K’Gari und der Traum vom Fliegen

Am Sonntag Nachmittag starteten wir in ein kleines Mikroabenteuer. Unsere Reise in der Reise startete in Hervey Bay. Nach dem Check-in bei der Mainland Reception des Kingfisher Bay Resorts ging es ab auf die Fähre. Die Sonne stand schon tief, es wehte ein leichter Wind und wir genossen entspannt die Überfahrt nach K’Gari, der größten Sandinsel der Welt.

Als wir am Anleger auf der Insel ankamen, fühlten wir uns ein bisschen wie in  „The White Lotus“. Mit einer kleinen Bimmelbahn wurden wir abgeholt und in Richtung Hotel gefahren.

Schon bei der Einfahrt in das Eco-Resort wurde ich emotional, als wir dann aber in unserem Zimmer standen hätte ich fast schon wieder geflennt. Die Aussicht war so unfassbar schön, dass ich kurz mal schlucken musste. Die Terrasse war überdacht und wir blickten auf einen kleinen See mit Seerosen und allerlei Gequake und Gezirpe.

Am Abend haben wir uns in einem der Restaurants was zu essen besorgt und die Aussicht auf der Terrasse genossen.

Am nächsten Morgen ging es früh los: es ging mal wieder auf eine Tagestour quer ueber die Insel. Die war Teil des Gesamtpakets und bereits von Deutschland aus vorgebucht.

Abgeholt wurden wir von einem blauen Bus mit Allradantrieb und leicht aus den Reifen herausgelassener Luft. Das sind zwingende Voraussetzungen fuer eine Fahrt über die sandigen Fahrwege.

Es ging wortwörtlich quer über die Insel. Für eine Strecke, die auf Asphalt 10 Minuten dauern würde, haben wir fast eine Stunde gebraucht, es hat arg geru-ru-ruckelt und geholpert. Nichts für schwäche Mägen!

Auf der anderen Seite gab es eine kurze Pipi Pause und danach erreichten wir den in Australien bekannten 75 Mile Beach. Das ist einfach nur endloser, flacher Sand, auf dem man mit bis zu 80 km/h direkt am Wasser entlangfahren kann. Die Fahrt war deutlich sanfter und wunderschön.

Mitten auf der Strecke stand plötzlich ein kleines Propellerflugzeug. Unser Busfahrer tat ganz überrascht. Ei was was war dann das? Würde der Hesse sagen. Dann wurde die Tür geöffnet und ein junger Mann mit Pilotenbrille und weißer Uniform stand vor uns. Er fragte wer spontan Lust hätte fuer 120 Dollar (etwa 70€) einen ca. 15 minütigen Rundflug über die Insel zu machen. Ehe ich mich versah, und Kai mich ermutigend anstupste, hielt ich schon meinen Arm in die Höhe. Es gab insgesamt nur 7 Plätze. Wow, hä, fliegen. Ganz spontan?

Schon am Great Barrier Reef habe ich neidvoll auf die kleinen Maschinen geschaut. Zu gerne hätte ich das von oben gesehen. Die Flüge dort waren deutlich teurer. Diese Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Ich stieg also aus dem Bus, swipte mein Telefon über den kleinen Bezahlautomaten und schon saß ich hinter dem Piloten mit 6 anderen Passagieren im Flugzeug. Hätte ich meine Ohren nicht, ich hätte im Kreis gegrinst.

Die Aussicht auf den langen Sandstrand war spektakulär, während des Fluges hatte ich ein debiles Dauergrinsen im Gesicht und es war einfach magisch. Ein Erlebnis für mein persönliches Geschichtsbuch, absolutes Bucket-List Material.

Nach dem Adrenalinkick traf ich Kai wieder und wir konnten uns im klarsten Creek aller Zeiten entspannen. Überall feierten die Australier ihre Osterferien und viele hatten grosse Reifen dabei, in denen sie sich im Wasser treiben ließen. Wir wateten einfach nur durch und das war schön genug.

Schiffswrack am Strand.

Wild lebende Dingos, sie sind eigentlich nur gefährlich, wenn man sich falsch verhält. Füttern kostet 2000 Dollar Strafe und das ist auch gut so. Solange man sie einfach ignoriert nehmen sie keine Notiz von einem.

