Sydney Opera, Salsa und Kaffeduft

Manchmal braucht das Schicksal einen langen Atem. 12 Jahre ist es her, dass uns das Leben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ich erwähnte bereits die Geschichte mit dem Affenbiss.

Seitdem schien Australien immer in weiter Ferne. In einem Jahr gab es andauernde Waldbrände, dann kam Covid, dann hat Kai wieder was anderes vorgeschlagen. Aber ich bin hartnäckig geblieben, und habe den Wunsch Australien nie aufgegeben. Die berühmte Oper als zentrales Wahrzeichen von Sydney stand dabei immer symbolisch fuer die Erfüllung meines Reisetraums.

Der Tag begann ganz entspannt im Woolstore Hotel. Nach drei Wochen Rundreise mit improvisierten Frühstück aus unserer kleinen Kühlbox gab es hier zum ersten Mal wieder ein richtiges Frühstück à la carte. Am Tisch sitzen, bedient werden, den ersten Kaffee in Ruhe genießen – das hat uns gefallen.

Vom Hotel aus sind wir später zu Fuß zum Fähranleger am Maritim Museum spaziert und haben dort die Fähre in Richtung Oper genommen. 



Das Boot legte ab, der Wind wehte uns um die Nase, wir schipperten gemütlich entlang der beeindruckenden und stetig wachsenden Skyline, bis wir irgendwann direkt auf die Harbour Bridge zusteuerten – und plötzlich tauchte sie auf: die Oper. In diesem Moment sind bei mir alle Dämme gebrochen. Ich musste einfach heulen, so richtig emotional und tief aus dem Herzen. Ich habe mich einfach so sehr über diesen Anblick gefreut.  Um dem Moment einen würdigen Rosamunde Pilcher Anstrich zu verleihen, hauchte Kai mir dann auch noch die berühmten drei Worte ins Ohr 😉


Wir sind dort ausgestiegen und haben das beeindruckende Gebäude erst einmal aus der Nähe betrachtet. Die weißen Dächer sind mit unzähligen weißen Fliesen gedeckt. Diese Struktur aus der Nähe zu sehen, ist wahnsinnig beeindruckend.


Unser Weg führte uns weiter durch die Royal Botanic Gardens bis zur anderen Seite der Bucht.

Von dort aus hat man diesen berühmten Postkarten-Blick: die Oper und die Harbour Bridge in perfektem Einklang. Und das Beste: Der Himmel, der morgens noch grau war, riss pünktlich etwas auf. Die Sonne zeigte sich immer wieder zwischen dem wolkenverhangenen Himmel.

Wir liefen die ganze Strecke quer durch den Park und landeten im Stadtteil „the Rocks“.
Dort haben wir ein Café entdeckt, das mein Herz sofort höher schlagen ließ: Dort lag Wolle auf den Tischen und man konnte einfach weiterstricken. Wie gemütlich ist das bitte?

Herbstlaub


Später haben wir uns wieder aufgeteilt. Kai zog es zurück zum Hotel und mich – wie sollte es anders sein – noch einmal in meinen japanischen Lieblingsbuchladen Kinokuniya. Ich habe dort sicher zwei Stunden verbracht, mich durch Handarbeits- und Crafting-Bücher geblättert und einfach nur geschwelgt. Es ist pure Inspiration für mich.



Zum Abendessen habe ich Kai angerufen und wir haben uns in Chinatown getroffen. Es gab köstliche Wontons und Dim Sums. Bei noch angenehmer Abendluft konnten wir sogar noch draussen sitzen – genau das Richtige nach so vielen Kilometern zu Fuß.

Auf dem Heimweg sind wir an einer grossen Markthalle vorbeigekommen – dem Haymarket. Dort wurde Salsa getanzt – es ist wohl jeden Mittwochabend so. Wir konnten nicht widerstehen und haben ein bißchen mitgetanzt. Das war soooo schön. Wären wir nicht beide so k.o. von diesem ereignisreichen Tag gewesen, hätten wir sicher noch stundenlang weitergemacht.

Ein letzter Boxenstopp führte uns noch in einen kleinen Supermarkt. Mit Milch und Kaffee im Gepäck  (für frischen Kaffeduft am Morgen im Zimmer) sind wir glücklich und müde ins Hotel zurückgekehrt.

Sydneysider

Am Ende ging alles ganz schnell: Eben noch die schnuckeligen Koalas bewundert, sind wir Montagnachmittag gegen drei schon in Sydney gelandet. Unser erster Anlaufpunkt: unser Zimmer im 7. Stock des Holiday Inn im Stadtteil Potts Point. Kurz die Taschen abgeworfen und dann hieß es auch schon Abschied nehmen.

Wir mussten unseren treuen blechernen Gefährten – unser Auto – am Flughafen abgeben. Ein bisschen traurig war das schon, schließlich hat er uns sicher durch die letzten Wochen begleitet.


Mit der Bahn ging es zurück in die City. Um fünf waren wir wieder im Hotel und mein Körper hat erst mal laut nach dem üblichen Schläfchen verlangt. In Ermangelung eines Pools hat Kai währenddessen schon mal seine Fühler ausgestreckt und die Umgebung erkundet.


Kais „Schnüffelnase“ ist mittlerweile richtig gut trainiert und hat uns am Abend zu einem wunderbaren kleinen Asiaten geführt. Wir bestellten jeder eine Rice Bowl, die einfach köstlich war. Das Viertel rund ums Hotel mochten wir sofort: Es gibt dort viele kleine Gassen, nette Lokale und Boutiquen. Und als Krönung gab es auf dem Rückweg noch ein Eis mit Banoffee-Geschmack – sooo lecker!


Das Holiday Inn war das letzte offizielle Hotel unserer gebuchten Rundreise. So stand am Dienstag der letzte Hotelwechsel an.


Nach einem letzten improvisierten Zimmer-Frühstück fuhren wir mit haufenweise lose gepackten Taschen in einem Uber in unser neues Zuhause für die letzten Tage in Sydney.

Das 1888 Woolstore Hotel liegt im Stadtteil Pyrmont. Es handelt sich dabei um ein kleines Designer-Boutique-Hotel, in das ich mich schon von zu Hause aus verguckt hatte. Und mal ehrlich: Wenn ein Hotelname schon mit „Wool“ (Wolle) anfängt, dann kann es ja nur gut werden.


