Entlang der Route No. 1

Samstag früh wachten wir nach einer sehr ruhigen Nacht mitten im Nirgendwo auf einer Farm auf und haben sogleich das Morgenritual eingeläutet. Die seitliche Schiebetür vom Camper wurde weit aufgezogen und auf dem Herd blubberte ein gut riechender Kaffee in der Italienischen Mokkakanne.

Nebenan begann schon das Leben auf der Farm, man hatte uns bereits vorgewarnt. Denn am frühen Morgen begannen die Aufbauarbeiten für die Geburtstagsparty der beiden Kinder der Landbesitzer. Es wurde eine Hüpfburg aufgebaut, es gab echte Ponys und einen Wagen mit Shaved Eis, da wird von einem grossen Eisklotz das Eis in kleinen Stücken runtergeschabt und dazu gibt es bunten Sirup. Die Besitzerin begrüsste uns freundlich und wir wurden gleich auf ein solches Eis eingeladen. Es gab ein paar nette Plaudereien, wie immer wurden wir gefragt, wo wir herkommen und was uns hierher gebracht hat. Wir erzählen unsere Geschichte und ich antworte noch, dass ich aus Frankfurt komme. Die Leute sind hier wahnsinnig freundlich und aufgeschlossen.

Irgendwann haben wir dann den Camper wieder in Gang gesetzt und sind auf der Autobahn direkt ins weiter nördlich gelegene Santa Cruz gefahren. Eine nette Kleinstadt am Meer. Hier war ich auch schon ein paar mal.

Über solche Bilder freue ich mich immer ganz besonders. Eine offene Kirche, die sich durch die aktuelle Regierung die Vielfalt nicht verbieten lässt. Kalifornien ist voll davon.

In Amerika kann man jederzeit einen Yard oder Garage sale machen. Das bedeutet, ohne Anmeldung kann man seinen Krempel im Vorgarten, auf dem Gehweg oder in der Garage aufbauen und so einen privaten Flohmarkt machen. Das ist echt klasse und eine solche Tradition, dass es einfach jeder macht und auch gebraucht kaufen kein grosses Ding ist. Ich liebe das sehr. Wir fanden dann eine Strasse in Santa Cruz wo praktisch die gesamte Nachbarschaft einen Flohmarkt veranstaltet hat. Das war so nett. Es gab zwei Klapphocker fuer den Camper fuer zusammen 3 Dollar.

1989 gab es in Kalifornien das letzte grosse Erdbeben. Das Epizentrum war nahe der Kleinstadt Santa Cruz, die danach fast vollständig wieder aufgebaut wurde. Umso schöner war es, diese Häuser zu entdecken, dem das Beben scheinbar nichts anhaben konnte.

Weil wir noch Zeit hatten, sind wir den Rest der Strecke zurueck nach San Francisco entlang der berühmten Route Number 1 gefahren. Der Himmel hat sich zwar wieder zugezogen, aber es war trotzdem toll, die ganze Zeit am Pazifik entlang zu fahren, dabei Musik von vergangenen Roadtrips dieser Art (Faithless etc.) zu hören und über das Leben zu philosophieren.

An einem kleinen Strand haben wir noch mal die Fuesse ins Wasser gehalten. Ich wäre auch sehr gerne baden gegangen, aber jeder hat mich gewarnt vor den starken Strömungen. Da habe ich lieber nichts riskiert.

Zum Abschluss des wunderschönen Tages sind wir nochmal ueber die Brücke gefahren und haben uns bei Mr. W zum Abendessen eingeladen. Seine kleine Tochter war gerade da, und ich habe mich gefreut, sie auch kennenzulernen.

Am Ende des Abends hat uns Mr. W in die Stadt gefahren, da der Campervan bei ihm besser parken kann. So hieß es für mich, von diesem treuen Gefährt Abschied zu nehmen. Und weil ich so ein emotionales Ding bin, hab ich gleich mal ein paar Tränen vergossen. Schön wars. Nachricht an Kai, es macht einen riesengrossen Spass und ich hoffe, dass wir so ein Ding auch eines Tages besitzen ❤️

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