Am Sonntag Morgen hieß es Abschied nehmen, überall war Aufbruchstimmung. Wir konnten noch ein letztes Luxusfruehstueck geniessen, bevor unsere Unterkünfte fuer die letzten 7 Tage unserer Reise wieder etwas einfacher werden.
Fuer uns ging es weiter nach Kerala, etwas weiter westlich gelegen am grossen Indischen Ozean. Wir waren insgesamt 6 Leute aus der Gästegruppe, die zufällig alle nach Alleppey wollten. So bekamen wir ein eigenes Taxi gechartert und sahen uns schon alle beengt sitzen mit unserem ganzen Gepäck auf dem Schoss auf der etwa 5 1/2 stündigen Fahrt. Umso größer leuchteten die 6 Augenpaare, als ein Kleinbus mit 14 Sitzplätzen vorgefahren kam.
Ich verabschiedete mich tränenreich von Monique, die heute Nacht von Delhi wieder zurueck nach Spanien fliegt. Irgendwie total abgefahren, seine Freunde so weit weg von der Heimat zu treffen.
Die Fahrt ging zunächst durch den dichten Stadtverkehr von Coimbatore, bevor es dann allmählich ein bisschen ruhiger wurde. Zwischendurch machten wir Rast zum Mittagessen, und staunten alle nicht schlecht, als der Fahrer vor einem Restaurant hielt, welches ebenfalls eine Filiale in Frankfurt hat. Da freu ich mich so dermassen darueber, dass wir dieses leckere Südindische Essen auch zuhause bekommen. Ich bestellte mir wieder, na was wohl, Kothu Parotta. Das war dieses Mal so unfassbar scharf, dass ich spaeter am Abend nochmals daran erinnert werden sollte ;-) Ich gewöhne mich langsam aber sicher immer mehr an die scharfe Küche.
Gegen 6, in schönster Abenddämmerung erreichten wir unser Ziel Alleppey. Wir stiegen alle zentral aus und nahmen zu zweit jeweils noch eine Autoriksha zum Zielort. Ich hatte unsere Unterkunft der besten Freundin der Braut vor der Reise per WhatsApp geschickt, sie hat sich dann mit ihrem Freund auch dort eingemietet. Das war schoen, denn wir haben uns ausgezeichnet verstanden.
Der letzte Weg führte uns zu Fuss entlang der Kanäle der sogenannten „Backwaters“ bis vor zum Hotel, dem Malayalam Lake Resort. Ich rieb meine Augen, war das mal wieder alles schön hier. Ein absoluter Traum. Wir waren direkt am Wasser mit Blick auf die zahlreichen Boote, im Hintergrund Palmen und aufgeregte Vögel die sich zum Sonnenuntergang laut schnatternd in einem Baum trafen.
Wir bestellten uns Bier und Abendessen per Autoriksha ins Hotel und freuten uns, dass wir es mal wieder so wunderschön getroffen haben.
Samstag durften wir endlich mal wieder ausschlafen, in den bequemen Wölkchenmatratzen des Radisson war das eine absolute Wohltat. Wir frühstückten ausgiebig und quasselten mit den anderen Gästen. Alle mussten die fantastischen Eindruecke der letzten Tage erst mal verarbeiten, jeder auf seine Weise.
Spaeter am Vormittag sind Monique und ich zur Braut hochgegangen und haben ihr beim Packen geholfen. Sie ist zwar noch eine Weile im Land, aber jetzt bleibt sie bei den Schwiegereltern. Ich durfte den gesamten Brautschmuck zurück in die Kisten ordnen und das war schon sehr beeindruckend, und verdammt schwer, so ein indisches Hochzeitsgeschmeide.
Wir haben noch ein bisschen gequatscht und unsere Strickprojekte verglichen. Wir machen nämlich einen sogenannten Knitalong, in dem wir alle das Gleiche stricken. Dieser Pullover wird uns dann immer an dieses fantastische Erlebnis erinnern. So zumindest die Theorie, denn wirklich zum Stricken gekommen sind wir bisher nicht 🤣
Nachmittags sind Kai, Monique und ich mit einem Uber wieder in unser Lieblingsrestaurant Annapoorna gefahren und es gab nochmal mein neues Lieblingsessen, das Kothu Parotta mit Joghurtsauce. Das ist nun quasi mein Äquivalent zur italienischen Bolognese oder dem thailändischen Pad Thai. Ich könnte mich reinsetzen.
Mit der Autoriksha sind wir in einen wunderschönen Laden gefahren, dem Anookh, in dem es fantastische bedruckte Stoffe gab. Am Ende waren wir nochmal in der Brookefields Mall, da ich vor hatte mir ein paar Kurtis zuzulegen. Das sind diese schoenen Tuniken in den tollsten Farben und Mustern.
Ich wurde schnell fündig und freute mich ueber die neuen Kleidungsstücke. Lustigerweise in schwarz und dunkelblau. Ich bin mal gespannt, ob ich das alles trage wenn ich wieder zuhause bin 🤣
Am Abend gab es noch einen Absacker in der Hotelbar im 1. Stock, bevor es wieder recht frueh ins Bett ging. Es war nochmal ein schoener Tag im lauten, staubigen Coimbatore. Am Sonntag geht’s weiter.
Jetzt habe ich aber lange darauf hingearbeitet, um endlich diese Überschrift nutzen zu koennen ;-) Aber am Freitag war es so weit, in Indien wurde endlich geheiratet!
