Kalimera

Wenn ich könnte wie ich wollte, dann tät ich jetzt den Sekundenzeiger an der Uhr etwas langsamer stellen. Die Zeit vergeht mal wieder viel zu schnell, denn morgen geht es leider schon wieder nach Hause.

Es tut dennoch unheimlich gut, nochmal so richtig Sonne zu tanken, bevor es zuhause sicher sehr viel kühler sein wird.

Es ist so schön hier zu sein. Morgens springen wir immer als erstes in einen der Pools und danach geht’s zum Frühstück. Während Herr C. einmal das gesamte Buffet rauf und runter futtert, entscheide ich mich immer wieder fuer den vollfetten griechischen Joghurt mit Honig und Nüssen und dazu frisches Obst. So ist die Ernaehrung am Morgen wenigstens einigermaßen im Rahmen ;-)

Vorgestern waren wir erst am Strand, sind ein paar mal im Meer geschwommen und dabei von kleinen Fischchen angeknabbert worden. Später haben wir uns dann an den riesigen Meetwasserpool verzogen und dort das gleiche Ritual zelebriert. Nur ohne Fische.

Gestern haben wir mit dem Bus einen Ausflug nach Rhethymno unternommen. Ein kleines Städtchen an der Nordküste Kretas mit kleinem Hafenbecken und tausenden Restaurants, Cafés und Geschäften. Wir haben dort gegessen und verzehrt, gekauft habe ich sonst nix, aber das ist auch ok. Dafür lief die Kamera heiss und ich konnte ausgiebig meine Lieblingsmotive knipsen. Dazu zählen kleine Stilleben aller Art, auf denen dann vorzugsweise noch eine Katze ihren Mittagsschlaf hält.

Apropos Katzen. Hier in der Anlage, direkt neben unserem kleinen Häuschen wohnt eine kleine Familie. Eine noch sehr junge Katzenmama versorgt ihre 7 Jungen. So suess das auch ist, so anstrengend ist es sicher auch fuer die arme Mama. Dennoch muss ich zugeben, dass ich den kleinen stundenlang zuschauen koennte. Alle scheinen wohlauf und dürften etwa 6 Wochen alt sein.

Abend gibt es dann wieder Essen im Buffetstyle und hier schaffe ich es leider nie, die zahlreichen Nachtischkreationen zu ignorieren.

So, und jetzt lade ich geschwind diesen Beitrag hoch, zusammen mit meiner Fotoausbeute der letzten Tage und dann gebe ich mich noch mal dem ausgiebigen Sonnenanbeten hin. Begleitet von leichtem Stricken und einem wundervollen Hörbuch.

Fliegen in den Zeiten von Corona

Heute ist schon der zweite Tag unserer kleinen Reise auf die wundervolle griechische Insel. Wir sind auf Kreta! Djeser Urlaub war eigentlich schon im Mai geplant, wurde dann aber coronabedingt auf Ende September verschoben.

Ich muss gestehen, ich habe damit gehadert. Wohl war mir nicht bei dem Gedanken, dieses Jahr noch in einen überfüllten Flieger zu steigen. Aber es war nun mal gebucht und wir wollten es dann auch nicht ausfallen lassen.

So begaben wir uns also am späten Sonntag vormittag in Richtung Flughafen. Es war erstaunlich, wie viel doch los war, mehr als erwartet, aber natuerlich deutlich weniger als in einer „normalen“ Zeit. Gegen zwei begann der Einsteigeprozess. Wie immer. Als wäre nix … und zu meinem Grauen stellten wir fest, dass das Flugzeug komplett ausgebucht war. Ich hatte das Gefühl, die Sitzreihen waren noch näher zusammengeschoben. So ugewohnt war es, anderen Menschen so nahe zu kommen. Ich war extrem unentspannt und schimpfte leise vor mich hin. Wie konnte ich nur so bescheuert sein. Nach beengten drei Stunden mit ein bisschen Stricken und spannendem Hörbuch erreichten wir die sonnige Kykladeninsel.

Kaum macht es im Flugzeug Bing, klickt es überall und die Menschen erheben sich alle gleichzeitig und nesteln an der Gepaeckablage rum. Normalerweise ist das so. Wir wurden allerdings aufgefordert, sitzen zu bleiben und das Flugzeug Reihe fuer Reihe zu verlassen. Wenigstens etwas.

