3 Tage in Kampot

Es ist kurz nach 12 Uhr mittags und momentan kurven wir in scheinbarer Endlosschleife durch Sihanoukville, um auch noch den letzten Platz in unserem klimatisierten Kleinbus vollzukriegen. Das kennen wir bereits aus Thailand. Man bucht seine Fahrt bei einem der zahlreichen Tourenveranstalter und weiß nie so richtig, wie der Transport abläuft. Manchmal wird man sternenförmig an den Hotels abgeholt und zu einer zentralen Verteilerstelle gebracht und manchmal läuft es auch so wie jetzt ab. Seit exakt einer Stunde holen wir jetzt Leute ab aus allen Teilen der Stadt. Aber ich glaube, jetzt ist der Bus voll, und die Fahrt nach Kampot kann beginnen.

Kleiner Zeitsprung, 3 Tage später, die schönen letzten Tage in Kampot sind nun leider auch schon wieder rum. Gerade sitzen wir am Flughafen in Phnom Penh und warten auf unseren Rückflug nach Bangkok.

Die Fahrt mit dem Kleinbus am Freitag Nachmittag nach Kampot war zwar etwas gequetscht, aber umso kurzweiliger, da wir die gesamten zwei Stunden ununterbrochen mit unserem Sitzbachbarn gequasselt haben. Er war Spanier und geht in Kambodscha seit ca. 20 Jahren ein und aus. Zum einen, weil er eine Textilfabrik in Sihanoukville leitet und zum anderen, weil er eine kambodschanische Frau geheiratet hat. Seit 4 Jahren lebt er auch hier und hatte so viel spannendes zu erzählen. Über die Entwicklung im Land, die Menschen, die Sonnen- und Schattenseiten mit vielen kleinen Facetten.

In Kampot angekommen, haben sich schon die Tuk Tuk Fahrer um uns geschart und ehe wir uns versahen, kamen wir auch schon im zauberhaften Ramo Resort an. Resort hört sich immer etwas größer an, als es ist … in diesem Fall handelte es sich um eine sehr einfach Unterkunft ohne warmes Wasser, Klimaanlage oder sonstige Annehmlichkeiten. Dafür lag unsere kleine Holzhütte mit Palmdeckung direkt am Flussufer mit einer fantastischen Terrasse und einem zauberhaften Detail, welches von einem von unser immer in Beschlag genommen wurde. Eine Hängematte direkt am Wasser.

In der Nacht kündigte sich bereits das Unheil an. Ich habe sehr schlecht geschlafen und bin gefühlte 100 mal aufgewacht. Jedesmal fühlte ich mich schlechter als zuvor. Nach dem Aufwachen am Morgen ging es mir gar nicht gut. Mir war einfach nur speiübel. Irgendwann musste es ja so kommen … dachte ich. Ich versuchte es mit den mitgebrachten Magen- und Darm Tropfen zu bekämpfen, das half zumindest soviel, dass ich zum Frühstück etwas Obst und Müsli runterbrachte. Danach wollte ich nur wieder ins Bett. Ich war traurig, denn eigentlich wollten wir Fahrräder leihen und etwas flussaufwärts an einen vom Spanier empfehlenen Flussbadestrand fahren. Ging aber beim besten Willen nicht.

Nachmittags fühlte ich mich ein wenig besser und wir liefen in den Ort auf den lokalen Markt. Dort entdeckten wir zu meinem Erstaunen viele bunte Stoffe. Die, dir mir ins Auge sprangen, waren bunte Sarongs, ca. 1 x2m große farbenfrohe Bahnen aus indonesischer Baumwolle, die sich die einheimischen Frauen als Rock einfach umwickeln und feststecken. Beim Preis von 2,50 Dollar pro Stück war es mir quasi unmöglich, nicht die gesamte Farbpalette zu wählen. Also Mama, du musst doch etwas Platz machen in meinem Stoffregal ;-)

Leider hielt die Euphorie nur kurz an, denn auf einmal waren wir komplett verloren im Irrgarten des städtischen Marktes. Plötzlich standen wir inmitten der „Feinkostabteilung“ und die sonst so pittoresken Auslagen, die mich und meine Kamera jedes Mal aufs neue begeistern, brachten meinen angeschlagenen Magentrakt erneut ins Wanken. Abgeschnittene Schweinsköpfe, Bottiche voller Fisch, übelriechende Pasten und mein Auge nahm selektiv nur die unangenehmen Dinge war.

Jörks, das hat mir den Rest gegeben. Mit war sooo schlecht. Wir machten noch einen kurzen Stop für ein kaltes Getränk und fuhren zurück ins Hotel. Ich schlief den Rest des Nachmittages. Nach dem Aufwachen fühlte ich mich zwar deutlich besser, aber die bereits gebuchte Nachtbootsfahrt zu den Glühwürmchen musste Herr C. alleine antreten. Als er nach ca. zwei Stunden wiederkam hatte ich endlich wieder Hunger und gönnte mir im Restaurant bei unserer Unterkunft einen leckeren Burger mit Pommes Frites. Asiatisches Essen konnte erst mal nicht an mich …

Am Sonntag morgen war der Spuk wieder vorbei. Wir waren froh. Denn bereits zwei Tage vorher haben wir eine private Tuk Tuk Fahrt mit eigenem Chauffeur gebucht. Das Modell ist hier vollkommen normal, so gut wie jeder Fahrer dieses Gefährts möchte einem einen Tagesausflug verkaufen. Unser arbeitete im Hotel und warb wie ein Profi um die Vorzüge eines eigenen Fahrers mit lokalem Bezug und guten Englischkenntnissen. Als Herr C. ihn fragte, ob er denn besagten Fahrer kennen würde, schaute er verschmitzt unter sich und bekannte, dass er selbst derjenige sei. Er war einfach so charmant, dass wir ihm die 25 Dollar Tagesgage bestätigten und uns fest für Sonntag morgen um 9.00 Uhr verabredeten. Seine Augen leuchteten vor Freude über diesen Deal.

