Ich habe oft noch sehr lebhafte Erinnerungen an meine Kindheit. Jedes Jahr am 12. Dezember wachte ich meist früher auf als normal, denn ich war furchtbar aufgeregt. Draussen war es noch stockdunkel und im Haus herrschte bereits ein reges Treiben und Geklapper. Eilige Schritte liefen die Treppe auf und ab und irgendwann war es dann soweit. Die Tür zu meinem Kinderzimmer wurde geöffnet, draussen stand die gesamte Familie im Schein der Kerzen und mein Vater sang lauthals das traditionelle Geburtstagslied der Familie Schneider. Ich tat dann wie immer ganz überrascht und rieb mir verschlafen die Augen, weil ich natürlich so tat, als sei ich gerade erst aufgewacht.
Danach durfte ich dann ins benachbarte Wohnzimmer und endlich Geschenke auspacken. Noch immer wird mir ganz warm ums Herz, wenn ich an diese schöne Tradition denke.
In den Jahren verändern sich solche Rituale natürlich und seit ich verheiratet bin, bekomme ich jedes Jahr zum Geburtstag Kaffee, Blumen und einen selbstgebackenen Rotweinkuchen ans Bett gebracht. Auch das eine lieb gewonnene Tradition, die ich nicht mehr missen möchte.
In diesem Jahr ist aber alles noch mal ganz ganz anders. Noch nie war ich an meinem Geburtstag im Urlaub, noch nie am Strand, noch nie war es morgens um kurz nach 6 bereits hell und noch nie habe ich ein sommerartiges Gefühl an meinem Geburtstag gehabt. Ach Mensch… seufzt… könnte eine neue Tradition werden.
Los ging der Tag bereits mit dem Sonnenaufgang vom Bett aus.

Jetzt liegen wir gerade am Strand und haben schon den ersten Schnorchelgang hinter uns. Wir waren heute ein Riff weiter rechts. Dort gibt es eine vorgelagerte Seegraswiese, wo man mit ein bisschen Glück Meeresschildkröten sehen kann. Ich habe es mir ganz fest fuer heute gewünscht und der Wunsch wurde erfüllt. Ganz friedlich dümpelte unten am Boden eins der wunderschönen anmutigen Tiere und mümmelte friedlich ihr Frühstück. Sie schwamm kurz hoch, um nach Luft zu schnappen und tauchte wieder unter, um weiter zu grasen.


Zurück im Zimmer wartete dann die naechste Überraschung. Mustafa heisst der junge Mann, der tägliche unsere Zimmer reinigt und uns immer wieder mit schönen Handtuchtierchen erfreut. Heute hat er sich jedoch selbst übertroffen. Vom hotel scheint er wohl von meinem Geburtstag gewusst zu haben. Aber seht selbst.
Dieses Jahr 2024 war schon denkwürdig, hatte aber auch so viele wundervolle Momente. Ich war erschöpft bis zum geht nicht mehr, habe die Kälte fuer mich entdeckt, war sieben Wochen in Reha und habe dort tolle Menschen kennengelernt, durch endloses puzzeln im Sommer meine Konzentrationsfähigkeit wieder erlangt, endlich wieder angefangen zu lesen, war bei zahlreichen Ärzten, hatte Höhen und Tiefen. Aber am Ende des Jahres schmuse ich mit Ziegen, schwimme mit Delfinen und Schildkröten, lerne Tauchen und geniesse die Sonne am Roten Meer. So weit lässt sich feststellen, daß alles gut ist. 2024 und ich gehen versöhnlich auseinander. Prost allerseits.
