bestimmte Atmosphäre. Fern vom Massentourismus gibt es eher kleinere Beachbars, Surfshops und tolle Strände. Es ist wundervoll, die Surfer zu beobachten. Vor allem die Kitesurfer. Keine Ahnung wie die das hinkriegen aber es sieht toll aus.

Am Abend haben wir dann noch einen letzten Sonnenuntergang auf dem noerdlichen Inselteil genossen, bevor es am nächsten Tag in Richtung Süden ging.

Stricken in Spanien

Weil ich gerade so schoen am Schreiben bin, hier noch ein kleiner Rueckblick aus der letzten Woche, die ich bei meiner Freundin Frau H. auf dem spanischen Festland verbracht habe.

Kennengelernt haben wir uns vor ueber 6 Jahren bei einem Stricktreffen in Paris, wo wir uns mit 10 Frauen aus ganz Europa getroffen haben. Die daraus entstandene WhatsApp Gruppe gibt es immer noch und die Menschen dort sind zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Frau H. und ich sind seitdem beste Freundinnen. Es gibt einige Dinge die ums verbinden und in der kurzen Zeit die wir uns kennen, haben wir schon so mache Hoehen und Tiefen des Lebens geteilt.

Frau H. wohnt etwas oberhalb an einem Huegel in einem kleinen gemütlichen Häuschen, von dessen Dachterrasse man einen tollen Blick aufs Meer hat. Die Lage ist in der Nähe des Ortes Javea und auch hier möchte man am liebsten sofort einziehen.

Sonntag ist dann noch eine weitere Freundin dazugekommen. Frau G. lebt in Hamburg und ist ebenfalls fester Bestandteil unser kleinen europäischen Strickgemeinschaft.

Die gemeinsamen Tage waren geprägt von Freundschaft, viel Strickzeit, langen Strandspaziergaengen, gutem spanischen Essen, dutzenden Cafe von Leche aber vor allem eins, erzählen, erzählen, erzählen.

Normalerweise sehen wir uns ein bis zweimal im Jahr, aber Corona hat das natuerlich in den letzten beiden Jahren nicht zugelassen. Umso schoener war jetzt die gemeinsame Zeit.

Abends haben wir so lange gequatscht, bis uns fast die Augen von alleine zugefallen sind und morgens ging es direkt wieder, sobald nur eine von uns aufgestanden ist und Kaffee gemacht hat.

Die gesamte Woche ist auf der einen Seite wie im Flug vergangen, aber im Rueckblick kommt es einem doch viel länger vor. Und man kann sich vorstellen, dass beim Abschied am Freitag auch das eine oder andere Traenchen geflossen ist.

Nur gut, dass ein baldiges Wiedersehen schon beschlossene Sache ist und dieses vermalledeihte Virus uns nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Herbst auf Lanzarote

Heute ist bereits Montag und bislang fehlte mir ehrlichgesagt die Lust, mal etwas ueber unsere kleine Herbstreise zu schreiben. Aber jetzt ist es sehr ruhig, die Sonne ist gerade aufgegangen und ich habe bereits Kaffee gemacht. Während wir nun also gemütlich in unserem kleinen Wohnmobil sitzen, kann ich nun endlich mal ein bisschen erzählen.

Ich habe bereits die letzte Woche auf dem spanischen Festland verbracht, wo ich meine liebe Freundin Frau H. besucht habe. Herr C. ist letzten Freitag direkt von Frankfurt nach Lanzarote geflogen und ich bin dann am Abend angekommen. Ein schoenes Gefühl, vom Gatten so fern von der Heimat am Flughafen abgeholt zu werden.

Wir haben uns also nun seit Freitag auf der Finca La Fuentecilla eingemietet und dort einen kleinen wundervollen Trailer bezogen. Wir beide träumen ja immer mal wieder davon, uns eines Tages ein eigenes Wohnmobil zuzulegen und damit Europa mehr zu bereisen. Bis dahin probieren wir das Vanlife immer mal wieder an verschiedenen Standorten aus. Und ich muss sagen, es gefällt uns. Was uns jetzt allerdings auch aufgefallen ist, ein Bett im Alkoven kommt nicht in Frage. Buh ist das gruselig eng zu zweit, wie gut das es unten noch das ausklappbare Bett gibt. Ach ja, und das nächtliche Kraxeln auf der Leiter brauche ich auch nicht mehr unbedingt. Man wird ja nicht jünger.