Um 4.30 Uhr mitten in der Nacht klingelte bereits mein Wecker. Eine ungnädige Zeit, aber die Hochzeiten hier finden am frühesten morgen statt. Ich begann mit dem ganz grossen Beautyprogramm, welches ich schon von langer Hand in Deutschland geplant hatte. Heute sollte alles perfekt sein. Bei den Haaren scheiterte ich bereits. Trotz mitgebrachtem Bürstenfön und Glätteisen war gegen die tropisch feuchte Hitze nichts zu machen.
Um viertel nach 5 war dann bereits der Termin bei Monique im 4. Stock. Sie war in einem frueheren Leben mal Make Up Artistin und versprach, mir ein dem Anlass angemessenes Äusseres zu verpassen. Wenigstens das hat prima geklappt.
Wir hatten alle bereits unsere Sariblusen und Unterroecke an, als wir uns um halb 6 im Brautzimmer trafen. Hier sollten uns von mehreren Frauen die Saris traditionsgerecht drapiert werden. Es ist naemlich eine eigene Wissenschaft, das bis zu 6m lange Stueck Stoff so um den Körper zu wickeln, dass es am Ende auch gut ausschaut.
Hier gab es dann einen Stau, anstatt mehrerer Frauen waren nur 2 gekommen, und die brauchten je ca. 20 Minuten pro Person. Wir waren aber ungefähr noch 15 Damen und um halb 7 ging der Shuttle zur Hochzeitslocation.
Mag es in Indien generell eine andere Auffassung von Zeit und Pünktlichkeit geben, die Hochzetszeremonien starten um 7.00 Uhr morgens. Da ist nicht dran zu rütteln. Also haben wir uns schnell noch jeder ein Kleid oder eine Kurti übergezogen (hier gilt das Rumlaufen nur in Bluse und Unterrock generell als Unterwäsche und ist ein No Go) und sind eilig zur Venue gefahren worden. Vor Ort hat der Bräutigam bereits ein paar Frauen aus seiner Familie mobilisiert und innerhalb von einer halben Stunde waren wir alle kunstvoll drapiert und gewickelt.
Es war dann auch schon kurz nach 7 als endlich der offizielle Teil begann. Es reihten sich diverse Vor-Rituale aneinander bevor es langsam ernst wurde.
Es begann mit einer „Reise“, das ganze wurde ein bisschen wie in einem Theaterstück aufgeführt. Der Bräutigam beschließt, das Elternhaus zu verlassen und reist mit Gefolgschaft durch die Räume. Draussen auf der Strasse wird dann verhandelt. Eigentlich sollte der Brautvater dem Bräutigam seine Tochter anbieten, damit dieser nicht ins Exil geht, der hat aber seinen Text etwas verändert und stattdessen die beiden Kokosnüsse angeboten, die er in der Hand hielt. Das war natuerlich ungeplant und führte allerseits zu lautem Gelächter.
Die Männer inklusive Bräutigam, Eltern, Schwiegereltern und Brüder trugen übrigens alle topless und um die Hüften war ein weisser Dothi gewickelt, ein 2m breites Stueck Stoff mit goldenem Rand. Diesen trugen alle Männer, aber Kai und die anderen internationalen Gäste durften ein farbiges Oberhemd anziehen. War der Kai doch ein bisschen froh drüber🤣
Irgendwann war es dann soweit. Braut und Bräutigam gingen über 7 Stufen und es wurden entsprechende Fragen gestellt. Danach war alles in Stein gemeißelt und die Braut stand symbolisch auf einem Stein. Wir Gäste bekamen jeder ein buntes Schächtelchen, welches mit Reis gefüllt war. Von ueberall wurde dieser geworfen und irgendwann war alles besiegelt. Die beiden waren offiziell verheiratet. Ein Moment, der bei Monique und mir natuerlich nicht ohne Tränen von statten ging. Wir waren beide ergriffen von diesem Moment.
Anschließend durfte erst mal nicht gratuliert und geherzt werden, denn das Paar sass auf der Buehne, dort brannte ein Feuer, in das die beiden abwechselnd Blumen warfen. Es war wirklich alles sehr sehr feierlich.
Endlich durfte dann auch gratuliert werden und wir stellten uns artig in der Schlange der Gäste an. Es begann wieder eine endlos lange Fotozeremonie. Fotos sind wichtig in Indien, vor allem eben die sehr gestellten Familienfotos und jeder sollte sein Foto mit dem Brautpaar bekommen. Aber ich darf nix sagen, ohne meine Kamera auf Reisen fühle ich mich auch nicht vollständig ;-)
Gegen eins standen schon wieder die Busse bereit, um uns ins Hotel zu fahren. Da wir noch am Morgen ein leckeres indisches Fruehstueck bekamen, verzichteten wir auf das Mittagessen.
Im Hotel gab es ein bisschen Verschnaufpause und ich wickelte mich aus dem Sari heraus. Der war dann doch schwer und irgendwie ungewohnt und nicht bequem zu tragen. Meine Bewunderung gilt daher auch den indischen Frauen, die teilweise ihren gesamten Alltag darin bestreiten.
Nach einem kurzen Powernap ging es wieder zurueck zur Location. Dort begann dann ein informeller und sehr gemütlicher Teil der Hochzeit. Es wurden lustige indische Hochzeitsspiele gemacht, indem die Eheleute sich gegenseitig liebevoll neckten, singen mussten und es gab sogar eine kleine Hochzeitstorte. Ein westlicher Brauch, aber dennoch schoen.
