Am Mittwoch war schon wieder Umzugstag. In der Früh haben wir uns bereits von den Nachbarn verabschiedet, die noch ein bisschen weiter nördlich gefahren sind. Wir wurden um 11 im Hotel abgeholt und sind dann mit der Riksha ins ca. 15 km weiter nördlich gelegene Mararikulam getuckert. Gegen viertel vor 12 erreichten wir unser neues Zuhause fuer die letzten 3 Tage in Indien, das Flamingo Marari Boutique Hotel. Das hat Kai bereits von zuhause gebucht. Grosses Kompliment an den Gatten und seinen Reise Enthusiasmus, das hat er ganz hervorragend ausgewählt. Aber er kennt mich ja auch ein bisschen und weiss was mir gefällt.
Das kleine Hotel liegt ca. 400m hinter dem Meer an einem Kanal. Alles ist offen und wunderschön ausgestattet. Ich empfange Mauritius/Seychellen Vibes und freue mich auf die Zeit hier.
Wir bekommen unser Zimmer gezeigt und einen leckeren Begruessungsdrink gebracht. Danach kommen wir endlich mal zum frühstücken. Unsere Mägen knurrten bereits, da wir noch nichts gegessen hatten. Wir teilten uns ein schmackhaftes Clubsandwich und jeder bekam ein erfrischendes Lime Soda.
Am späten Nachmittag sind wir vor zum Strand gelaufen. Und die Stimmung dort war einfach wunderschön. Nicht das was man vielleicht von einem palmengesäumtem Strand erwartet, es gab keine Touristen, sondern nur Einheimische. Einige Jungs spielten Cricket, ein paar junge Mädchen sassen im Sand und kicherten, die Fischer machten ihre Netze fuer die Nachtfahrt fertig, umringt von dutzenden streunenden Hunden, neugierigen Raben und dazu das grosse blaue Meer.
Wie jeden Abend, seit wir in Kerala sind, fing es wieder an zu regnen. Erst nur mässig, dann immer mehr. Wir liefen durch den warmen Tropenregen zurück ins Hotel. Es war mittlerweile dunkel und die kleine Anlage war zauberhaft beleuchtet.
Es war wahnsinnig gemütlich, der Regen prasselte mittlerweile aus allen Kübeln und wir beschlossen, ein Bad im Pool zu nehmen. War das schön, warmer Regen von oben, angenehm lauwarmer Pool und alles um uns illuminiert. Wow, merke gerade wie kitschig das alles wird. Mein persönlicher Rosamunde Pilcher Moment 😂
Zum Abendessen sassen wir im hoteleigenen Restaurant, der Regen trommelte weiter auf das Dach und wie assen mal wieder leckerstes indisches Essen. Fuer Kai gab es fangfrischen Fisch und ich bekam ein lecker gewuerztes Aloo Gobi (Kartoffeln und Blumenkohl in Sauce) dazu gab es warmes fluffiges Parotta Brot.
Frueh gingen wir zu Bett, und was soll ich noch sagen, der Regel prasselte immer noch und es konnte nicht gemütlicher sein. Waltonsmusik und ab.
Am Dienstag habe ich fuer 6 Uhr frueh den Wecker gestellt, denn da geht hier die Sonne auf. Erstaunlicherweise hat das Aufstehen ganz gut geklappt. Die Sonne bekamen wir zwar irgendwie nicht zu Gesicht, aber der ganze Himmel war lila eingefärbt und die morgendliche Stimmung am Wasser hatte etwas magisches.
Nach einem weiteren kurzen Schläfchen im knochenharten Bett unserer Unterkunft gab es erst mal einen Kaffee auf unserem Balkon und ein Schwätzchen mit unseren Frankfurter Zimmernachbarn. Wie es der Zufall naemlich so wollte waren wir direkt nebeneinander und teilten uns den Balkon.
Man haette zwar auch hier fruehstuecken koennten aber uns allen war nach Rausgehen. Wir liessen uns wieder mit der Autoriksha in die Stadt fahren und fanden ein zauberhaftes Plätzchen direkt am Wasser mit leckerem Fruehstueck. Dieses Mal wieder etwas westlich gepraegt. Denn, das muss ich zugeben, so sehr ich das indische Essen auch liebe, zum Fruehstueck mag ichs gerne europäisch und nicht ganz so scharf.
So gab es Cappuccino, Bananen Lassi und fuer jeden ein Käsesandwich. Wir kamen ins Plaudern und so schlenderten wir in den Tag hinein und irgendwie wurde es immer spaeter, ohne dass man merkte wie die Zeit rumging.
