Ganz pauschal am Roten Meer

Nachdem wir Beide am Montag und Dienstag noch im kalten vorweihnachtlichen Deutschland hinter unseren Schreibtischen saßen, ging es Mittwoch früh um 8 zum Flughafen. Von dort sollte es fuer zwei Wochen nach Marsa Alam in Ägypten gehen.

Das ist irgendwie eine sehr ungewoehnliche Reisezeit fuer unsere Verhältnisse. Kann mich nicht erinnern, im Dezember schon mal nennenswerte Urlaube gemacht zu haben. Grundsätzlich geniesse ich die Vorweihnachtszeit immer sehr zuhause. Gemütlich bei Kerzenlicht, Plätzchen backen, alles kitschig dekoriert und auf diversen Weihnachtsmärkten Glühwein, Bratwurst und Schoko Popcorn verspeisen. Aber dieses Jahr ist irgendwie alles ein bisschen anders.

Ich war ja zu Beginn des Jahre bis Ende August (inklusive Wiedereingliederung) im Krankenstand. Und nun will es das Gesetz, dass mir trotzdem noch der gesamte Jahresurlaub zusteht. Das mag man fair finden oder nicht, aber wer sind wir, uns gegen den Gesetzgeber aufzulehnen? 😉

Da Kai dementsprechend auch noch einen angehäuften Vorrat an Urlaubstagen hatte und wir beide in unseren Firmen dazu angehalten sind, diese möglichst bis Jahresende zu verbrauchen, blieb uns quasi keine andere Wahl. Wir mussten noch mal weg.

Die Wahl fiel auf das Rote Meer. Es ist relativ nahe, die Flugzeit ist entsprechend kurz (ca 4,5 Stunden) aber es ist dennoch noch warm und sonnig.

So langsam gehe ich in die letzte Erklärungsrunde, denn auch die Art des gesamten Urlaubs ist wirklich  sehr ungewöhnlich fuer uns. Wir haben nämlich zwei Wochen Pauschal + All Inclusive gebucht. Noch nie gemacht und bisher auch immer total verweigert. Aber vielleicht ist das ja nach meinem ständigen Kampf gegen die Erschöpfung ganz angenehm. Wir werden sehen.

Am späten Vormittag ging es also am Mittwoch los und mit einer Stunde Zeitverschiebung kamen wir pünktlich zum Sonnenuntergang am kleinen Flughafen von Marsa Alam an.

Die Einreise ging total schnell, wir kauften jeder ein Visum fuer 25 Euro und draussen wartete schon ein Kleinbus auf uns. Pauschal eben… und irgendwie auch ganz bequem. Nur etwa 20 Minuten später kamen wir an unserem neuen Zuhause fuer die nächsten 2 Wochen an, dem Hilton Nubian Resort Marsa Alam. Dafür haben wir uns entschieden, weil es mit knapp 450 Betten eine der kleineren Anlagen am Roten Meer ist 🤣🤣🤣

Nach dem Check in ging es mit dem Club Car in unser  Zimmer mit Balkon  und ich war neugierig auf den Ausblick. Denn Zimmer mit Meerblick sind in dieser Anlage selten, aber dennoch sollten wir angeblich seitliche Sicht aufs blaue Meer haben. Noch konnten wir aber nichts sehen, draussen war es bereits tiefschwarze Nacht.

Es war schon Zeit fürs Abendessen und hier muss ich gestehen, habe ich doch arg mit der Gesamtsituation gefremdelt. Das schönste ist es eigentlich immer, direkt am ersten Abend die Umgebung zu erkunden und in einem kleinen gemütlichen Lokal ortstypische Kost zu verspeisen. Hier fanden wir aber das Gegenteil, einen monströsen Speisesaal mit (an diesem Abend) internationalen Spezialitäten und dem entsprechenden Publikum.

Irgendwie tat ich mir an diesem Abend schwer damit und ich war auch mittlerweile muede und leicht quengelig. Aber was solls, wir wussten ja vorher, worauf wir uns einlassen und man wird satt 😂 Das Nachspeisebuffet sah allerdings wirklich sehr vielversprechend aus.

