Ankunft in Coimbatore

So langsam wird es ernst. Gerade sitze ich in der Lobby des Radisson Blu Hotels in Coimbatore. Ich warte auf das Taxi, welches mich gleich zur Änderungsshneiderin bringt. Dazu gleich mehr.

Nach einer wenig erholsamen Nacht im kalten und feuchten Berghotel in Ooty sind wir heute morgen gegen 9 Uhr aufgebrochen in Richtung Coimbatore. Die Fahrt war mal wieder sehr halsbrecherisch. Dieses Mal ging es Haarnadelkurve fuer Haarnadelkurve bergab. Die Fahrweise ist wirklich absolut gewöhnungsbedürftig. Aber wir haben Vertrauen in das grosse Ganze und schauen aus dem Fenster. Draussen sitzen Horden von Affen auf den Mauern am Straßenrand.

Nach etwa 3 Stunden war der Spuk vorbei und wir erreichten sicher unser Ziel fuer die naechsten 5 Tage.

Im Hotel angekommen, wurden wir direkt ins Brautzimmer gebeten, da dort die ganze Kleidung fuer die internationalen Hochzeitsgäste gelagert ist. Wir machten eine kurze Anprobe. Während bei Kai alles wie angegossen gepasst hat, ging meine Sari Bluse nicht mal ansatzweise zu. Irgendwie scheint etwas mit den Maßen schiefgelaufen zu sein. Die „Bluse“ die nach meiner Einschätzung eher einem knappen Bikinioberteil ähnelte war viel zu klein. Daher steht fuer mich noch besagter Besuch beim Schneider an. Nur soviel sei verraten. Wir werden verdammt gut aussehen ;-)

Jeder von uns bekommt zwei Outfits und beide tragen wir zu verschiedenen Anlässen. Morgen geht es bereits mit ersten Ritualen los. Am Freitag findet dann die eigentliche Hochzeit statt. Selbstredend werde ich fotografieren, bis die Linse platzt.

Kleiner Cut: die Sache mit dem Schneider Besuch fand dann doch sehr viel spaeter statt als geplant. Erst am Abend kurz vor 7 bin ich mit dem Bräutigam und noch einer Freundin der Braut losgefahren. Die Fahrt war mal wieder spannend, denn auf Indiens Strassen gibt es einfach immer was zu gucken. Vor allem am Abend, wenn das Leben auf den ohnehin schon vollen Strassen erst so richtig erwacht.

In einer Seitenstraße machten wir halt, liefen durch ein paar weitere verwinkelte Gässchen in ein noch verwinkelteres Haus und erreichten so die Wohnung der Änderungsschneiderin. Aus meiner Bluse wurden rasch die grosszügigen Saumzugaben rausgenommen und dann ging das Teil wenigstens halbwegs zu. Naja, dann lasse ich das mit dem Atmen eben, dann wirds schon gehen 🤣

Auf dem Rückweg stellten wir gemeinsam fest, dass wir alle seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatten. Da wurde spontan beschlossen, noch ins Annapoorna zu gehen. Dem Lieblingsrestaurant der zukünftigen Eheleute. Und nachdem wir dort gegessen haben, wurde mir auch klar, warum das so ist. Das Essen war fantastisch und das Beste, was ich bis jetzt in Indien gegessen habe. Wir haben die Auswahl der Speisen den Profis überlassen und wurden nicht enttäuscht.

So ging der aufregende erste Tag in Coimbatore zuende. Doch das war erst der Anfang. Fortsetzung folgt …

Frösteln in Ooty

Mittlerweile ist es Montag Abend, 10 vor 8, und wir liegen bereits im Bett. Kai meinte gerade wir seien alt geworden ;-) Zu meiner Verteidigung muss ich nochmals erwähnen, dass ich seeeehr krank bin 😉

Da wir heute nicht so viel unternommen haben, dachte ich, ich schreibe mal ueber ein paar kulturelle Unterschiede, die mir bisher so aufgefallen sind.

1. Wenn man ja sagt, dann nickt man den Kopf nicht wie bei uns, sondern wiegt ihn hin und her. So als wuerde man bei uns etwas abwägen. Das ist deswegen ulkig, weil ich schon ein paar Mal darauf herein gefallen bin. Zum Beispiel gestern Abend, als ich nach einer zweiten Wolldecke fragte, da sagte der Herr an der Rezeption zwar ja, schüttelte aber den Kopf. Das hat mich verwirrt 😉

2. Toilettenpapier ist praktisch nicht vorhanden, ausser in einigen Hotels oder am Flughafen. Ansonsten hat das indische Örtchen eine Handbrause. Wenn es die auch nicht gibt, dann gibt es einen Eimer mit Wasser und eine Schöpfkelle. Muss man sich dran gewöhnen, aber danach fühlt man sich wie frisch gewickelt und gepudert 😉 Daher mein Fazit: so eine Popodusche koennte ich mir zuhause auch vorstellen. Der Hesse würde sagen: Des is e fei Sach!