Irgendwann schafften wir es, uns von diesem kleinen wunderbaren Ort loszueisen und gingen noch ein bisschen shoppen.
Der erste Halt führte uns in einen vollklimatisierten Schmuckladen, der auf zwei Stockwerken prunkvollen reinen Goldschmuck anbot. Abgerechnet wird hier nach Gramm und dem tagesaktuellen Goldpreis. Da ich nicht so der Fan von ausladendem Goldschmuck bin, atmete Kai auf, als wir unausgeshoppt den Laden wieder verließen 😂.
In der Nachbarschaft wurde ich allerdings fündig und ein kleiner Zehenring aus Silber fuer umgerechnet ca. 3 Euro durfte mit.
Anschließend gingen wir noch in einen Laden fuer Damenoberbekleidung, weil ich dich noch unbedingt eine schoene bunte Kurti haben wollte. Wenn ich schon mal hier bin. Ich mag lange Tunikablusen sehr gerne und wurde schnell fündig. Als ich die Umkleidekabine verließ raunten die beiden Verkäuferinnen anerkennend (und umsatzfördernd) ueber den ungewohnten Anblick einer grossen (kräftigen) blonden Frau und wollten alle abwechselnd Fotos mit mir. Das war irgendwie suess und von allen Seiten brachten die Damen weitere Kleidungsstücke, die auch in XL Größen verfügbar waren. So schaffte es dann noch eine weisse Bluse mit Stickerei und ein dunkelgrüner Wickelrock (Dothi) ins Einkaufskörbchen. Alles fuer umgerechnet 20 Euro. Kannste nix sagen ;-)
Wieder zurück im Hotel stand am Nachmittag der Termin fuer eine Ganzkörper Ayurveda Massage an, die ich vormittags gebucht hatte. Ich ging also nach unten und durfte mich zunächst mal komplett freimachen und bekam fuer den Unterleib eine Art Stringtanga aus Papier. Ein etwa 50cm langer und 10cm breiter Papierfetzen mit einer Schnur dran. Nee, Hemmungen sollte man nicht haben ;-) Aber fuer einen interessanten Blogbeitrag tue ich ja alles ;-)
Ich wusste ja, dass bei einer Ayurveda Massage viel Öl im Spiel ist, dachte noch, die Haare bleiben sicher verschont. Aber mitnichten. Das Haargummi wurde entfernt und schon hätte ich eine ganze Kelle Öl auf dem Kopf. Die anschließende Kopfmassage war aber sehr angenehm.
Dann wurde der ganze Körper nach und nach eingeölt und ich wand mich wie ein schleimiger Fisch auf der glatten Holzbank, als ich mich mehrfach rumdrehen sollte. Das kleine papierne Tangahöschen war mittlerweile auch nur noch pro Forma vorhanden (Hätt ich dir auch gleich sagen können 😂)
Dennoch, nach einer Stunde war ich entspannt und gut massiert. Es war dann doch sehr angenehm. Leider gab es im Hotel nur eine kalte Dusche, so dass es einigermaßen schwer war, den Ölfilm wieder loszuwerden.
Später am Abend sind wir noch raus zum Essen gefahren. Das Essen war allerdings nicht weiter erwähnenswert. Man kann ja auch nicht immer Glueck haben. Umso schoener, danach noch bei einem Kingfisher den Abend auf der Terrasse ausklingen zu lassen.
Unsere letzte Woche im südlichen Indien begann mal wieder mit frühem Aufstehen. Tags zuvor hatten wir mit den anderen 4 Frankfurtern einen Tagesausflug mit Kanutour durch die Kanäle der Backwaters gebucht.
Um 8 wurden wir pünktlich von einer Autoriksha abgeholt und zur regulären Fähre gebracht. Von dort ging es in etwa einer halben Stunde raus aus der Stadt. Wir hielten an einem privaten Haus mit Familienanschluss und bekamen dort ein leckeres hausgemachtes indisches Frühstück serviert.
Danach stiegen wir zu sechst um in ein hölzernes langes Kanu und wurden von da ab von einem Mann sanft durch die Kanäle geschippert. Vorbei ging die ruhige Fahrt entlang des Dorfes und wir bekamen Einblick in den Alltag der Bewohner. Ueberall wurde geangelt oder auch die wöchentliche Wäsche geschleudert und gewaschen. Die bunten Kleidungsstücke auf den Wäscheleinen haben mich natürlich wieder sehr verzückt.