Samstag haben wir uns ein bisschen auf dem nördlichen Teil der Insel umgeschaut. Wir sind hoch zum Mirador del Rio gefahren, von dem aus man einen fantastischen Blick entlang der Küste und auf die Nachbarinsel La Graciosa hat. Das Besondere ist aber dort die Architektur. Gestaltet wurde der Mirador vom bekannten Sohn der Insel, dem Künstler und Architekten Cesar Manrique. Mit seinen in die Natur eingebetteten Bauwerken hat er der Insel seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt.

Im Mirador del Rio wurden vor ueber 40 Jahren viele Szenen eine meiner Lieblingsserien aus der Kindheit gedreht, Timm Thaler mit Tommi Ohrner und Horst Frank. Sehr faszinierend dass ich mich noch so gut daran erinnern konnte. Der Raum mit den grossen Fenstern ist wirklich sehr markant und wunderschön. Man möchte sofort einziehen.

Anschließend habe wir uns ein weiters Inselhighlight angeschaut. Die Anlage Jameos del Agua wurde ebenfalls von Manrique gestaltet und strahlt einen herrlichen 70er Jahre Charme aus und ist dennoch überraschend zeitlos. Die Anlage ist eingebettet in ein Hoehlensystem und beherbergt unter anderem einen unterirdischen Konzertsaal. Es ist wirklich etwas Besonderes und die Atmosphäre ist fantastisch.

Spaeter sind wir noch ein bisschen die Küste entlanggefahren. Wir haben den einen oder anderen Stop eingelegt und die wilde Brandung beobachtet. Lanzarote ist karg aber wirklich faszinierend schoen. Eine ganz andere Landschaft sieht man hier. Das kommt natuerlich daher, dass die Insel von Vulkanen und Lava geprägt ist. Der Boden ist vorwiegend schwarz und überall wachsen Kakteen und Palmen.

Die letzten beiden Tage war es sehr windig. Obwohl es gestern zum Beispiel angenehme 25 Grad warm war, ließ einen der starke Wind schnell ins Frösteln kommen.

Heute morgen wurden wir vom entfernten Krähen eines Hahns und dem Gejaule der Hunde unten im Ort Haria geweckt. Irgendwie ist mir erst gar nicht aufgefallen, dass man das nur wahrnimmt, weil der Wind aufgehört hat. Lustig. Aber heute ist es fast windstill. Der Himmel ist blau und es verspricht ein großartiger Tag zu werden.

Abreisefernweh

Gestern sind wir auf Empfehlung eines Bekannten von Herrn C. In Richtung San Pellegrino Pass gefahren (nicht das mit dem Wasser). Es waren nur etwa 15 Kilometer und von hier nahmen wir eine Seilbahn hoch zum Col Margherita. Ein toller Ausblick war es und unser Tagesziel war die Wanderung 600m abwärts zur Talstation.

Nachdem wir also von oben den fantastischen Rundumblick genossen haben und jeder einen weiteren Cappuccino getankt hatten, liefen wir los. Und was soll ich sagen, diese Wanderung war sowas von schön und abwechslungsreich, los ging es über breite Ziehwege, mit Gras bewachsene kleine Pfade (mein persönlicher Liebling unter den Wanderuntergründen)… Es gab steinige steile Passagen, weite Felder und Almen und mittendrin begrüsste uns sogar ein Murmeltier aus seiner Unterkunft. Kreisch, so süss sind die.

Die Gräser schimmerten in den schönsten Herbstfarben und zwischendrin blühte sogar noch einiges. Ein tolles Farbkonzept hat sich die Natur da ausgedacht.

Es gab natürlich auch ein weniger schönen Abschnitt, nämlich eine sehr steile kurze Passage mit haufenweise losem Geröll. Da war sie wieder, die Fallangst. Und quasi als selbsterfüllende Prophezeiung hat es mich dann auch nochmal kräftig auf den noch vom Vorvortag schmerzenden Hosenboden gelegt. Schlimm war das aber nicht, blöd nur, dass ich mir dabei dermassen den linken Zeigefinger umgeknickt habe, dass dieser momentan ein wenig schmerzt und dick und blau ist. Naja, irgendwas ist ja immer, jedenfalls bei mir ;-)

Abends habe ich dann kurz bei meiner Mutter angerufen, um uns spontan schon für Samstag Abend anzukündigen. Es macht so viel mehr Sinn, dann fahren wir am Sonntag heim und nehmen gleich unsere beiden Tiger mit nach Hause. Als sie mich fragte, ob wir denn auch schon die rot leuchtenden Bergspitzen gesehen hätten, wollte ich eigentlich erst verneinen. Ich rief von draussen an und auf einmal drehte ich mich rum und vor mir die leuchtenden Felsen. Ein schöner Moment, den ich sogleich per Bild mit der Familiengruppe teilte.

