Saluti da Senigallia

Es war einmal … vor vielen vielen Jahren, da gab es ein kleines Mädchen, welches einige glückliche Wochen ihrer Kindheit mit der ganzen Familie in Italien an der Adria verbracht hat. Genauergesagt in einem kleinen Badeort namens Senigallia, irgendwo am Meer zwischen Ancona und Rimini gelegen. Es waren die 70er und ich erinnere mich, wie wir oft mitten in der Nacht mit unserem Auto über den Brenner gefahren sind. In der Regel gab es irgendwo einen Übernachtungsstop, denn die Fahrt war damals sicher noch ein paar Stunden länger als es heute möglich wäre. Mir wurde meistens schlecht im Auto und ich muss oft mit der Frage genervt haben: „sind wir bald da?“

Irgendwann war es aber immer soweit und wir fuhren am Hafen vorbei auf die Lungomare zum Hotel International. Damals noch in gelb getuencht war es wahracheinlich das modernste Hotel am Platz. Ich bin sicher ich war immer furchtbar aufgeregt und wusste nicht, was ich zuerst und zuletzt machen sollte. Einen Bombelone essen oder Spielsachen kaufen oder ein Gelato bei Waldemar (Papa bezahlt).

Wir verbrachten hier viele schöne Urlaube, vielleicht sechs oder sieben Mal waren wir hier. Woran ich dabei am meisten denke, ist die wundervolle kindliche Unbeschwertheit, die ich damals erlebte.

Als Herr C. in diesem Jahr unseren Italien Urlaub plante, stellte ich fest, dass der kleine Ort Senigallia direkt auf unserer Route lag. Praktischerweise ergab sich eine Übernachtung, die nicht verplant war, und so konnten wir mein altes Familienhotel für diese eine Nacht buchen.

Sonntag früh war es endlich soweit und ich war voller Vorfreude, als wir das schöne Umbrien verließen und uns der Region Marken näherten. Natuerlich gab es auch gemischte Gefühle. Macht es wirklich Sinn, einen zugegebenerweise verklärten Blick auf die Vergangenheit durch einen erneuten Besuch kaputt zu machen?

Aber die Sorge war vollkommen unbegründet, denn auch wenn sich das Leben ansonsten rasant verändert, im Hotel International scheint die Zeit stehen geblieben. Das Interiör ist in die Jahre gekommen, aber dafür weitestgehend unverändert. Im Speisesaal mit den grossen ovalen Spiegeln an den Wänden bedienen die schwarz-weiß gekleideten Kellner und die Zimmereinrichtumg strahlt immer noch den Charme der 70er aus. Vielleicht hatte ich schon damals einen Blick für architektonische Details, aber ich kann mich ebenso an die Türknäufe mit den Druckknöpfe erinnern, wie an das weiß geflieste Bad mit der runden Dusche in der Aussenwand. Selbst der Geruch des chlorhaltigen Reinigungsmittels ließ alte Erinnerungen wach werden.

Für mich war dieser Besuch hier etwas ganz Besonderes und ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass Herr C. sich darauf einliess. Hatte er doch das eine oder andere Vorurteil gegenüber dem sogenannten Teutonengrill.

Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern alleine hier, mein Bruder war aus den gemeinsamen Familienurlauben bereits herausgewachsen. Wir schreiben das Jahr 1985 und ich war süsse 16. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich mich damals in einen Kellner des Hotels verknallt habe. Das gehört wahrscheinlich, wie die rausgewachsene Dauerwelle, zu den Erfahrungen, die alle Mädchen der 80er irgendwann gemacht haben. Er hieß Fabrizio und war bestimmt schon 20 Jahre alt.

Ich habe meinem Gatten davon erzählt und der hat sich einen Riesenspass daraus gemacht, zu überprüfen, ob es diesen Fabrizio noch gibt und ob es vielleicht der leicht untersetzte Kellner mit dem kreisrunden Haarausfall sein könnte. Ich habe lieber nicht gefragt. Denn hier mag ich an der romantischen Verklärung der Vergangenheit keineswegs rütteln ;-)

Natuerlich hat sich auch einiges verändert, während früher vielleicht 5 oder 6 Schirmchenreihen am Strand hintereinander standen, konnten wir an manchen Stellen bis zu 20 Reihen zählen. Am Strand gibt es praktisch keine Freiflächen mehr. Die Bagnos mit dem bunten Plastikspielplätzen reihen sich aneinander. Dennoch sind die Liegeplätze vielleicht nur zu 20 Prozent belegt. Das mag Corona bedingt sein, oder auch, weil die Hochsaison langsam zu Ende geht. Wir es hier aussieht, wenn alles voll belegt ist, mag ich mir nicht gerne vorstellen.

Abends machten wir einen Spaziergang in die wunderschöne Altstadt. Wir durchqueren dabei den alten Fussgängertunnel, der so niedrig ist, dass ich meinen Kopf einziehen muss. Früher brauchte ich das nicht ;-)

Wie fast jede italienische Innenstadt, erwachte auch Senigallia abends erst richtig zum Leben. Fast alle Geschäfte waren geöffnet und wir machten uns auf die Suche nach einem schönen Lokal. Da ich mir wenig Sorgen um die Qualität des Essens machte, entschieden wir nach dem Ambiente. Eine kleinen gedeckten Tisch fanden wir dann auf einer schönen Piazza mit leichter Musik im Hintergrund. Die Abendluft war noch warm und angenehm und wir liessen uns jeder eine frisch gebackene Pizza schmecken, gefolgt vom obligatorischen Espresso und einem vorzüglichen Gelato für den Nachhauseweg.

Ich bedanke mich bei meinen Eltern fuer die vielen schönen Familienurlaube, die wir natuerlich nicht nur in Senigallia verbracht haben. Bei meinem grossen Bruder, der seine kleine Schwester immer geduldig ertragen hat. Und ich bedanke mich bei Herrn C. der die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat, und mir diesen kleinen Einblick in die Vergangenheit ermöglicht hat (Säuselmodus Ende ;-)

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