Besonders schoen war auch die Vogelwelt anzuschauen, vor allem wenn die grossen schwarzen Kormorane ihre Flügel zum Trocknen ausbreiten. Wie bekamen auch die bunten Kingfisher zu sehen, die in Indien so verbreitet sind, daß sogar eine Brauerei danach benannt wurde.
Nach der gemütlichen Kanufahrt gab es dann nochmal ein hausgemachtes Mittagessen, traditionell serviert auf einem Bananenblatt. Und jetzt muss ich nochmals schwadronieren, aber das war wirklich schon wieder unfassbar schmackhaft. Die Basis eines solchen Gerichtes sind Reis und diverse Brote, dazu gibt es immer einen Sambar. Das ist eine Sauce mit Linsen, Gemüse, Tamarinde und Gewürzen. Dazu gibt es dann zahlreiche verschiedene Dips und Beilagen, die bisher bei jedem Essen variiert haben. Heute besonders hervorzuheben, ein Salat aus geraspelter gruener Papaya mit einer nussigen Note. Ich hoffe ich schaffe es, ein paar dieser Rezepte auch mal zuhause nachzukochen.
Zurueck im Hotel wurde erstmal ein bisschen auf der Terrasse gechillt und der Ausblick vom Balkon auf das emsige Treiben der Boote genossen. Die Zeit verging wie im Flug und es war schon wieder Zeit fürs Abendessen.
Die anderen hatten Lust auf komplett unindische Pizza. Sollte uns recht sein. Wir fanden einen kleinen Takeout in einer Seitenstraße, davor ein ueberdachter Tisch mit Stühlen. Es begann ein stroemender Tropenregen. Es konnte nicht gemütlicher sein, als wir lachend und erzaehlend unsere Pizza verspeist haben. Irgendwie total schoen, nach der Hochzeit noch ein bisschen mit den anderen rumzureisen. Nach so einem Ereignis gibt es ja immer noch ganz viel zu erzählen.
Am Sonntag Morgen hieß es Abschied nehmen, überall war Aufbruchstimmung. Wir konnten noch ein letztes Luxusfruehstueck geniessen, bevor unsere Unterkünfte fuer die letzten 7 Tage unserer Reise wieder etwas einfacher werden.
Fuer uns ging es weiter nach Kerala, etwas weiter westlich gelegen am grossen Indischen Ozean. Wir waren insgesamt 6 Leute aus der Gästegruppe, die zufällig alle nach Alleppey wollten. So bekamen wir ein eigenes Taxi gechartert und sahen uns schon alle beengt sitzen mit unserem ganzen Gepäck auf dem Schoss auf der etwa 5 1/2 stündigen Fahrt. Umso größer leuchteten die 6 Augenpaare, als ein Kleinbus mit 14 Sitzplätzen vorgefahren kam.
Ich verabschiedete mich tränenreich von Monique, die heute Nacht von Delhi wieder zurueck nach Spanien fliegt. Irgendwie total abgefahren, seine Freunde so weit weg von der Heimat zu treffen.
Die Fahrt ging zunächst durch den dichten Stadtverkehr von Coimbatore, bevor es dann allmählich ein bisschen ruhiger wurde. Zwischendurch machten wir Rast zum Mittagessen, und staunten alle nicht schlecht, als der Fahrer vor einem Restaurant hielt, welches ebenfalls eine Filiale in Frankfurt hat. Da freu ich mich so dermassen darueber, dass wir dieses leckere Südindische Essen auch zuhause bekommen. Ich bestellte mir wieder, na was wohl, Kothu Parotta. Das war dieses Mal so unfassbar scharf, dass ich spaeter am Abend nochmals daran erinnert werden sollte ;-) Ich gewöhne mich langsam aber sicher immer mehr an die scharfe Küche.
Gegen 6, in schönster Abenddämmerung erreichten wir unser Ziel Alleppey. Wir stiegen alle zentral aus und nahmen zu zweit jeweils noch eine Autoriksha zum Zielort. Ich hatte unsere Unterkunft der besten Freundin der Braut vor der Reise per WhatsApp geschickt, sie hat sich dann mit ihrem Freund auch dort eingemietet. Das war schoen, denn wir haben uns ausgezeichnet verstanden.
Der letzte Weg führte uns zu Fuss entlang der Kanäle der sogenannten „Backwaters“ bis vor zum Hotel, dem Malayalam Lake Resort. Ich rieb meine Augen, war das mal wieder alles schön hier. Ein absoluter Traum. Wir waren direkt am Wasser mit Blick auf die zahlreichen Boote, im Hintergrund Palmen und aufgeregte Vögel die sich zum Sonnenuntergang laut schnatternd in einem Baum trafen.