Draußen angekommen, dann die nächste Anspannung. Fischt man uns fuer einen zufälligen Coronatest aus der Menge? Meiner Nachbarin ist das im Sommer bei der Einreise nach Griechenland passiert und sie erwähnte, dass sie mit zwei Nasenabstrichen maltraetiert wurde. Aber wir hatten Glueck und durften einfach durchgehen.

Hatte ich erwaehnt, dass wir uns hier auf einer Art Pauschalreise befinden?Transfer inklusive, und das bedeutet, dass der behaebige Bus die kleinen griechischen Straßen entlang ächzte und dabei jede Hundehütte abklapperte. Es schaukelte und mir war schlecht. Dennoch waren wir gegen 9 endlich im Hotel. Uff! Geschafft.

Wir bekamen sogar noch ein Abendessen und als wir spaeter endlich auf dem Balkon saßen und den Grillen lauschten, war er wieder da, der spontane Glücksanfall. Irgendwie hatte ich wegen dem ganzen Coronagedöns vergessen, mich angemessen auf den Aufenthalt in der Sonne vorzufreuen. Aber die Spannung fiel endlich ab und zufrieden schauten wir in das grosse schwarze Nichts. Das muss das blaue Meer sein, ich konnte es kaum erwarten, dass die Sonne aufgeht.

Saluti da Senigallia

Es war einmal … vor vielen vielen Jahren, da gab es ein kleines Mädchen, welches einige glückliche Wochen ihrer Kindheit mit der ganzen Familie in Italien an der Adria verbracht hat. Genauergesagt in einem kleinen Badeort namens Senigallia, irgendwo am Meer zwischen Ancona und Rimini gelegen. Es waren die 70er und ich erinnere mich, wie wir oft mitten in der Nacht mit unserem Auto über den Brenner gefahren sind. In der Regel gab es irgendwo einen Übernachtungsstop, denn die Fahrt war damals sicher noch ein paar Stunden länger als es heute möglich wäre. Mir wurde meistens schlecht im Auto und ich muss oft mit der Frage genervt haben: „sind wir bald da?“

Irgendwann war es aber immer soweit und wir fuhren am Hafen vorbei auf die Lungomare zum Hotel International. Damals noch in gelb getuencht war es wahracheinlich das modernste Hotel am Platz. Ich bin sicher ich war immer furchtbar aufgeregt und wusste nicht, was ich zuerst und zuletzt machen sollte. Einen Bombelone essen oder Spielsachen kaufen oder ein Gelato bei Waldemar (Papa bezahlt).

Wir verbrachten hier viele schöne Urlaube, vielleicht sechs oder sieben Mal waren wir hier. Woran ich dabei am meisten denke, ist die wundervolle kindliche Unbeschwertheit, die ich damals erlebte.

Als Herr C. in diesem Jahr unseren Italien Urlaub plante, stellte ich fest, dass der kleine Ort Senigallia direkt auf unserer Route lag. Praktischerweise ergab sich eine Übernachtung, die nicht verplant war, und so konnten wir mein altes Familienhotel für diese eine Nacht buchen.

Sonntag früh war es endlich soweit und ich war voller Vorfreude, als wir das schöne Umbrien verließen und uns der Region Marken näherten. Natuerlich gab es auch gemischte Gefühle. Macht es wirklich Sinn, einen zugegebenerweise verklärten Blick auf die Vergangenheit durch einen erneuten Besuch kaputt zu machen?

Aber die Sorge war vollkommen unbegründet, denn auch wenn sich das Leben ansonsten rasant verändert, im Hotel International scheint die Zeit stehen geblieben. Das Interiör ist in die Jahre gekommen, aber dafür weitestgehend unverändert. Im Speisesaal mit den grossen ovalen Spiegeln an den Wänden bedienen die schwarz-weiß gekleideten Kellner und die Zimmereinrichtumg strahlt immer noch den Charme der 70er aus. Vielleicht hatte ich schon damals einen Blick für architektonische Details, aber ich kann mich ebenso an die Türknäufe mit den Druckknöpfe erinnern, wie an das weiß geflieste Bad mit der runden Dusche in der Aussenwand. Selbst der Geruch des chlorhaltigen Reinigungsmittels ließ alte Erinnerungen wach werden.