Und jetzt sind wir bereits wieder in der Gegenwart angekommen. Momentan warten wir auf Einlass zu unserem letzten Abendessen im Hotel. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Herr C. ab jetzt gerne jeden Morgen einen Zettel auf dem Frühstückstisch vorfinden möchte, auf denen er die Speisen für den Abend auswählen kann?

Heute waren wir jedenfalls noch ein letztes Mal Italien schnuppern. Es ging in ca. 50 Minuten Fahrt nach Bozen ins benachbarte Südtirol. Dort waren es dann auch nochmal satte 29 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

Wir kauften hier und da noch ein paar heimische Spezialitäten, stoppten an einem der Strassenstände und luden uns 10 Kilo feinste frisch geerntet Südtiroler Äpfel ins Auto. Ein Teil wird verschenkt und einen Teil futtern wir selbst. Gut gelagert, halten die sich auch ein Weilchen, ansonsten kann man ja noch allerlei Köstlichkeiten daraus zubereiten.

Vorhin lag ich kurz oben im Zimmer, während Herr C. schon den einen oder anderen Saunagang absolvierte. Ich nickte tatsächlich ein und als ich aufwachte vernahm ich dieses spritzende Geräusch von Autoreifen auf nasser Fahrbahn. Hatte es doch tatsächlich geregnet. Naja, wir sind ja auch so gut wie fertig mit dem Urlaub und bei uns beiden macht sich schon ein bisschen Melancholie breit. Weisst du noch, heute vor zwei Wochen? Dabei seufzen wir uns machen Pläne für die Zeit danach. Denn nur so lässt sich das Fernweh einigermaßen ertragen.

Dolomiti

Mittwoch früh sind wir schon wieder aufgebrochen, dieses Mal zu unserer letzten Unterkunft auf unserer kleinen Oberitalienrundfahrt. Doch dazu später mehr.

Auf dem Weg dorthin haben wir uns das hübsche Trient (Trento) angeschaut, in der Innenstadt einen Aperol Spritz getrunken und uns ein bisschen beim Bummeln die Beine vertreten. Ich mag es sehr, dieses ziellose Herumlaufen in einer unbekannten Stadt. Ab und zu gehe ich mal in ein Geschäft, meistens wartet der Herr Gemahl geduldig draussen, manchmal kommt er auch mit rein. Kaufen tue ich meist nix, ich guck einfach gerne was die so haben. OK, manchmal muss es dann doch eine Kleinigkeit sein.

Nachdem wir wieder aus Trient draussen waren, ging die Fahrt in ca. 1 1/2 Stunden weiter nördlich nach Suraga im Fassatal, mittendrin in den bezaubernden Dolomiten. Nicht umsonst gehören diese zum UNESCO Weltnaturerbe und an den hohen Bergspitzen, die die Täler links und rechts einsäumen, kann man sich gar nicht satt sehen.

In der neuen Unterkunft haben wir sogleich erst mal den Wellness Bereich inspiziert. Wie fein. Im Hotel Dolomia gibt es zwei Saunen, ein Dampfbad, einen Pool und einen Whirlpool mit zuschaltbarem Wasserfall. Gefallen hat mir, dass hier die Leute ihre Badebekleidung anbehalten durften/sollten/mussten. Ich gehe wirklich gerne in die Sauna, aber ganz ehrlich, so richtig wohl fühle ich mich nicht unter den Nudisten. Ist eben so.

Am Abend dann gab es ein feudales 5 Gänge Menü mit Salatbuffett mit allerlei leckerer Trentiner Küche. Es war alles sehr schmackhaft zubereitet und wir hangelten uns vom geflammten Zucchinittörtchen, über leckerste Nudeln mit Pilzen, gebratenem und gekochtem bis hin zur allerfeinsten Karamelltorte.

An der Bar draussen machte sich der Kellner gerade einen Café Macchiato für den Eigenbedarf. Das ist ein Espresso mit einem Schuss Milch falls jemand fragt. Ich kramte tief in meiner Italienisch Schublade, grinste ihn breit an und sagte, ich hätte gerne einen Café „essatamente cosi“… woraufhin er mir zwinkernd seinen rüberreichte. Derselbe und der gleiche, jaja, die Feinheiten der Sprache muss ich wohl noch lernen.

Sitzbeinhöcker

Momentan denke ich gezwungenermaßen pausenlos über mein Hinterteil nach, denn es schmerzt nach der gestrigen Strapaze so sehr, dass ich kaum noch sitzen kann.