Wir bestellten uns Bier und Abendessen per Autoriksha ins Hotel und freuten uns, dass wir es mal wieder so wunderschön getroffen haben.
Samstag durften wir endlich mal wieder ausschlafen, in den bequemen Wölkchenmatratzen des Radisson war das eine absolute Wohltat. Wir frühstückten ausgiebig und quasselten mit den anderen Gästen. Alle mussten die fantastischen Eindruecke der letzten Tage erst mal verarbeiten, jeder auf seine Weise.
Spaeter am Vormittag sind Monique und ich zur Braut hochgegangen und haben ihr beim Packen geholfen. Sie ist zwar noch eine Weile im Land, aber jetzt bleibt sie bei den Schwiegereltern. Ich durfte den gesamten Brautschmuck zurück in die Kisten ordnen und das war schon sehr beeindruckend, und verdammt schwer, so ein indisches Hochzeitsgeschmeide.
Wir haben noch ein bisschen gequatscht und unsere Strickprojekte verglichen. Wir machen nämlich einen sogenannten Knitalong, in dem wir alle das Gleiche stricken. Dieser Pullover wird uns dann immer an dieses fantastische Erlebnis erinnern. So zumindest die Theorie, denn wirklich zum Stricken gekommen sind wir bisher nicht 🤣
Nachmittags sind Kai, Monique und ich mit einem Uber wieder in unser Lieblingsrestaurant Annapoorna gefahren und es gab nochmal mein neues Lieblingsessen, das Kothu Parotta mit Joghurtsauce. Das ist nun quasi mein Äquivalent zur italienischen Bolognese oder dem thailändischen Pad Thai. Ich könnte mich reinsetzen.
Mit der Autoriksha sind wir in einen wunderschönen Laden gefahren, dem Anookh, in dem es fantastische bedruckte Stoffe gab. Am Ende waren wir nochmal in der Brookefields Mall, da ich vor hatte mir ein paar Kurtis zuzulegen. Das sind diese schoenen Tuniken in den tollsten Farben und Mustern.
Ich wurde schnell fündig und freute mich ueber die neuen Kleidungsstücke. Lustigerweise in schwarz und dunkelblau. Ich bin mal gespannt, ob ich das alles trage wenn ich wieder zuhause bin 🤣
Am Abend gab es noch einen Absacker in der Hotelbar im 1. Stock, bevor es wieder recht frueh ins Bett ging. Es war nochmal ein schoener Tag im lauten, staubigen Coimbatore. Am Sonntag geht’s weiter.
Jetzt habe ich aber lange darauf hingearbeitet, um endlich diese Überschrift nutzen zu koennen ;-) Aber am Freitag war es so weit, in Indien wurde endlich geheiratet!
Um 4.30 Uhr mitten in der Nacht klingelte bereits mein Wecker. Eine ungnädige Zeit, aber die Hochzeiten hier finden am frühesten morgen statt. Ich begann mit dem ganz grossen Beautyprogramm, welches ich schon von langer Hand in Deutschland geplant hatte. Heute sollte alles perfekt sein. Bei den Haaren scheiterte ich bereits. Trotz mitgebrachtem Bürstenfön und Glätteisen war gegen die tropisch feuchte Hitze nichts zu machen.
Um viertel nach 5 war dann bereits der Termin bei Monique im 4. Stock. Sie war in einem frueheren Leben mal Make Up Artistin und versprach, mir ein dem Anlass angemessenes Äusseres zu verpassen. Wenigstens das hat prima geklappt.
Wir hatten alle bereits unsere Sariblusen und Unterroecke an, als wir uns um halb 6 im Brautzimmer trafen. Hier sollten uns von mehreren Frauen die Saris traditionsgerecht drapiert werden. Es ist naemlich eine eigene Wissenschaft, das bis zu 6m lange Stueck Stoff so um den Körper zu wickeln, dass es am Ende auch gut ausschaut.
Hier gab es dann einen Stau, anstatt mehrerer Frauen waren nur 2 gekommen, und die brauchten je ca. 20 Minuten pro Person. Wir waren aber ungefähr noch 15 Damen und um halb 7 ging der Shuttle zur Hochzeitslocation.
Mag es in Indien generell eine andere Auffassung von Zeit und Pünktlichkeit geben, die Hochzetszeremonien starten um 7.00 Uhr morgens. Da ist nicht dran zu rütteln. Also haben wir uns schnell noch jeder ein Kleid oder eine Kurti übergezogen (hier gilt das Rumlaufen nur in Bluse und Unterrock generell als Unterwäsche und ist ein No Go) und sind eilig zur Venue gefahren worden. Vor Ort hat der Bräutigam bereits ein paar Frauen aus seiner Familie mobilisiert und innerhalb von einer halben Stunde waren wir alle kunstvoll drapiert und gewickelt.
