Aletschgletscher

Der heutige Tag hatte es in sich. Nachdem wir gestern eher gemütlich unterwegs waren, wurde heute nochmal etwas gewandert.

Gegen 10 verließen wir die Hamilton Lodge in westliche Richtung. Geplant war, die grosse Hängebrücke zu besichtigen. Eine kurze Recherche bei der Wanderapp Komoot ergab, das es sich um eine schwere Wanderung handelt, die eine gute Grundkondition erfordert. Ach, was die wieder schreiben, die übertreiben ja immer ein bisschen. Glaubte ich.

Vorbei am Belalp Hotel trafen wir auf eine große Schaar possierlicher Ziegen. Viele davon schwarz-weiß, die scheinen typisch für diese Gegend zu sein. Es gab noch einen absolut atemberaubenden und faszinierenden Ausblick auf den grossen Gletscher.

Ab dann ging es bergab, krass und heftig. Der Weg war schmal und sehr steinig. Das meinen sie also, wenn sie schrieben, der Weg erfordert Trittsicherheit. Dennoch, die Neugier war größer und wir stiegen immer weiter hinab. Herr C. wollte meinen Enthusiasmus immer wieder bremsen, denn man muss ja auch alles wieder hochlaufen. Aber wir waren doch schon soooo kurz davor.

So jammerte und bettelte ich, und versprach auch nur wenig zu meckern, wenn es später wieder bergauf geht. Aber irgendwann wurde es immer steiniger und wir sahen die Brücke von oben. Es sollten immer noch mehr als 100 Höhenmeter sein.

Die Vernunft siegte, und wir beschlossen, meine Kräfte zu schonen und wieder umzukehren. So machten wir eine kurze Rast mit Blick auf das Tor des Aletschgletschers. Herr C. stopfte zur Stärkung gleich zwei von diesen Fruchtriegeln in meinen Mund und ich spuelte alles mit klarem Gebirgswasser runter.

Los ging der Aufstieg. Und ich muss sagen, ich habe gekämpft. Keuchend staksten wir im absoluten Schneckentempo den steinigen Pfad wieder hinauf. Mit ein paar kleineren Pausen, viel frischem Wasser und einem eisernen Willen erreichten wir schließlich nach ca. 2,5 Stunden und ca. 400 Höhenmetern wieder den Einstiegspunkt hoch oben bei der Kirche. Gemein übrigens, dass man diese stecknadelkopfgross bereits vom Tal her die ganze Zeit sehen konnte.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so geschnauft habe. Selbst im letzten Jahr empfand ich keine der Touren bei der Alpenüberquerung so anstrengend wie die heutige. So ist es eben, wenn man keinerlei Kondition mehr hat.

Jetzt im Moment fühlt es sich aber einfach toll an. Die Gedanken sind klar und der Körper ist erschöpft, aber auf eine gute Art. Das macht glücklich. Einfach so.

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