Nachdem wir unser Zimmer vollständig in Beschlag genommen und alle horizontalen Oberflächen sorgsam mit unseren Habseligkeiten vollgepflastert hatten, wollten wir eigentlich die Klassiker abklappern – Opernhaus, Harbour Bridge, das volle Programm. Aber der Himmel über Sydney war grau und wolkenverhangen. Kurzer Planwechsel: Wenn es regnet, gehen wir eben shoppen.


Das haben wir erst mal gemeinsam erledigt, wobei es für Kai eine hübsche neue Sommerhose gab. Ich hatte mir für den Anlass einige Shops ausgewählt, die ich nun nacheinander „abarbeiten“ wollte. Dazu haben wir uns getrennt, denn es kann schon mal vorkommen, dass ich in dem einen oder anderen Laden etwas mehr Zeit brauche.

So verschlug es mich zuerst in einige Läden für Schreibwaren und Journaling-Zubehör und in ein großes Wollgeschäft.
Besonders angetan hat es mir ein riesiger japanischer Buchladen namens Kinokuniya – dort hätte ich den ganzen Nachmittag verbringen können. Nur so zum Verständnis: Japanische Stationery und japanische Handarbeitsbücher sind einfach unschlagbar!


Gegen halb sechs haben wir uns im Food-Court einer der Malls getroffen und uns erst mal etwas Sushi zur Stärkung einverleibt.

Eigentlich war der Plan, später noch mal größer essen zu gehen, doch das wurde kurzerhand gestrichen. Wir waren einfach fix und fertig. Stattdessen gab es ein „Resteessen“ auf dem Bett mit den Vorräten aus unserer pinkfarbenen Kühlbox: Hummus, Cracker, Gurke, Tomate und ein paar Kekse.
Es war ein wunderbar gemütlicher Abschluss für unseren ersten richtigen Sydney-Tag. Die Stadt hat uns jetzt schon in Ihren Bann gezogen und wir sind sehr gespannt, was die nächsten Tage noch so bringen.

Ein Vormittag im Krankenhaus

Der gestrige Tag war ein längerer Tag im Auto. Wir mussten mal wieder einige Kilometer hinter uns lassen.

Am Nachmittag sind wir in Port Macquarie angekommen und konnten direkt in den vierten Stock des Rydges Hotels einchecken.

Da es nach meinem üblichen Nachmittagsschläfchen schon recht spät war, sind wir kurz vor Sonnenuntergang noch einmal entlang der Promenade gelaufen. Solche Abendspaziergänge sind ein fester Anteil unseres Reisealltags geworden.

Zum Abschluss des Tages gab es unsere geliebten Fish & Chips in einem kleinen Lokal um die Ecke des Hotels.

Heute morgen zeigte sich Australien dann  mal wieder von seiner besten Seite, aber der heutige Tag nahm eine Wendung, mit der wir so nicht gerechnet hatten. ;-)
Nach ein paar Bahnen im Hotelpool und einem improvisierten Frühstück hieß es mal wieder: Koffer packen und los.

Aber wir sind nicht weit gekommen. Unser spontanes  Ziel lag quasi um die Ecke, und doch war es eine ganz andere Welt.

Wenn man hört, dass man im Urlaub direkt ins Krankenhaus fährt, zuckt man erst mal kurz zusammen – vor allem mit meiner Reisehistorie! 😂 Aber keine Sorge, uns geht es prächtig. Unser Ziel war das Koala Krankenhaus  kurz hinter Port Macquarie.


Die Anlage ist eine wunderschöne, grüne Oase. Überall stehen Eukalyptusbäume und die Gehege sind so in die Natur integriert, dass man fast vergisst, sich in einer medizinischen Einrichtung zu befinden. Hier werden verletzte und kranke Koalas aufgepäppelt und, wenn möglich, wieder ausgewildert. Aber das ist nur ein Teil der wichtigen Arbeit dort.


Wir hatten das große Glück, etwa eine Stunde dort zu verbringen, und trafen dabei auf Ranger Toni. Er ist einer der Freiwilligen vor Ort und ein absoluter Experte, besonders was das Zuchtprogramm angeht. Mit viel Leidenschaft und Humor hat er uns die gesamte Anlage erklärt.


Das Areal ist riesig. Im hinteren Teil befindet sich ein umzäuntes Waldstück, das der reinen Koalazucht vorbehalten ist. Hier sollen Tiere unter natürlichen Bedingungen und mit so wenig menschlichem Einfluss wie möglich auf die Welt kommen.

Schmunzeln mussten wir, als wir erfuhren, dass es dort sogar eine „Matchmakerin“ gibt. Die weiblichen Koalas sind nämlich sehr wählerisch! Zuerst setzt man sie in benachbarte Gehege. Wenn sie Interesse zeigen, wird die Trennung geöffnet und der Spaß kann beginnen.


Es war faszinierend zu hören, wie gezielt daran gearbeitet wird, die Population der Koalas langfristig zu sichern. Toni erklärte uns, wie wichtig die Genetik für eine gesunde neue Generation ist und wie viel Herzblut in die Vorbereitung der Tiere auf ihre Freiheit gesteckt wird.


Ein weiterer wesentlicher Teil der Einrichtung ist das eigentliche Krankenhaus. Hier gibt es tatsächlich einen richtigen OP mit allerlei Geräten wie Ultraschall und Röntgen. Dahinter liegen die Rehabilitationsgehege. Diese sind, genau wie die Zuchtgehege, für Besucher unsichtbar im hinteren Teil der Anlage untergebracht.


Den dritten Teil der Anlage bilden die Gehege im vorderen Bereich für die dauerhaften „Residenten“. Das sind Koalas, die aus diversen Gründen nicht mehr alleine in der Wildnis überleben könnten. Da das Ganze direkt im Wald gebaut wurde, hat jedes Gehege eigene hohe Bäume, in denen die Koalas ungestört klettern können.