Es war dann auch schon kurz nach 7 als endlich der offizielle Teil begann. Es reihten sich diverse Vor-Rituale aneinander bevor es langsam ernst wurde.
Es begann mit einer „Reise“, das ganze wurde ein bisschen wie in einem Theaterstück aufgeführt. Der Bräutigam beschließt, das Elternhaus zu verlassen und reist mit Gefolgschaft durch die Räume. Draussen auf der Strasse wird dann verhandelt. Eigentlich sollte der Brautvater dem Bräutigam seine Tochter anbieten, damit dieser nicht ins Exil geht, der hat aber seinen Text etwas verändert und stattdessen die beiden Kokosnüsse angeboten, die er in der Hand hielt. Das war natuerlich ungeplant und führte allerseits zu lautem Gelächter.
Die Männer inklusive Bräutigam, Eltern, Schwiegereltern und Brüder trugen übrigens alle topless und um die Hüften war ein weisser Dothi gewickelt, ein 2m breites Stueck Stoff mit goldenem Rand. Diesen trugen alle Männer, aber Kai und die anderen internationalen Gäste durften ein farbiges Oberhemd anziehen. War der Kai doch ein bisschen froh drüber🤣
Irgendwann war es dann soweit. Braut und Bräutigam gingen über 7 Stufen und es wurden entsprechende Fragen gestellt. Danach war alles in Stein gemeißelt und die Braut stand symbolisch auf einem Stein. Wir Gäste bekamen jeder ein buntes Schächtelchen, welches mit Reis gefüllt war. Von ueberall wurde dieser geworfen und irgendwann war alles besiegelt. Die beiden waren offiziell verheiratet. Ein Moment, der bei Monique und mir natuerlich nicht ohne Tränen von statten ging. Wir waren beide ergriffen von diesem Moment.
Anschließend durfte erst mal nicht gratuliert und geherzt werden, denn das Paar sass auf der Buehne, dort brannte ein Feuer, in das die beiden abwechselnd Blumen warfen. Es war wirklich alles sehr sehr feierlich.
Endlich durfte dann auch gratuliert werden und wir stellten uns artig in der Schlange der Gäste an. Es begann wieder eine endlos lange Fotozeremonie. Fotos sind wichtig in Indien, vor allem eben die sehr gestellten Familienfotos und jeder sollte sein Foto mit dem Brautpaar bekommen. Aber ich darf nix sagen, ohne meine Kamera auf Reisen fühle ich mich auch nicht vollständig ;-)
Gegen eins standen schon wieder die Busse bereit, um uns ins Hotel zu fahren. Da wir noch am Morgen ein leckeres indisches Fruehstueck bekamen, verzichteten wir auf das Mittagessen.
Im Hotel gab es ein bisschen Verschnaufpause und ich wickelte mich aus dem Sari heraus. Der war dann doch schwer und irgendwie ungewohnt und nicht bequem zu tragen. Meine Bewunderung gilt daher auch den indischen Frauen, die teilweise ihren gesamten Alltag darin bestreiten.
Nach einem kurzen Powernap ging es wieder zurueck zur Location. Dort begann dann ein informeller und sehr gemütlicher Teil der Hochzeit. Es wurden lustige indische Hochzeitsspiele gemacht, indem die Eheleute sich gegenseitig liebevoll neckten, singen mussten und es gab sogar eine kleine Hochzeitstorte. Ein westlicher Brauch, aber dennoch schoen.
Zum Abschluss hatten dann wir unseren grossen Auftritt. Wir fuehrten unter den amuesierten Augen des Hochzeitspaares und der indischen Gäste unsere bereits zuhause einstudierten Tänze auf. Das hat prima geklappt und wir bekamen Applaus und Anerkennung fuer unsere „Bemühungen“. Dies ist eigentlich eher eine nordindische Tradition. Der sogenannte Sangeet besteht aus diversen Tänzen, die einzelne Gruppen vorbereiten. Wer schon mal Bollywood Hochzeitsfilme gesehen hat, weiss wovon ich rede. Es war sooooooo lustig und hat einen riesengroßen Spass gemacht.
Am Ende gab es noch laute indische Popmusik aus den Lautsprechern und es wurde ausgelassen getanzt.