3. In direkter Verbindung steht die Nahrungsaufnahme, denn man isst vorwiegend mit der Hand, alles, auch den körnigen Basmatireis. Zum Essen nutzt man die rechte Hand. Hier erschließt sich der direkte Zusammenhang mit Punkt zwei, denn gewischt wird mit links 😉

Bin dennoch ganz froh, dass es fuer uns ausländische Touristen wenigstens noch einen Löffel gibt.

Vielleicht fallen mir noch ein paar Punkte ein, diese aber dann in einem anderen Beitrag.

Wir sind heute um zwei dann doch noch mal los, unser Fahrer hat uns noch ein bisschen durch den kleinen Bergort Ooty kutschiert. Eigentlich wäre heute ein Besuch im Nachbarort Coonoor auf dem Programm gewesen, aber da es schon spaeter war, gab es ein improvisiertes Alternativprogramm. So wurden wir zu einer kleinen Tee- und Schokolafenfabrik gebracht. Das war ganz nett, wir bekamen sehr leckere Schokolade zum Probieren und verschiedene Teesorten. Mein Favorit, der Masala Tee mit diversen indischen Gewürzen. Natuerlich gab es auch dort wieder einen Verkaufsraum und wir nahmen etwas von dem leckeren Tee mit. Ebenso gab es diverse abgepackte Gewürze, und so wanderten noch Zimtstangen, Sternanis, Kardamom und Muskatblüte ins Gepäck. Mein Ziel ist es, daraus das Gewürz für den diesjährigen Weihnachtsstollen herzustellen. Da bin ich mal sehr gespannt, ob ich das hinkriege.

Bandipur National Park

Schon bei der Planung der Reise wussten wir, dass wir durch den Bandipur National Park fahren werden. Bekannt ist er vor allem dafuer, dass dort noch Tiger beheimatet sind. Angeblich lebt dort die zweithöchste Population von ganz Indien. Viele gibt es von diesen wunderschönen Tieren leider nicht mehr.

Seit der Reise in den Süden Afrikas bin ich fasziniert davon, solche Tiere in freier Natur bewundern zu koennen. Habe ich mir doch fuer diesen Zweck extra ein Teleobjektiv zugelegt.

Leider gab es keine Möglichkeit, eine der „echten“ Safaris zu buchen, diese finden naturgemäß zum Sonnenauf- oder Untergang statt. Wir mussten aber ohnehin durchfahren und so waren wir in der Lage einige Tiere zu entdecken. Tiger habe ich zwar keine gesehen, aber dafuer einen echten Leoparden, der hinter einem Stein hervorlugte. Ich war so happy ueber diesen Moment. Einige Elefanten konnten wir sehen, ganz viele wunderschöne Bambis (stehen sicher ganz oben auf der Speisekarte der Grosskatzen) sowie natuerlich die unvermeidlichen Affen, Pfaue und dieses wirklich zauberhafte Geschöpf, welches nach meiner Recherche ein Könogsriesenhörnchen sein muss.

Auf der Weiterfahrt ging es dann hoch in die Berge. Unser nächstes Ziel sollte Ooty sein. Der Fahrer raste die Serpentinen nach oben und ich hatte bis dahin nicht geahnt, dass man in Haarnadelkurven überholen kann.

Mittlerweile setzte ein bisschen die Erschöpfung ein, die Erkältung hat mich voll und ganz erwischt. Ich war froh, dass wir unser Hotel erreichten. Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass es hier oben derart kalt und feucht sein wuerde. Aber was hilft es. Es gab gottseidank eine Wolldecke im Zimmer und sicherheitshalber habe ich noch eine zweite geordert. Kai hat mir einen heißen Tee gebrüht, und mich direkt ins Bettchen verfrachtet.

Spaeter rief dann noch der Roomservice an und nahm unsere Bestellung fuer das Abendessen auf. Wir bestellen Fried Rice und Noodles mit Gemüse und zwei Kerala Paratha Brote. Zum essen sind wir aber runter ins Lokal gegangen.

Wirklich wieder ganz anders, diese indische Bergamosphäre. Ich muss aber gestehen, erkaeltungsbedingt freue ich mich schon wieder auf wärmere Gefilde.