Noro zum Beispiel war ein richtiger Poser: Während wir oben auf einer Art Terrasse standen, kletterte er auf Augenhöhe vorbei und warf sich in so zauberhafte Posen, als wäre er bei einem Model-Contest. Ich bin fast in Ohnmacht gefallen vor Verzückung! Ja, ich glaube, ich kann es jetzt offen aussprechen: Koalas sind meine absoluten Lieblinge unter den australischen Beuteltieren.


Nach gut einer Stunde mussten wir uns von Toni und seinen Schützlingen verabschieden. Dieser Vormittag hat uns noch einmal geerdet und uns gezeigt, wie besonders dieses Land und seine Bewohner sind.


Mit diesen schönen Bildern im Kopf haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Für uns beginnt jetzt der letzte Abschnitt unseres großen Abenteuers. Wir sitzen im Auto und fahren Richtung Süden – unser letztes Ziel: SYDNEY.


Es fühlt sich noch ganz surreal an, aber Sydney wird tatsächlich der letzte Stopp unserer Reise sein. Bevor der Alltag uns wiederhat, wollen wir dort jedocha die letzten Tage noch einmal in vollen Zügen genießen. Die Vorfreude auf die Oper, die Harbour Bridge und das Großstadtflair ist riesig, auch wenn natürlich ein klein wenig Wehmut mitschwingt, dass sich unsere Reise so langsam dem Ende zuneigt.

Koalas, Delfine, Wasserdrachen und Pfannenpizza in Byron Bay

So langsam sind die Tage auf unserem kleinen Roadtrip entlang der australischen Ostküste gezählt. Morgen Nachmittag werden wir bereits unser Ziel Sydney erreicht haben. Aktuell sind wir aber noch auf dem Weg zu unserem letzten Übernachtungsstopp vor der Metropole. Es ist ein merkwürdiges Gefühl: Wir genießen den Komfort der wechselnden Hotels und das Auspacken der Koffer an immer neuen, schönen Orten sehr, aber die Gewissheit, dass Sydney die letzte Station ist, schwingt nun bei jedem Kilometer mit.

Zwei wunderbar entspannte Tage in Byron Bay liegen hinter uns.  Kaum haben wir uns an den Vibe eines neuen Ortes gewöhnt, zieht es uns weiter. Wie immer hätten wir auch hier liebend gerne noch ein paar Tage drangehängt, um einfach nur aufs Meer zu schauen und die Seele baumeln zu lassen.

Am Freitagmorgen hieß es: Abschied nehmen von Brisbane. Die Fahrt aus der Stadt heraus verlangte uns durch den dichten Verkehr erst einmal einiges an Geduld ab, doch kaum lag das Stadtgebiet hinter uns, wurde es auf den Straßen Richtung Süden merklich ruhiger – und das Fahren endlich wieder entspannter.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir unser Ziel: den Byron Bay Discovery Park. Es ist eine dieser weitläufigen Anlagen, eine Mischung aus klassischem Campingplatz feststehenden Hütten, in denen man alles findet, was das Outdoor-Herz begehrt. Schnell war klar: Das hier ist ein echtes Paradies für Familien mit kleinen Kindern, im Reisejargon bedeutet das, es war ein ordentliches Gewusel und Kindergeschrei.

Wir bezogen ein kleines modernes Häuschen an einem der Teiche mit kompletter Ausstattung und zwei Schlafzimmern. Besonderes Feature: im Teich sprudelt eine Fontäne so laut, dass es jenes Gebrüll übertüncht hat 😂

Vor der Tür empfing uns übrigens ein freundlich dreinblickender Australian Waterdragon. Die sind echt so süss. Leider auch sehr scheu.

Mittlerweile sind wir ein total eingespieltes Team. Jeder Handgriff sitzt, fast so, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Während einer von uns die pinkfarbene Kühlbox ausräumt – unser treuester Begleiter, den wir direkt zu Beginn in Cairns erstanden haben –, kümmert sich der andere um die restlichen Vorräte.

Sobald der Duft von frischem Kaffee durch den Raum zieht, beginnt unsere ganz eigene Routine: Ich unterziehe wie immer die Matratzen einem kritischen Check, während Kai direkt den Pool inspiziert.

Den Nachmittag haben wir genutzt, um ein wenig durch den Ort zu bummeln und später am Strand die Meeresluft zu genießen. Wie fast überall auf unserer bisherigen Reise durch Australien begleiten uns auch hier zahlreiche Eukalyptusbäume – die einzige Lebensgrundlage der wohl süßesten Beuteltiere der Welt.

Überall am Straßenrand sieht man die Warnschilder, die zur Vorsicht mahnen, doch in den Baumkronen selbst sind die Koalas extrem schwer zu entdecken. Ihr graues Fell ist die perfekte Tarnung zwischen den Baumstämmen und den dichten Blättern. Meist klammern sie sich so eng und unbeweglich an die Äste, dass man schon sehr genau hinschauen muss, um nicht einfach an ihnen vorbeizulaufen.

Umso aufgeregter war ich, als wir plötzlich eine kleine Gruppe von Leuten entdeckten, die alle mit gereckten Hälsen nach oben in die Baumkronen starrten. Ein untrügliches Zeichen: Da muss was sein!

Bereitwillig versuchte man uns die Stelle zu zeigen, aber ich tat mich anfangs wahnsinnig schwer, in dem Wirrwarr aus Ästen und Blättern den kleinen graue „Bären“ zu entdecken. Doch dann, plötzlich, fokussierte mein Auge ihn – und die Freude war riesig. Ist er nicht einfach unfassbar putzig?

Für den Abend hatten wir uns ganz optimistisch eine Tiefkühlpizza mitgenommen. Ich war mir sicher, dass wir in unserer Unterkunft wieder so eine praktische Kombi aus Backofen und Mikrowelle vorfinden würden, wie wir sie schon öfter hatten. Tja, falsch gedacht: Es war nur eine ganz normale Mikrowelle vorhanden.

Eine kurze Internet-Recherche später die verblüffende Lösung: Die Pizza zuerst in der Mikrowelle auftauen und anschließend in einer heißen Pfanne knusprig anbraten. Wer hätte das gedacht? Ich war skeptisch, aber was soll ich sagen: Es hat tatsächlich funktioniert! Ein echtes Roadtrip-Lifehack-Abendessen, das am Ende viel besser schmeckte als erwartet.

