Vila Nova de Milfontes

Der gestrige Tag war klein und leise aber dafür umso schöner. Nichts besonderes. Einfach nur ein bisschen treiben lassen.

Der Himmel war blau als wir aufwachten und das bedeutete erstmal ein ausgiebiges Frühstück auf unserer putzigen Terrasse mit Blick aufs Wasser.

Später sind wir in den Ort gefahren. Es war Sonntag und daher sehr ruhig. Es waren zwar vereinzelt ein paar Geschäfte geöffnet, aber der Trubel blieb aus. Wir sind die Treppen runter ans Wasser gelaufen und an einer kleinen Anlegestelle mit Fährbetrieb fielen uns auf einmal mehrere Katzen auf. Die Tür zum kleinen Kassenhäuschen der Fähre war leicht geöffnet und darin waren noch viel mehr Katzen. In allen Größen und Farben maunzte es. Der Kopf einer Frau lugte plötzlich hervor. Die sehr nette Portugiesin erzählte uns, dass sie sich um die etwa 15 Katzen kümmert und sie regelmäßig füttert. Sie gibt ihnen bei Bedarf Medizin und sorgt dafür, dass sie kastriert werden. Eine ist ihr allerdings wieder durchgegangen und daher gibt es auch wieder junge Kätzchen. Die Szene war so rührend, dass ich ihr einen Schein in die Hand drückte… fuer etwas mehr Futter. War so ein Reflex. Daraufhin war sie so erstaunt und erfreut, dass sie sich unbedingt revanchieren wollte. Sie lud uns zu einer privaten Bootsfahrt durch die Bucht ein. Das war natürlich etwas ganz besonderes.

Später sind wir dann noch zu Fuß nach ganz vorne ans offene Meer gelaufen und haben mal wieder die fantastische Natur genossen. Wirklich Wahnsinn und dieses Vila Nova de Milfontes kann man uneingeschränkt auch für einen längeren Aufenthalt empfehlen.

Durch die einmalige Lage an einer Flussmündung gibt es wundervolle Strände mit ruhigem Gewässer und weiter draußen tost das Meer fuer die Surfer. Man kann stand up boards mieten oder Kayaks, es gibt Restaurants und Cafés … ein toller Ort zum Ferien machen.

Auf unserem Strandspaziergang haben wir dann direkt am Meer ein auf Stelzen gebautes Restaurant entdeckt. Hier gab es dann endlich die von Herrn C. so lange herbeigesehnten frisch gegrillten Sardinen.

Wir ich schon eingangs sagte. Ein ruhiger Tag, nix besonderes, aber wirklich schön und abwechslungsreich.

Odeceixe

Es scheint eine Gesetzmaessigkeit des Reisens zu sein, dass das Gepäck bei gleichbleibender Menge immer voluminöser wird. Irgendwie war der Kofferraum auf einmal komplett voll, als wir uns auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft machten.

Nachdem wir ein letztes Mal die nervige Dauerampelbaustelle in Aljezur passierten fuhren wir weiter nach Odeceixe, bzw. dem vorgelagerten Strand. Dieser besteht aus ein paar Häusern, die sich malerisch an einen Hügel schmiegen. Der Strand hat eine Besonderheit, er liegt einer Flussmündung, und ist daher fast komplett von Wasser umgeben. Hier in Portugal gibt es relativ ausgeprägte Gezeiten und das Meer kann sich gewaltig zurückziehen. Das kann besonders in den kleinen von steilen Felswänden umgebenden Buchten gefährlich werden. Als wir dort waren, war der komplette Strandabschnitt wie der Buckel eines Wals komplett freigelegt. Die Kulisse war mal wieder fantastisch. Es war besonders schön, ein paar Hunde zu beobachten, wie sie den weiten Auslauf genossen.

Nach dem Besuch am Strand haben wir dann noch das eigentliche Örtchen Odeceixe angeschaut. Anschließend ging es weiter nach Vila Nova des Milfontes. Ebenfalls an einer Flussmündung gelegen.

Hier haben wir dann ein echtes Paradies gefunden. Etwas weiter hinten im Land und dennoch am Fluss gelegen, befindet sich das Moinho da Asneira. In traumhafter Lage direkt am Wasser bezogen wir ein kleines Studio Appartement mit separatem Schlafzimmer und kleiner Küche. Zu den Bewohnern der Anlage gehören eine betagte Bassetthündin, die ich Frida getauft habe und zwei rot weiße Katzen, die ich die Moinho Brüder nenne.

