Höhen und Tiefen

Diese Überschrift ist eine wahre Meisferleistung in Sachen zweideutigkeit und ein kreativer Höhepunkt meines Schaffens ;-)

Seit gestern (Sonntag) Nachmittag sind wir in den italienischen Alpen, genauergesagt im Trentin. Noch genauer gesagt liegt unser Hotel direkt an der Passstrasse zum Manghen Pass, oberhalb von einem Ort namens Telve im Suganertal (Valsugana).

Wir haben fuer drei Nächte das Aurai Hotel gebucht und in der Bar hängt ein Schild, dass man ein Freibier bekommt, wenn man das Hotel in seinen Insta Stories tagged. Ob ich meinen ersten inoffiziellen Auftrag als Influencerin annehmen soll? Herr C. sagt ja 😂

Heute morgen wurden dann endlich die Wanderklamotten ausgepackt und ich musste mit einem Schrecken feststellen, dass ich ausversehen die falsche Hose eingepackt habe. Die war schon ein älteres Modell, sieht aber meiner aktuellen Hose zum verwechseln ähnlich. Ich mag eben grau. Der entscheidende Unterschied ist aber die Konfektionsgrösse. Mit viel gutem Willen hätte ich sie vielleicht noch zu bekommen, aber auf das Atmen hätte ich dann verzichten müssen. So habe ich dann die ebenfalls graue Jogginghose genommen.

Herr C. hatte bereits am Vorabend eine „leichtere“ Einstiegsroute für uns ausgesucht. Prima dachte ich noch. 250 Höhenmeter, ca. 3 Stunden, kriege ich locker hin.

Vor fast genau zwei Jahren haben wir zu Fuss die Alpen überquert. Aber durch Corona und die damit verbundene eher inaktive Lebensweise und nicht zuletzt wegen totaler Inaktivität seit meinem Radunfall vor 9 Wochen, sieht es mit meiner momentanen Ausdauer eher nicht so gut aus.

So fuhren wir hoch auf den Pass und liefen von dort aus los. Eine Hütte zur späteren Einkehr gab es und ich visualisiert schon diverse Speisen als Ziel am Ende der Runde.

Der Einstieg in den Weg verhiess jedoch nichts gutes. Es ging direkt zur Sache mit einem steilen Abstieg durch steinige Pfade. Meine Beine haben gezittert, ich war total unsicher auf meinen Beinen und dachte immer an die Worte in der Komoot App „gute Ausdauer und Trittsicherheit erforderlich“ auweia, kann ja heiter werden. So schimpfte ich leise vor mich hin. Der Zetervogel war wieder da und Herr C. wollte schon fast umkehren.

Aber so war ich vielleicht früher. Die neue und verbesserte Version meiner selbst weiss, dass Wandern einfach toll ist, und das Glueck es dann geschafft zu haben, durch nichts zu überbieten ist. Auf der Suche nach dem Glücksmoment habe ich mich also durchgebissen. Und Schritt für Schritt wurde es tatsächlich besser und auch die Strecke war nicht mehr ganz so steinig.

Die Landschaft war aber auch schön. In fast vollkommener Einsamkeit erreichten wir nach etwa einer dreiviertel Stunde den kleinen kleine Lago Buse. Die herbstlichen Farben, der wechselwolkige Himmel und die Bergkulisse waren einfach ein Traum.

Dann wurde es lustig. Vor uns türmte sich ein Gebirgskamm auf und es mutete sehr steil an. Da sollten wir rüber. Wie jetzt? Einstiegstour? Leicht? Aber kneifen gilt nicht und so gingen wir es an. Der Aufstieg hat gar nicht so lange gedauert und war dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Erst ging es durch die Forcetta Ziolera, danach dann ein ganzes Stückchen im Verlauf der Höhenlinien. Auf der zweiten Furka hatten wir plötzlich wieder Empfang und wir nutzten die Gelegenheit um meinem lieben Papi ein Geburtstagsständchen per Telefon zu bringen. Ich glaube er hat sich ein bisschen gefreut.

Danach begann der Abstieg. Der war erst mal wieder recht steil und felsig, aber die Beine spielten besser mit als am Anfang. Man konnte von weitem schon die Zielhütte erkennen und zum Schluss ging die Strecke fast gerade in Richtung Einkehr.

Mein Fazit, es war fantastisch. Eine der schönsten Wanderungen, die ich gemacht habe und uneingeschränkt empfehlenswert. Mit etwas besserer Kondition hätte es sicher noch mehr Spass gemacht. Das Radler danach hat gezischt und da war es dann, diese absolute und unvergleichliche Glücksgefühl.

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