Für den nächsten Tag hatte ich mir ganz bewusst eine Ruhepause verordnet. Auf einer so langen Reise ist das für mich einfach essenziell – ohne diese Inseln der Erholung würde ich irgendwann nur noch erschöpft in der Ecke liegen. Während Kai also alleine loszog, um den nahegelegenen Strand zu erkunden, habe ich mir eine ganz andere Art von Auszeit gegönnt: Ich habe den ganzen Vormittag mit meinen Journaling-Freundinnen aus der ganzen Welt gezoomt.

Das Schöne an der Reise ist ja auch, dass sich die Zeitverschiebung mal zu meinem Vorteil dreht. Zu Hause in Frankfurt finden die Treffen meist weit nach Mitternacht meiner Zeit statt, was für mich kaum machbar ist. Hier in Australien hat es zeitlich endlich mal perfekt gepasst! Es wurde unglaublich viel gelacht und der kreative Austausch hat mir total gutgetan.

Und während ich meine Akkus aufgeladen habe, hat Kai diese fantastischen Aufnahmen am Strand gemacht. Sieht das nicht toll aus?

Am späteren Nachmittag stand noch ein kleines Highlight auf dem Plan: die Fahrt hoch zum Byron Bay Lighthouse. Ich muss wirklich sagen, dass dies einer der schönsten Leuchttürme war, die ich jemals gesehen habe – strahlend weiß vor diesem tollen Abendhimmel.

Kurz dahinter befindet sich der östlichste Punkt des australischen Festlandes. Und genau dort passierte es: Wir konnten tatsächlich Delfine im Wasser entdecken! Kreisch! Wow, was für ein magischer Moment. Ein Tag, an dem man Delfine in freier Wildbahn sieht, kann einfach kein schlechter Tag sein. Wenn diese eleganten Kreaturen so spielerisch und wellenartig durch das Meer gleiten, macht das einfach glücklich. Ein perfekter Abschluss für unsere Zeit in Byron Bay.

We ❤️ Brisbane

Heute ist Freitag, wir haben noch eine ganze Woche in Australien. Wir sind gerade aus Brisbane herausgefahren und haben noch knapp eine Stunde vor uns bis zu unserem vor-vorletzten Stop auf der Strecke nach Sydney. Ich nutze die Zeit zum Schreiben und Kai kämpft sich durch den echt dichten Verkehr am Freitag Vormittag. Dieser ist neu für uns in Australien. Bisher hatten wir nur leere Strassen.

Gestern hiess es also mal wieder Abschied nehmen. Fällt mir ja jedesmal ein bisschen schwer, wenn ich etwas so sehr mochte. Kaum auszudenken, wie schwer mir der Abschied von diesem wundervollen Kontinent fallen wird *schluchzt-jetzt-schon* 😂

Wir waren im 11. Stock des Grand Chancellor Hotels untergebracht und freuten uns über die spektakuläre Aussicht auf die Skyline der Großstadt. Wir sind ja echte Gewohnheitstiere und deshalb ging Kai mal wieder hoch an den Pool und ich? Richtig ich machte ein Schläfchen.

Frisch erholt sind wir mit einem der kostenlosen Busse in die Innenstadt gefahren. Dort habe wir ein bisschen geshoppt, fuer jeden von uns gabs ein neues T-Shirt. Damit konnten wir uns aber nicht so lange aufhalten, denn das grosse Shopping wird in Sydney stattfinden, wo wir ja ganze vier volle Tage sind.

Danach sind wir vor zum Fluss gelaufen und über die Victoria Brücke zur anderen Seite gegangen. Auch hier in Brisbane naht ja der kommende Winter, aber irgendwie spürt man für unsere Verhältnisse nichts davon. Es waren ca. 30 Grad und Sonne, dazu ein leichtes Lüftchen und trocken. Ein perfekter Sommertag haette ich gesagt.

Am Fluss gibt es einen kleinen Park, in dem der Regenwald nachempfunden ist. Dort gab es auch gemütlich dreinblickende Echsen.

Oben auf dem Bild zu sehen die blauen Fähren. Die sind recht schnell unterwegs und bringen einen fuer nur 50 Cent quer durch die Stadt.

Auch hier in Brisbane gibt es einen riesengroßen öffentlichen und vor allem offenen Pool. Kostenlos und fuer alle nutzbar und direkt zugänglich. Die Australier sind echt verrueckt. 😂 Sowas tolles gäbe es bei uns sicher nie. Ich frage mich dann immer wieder warum diese Dinge hier so gut funktionieren und es das sonst fast nirgends gibt. Kostenloser ÖPNV in der Innenstadt. Sicher nicht die schlechteste Idee, wenn man den Autoverkehr in den Innenstädten reduzieren will.

Am Abend kam dann das Highlight des Tages. Ein Moment, so wunderschön, dass ich ihn unbedingt hier festhalten moechte. Nachdem wir noch einen Aperitiv genommen hatten, sind wir mit der Fähre quer ueber den Fluss bis hinter die Storey Bridge gefahren. Es war noch sehr lau, wie an einem schoenen Sommerabend in Deutschland. Wir setzten uns nach oben und ließen die beeindruckende Skyline an uns vorbeiziehen. Das haben wir beide mit allen Sinnen genossen.

Die Brücke war sehr schön illuminiert und als wir ausstiegen, waren wir schon mitten im Trubel. Zu Beginn ein paar tribünenartige Steinstufen, auf denen die Brissies auf Sitzsäcken fläzten und ihre Drinks genossen. Danach eine laaaaaange Restaurantmeile, hunderte Meter am Wasser entlang gab es ein Lokal nach dem anderen. Wir hatten die Qual der Wahl und fanden schließlich einen Platz direkt vorne am Wasser mit Blick auf die Skyline. Wow, das war wirklich mal ein beeindruckender Spot fuer ein Dinner.

Unten dann noch mal zum Abschluss den Blick aus unserem Hotelzimmer im 11. Stock.

Keine Ahnung wieviele Schritte wir heute gelaufen sind. Wir hatten ja nur diesen einen Tag in Brisbane. Aber wir waren beide der Meinung, dass wir das beste daraus gemacht haben. Natuerlich, der Einblick war kurz, aber er hat Lust auf mehr gemacht.