Der groesste Nachteil an dem stimmungsvollen Ambiente ist, dass ich heute kein bisschen Verlangen hatte, es zu verlassen. Aber das passte perfekt, denn draußen hat es aus Kübeln geschüttet. Es war sehr gemütlich.

Monchique

Von heute gibt es eigentlich gar nicht viel zu berichten. Der Himmel war den ganzen Tag bedeckt und es hat immer mal wieder geregnet. Eigentlich hatten wir gerne mal wieder einen Strandtag eingeschoben, aber das war wohl nix.

So haben wir uns kurzfristig zu einer Fahrt ins Landesinnere entschlossen, genauergesagt nach Monchique. Ein kleines malerisches Bergdoerfchen, das vor allem wegen der Thermen (Caldas de Monchique) und dem Obstschnaps, dem Medronho bekannt ist.

Ich mag aber vor allem die kleinen malerischen Häuserhaufen, in denen es immer wieder so viel zu entdecken gibt, daß mein Hobbyfotografinnenherz höher schlägt.

Carrapateira

Gestern früh musste ich mich erstmal ausgiebig ueber den völlig verpeilten Aushilfskellner amüsieren. Wir hatten in unserem Gästehaus das Frühstück dazugebucht. Gegen 9 Uhr war der Raum gut gefüllt und der junge Mann, im echten Leben wahrscheinlich ein Surfer, schlurfte mit einem Tempo umher, dass man ihm beim Laufen sprichwörtlich die Schuhe haette besohlen können. Aber immerhin sah er dabei sehr hip aus. Braungebrannt, lockiges Haar und natürlich der obligatorische Vollbart. Wie man aber Tische so abräumt, dass man dabei nicht jede handgetöpferte Tasse einzeln in die Küche tragen muss, das hat ihm keiner beigebracht. Aber vielleicht waren es ja auch die halluzinogenen Pilze vom Vorabend. Ups. Ich glaube ich schweife ab ;-)

Wir haben uns fuer gestern einen der vorgeschlagenen Rundwege der Rota Vicentina vorgenommen. Der mit rot gelben Streifen markierte Weg begann in Carrapateira. Dort konnten wir parken und direkt losmarschieren. Es ging durch die sandige Dünenlandschaft und das Laufen auf dem weichen Sand forderte einiges ab. Kurz vor dem Meer tuermten sich dann die Dünen auf und gaben anschließend den Blick auf einen der tollen Strände der Atlantikküste frei. Gleiches Bild mit zahllosen Surfern und hohen Wellen, aber immer wieder schön und faszinierend zu beobachten. Der weitere Weg führte die ganze Zeit oberhalb der Klippen entlang und erlaubte immer wieder durch mit Stegen erreichbare Aussichtspunkte freie Sicht auf die tosenden Wellen.

Unterwegs gab es noch Rast in einem Reaustaurant am Wegesrand und nach einiger Zeit erreichten wir wieder das geparkte Auto. Den Rest duerfen dann die Bilder erzählen.

Surfers Paradise

Gestern war Reisetag und wir haben unsere erste Station verlassen. Es soll auf dieser Reise die Küste weiter aufwärts gehen. Eine Gegend, die auch ich noch nicht kenne, bzw. bisher nur kleine Ausschnitte davon. Auf Empfehlung meiner portugiesischen Strickfreundin, gut wenn das Stricken die Sicht auf Europa ausweiten kann. Ich freue mich immer wieder darueber.

Da die neue Unterkunft erst nachmittags verfügbar war, sind wir erstmal durch Aljezur an den Praia de Amoreira gefahren. Ewig lang fuerte eine holprige Straße durch weite Felder und Dünen, bis sich auf einmal ein fantastischer Strand auftat. Ein Paradies fuer Surfer offensichtlich. Denn die Camper reihten sich aneinander wie auf einer Perlenschnur und im Wasser sah man die kleinen Punkte in ihren Neoprenanzügen, wie sie gemeinsam geduldig auf die perfekte Welle harrten. Der Atlantik donnerte gewaltig und es war einfach wunderschön. Die gesamte Atmosphäre hatte etwas magisches. Passend dazu gab’s auch ein kleines Café direkt am Meer und wir machten dort Mittagspause, es gab leckeren Thunfischsalat mit wagenradgrossen Tomatenscheiben.

Danach folgte noch ein Spaziergang entlang der tosenden Wellen und die Fahrt zurück ins Land, um den Fluss herum, und wieder Richtung Meer zum Arrifana Strand. Dort im Hinterland befindet sich unsere zweite Unterkunft dieser Reise. Das Utopia Guest House. Eine liebevoll umgebaute Villa umgeben von ein paar vereinzelten Häusern und Strässchen. Ruhe. Wie schön. Überall im Haus gibt es selbst gebasteltes aus Treibholz und Muscheln. Uns gefällts.