Zum Abschluss hatten dann wir unseren grossen Auftritt. Wir fuehrten unter den amuesierten Augen des Hochzeitspaares und der indischen Gäste unsere bereits zuhause einstudierten Tänze auf. Das hat prima geklappt und wir bekamen Applaus und Anerkennung fuer unsere „Bemühungen“. Dies ist eigentlich eher eine nordindische Tradition. Der sogenannte Sangeet besteht aus diversen Tänzen, die einzelne Gruppen vorbereiten. Wer schon mal Bollywood Hochzeitsfilme gesehen hat, weiss wovon ich rede. Es war sooooooo lustig und hat einen riesengroßen Spass gemacht.
Am Ende gab es noch laute indische Popmusik aus den Lautsprechern und es wurde ausgelassen getanzt.
So war es also vollbracht, eine Südindische Hochzeit, ein absolut einmaliges Erlebnis welches sich fuer immer in unsere Herzen gebrannt hat. Wir sind froh und glücklich und unendlich geehrt, dass wir die Gelegenheit hatten, dies so hautnah mitzuerleben. Um es aber noch etwas kitschiger zu machen, vor allem bin ich dankbar fuer die wundervollen Freundschaften, die uns den Weg hierher ermöglicht haben.
Direkt am frühen Morgen hätte es schon die Möglichkeit gegeben, in die Hochzeitslocation zu fahren, um frühen Zeremonien beizuwohnen. Wir entschieden uns jedoch (wie die meisten im Hotel) fuer die spätere Abfahrt um 10.30 Uhr. So konnten wir noch in aller Ruhe das wirklich fantastische Frühstücksbuffet geniessen.
Vor Ort in der Makara Jothi Mahal Ayyapa Pooja Sangam Hochzeitslocation war der Dresscode bis hier noch immer informell und relaxed, dennoch fühlten wir uns alle ein bisschen underdressed, als wir die Braut in ihrem wunderschönen Sari gesehen haben.
Der grosse Raum mit den hunderten Stühlen füllte sich so langsam. Ich hatte mir bis dahin noch Gedanken gemacht, ob ich im Innenraum gute Fotos machen könnte. Ich hatte ja keine Ahnung, dass der Bereich vor der Buehne einem perfekt ausgeleuchteten Fotostudio entsprach 🤣
Auf der Bühne sass das Hochzeitspaar und es spielte Musik, viele Menschen in traditionellen Gewändern waren um die beiden herum verteilt und es gab diverse farbenfrohe Rituale und es war alles schon wunderschön anzuschauen. Wie wir dann erfahren haben, war dies die offizielle Verlobung. Da wir älter waren als die beiden, durften wie sie mit Reis bewerfen, während sie sich vor uns auf den Boden gekniet haben. Somit haben wir ihnen unseren Segen gegeben *schnüff*
Danach gab es das bereits bekannte Essen am offenen Bananenblatt. Ein wirklich tolles Ritual. Man setzt sich einfach dorthin wo es gerade frei ist und von da ab laufen ca. 20 Personen an einem vorbei und bestuecken unseren Naturteller mit verschiedensten, Saucen, Chutneys, Joghurt, Broten, Reis und allerhand Flüssigkeiten in kleinen Bechern. Auch wenn man keine Ahnung hatte was das alles war, wir probierten wirklich von jeder Speise und es war nichts dabei, was uns nicht schmeckte. Eine wahre Geschmacksexplosion und eine Reise durch die Gewuerzwelt Südindiens.
Ich muss ein Geständnis machen, bislang mochte ich indisches Essen zwar, aber es war nicht mein Favorit. Das hat sich nun verändert. Ich bin jetzt ein grosser Fan und freue mich, dass es in Frankfurt auf der Kaiserstrasse ein Restaurant gibt, welches alle diese Speisen auch anbietet.
Anschließend gab es auch für die weiblichen Gäste die traditionelle Bemahlung der Hände mit Henna. Wobei dies eigentlich eher eine nordindische Tradition zu sein scheint. Aber die Braut hatte es sich so gewünscht.
Danach war Tanztraining angesagt, denn wir europäischen Gäste haben schon im Vorfeld der Reise einen indischen Tanz einstudiert. Der war fuer den Hochzeitstag vorgesehen, es hatte sich eine der Inderinnen bereit erklärt noch mal mit uns zu üben. War auch unbedingt notwendig.
Nach dem Essen ging es erst mal wieder zurueck ins Hotel und es blieb nicht viel Zeit fuer einen kurzen Nap und eine frische Dusche, bevor wir schon mit dem Styling beginnen mussten. Am Abend war der offizielle Hochzeitsempfang und fuer diesen gab es nun endlich eine Kleiderordnung ;-)
Kai durfte eine wunderschöne glitzernde nachtblaue Kurta tragen, ein langes Hemd mit Stehkragen und ich bekam ein Kleid, welches ich mir so wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht hätte 🤣 aber es war schön bunt und weiträumig, dass noch viel Platz fuer das Essen sein sollte.
Das Foyer im Hotel füllte sich allmählich mit den Gästen aus ganz Europa und alle sahen so toll und festlich aus. Ueberall funkelte und glitzerte es.
Gegen halb fuenf wurden wir wieder zurueck zur Venue gebracht und dort kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Hunderte von Gästen waren vor Ort in den buntesten Saris und Kurtas. Alles war so wunderschön. Wir wurden von allen Seiten nett angelaechelt und gegruesst, „welcome to India“ rief es aus den Reihen. Irgendwann betrat dann das Brautpaar die bunt geschmückte Bühne und wurde erst mal ausgiebig von mehreren Fotografen und Videografen abgelichtet.
Der Begriff „Empfang“ wurde dabei sicher anders interpretiert als bei uns. Während man in Deutschland eher bei einem Gläschen Sekt locker geplaudert haette, baute sich im Saal links von der Buehne eine Menschenmenge auf, die mich ein bisschen an die Schlangen im Königspalast von Mysore aus der letzten Woche erinnerte.
