Festa delle Corti

Der gestrige Tag war wirklich abwechslungsreich. Bei wunderschönem Sonnenschein und angenehmen 23 Grad starteten wir den Morgen mit einem kleinen Einkauf im benachbarten Alimentari, um im Anschluss unser Frühstück auf der eigenen Terrasse mit spektakulärer Aussicht zu genießen.

Etwas später fuhren wir in Richtung Lugano oberhalb des Luganer Sees entlang und legten einen kleinen Zwischenstop in Gandria ein. Eines dieser malerischen Dörfchen, wo man nur oberhalb parken kann, um dann zu Fuß in die Welt aus kleinen Gässchen und Treppen und malerischen Winkeln einzutauchen. Überall ergeben sich spannende Einblicke und Aussichten. Alleine die teilweise sehr liebevollen Dekorationen aus Topfpflanze in einfachen Blechkanistern, schlafenden Katzen und herausgehängter Wäsche in Mustern vergangener Jahrzehnte. Daran werde ich mich niemals sattsehen. 

Am späten Vormittag sind wir dann in Lugano angekommen. Ich erinnerte mich, dass wir hier vor vielen Jahren mal Rast auf dem Weg an die Adria gemacht haben. Da war ich aber noch seeehr klein … Zeit für Auffrischung also. 
Lugano ist schweizerisch mondän. Gut betuchte können  ihren Hunger an Luxusgütern stillen, anzugtragende Bänker machen ihre Mittagspause in kleinen Cafés und natürlich ergibt sich auch hier die wahre Schönheit des Ortes erst so richtig, wenn man ans Seeufer gelangt. 

Nachmittags haben wir dann an einem kleinen Lido mit Seebad gestoppt und konnten endlich mal Baden gehen. Das Wasser war zwar seeeehr kalt, aber es war toll. Und außerdem war es das erste Bad in größerem Gewässer seit dem Affenbiss. Noch ungewohnt … so mit freigelegter Narbe in der Öffentlichkeit. Aber auch das wird immer besser. 
Am späten Nachmittag dann der lange visualisierte Apero auf der zentralen Piazza in San Fedele. Dem etwas größeren Nachbarort von Pellio. Hier haben wir auch schon beim letzten Besuch in Pellio so manchen Abend gesessen und das geschäftige Leben auf der Straße beobachtet, welches sich in Italien überall nach ausgiebiger Siesta ergibt. 

Am Abend dann das wirkliche Highlight des Tages. 
Jedes Jahr am ersten Montag im August findet im unteren Teil Pellios die Festa delle Corti statt. Wir haben nur durch Zufall davon erfahren und hatten keine Ahnung, was das genau bedeutet. Corti sind Höfe. Soweit die Übersetzung. 
Von überall her strömten Menschen in den Ortskern und die Stimmung war einfach toll. Mehrere Innenhöfe hatten ihre Tore geöffnet und es gab an unterschiedlichen Stationen kleinere Häppchen zu essen und man konnte sich so ein komplettes italienisches Menü zusammenstellen. Die Höfe waren unterschiedlich geschmückt und die Klänge des Schifferklaviers  sorgten für ein echtes italienisches Ambiente. Kai kam die ganze Zeit aus dem Staunen nicht mehr heraus, soooo viel los in Pellio. Ist eben Sommerzeit. August in Italien. Hauptsaison. Auch mal schön, das auf diese Weise zu erleben. 