Noosa – LA meets Riviera

Der Dienstag startete mit einer kleinen  Portion Abschiedsschmerz. Als wir morgens auf die Fähre gingen, war ich schon ein bisschen traurig, K’gari wieder verlassen zu müssen. Hier hat es uns beiden ganz besonders gut gefallen.

Wieder auf dem Festland angekommen, gab es erst mal ein freudiges Wiedersehen mit unserem treuen Gefährt. Das stand die ganze Zeit über brav und unauffällig auf seinem Parkplatz und hat auf uns gewartet.

Nachdem alles wieder ordentlich verladen und verzurrt war ging es wieder auf die Strasse, immer weiter in Richtung Süden.

Zwischendrin gab es mal wieder einen Kaffeestop, wo ein „echter“ DeLorian“ vor der Tür stand. Lustig.

Gegen vier Uhr am Nachmittag sind wir in unserem neuen Zuhause angekommen. Wir verbleiben fuer zwei Tage und zwei Nächte im River Retreat in Noosa. Ich habe schon vorher zu verstehen gegeben, dass ich fuer den Rest des Tages nur noch Päuschen machen will. Kai war dankbar dafuer, denn so eine Reise braucht einfach Pausen.

Also waren wir kurz noch im Supermarkt, haben uns was Schönes gekocht und den Rest des Abends auf der Couch verbracht. Im Fernsehen lief gerade „Friends“ und dazu habe ich gestrickt und Kai hat gelesen. Manchmal sind es genau diese unspektakulären Momente, die einen am Ende total glücklich machen.

Noosa von oben.

Der Mittwoch fing leider nicht ganz so erfreulich an, ich hatte Kopfschmerzen, einen flauen Magen und müde war ich auch. Naja, so muss man es eben hinnehmen. Die letzte Zeit ging es so gut, dann ist das auch auszuhalten.

Dennoch sind wir nach dem Frühstück wieder los, um die Gegend zu erkunden. Mit dem Auto sind wir vorne ans Meer gefahren und haben dort mit Mühe und Not einen Parkplatz ergattern können. Es war viel los. Vorne das Meer mit flachem Sandstrand und dahinter eine Promenade mit zahlreichen Boutiquen, Restaurants und Cafés. Die Stimmung war total anders als in Cairns. Ausserdem, ENDLICH kann man sagen, ist das Meer hier beachwimmbar, keine Quallen, keine Krokodile und höchstwahrscheinlich keine Haie.

Dementsprechend voll war es am Strand und im Wasser. Wir sind ein bisschen bergauf gelaufen, entlang eines kleinen Wanderweges an der Küste, wo wir sogar von ganz oben Meeresschildkröten im Wasser sehen konnten.

Die gesamte Atmosphäre war wirklich toll. Wie die Überschrift schon andeutete hat Noosa ein bisschen Californischen Surfervibe, gemischt mit europäisch mediterranem Flair.


Nach einer längeren Mittagspause im Hotel haben wir uns Abends dann noch mal aufgerafft und sind zum Noosa River gefahren. An der Promenade dort ist es herrlich entspannt. Wir sind schließlich oben in einem der charmanten Bootshäuser gelandet. Dort saßen wir dann, haben den Blick aufs Wasser und den Sonnenuntergang genossen und den Tag ruhig ausklingen lassen.

Ganz wesentlichen zur abendlichen Stimmung beigetragen haben auch tausende von bunten Lorikeets, die in den Bäumen sassen und so laut gezwitschert haben, dass sie den gesamten Geräuschpegel entlang des Flusses dominiert haben.

Noosa war mal wieder was besonderes. Eine tolle kleine Stadt am Meer. Hier zu leben, das koennten wir uns durchaus vorstellen 😂

K’Gari und der Traum vom Fliegen

Am Sonntag Nachmittag starteten wir in ein kleines Mikroabenteuer. Unsere Reise in der Reise startete in Hervey Bay. Nach dem Check-in bei der Mainland Reception des Kingfisher Bay Resorts ging es ab auf die Fähre. Die Sonne stand schon tief, es wehte ein leichter Wind und wir genossen entspannt die Überfahrt nach K’Gari, der größten Sandinsel der Welt.

Als wir am Anleger auf der Insel ankamen, fühlten wir uns ein bisschen wie in  „The White Lotus“. Mit einer kleinen Bimmelbahn wurden wir abgeholt und in Richtung Hotel gefahren.

Schon bei der Einfahrt in das Eco-Resort wurde ich emotional, als wir dann aber in unserem Zimmer standen hätte ich fast schon wieder geflennt. Die Aussicht war so unfassbar schön, dass ich kurz mal schlucken musste. Die Terrasse war überdacht und wir blickten auf einen kleinen See mit Seerosen und allerlei Gequake und Gezirpe.

Am Abend haben wir uns in einem der Restaurants was zu essen besorgt und die Aussicht auf der Terrasse genossen.

Am nächsten Morgen ging es früh los: es ging mal wieder auf eine Tagestour quer ueber die Insel. Die war Teil des Gesamtpakets und bereits von Deutschland aus vorgebucht.

Abgeholt wurden wir von einem blauen Bus mit Allradantrieb und leicht aus den Reifen herausgelassener Luft. Das sind zwingende Voraussetzungen fuer eine Fahrt über die sandigen Fahrwege.

Es ging wortwörtlich quer über die Insel. Für eine Strecke, die auf Asphalt 10 Minuten dauern würde, haben wir fast eine Stunde gebraucht, es hat arg geru-ru-ruckelt und geholpert. Nichts für schwäche Mägen!

Auf der anderen Seite gab es eine kurze Pipi Pause und danach erreichten wir den in Australien bekannten 75 Mile Beach. Das ist einfach nur endloser, flacher Sand, auf dem man mit bis zu 80 km/h direkt am Wasser entlangfahren kann. Die Fahrt war deutlich sanfter und wunderschön.

Mitten auf der Strecke stand plötzlich ein kleines Propellerflugzeug. Unser Busfahrer tat ganz überrascht. Ei was was war dann das? Würde der Hesse sagen. Dann wurde die Tür geöffnet und ein junger Mann mit Pilotenbrille und weißer Uniform stand vor uns. Er fragte wer spontan Lust hätte fuer 120 Dollar (etwa 70€) einen ca. 15 minütigen Rundflug über die Insel zu machen. Ehe ich mich versah, und Kai mich ermutigend anstupste, hielt ich schon meinen Arm in die Höhe. Es gab insgesamt nur 7 Plätze. Wow, hä, fliegen. Ganz spontan?