Was nun folgte war ein stundenlanges Ritual, an dem die Gäste in kleineren Gruppen nacheinander auf die Buehne gingen, das Brautpaar begruessten, um danach ein offizielles Foto mit den beiden zu machen. Meine vollste Bewunderung galt den beiden, die dies ueber mindestens 4 Stunden mitmachen, bis auch wirklich jeder seinen Moment hatte.
Ein Stock weiter unten war zur gleichen Zeit ein riesiges Buffet aufgebaut, und das hat uns nochmals erneut beeindruckt. Ueberall gab es Stände, an denen man aus einer Vielfalt an Speisen aussuchen konnte. Wirklich faszinierend und wirklich schade, dass der Magen irgendwann einfach voll ist. Wir haben es geliebt.
Irgendwann am späten Abend ging es zurueck ins Hotel, wo ich wirklich so fertig war, dass ich einen neuen Rekord im Schnelleinschlafen aufgestellt habe. Ich bin immer noch erkältet, habe mir aber dem Anlass angemessen, den ganzen Tag irgendwelche Grippostad und sonstige Pülverchen einverleibt, um dieses einmalige Ereignis in vollsten Zügen geniessen zu koennen.
Der gestrige Tag war schon wieder so ereignisreich, dass ich gar nicht sicher bin, ob so ein Blogbeitrag auch nur annähernd alles angemessen erzählen kann. Einen Versuch ist es wert.
Nach einem feudalen und abwechslungsreichen Hotelfrühstück sind ca. 30 von uns in zwei Kleinbussen raus aus der Stadt gefahren. Parallel fanden am fruehen Morgen bereits Rituale im Elternhaus des Bräutigam statt, die, wenn ich das richtig verstanden habe, den Abschied des Sohnes aus dem Elternhaus symbolisieren sollen.
In ihrer Hotelsuite bekam die Braut derweil von 3 Frauen gleichzeitig Hände und Füße mit Henna kunstvoll und sehr detailreich bemalt. Das ist das sogenannte Mehendi.
Zu diesen Ereignissen waren noch keine Gäste vorgesehen, daher gab es fuer uns ein Alternativprogramm.
Es ging zum Isha Yoga Center ca. 30 Kilometer außerhalb der Stadt. Dort war es absolut beeindruckend. Wir hatten ca. 2,5 Stunden Zeit und das war eigentlich viel zu kurz fuer eine so weitläufige Anlage. An diesem Ort dreht sich alles um das sehr spirituelle Yoga, das in Indien noch eine ganz andere und deutlich tiefere Bedeutung hat.
Es hier zu erleben war etwas ganz besonderes. Zuerst ging man auf die riesengroße Büste (Adiyoga) zu und darunter war ein kleiner Tempel. Dort wurden wir direkt eingeladen, reinzukommen und im Schneidersitz den monotonen Klängen und Gesängen zu lauschen. Ruhe und Meditation, Körper und Geist.
Ein krasser Gegensatz zu dem lauten, hektischen und bunten Umfeld, welches wir bisher wahrgenommen haben.
Weiter ging der Weg durch die stickige Hitze entlang von palmengesäumtem Feldern. Zwischendurch gab es frisches Kokoswasser bevor wir den Eingang zur Hauptanlage erreicht haben. Dort war fotografieren streng verboten. Wir mussten alles abgeben und die Handys wurden separat verstaut. Verstaendlich, sonst wuerde sich sicher kaum einer dran halten.
Wobei ich grundsätzlich den Fotoapparat in der Tasche lasse, wenn ich weiss, daß es nicht erwünscht ist.
Von dort an ging es von einem spirituellen Ort zum naechsten. Alles war so wunderschön angelegt. Eine halbe Stunde „free yoga“ gab es auch. Diese bestand aus ein paar kleineren Übungen und einer Meditation. Haben wir natuerlich alles mitgemacht. Die Zeit ging viel zu schnell rum, da wurden wir auch schon wieder abgeholt.
Auf dem Rückweg fuhren wir nochmal ins Annapoorna und bestellten uns dieses Mal südindisches Parotta in verschiedenen Varianten. Das ist kleingezupftes Brot, gebraten mit Chili oder diversem Gemüse in einer Auswahl feinster indischer Gewürze. Getoppt wird das ganze mit einer Raita (yoghurt sauce). Das ist typisches Südindischen Streetfood und schmeckt unglaublich lecker.
Der erste feierliche Höhepunkt des Tages, an dem auch die Gäste geladen waren, fand am Abend in der eigentlichen Hochzeitslocation statt. Der Dresscode war hier noch informell. Als wir vor Ort ankamen, waren wir hin und weg. Der Eingang war bunt geschmueckt und zum Klang indischer Instrumente gingen wir hinein. Nach einem kurzen Warten kam dann die Familie des Bräutigams vorgefahren und unter musikalischer Begleitung begruessten sich die Familien der beiden zukünftigen Eheleute. Alles war schon so bunt und laut und gab doch nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den naechsten Tagen noch folgen sollte.
Zum Abschluss dieses wundervollen Tages gab es ein leckeres Abendessen, traditionell serviert auf einem Bananenblatt und natuerlich von uns mit den Fingern verspeist … obwohl wir Europäer sogar Holzgabeln bekamen 🤣 Die Inder wuerdigten unsere Bemühungen und mittlerweile klappt das auch schon ganz gut.