Später nach einem Buffet-Style Mittagessen stand noch eine kleine Wanderung auf dem Programm, auf der wir einiges über die Pflanzenwelt erfuhren. Ein Teil der Wanderung war auch den Ureinwohnern der Insel gewidmet. K’Gari hieß bis vor kurzem noch Fraser Island. Man hat es jetzt als Anerkennung wieder umbenannt. Da ist aber sicher noch ganz viel Aufarbeitung und Anerkennung notwendig.

Den Abschluss der erlebnisreichen Tagestour bildete ein kühles Bad in einem der vielen Binnenseen der Insel, dem Lake McKenzie. Der See ist so rein und der Säuregehalt so speziell, dass dort absolut keine Fische überleben können. Das Wasser war unfassbar klar und es sah einfach toll aus. Hier konnten wir uns nur schwer aus den Fluten befreien. Es gab danach noch Kaffee und Kekse zum Abschluss, bevor es wieder zurueck ins Resort ging.

Als wir zurück im Hotel waren, haben wir uns direkt vorne am Fähranleger in die Sunset Bar gesetzt und bei einem Aperitiv den wunderschönen Sonnenuntergang genossen.

Den abwechslungsreichen Tag haben wir bei einem wundervollen Abendessen in einem der Restaurants  ausklingen lassen und uns  nochmal mehr  über diesen absoluten Traumurlaub gefreut.

PS. : bezogen auf meinen vorletzten Beitrag ueber CFS muss ich noch erwähnen wir extrem happy mich dieser unerwartete Flug gemacht hat. Ich bin ein spontaner Mensch und fuer viele Schandtaten bereit. Die Krankheit hat zuletzt diese Version von mir arg verschleiert. Umso glücklicher waren wir beide, dass diese Gaby mal wieder zum Vorschein kommt in diesem Urlaub.

Reisen mit ME/CFS – Chronique Fatigue

Heute mal ein Beitrag in eigener Sache, Achtung lang 😉

Da ich immer mal wieder gefragt werde, wie mir diese doch recht anstrengende Reise mit meinem aktuellen Gesundheitszustand bekommt, versuche ich mal ein Update zu geben.

Nicht alle, die hier lesen, wissen bescheid ueber meine Situation. Auch im Zuge der Sichtbarmachung dieser Erkrankung hier noch mal eine kurze Erläuterung:

Ich leide seit der Corona Zeit (etwa 2021) am Chronique Fatigue Syndrom. Gemäß der Einstufung der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS, habe ich eine milde bis moderate Symptomatik. Das finde ich ein bisschen witzig, denn das Wort „mild“ suggeriert irgendwie als hätte ich ein bisschen Unwohlsein. Ich zähle mal die meine Symptome auf:

  • Erschöpfung, andauernd, nicht nur müde, sondern wirklich fertig! Die Batterie ist niemals voll, auch nach einer Nacht mit recht gutem Schlaf.
  • Brain Fog, Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme
  • Starke Kopfschmerzen, bei denen keine Tablette hilft, die sind meist über mehrere Stunden und in schlechten Zeiten fast täglich
  • Gelenkschmerzen, oft wechselnd, mal das Knie, Hüfte, Schulter, Handgelenk, Füsse, you name it, bis ich den passenden Termin beim Orthopäden habe, tuts oft schon ganz wo anders weh.
  • Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, vor allem wenn vieoes durcheinander passiert
  • Halsschmerzen und Husten
Kann mich sehr gut mit dem Koala identifizieren. 20 Stunden schlafen am Tag, ansonsten füttern 😂

Ich glaube das war es erst mal, ich habe zahlreiche Termine bei diversen Ärzten hinter mir, vom Kardiologen, HNO, Orthopäden, Neurologen etc. Organisch ist alles in Ordnung. Meistens bekomme ich gesagt, es sei alles psychisch und ich haette sicher eine Depression. F/U möchte ich dann sagen. Ich weiss verdammt noch mal sehr gut, wie sich eine Deoression anfühlt und ich-bin-nicht-depressiv. Es war oft zum verrueckt werden. Mir ist natuerlich klar, daß Koerper und Geist zusammenhängen, aber so einfach ist es dann eben noch nicht.

