Südindische Hochzeit – Teil 2

Direkt am frühen Morgen hätte es schon die Möglichkeit gegeben, in die Hochzeitslocation zu fahren, um frühen Zeremonien beizuwohnen. Wir entschieden uns jedoch (wie die meisten im Hotel) fuer die spätere Abfahrt um 10.30 Uhr. So konnten wir noch in aller Ruhe das wirklich fantastische Frühstücksbuffet geniessen.

Vor Ort in der Makara Jothi Mahal Ayyapa Pooja Sangam Hochzeitslocation war der Dresscode bis hier noch immer informell und relaxed, dennoch fühlten wir uns alle ein bisschen underdressed, als wir die Braut in ihrem wunderschönen Sari gesehen haben.

Der grosse Raum mit den hunderten Stühlen füllte sich so langsam. Ich hatte mir bis dahin noch Gedanken gemacht, ob ich im Innenraum gute Fotos machen könnte. Ich hatte ja keine Ahnung, dass der Bereich vor der Buehne einem perfekt ausgeleuchteten Fotostudio entsprach 🤣

Auf der Bühne sass das Hochzeitspaar und es spielte Musik, viele Menschen in traditionellen Gewändern waren um die beiden herum verteilt und es gab diverse farbenfrohe Rituale und es war alles schon wunderschön anzuschauen. Wie wir dann erfahren haben, war dies die offizielle Verlobung. Da wir älter waren als die beiden, durften wie sie mit Reis bewerfen, während sie sich vor uns auf den Boden gekniet haben. Somit haben wir ihnen unseren Segen gegeben *schnüff*

Danach gab es das bereits bekannte Essen am offenen Bananenblatt. Ein wirklich tolles Ritual. Man setzt sich einfach dorthin wo es gerade frei ist und von da ab laufen ca. 20 Personen an einem vorbei und bestuecken unseren Naturteller mit verschiedensten, Saucen, Chutneys, Joghurt, Broten, Reis und allerhand Flüssigkeiten in kleinen Bechern. Auch wenn man keine Ahnung hatte was das alles war, wir probierten wirklich von jeder Speise und es war nichts dabei, was uns nicht schmeckte. Eine wahre Geschmacksexplosion und eine Reise durch die Gewuerzwelt Südindiens.

Ich muss ein Geständnis machen, bislang mochte ich indisches Essen zwar, aber es war nicht mein Favorit. Das hat sich nun verändert. Ich bin jetzt ein grosser Fan und freue mich, dass es in Frankfurt auf der Kaiserstrasse ein Restaurant gibt, welches alle diese Speisen auch anbietet.

Anschließend gab es auch für die weiblichen Gäste die traditionelle Bemahlung der Hände mit Henna. Wobei dies eigentlich eher eine nordindische Tradition zu sein scheint. Aber die Braut hatte es sich so gewünscht.

Danach war Tanztraining angesagt, denn wir europäischen Gäste haben schon im Vorfeld der Reise einen indischen Tanz einstudiert. Der war fuer den Hochzeitstag vorgesehen, es hatte sich eine der Inderinnen bereit erklärt noch mal mit uns zu üben. War auch unbedingt notwendig.

Nach dem Essen ging es erst mal wieder zurueck ins Hotel und es blieb nicht viel Zeit fuer einen kurzen Nap und eine frische Dusche, bevor wir schon mit dem Styling beginnen mussten. Am Abend war der offizielle Hochzeitsempfang und fuer diesen gab es nun endlich eine Kleiderordnung ;-)

Kai durfte eine wunderschöne glitzernde nachtblaue Kurta tragen, ein langes Hemd mit Stehkragen und ich bekam ein Kleid, welches ich mir so wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht hätte 🤣 aber es war schön bunt und weiträumig, dass noch viel Platz fuer das Essen sein sollte.

Das Foyer im Hotel füllte sich allmählich mit den Gästen aus ganz Europa und alle sahen so toll und festlich aus. Ueberall funkelte und glitzerte es.

Gegen halb fuenf wurden wir wieder zurueck zur Venue gebracht und dort kamen wir aus dem Staunen  nicht mehr heraus.

Hunderte von Gästen waren vor Ort in den buntesten Saris und Kurtas. Alles war so wunderschön. Wir wurden von allen Seiten nett angelaechelt und gegruesst, „welcome to India“ rief es aus den Reihen. Irgendwann betrat dann das Brautpaar die bunt geschmückte Bühne und wurde erst mal ausgiebig von mehreren Fotografen und Videografen abgelichtet.

Der Begriff „Empfang“ wurde dabei sicher anders interpretiert als bei uns. Während man in Deutschland eher bei einem Gläschen Sekt locker geplaudert haette, baute sich im Saal links von der Buehne eine Menschenmenge auf, die mich ein bisschen an die Schlangen im Königspalast von Mysore aus der letzten Woche erinnerte.

Was nun folgte war ein stundenlanges Ritual, an dem die Gäste in kleineren Gruppen nacheinander auf die Buehne gingen, das Brautpaar begruessten, um danach ein offizielles Foto mit den beiden zu machen. Meine vollste Bewunderung galt den beiden, die dies ueber mindestens 4 Stunden mitmachen, bis auch wirklich jeder seinen Moment hatte.

Ein Stock weiter unten war zur gleichen Zeit ein riesiges Buffet aufgebaut, und das hat uns nochmals erneut beeindruckt. Ueberall gab es Stände, an denen man aus einer Vielfalt an Speisen aussuchen konnte. Wirklich faszinierend und wirklich schade, dass der Magen irgendwann einfach voll ist. Wir haben es geliebt.

Irgendwann am späten Abend ging es zurueck ins Hotel, wo ich wirklich so fertig war, dass ich einen neuen Rekord im Schnelleinschlafen aufgestellt habe. Ich bin immer noch erkältet, habe mir aber dem Anlass angemessen, den ganzen Tag irgendwelche Grippostad und sonstige Pülverchen einverleibt, um dieses einmalige Ereignis in vollsten Zügen geniessen zu koennen.

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