Schon am Great Barrier Reef habe ich neidvoll auf die kleinen Maschinen geschaut. Zu gerne hätte ich das von oben gesehen. Die Flüge dort waren deutlich teurer. Diese Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Ich stieg also aus dem Bus, swipte mein Telefon über den kleinen Bezahlautomaten und schon saß ich hinter dem Piloten mit 6 anderen Passagieren im Flugzeug. Hätte ich meine Ohren nicht, ich hätte im Kreis gegrinst.

Die Aussicht auf den langen Sandstrand war spektakulär, während des Fluges hatte ich ein debiles Dauergrinsen im Gesicht und es war einfach magisch. Ein Erlebnis für mein persönliches Geschichtsbuch, absolutes Bucket-List Material.

Nach dem Adrenalinkick traf ich Kai wieder und wir konnten uns im klarsten Creek aller Zeiten entspannen. Überall feierten die Australier ihre Osterferien und viele hatten grosse Reifen dabei, in denen sie sich im Wasser treiben ließen. Wir wateten einfach nur durch und das war schön genug.

Schiffswrack am Strand.

Wild lebende Dingos, sie sind eigentlich nur gefährlich, wenn man sich falsch verhält. Füttern kostet 2000 Dollar Strafe und das ist auch gut so. Solange man sie einfach ignoriert nehmen sie keine Notiz von einem.

Später nach einem Buffet-Style Mittagessen stand noch eine kleine Wanderung auf dem Programm, auf der wir einiges über die Pflanzenwelt erfuhren. Ein Teil der Wanderung war auch den Ureinwohnern der Insel gewidmet. K’Gari hieß bis vor kurzem noch Fraser Island. Man hat es jetzt als Anerkennung wieder umbenannt. Da ist aber sicher noch ganz viel Aufarbeitung und Anerkennung notwendig.

Den Abschluss der erlebnisreichen Tagestour bildete ein kühles Bad in einem der vielen Binnenseen der Insel, dem Lake McKenzie. Der See ist so rein und der Säuregehalt so speziell, dass dort absolut keine Fische überleben können. Das Wasser war unfassbar klar und es sah einfach toll aus. Hier konnten wir uns nur schwer aus den Fluten befreien. Es gab danach noch Kaffee und Kekse zum Abschluss, bevor es wieder zurueck ins Resort ging.

Als wir zurück im Hotel waren, haben wir uns direkt vorne am Fähranleger in die Sunset Bar gesetzt und bei einem Aperitiv den wunderschönen Sonnenuntergang genossen.

Den abwechslungsreichen Tag haben wir bei einem wundervollen Abendessen in einem der Restaurants  ausklingen lassen und uns  nochmal mehr  über diesen absoluten Traumurlaub gefreut.

PS. : bezogen auf meinen vorletzten Beitrag ueber CFS muss ich noch erwähnen wir extrem happy mich dieser unerwartete Flug gemacht hat. Ich bin ein spontaner Mensch und fuer viele Schandtaten bereit. Die Krankheit hat zuletzt diese Version von mir arg verschleiert. Umso glücklicher waren wir beide, dass diese Gaby mal wieder zum Vorschein kommt in diesem Urlaub.

Kängurutag

Es gibt an der Ostküste einen Strand, an dem sich morgens zum Sonnenaufgang Kängurus und Wallabys treffen, um dort nach Algen zu suchen. Der Strand ist Teil des Cape Hillsborough Nature Parks. Um dort rechtzeitig zum  Sonnenaufgang zu sein, hätten wir am Freitag ganz früh im Hotel in Airlie Beach aufbrechen müssen.

Spätestens um 4 in der Nacht hätten wir losfahren müssen. Wir haben darüber ernsthaft nachgedacht, uns dann aber doch schweren Herzens dagegen entschieden. Es wäre einfach zu viel geworden.

Umso aufgeregter war ich, als ich bei der Fahrt in Richtung Turtle Sands Hotel die vielen typischen gelben Schilder mit dem schwarzen Känguru gesehen habe. Die warnen davor, dass die australischen Beuteltiere meist Nachts plötzlich die Strasse überqueren.

Ich fragte beim Check In nach und man sagte uns, mit etwas Glück könne man welche sehen. Natürlich zum Sonnenauf- oder untergang auf einer Wiese hinter dem Anwesen.

So versuchten wir unsere Glück bereits am Abend, aber bis auf ein paar Stechmücken war nichts los.

Ein erneuter Versuch sollte am nächsten Morgen stattfinden. So kam es, dass wir um Viertel vor sechs schon angezogen auf der noch dämmrigen Straße hinter der Hotelanlage Ausschau nach den Roos hielten und plötzlich unseren Augen nicht trauten.

Ein Känguru nach dem anderen hoppelte aus dem Gebüsch über die Strasse auf die grosse Wiese nebenan. Fünf Stück waren es insgesamt und es war einfach toll. Die Sichtung dieser einzigartigen Tiere hat daher einen eigenen Beitrag verdient.

Das ist genau das gleiche wie beim Wildwechsel in der Heimat. Die Tiere starren in die Scheinwerfer und bleiben mitten auf der Strasse stehen. Dieses hier hat es sicher über die Strasse geschafft. Leider haben wir auf dem gesamten Weg aber bisher schon mindestens 6 oder 7 überfahrene Kängurus oder Wallabys am Straßenrand liegen sehen. So traurig.

Ganz schön muskulös. Da moechte man lieber nicht zu nahe kommen. Dank Teleobjektiv war dann doch diese Aufnahme möglich. Und ja, es hat mich beobachtet. Ich war aber sicher hinter dem Gebüsch und weit genug weg 😉

Wir waren beide total happy, so viele davon in der freien Natur beobachten zu können. Das frühe Aufstehen hat sich total gelohnt.

Reisen mit ME/CFS – Chronique Fatigue

Heute mal ein Beitrag in eigener Sache, Achtung lang 😉

Da ich immer mal wieder gefragt werde, wie mir diese doch recht anstrengende Reise mit meinem aktuellen Gesundheitszustand bekommt, versuche ich mal ein Update zu geben.