Klaustrophobie im Königspalast

Als wir gestern morgen zum Frühstück kamen, hatten wir mal wieder Glueck, denn die Schulklassen vom Vorabend waren gerade fertig und der Raum leerte sich zügig. Das Büffet war abgegrast wie von einer Horde Heuschrecken. Wir bekamen aber ganz schnell einen Tisch gedeckt und ab dann wurde von allen Seiten Essen angebracht. Es gab Toast und Marmelade, Eier nach Wahl, sogar Müsli. Ich entschied mich jedoch fuer einen Masala Dosa, ein lokale Spezialität bestehend aus einem knusprig gebacken Pfannkuchen gefüllt mit einem Kartoffelcurry. Dazu gab es haufenweise frisches Obst und den schon bekannten stark gesüssten Kaffee.

Um 10 wurden wir wieder abgeholt und die erste Station sollte eigentlich der Chamundi Hill sein. Aber es war Samstag, das ganze Land schien auf den Beinen und wir endeten in einem dicken fetten Stau. Den konnte selbst unser Fahrer mit lautem Hupen und Fahren in zweiter Reihe nicht besiegen. So wurde entscheiden, dass das heute nichts wird mit dem heiligen Berg.

Danach wurden wir vor einem Wax Museum abgesetzt und sollten uns das anschauen. Ich glaube der Arme wollte uns eine Alternative bieten. Fuer zusammen umgerechnet 60 Cent gingen wir rein. Was dann folgte war ein wenig skurril, aber irgendwie auch ganz nett.

Da ich unterwegs auf die schoenen bunten Sarees in den Geschäften zeigte, wurden wir in eins der groessere Geschäfte geführt. Wir wurden sofort in Beschlag genommen und der Verkäufer hat mit sicherem Gespür meine leuchtenden Augen wahrgenommen. Denn in Windeseile wurden zahlreiche Stoffballen vor mir ausgerollt. Ich war quasi machtlos, als ich einwilligte, 3 Meter von dem gelben Stoff aus Baumwollseide zu kaufen. Da waren so süße kleine weiße Elefanten drauf ;-)

Der Fahrer bot uns an, uns den Mysore Zoo anzuschauen, aber da hatten wir eigentlich gar keine Lust drauf. So fuhren wir dann endlich zum grossen Königspalast, dem touristischen Highlight der Stadt.

Schon von weitem konnte man die Menschenmassen erahnen. Kai kaufte uns schnell zwei Tickets und wir quetschen uns mit all den anderen durch die ständig piepsende Bogentürsonde.

Am Palast angekommen mussten wir wie fast ueberall in Indien die Schuhe ausziehen. Bei zigtausenden von Besuchern war das streng organisiert. Wir wurden jedoch von weitem schon herangwunken und bekamen unsere Schuhe gegen ein kleines Trinkgeld direkt verwahrt. Ab dann reihten wir uns ein in die ca. 5-10 Menschen breite Schlange und wurden in das Labyrinth des Palastes gesaugt. Jetzt gab es kein zurueck mehr. Eilig konnte man Fotos knipsen und wenn man mal stehenblieb wurde man direkt mit der Trillerpfeife zum Weitergehen aufgefordert. Irgendwie machte aber jeder doch was er will und ich knipste in aller Ruhe ein Paar Bilder. Irgendwann ging es eine Treppe rauf und es wurde so eng, dass man immer mal wieder gegen die Wand gepresst wurde. Hier musste ich mich dann sehr beherrschen, um nicht in Panik zu geraten. Das war nicht so lustig. Oben angekommen wurde es aber endlich wieder etwas luftiger und ich wurde von einer Gruppe kichernder Damen um ein Foto mit ihnen gebeten. Das sollte mir nicht das letzte mal passieren. Lustig war das und es wurde gekichert und rumgealbert.

Nachdem wir endlich wieder draussen waren, haette ich den Boden küssen können. Derartige Menschenmassen habe ich noch nie erlebt. Wer in Europa unter dem Massentourismus stöhnt, sollte mal an einem Samstag Nachmittag den Königspalast in Mysore besuchen ;-)

Es macht aber unheimlich Spass die Menschen zu beobachten, vor allem die Frauen in ihren bunten Sarees sind einfach wunderschön anzuschauen. Die einzige Farbe, die man in den Stoffen gar nicht sieht ist grau ;-)

Wir fuhren wieder ins Hotel und ruhten uns ein bisschen aus. Denn am Abend um 7 wollte unser Fahrer noch mal eine Stadtrundfahrt mit uns machen. Denn in Mysore war Lichterfest (Dasara). Das findet einmal im Jahr statt und wie hatten Glueck, das wir genau zu dieser Zeit hier waren. Das erklärt vielleicht auch die Menschenmengen. Alles, wirklich alles war beleuchtet, wobei das Highlight der vollstaendig beleuchtete Palast war. Die Stadt platzte aus allen Nähten, es war sogar noch voller als am Tag. Unglaublich.

