Vor 10 Jahren auf unserer Sabbaticalreise sassen wir in einem kleinen Cafe am Strand auf der Insel Koh Lipe in Thailand. Daneben war eine Tauchschule und einige machten sich gerade fertig für ihren allerersten Tauchgang. Im flachen Wasser sollten sie dann zum ersten Mal unter untertauchen. Eine junge Frau gab direkt auf und lief weinend zurück zum Strand. Wir fragten, was denn los sei und sie gestand uns schluchzend, dass sie es nicht konnte. Ihre Angst und Beklemmung unter Wasser war einfach zu gross.
Ich erinnere mich noch genau daran, weil dieses Erlebnis in mir einen grossen Respekt ausgelöst hat und ich damals noch dachte, wie gut ich sie verstand, denn ich wuerde mich das niemals trauen.
Mittlerweile sind die Jahre vergangen und wir haben einige tolle Schnorchelreviere erkundet. Besonders beeindruckend fand ich die Unterwasserwelt auf den Seychellen. Das war vor eineinhalb Jahren. Da wuchs in mir der Gedanke, es vielleicht doch mal mit dem Tauchen zu probieren.
Als Kai dann mit einem Urlaub in Ägypten um die Ecke kam, war klar, dass sich mir hier eine tolle Chance bot. Denn wenn eine Gegend für Tauchen bekannt ist, dann ist es das rote Meer. Ich nahm mir also vor, dass ich es probieren wollte.
Zwischendurch dann immer wieder die Panik und die Angst, noch bei Ankunft hier verließ mich der Mut und nur Schnorcheln ist ja auch schon ganz toll.
Tja, der Gedanke ließ mich aber nicht los und als ich die ersten Taucher entlang des Hausriffs entdeckte war klar, jetzt oder nie. So liefen wir vor zur Tauchschule „Blue Ocean“ direkt am Strand und meldeten mich fuer einen Schnupperkurs an.
Am Montag war es endlich soweit. Mein Herz pochte wie wild, ich war furchtbar aufgeregt. An der Tauchbasis angekommen bekam ich direkt einen Lehrer zugeteilt, der mir das Gefühl gab, alles im Griff zu haben. Ich musste ein paar Papiere unterschreiben, Fragen zu meiner allgemeinen Gesundheit beantworten, da ging es auch schon los mit der Einführung.
Ich wurde in einen schicken Neoprenanzug gekleidet und lernte das Notwendigste was man über die sehr komplexe Ausrüstung wissen sollte. Mal abgesehen von Maske und Schnorchel gibt es die Sauerstoffflasche, die Verbindungen mit den beiden Mundstücken,die Tarierweste und die Gewichte. Über all diese Dinge gibt es verschiedenes zu wissen und ich war froh, mir schon von Deutschland aus diverse Tauchkurse auf Youtube angeschaut zu haben. Nachdem ich mit der Flasche und den Gewichten voll bepackt zum Meer gewatschelt bin, hieß es Maske auf und Flossen an. Rückwärts tapste ich weiter in die Tiefe als ich erst mal zwei wichtige Skills üben sollte. Zum einen das entleeren der Tauchermaske und das herausnehmen des Mundstücks, beides natürlich unter Wasser. Bei ersterem habe ich erst mal eine ordentliche Ladung Salzwasser durch die Nase geschnupft. Letzteres hat ganz gut geklappt. Danach sollte ich nur bäuchlings auf der Wasseroberfläche schwimmen, wie beim Schnorcheln mit dem Kopf unter Wasser. Hier war sie dann, die leichte Beklemmung. Atmen nur durch den Mund, abhängig von der Flasche und der Technik? Ich geriet leicht in Panik und war kurz davor, die ganze Aktion abzubrechen. Ganz im Ernst.
Doch dann kam der Wille zurück und ich dachte mir, wenn ich es jetzt nicht schaffe, dann wars das, nochmal komme ich nicht so weit. Also, los gings. Von da ab tauchten wir unter und sanft ging es immer tiefer unter Wasser. Meter fuer Meter tauchten wir weiter nach unten. Das Atmen fiel immer leichter und auch der Druckausgleich klappte hervorragend. Langsam wurde ich ruhiger, während wir sachte immer tiefer entlang des Riffs tauchten.
Auf einmal konnte ich es geniessen, sah den ersten roten Feuerfisch (dem man besser nicht zu nahe kommen sollte), einen Blaupunkt Rochen, einen etwa ein Meter langen Barracuda und irgendwann schwamm direkt von hinten eine Meeresschildkröten an uns vorbei. Nur etwa zwei Meter schwamm sie von uns entfernt. Ich war verzückt. Keine Ahnung was dafür das allgemeine anerkannte Taucherzeichen sein sollte, so formte ich mit den Händen ein Herz.
Irgendwann hieß es umkehren und langsam aber sicher tauchten wir wieder zurueck und kamen an die Wasseroberfläche.
Welcome back, sagte mein Tauchlehrer und ich konnte es nicht fassen, dass ich es tatsächlich geschafft habe.
Ich war total begeistert und bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Tauchgang war. Gestern trafen wir unterwegs einen Tauchlehrer aus Deutschland, der riet mir, doch in aller Ruhe zu Hause einen richtigen Kurs zu machen und ein Zertifikat zu erwerben, welches mich dann berechtigt, im Urlaubsort geführte Tauchgänge zu unternehmen.
Es ist einfach eine komplett neue Welt unter Wasser und wahnsinnig spannend und faszinierend. Das rote Meer zählt allgemein zu den schönsten Tauchrevieren der Welt. Mal schauen, ob wir bald mal wieder kommen.
PS: Die nachfolgenden Fotos hat Kai gemacht ❤️







Großartig!! Herzlichen Glückwunsch und willkommen in der Taucherwelt, Gabi! 🤿
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