Indische Hochzeit, Tag Nr. 1 … morgen geht es weiter ♥️
Als wir gestern morgen zum Frühstück kamen, hatten wir mal wieder Glueck, denn die Schulklassen vom Vorabend waren gerade fertig und der Raum leerte sich zügig. Das Büffet war abgegrast wie von einer Horde Heuschrecken. Wir bekamen aber ganz schnell einen Tisch gedeckt und ab dann wurde von allen Seiten Essen angebracht. Es gab Toast und Marmelade, Eier nach Wahl, sogar Müsli. Ich entschied mich jedoch fuer einen Masala Dosa, ein lokale Spezialität bestehend aus einem knusprig gebacken Pfannkuchen gefüllt mit einem Kartoffelcurry. Dazu gab es haufenweise frisches Obst und den schon bekannten stark gesüssten Kaffee.
Um 10 wurden wir wieder abgeholt und die erste Station sollte eigentlich der Chamundi Hill sein. Aber es war Samstag, das ganze Land schien auf den Beinen und wir endeten in einem dicken fetten Stau. Den konnte selbst unser Fahrer mit lautem Hupen und Fahren in zweiter Reihe nicht besiegen. So wurde entscheiden, dass das heute nichts wird mit dem heiligen Berg.
Danach wurden wir vor einem Wax Museum abgesetzt und sollten uns das anschauen. Ich glaube der Arme wollte uns eine Alternative bieten. Fuer zusammen umgerechnet 60 Cent gingen wir rein. Was dann folgte war ein wenig skurril, aber irgendwie auch ganz nett.
Da ich unterwegs auf die schoenen bunten Sarees in den Geschäften zeigte, wurden wir in eins der groessere Geschäfte geführt. Wir wurden sofort in Beschlag genommen und der Verkäufer hat mit sicherem Gespür meine leuchtenden Augen wahrgenommen. Denn in Windeseile wurden zahlreiche Stoffballen vor mir ausgerollt. Ich war quasi machtlos, als ich einwilligte, 3 Meter von dem gelben Stoff aus Baumwollseide zu kaufen. Da waren so süße kleine weiße Elefanten drauf ;-)
Der Fahrer bot uns an, uns den Mysore Zoo anzuschauen, aber da hatten wir eigentlich gar keine Lust drauf. So fuhren wir dann endlich zum grossen Königspalast, dem touristischen Highlight der Stadt.
Schon von weitem konnte man die Menschenmassen erahnen. Kai kaufte uns schnell zwei Tickets und wir quetschen uns mit all den anderen durch die ständig piepsende Bogentürsonde.
Am Palast angekommen mussten wir wie fast ueberall in Indien die Schuhe ausziehen. Bei zigtausenden von Besuchern war das streng organisiert. Wir wurden jedoch von weitem schon herangwunken und bekamen unsere Schuhe gegen ein kleines Trinkgeld direkt verwahrt. Ab dann reihten wir uns ein in die ca. 5-10 Menschen breite Schlange und wurden in das Labyrinth des Palastes gesaugt. Jetzt gab es kein zurueck mehr. Eilig konnte man Fotos knipsen und wenn man mal stehenblieb wurde man direkt mit der Trillerpfeife zum Weitergehen aufgefordert. Irgendwie machte aber jeder doch was er will und ich knipste in aller Ruhe ein Paar Bilder. Irgendwann ging es eine Treppe rauf und es wurde so eng, dass man immer mal wieder gegen die Wand gepresst wurde. Hier musste ich mich dann sehr beherrschen, um nicht in Panik zu geraten. Das war nicht so lustig. Oben angekommen wurde es aber endlich wieder etwas luftiger und ich wurde von einer Gruppe kichernder Damen um ein Foto mit ihnen gebeten. Das sollte mir nicht das letzte mal passieren. Lustig war das und es wurde gekichert und rumgealbert.
Nachdem wir endlich wieder draussen waren, haette ich den Boden küssen können. Derartige Menschenmassen habe ich noch nie erlebt. Wer in Europa unter dem Massentourismus stöhnt, sollte mal an einem Samstag Nachmittag den Königspalast in Mysore besuchen ;-)
Es macht aber unheimlich Spass die Menschen zu beobachten, vor allem die Frauen in ihren bunten Sarees sind einfach wunderschön anzuschauen. Die einzige Farbe, die man in den Stoffen gar nicht sieht ist grau ;-)
Wir fuhren wieder ins Hotel und ruhten uns ein bisschen aus. Denn am Abend um 7 wollte unser Fahrer noch mal eine Stadtrundfahrt mit uns machen. Denn in Mysore war Lichterfest (Dasara). Das findet einmal im Jahr statt und wie hatten Glueck, das wir genau zu dieser Zeit hier waren. Das erklärt vielleicht auch die Menschenmengen. Alles, wirklich alles war beleuchtet, wobei das Highlight der vollstaendig beleuchtete Palast war. Die Stadt platzte aus allen Nähten, es war sogar noch voller als am Tag. Unglaublich.
Wir wurden wieder am Hotel abgesetzt, entschieden uns aber noch mal fuer einen Abendspaziergang durch die Lichter der Stadt. Wir gingen ein bisschen shoppen und ich kaufte mir fuer die Hochzeit noch ein Fusskettchen und einen Zehenring.
Auf dem Rückweg landeten wir in einem im Hinterhof gelegenen schlichten Restaurant. Es war schon spät und die Speisekarte bestand aus einem Kassenbon mit allen Gerichten drauf. Ich entschied mich fuer ein Veg Curry und Chapati Brot. Das war mal wieder recht scharf, aber ich gewöhne mich daran. Für Kai kann es jedoch gar nicht scharf genug sein.