Wir wurden wieder am Hotel abgesetzt, entschieden uns aber noch mal fuer einen Abendspaziergang durch die Lichter der Stadt. Wir gingen ein bisschen shoppen und ich kaufte mir fuer die Hochzeit noch ein Fusskettchen und einen Zehenring.

Auf dem Rückweg landeten wir in einem im Hinterhof gelegenen schlichten Restaurant. Es war schon spät und die Speisekarte bestand aus einem Kassenbon mit allen Gerichten drauf. Ich entschied mich fuer ein Veg Curry und Chapati Brot. Das war mal wieder recht scharf, aber ich gewöhne mich daran. Für Kai kann es jedoch gar nicht scharf genug sein.

Zurück im Hotel kündigte sich dann das Unheil bereits an. Eine verdammte Erkältung machte sich bemerkbar mit Husten, starkem Frösteln und schmerzenden Gliedern. Was soll denn das nun wieder? Seit ueber drei Jahren hat es mich nicht mehr richtig erwischt und dann genau jetzt? Ich rolle genervt die Augen und schlucke eine Paracetamol gegen die Kopfschmerzen. Was willste machen?

Bangalore nach Mysore

Gegen halb drei am fruehen morgen (lokale Zeit) sind wir am Flughafen in Bangalore gelandet. Wir hatten Glueck, im Flieger waren scheinbar nur wenige nicht indische Staatsbürger und an den Einreiseschaltern fuer „foreigner“ war so gut wie nichts los. Dennoch dauerte natuerlich alles. Bis wir unser Gepäck bekamen und uns mit den Taxifahrern auf einen akzeptablen Tarif geeinigt hatten, war es schon halb 5, als wir endlich uns Bett durften.

Die Nacht war allerdings nur kurz. Denn schon um halb elf holte uns unser Fahrer ab und wir begannen die Fahrt durch den „belebten“ Stadtverkehr von Bangalore.

Ich bin wirklich froh, hier kein Auto fahren zu muessen. Es scheint irgendwie keine Regeln zu geben, wie in einem schnellem Computerspiel wand sich unser Fahrer zügig und in Schlangenlinien durch den dichten Verkehr. Eine Hand hatte er dabei immer an der Hupe.

Es machte jedoch sehr viel Spass, das geschehen von der Rückbank aus zu beobachten. Nachdem wir ca. 1 Stunde spaeter endlich aus dem dichtesten Verkehr draussen waren, machten wir einen kurzen Stop fuer ein spätes Frühstück. Es gab leckere frisch gebackene Dosas (eine Art Pfannkuchen) und Vada + Idli (diverse kleine Reiskuchen) mit scharfen Dips in kleinen Metallschälchen. Ein etwas anderes Frühstück, aber saulecker. Wir bekamen jeder noch einen Kaffee mit süsser Kondensmilch. Dieser schmeckt karamellig und fast sirupartig, man muss sich dran gewöhnen, wir fandens klasse.

Danach ging es auf die Autobahn und nach etwa einer weiteren Stunde erreichten wir das kleine Städtchen Shririrangapattana. Wäre gerne ausgestiegen, aber das war scheinbar nicht geplant. Dabei reihte sich ein Fotomotiv an das andere. Ueberall liefen Kühe mitten auf der Strasse oder standen wartend an der Bushaltestelle (es ist mir fast unerträglich, ein solches Motiv nicht mitnehmen zu können ;-)

Wir machten Halt an einer Anlage, bekamen Tickets gekauft und sahen schon von weitem einen kleinen Palast namens Daria Daulat Bagh. Von draussen dachte ich noch er sei eingeruestet, aber er war nur verhüllt, um das Innere vor der Sonne zu schützen.

Die ganzen Wände im Inneren waren mit Teakholz verkleidet und die vielen Details, Intarsien und Schnitzereien waren einfach wundervoll anzuschauen. Draussen liefen aufgeregt kleine Streifenhörnchen umher und jagten die Palastwände entlang.

Es gab noch ein paar weitere kurze Fotostops und gegen Nachmittag erreichten wir Mysore, the City of palaces. Mittlerweile war ich furchtbar müde, und so waren wir beide froh, unser Hotel fuer die naechsten beiden Nächte zu erreichen.

Im Zimmer angekommen, zog ich nur mein Nachthemd aus dem Koffer, schlug die Bettdecke zur Seite und warf mich auf die watteweiche Matratze. Was fuer eine Wohltat.

Am Abend sind wir noch ein bisschen alleine durch die Stadt geschlendert und haben Strasse queren geübt. Nichts für schwache Nerven, aber mit ein bisschen Übung klappt es ganz gut.

