Schmetterlinge im Bauch

Komisch, es sind immer noch zwei Wochen, die ich hierbleiben darf, dennoch fühlt es sich ein bisschen wie Abschied an, denn zwei sehr liebgewonnene Menschen sind bereits wieder abgereist. Wir haben so viele tolle Gespräche geführt, und das werde ich wirklich vermissen. Aber gottseidank gibt es ja Whatsapp und da bleiben wir hoffentlich in Kontakt.

Kann mich gerade etwas schlecht konzentrieren, denn momentan findet die abendliche Hausführung für die Neuankömmlinge statt. Vier Wochen ist das bei mir nun schon her und ich weiß noch wie ich am Anfang etwas überwältigt war von der Fülle der Informationen. Die Klinik ist eingeteilt in fünf Bereiche, nach Buchstaben sortiert – von A-F. Ich wohne im Haus F, was verwirrenderweise direkt an Haus A grenzt. Wenn ich morgens zum Frühsport laufe, dann muß ich einmal quer durch die langen Gänge des Gebäudes und mache bereits meine ersten 500 Schritte des Tages. So kommt dann auch einiges zusammen bis zum Abend. Überall auf den Gängen hängen aufmunternde Schilder, die einen daran erinnern sollen, nicht über die langen Gänge zu meckern (meine Interpretation), sondern sich lieber über die zusätzlichen Schritte zu freuen. Für uns Psychopatienten ist Bewegung ja scheinbar eh die halbe Miete. Aber da ist wirklich was dran. Eben gerade war ich vor dem Abendessen noch eine dreiviertel Stunde im Kraftraum und habe meine Muckis trainiert. Danach könnte ich dann auch immer Bäume ausreissen. Es gibt so viel Energie. Außerdem habe ich diese Woche ein Anti-Zucker-Experiment gestartet. Wie das funktioniert? Ich esse keinen Zucker. Das stimmt natürlich nicht so ganz, denn Zucker ist ja überall drin. Gemeint ist eher das offensichtliche. Denn sehr zu meinem Leidwesen gibt es hier um die Ecke eine Eisdiele in echt italienischer Hand mit einem so zartschmelzenden Eis, daß ich in letzter Zeit fast täglich ein paar Kugeln gegönnt habe. Meine Tischnachbarin meinte nun, daß der viele Zuckerkonsum auch ein Grund für die ständige Müdigkeit sein könnte. Also probiere ich das jetzt mal aus. Heute ich bereits Tag 2 des Experiments und mal schauen, wie es klappt. Ich bin sehr gespannt.

Das Wochenende verlief sehr ruhig. Freitags war ich noch mal mit meinen Tischmädels in Füssen, dieses Mal mit dem Auto. Wir sind ein bisschen durchs Städtchen geschlendert und ich habe meine Influencer Qualitäten ausgespielt, in dem ich die Damen unbewußt in ein Handarbeitsgeschäft geleitet habe. Beide haben was gekauft und jetzt habe ich jemand, mit dem ich Abends stricken kann, ein Traum ;-)

Samstag war ich schon am Vormittag zwei Stunden mit den Nordic Walking Stöcken unterwegs. Irgendwie denkt man immer, daß das ja ein bisschen albern aussieht mit den Stöcken. Aber wenn ich hier eins lerne, dann, dass es einem grenzenlos Wurscht sein muß, was andere denken. Habe ich glaube ich schon erwähnt. Bin aber von dieser Erkenntnis nach 50 Lebensjahren immer noch schwer begeistert. In jedem Fall macht diese Art der Bewegung wirklich Spaß und man tut so viel für Hirn und Herz. Zufällig hat mich meine Walking Route mal wieder zu den Alpakas geführt, die habe ich ja mittlerweile bestimmt schon 6 mal besucht. Endlich war auch mal jemand da und ich durfte in den kleinen Hofladen, der den Stallungen angeschlossen ist. Dort war das Heiligtum aufgebart, ein ganzes Regal von frischgeschorener und in heimischen Betrieben gesponnene Alpakawolle in den Naturfarben der Tiere. Von jeder Farbe gibt es nur eine kleinere Menge und ich habe mich für eine caramelfarbene Wolle von Xanti entschieden. Eine wunderschöne Erinnerung aus lokaler Herkunft.

Sonntag war dann Ruhetag. Kein Sport und nur mässige Aktivität. Ich habe mal mein Zimmer etwas in Ordnung gebracht, etwas gestrickt, ein bisschen fern geschaut und nachmittags bin ich noch mal mit meiner Tischnachbarin zu meinem Happy Place geradelt, dem kleinen liebevoll angelegten Alpengarten weiter unten in Pfronten. Die Füsse an einem heissen Tag in den glasklaren Gebirgsbach zu halten oder in das hübsch angelegte Natur Kneipp Becken, was gibt es schöneres.

Noch dreimal schlafen, dann kommt mein Schatz. Ich freue mich so sehr darauf, vier Wochen haben wir uns nun schon nicht gesehen. Also jetzt mal echt, aber so lange getrennt waren wir seit unserem Kennenlernen im August von 7 Jahren noch nie. Aber so eine lange Trennung hat auch was schönes. Die Schmetterlinge fliegen wieder :-)

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