Abastanza Soleggiato Domani

*stößteinentiefenseufzeraus* Vorhin sind wir in Pellio angekommen. Wir sind also wieder unterwegs. Yippieyayeah. Und wir genießen es in vollsten Zügen:
Gestern wollten wir eigentlich gaaaaaanz früh losfahren, um den vorhergeunkten Superstaus zu entgehen. Losgekommen sind wir dann gegen Viertel vor neun. In Thun (unserem 1. Ziel) angekommen sind wir gegen zwei. Staus? Fehlanzeige. Wahrscheinlich haben sich alle so vom Automobilclub einlullen lassen, dass die meisten zuhause geblieben sind. 
Die Fahrt in die Berge hat jedenfalls früheste Kindheitserinnerungen in uns geweckt. Kai hat berichtet wie er mit drei Geschwistern inclusive Hase und wasserschildkröten auf der Rückbank des Fiats in Richtung Italien gefahren ist (daher sicher seine enorme Leidensfähigkeit bezüglich südostasiatischer Busreisen) … und ich erinnerte mich, im hinteren des Fahrzeugs meiner Eltern eine Kotztüte nach der anderen verbraucht zu haben. Ganz im Stil der unbekümmerten 70er Jahre hat mein liebes Papilein nämlich auch auf langen Urlaubsreisen das Rauchen im Auto nicht eingestellt. Naja es sei ihm verziehen. Schlimmer war es ohnehin wenn er mit seinem mit Spucke befeuchteten Taschentuch meinen Schokoladenbart abgewischt hat ;-) Ich bin aber sicher dass ich diese Vorliebe der Kindergesichtsreinigung mit einem Großteil meiner Generation teile ;-) Ups, jetzt schweife ich ab. 
Nachmittags haben wir die schöne Thuner Innenstadt besichtigt und später sind wir dann hoch nach Goldiwil zu Kais Studienkollegen und dessen Familie gefahren. Sowas von idyllisch. Wieder ein Beitrag aus der reihe: „genauso will ich auch  wohnen!!!“
Bis spät abends haben wir unter anderem einmal mehr die affenstory zum besten gegeben, viel zu viel Wein getrunken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen ging es dann weiter in Richtung Pellio. Da am Gotthard-Tunnel mehrere Stunden Wartezeit prognostiziert wurden, haben wir eine wunderschöne Passstrecke gewählt … wobei sich der Nufenpass in dickste Regenwolken gehüllt hat. 

Gegen Nachmittag sind wir dann in Pellio angekommen, haben Gas und Strom aktiviert, erstmal einen Kaffee gebraut, die Betten bezogen und es uns auf der Terrasse gemütlich gemacht. Da wir es irgendwie versemmelt haben, noch etwas einzukaufen, gehen wir heute Abend im Dorf eine Pizza essen *trieft*. Mahlzeit. 

Watteweich

Schön … so ein Vorabend zu einer Reise. Auch wenn diese von der Länge nicht ganz mit dem angebrochenen Sabbatical zu vergleichen ist. Mir wird ganz warm ums Herz. Neben mir liegt ein kleiner Haufen zusammengesuchter Sachen, die darauf warten in ein geeignetes Gepäckstück befördert zu werden, darauf wie üblich … eine Miezekatze. Das ist einfach Tradition. Katzen setzen sich eben gern auf Dinge. Vielleicht spüren Sie aber auch unseren inneren Aufruhr, und haben jetzt Angst, daß wir die nächsten 9 Wochen wieder unterwegs sind. Nee, sind ja bloß 9 Tage.



Morgen früh geht es los. Angeblich das staureichste Wochenende des Jahres. Wir dürfen gespannt sein. Wir wollen jedenfalls in aller Herrgottsfrühe aufbrechen. Aber schauen wir mal, wie viel dieser Vorsatz dann morgen früh um 5 wert ist. Und das auf unserer nagelneuen watteweichen Fluffifluschmatratze.
Kai hat mir gerade mein derzeitiges Lieblingsgetränk gereicht, den Aperol Spritz. Ach wie ich mich freue, am späten pomeriggio in San Fedele (Nachbarort von Pellio) auf der kleinen Piazza sitzen, einen Bianco Sporco trinken und dabei ein paar Nüsschen knabbern … vielleicht einen Abstecher zu George am Comer See machen.

Auf der kleinen Piazza in Pellio gibt es Wifi *grinstfett* … mal schauen, ob ich mich zu dem einen oder anderen kleinen Reisebericht hinreissen lassen kann :-)