Nicht alle, die hier lesen, wissen bescheid ueber meine Situation. Auch im Zuge der Sichtbarmachung dieser Erkrankung hier noch mal eine kurze Erläuterung:

Ich leide seit der Corona Zeit (etwa 2021) am Chronique Fatigue Syndrom. Gemäß der Einstufung der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS, habe ich eine milde bis moderate Symptomatik. Das finde ich ein bisschen witzig, denn das Wort „mild“ suggeriert irgendwie als hätte ich ein bisschen Unwohlsein. Ich zähle mal die meine Symptome auf:

  • Erschöpfung, andauernd, nicht nur müde, sondern wirklich fertig! Die Batterie ist niemals voll, auch nach einer Nacht mit recht gutem Schlaf.
  • Brain Fog, Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme
  • Starke Kopfschmerzen, bei denen keine Tablette hilft, die sind meist über mehrere Stunden und in schlechten Zeiten fast täglich
  • Gelenkschmerzen, oft wechselnd, mal das Knie, Hüfte, Schulter, Handgelenk, Füsse, you name it, bis ich den passenden Termin beim Orthopäden habe, tuts oft schon ganz wo anders weh.
  • Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, vor allem wenn vieoes durcheinander passiert
  • Halsschmerzen und Husten
Kann mich sehr gut mit dem Koala identifizieren. 20 Stunden schlafen am Tag, ansonsten füttern 😂

Ich glaube das war es erst mal, ich habe zahlreiche Termine bei diversen Ärzten hinter mir, vom Kardiologen, HNO, Orthopäden, Neurologen etc. Organisch ist alles in Ordnung. Meistens bekomme ich gesagt, es sei alles psychisch und ich haette sicher eine Depression. F/U möchte ich dann sagen. Ich weiss verdammt noch mal sehr gut, wie sich eine Deoression anfühlt und ich-bin-nicht-depressiv. Es war oft zum verrueckt werden. Mir ist natuerlich klar, daß Koerper und Geist zusammenhängen, aber so einfach ist es dann eben noch nicht.

Dank Kais andauernder Recherche im Internet habe ich nun eine tolle Ärztin gefunden. Frau Dr. Bettina Müller aus Frankfurt. Auch wenn sie selbst, wie derzeit alle im Dunkeln tappt, was diese Erkrankung angeht, so hört sie immer zu, ist neuem gegenüber aufgeschlossen und sehr pragmatisch. Sie rollt nicht mit den Augen, wenn man mal wieder was neues im Internet gelesen hat. Ich bin froh dass ich sie gefunden habe. Ich bin seit fast zwei Jahren in Behandlung bei ihr und wir haben schon vieles ausprobiert.

In jedem Fall hat die Krankheit mein Leben stark verändert. Ich bin permanent so stark erschöpft, dass manchmal selbst aufrechtes Sitzen zu anstrengend ist. Es gibt Tage, da liege ich nur im Bett und kann kaum aufstehen.

Meine Arbeit als Architektin konnte ich immer weniger ausüben. 8 Stunden waren gar nicht mehr möglich. In der Regel habe ich 2 bis 4 Stunden im Büro geschafft. Die Energie die ich am Morgen aufbringen musste, es überhaupt ins Büro zu schaffen, war oft schon so kräftezehrend, wenn ich dann nach der kurzen Arbeitszeit nach Hause gekommen bin, ging es direkt wieder ins Bett. Es blieb kaum noch Zeit für wirklich schöne Dinge.

Daher habe ich zusammen mit Kai  irgendwann eine harte Entscheidung getroffen, nämlich vorerst meinen Job zu kündigen bzw. auf Eis zu legen.  Am 6. März habe ich aufgehört zu arbeiten. Erstens verspreche ich mir davon den Stress massiv zu reduzieren, und zweitens die wenige Lebenszeit die ich aktuell habe, wenigstens ein bisschen besser nutzen zu koennen. Ich bin nicht krank geschrieben, beziehe kein Arbeitslosengeld und liege somit dem Staat nicht auf der Tasche. Dass wir uns das so leisten können ist ein enormes Privileg und ich schätze es wirklich sehr.

So, jetzt zurück zur Frage vom Anfang. Wie geht es mir denn nun. Tja, was soll ich sagen. Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Kai und ich können es momentan selbst noch nicht so richtig fassen. Ich bin auf einem normalen Level müde, der jeweiligen Tagedaktivität angemessen.

Dazu gibt es zwei Theorien:

Erstens habe ich mein Stresslevel durch die Aufgabe des Jobs so stark reduziert, dass das zentrale Nervensystem wieder besser im Gleichklang sein könnte.

Zum Zweiten nehme ich seit Mitte März ein neues Off-Label-Medikament. Es heisst Ability und ich bekomme es in einer sogenannten Low-Dose Anwendung. Es ist eigentlich gegen Schizophrenie und Psychosen, hat aber in der Long-Covid Szene einigen Menschen Linderung der Hauptsymptome gebracht, Erschöpfung und der grauenvolle Brain-Fog.

Mir geht es momentan tatsächlich so gut wie schon lange nicht mehr. Seit wir in Australien sind, stehe ich jeden Morgen frueh auf. Wir gehen zwar meist auch früh ins Bett, aber dazwischen geht es ganz oft ohne Nap. Ich kann zwar keine Bäume ausreißen aber es ist schon sooo viel besser, wie es zuletzt war.

Ich mache alles mit, jede kleine Wanderung und jede Aktion. Ich will alles mitnehmen und erleben. Es macht sehr viel spass.

So und jetzt drückt mir mal die Daumen, dass es nicht zur ein kurzes Aufflackern ist. Zuhause sind schon wieder zig Arzttermine in der Warteschleife. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, das ich den Mist irgendwann wieder los bin.