Für mich war dieser Besuch hier etwas ganz Besonderes und ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass Herr C. sich darauf einliess. Hatte er doch das eine oder andere Vorurteil gegenüber dem sogenannten Teutonengrill.

Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern alleine hier, mein Bruder war aus den gemeinsamen Familienurlauben bereits herausgewachsen. Wir schreiben das Jahr 1985 und ich war süsse 16. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich mich damals in einen Kellner des Hotels verknallt habe. Das gehört wahrscheinlich, wie die rausgewachsene Dauerwelle, zu den Erfahrungen, die alle Mädchen der 80er irgendwann gemacht haben. Er hieß Fabrizio und war bestimmt schon 20 Jahre alt.

Ich habe meinem Gatten davon erzählt und der hat sich einen Riesenspass daraus gemacht, zu überprüfen, ob es diesen Fabrizio noch gibt und ob es vielleicht der leicht untersetzte Kellner mit dem kreisrunden Haarausfall sein könnte. Ich habe lieber nicht gefragt. Denn hier mag ich an der romantischen Verklärung der Vergangenheit keineswegs rütteln ;-)

Natuerlich hat sich auch einiges verändert, während früher vielleicht 5 oder 6 Schirmchenreihen am Strand hintereinander standen, konnten wir an manchen Stellen bis zu 20 Reihen zählen. Am Strand gibt es praktisch keine Freiflächen mehr. Die Bagnos mit dem bunten Plastikspielplätzen reihen sich aneinander. Dennoch sind die Liegeplätze vielleicht nur zu 20 Prozent belegt. Das mag Corona bedingt sein, oder auch, weil die Hochsaison langsam zu Ende geht. Wir es hier aussieht, wenn alles voll belegt ist, mag ich mir nicht gerne vorstellen.

Abends machten wir einen Spaziergang in die wunderschöne Altstadt. Wir durchqueren dabei den alten Fussgängertunnel, der so niedrig ist, dass ich meinen Kopf einziehen muss. Früher brauchte ich das nicht ;-)

Wie fast jede italienische Innenstadt, erwachte auch Senigallia abends erst richtig zum Leben. Fast alle Geschäfte waren geöffnet und wir machten uns auf die Suche nach einem schönen Lokal. Da ich mir wenig Sorgen um die Qualität des Essens machte, entschieden wir nach dem Ambiente. Eine kleinen gedeckten Tisch fanden wir dann auf einer schönen Piazza mit leichter Musik im Hintergrund. Die Abendluft war noch warm und angenehm und wir liessen uns jeder eine frisch gebackene Pizza schmecken, gefolgt vom obligatorischen Espresso und einem vorzüglichen Gelato für den Nachhauseweg.

Ich bedanke mich bei meinen Eltern fuer die vielen schönen Familienurlaube, die wir natuerlich nicht nur in Senigallia verbracht haben. Bei meinem grossen Bruder, der seine kleine Schwester immer geduldig ertragen hat. Und ich bedanke mich bei Herrn C. der die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat, und mir diesen kleinen Einblick in die Vergangenheit ermöglicht hat (Säuselmodus Ende ;-)

Stets bemüht

Draußen regnet es in Strömen, wir sind mal wieder mit dem Auto unterwegs. Vor unserem nächsten Stop muss ich schnell noch alle Erlebnisse der letzten beiden Tage ordnungsgemäß wegsortieren, damit wieder Platz fuer neue Eindrücke ist.

Vorgestern haben wir uns Fahrräder ausgeliehen, eben jene mit elektromotorischer Unterstützung. In unserer Fattoria waren alle irgendwie leicht verpeilt. Man hatte uns ja schon vorher mehrfach gefragt, ob wir nicht mal die Räder ausleihen wollten. Wir hatten es extra am Vortag angekündigt. Als wir dann danach fragten, war man auf einmal leicht überfordert. Man öffnete die Garage, in dem die Bikes teilweise noch original verpackt waren … natuerlich nicht aufgeladen ;-)

