Monsoon Wedding

Jetzt habe ich aber lange darauf hingearbeitet, um endlich diese Überschrift nutzen zu koennen ;-) Aber am Freitag war es so weit, in Indien wurde endlich geheiratet!

Um 4.30 Uhr mitten in der Nacht klingelte bereits mein Wecker. Eine ungnädige Zeit, aber die Hochzeiten hier finden am frühesten morgen statt. Ich begann mit dem ganz grossen Beautyprogramm, welches ich schon von langer Hand in Deutschland geplant hatte. Heute sollte alles perfekt sein. Bei den Haaren scheiterte ich bereits. Trotz mitgebrachtem Bürstenfön und Glätteisen war gegen die tropisch feuchte Hitze nichts zu machen.

Um viertel nach 5 war dann bereits der Termin bei Monique im 4. Stock. Sie war in einem frueheren Leben mal Make Up Artistin und versprach, mir ein dem Anlass angemessenes Äusseres zu verpassen. Wenigstens das hat prima geklappt.

Wir hatten alle bereits unsere Sariblusen und Unterroecke an, als wir uns um halb 6 im Brautzimmer trafen. Hier sollten uns von mehreren Frauen die Saris traditionsgerecht drapiert werden. Es ist naemlich eine eigene Wissenschaft, das bis zu 6m lange Stueck Stoff so um den Körper zu wickeln, dass es am Ende auch gut ausschaut.

Hier gab es dann einen Stau, anstatt mehrerer Frauen waren nur 2 gekommen, und die brauchten je ca. 20 Minuten pro Person. Wir waren aber ungefähr noch 15 Damen und um halb 7 ging der Shuttle zur Hochzeitslocation.

Mag es in Indien generell eine andere Auffassung von Zeit und Pünktlichkeit geben, die Hochzetszeremonien starten um 7.00 Uhr morgens. Da ist nicht dran zu rütteln. Also haben wir uns schnell noch jeder ein Kleid oder eine Kurti übergezogen (hier gilt das Rumlaufen nur in Bluse und Unterrock generell als Unterwäsche und ist ein No Go) und sind eilig zur Venue gefahren worden. Vor Ort hat der Bräutigam bereits ein paar Frauen aus seiner Familie mobilisiert und innerhalb von einer halben Stunde waren wir alle kunstvoll drapiert und gewickelt.

Es war dann auch schon kurz nach 7 als endlich der offizielle Teil begann. Es reihten sich diverse Vor-Rituale aneinander bevor es langsam ernst wurde.

Es begann mit einer „Reise“, das ganze wurde ein bisschen wie in einem Theaterstück aufgeführt. Der Bräutigam beschließt, das Elternhaus zu verlassen und reist mit Gefolgschaft durch die Räume. Draussen auf der Strasse wird dann verhandelt. Eigentlich sollte der Brautvater dem Bräutigam seine Tochter anbieten, damit dieser nicht ins Exil geht, der hat aber seinen Text etwas verändert und stattdessen die beiden Kokosnüsse angeboten, die er in der Hand hielt. Das war natuerlich ungeplant und führte allerseits zu lautem Gelächter.

Die Männer inklusive Bräutigam, Eltern, Schwiegereltern und Brüder trugen übrigens alle topless und um die Hüften war ein weisser Dothi gewickelt, ein 2m breites Stueck Stoff mit goldenem Rand. Diesen trugen alle Männer, aber Kai und die anderen internationalen Gäste durften ein farbiges Oberhemd anziehen. War der Kai doch ein bisschen froh drüber🤣

Irgendwann war es dann soweit. Braut und Bräutigam gingen über 7 Stufen und es wurden entsprechende Fragen gestellt. Danach war alles in Stein gemeißelt und die Braut stand symbolisch auf einem Stein. Wir Gäste bekamen jeder ein buntes Schächtelchen, welches mit Reis gefüllt war. Von ueberall wurde dieser geworfen und irgendwann war alles besiegelt. Die beiden waren offiziell verheiratet. Ein Moment, der bei Monique und mir natuerlich nicht ohne Tränen von statten ging. Wir waren beide ergriffen von diesem Moment.

Anschließend durfte erst mal nicht gratuliert und geherzt werden, denn das Paar sass auf der Buehne, dort brannte ein Feuer, in das die beiden abwechselnd Blumen warfen. Es war wirklich alles sehr sehr feierlich.

Endlich durfte dann auch gratuliert werden und wir stellten uns artig in der Schlange der Gäste an. Es begann wieder eine endlos lange Fotozeremonie. Fotos sind wichtig in Indien, vor allem eben die sehr gestellten Familienfotos und jeder sollte sein Foto mit dem Brautpaar bekommen. Aber ich darf nix sagen, ohne meine Kamera auf Reisen fühle ich mich auch nicht vollständig ;-)

Gegen eins standen schon wieder die Busse bereit, um uns ins Hotel zu fahren. Da wir noch am Morgen ein leckeres indisches Fruehstueck bekamen, verzichteten wir auf das Mittagessen.

Im Hotel gab es ein bisschen Verschnaufpause und ich wickelte mich aus dem Sari heraus. Der war dann doch schwer und irgendwie ungewohnt und nicht bequem zu tragen. Meine Bewunderung gilt daher auch den indischen Frauen, die teilweise ihren gesamten Alltag darin bestreiten.

Nach einem kurzen Powernap ging es wieder zurueck zur Location. Dort begann dann ein informeller und sehr gemütlicher Teil der Hochzeit. Es wurden lustige indische Hochzeitsspiele gemacht, indem die Eheleute sich gegenseitig liebevoll neckten, singen mussten und es gab sogar eine kleine Hochzeitstorte. Ein westlicher Brauch, aber dennoch schoen.

Zum Abschluss hatten dann wir unseren grossen Auftritt. Wir fuehrten unter den amuesierten Augen des Hochzeitspaares und der indischen Gäste unsere bereits zuhause einstudierten Tänze auf. Das hat prima geklappt und wir bekamen Applaus und Anerkennung fuer unsere „Bemühungen“. Dies ist eigentlich eher eine nordindische Tradition. Der sogenannte Sangeet besteht aus diversen Tänzen, die einzelne Gruppen vorbereiten. Wer schon mal Bollywood Hochzeitsfilme gesehen hat, weiss wovon ich rede. Es war sooooooo lustig und hat einen riesengroßen Spass gemacht.

Am Ende gab es noch laute indische Popmusik aus den Lautsprechern und es wurde ausgelassen getanzt.

So war es also vollbracht, eine Südindische Hochzeit, ein absolut einmaliges Erlebnis welches sich fuer immer in unsere Herzen gebrannt hat. Wir sind froh und glücklich und unendlich geehrt, dass wir die Gelegenheit hatten, dies so hautnah mitzuerleben. Um es aber noch etwas kitschiger zu machen, vor allem bin ich dankbar fuer die wundervollen Freundschaften, die uns den Weg hierher ermöglicht haben.

Indien, du hast mein ♥

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