Zurück im Hotel kündigte sich dann das Unheil bereits an. Eine verdammte Erkältung machte sich bemerkbar mit Husten, starkem Frösteln und schmerzenden Gliedern. Was soll denn das nun wieder? Seit ueber drei Jahren hat es mich nicht mehr richtig erwischt und dann genau jetzt? Ich rolle genervt die Augen und schlucke eine Paracetamol gegen die Kopfschmerzen. Was willste machen?
Es war schon wieder Sonntag morgen und unser letzter Tag in Wien. Der Zug fuhr erst um 5 Uhr Nachmittags und so blieb uns noch etwas Zeit, den sommerlichen Tag zu geniessen.
Nach dem Fruehstueck packten wir die Badesachen ein und fuhren mit der U-Bahn zur Station „Alte Donau“. Schon vom Gleis aus konnte man das viele Wasser sehen und die zahlreichen Bootsanleger entlang der Ufer. Wir waren total überrascht, haetten wir doch in einer Großstadt wie Wien niemals so viel Wasser erwartet. Wie toll, fast wie eine Seenlandschaft liegt der Seitenarm der Donau vor uns.
Wir sind ein Stueck gelaufen und entdeckten auf der anderen Seite ein grosses Strandbad. Als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass sich der relativ hohe Eintrittspreis nicht gelohnt haette, da wir ja nur mal kurz ins Wasser wollten. Auf dem Hinweg hatten wir bereits eine kleine Badestelle mit Zugangstreppe entdeckt. Also zogen wir uns im öffentlichen Klo um und liefen zurueck zu der kleinen handtuchgrossen Wiese. Das Wasser war herrlich erfrischend und absolut klar. Es waren ueber 30 Grad und so tat die Abkühlung sehr gut.
Auf dem Weg zurück zur U-Bahn goennten wir uns noch ein kühles Getränk in einem schicken Strandrestaurant, bevor wir uns wieder zurueck in die Stadt machten. Es war wirklich toll, ein absoluter Pluspunkt fuer die Stadt und man haette hier den ganzen Tag verbringen koennen.
Zurueck in der Innenstadt liefen wir zielstrebig zu einem der bekanntesten Wiener Kaffeehäuser, dem Café Zentral. Ich wollte einfach noch mal das volle Klischee mit allem drum und dran, inklusive einem Stueck Sachertorte. Aber das wurde nichts. Sonntag Mittag, man haette es sich denken koennen, erwartete uns eine lange Schlange vor dem Eingang. Zeit war knapp also gingen wir in ein weniger klischeehaftes Café um die Ecke. Ein Stueck leckerste Sachertorte gab es dennoch und ich war happy.
Leider war es dann auch schon wieder Zeit, zum Hotel zu gehen und das dort wartende Gepäck abzuholen. Gegen halb 5 waren wir bereits am Wiener Auptbahnhof und deckten uns dort fuer die lange Fahrt mit ein paar Sandwiches und Getränken ein.
Wieder mal dauerte die Fahrt knapp 7 Stunden, aber dank ein bisschen Knitflix war es recht kurzweilig. Kurz vor Ankunft um Mitternacht bin ich sogar eingeschlafen, was dazu führte, dass ich am Bahnhof nur halb schlafwandelnd den weg nach Hause gefunden habe.
Fast vier Tage Wien, was soll ich sagen, es war einfach wundervoll und wir kommen sicher mal wieder.
Nach dem Frühstück am Samstag sind wir direkt vom Hotel aus durch unser „Neubau“ Grätzel in Richtung Spittelberg gelaufen. Diese Gegend wird in Reiseberichten gerne auch als der Montmartre von Wien bezeichnet. Natürlich waren wir hier auch schon beim letzten Besuch. Es war Ende März, der Frühling stand vor der Tür und dennoch war es noch so grauselig kalt. Die Wirte hatten in freudiger Erwartung schon Ihre Tische und Stühle zusammengeklappt in den Gassen positioniert, aber die Strassen waren noch menschenleer. Es wehte ein eisiger Wind. Und genau in einer dieser Gassen reifte dann der Wunsch, das alles nochmal im Sommer zu besichtigen, wenn das Leben erwacht ist und irgendwie alles etwas fröhlicher aussieht.
Wir waren begeistert, denn der Plan ging auf und es hat uns gut gefallen. Wir schlenderten durch die Gassen und beschlossen, am Abend zum Essen wieder herzukommen.
Wir liefen weiter in Richtung Volksgarten, wo wir eine kurze Rast in einem Cafe mit lässigem 50er Jahre Charme machten. Mal wieder gönnte sich der Kai einen gespritzten Veltliner und ich erfrischte mich mit einem Eiskaffee. Dazwischen habe ich ein paar Reihen gestrickt und so genossen wir den Tag. Das Wetter war herrlich, nicht zu heiß, etwa 25 – 28 Grad und Sonne und Wolken wechselten sich ab. Perfekt für einen Städtetrip.
Am Rathausplatz war gerade ein mehrwöchiges Film- und Foodfestival und direkt vor dem Rathaus war eine riesige Leinwand aufgebaut. Abends gibt es dort immer Aufführungen. Sommer in der Stadt. Einfach toll. Bei einem der Essensstände holte ich mir Gyozas (vom Thai) und dieses Mal nahmen wir beide einen erfrischenden Weißwein mit Mineralwasser. Das Mischungsverhältnis beträgt in der Regel 2/3 Wasser und 1/3 Wein. Das ergibt einen guten Trinkfluss ;-) Wir setzten uns ins Grüne und beobachteten die Menschen und das Treiben im Allgemeinen.