Abends war dann noch ein Spaziergang vor zum Praia de Arrifana angesagt. Knapp eine dreiviertel Stunde Fußweg hieß das. Doch am Ende wurden wir weit oberhalb des in malerische Felsen eingebetteten Strandes mit einem spektakulärem Sonnenuntergang belohnt.

Am Ende der Welt

Nachdem wir gestern den ganzen Tag faul am Strand herumlagen war heute wieder ein bisschen mehr Bewegung angesagt. Wir sind zunächst mit dem Auto in Richtung Sagres gefahren. Auf dem Weg hielten wir an einer bunt dekorierten lokalen Töpferei an. Das Fotoherz schlug höher. Der Kombination aus Willenskraft, Marie Kondo und der Tatsache, dass wir nur mit Handgepäck fliegen, ist es zu verdanken, dass ich ausser ein paar Fotos nix mitgenommen habe. Ich liebe nämlich diesen Toepferkram.

Ein paar Kilometer weiter westlich haben wir das Auto abgestellt, und sind auf einen der vielen Rundwanderwege gegangen, die auf der Webseite der Rota Vicentina vorgeschlagen werden.

Unser Weg führte zunächst direkt zum Cabo de Sao Vicente. Dem südwestlichen Punkt des europäischen Festlandes. Hier waren wir natürlich nicht alleine. Als wir dort ankamen, tat das Wetter sein allerbestes, um echtes Ende der Welt Feeling aufkommen zu lassen. Dunkle Wolken, ein heftiger Wind und einsetzender Regen trieben uns direkt in ein Lokal zur Kaffeepause.

Eigentlich hatten wir den Wandertag schon aufgegeben, aber es klarte kurze Zeit später wieder auf und wir konnten weiter Richtung Norden marschieren. Ueber steinigen Boden ging es immer an der wilden Küste entlang. Ein wirklich traumhaft schönes Stückchen Erde. Und irgendwann waren wir dann auch wieder in totaler Einsamkeit.

Nach der tollen Wanderung fuhren wir auf dem Rückweg noch in Salema vorbei. Ein kleines Oertchen an der Algarve, welches in meinem ca. 20 Jahre alten Reiseführer unter anderem als Ort der 100 Katzen beschrieben wird. Stimmt auch heute noch. Wohlgenährte Minitiger, streunen ueberall fotogerecht durch die weissgetünchten Gässchen und die Bewohner sorgen mit überall hermstehenden Naepfen fuer das leibliche Wohl der Tiere.

Barfuss liefen wir zurück durch den Sand und freuten uns ueber den gelungenen Tag.

Das Abendessen war ein weiteres Highlight. Ich erinnerte mich an ein bestimmtes Lokal noch von vor 10 Jahren, und bisher war es jeden Abend voll, seit wir hier sind. Heute jedoch war auf der Gasse alles frei. Lag wohl am Wetter, es wird doch etwas kühler am Abend. Der Grill ist direkt am Eingang und wir bekamen je eine frische Dorade zubereitet. Als Nachtisch gab es noch einen leckeren Brownie, je ein Bica und zwei Glas Portwein auf Kosten des Hauses.

Luz

Heute war ein wunderschöner Tag, an dem ich sanft mit dem vielversprechenden Röcheln der Kaffeemaschine geweckt wurde. Eine frischgebrühte Tasse wurde mir dann auch gleich ans Bettchen gebracht. So kann ein erster Urlaubstag beginnen.

Nach dem Frühstück sind wir zum Markt neben dem Busbahnhof gelaufen und wie immer habe ich bedauert, keine groessere Menge an frischem Gemüse der Saison kaufen zu können. Denn um 12 fuhr uns ein lokaler Bus ins benachbarte Oertchen Luz. Wir wollten von dort entlang der Rota Vicentina zurück nach Lagos laufen. Die Rota Vicentina ist ein gut ausgebauter und excellent ausgeschilderter Fernwanderwege, der entlang der Atlantikküste führt und mit ca. 230 Kilometern und insgesamt 13 Etappen zu einem der schönsten Küstenwanderwege der Welt gezählt wird. Wie gesagt, eine kleine Etappe von ca. 13 Kilometern war der Plan fuer heute.

Der Bus hielt an einer Kirche und von dort aus liefen wir direkt zur Küste. Vorher gab’s zur Stärkung noch einen Toast und einen Kaffee.