Egal, geht ja schnell. Nach etwa einer Stunde konnten wir dann losfahren. Nicht ohne den Hinweis, am besten die Finger von den Knöpfe zu lassen, denn damit kenne man sich nicht aus. Wir grinsen ein wenig, denn ohne diese Knöpfe macht so ein E-Bike natuerlich wenig Sinn ;-)

Herr C. hatte ja zuvor gemutmasst, daß ich sicher auch so ein Fahrrad haben möchte, wenn ich es einmal ausprobiert habe. Was soll ich sagen. Er kennt mich wohl schon ein bisschen. Denn ich war schwer begeistert. Im Turbogang mit geringem Widerstand einfach so die steilsten Berge hochfahren. Treten muss man zwar trotzdem, aber es ist immer so, als wuerde man auf ebener Strecke fahren. Tolle Sache. Dennoch wuerde ich sagen, damit warten wir noch ein bisschen. Irgendwann könnte ich mir das schon vorstellen.

Abends im Restaurant gab es dann auch wieder etwas zum Schmunzeln. Ich muss sagen, die Leute sind alle unheimlich charmant und freundlich, aber wenn man so dasitzt und beobachtet, mit welch stoischer Ruhe jedes Glas einzeln durch den Raum getragen wird, dann kann einen das schon irgendwie ungeduldig werden lassen. Was soll’s, nach knapp einer dreiviertel Stunde wurde endlich unsere Bestellung aufgenommen und nur eine Viertelstunde spaeter gab es sogar schon etwas zu trinken ;-)

Mein Gatte ist ja bei sowas schrecklich geduldig und erstickt meine aufkeimende Ungeduld mit Humor. Er meinte, wenn er der Bedienung ein Zeugnis ausstellen müsste, dann wuerde er schreiben „sie war stets bemüht“. Da musste dann auch ich lachen und irgendwann kam dann auch das Essen in loser Folge und es war mal wieder sehr köstlich. Besonders sie Pasta ist wirklich ein Gedicht.

Danach sind wir noch runter ins Dorf gelaufen, denn da spielte eine richtige Big Band im Glenn Miller Style. Auf der Piazza standen die Stühle mit grossem Abstand verteilt und man lauschte maskiert dem wundervollen Swing der Blasinstrumente. Zusammen mit der lauen Abendluft war das wieder mal ganz zauberhaft.

Mitten ins Herz

Vorgestern sind wir von der Toskana weiter südlich nach Umbrien gefahren. Genauergesagt nach Castel Rigone, einem kleinen malerischen Bergdörfchen etwas oberhalb vom Trasimeno See gelegen. Unsere Unterkunft ist die Relais La Fattoria und wieder einmal hat Herr C. damit ins Schwarze getroffen.

Anfangs fremdelte ich zwar noch etwas mit der neuen Behausung. Denn die Weitläufigkeit in der Toskana gab es hier nicht mehr. Stattdessen ein im Ortskern eingebettener kleiner Palazzo, der seinen Charme gerade dadurch ausstrahlt, dass alles eher dicht bebaut ist. Aber nach einer Weile war das verschwunden und ich begann die neue Umgebung zu schätzen. Es gibt auch einen kleinen Pool und einen gigantischen Ausblick auf den See.

Gestern morgen sind wir nach einem sehr typischen italienischen Frühstück (Cornetto und Cappuccino) in ein kleines Örtchen namens Cortona gefahren. Ich hatte davon zuvor noch nie gehört. Es war so zauberhaft, ebenfalls am Hügel gelegen, konnte man unterhalb des Ortes parken und von dort in die engen Gassen eintauchen. Es war vormittags, und das bedeutete, dass es recht belebt war. Bars und Cafés waren geöffnet und auf dem Hauptplatz spielte ein Akkordeon, während ein Hochzeitspaar samt Fotograf gerade das Rathaus verließ. Wir setzten uns an einen schattigen Tisch am Rande der Piazza und beobachteten das bunte Treiben.

Spaetestens da fiel mir der Titel für diesen Beitrag ein. „Mitten ins Herz“ … es war einfach wundervoll.

Den Nachmittag verbrachten wir dann am Pool, nachdem wir feststellen mussten, dass der See an den Rändern eher ausgetrocknet war und nicht sehr zum Baden einlud.

