Willkommen im Backofen 

Seit gestern Abend sind wir nun also im wohltemperierten Emirat Dubai am persischen Golf. Los ging die Reise gestern Vormittag mit einer kurzen Bahnfahrt zum Flughafen. Der Flug mit Emirates war mal wieder mehr als angenehm. Mittlerweile meine persönliche Lieblingsairline (angeberischer Globetrotterspruch ;-) Vernünftiger Sitzabstand und große Bildschirme am Platz mit prima Filmauswahl. Habe mit u.a. „A Streetcat named Bob“ angeschaut. So ein herzerwärmender Film *seufzt* 

Am Flughafen angekommen mussten wir erstmal eeewig laufen. Bestimmt über 15 Transportbänder ging es Richtung Passkontrolle und Gepäckband. Da wir ja pauschal mit einem deutschen Discounter gebucht haben, war der Transfer zum Hotel im Paket inbegriffen. Gar nicht mal so unangenehm. Auf dem Weg zum Bus, raus aus dem Flughafengebäude konnte man bereits einen ersten Eindruck auf die Sauna gewinnen. Es waren noch laue 37 grad bei einer sprühnebelartigen Luftfeuchtigkeit, die einem sofort die Lesebrille beschlagen ließ. Gegen ein Uhr nachts Ortszeit waren wir dann aber im Hotel und ich habe meinen Bärenhunger nur noch mit einer kleinen Tüte Nüsschen aus der Minibar stillen können. 

Der Morgen begann mit einem heiteren Frühstück in skurriler Gesellschaft im tageslichtunabhängigen Speiseraum. Das wirklich viel gemütlichere lichtdurchflutete Atrium stand leider aus religiösen Gründen nicht zur Verfügung. Es ist Ramadan, und auch für uns Touristen heißt das, Essen und Trinken nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jedenfalls begegneten uns an den großen Tischen unsere Mitreisenden aus Deutschland. An unserem Tisch saß ein Paar in etwa unserem Alter mit Berliner Akzent. Vati, dessen Verdickung um den Bauchnabel ein vielseitig bedrucktes und mit Applikationen versehenes Polohemd umspannte, gab uns wertvolle Tips für den Umgang mit der Stadt. Taaachsüber kriste nüscht zu essen, kannste fagessen, und och keen Händchenhalten. Wenn die sich nur bei uns auch ma so benehm würn! Ich übe mich in kommentarloser Hinnahme der Tatsache, dass Pauschaltourismus nun mal auch Pauschaltouristen anzieht. Später listete er dann noch den einen oder anderen Reisemangel auf. Wenn ick zuhause bin, wer icks denen sagen, wenn ick was widabekomme is jut … wenn nich (zuckt mit den Schultern) 

Die Willkommensveranstaltung lassen wir dann auch einfach ausfallen. Rudi (Name von der Red. geändert) hat uns ja schon alles erklärt ;-) 

Für den ersten Tag haben wir uns ein leichtes Eingewöhnprogramm zur Aklimatisierung verordnet. Bereits nach den ersten fünf Schritten aus dem Hotel kam eine kurze Phase der Resignation. Unmöglich dachte ich! Hier rumlaufen? Nix … ich muss zurück ins Hotel. Aber dann siegte der Entdeckerdrang, gefolgt von ehrfürchtiger Bewunderung für die Bauarbeiter, die bei dieser Affenhitze Zementsäcke durch die Gegend schleppen. Da unser Hotel in der sogenannten „Altstadt“ von Dubai liegt, wollen wir hier ein bisschen auf Entdeckungsreise gehen. Zuuuuufällig wohnen wir in direkter Nähe zum Viertel Menam Bazaar, einem der Textilviertel der Stadt. Hier reiht sich ein Stoffgeschäft an das Andere. Mit ein bisschen Vorrecherche aus Deutschland hatte ich mir zwei davon herausgepickt, wovon das eine direkt am Wegesrand auftauche. Das Handloom House. Die Auswahl im unteren Teil des Ladens war noch nicht so mein Geschmack. Aber oben tat sich das Paradies auf. Feinste Seiden-, Baumwoll und Leinenstoffe aus Indien zu absolut bezahlbaren Preisen. Ich konnte nicht anders als gnadenlos zuschlagen. Später schloss sich dann noch der eine oder andere Kauf an. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, ich habe mir ein neues Hobby zugelegt 😉

Der Weg führte weiter durch die verwinkelten Souks, die nätürlich alle irgendwie nachgebaut wurden, um der Stadt ein bisschen orientalischen Glamour zu verleihen. Und ich fand es auch wirklich ganz nett gemacht. Natürlich gab es auch die authentischen Verkäufer, die sich einen großen Spaß daraus machen, uns Bleichgesichtern alles anzupreisen, was das Warenregal hergibt. Immer wieder abgewechselt von denjenigen, die einem mit einer Visitenkarte durch das Gesicht wedeln, um einen in einem geheimes Lager aus gefälschten Pradataschen und Rolexuhren zu locken. 

Später sind wir mit einem der Kleinboote über den Dubai Creek auf die andere Seite gefahren und haben dort noch ein bisschen in den Gassen geschnuppert. Zwischendurch mussten wir uns immer mal wieder ein geheimes Plätzchen suchen, um einen beherzten Schluck Wasser zu trinken. Mir zwar komplett unverständlich, aber natürlich macht das Trinkverbot im Ramadan auch in den heissen Ländern keine Ausnahme. Und auch wir Besucher sollten in der Öffentlichkeit nicht trinken. Aus Respekt. 

Völlig verschwitzt und klebend sind wir mit ein paar Fressalien aus dem Supermarkt zurück ins Hotelzimmer gegangen und haben ein heimliches Picknick auf dem Bett gemacht. Später sind wir dann rauf aufs Dach in den Hotelpool gegangen. Um es nach unserem Frühstücksgenossen Rudi zu sagen, ne Badewanne is nüscht dajejen. 

Am Abend sind wir mit der Metro vor zum Burj Khalifa gefahren, dem mit 189 Etagen und 828 Metern zur Zeit noch höchsten Gebäude der Welt. Dort grenzt auch eines der größten Einkaufszentren der Welt an. Die Dubai Mall mit bescheidenen 350.000 qm Verkaufsfläche und 1200 Geschäften und Restaurants, dem weltgrößten Aquarium und den Wasserspielen. Das alles habe wir uns also angeschaut und es stand in direktem Gegensatz zu dem, was wir am Vormittag gesehen haben. Es war ein abwechslungsreiches Erlebnis, was aber in der Form nicht unbedingt zu einem nochmaligen Besuch der Stadt anregt. Aber auch hier möchte ich wieder Rudi zitieren: Musste ma jesehn haam. 

Nach der Fahrt zurück zum Hotel haben wir uns noch einen richtig schönen schrabbeligen Inder ausgesucht, wo es leckerstes Biryiani zu speisen gab. Die letzten Schritte zurück zum Hotel waren noch recht anstrengend. Eine absolute kaputtheit und zufriedene Erschöpfung übermannte uns und wir fielen in einen tiefen traumlosen Schlaf. Waltonsmusik und ab! 


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