Mit unseren All Inklusive Baendechen, die man uns beim Check In ums Handgelenk gebunden hatte, konnten wir danach noch an der Bar einen (oder zwei…) Cocktails trinken und danach fielen wir muede in die sehr bequemen Betten. Wir waren gespannt auf die nächsten Tage.

„Eisbaden“ in der Nordsee

Es war irgendwann Ende des letzten Jahres, als meine Erschöpfung auf dem Höhepunkt war, und ich tagelang nichts anderes konnte als nur im Bett zu liegen. Selbst aufrecht auf der Couch sitzen und stricken war zu anstrengend. Ich vertrieb mir die Zeit oft stundenlang mit dem Anschauen von Reisevideos auf Youtube. Dabei stiess ich auf einen Kanal, wo ein Paar eine Reise auf einem Schiff in der Arktis machte.

Auf diesen Reisen gehört es scheinbar zur Tradition, einen sogenannten „Polar Plunge“ zu machen. Man springt einfach so ins kurz vor dem Gefrierpunkt befindliche eiskalte Wasser. Dazu gibt es Musik und gute Laune und ich beneidete die Energie, die diese Menschen hatten. Irgendwie konnte ich mir kaum vorstellen, dass ein menschlicher Körper das überhaupt aushalten kann. Dennoch ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los.

Eisbaden ist ja ein absoluter Trend, der schon seit geraumer Zeit aus den skandinavischen Ländern zu uns herüber svhwappt. Ich fing an zu recherchieren und stiess dabei auf die sogenannten Kältekammern, die derzeit überall aus dem Boden schießen (scheinbar ein Nachfolger der Sonnenstudios aus den 80ern und 90ern ;-)

Anfang Januar meldete ich mich dort an und war direkt nach dem ersten Aufenthalt von 4 Minuten bei – 85 Grad so begeistert, dass ich gleich eine Zehnerkarte kaufte. Nach ein paar Wochen steigerte ich mich dann auf -110 Grad mit Vorkammer. Ein Wahnsinn. Jedes Mal danach fühlte sich der ganze Körper fuer etwa 2 Stunden so toll an, als waere man 30 Jahre jünger ;-)

Als ich im April fuer 7 Wochen in Reha in Bad Saulgau ging, gab es dort ganz früh am Morgen jeden Tag Kneippsche Güsse. Dabei war man in Badekleidung und wurde (wenn man es wollte) von Kopf bis Fuß mit einem Schlauch abgegossen. Das Wasser war 8 Grad kalt. Das war zwar jeden Morgen eine neue Überwindung aber ich wurde beinahe süchtig danach.

Seitdem ich wieder zuhause bin, dusche ich jeden Tag so kalt, wie es das Frankfurter Wasser hergibt. Ich liebe es einfach.

So und jetzt sind wir endlich wieder in der Gegenwart. Am Samstag waren wir nämlich bei herrlich sonnigem Wetter in der nicht mehr ganz so warmen Nordsee baden. Die Wassertemperatur beträgt laut Internet zur Zeit etwa 16 Grad. Ich haette mir das nie zugetraut, normalerweise konnte man mich damit weit weg jagen. Aber auf einmal geht es. Ohne Unterbrechung bin ich direkt in die Fluten gesprungen und schwamm einige Minuten herum. Es war eine Freude. Kai war übrigens auch im Wasser. Aber maximal 10 Sekunden. Dann wurde es ihm zu kalt ;-)

Ich will jedenfalls weitermachen. Immer kälter soll es werden. Im Internet habe ich eine Gruppe aus Frankfurt gefunden, die sich ab Oktober ueber die gesamten Wintermonate immer Samstags zum Winterbaden treffen. Da möchte ich mich gerne anmelden. Mal schauen, zu welchen Temperaturen ich noch fähig bin.

Warum ich das mache fragst du? Weil es mir gegen die Erschöpfung hilft und sich einfach so richtig gut anfuehlt.