Von unserem Balkon konnten wir später schon die rege Geschäftigkeit auf der kleinen Piazza vor dem Hotel beobachten. Ein DJ baute dort sein Equipment auf und die Tische wurden gedeckt. Wir haben hier Halbpension und das heisst, wir bekommen jeden Abend ein 3-Gänge-Menü bestehend aus Antipasti, Primo und Secondo, Dolce und Café nach Wahl.

Nachdem mir Herr C. noch eine Stelle im Dorf mit frisch geschlüpften Minikatzen gezeigt hat, begaben wir uns zum Abendessen. Es ist momentan wenig los und dennoch war am Nachbartisch eine kleine italienische Gesellschaft, die mehr und mehr zu den Italorhythmen des DJs in Tanzlaune geriet. Während also mein Gatte und ich uns eine Flasche Hauswein teilten, stieg die Stimmung am Nebentisch. Die Atmosphäre auf dem von Lichterketten geschmückten kleinen Platz war so bezaubernd. Mehr Italien geht wohl nicht.

Gegen halb elf wollten wir schlafen gehen. Unser Balkon grenzte allerdings direkt an den Platz und im Zimmer selbst wummerten die Bässe der lauten italienischen Popmusik. Uns blieb keine Wahl, wir gingen wieder runter, orderten noch ein Getränk und gesellten uns zum Tanz dazu. Sofort wurden wir freudig in die Runde aufgenommen und ab da war der Abend ein Selbstläufer. Ich versuchte mich sogar an einer sizilianischen Tarantella und bekam Anerkennung von den Italienern. So lustig war das. Wir prosteten uns mit Abstand zu und wäre da nicht gerade eine Pandemie, haetten wir uns wahrscheinlich zu den anderen gesellt und ich haette mit Händen und Füssen meine nur rudimentär vorhandenen italienisch Kenntnisse aufgebessert.

Es war ein toller Abend, den wir so schnell sicher nicht vergessen werden, in diesem besonderen Sommer 2020.

Ruhetag

Gestern war Ruhetag. Ordnungsgemäß bei der Reiseleitung beantragt, hatte ich uns einen Tag mit süssem Nichtstun verordnet. Da also ausser lesen, baden, schlafen, essen und stricken nichts weiter passiert ist, möchte ich die Chance nutzen, um mal über diese bisher wunderschöne Reise ganz allgemein zu plaudern.

Irgendwann während der Zeit des grossen Lockdowns in Deutschland hat Herr C. den Tip von einem Bekannten bekommen, dass es einen Anbieter gibt, der Unterkünfte auf Ebay anbietet. Es handelt sich dabei um ein Österreichischen Anbieter, dessen Geschäftsmodell es ist, diversen Hotels kostenlos Elektro Fahrräder und Autos zur Verfügung zu stellen, die diese dann wiederum kostenpflichtig an ihre Gäste vermieten können. Als Gegenleistung bekommt er von den Hotels Zimmerkontingente geschenkt, allerdings nur zu Zeiten, in denen diese Zimmer der Wahrscheinlichkeit eher nicht belegt wären. Hauptsaison also ausgeschlossen.

Als Kunde kann man diese nun entweder direkt auf der Seite des Veranstalters buchen, oder alternativ bei Ebay ersteigern. Zu meist sehr günstigen Preisen.

Auf diese Weise hat uns Herr C. Eine richtige Reise zusammengestellt, er hat insgesamt 5 verschiedene Unterkünfte für die Schweiz und Italien ersteigert.

Ein Risiko geht man beim Steigern eigentlich nicht ein, man erhält einen Gutschein, der dann 3 Jahre gültig ist. Mit diesem bucht man dann direkt beim jeweiligen Hotel. Sollte etwas nicht passen, hat man ein 4-wöchiges Rückgaberecht.

Das schöne daran ist, dass man auf diese Weise an Orte kommt, die man sonst vielleicht niemals gesucht hätte. Wie zum Beispiel unsere letzte Unterkunft. Die Fattoria degli Usignoli. Ein altes Gehöft, das früher von Mönchen genutzt wurde, um dort Landwirtschaft und Weinbau zu betreiben. Jetzt wird es nur noch zum Ferien machen genutzt. Es erinnerte mich immer ein bisschen an das Ambiente aus „Dirty Dancing“… Das tollste aber war unser riesiges Zimmer mit Terrasse und direktem Zugang zum grossen Pool. Das haben wir sehr genossen.