Wir haben uns, wie schon im letzten Jahr, mal wieder ein Elektro Fahrrad ausgeliehen. Diese gab es direkt im Hotel und weil man ja in den Bergen gerne mal jegliches Zeitgefühl verliert, haben wir es gleich fuer den ganzen Tag gebucht.

Die Tour ausgesucht, hat mein persönlicher Reiseleiter Herr C. Schon vom letzten Jahr wusste ich, dass bergauf im Turboantrieb gar kein Problem ist. So schreckten mich auch nicht die über 1000 anvisierten Höhenmeter.

Leider stellte sich gleich beim Verlassen der Hauptstraße heraus, dass die Strecke weitgehend unbefestigt war und im wesentlichen mit Steinchen und Geröll belegt war. Da war sie dann auch gleich wieder, meine Angst. Schließlich war es das erste Mal seit 9 Wochen, als ich unachtsamerweise in eine Strassenbahnschiene eimfädelte, dass ich wieder im Sattel dass. Apropos Sattel … dazu gleich mehr.

Auf Kies zu fahren kann rutschig werden, besonders wenn es steiler wird. Ich hatte ordentlich Respekt vor der Tagesaufgabe. Aber kneifen gilt nicht und so strampelten wir munter den Berg hinauf.

Die Landschaft war ein Traum. Unglaublich schöne Bergwelt und wir hatten mal wieder totales Glück mit dem Wetter.

Irgendwann, nach einer Weile, fing dann bei uns beiden das Gesäss an zu schmerzen. Während Herr C. etwas härter im Nehmen ist, schimpfte ich leise vor mich hin. Schuld ist die Fahrradsattelindustrie. Jetzt mal echt, breites Gesäss und knochenharter schmaler Rennsattel. Das kann doch gar nicht funktionieren denke ich. Vollkommen unmöglich. Nicht umsonst habe ich mir für mein Rad zuhause einen großformatigen Gelsattel zugelegt. Mit dich egal wie das aussieht ;-)

Auf dem Weg nach oben kamen wir an einer Schafherde vorbei. Gut dass wir angehalten haben, denn eins der Lämmer blökte herzerweichend. Es hatte sich mit dem Kopf im Schutznetz verfangen und kam nicht mehr alleine raus. Herr C. ist gleich hingeeilt und hat das Tier aus seiner misslichen Lage befreit, noch ehe ich ein Foto davon machen konnte. Es bedankte sich mit einem lauten Määäh und rannte zurück zur Herde. Da geht einem wirklich das Herz auf.

Oben an der Hütte war es dann unbeschreiblich schön. Der Aufstieg hat sich gelohnt und die Batterieladung meines Rades zeigte trotz ausgiebiger Nutzung des Turbo Modus noch fast 50%. Von weitem wurden wir schon mit lautem Kuhglockengeläut empfangen, bevor wir uns dann endlich ein wohlverdientes Radler genehmigten. Auch wer es nicht glauben möchte, strampeln muss mann dennoch, auch wenn es natürlich lächerlich ist im Vergleich zum normalen Rad. Die vielen Fahrer ohne E-Antrieb haben daher auch meinen absoluten Respekt.

Danach begann der weniger angenehme Teil. Die Abfahrt. 1000 Meter ging es wieder nach unten und jetzt erst begannen die Strapazen. Dauerbremsen und verkrampfte Sirzhaltung in Armen und Beinen. Kann man bestimmt besser lösen, aber nicht wenn man so ein Schisser ist wie ich. Das Geröll auf dem Weg ist einfach sehr rutschig. Ironischerweise vor allem dann wenn man langsamer fährt und viel bremst.

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir endlich unten und mir stiegen schon fast die Tränen in die Augen.

Unten angekommen wurden dann erst mal die Füsse in das glasklare gebirgswasser gehalten und das hat einfach nur gut getan. Am liebsten wäre ich ganz reingehüpft. Aber brrr, es war doch etwas zu kalt.

Zum Abschluss ging es noch mal gute 250 m aufwärts auf der geteerten Hauptstraße zum Hotel. Konditionstechnisch nicht das Problem, aber sitztechnisch …. autschn autschn autschn. Die eingangs erwähnten Sitzbeinhöcker wurden nochmals aufs unangenehmste malträtiert und auch jetzt, zwei Tage nachdem ich diesen Betrag schreibe, tut mir mein Gesäss noch weh.

