Sonne und Wolken

Dieser Urlaub scheint ein bisschen anders zu werden, als die, die wir bisher gemacht haben. Ich kann es nicht so genau erklären, auf jeden Fall ist es ruhiger. Gemaechlicher. Die letzten Monate stecken uns irgendwie noch in den Knochen, der lange Winter, der nicht mehr enden wollende Lockdown. Auf irgendeine Art und Weise hinterlässt das sicher bei jedem seine Spuren. Ob es wirklich an der Pandemie liegt, oder etwas anderes im Busch ist, das kann icht nicht sagen. Fest steht, dass ich ausgelaugt und energielos bin. Seit mittlerweile Monaten wache ich morgens nicht mehr erholt auf. Der Schlaf bringt nicht sein gewohntes Ziel. Ich starte bereits mit minimaler Batterieladung in den Tag. Muede bin ich, und dass immer und oft und jeden einzelnen Tag.

Gehört das jetzt eigentlich hierher? Ich weiss nicht. Aber es ist eben nicht immer nur Sonnenschein, und dass ich damit nicht alleine bin, weiss ich aus vielen Gesprächen in der letzten Zeit. Trotzdem kann ich sagen, eine kleine Auszeit wie diese  kommt definitiv zum richtigen Zeitpunkt.

Also erzähle ich jetzt lieber davon noch ein bisschen.

Samstag haben wir uns Sirmione angesehen. Wir haben unten am Anfang der Landzunge geparkt und sind dann die gesamte Halbinsel nach oben gelaufen. Insgesamt immerhin 10 Kilometer. Anfangs war es noch leerer, aber je näher man an die Spitze und zum eigentlichen Ortskern gelangte, desto dichter und belebter wurde die Strasse. Grosse Reisebusse und eine nicht enden wollende Karawane von Autos rangen um die letzten freien Parkplätze. Erst mal durch das Eingangstor des Ortes gelaufen, drängelten sich die Massen dicht an dicht und man hatte das Gefühl, Corona war überhaupt kein Thema mehr. Mir war es wirklich entschieden zu voll, obwohl der kleine Ort wirklich sehenswert ist.

Bis ganz oben zum sogenannten Jamaika Beach sind wir gelaufen. So genannt deswegen, weil das Ufer mit hellen Felsen gesäumt ist, und das klare türkis schimmernde Wasser deswegen einen Touch von Karibik verbreitet. Es war wunderschön, aber wie bereits zu erwarten war, wir waren nicht die einzigen ;-)

Dennoch haben wir uns ein freies Plaetzchen erkämpft und sind baden gegangen. Die Felsen waren dezent algenbewachsen und sehr sehr glitschig. So erlaubte mir mein Mann auch nur die liegende bäuchlings robbende Art der Fortbewegung im Wasser. Glatte Felsen, klingt ja schon nach Knochenbruch, aber damit war ich erst mal bedient ;-) Hat viel spass gemacht und war sehr erfrischend.

Da wir ja etwas unerlaubt vor einem Supermarkt geparkt hatten (wer die Situation vor Ort kennt, möge uns verzeihen) haben wir die Gelegenheit ergriffen, und die Vorräte noch weiter aufgestockt. Wir hatten beschlossen, am Abend selbst zu kochen und es uns auf der Terrasse gemütlich zu machen. Der Tag war anstrengend genug.

So gab es dann eine loose Abfolge von diversen Antipasti und eine geringfügig modifizierte Pasta al Ragu und italienisches Bier aus Flaschen.

Tapetenwechsel

Ich muss gestehen, ich fremdele noch etwas mit der neuen Umgebung. Noch scheine ich nicht richtig angekommen. Es ist einfach ungewohnt nach so langer Zeit mal wieder die Tapeten zu wechseln.

Aber der Reihe nach. Donnerstag nach der Arbeit ging es direkt los. Die Woche ueber hatten wir schon alles vorgepackt, um zeitig auf die Strasse zu kommen. Wir wollten schon ein paar Kilometer machen und nicht einfach in einem Rutsch durchfahren. Für die Nacht haben wir ein praktisches Motel im Allgäu gebucht. Nahe an der Autobahn haben wir mit einem Code selbst eingecheckt, schnell ein paar Sachen ins Zimmer gebracht und ohne viel Brimborium die Nacht eingeläutet.

Um 6 klingelte bereits der Wecker. Der Plan war, möglichst früh das Nadelöhr am Fernpass zu erreichen und danach direkt die Brennerautobahn möglichst staufrei zu befahren. Hat prima funktioniert. Und so konnten wir bereits gegen 10 den ersten Cappuccino entlang der Strecke zum Gardasee geniessen. Die Fahrt ging vorbei an den steil aufregenden Felsen der wunderschönen Dolomiten. Die Strasse war dicht gesäumt von voll behangenen Südtiroler Apfelbäumen und hin und wieder gab es Weinreben.

Nachdem wir Riva, am oberen Ende des Sees hinter uns gelassen haben, begann die wunderschöne Strecke am Westufer, wo zwischen den zahlreichen in den Fels gehauenen Tunneln immer wieder tolle Blicke auf das rauhe Gewässer und die zahlreichen Wind- und Kitesurfer möglich waren.

Je südlicher wir fuhren, desto ruhiger wurde der See und desto voller wurde die Uferstrasse. Aber wir waren ja noch relativ frueh und es hielt sich im Rahmen.

Gegen 1 Uhr nachmittags erreichten wir dann unsere Unterkunft fuer eine komplette Woche, das Domina Borgo Degli Ulivi oberhalb von Gardone Riviera am Westufer des Gardasees.

Wir hatten direkt Glueck und bekamen statt des gebuchten Zimmers mit Gartenblick ein kostenloses Upgrade in ein Apartment mit dem hochgehandelten „Vista Lago“ (Beckerfaust ;-)

Den Mittag verbrachten wir mit Verräumen des Gepäcks (lohnt sich ja bei einer Woche), ein bisschen planschen im Pool, bevor wir spaeter mit dem Auto runter in den Ort fuhren, um dort unseren heissgeliebten Aperitif zu nehmen. Sehr typisch fuer Italien, wird dieser immer mit allerhand Knabbereien gereicht. Unsere Mägen knurrten schon ein bisschen, da wir ausser einem Fruehstueck nicht nicht viel gegessen hatten.

Spaeter waren wir noch kurz im Supermarkt. Wir haben ja ein Apartment mit eigener Küche und so haben wir uns mit dem nötigsten versorgt.

Im oberen Teil von Gardone Riviera (sopra) gefiel es uns tatsächlich ein bisschen besser, als im unteren, eher mondänen Teil des Ortes, mit seinen Grand Hotels und den Luxusboutiquen. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich noch etwas fremdele. Diese gediegene Atmosphäre ist eigentlich nicht so mein Ding. Aber wahrscheinlich war ich auch einfach nur müde…

In einer gemütlichen Trattoria mit tollem Seeblick gab es fuer jeden eine leckere Holzofenpizza. Ich habe eine nur mit Tomaten und echtem Mozzarella die Buffala bestellt. Ein dickflüssiger Espresso und eine Kugel Gelato auf die Hand und alles war wieder im Lot. Der Urlaub kann beginnen!