Coronasommer

In Italien hat man schon das Gefühl, dass der Umgang mit dem Virus hier wesentlich besonnener ist als in der Schweiz. Hier läuft ohne Maske gar nichts. Im Hotel sowieso nicht. Am Pool muss man einen Termin fuer eine Stunde am Tag machen, dafür ist es dann aber auch nicht voll. Beim Frühstück heisst es Schlange stehen, da auch hier nur begrenzt Leute rein duerfen. Das sonst übliche Buffet gibt es auch nicht. Mir soll es recht sein. Ansonsten sind wir sowieso nur alleine unterwegs und im Freien.

Gestern haben wir uns Parma noch etwas näher angesehen. Am Hotel konnte man kostenlos Fahrräder leihen und so radelten wir nach dem Frühstück zum Morgencappucino ins Zentrum. Es war heiss. Sehr sehr heiss. Eigentlich überhaupt kein Wetter fuer eine Stadtbesichtigung. Aber was willste machen?

Auf dem lokalen Markt habe ich ein leichtes luftiges Sommerkleidchen erstanden. Das ziehe ich jetzt fuer den Rest des Urlaubs nicht mehr aus. Wieso habe ich eigentlich schon wieder so viel Gepäck dabei?

Nachmittags nutzten wir unser Zeitfensterchen von einer Stunde zum Schwimmen und abkühlen.

Trotz der Gluthitze sind wir am Abend wieder in die Stadt gefahren. Es stand ja immer noch die erste italienische Pizza auf dem Programm. Einen Aperitif spaeter wurden wir auf der grossen Piazza Garibaldi fündig. Ich schaute noch nicht mal nach Bewertungen der Restaurants, denn ich war sicher, eine Pizza kann man nicht verhauen.

Wir bekamen einen Platz in einer Art offenem Zelt, überdacht und mit flirrenden Deckenventilatoren. Doch die Luft stand und mir zog es mal kurz den Boden unter den Füssen weg. Wenn man mal so an seine Panikattacken gewöhnt ist, dann kann man sich auch jedes mal wieder toll reinsteigern. Dennoch gelingt es mir auch immer besser, das ganze wegzuatmen ;-) So isses. Ein bisschen Drama muss wohl sein. Wir konnten den Tisch noch wechseln und saßen dann mitten auf der Piazza bei leichter Brise. Es war herrlich und der Hunger kam zurueck. Und wie ich eingangs vermutete, die Pizza war ein absolutes Gedicht. Dass im Anschluss noch ein Gelato (due gusti) folgte, sollte der Vollständigkeit halber auch nicht unerwähnt bleiben.

P (iacenz) arma

Gestern morgen konnten wir noch ein letztes Frühstück auf dem Berg genießen, draußen auf der großen Terrasse bei Sonnenschein und kühlen 18 Grad. Das war herrlich.

Danach verabschiedeten wir uns von der schönen Unterkunft und hievten unser Gepäck hoch zur Gondel, die uns dann sanft wieder ins Tal schaukelte.

Wir begrüßten unser Auto, welches in den letzten vier Tagen gut geschützt in einer Tiefgarage verbracht hat. Die anschließende Fahrt ging über den Simplon Pass direkt nach Bella Italia. Irgendwann wurden die Berge weniger, wir umkreisten Mailand auf der Tangenziale Ovest und erreichten nach etwa 4 Stunden unser nächstes Ziel Piacenza.

Dank Waze wurden wir ohne Umwege direkt zu unserem gebuchten Hotel gelenkt. Und dann passierte folgendes:

Der Hoteleingang war mit einer Gittertür verschlossen und mit einem Vorhängeschloss gesichert. Die Rollläden waren heruntergelassen und die Einfahrt zur Garage versperrt. Vor der Tür informierte das Hotel seine Gäste höflich darüber, dass man noch bis zum 24.8. Ferien mache. Herr C. war not amused.

Wir hatten ja einen bestätigten Ausdruck, auf dem sich auch eine Telefonnummer befand. Dort rief er dann an und man war untröstlich. Ein Buchungsfehler. Man bot uns einen Hotelgutschein an, oder alternativ die Übernachtung in einem Partner Hotel im ca. 60km entfernt gelegenen Parma.