Dank Kais andauernder Recherche im Internet habe ich nun eine tolle Ärztin gefunden. Frau Dr. Bettina Müller aus Frankfurt. Auch wenn sie selbst, wie derzeit alle im Dunkeln tappt, was diese Erkrankung angeht, so hört sie immer zu, ist neuem gegenüber aufgeschlossen und sehr pragmatisch. Sie rollt nicht mit den Augen, wenn man mal wieder was neues im Internet gelesen hat. Ich bin froh dass ich sie gefunden habe. Ich bin seit fast zwei Jahren in Behandlung bei ihr und wir haben schon vieles ausprobiert.

In jedem Fall hat die Krankheit mein Leben stark verändert. Ich bin permanent so stark erschöpft, dass manchmal selbst aufrechtes Sitzen zu anstrengend ist. Es gibt Tage, da liege ich nur im Bett und kann kaum aufstehen.

Meine Arbeit als Architektin konnte ich immer weniger ausüben. 8 Stunden waren gar nicht mehr möglich. In der Regel habe ich 2 bis 4 Stunden im Büro geschafft. Die Energie die ich am Morgen aufbringen musste, es überhaupt ins Büro zu schaffen, war oft schon so kräftezehrend, wenn ich dann nach der kurzen Arbeitszeit nach Hause gekommen bin, ging es direkt wieder ins Bett. Es blieb kaum noch Zeit für wirklich schöne Dinge.

Daher habe ich zusammen mit Kai  irgendwann eine harte Entscheidung getroffen, nämlich vorerst meinen Job zu kündigen bzw. auf Eis zu legen.  Am 6. März habe ich aufgehört zu arbeiten. Erstens verspreche ich mir davon den Stress massiv zu reduzieren, und zweitens die wenige Lebenszeit die ich aktuell habe, wenigstens ein bisschen besser nutzen zu koennen. Ich bin nicht krank geschrieben, beziehe kein Arbeitslosengeld und liege somit dem Staat nicht auf der Tasche. Dass wir uns das so leisten können ist ein enormes Privileg und ich schätze es wirklich sehr.

So, jetzt zurück zur Frage vom Anfang. Wie geht es mir denn nun. Tja, was soll ich sagen. Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Kai und ich können es momentan selbst noch nicht so richtig fassen. Ich bin auf einem normalen Level müde, der jeweiligen Tagedaktivität angemessen.

Dazu gibt es zwei Theorien:

Erstens habe ich mein Stresslevel durch die Aufgabe des Jobs so stark reduziert, dass das zentrale Nervensystem wieder besser im Gleichklang sein könnte.

Zum Zweiten nehme ich seit Mitte März ein neues Off-Label-Medikament. Es heisst Ability und ich bekomme es in einer sogenannten Low-Dose Anwendung. Es ist eigentlich gegen Schizophrenie und Psychosen, hat aber in der Long-Covid Szene einigen Menschen Linderung der Hauptsymptome gebracht, Erschöpfung und der grauenvolle Brain-Fog.

Mir geht es momentan tatsächlich so gut wie schon lange nicht mehr. Seit wir in Australien sind, stehe ich jeden Morgen frueh auf. Wir gehen zwar meist auch früh ins Bett, aber dazwischen geht es ganz oft ohne Nap. Ich kann zwar keine Bäume ausreißen aber es ist schon sooo viel besser, wie es zuletzt war.

Ich mache alles mit, jede kleine Wanderung und jede Aktion. Ich will alles mitnehmen und erleben. Es macht sehr viel spass.

So und jetzt drückt mir mal die Daumen, dass es nicht zur ein kurzes Aufflackern ist. Zuhause sind schon wieder zig Arzttermine in der Warteschleife. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, das ich den Mist irgendwann wieder los bin.

PS. : Es gibt fast nichts, was ich in den vergangenen 5 Jahren nicht schon ausprobiert haette, sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch. Blutwerte sind unter Dauerkontrolle. Ich mache regelmäßig Sport, versuche mich gesund zu ernähren und versuche alles, was aktuell in der Diskussion ist. Eventuelle Tips im Sinne von Eisenmangel oder Nahrungsergänzungsmittel aller Art, ich kenne sie alle 😘