Wir fanden ein Restaurant mit der typischen Nicht-Atmosphäre und bestellten jeder ein (Veg) Byriani (Reisgericht mit Gemüse und leckeren Gewürzen). Zur guten Nacht gab es noch einen Kaffee in einem anderen Strassenlokal nebenan, bevor wir wieder zurück ins Hotel gelaufen sind.

Dort wummerte die Musik aus dem ersten Stock. Das ganze Hotel war mit indischen Schulklassen ausgebucht. Auweia. Dort wo die Musik herkam, steckten wir neugierig unsere Köpfe rein. Zu lauter indischer Partymusik wurde ausgelassen getanzt. Allerdings erstmal nur die Jungs. Die Mädchen seien später dran.

Wir wollten eigentlich schon wieder raus, als einer der Betreuer und einer der Jungs hinter uns herliefen, und uns, bzw. Kai anbettelten wieder rein zu kommen und mitzutanzen. Das tat er dann auch und ich durfte filmen. Ach Mensch, solche kleinen Momente liebe ich ja sehr auf Reisen. Die Menschen hier sind uns Fremden so aufgeschlossen. Davon koennte sich bei uns so mancher eine Scheibe abschneiden.

Grosse Erwartungen

Irgendwann im Frühsommer diesen Jahres erfuhren wir, dass es bald eine Hochzeit geben wird. Eine Hochzeit mit dem besonderen Etwas, denn diese soll in Indien stattfinden, genauergesagt im südindischen Tamil Nadu. Denn dort kommt der zukünftige Bräutigam her. Und wir sind eingeladen!

Seit ein paar Monaten steht auch der Termin im November fest, und so konnten wir alle mit der Planung beginnen. Macht natuerlich wenig Sinn, nur fuer ein paar Tage so weit weg zu fliegen, deswegen haben wir uns notgedrungen ;-) noch zu einer weiteren Urlaubsreise entschlossen. Wenns denn sein muss 🤣.

Dafuer musste ich sogar unbezahlten Urlaub nehmen, denn fuer dieses jahr war bereits alles verbraucht.

Die letzten Wochen waren gepraegt von einer unendlichen Vorfreude auf das grosse Ereignisse im fernen Indien. Unendliche Planungen folgten und sogar wir Gäste mussten einiges „abarbeiten“ 😂

Ich habe es schon ein paar mal gesagt, aber eine solche Vorfreude habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Eine Hochzeit, eine Reise, ein unbekanntes Land, Freunde fernab der Heimat treffen … Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert.

Heute morgen war es endlich soweit, pünktlich um halb Elf startete unser erster Flieger in Richtung Doha. Aus diesem tippe ich auch gerade diesen Beitrag. Ich habe mir fest vorgenommen, regelmäßig was zu schreiben, oder wenigstens Bilder zu posten. Mal sehen ob das klappt. Das Reiseschreiben ist zu einer so schoenen Routine geworden und ich freue mich auch Jahre danach noch immer, wenn ich eine Reise dadurch nochmal nachfühlen kann.

In Doha haben wir einen kurzen Aufenthalt und fliegen noch mal ein paar Stunden weiter nach Bangalore. Dort kommen wir mitten in der Nacht an. Wenn alles klappt, checken wir dann fuer ein kurzes Schlaefchen in einem Hotel in Flughafennähe ein.

Morgen vormittag werden wir von einem privaten Fahrer abgeholt, der uns in 4 Tagen ein bisschen was von diesem grossen Land zeigen wird. Wir sind soo gespannt. Am Dienstag erreichen wir dann die Hochzeitsstadt Coimbatore. Dort bleiben wir vor und während und nach den Feierlichkeiten. Zum Abschluss sind wir noch mal fuer eine Woche im Nachbarstaat Kerala.

Aber jetzt ganz gemächlich der Reihe nach. Let the fun begin :-)

Badespass in der Donau

Es war schon wieder Sonntag morgen und unser letzter Tag in Wien. Der Zug fuhr erst um 5 Uhr Nachmittags und so blieb uns noch etwas Zeit, den sommerlichen Tag zu geniessen.

Nach dem Fruehstueck packten wir die Badesachen ein und fuhren mit der U-Bahn zur Station „Alte Donau“. Schon vom Gleis aus konnte man das viele Wasser sehen und die zahlreichen Bootsanleger entlang der Ufer. Wir waren total überrascht, haetten wir doch in einer Großstadt wie Wien niemals so viel Wasser erwartet. Wie toll, fast wie eine Seenlandschaft liegt der Seitenarm der Donau vor uns.