PS. : Es gibt fast nichts, was ich in den vergangenen 5 Jahren nicht schon ausprobiert haette, sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch. Blutwerte sind unter Dauerkontrolle. Ich mache regelmäßig Sport, versuche mich gesund zu ernähren und versuche alles, was aktuell in der Diskussion ist. Eventuelle Tips im Sinne von Eisenmangel oder Nahrungsergänzungsmittel aller Art, ich kenne sie alle 😘

Mehr Australien geht nicht

Gestern habe ich mir mal ein Blogpäuschen gegönnt, da am Freitag fast ein reiner Fahrtag war. Aber wenn man es dann alles zusammen betrachtet, gibt es doch wieder ein bisschen was zu erzählen.

Am Freitag morgen waren wir noch auf dem Balkon in Airlie Beach und da haben uns beim Frühstück gleich drei Kakadus besucht. Die sehen wirklich so lieb aus. Hätte ich gedurft, hätte ich gerne mein Obst vom Frühstück mit ihnen geteilt. Aber am Balkon hing ein Zettel mit der Bitte, die frechen Gelbfederköpfe nicht zu füttern. Sie werden schon wissen warum 😉

Die Strecke zum naechsten Haltepunkt war ca. 475 km lang. Einfach fahren war die Devise, vieles, wo sich ein Stop unterwegs gelohnt hätte gab es ohnehin nicht.

Zwischendrin machten wir Mittagspause in einem kleinen Ort namens Sarina. Dort hatte ich uns das Roots Collective Café ergoogelt. Ein wirklich bezaubernder liebevoll geführter Coffeeshop mit tollem Essen.

Irgendwann am späten Nachmittag erreichten wir dann Rockhampton, eine Kleinstadt, die vor allem durch ihre Viehzucht einen Namen hat. Es schien eine reine Durchfahrtsdestination zu sein, denn vor Ort gab es eigentlich nur Motels. So waren wir auch an einer Durchgangsstrasse im Best Western Cattle City Motor Inn untergebracht. Mit der recht einfachen Behausunge setzte der Veranstalter hier gekonnt einen Kontrapunkt zu den bisher recht gemütlichen und komfortablen  Unterkünften. 😂

Aber es war sauber und die Betten waren bequem. Was will man mehr. Und so ein Motel gibt einem auch das echte Roadtrip Gefühl.

Am Abend wieder einmal das gleiche Phänomen wie in Townsville zwei Nächte zuvor. Trotz Freitag Abend war die Innenstadt wie ausgestorben. Kaum etwas hatte geöffnet.

Etwas frustriert erinnerten wir uns, dass es direkt neben dem Hotel einen Aldi gab. Dort sind wir dann hin, und haben uns Zutaten fuer ein leckeres Mikrowellenmenü gekauft.

Am naechsten Morgen gab es wir immer die Trilogie aus Packen, Frühstück und Schwimmen. Trotz Schwimmbad direkt neben der Hauptstraße ließen wir uns das nicht nehmen. Und unsere kleines Frühstück direkt vor dem Zimmer sieht doch auch ganz nett aus 😉

Danach sind wir direkt an den Stadtrand und  hoch in die Berge gefahren. Dort war naemlich der Mount Archer Nationalpark.

Mit diesen Exemplaren hatten wir dort oben besonderen Spass. Es handelt sich dabei um Kookaburras, und wenn die zwitschern, dann klingt es so, als wuerden sie dich hämisch auslachen. Soooo lustig.

Die bunten Lorikeets gab es schon in Cairns tausendfach. Sie sind einfach so wunderschön. 

Es war ja mittlerweile Samstag und auch heute mussten wir wieder 350 Kilometer abarbeiten. Zwischendurch machten wir Halt in einem kleinen Ort namens Miriam Vale. Dort hatte ich wieder einen netten Coffeeshop gefunden. Der hatte leider zu und eine Dame sagte uns im vorbeigehen, dass heute alles geschlossen hat wegen dem grossen Rodeo im Ort.

Mein Herz schlug direkt höher. Ein echtes australisches Rodeo. Sofort schossen Bilder in meinen Kopf, von Cliff Barnes und Miss Ellie, JR Ewing wie er von Sue Ellen hämisch einen Drink ins Gesicht geschüttet bekommt. Die sind zwar amerikanisch, aber durch die ausgeprägte Viehzucht hier in Australien, sind Rodeos hier auch etwas ganz typisches. Vergleichbar bei uns mit einer Kirmes oder einem Schützenfest. Mehr Australien geht nicht. Sowas liebe ich ja. Echtes Lokalkolorit.

Leider kostete das aber 20 dollar pro Person. Für nur mal eben reinschauen erschien uns das etwas zu teuer. Und zum Bleiben hatten wir einfach keine Zeit. Hier verfluchten wir dann mal kurz diese sehr eng getaktete und vorgeplante Reise, die einfach keinen Raum für Spontanität lässt. Nächstes Mal machen wie es wieser wie gehabt. Australien ist ein wirklich unkompliziertes Reiseland. Hotels gibt es praktisch an jeder Ecke und außerdem ist es Nebensaison. Aber das hilft jetzt nix und so bin ich kurz vorgelaufen und habe ein liebes Gesicht gemacht. Für ein paar Fotos und mal kurz gucken durfte ich schnell umsonst rein.

Es war mittlerweile Nachmittag als wir unsere bisher schönste Unterkunft der Reise erreicht haben. Das Turtle Sands Hotel direkt am Meer kurz hinter Bundaberg. Hier hat es uns wirklich besonders gut gefallen. Der Stand davor ist vor allem bekannt für die Schildkröten, die jährlich zur gleichen Zeit am Jahresende dorthin kommen und ihre Eier ablegen. Bis Ende März ist dann Hatching Season, da schlüpfen die kleinen Minikröten  und versuchen ihren Weg ins Meer zu finden.

Das muss ein tolles Schauspiel sein, aber die Saison haben wir knapp verpasst.

So machten wir am frühen Abend dennoch  einen Spaziergang am Strand. Grundsätzlich ist der sowieso ab 6 geschlossen, damit mögliche  Nachzügler noch ungestört schlüpfen können. Während der Saison kann man den Strand auch nur in einer geführten Kleingruppe besuchen. Alles scheint hier viel weniger auf Massentourismus ausgelegt zu sein, als damals bei den Pinguinen.

Zwei schöne aber anstrengenden Tage liegen jetzt also hinter uns. Heute ist Sonntag. Was jetzt kommt, klingt nach purer Entspannung.  Wir freuen uns darauf.