Nach der Stärkung sind wir mit der Bahn weiter zum Prater gefahren. Da wollte ich auch gerne noch mal hin, obwohl ich im Nachhinein sagen muß, dass wir uns das auch hätten sparen können. Das schöne Wiener Riesenrad mit den roten Gondeln ist sehenswert, der Rest des Parks ist nicht weiter erwähnenswert, moment, doch … vielleicht das Kettenkarussel, welches sich in schnwindelnde Höhe nach oben schraubt. Da wird mir schon vom Zuschauen ganz blümerant.
Am späten Nachmittag hat sich Kai nochmal einen Besuch in der Strandbar Herrmann gewünscht, da waren wir ja bereits am 1. Tag. Die Atmosphäre am Kanal in der sommerlichen Abendstimmung ist aber auch einfach toll. Liegestühle aufgeklappt und mit Aperol Spritz in der Hand freuten wir uns, dass wir es so schön haben.
Als dann die Mägen hörbar zu knurren anfingen, war es Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Wir hatten ja bereits den Spittelberg ins Auge gefasst, dachten aber falls uns auf dem Weg was schönes ins Auge sticht … tat es aber nicht und so fuhr uns die Bahn direkt zum Ausgangspunkt von heute morgen. Wir landeten bei Witwe Bolte. Das kleine Lokal lag etwas zurückgesetzt von der Spittelgasse und hatte einen tollen gemütlichen Vorplatz. Wir hatten Glück und bekamen sogar noch einen freien Tisch. Für den letzten Abend gönnten wir uns jeder ein 3-Gang-Menü, welches mit allerlei österreichischen Spezialitäten gespickt war. Frittatensuppe, Tafelspitz, Wiener Schnitzel und zum Nachtisch gab es Palatschinken oder Kaiserschmarrn. Und es war wirklich alles ausgesprochen lecker. Schöner konnte man nicht sitzen, mitten in Wien, der wunderschönen Stadt an der Donau.
Freitag konnten wir endlich wieder ausschlafen, es lagen drei entspannte Tage vor uns. Nach dem leckeren Frühstücksbuffet im Hotel sind wir direkt mit der Bahn in Richtung Naschmarkt aufgebrochen. Hier waren wie vor 10 Jahren auch nochmal, aber die ganzen Restaurants waren fast alle geschlossen. Dieses Mal war das natürlich anders, und wir bedauerten die noch vom Frühstück vollen Mägen. So gab es nur eine Melange für mich und einen Veltlinerspritzer für Kai. Das Wetter war etwas kühler als am Vortag und die Sonne wollte sich auch noch nicht so recht zeigen.
Anschließend brachen wir auf in Richtung Simmering, um uns den bekannten Wiener Zentralfriedhof genauer anzuschauen. Wir stiegen am Tor 2 aus der Bahn und waren erstmal erstaunt, daß es dort einen Souvenirshop und ein Kaffeehaus gibt. Hätte mir fast ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift (siehe Beitragstitel) gekauft. Fand ich als Tochter einer Bestatterfamilie angemessen. Leider war der Schriftzug in „Comic Sans“ verfasst und das hielt mich dann davon ab ;-)
Wir kauften uns für zwei Euro einen Übersichtsplan, denn die Anlage ist riesengross. Man kann dort Elektrofahrräder leihen und eine markierte Joggingstrecke gibt es auch. Ich mag Friedhöfe sehr. Im Allgemeinen stimmt einen der Besuch dort meist sehr nachdenklich. Man streift an alten Grabmälern vorbei, die mal prunkvoll und dann auch wieder ganz einfach daherkommen. Man liest die Inschriften und errechnet die Lebenszeit, wenn das Geburtsdatum und das Sterbedatum dicht beieinander liegen. Irgendwann kommen wir bei den Musikern vorbei, Beethofen, Mozart, Strauss … wobei es bei einigen doch eher Ehrengrabmäler sind als letzte Ruhestätte.
Danach liefen wir rüber zu den österreichischen Volksschauspielern, die ich vor allem aus dem Fernsehen der 70er Jahre kenne, als die alten Schinken in ZDF und ARD so manchen Sonntag im familiären Wohnzimmer flimmerten. Theo Lingen, Hans Moser, Paul Hörbiger … ich fühle mich um Jahre zurückversetzt.
Ein paar Gräber daneben haben wir Udo Jürgens und sein Marmorklavier besucht. Etwas weiter hinten in der „Gruppe“ 40 liegt Falco begraben, der auch heute noch als österreichs größter Popstar aller Zeiten gilt. Seine Hits sind unvergessene Begleiter meiner Jugend.
Nach dem doch recht langen Spaziergang sind wir dann noch in das Café gegangen und haben und die Vormittagskombination (Melange/Weinspritzer) noch mal gegönnt, wobei es für mich noch ein leckeres Stück Erdbeertorte gab. Es war mittlerweile schon später Nachmittag.
Auf dem Heimweg sind wir nochmal bei der U-Bahn Haltestelle Stubentor ausgestiegen, um in einer Straße namens „Wollzeile“ eine kleine feine Papeterie zu besuchen, die ich bereits am Vorabend im geschlossenen Zustand entdeckt hatte. Ein paar sehr schöne Kleinigkeiten konnte ich für mein zweitliebstes Hobby, dem Journaling, ergattern.