Leider mussten wir uns heute morgen dort schon wieder verabschieden und sind weiter im Süden gelandet. Wo wir genau sind, und ob es uns da auch gefällt, davon erzähle ich im nächsten Beitrag :-)

San Gimignano

Als ich das Ambiente in unserer Unterkunft das erst mal sah, konnte ich mich direkt faul auf einem Liegestuhl visualisieren. Und das den ganzen Tag.

Beim Frühstück hatte mein Mann dann jedoch wieder dieses Funkeln in den Augen. Es wäre ja nur ein Vorschlag sagte er, als er eine Karte der Umgebung zwischen Cappuccino und Gebäck ausbreitete. Florenz haben wir schon gestrichen, viel zu kompliziert mit dem Auto und definitiv zu heiss fuer einen Städtetrip dieser Art. Er schlug einen Besuch in San Gimignano vor. In knapp einer Stunde zu erreichen, kleines Städtchen, bisschen Bummeln, Eis essen (er kennt mich eben schon recht gut ;-) und am Nachmittag sind wir rechtzeitig zum Poolbad wieder zurück.

Also fuhren wir los, aber nicht die direkte Strecke ueber die Autostrada, sondern langsam und gemächlich durch die sanfte Hügellandschaft der Toskana. Die Fahrt hat dadurch eher 2 Stunden gedauert, aber das hat sich gelohnt. Weinberge so weit das Auge reicht. Diese hingen voll mit roten Trauben, aus denen unter anderem der berühmte Chianti entstehen möchte. Dazwischen erdfarbene Steinhäuser und die üblichen Zypressen, die einfach jedem Foto das gewisse Etwas verleihen.

Am Rande der Altstadt fanden wir ruckzuck einen Parkplatz, und konnten direkt durch eins der Tore in die malerische Altstadt eintauchen. Es war gut besucht, aber sicher weit entfernt vom üblichen Gewimmel der Touristen aus aller Welt. San Gimignano ist wunderschön und sehr gut erhalten. Immerhin zählt die Stadt, die wegen ihrer zahlreichen Türme auch das Manhattan der Toskana genannt wird, zum UNESCO Weltkulturerbe. Das verwundert nicht. Es ist wie ein grosses Freiluftmuseum und da zeigt sich leider auch wieder, was die Folge vom Massentourismus ist. Überall reihen sich die Läden mit den billigen Souvenirs aneinander, dazwischen Ledertaschen und Töpferwaren über deren Herkunft ich nur spekulieren kann. Seis drum. Es war ein wunderschöner kleiner Ausflug und die Stadt ist unbedingt sehenswert.

Nicht ganz wie geplant, waren wir erst um 6 Uhr abends wieder zurück. Trotzdem noch Zeit fuer ein Bad und einen Aperitif vor dem Abendessen.

Italia, ti amo ❤️

Diese Reise wird von Tag zu Tag besser. Wir genießen diese intensiven Momente ganz besonders. Vielleicht liegt es an den besonderen Umständen in diesem speziellen Jahr … vielleicht daran, dass wir es ganz besonders zu schätzen wissen, welches Privileg das Reisen ist. Natürlich sind wir hier auch immer über aktuelle Entwicklungen informiert. Es kann schließlich sein, daß von heute auf morgen eine Reisewarnung der Bundesregierung ausgesprochen wird. Aber wie wuerde meine Therapeutin sagen: also Frau C…. und warum machen sie sich jetzt ueber ungelegte Eier Gedanken? Gute Frage eigentlich. Ich höre jetzt mal auf damit.

Heute morgen habe ich noch mal mein komplettes Gepaeck umorganisiert. Leichtes Gepaeck fuer unterwegs und die dicken Sachen kamen in den Kofferraum. Gegen 11 waren wir schließlich wieder abfahrbereit. Vorbei ging es an Bologna in Richtung Florenz, ich freue mich auf die Toskana. So viel darueber gehört und eigentlich, bis aus zweimal Florenz, noch nie so richtig dagewesen.