So war es also vollbracht, eine Südindische Hochzeit, ein absolut einmaliges Erlebnis welches sich fuer immer in unsere Herzen gebrannt hat. Wir sind froh und glücklich und unendlich geehrt, dass wir die Gelegenheit hatten, dies so hautnah mitzuerleben. Um es aber noch etwas kitschiger zu machen, vor allem bin ich dankbar fuer die wundervollen Freundschaften, die uns den Weg hierher ermöglicht haben.
Der gestrige Tag war schon wieder so ereignisreich, dass ich gar nicht sicher bin, ob so ein Blogbeitrag auch nur annähernd alles angemessen erzählen kann. Einen Versuch ist es wert.
Nach einem feudalen und abwechslungsreichen Hotelfrühstück sind ca. 30 von uns in zwei Kleinbussen raus aus der Stadt gefahren. Parallel fanden am fruehen Morgen bereits Rituale im Elternhaus des Bräutigam statt, die, wenn ich das richtig verstanden habe, den Abschied des Sohnes aus dem Elternhaus symbolisieren sollen.
In ihrer Hotelsuite bekam die Braut derweil von 3 Frauen gleichzeitig Hände und Füße mit Henna kunstvoll und sehr detailreich bemalt. Das ist das sogenannte Mehendi.
Zu diesen Ereignissen waren noch keine Gäste vorgesehen, daher gab es fuer uns ein Alternativprogramm.
Es ging zum Isha Yoga Center ca. 30 Kilometer außerhalb der Stadt. Dort war es absolut beeindruckend. Wir hatten ca. 2,5 Stunden Zeit und das war eigentlich viel zu kurz fuer eine so weitläufige Anlage. An diesem Ort dreht sich alles um das sehr spirituelle Yoga, das in Indien noch eine ganz andere und deutlich tiefere Bedeutung hat.
Es hier zu erleben war etwas ganz besonderes. Zuerst ging man auf die riesengroße Büste (Adiyoga) zu und darunter war ein kleiner Tempel. Dort wurden wir direkt eingeladen, reinzukommen und im Schneidersitz den monotonen Klängen und Gesängen zu lauschen. Ruhe und Meditation, Körper und Geist.
Ein krasser Gegensatz zu dem lauten, hektischen und bunten Umfeld, welches wir bisher wahrgenommen haben.
Weiter ging der Weg durch die stickige Hitze entlang von palmengesäumtem Feldern. Zwischendurch gab es frisches Kokoswasser bevor wir den Eingang zur Hauptanlage erreicht haben. Dort war fotografieren streng verboten. Wir mussten alles abgeben und die Handys wurden separat verstaut. Verstaendlich, sonst wuerde sich sicher kaum einer dran halten.
Wobei ich grundsätzlich den Fotoapparat in der Tasche lasse, wenn ich weiss, daß es nicht erwünscht ist.
Von dort an ging es von einem spirituellen Ort zum naechsten. Alles war so wunderschön angelegt. Eine halbe Stunde „free yoga“ gab es auch. Diese bestand aus ein paar kleineren Übungen und einer Meditation. Haben wir natuerlich alles mitgemacht. Die Zeit ging viel zu schnell rum, da wurden wir auch schon wieder abgeholt.
Auf dem Rückweg fuhren wir nochmal ins Annapoorna und bestellten uns dieses Mal südindisches Parotta in verschiedenen Varianten. Das ist kleingezupftes Brot, gebraten mit Chili oder diversem Gemüse in einer Auswahl feinster indischer Gewürze. Getoppt wird das ganze mit einer Raita (yoghurt sauce). Das ist typisches Südindischen Streetfood und schmeckt unglaublich lecker.
Der erste feierliche Höhepunkt des Tages, an dem auch die Gäste geladen waren, fand am Abend in der eigentlichen Hochzeitslocation statt. Der Dresscode war hier noch informell. Als wir vor Ort ankamen, waren wir hin und weg. Der Eingang war bunt geschmueckt und zum Klang indischer Instrumente gingen wir hinein. Nach einem kurzen Warten kam dann die Familie des Bräutigams vorgefahren und unter musikalischer Begleitung begruessten sich die Familien der beiden zukünftigen Eheleute. Alles war schon so bunt und laut und gab doch nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den naechsten Tagen noch folgen sollte.
Zum Abschluss dieses wundervollen Tages gab es ein leckeres Abendessen, traditionell serviert auf einem Bananenblatt und natuerlich von uns mit den Fingern verspeist … obwohl wir Europäer sogar Holzgabeln bekamen 🤣 Die Inder wuerdigten unsere Bemühungen und mittlerweile klappt das auch schon ganz gut.