Nach einer kurzen Ruhephase im Hotel sind wir später noch ums Eck gelaufen, denn wir waren ja im 7. Bezirk, dem „Neubau“, und ich hatte gelesen, daß dies ein wirklich schönes „Grätzel“ ist. Ein gemütliches Altbauviertel mit zahlreichen Kaffees, Restaurants und tollen Geschäften. Direkt ums Eck wurden wir bereits fündig und kehrten im „Mitzitant“ ein. Ein nette Nachbarschaftskneipe mit viel Lokalkolorit. Ich bestellte mir einen steirischen Backhendlsalat und Kai kann vom panierten Fleisch nicht genug bekommen, dieses Mal gab es Cordon Bleu. Der anschließende Kaiserschmarrn, der bei den Köchen wegen der schon späten Stunde nicht auf Begeisterung stieß, bekam in meiner offiziellen Schmarrnskala von 1-10 ganze 8 Punkte. Sehr sehr lecker war der.
Gerade sitzen wir schon wieder am kleinen Flughafen Lamezia und warten auf den ersten Flug nach Rom. So bleibt mir noch etwas Zeit, die Erinnerungen der letzten drei Tage sauber im Blog wegzusortieren.
Mittwoch und Donnerstag gab es den ganzen Tag Sonnenschein und der Himmel war strahlend blau. So schoen nach den vergangenen Tagen mit Wind und Regen.
Morgens gab es immer ein kleines Frühstück mit leckerem Cappuccino direkt am Strand (bestes Feature des Hotels, die Bar am Meer), danach dann ausgiebiges Powerrelaxing auf den Liegen mit den blau-weissen Schirmchen.
Noch zu Beginn des Urlaubs musste ich Kai versprechen, dass ich im Meer baden werde, auch wenn dies zu Saisonbeginn in der Regel noch sehr kalt ist. Aber ich habs durchgezogen. Es war saukalt, aber kristallklar und … und wie Hannelore sagen würde „wennde ersdema drin bist, gehds“
Mittags gab es dann meist einen „kleinen“ Snack in Form einer fluffigen Pizza und bis in die fruehen Abendstunden blieben wir am Strand mit allem was (für mich) dazu gehört, Stricken, Lesen, Baden, Sapziergänge und ausgiebiges Dösen. Hervorragend war das.
Das Abendessen im Pauschalhotel Torre Marino gab es in einem kleinen Speisesaal in sehr typischem italienischen Ambiente. Je greller die Beleuchtung, desto authentischer ;-)
Es gab immer ein „3-Gang-Menü“ bestehend aus Primo, Secondo und Dolce. Wenn es auch nichts besonderes war, es war in Ordnung und Nudeln koennte ich sowieso jeden Tag essen.
Nach dem Essen gab es vorne an der Bar immer einen Absacker, fuer Kai einen Grappa und fuer mich einen Espresso Lungo und manchmal noch einen leckeren Amaro. Der ist besonders erwähnenswert weil mit viel Ghiaccio ist das ein hervorragender Digestiv. Kann sein, dass auch ein Fläschchen davon ins Gepäck gewandert ist.
Freitag haben wir nochmal einen Ausflug an die absolute Zehennagelspitze Italiens gemacht. Es ging nach Scilla, ein wunderschöner Häuserhaufen dramatisch in den Hang gemörtelt. Es sollte auch einen Markt geben. Der bestand aber nur aus 5 Ständen, dies mag wohl der kleinste Mercatino des Landes gewesen sein.
Der Ort hat noch eine andere Besonderheit, er liegt direkt an der Meeresenge von Messina und die Entfernung nach Sizilien beträgt hier nur etwa 3 Kilometer. Vor kurzem hat man anscheinend mal wieder die Pläne, das Festland mit der Insel durch eine Brücke zu verbinden, neu aufleben lassen. Man darf gespannt sein.
Sizilien
Wir sind noch ein bisschen durch den Ort spaziert und im Anschluss ging es noch mal in einen Supermarkt um unsere viel zu leichten Koffer noch etwas schwerer zu machen. Wir kauften Amaro und etwas Pasta (gibt es in Deutschland ja nicht ;-) und sonstige schmackhafte Kleinigkeiten.
Der Himmel zog sich zu und es begann wieder zu regnen. Es ergab sich das bekannte Bild vom Anfang der Reise.
Zurück im Hotel dann ein Highlight des Tages. Es regnete immer noch und es war kalt und windig, dennoch wollten wir noch mal ins Meer. Wasser von oben und unten. Es war einfach toll.
So erfrischt sind wir zurück ins Zimmer, um die Koffer tetrisartig zu verpacken, dabei mussten wir uns ernsthaft fragen, ob wir wohl die Höchstgrenze an Gewicht erreicht hatten.
Im Speisesaal sass dann unsere Hannelore ganz alleine an ihrem Tisch, ihre Tischbachbarinnen sind alle abgereist. Da habe ich sie kurzentschlossen gefragt, ob sie sich zu uns setzen möchte. Ihre Augen haben gestrahlt. Wir haben den Rollator weggeschoben und das Geschirr umgeräumt und so war es nochmal ein geselliges und kurzweiliges Abendessen.
Als wir vorne an der Bar ankamen gab es dort wild tanzende Finnen, die den Wirt überredet haben, den finnischen Beitrag des ESC zu spielen. Ich wackelte ein bisschen mit. Wir trafen auch nochmal unsere Urlaubsbekanntschaft, ein nettes Paar aus dem benachbarten Franken. So plauderten wir noch beim Amaro bis fast Mitternacht.
Heute morgen wachte ich mit einem Lächeln im Gesicht auf (Rosamunde Pilcher Modus ;-) Aber ich habe mich einfach gefreut, das es alles mal wieder so schön war.
Edit: Sonntag morgen und wir sind wieder wohlbehalten zuhause angekommen. Mal schauen wo es als nächstes hingeht. Bisher ist noch nichts geplant.