Herr C. hatte uns eine Unterkunft südlich der grossen Stadt gebucht und wir unkten noch, ob das hotel wohl dieses Mal geöffnet hat. Wir fuhren von der Autobahn ab, auf immer kleiner werdende Nebenstraßen. Kurvig schlängelte es sich malerisch an Olivenhainen vorbei und die klischeehaften Zypressen erschienen zwischen den Hügeln. So wunderschön.

Wir erreichten schließlich unser Ziel, weitab vom Schuss. Die Fattoria degli Ursignoli hat sich auf einem ganz besonderen Fleckchen Erde ausgebreitet. Großzügig verteilen sich einzelne Steinhäuser und zwei grosse Swimming Pools inmitten grosser Zypressen. Dazu ein atemberaubender Blick mit Sonnenuntergangsgarantie ueber die weitläufige Landschaft. Absolut gigantisch und ein echter „kneifmichmal“ Moment. Unser grosses Zimmer hat eine schöne Terrasse und liegt in Spuckweite vom Pool. Hier will ich nicht mehr weg. Nie wieder ;¬)

Dort verbrachten wir dann auch den gesamten Nachmittag. Stricken oder lesend, mal kurz planschen. Absolute Ruhe und Entspannung. Jetzt fängt der Urlaub so richtig an.

Eben gerade kommen wir vom Essen zurück. Wir saßen gemütlich in einem kleinen Lokal mit fantastischer Terrasse und labten uns an leckerer Pasta und hausgemachtem Tiramisu. Während ich jetzt diese Zeilen schreibe, sitze ich total entspannt auf der Terrasse und höre in der Ferne ein Mischung auf italienischen Sprachfetzen und zirpenden Grillen. Und über uns der grosse Wagen … Seufz.

Coronasommer

In Italien hat man schon das Gefühl, dass der Umgang mit dem Virus hier wesentlich besonnener ist als in der Schweiz. Hier läuft ohne Maske gar nichts. Im Hotel sowieso nicht. Am Pool muss man einen Termin fuer eine Stunde am Tag machen, dafür ist es dann aber auch nicht voll. Beim Frühstück heisst es Schlange stehen, da auch hier nur begrenzt Leute rein duerfen. Das sonst übliche Buffet gibt es auch nicht. Mir soll es recht sein. Ansonsten sind wir sowieso nur alleine unterwegs und im Freien.

Gestern haben wir uns Parma noch etwas näher angesehen. Am Hotel konnte man kostenlos Fahrräder leihen und so radelten wir nach dem Frühstück zum Morgencappucino ins Zentrum. Es war heiss. Sehr sehr heiss. Eigentlich überhaupt kein Wetter fuer eine Stadtbesichtigung. Aber was willste machen?

Auf dem lokalen Markt habe ich ein leichtes luftiges Sommerkleidchen erstanden. Das ziehe ich jetzt fuer den Rest des Urlaubs nicht mehr aus. Wieso habe ich eigentlich schon wieder so viel Gepäck dabei?

Nachmittags nutzten wir unser Zeitfensterchen von einer Stunde zum Schwimmen und abkühlen.

Trotz der Gluthitze sind wir am Abend wieder in die Stadt gefahren. Es stand ja immer noch die erste italienische Pizza auf dem Programm. Einen Aperitif spaeter wurden wir auf der grossen Piazza Garibaldi fündig. Ich schaute noch nicht mal nach Bewertungen der Restaurants, denn ich war sicher, eine Pizza kann man nicht verhauen.

Wir bekamen einen Platz in einer Art offenem Zelt, überdacht und mit flirrenden Deckenventilatoren. Doch die Luft stand und mir zog es mal kurz den Boden unter den Füssen weg. Wenn man mal so an seine Panikattacken gewöhnt ist, dann kann man sich auch jedes mal wieder toll reinsteigern. Dennoch gelingt es mir auch immer besser, das ganze wegzuatmen ;-) So isses. Ein bisschen Drama muss wohl sein. Wir konnten den Tisch noch wechseln und saßen dann mitten auf der Piazza bei leichter Brise. Es war herrlich und der Hunger kam zurueck. Und wie ich eingangs vermutete, die Pizza war ein absolutes Gedicht. Dass im Anschluss noch ein Gelato (due gusti) folgte, sollte der Vollständigkeit halber auch nicht unerwähnt bleiben.