Wir sind ein Stueck gelaufen und entdeckten auf der anderen Seite ein grosses Strandbad. Als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass sich der relativ hohe Eintrittspreis nicht gelohnt haette, da wir ja nur mal kurz ins Wasser wollten. Auf dem Hinweg hatten wir bereits eine kleine Badestelle mit Zugangstreppe entdeckt. Also zogen wir uns im öffentlichen Klo um und liefen zurueck zu der kleinen handtuchgrossen Wiese. Das Wasser war herrlich erfrischend und absolut klar. Es waren ueber 30 Grad und so tat die Abkühlung sehr gut.

Auf dem Weg zurück zur U-Bahn goennten wir uns noch ein kühles Getränk in einem schicken Strandrestaurant, bevor wir uns wieder zurueck in die Stadt machten. Es war wirklich toll, ein absoluter Pluspunkt fuer die Stadt und man haette hier den ganzen Tag verbringen koennen.

Zurueck in der Innenstadt liefen wir zielstrebig zu einem der bekanntesten Wiener Kaffeehäuser, dem Café Zentral. Ich wollte einfach noch mal das volle Klischee mit allem drum und dran, inklusive einem Stueck Sachertorte. Aber das wurde nichts. Sonntag Mittag, man haette es sich denken koennen, erwartete uns eine lange Schlange vor dem Eingang. Zeit war knapp also gingen wir in ein weniger klischeehaftes Café um die Ecke. Ein Stueck leckerste Sachertorte gab es dennoch und ich war happy.

Leider war es dann auch schon wieder Zeit, zum Hotel zu gehen und das dort wartende Gepäck abzuholen. Gegen halb 5 waren wir bereits am Wiener Auptbahnhof und deckten uns dort fuer die lange Fahrt mit ein paar Sandwiches und Getränken ein.

Wieder mal dauerte die Fahrt knapp 7 Stunden, aber dank ein bisschen Knitflix war es recht kurzweilig. Kurz vor Ankunft um Mitternacht bin ich sogar eingeschlafen, was dazu führte, dass ich am Bahnhof nur halb schlafwandelnd den weg nach Hause gefunden habe.

Fast vier Tage Wien, was soll ich sagen, es war einfach wundervoll und wir kommen sicher mal wieder.

Im Prater blühn wieder die Bäume

Nach dem Frühstück am Samstag sind wir direkt vom Hotel aus durch unser „Neubau“ Grätzel in Richtung Spittelberg gelaufen. Diese Gegend wird in Reiseberichten gerne auch als der Montmartre von Wien bezeichnet. Natürlich waren wir hier auch schon beim letzten Besuch. Es war Ende März, der Frühling stand vor der Tür und dennoch war es noch so grauselig kalt. Die Wirte hatten in freudiger Erwartung schon Ihre Tische und Stühle zusammengeklappt in den Gassen positioniert, aber die Strassen waren noch menschenleer. Es wehte ein eisiger Wind. Und genau in einer dieser Gassen reifte dann der Wunsch, das alles nochmal im Sommer zu besichtigen, wenn das Leben erwacht ist und irgendwie alles etwas fröhlicher aussieht.

Wir waren begeistert, denn der Plan ging auf und es hat uns gut gefallen. Wir schlenderten durch die Gassen und beschlossen, am Abend zum Essen wieder herzukommen.

Wir liefen weiter in Richtung Volksgarten, wo wir eine kurze Rast in einem Cafe mit lässigem 50er Jahre Charme machten. Mal wieder gönnte sich der Kai einen gespritzten Veltliner und ich erfrischte mich mit einem Eiskaffee. Dazwischen habe ich ein paar Reihen gestrickt und so genossen wir den Tag. Das Wetter war herrlich, nicht zu heiß, etwa 25 – 28 Grad und Sonne und Wolken wechselten sich ab. Perfekt für einen Städtetrip.

Am Rathausplatz war gerade ein mehrwöchiges Film- und Foodfestival und direkt vor dem Rathaus war eine riesige Leinwand aufgebaut. Abends gibt es dort immer Aufführungen. Sommer in der Stadt. Einfach toll. Bei einem der Essensstände holte ich mir Gyozas (vom Thai) und dieses Mal nahmen wir beide einen erfrischenden Weißwein mit Mineralwasser. Das Mischungsverhältnis beträgt in der Regel 2/3 Wasser und 1/3 Wein. Das ergibt einen guten Trinkfluss ;-) Wir setzten uns ins Grüne und beobachteten die Menschen und das Treiben im Allgemeinen.

Nach der Stärkung sind wir mit der Bahn weiter zum Prater gefahren. Da wollte ich auch gerne noch mal hin, obwohl ich im Nachhinein sagen muß, dass wir uns das auch hätten sparen können. Das schöne Wiener Riesenrad mit den roten Gondeln ist sehenswert, der Rest des Parks ist nicht weiter erwähnenswert, moment, doch … vielleicht das Kettenkarussel, welches sich in schnwindelnde Höhe nach oben schraubt. Da wird mir schon vom Zuschauen ganz blümerant.