Indische Hochzeit, Tag Nr. 1 … morgen geht es weiter ♥️
So langsam wird es ernst. Gerade sitze ich in der Lobby des Radisson Blu Hotels in Coimbatore. Ich warte auf das Taxi, welches mich gleich zur Änderungsshneiderin bringt. Dazu gleich mehr.
Nach einer wenig erholsamen Nacht im kalten und feuchten Berghotel in Ooty sind wir heute morgen gegen 9 Uhr aufgebrochen in Richtung Coimbatore. Die Fahrt war mal wieder sehr halsbrecherisch. Dieses Mal ging es Haarnadelkurve fuer Haarnadelkurve bergab. Die Fahrweise ist wirklich absolut gewöhnungsbedürftig. Aber wir haben Vertrauen in das grosse Ganze und schauen aus dem Fenster. Draussen sitzen Horden von Affen auf den Mauern am Straßenrand.
Nach etwa 3 Stunden war der Spuk vorbei und wir erreichten sicher unser Ziel fuer die naechsten 5 Tage.
Im Hotel angekommen, wurden wir direkt ins Brautzimmer gebeten, da dort die ganze Kleidung fuer die internationalen Hochzeitsgäste gelagert ist. Wir machten eine kurze Anprobe. Während bei Kai alles wie angegossen gepasst hat, ging meine Sari Bluse nicht mal ansatzweise zu. Irgendwie scheint etwas mit den Maßen schiefgelaufen zu sein. Die „Bluse“ die nach meiner Einschätzung eher einem knappen Bikinioberteil ähnelte war viel zu klein. Daher steht fuer mich noch besagter Besuch beim Schneider an. Nur soviel sei verraten. Wir werden verdammt gut aussehen ;-)
Jeder von uns bekommt zwei Outfits und beide tragen wir zu verschiedenen Anlässen. Morgen geht es bereits mit ersten Ritualen los. Am Freitag findet dann die eigentliche Hochzeit statt. Selbstredend werde ich fotografieren, bis die Linse platzt.
Kleiner Cut: die Sache mit dem Schneider Besuch fand dann doch sehr viel spaeter statt als geplant. Erst am Abend kurz vor 7 bin ich mit dem Bräutigam und noch einer Freundin der Braut losgefahren. Die Fahrt war mal wieder spannend, denn auf Indiens Strassen gibt es einfach immer was zu gucken. Vor allem am Abend, wenn das Leben auf den ohnehin schon vollen Strassen erst so richtig erwacht.
In einer Seitenstraße machten wir halt, liefen durch ein paar weitere verwinkelte Gässchen in ein noch verwinkelteres Haus und erreichten so die Wohnung der Änderungsschneiderin. Aus meiner Bluse wurden rasch die grosszügigen Saumzugaben rausgenommen und dann ging das Teil wenigstens halbwegs zu. Naja, dann lasse ich das mit dem Atmen eben, dann wirds schon gehen 🤣
Auf dem Rückweg stellten wir gemeinsam fest, dass wir alle seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatten. Da wurde spontan beschlossen, noch ins Annapoorna zu gehen. Dem Lieblingsrestaurant der zukünftigen Eheleute. Und nachdem wir dort gegessen haben, wurde mir auch klar, warum das so ist. Das Essen war fantastisch und das Beste, was ich bis jetzt in Indien gegessen habe. Wir haben die Auswahl der Speisen den Profis überlassen und wurden nicht enttäuscht.
So ging der aufregende erste Tag in Coimbatore zuende. Doch das war erst der Anfang. Fortsetzung folgt …
Mittlerweile ist es Montag Abend, 10 vor 8, und wir liegen bereits im Bett. Kai meinte gerade wir seien alt geworden ;-) Zu meiner Verteidigung muss ich nochmals erwähnen, dass ich seeeehr krank bin 😉
Da wir heute nicht so viel unternommen haben, dachte ich, ich schreibe mal ueber ein paar kulturelle Unterschiede, die mir bisher so aufgefallen sind.
1. Wenn man ja sagt, dann nickt man den Kopf nicht wie bei uns, sondern wiegt ihn hin und her. So als wuerde man bei uns etwas abwägen. Das ist deswegen ulkig, weil ich schon ein paar Mal darauf herein gefallen bin. Zum Beispiel gestern Abend, als ich nach einer zweiten Wolldecke fragte, da sagte der Herr an der Rezeption zwar ja, schüttelte aber den Kopf. Das hat mich verwirrt 😉
2. Toilettenpapier ist praktisch nicht vorhanden, ausser in einigen Hotels oder am Flughafen. Ansonsten hat das indische Örtchen eine Handbrause. Wenn es die auch nicht gibt, dann gibt es einen Eimer mit Wasser und eine Schöpfkelle. Muss man sich dran gewöhnen, aber danach fühlt man sich wie frisch gewickelt und gepudert 😉 Daher mein Fazit: so eine Popodusche koennte ich mir zuhause auch vorstellen. Der Hesse würde sagen: Des is e fei Sach!