Der Weg begann mit einem ordentlichen Anstieg auf die Sandsteinfelsen und belohnte mit fantastischer Aussicht. Noch am Morgen war ein dicker Nebel über dem Ozean und auch die Wetterapp verhiess nichts Gutes. Dennoch war der Himmel blau und nur ein paar kleine Wattewölkchen waren zu sehen. Es war irgendwie diesig aber wunderschön. Und warm. Die Sonne heizte ordentlich auf.

Am Praia Porto de Mos folgte dann die 2. Kaffeepause und der letzte Abschnitt führte direkt zum südlichsten Punkt von Lagos, dem Aussichtspunkt Ponta de Piedade. Hier war es dann auch wieder sehr voll, da dieses Fleckchen Erde sehr gut mit Reisebussen zu erreichen ist.

Fazit: Der Weg war traumhaft und wir werden hier sicher noch die eine oder andere Etappe wandern.

Erinnerungen an Lagos

Eine Reise nach Portugal bedeutet fuer mich auch immer eine kleine Reise in die Vergangenheit. 1981 war ich das erste Mal mit meinen Eltern an der Algarve. Die Zeit dort habe ich als einen der schönsten Urlaube aus meiner Kindheit in Erinnerung. Damals waren wir in Lagos. Die schönen Strände und das kleine gemütliche Städtchen hatten mir so gut gefallen, dass ich dann mit Mitte 30 noch dreimal hier Urlaub gemacht habe.

Jetzt bin ich wieder hier, mit Herrn C., und ich freue mich, in Erinnerungen zu schwelgen und gleichzeitig neue Eindrücke zu sammeln.

Gestern frueh mussten wir bereits um viertel nach 4 Uhr morgens aufstehen, um rechtzeitig den Flieger nach Faro zu erreichen. Nach knapp 3 Stunden Flugzeit waren wir bereits am Ziel. Die Übernahme des Mietwagens hat etwas Zeit in Anspruch genommen, aber irgendwann ging dann endlich die Fahrt los zu unserer ersten Station, den Apartamentos Marvela in Lagos. Ein kleines feines Zimmer mit Blick aufs Meer, am Rande der Altstadt gelegen.

Leider konnten wir erst gegen 3 einziehen und so sind wir nochmal in die Stadt gegangen. Und hier musste ich mir erstmal die Augen reiben. Was ist denn da passiert. Ich hatte Lagos Innenstadt zuletzt als angenehm belebt und quirlig empfunden. Aber hier war es auf einmal doch sehr voll. Erst dachte ich, es sei irgendwo ein Markt. Aber mitnichten. Massenweise drängelten sich die Touristen an den billigen Souvenirständen vorbei. Aber so ist das eben mit den Erinnerungen. Manchmal neigt man ja auch dazu, die Dinge zu verklaeren ;-)

Später dann konnten wir ins Zimmer und ich musste erstmal etwas fehlenden Schlaf nachholen. Das tat gut. Mein Mann hat sich derweil ein Gläschen Rotwein auf dem Balkon gegönnt.

Abends gab es dann noch ein feines Essen in einer deutlich leereren Altstadt (Müssen wohl viele tagestouristen gewesen sein). Fuer Herrn C. gab es gegrillten Bacalhao und ich bekam ein leckeres Thunfischsteak. Ein leckerer Flan nach Art des Hauses und zwei Bicas (Espresso) rundeten einen gelungenen ersten Tag ab.

Es ist verdammt schön, wieder hier zu sein.

Tag 1 – AlpenX 2019

Heute war der erste Tag der groessten sportlichen und wahrscheinlich auch mentalen Herausforderung meines Lebens. Der Beginn der Wanderung ueber die Alpen, bis ins italienische Südtirol. Es war großartig. Aber natürlich auch anstrengend.

Der Tag begann aber mit einer kleinen Überraschung. Nach einem vorzüglichen Frühstück im noblen Ameron Hotel am Fusse des Schloss Neuschwansteins hatten wir die Möglichkeit, eben dorthin aufzusteigen, denn wir waren um 9.35 zu einer Führung durch die Gemächer König Ludwigs des 2. angemeldet.

Es folgte noch ein kleiner Abstecher zu der von Touristen aus aller Welt reich bevölkerten Marienbrücke, bis wir dann wieder abstiegen und uns fuer das wirklich grosse Ereignis vorbereiteten. Noch ein paar Riegel eingepackt und ein bisschen die Beine gedehnt, bevor wir gegen halb zwölf das Gepäck schulterten und am Alpsee vorbei in Richtung Lechweg wanderten. Der erste steile Anstieg folgte mit etwa 300 Höhenmetern. Danach noch einige Male rauf und runter, bevor der Weg entlang des Lechs langsam und flach auslief und die Berge von alles Seiten eine atemberaubende Kulisse boten.

