Mitten ins Herz

Vorgestern sind wir von der Toskana weiter südlich nach Umbrien gefahren. Genauergesagt nach Castel Rigone, einem kleinen malerischen Bergdörfchen etwas oberhalb vom Trasimeno See gelegen. Unsere Unterkunft ist die Relais La Fattoria und wieder einmal hat Herr C. damit ins Schwarze getroffen.

Anfangs fremdelte ich zwar noch etwas mit der neuen Behausung. Denn die Weitläufigkeit in der Toskana gab es hier nicht mehr. Stattdessen ein im Ortskern eingebettener kleiner Palazzo, der seinen Charme gerade dadurch ausstrahlt, dass alles eher dicht bebaut ist. Aber nach einer Weile war das verschwunden und ich begann die neue Umgebung zu schätzen. Es gibt auch einen kleinen Pool und einen gigantischen Ausblick auf den See.

Gestern morgen sind wir nach einem sehr typischen italienischen Frühstück (Cornetto und Cappuccino) in ein kleines Örtchen namens Cortona gefahren. Ich hatte davon zuvor noch nie gehört. Es war so zauberhaft, ebenfalls am Hügel gelegen, konnte man unterhalb des Ortes parken und von dort in die engen Gassen eintauchen. Es war vormittags, und das bedeutete, dass es recht belebt war. Bars und Cafés waren geöffnet und auf dem Hauptplatz spielte ein Akkordeon, während ein Hochzeitspaar samt Fotograf gerade das Rathaus verließ. Wir setzten uns an einen schattigen Tisch am Rande der Piazza und beobachteten das bunte Treiben.

Spaetestens da fiel mir der Titel für diesen Beitrag ein. „Mitten ins Herz“ … es war einfach wundervoll.

Den Nachmittag verbrachten wir dann am Pool, nachdem wir feststellen mussten, dass der See an den Rändern eher ausgetrocknet war und nicht sehr zum Baden einlud.

Von unserem Balkon konnten wir später schon die rege Geschäftigkeit auf der kleinen Piazza vor dem Hotel beobachten. Ein DJ baute dort sein Equipment auf und die Tische wurden gedeckt. Wir haben hier Halbpension und das heisst, wir bekommen jeden Abend ein 3-Gänge-Menü bestehend aus Antipasti, Primo und Secondo, Dolce und Café nach Wahl.

Nachdem mir Herr C. noch eine Stelle im Dorf mit frisch geschlüpften Minikatzen gezeigt hat, begaben wir uns zum Abendessen. Es ist momentan wenig los und dennoch war am Nachbartisch eine kleine italienische Gesellschaft, die mehr und mehr zu den Italorhythmen des DJs in Tanzlaune geriet. Während also mein Gatte und ich uns eine Flasche Hauswein teilten, stieg die Stimmung am Nebentisch. Die Atmosphäre auf dem von Lichterketten geschmückten kleinen Platz war so bezaubernd. Mehr Italien geht wohl nicht.

Gegen halb elf wollten wir schlafen gehen. Unser Balkon grenzte allerdings direkt an den Platz und im Zimmer selbst wummerten die Bässe der lauten italienischen Popmusik. Uns blieb keine Wahl, wir gingen wieder runter, orderten noch ein Getränk und gesellten uns zum Tanz dazu. Sofort wurden wir freudig in die Runde aufgenommen und ab da war der Abend ein Selbstläufer. Ich versuchte mich sogar an einer sizilianischen Tarantella und bekam Anerkennung von den Italienern. So lustig war das. Wir prosteten uns mit Abstand zu und wäre da nicht gerade eine Pandemie, haetten wir uns wahrscheinlich zu den anderen gesellt und ich haette mit Händen und Füssen meine nur rudimentär vorhandenen italienisch Kenntnisse aufgebessert.

Es war ein toller Abend, den wir so schnell sicher nicht vergessen werden, in diesem besonderen Sommer 2020.

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