3. In direkter Verbindung steht die Nahrungsaufnahme, denn man isst vorwiegend mit der Hand, alles, auch den körnigen Basmatireis. Zum Essen nutzt man die rechte Hand. Hier erschließt sich der direkte Zusammenhang mit Punkt zwei, denn gewischt wird mit links 😉
Bin dennoch ganz froh, dass es fuer uns ausländische Touristen wenigstens noch einen Löffel gibt.
Vielleicht fallen mir noch ein paar Punkte ein, diese aber dann in einem anderen Beitrag.
Wir sind heute um zwei dann doch noch mal los, unser Fahrer hat uns noch ein bisschen durch den kleinen Bergort Ooty kutschiert. Eigentlich wäre heute ein Besuch im Nachbarort Coonoor auf dem Programm gewesen, aber da es schon spaeter war, gab es ein improvisiertes Alternativprogramm. So wurden wir zu einer kleinen Tee- und Schokolafenfabrik gebracht. Das war ganz nett, wir bekamen sehr leckere Schokolade zum Probieren und verschiedene Teesorten. Mein Favorit, der Masala Tee mit diversen indischen Gewürzen. Natuerlich gab es auch dort wieder einen Verkaufsraum und wir nahmen etwas von dem leckeren Tee mit. Ebenso gab es diverse abgepackte Gewürze, und so wanderten noch Zimtstangen, Sternanis, Kardamom und Muskatblüte ins Gepäck. Mein Ziel ist es, daraus das Gewürz für den diesjährigen Weihnachtsstollen herzustellen. Da bin ich mal sehr gespannt, ob ich das hinkriege.
Schon bei der Planung der Reise wussten wir, dass wir durch den Bandipur National Park fahren werden. Bekannt ist er vor allem dafuer, dass dort noch Tiger beheimatet sind. Angeblich lebt dort die zweithöchste Population von ganz Indien. Viele gibt es von diesen wunderschönen Tieren leider nicht mehr.
Seit der Reise in den Süden Afrikas bin ich fasziniert davon, solche Tiere in freier Natur bewundern zu koennen. Habe ich mir doch fuer diesen Zweck extra ein Teleobjektiv zugelegt.
Leider gab es keine Möglichkeit, eine der „echten“ Safaris zu buchen, diese finden naturgemäß zum Sonnenauf- oder Untergang statt. Wir mussten aber ohnehin durchfahren und so waren wir in der Lage einige Tiere zu entdecken. Tiger habe ich zwar keine gesehen, aber dafuer einen echten Leoparden, der hinter einem Stein hervorlugte. Ich war so happy ueber diesen Moment. Einige Elefanten konnten wir sehen, ganz viele wunderschöne Bambis (stehen sicher ganz oben auf der Speisekarte der Grosskatzen) sowie natuerlich die unvermeidlichen Affen, Pfaue und dieses wirklich zauberhafte Geschöpf, welches nach meiner Recherche ein Könogsriesenhörnchen sein muss.
Auf der Weiterfahrt ging es dann hoch in die Berge. Unser nächstes Ziel sollte Ooty sein. Der Fahrer raste die Serpentinen nach oben und ich hatte bis dahin nicht geahnt, dass man in Haarnadelkurven überholen kann.
Mittlerweile setzte ein bisschen die Erschöpfung ein, die Erkältung hat mich voll und ganz erwischt. Ich war froh, dass wir unser Hotel erreichten. Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass es hier oben derart kalt und feucht sein wuerde. Aber was hilft es. Es gab gottseidank eine Wolldecke im Zimmer und sicherheitshalber habe ich noch eine zweite geordert. Kai hat mir einen heißen Tee gebrüht, und mich direkt ins Bettchen verfrachtet.
Spaeter rief dann noch der Roomservice an und nahm unsere Bestellung fuer das Abendessen auf. Wir bestellen Fried Rice und Noodles mit Gemüse und zwei Kerala Paratha Brote. Zum essen sind wir aber runter ins Lokal gegangen.
Wirklich wieder ganz anders, diese indische Bergamosphäre. Ich muss aber gestehen, erkaeltungsbedingt freue ich mich schon wieder auf wärmere Gefilde.