Vom Wege abgekommen

In der Nacht nach dem großen Insektenmahl bin ich ein paar Mal aufgewacht, und habe mir eingebildet, irgendein hartschaliges Krabbeltier windet sich den Weg zurück durch meine Speiseröhre … *kreisch*

Nach dem Aufwachen gab es daher erst mal ein gesundes Frühstück aus Haferflocken, frischem Obst und Joghurt … dazu frischer Kaffee … meine Ernährungswelt war wieder in Ordnung.

Schon am Abend zuvor haben wir uns in einer der kleinen Reiseagenturen, die es genau wie in Thailand an jeder Ecke gibt, einen Ausflug in eines der schwimmenden Dörfer auf dem Tonle Sap See gebucht. Dieser See ist das größte Binnengewässer Südostasiens und bietet den Einwohnern die Möglichkeit, Reis anzubauen und Fische zu fangen. Es ist eine wichtige Lebensader für Kambodscha und umso dramatischer ist es, dass die Chinesen planen, Staudämme zu bauen, und somit zur Austrocknung des Gebietes beitragen werden. Momentan aber ist die Welt noch in Ordnung und man kann sich sanft schippernd durch diese fremde Welt führen lassen. Die Dörfer bieten einen Einblick in ein sehr einfaches Leben, die Häuser sind auf hölzernen Pfählen gebaut, darunter hängen die Utensilien für den Fischfang und auf dem Wasser dümpeln die Boote. Weiter oben befindet sich das Wohnhaus , Elektrizität wird durch lange Überland- bzw. Überwasserleitungen in die Wohngebiete gebracht. Teilweise sind die Häuser hübsch dekoriert und die Einheimischen scheinen es gewohnt zu sein, interessiert betrachtet zu werden. In der Regel wird freundlich gewunken oder einfach dem Tagwerk nachgegangen. Es war Sonntag, und es fand kein Fischfang statt. Die Frauen haben die Netze durch eine Art Rüttelmaschine gezogen, wo der Fang vom Vortag herausgeschleudert wurde.

Zwischendrin wurde gestoppt und für einen Extraobulus von 5 Dollar konnte man sich zu zweit von einer der Frauen in einer Art Nussschale ;-) durch eine verzauberte Landschaft schwimmen lassen. Der schwimmende Wald war absolut wundervoll und er strahlte eine magische Ruhe aus. Die sanften Ruderbewegungen trugen dazu bei.

Zurück in Siem Reap versorgten wir uns erst mal mit dem Nötigsten, Essen und kühle Getränke sowie eine frische Dusche. Es folgte mein mittlerweile zur lieben Gewohnheit gewordener Mittagsschlaf.

Am späten Nachmittag liefen wir zu einem Verleih für Elektroräder, welche aber eigentlich eher einem Moped glichen. Herr C. hatte diese Möglichkeit der Fortbewegung im Reiseführer entdeckt. Die Miete kostet 10 Dollar für 24 Stunden. Wir füllten die notwendigen Papiere aus, bekamen alles erklärt und nach etwa einer halben Stunde brausten wir Richtung Norden zum zentralen Anlaufpunkt, der zentralen Kartenverkaufsstelle für die absolute Hauptattraktion der Gegend, bzw. des ganzen Landes, die weitläufigen Tempelanlagen rund um Angkor Wat. Ab 5 Uhr werden die Tickets für den Folgetag verkauft, die man bereits am Vorabend für einen Sonnenuntergangsquickie nutzen kann. Die Schlangen vor den Schaltern waren lang und wir bekamen eine erste Vorahnung, was uns erwartet. Aber egal … das lassen wir uns definitiv nicht entgehen. 37 Dollar kostet eine Tageskarte.

Anschließend wollten wir weiter in Richtung Eingang und fuhren los. Die Straße war vollgestopft bis zum Gehtnichtmehr, denn auf einmal waren wir mitten in einem lokalen Nachtmarkt. Eine interessante Erfahrung den Straßenverkehr auf dem eigenen Zweirad einmal selbst erleben zu können ;-) Als die Straße leerer wurde fuhren wir … und fuhren … und fuhren. Irgendwann wunderten wir uns und stellten erschrocken fest, dass wir die falsche Abzweigung genommen haben. Wie gut dass wir ein Handy mit GPS haben, denn so konnten wir uns rasch orientieren und fuhren über eine Nebenstraße zurück in Richtung Stadt. Der Sonnenuntergang war zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte. Ich schlug vor, aus der Not eine Tugend zu machen und irgendwo am Rande des Nachtmarktes zu speisen. So hielten wir an und würden freudig winkend in ein provisorisches Restaurant unter einer Zeltplane mit feiner Garküche im Freien gewunken. Wir waren begeistert. Keiner konnte uns verstehen und wir bekamen sofort Getränke und Geschirr gebracht … sowie eine (gottseisgepriesenundgetrommelt) bebilderte Speisekarte. Auf dem Tisch standen schon die kleinen Tischkocher und wir orderten das, was am wenigsten nach Insekten aussah … neee Quatsch … die gab es da gar nicht. Es wurde eine Unmenge an frischem Gemüse herangekarrt, sowie ein Tablett mit 5 verschiedenen Fleisch- und Fischarten. Es gab unter anderem frisches Rindfleisch, Riesenscampi, Leber und Tintenfisch. Ein junger Mann sprach sehr gebrochen englisch und setzte sich zu uns. Er fühlte sich dazu bewogen, uns alles genau zu zeigen und kochte und grillte praktisch alles vor unseren Augen. Wir waren happy, das landestypische Khmer Gericht serviert zu bekommen. Auf dem kleinen Kocher gab es einen Topf mit umlaufender Rinne für die Brühe und einer geschlitzten Wölbung in der Mitte als eine Art Grill.

Alles war äußerst schmackhaft und es hat viel Spaß gemacht. Zwischendurch tobten die beiden Mädchen der Familie um uns herum und eine Katze mit Stummelschwanz kreuzte ihren Weg. Es war einfach toll und wir waren sehr froh, uns verfahren zu haben. Und die Moral von der Geschichte, manchmal muss man eben vom Weg abkommen, um etwas Neues, großartiges zu erleben … ohmmm!!!

Nachdem wir bereits um halb neun wieder zurück im Hotel waren, wurde nochmal die frische Mischung aus Schweiß, Sonnencreme und Anti-Brumm abgeduscht, bevor wir uns beide zum Tagesausklang bei einer wohltuenden Fussmassage entspannten.

Ein weiterer wundervoller Tag ging zuende und ich werde immer sicherer, dass dieser Urlaub nun das offizielle Prädikat „Traumreise“ verdient hat *seufzttief* ;-)

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