Am späten Nachmittag hat sich Kai nochmal einen Besuch in der Strandbar Herrmann gewünscht, da waren wir ja bereits am 1. Tag. Die Atmosphäre am Kanal in der sommerlichen Abendstimmung ist aber auch einfach toll. Liegestühle aufgeklappt und mit Aperol Spritz in der Hand freuten wir uns, dass wir es so schön haben.

Als dann die Mägen hörbar zu knurren anfingen, war es Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Wir hatten ja bereits den Spittelberg ins Auge gefasst, dachten aber falls uns auf dem Weg was schönes ins Auge sticht … tat es aber nicht und so fuhr uns die Bahn direkt zum Ausgangspunkt von heute morgen. Wir landeten bei Witwe Bolte. Das kleine Lokal lag etwas zurückgesetzt von der Spittelgasse und hatte einen tollen gemütlichen Vorplatz. Wir hatten Glück und bekamen sogar noch einen freien Tisch. Für den letzten Abend gönnten wir uns jeder ein 3-Gang-Menü, welches mit allerlei österreichischen Spezialitäten gespickt war. Frittatensuppe, Tafelspitz, Wiener Schnitzel und zum Nachtisch gab es Palatschinken oder Kaiserschmarrn. Und es war wirklich alles ausgesprochen lecker. Schöner konnte man nicht sitzen, mitten in Wien, der wunderschönen Stadt an der Donau.

Es lebe der Zentralfriedhof …

… und olle seine Toten

Der Eintritt is‘ für Lebende

Heit‘ ausnahmslos verboten …

(Wolfgang Ambros)

Freitag konnten wir endlich wieder ausschlafen, es lagen drei entspannte Tage vor uns. Nach dem leckeren Frühstücksbuffet im Hotel sind wir direkt mit der Bahn in Richtung Naschmarkt aufgebrochen. Hier waren wie vor 10 Jahren auch nochmal, aber die ganzen Restaurants waren fast alle geschlossen. Dieses Mal war das natürlich anders, und wir bedauerten die noch vom Frühstück vollen Mägen. So gab es nur eine Melange für mich und einen Veltlinerspritzer für Kai. Das Wetter war etwas kühler als am Vortag und die Sonne wollte sich auch noch nicht so recht zeigen.

Anschließend brachen wir auf in Richtung Simmering, um uns den bekannten Wiener Zentralfriedhof genauer anzuschauen. Wir stiegen am Tor 2 aus der Bahn und waren erstmal erstaunt, daß es dort einen Souvenirshop und ein Kaffeehaus gibt. Hätte mir fast ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift (siehe Beitragstitel) gekauft. Fand ich als Tochter einer Bestatterfamilie angemessen. Leider war der Schriftzug in „Comic Sans“ verfasst und das hielt mich dann davon ab ;-)

Wir kauften uns für zwei Euro einen Übersichtsplan, denn die Anlage ist riesengross. Man kann dort Elektrofahrräder leihen und eine markierte Joggingstrecke gibt es auch. Ich mag Friedhöfe sehr. Im Allgemeinen stimmt einen der Besuch dort meist sehr nachdenklich. Man streift an alten Grabmälern vorbei, die mal prunkvoll und dann auch wieder ganz einfach daherkommen. Man liest die Inschriften und errechnet die Lebenszeit, wenn das Geburtsdatum und das Sterbedatum dicht beieinander liegen. Irgendwann kommen wir bei den Musikern vorbei, Beethofen, Mozart, Strauss … wobei es bei einigen doch eher Ehrengrabmäler sind als letzte Ruhestätte.

Danach liefen wir rüber zu den österreichischen Volksschauspielern, die ich vor allem aus dem Fernsehen der 70er Jahre kenne, als die alten Schinken in ZDF und ARD so manchen Sonntag im familiären Wohnzimmer flimmerten. Theo Lingen, Hans Moser, Paul Hörbiger … ich fühle mich um Jahre zurückversetzt.

Ein paar Gräber daneben haben wir Udo Jürgens und sein Marmorklavier besucht. Etwas weiter hinten in der „Gruppe“ 40 liegt Falco begraben, der auch heute noch als österreichs größter Popstar aller Zeiten gilt. Seine Hits sind unvergessene Begleiter meiner Jugend.

Nach dem doch recht langen Spaziergang sind wir dann noch in das Café gegangen und haben und die Vormittagskombination (Melange/Weinspritzer) noch mal gegönnt, wobei es für mich noch ein leckeres Stück Erdbeertorte gab. Es war mittlerweile schon später Nachmittag.