Höhen und Tiefen

Diese Überschrift ist eine wahre Meisferleistung in Sachen zweideutigkeit und ein kreativer Höhepunkt meines Schaffens ;-)

Seit gestern (Sonntag) Nachmittag sind wir in den italienischen Alpen, genauergesagt im Trentin. Noch genauer gesagt liegt unser Hotel direkt an der Passstrasse zum Manghen Pass, oberhalb von einem Ort namens Telve im Suganertal (Valsugana).

Wir haben fuer drei Nächte das Aurai Hotel gebucht und in der Bar hängt ein Schild, dass man ein Freibier bekommt, wenn man das Hotel in seinen Insta Stories tagged. Ob ich meinen ersten inoffiziellen Auftrag als Influencerin annehmen soll? Herr C. sagt ja 😂

Heute morgen wurden dann endlich die Wanderklamotten ausgepackt und ich musste mit einem Schrecken feststellen, dass ich ausversehen die falsche Hose eingepackt habe. Die war schon ein älteres Modell, sieht aber meiner aktuellen Hose zum verwechseln ähnlich. Ich mag eben grau. Der entscheidende Unterschied ist aber die Konfektionsgrösse. Mit viel gutem Willen hätte ich sie vielleicht noch zu bekommen, aber auf das Atmen hätte ich dann verzichten müssen. So habe ich dann die ebenfalls graue Jogginghose genommen.

Herr C. hatte bereits am Vorabend eine „leichtere“ Einstiegsroute für uns ausgesucht. Prima dachte ich noch. 250 Höhenmeter, ca. 3 Stunden, kriege ich locker hin.

Vor fast genau zwei Jahren haben wir zu Fuss die Alpen überquert. Aber durch Corona und die damit verbundene eher inaktive Lebensweise und nicht zuletzt wegen totaler Inaktivität seit meinem Radunfall vor 9 Wochen, sieht es mit meiner momentanen Ausdauer eher nicht so gut aus.

So fuhren wir hoch auf den Pass und liefen von dort aus los. Eine Hütte zur späteren Einkehr gab es und ich visualisiert schon diverse Speisen als Ziel am Ende der Runde.

Der Einstieg in den Weg verhiess jedoch nichts gutes. Es ging direkt zur Sache mit einem steilen Abstieg durch steinige Pfade. Meine Beine haben gezittert, ich war total unsicher auf meinen Beinen und dachte immer an die Worte in der Komoot App „gute Ausdauer und Trittsicherheit erforderlich“ auweia, kann ja heiter werden. So schimpfte ich leise vor mich hin. Der Zetervogel war wieder da und Herr C. wollte schon fast umkehren.

Aber so war ich vielleicht früher. Die neue und verbesserte Version meiner selbst weiss, dass Wandern einfach toll ist, und das Glueck es dann geschafft zu haben, durch nichts zu überbieten ist. Auf der Suche nach dem Glücksmoment habe ich mich also durchgebissen. Und Schritt für Schritt wurde es tatsächlich besser und auch die Strecke war nicht mehr ganz so steinig.

Die Landschaft war aber auch schön. In fast vollkommener Einsamkeit erreichten wir nach etwa einer dreiviertel Stunde den kleinen kleine Lago Buse. Die herbstlichen Farben, der wechselwolkige Himmel und die Bergkulisse waren einfach ein Traum.

Dann wurde es lustig. Vor uns türmte sich ein Gebirgskamm auf und es mutete sehr steil an. Da sollten wir rüber. Wie jetzt? Einstiegstour? Leicht? Aber kneifen gilt nicht und so gingen wir es an. Der Aufstieg hat gar nicht so lange gedauert und war dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Erst ging es durch die Forcetta Ziolera, danach dann ein ganzes Stückchen im Verlauf der Höhenlinien. Auf der zweiten Furka hatten wir plötzlich wieder Empfang und wir nutzten die Gelegenheit um meinem lieben Papi ein Geburtstagsständchen per Telefon zu bringen. Ich glaube er hat sich ein bisschen gefreut.

Danach begann der Abstieg. Der war erst mal wieder recht steil und felsig, aber die Beine spielten besser mit als am Anfang. Man konnte von weitem schon die Zielhütte erkennen und zum Schluss ging die Strecke fast gerade in Richtung Einkehr.

Mein Fazit, es war fantastisch. Eine der schönsten Wanderungen, die ich gemacht habe und uneingeschränkt empfehlenswert. Mit etwas besserer Kondition hätte es sicher noch mehr Spass gemacht. Das Radler danach hat gezischt und da war es dann, diese absolute und unvergleichliche Glücksgefühl.