Heute war Genusstag, zum eingewöhnen. Ich habe die letzten 3 Kilometer den shuttle genutzt, um mein leider etwas schmerzendes Knie fuer den nächsten Tag zu schonen. Aber das war nur kurz und gegen halb sieben waren alle da und wir konnten nach kurzem Bezug der Zimmer unser wohlverdiente Abendessen genießen. Es wurde sehr viel gelacht uns es ist ein tolles Gefühl, Teil einer solchen Gruppe zu sein.

Tag 1

Füssen – Weissenbach (inklusive Auf- und Abstieg schloss Neuschwanstein)

26 Kilometer (-3 fuer mich)

Aufstieg ca. 600 Meter

Abstieg ca. 300 Meter

Minutenglück

Wenn man gleichzeitig lacht und weint, bekommt man einen Regenbogen im Kopf. Dies ist mein neuer Lieblingsspruch … und passt zufälligerweise exakt zu meiner aktuellen Stimmungslage.

Ich sitze gerade in Zug Nr. 2 auf dem Weg zurück in die große Stadt. Wie immer fällt mir so ein Abschied schwer, und gleichzeitig ist da auch die unglaubliche Vorfreude auf meinen Mann und die beiden süßen Stubentiger. Bin so gespannt, wie sie gewachsen sind.

Die letzten 6 Wochen waren intensiv und wertvoll, wie nachhaltig sie sein werden, das wird sich Zuhause zeigen. Aber ich bin momentan voller Zuversicht, dass ich einiges in den Alltag hinüberretten kann. Das Element Sport hat mir wahnsinnig geholfen. Jeden Tag habe ich mich bewegt, wirklich jeden Tag, vielleicht eine Portion kleiner soll das auch Zuhause so sein. Ob Radfahren oder Laufen, Wandern oder Yoga. Diese Sachen machen mir am meisten Freude. Aber die sogenannte Bewegungstherapie hat auch viel Spass gemacht. Das war wie früher beim Schulsport, wir haben uns in der großen Sporthalle getroffen und jedes mal irgendein Spiel gemacht. Dabei wurde so viel gelacht. Das war herrlich. Aber auch die Entspannung bei der Massage oder der Wärmepackung war toll. Nicht zu vergessen, das therapeutische Bogenschiessen. Eine tolle Übung zur Körperhaltung und Meditation. Vollste Konzentration und tiefes Atmen.

Leider viel zu kurz gekommen, ist der psychotherapeutische Ansatz hier. Fast zynisch in einer psychosomatischen Reha. Aber da hilft auch das viele Jammern nicht, dem so viele Patienten hier verfallen sind. Wir können es für den Moment sowieso nicht ändern. Es gibt zu wenig Therapeuten, warum das so ist, kann man nur orakeln. Bringt aber nix. Ich habe dennoch viel Kraft geschöpft, aus tollen Gesprächen mit den anderen Patienten, aus den Bergen und der Natur, aus dem kreativen Arbeiten und natürlich auch aus den wenigen Therapiestunden, die ich hatte.

Heute morgen wurde zum Abschied überall geherzt und umarmt. Es hat lange gedauert, bis ich den Frühstückstisch verlassen konnte. Schade, dass man so viele Leute niemals wiedersehen wird. Aber man bleibt realistisch. Ein paar wenige Telefonnummern habe ich und meine liebe Tischnachbarin werde ich sicher bald wiedertreffen. Sind nur 1 Stunde und 10 Minuten mit dem Auto.

Toll ist auch, dass ich trotz immenser Futtermengen und vor allem Kuchen und Eis kein Gramm zugenommen habe. Da hat die Bewegung doch gute Dienste geleistet.Ich schlafe wie ein Murmeltier, heute Nacht bin ich nicht einmal aufgewacht. Einschlafen geht innerhalb von Minuten. Wäre das toll, wenn das auch so bleibt. In der Zeit vor der Reha und auch in den ersten Wochen, habe ich mir sehr schwer mit dem Ein- und Durchschlafen getan. Mal sehen, ob das so weitergeht. Das wäre überhaupt das tollste.

Mein persönliches Fazit, ich bin wieder glücklich, mag es nur eine Momentaufnahme sein … das ist egal. Was zählt ist der Moment