Auf dem Heimweg sind wir nochmal bei der U-Bahn Haltestelle Stubentor ausgestiegen, um in einer Straße namens „Wollzeile“ eine kleine feine Papeterie zu besuchen, die ich bereits am Vorabend im geschlossenen Zustand entdeckt hatte. Ein paar sehr schöne Kleinigkeiten konnte ich für mein zweitliebstes Hobby, dem Journaling, ergattern.

Nach einer kurzen Ruhephase im Hotel sind wir später noch ums Eck gelaufen, denn wir waren ja im 7. Bezirk, dem „Neubau“, und ich hatte gelesen, daß dies ein wirklich schönes „Grätzel“ ist. Ein gemütliches Altbauviertel mit zahlreichen Kaffees, Restaurants und tollen Geschäften. Direkt ums Eck wurden wir bereits fündig und kehrten im „Mitzitant“ ein. Ein nette Nachbarschaftskneipe mit viel Lokalkolorit. Ich bestellte mir einen steirischen Backhendlsalat und Kai kann vom panierten Fleisch nicht genug bekommen, dieses Mal gab es Cordon Bleu. Der anschließende Kaiserschmarrn, der bei den Köchen wegen der schon späten Stunde nicht auf Begeisterung stieß, bekam in meiner offiziellen Schmarrnskala von 1-10 ganze 8 Punkte. Sehr sehr lecker war der.

Wien im Sommer

Vor fast genau zehn Jahren waren wir schon mal in der österreichischen Hauptstadt an der Donau. Damals war es allerdings Ende März und dermassen eisig und kalt, dass man nur dick eingemummelt die leeren Gassen der wunderschönen Stadt durchstreifen kon. Schon damals haben wir beschlossen, das alles mal im Sommer zu erkunden.

Gestern morgen klingelte der Wecker unbarmherzig um kurz vor 5. Müde sind wir zum Bahnhof gelaufen, denn bereits um 6.00 Uhr ging der Zug direkt vom Hauptbahnhof Frankfurt nach Wien. Die Fahrt dauerte zwar fast 7 Stunden, aber mit ein bisschen Netflix und Stricken kriegt man das auch rum. So werden wir in Zukunft sicher noch andere Städte erkunden, die man direkt (ohne Umsteigen) von Frankfurt aus mit der Bahn erreichen kann.

Um 1 Uhr mittags waren wir dann endlich da und es gab erst mal etwas Verwirrung mit der Wochenkarte fuer die Bahn, hat doch der Automat die Karte fuer die nächste Woche ausgespuckt. Aber wir konnten sie umtauschen. Eine Wochenkarte lohnt sich bereits bei 4 Tagen Nutzung.

Wir residieren im Flemings Hotel am Westbahnhof. Dort angekommen musste ich erst mal meine Schlafreserven auffüllen, währen Kai die vollverglaste Dusche mitten im Zimmer ausgiebig genutzt hat. Lustig ist das.

Danach aber endlich raus in die Stadt. Mit der U3 sind wir direkt ins Herz des 1. Bezirks gefahren und haben dort den Stephansdom bewundert. So ein Wahrzeichen am Anfang einer Städtetour bringt einen direkt in Stimmung fuer die Stadt. Und weil es so leer war sind wir direkt die 343 Stufen auf den Südturm gestiegen. Das war sehr schweisstreibend aber man wurde mit einem schönen Rundumblick belohnt.

Danach sind wir etwas raus aus dem Zentrum in Richtung Kanal gelaufen. Als der Aperol Spritz Preis endlich auf annehmbare 5.80 Euro gesunken ist, gab es dann auch den ersten Aperitiv des Tages.

Weiter ging es zum sogenannten Bermudadreieck, einem Kneipenviertel in der Altstadt, bis wir vorne am Kanal angekommen sind. Nach einem kurzen Spaziergang sind wir auf die Strandbar Hermanns gestoßen und fanden dort zwei wundervolle Plätze am Wasser mit Liegestühlen und lässiger Sundowner Stimmung. Das war ganz hervorragend.

Kai hat uns dann ein Restaurant fuer den Abend erschnueffelt. Direkt am Radetzkiplatz fand er ein Lokal mit heimischen Spezialitäten und einer wunderschönen Aussenterrasse. Fuer mich gab es ein Schwammerlgulasch mit Knödeln und fuer Kai die sog. Schweinsfledermaus mit Preiselbeeren und Krautsalat. Beides sehr lecker und so schlenderten wir mit gut gefüllten Mägen durch die belebten Gassen der Altstadt bis zur U-Bahn am Stephansdom. Wien im Sommer, so hatten wir uns das vorgestellt ❤️