Um Punkt 9.00 Uhr holte er uns ab. Er war etwas besorgt, denn es sprach sich rum im Hotel, dass die Madame aus Deutschland etwas angeschlagen war. Aber ich versicherte ihm, das alles ok sei und wir fuhren los. Erst ging es ein paar Kilometer auf schlaglochreicher geteerter Straße stadtauswärts, bevor es so richtig tief in die ländliche Umgebung von Kampot ging. Von hier an, gab es nur noch sehr schlaglochintensive unbefestigte Wege, die ich einen Tag vorher sicher nicht gut ertragen hätte. Aber es war kein Problem und wir genossen die Fahrt durch die Dörfer.

Der erste Stop war eine der zahlreichen Höhlen, die es in dieser Gegend gibt. Die Höhle mit einem gut erkennbaren weißen Elefanten an der Wand. Inmitten ein uralter Tempel in Stein gemeißelt und entlang der verfallenen Treppe mit der Schlangenbalustrade gab es wunderschöne Ausblicke über die weite bewirtschaftete Landschaft. Wieder unten angekommen, gab es einen kleinen Getränkestop und wir fuhren weiter zu einem verborgenen See, der noch aus der Pol Pot Ära stammte. Unser kleiner Guide erzählte uns stolz, dass er extra zwei Jahre in Phnom Penh war, um sein Schulenglisch aufzubessern und sich privat sehr für die Geschichte seines Landes interessiert, um eben diese den Touristen näherbringen zu können. Ich schätzte ihn auf Anfang 20, er hatte bereits Frau und Kind in arbeitet tagsüber als Tuk Tuk Fahrer und abends im Hotel, wenn er dann mal Zeit hat, kümmert er sich um sein Reisfeld.

Es lässt einen schon mit einer gewissen Demut zurück, wenn man selbst einen komplett anderen Lebensstil pflegt und der junge Mann so hart arbeitet, um seine kleine Familie zu ernähren.

Auf der Fahrt fuhren wir auch durch sein Dorf und hielten kurz beim Haus seiner Eltern an. Sein Vater ist eins der zahlreichen Landminenopfer des Landes, er hat bei der Feldarbeit ein Bein verloren.

Kambodscha ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. In den touristisch eher erschlossenen Gegenden bekommt man das nicht so mit, die Menschen leben dort zwar meistens sehr einfach, aber durch den Monsun können die Felder bewirtschaftet werden und es gibt genug zu essen. Und außerdem befindet sich das Land deutlich spürbar im Aufwind.

Ups, jetzt bin ich Vom Wege angekommen, unser Fahrer glücklicherweise nicht und wir stoppten an einem der Reisfelder. Wir bekamen alles über den Reisanbau erklärt, und dass auch hier die Ochsenkarren auch langsam von Maschinen abgelöst werden, zumindest was das Pflügen angeht. Die Reisernte geschieht allerdings meistens noch in aufwändiger Handarbeit.

Wir erreichten eine der Pfefferfarmen rund um Kampot. Die Gegend ist für seinen qualitativ hochwertigen Pfeffer bekannt und der Name Kampot-Pfeffer dient alleine schon als Gütesiegel. Wir bekamen eine Einführung in den Anbau und die verschiedenen Pfefferfarben.

Zusammengefasst gesagt ist grüner Pfeffer natürlich der frische Pfeffer und hat nur eine kurze Haltbarkeit. Wenn er gekocht und anschließend getrocknet wird, wird er zum schwarzen Pfeffer. Der rote Pfeffer wird getrocknet und dadurch haltbar gemacht, wird er geschält, wird er zum weißen Pfeffer. Wieder was gelernt. Die Tour war schön und natürlich haben wir auch etwas von der Spezialität eingekauft und somit die heimische Wirtschaft unterstützt. Man tut was man kann.

Langsam war es Nachmittag und wir fuhren zurück in Richtung Stadt. Auf einem kurzen Abstecher von der Hauptstraße konnten wir noch die weitläufigen Salzfelder anschauen. Diese werden gerade jetzt nach der Regenzeit wieder hergerichtet und anschließend geflutet. Nach ca. drei Monate kann die Salzblume geerntet werden. Schon etwas müde und voll mit neuen Eindrücken fuhren wir zurück ins Hotel. Es war ein toller letzter Tag in diesem einzigartigen Land.

Wir nutzten den frühen Abend zum wechselseitigen ausgiebigen Hängematting. Für Herrn C. gabs ein Bierchen und ich mochte auch weiterhin nur Wasser trinken.

Unseren letzten Abend zelebrierten wir mit einem Tischgrillen, wie wir es vor knapp einer Woche in Siem Reap erlernt hatten. Nach dem dinner nahmen wir ein Getränk in einer Bar und durften nochmal einen richtig schönen, kräftigen Tropenschauer erleben. Gemütlich unter der Markise sitzend beobachteten wir die Fahrer der Tuk Tuks, wie diese ihre Fahrzeuge in sekundenschnelle regensicher machten. Das schöne an diesem Regen war vor allem, dass die schwülheisse Luft des Tages abgekühlt wurde. Mit dem leicht prasselnden Regen auf unser Palmblatt gedecktes Hüttchen schliefen wir wohlig ein.

Waltonsmusik, und ab.

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