Soll mir recht sein, ich hatte mich mit Piacenza bisher noch nicht weiter beschäftigt und ein schneller Check im Netz verriet, dass auch Parma eine sehr schöne Stadt sein soll und als Epizentrum des guten italienischen Essens gelten soll. Parmaschinken und Parmesan … was soll man noch sagen.

Eine dreiviertel Stunde spaeter kamen wir im Best Western Plus Hotel Farnese etwas ausserhalb des historischen Zentrums an. Herr C. war wieder ganz milde gestimmt. Das Hotel hat sogar einen Pool. Bei 35 Grad Aussentemperatur nicht zu verachten.

Nach einem erfrischenden Bad sind wir zu Fuß in die etwa 2km entfernte Altstadt gelaufen. Wir hatten nicht erwartet, dass eine italienische Innenstadt an einem Freitag Abend so leer sein könnte. Wir bekamen sogar leichte Panik, weil irgendwie alles zu war. Es ist eben Ferienzeit in Italien, rund um den Ferragosto machen wohl fast alle Urlaub. Zahlreiche Bars, Restaurants und Geschäfte waren verschlossen. Das, zusammen mit den ausbleibenden Touristen, machte einen fast gespentischen Eindruck.

Beim weiteren Bummel stellte sich aber heraus, dass doch einiges geöffnet war. Schnell fanden wir ein freies Plätzchen und orderten einen verdammt gut gemixten Aperol Spritz. Das schöne in Italien ist außerdem, dass man fast überall zum Aperitif ein paar Häppchen bekommt. Es gab Parmaschinken und Brot, war das lecker. Nach dem zweiten Apero hatte ich dann auch gepflegt einen sitzen.

Eigentlich wollten wir danach Pizza essen gehen, fanden aber nur wenige geöffnete Lokale und entschieden uns für ein Ristorante ohne den italienischen Klassiker. Es gab leckerste Spaghetti Ricotta, Basilico e pomodoro für mich und für Herrn C. äusserst schmackhafte Costolette di Agnello con crosta di Pistacchii. Danach noch einen zähflüssigen Espresso als krönenden Abschluss.

Auf der Heimfahrt mjt dem Taxi erzählte uns die Fahrerin, dass nach diesem Wochenende alle wieder aus den Ferien zurück sind. Das ist schön, denn wir bleiben ja noch ein Weilchen.

Aletschgletscher

Der heutige Tag hatte es in sich. Nachdem wir gestern eher gemütlich unterwegs waren, wurde heute nochmal etwas gewandert.

Gegen 10 verließen wir die Hamilton Lodge in westliche Richtung. Geplant war, die grosse Hängebrücke zu besichtigen. Eine kurze Recherche bei der Wanderapp Komoot ergab, das es sich um eine schwere Wanderung handelt, die eine gute Grundkondition erfordert. Ach, was die wieder schreiben, die übertreiben ja immer ein bisschen. Glaubte ich.

Vorbei am Belalp Hotel trafen wir auf eine große Schaar possierlicher Ziegen. Viele davon schwarz-weiß, die scheinen typisch für diese Gegend zu sein. Es gab noch einen absolut atemberaubenden und faszinierenden Ausblick auf den grossen Gletscher.

Ab dann ging es bergab, krass und heftig. Der Weg war schmal und sehr steinig. Das meinen sie also, wenn sie schrieben, der Weg erfordert Trittsicherheit. Dennoch, die Neugier war größer und wir stiegen immer weiter hinab. Herr C. wollte meinen Enthusiasmus immer wieder bremsen, denn man muss ja auch alles wieder hochlaufen. Aber wir waren doch schon soooo kurz davor.

So jammerte und bettelte ich, und versprach auch nur wenig zu meckern, wenn es später wieder bergauf geht. Aber irgendwann wurde es immer steiniger und wir sahen die Brücke von oben. Es sollten immer noch mehr als 100 Höhenmeter sein.

Die Vernunft siegte, und wir beschlossen, meine Kräfte zu schonen und wieder umzukehren. So machten wir eine kurze Rast mit Blick auf das Tor des Aletschgletschers. Herr C. stopfte zur Stärkung gleich zwei von diesen Fruchtriegeln in meinen Mund und ich spuelte alles mit klarem Gebirgswasser runter.

Los ging der Aufstieg. Und ich muss sagen, ich habe gekämpft. Keuchend staksten wir im absoluten Schneckentempo den steinigen Pfad wieder hinauf. Mit ein paar kleineren Pausen, viel frischem Wasser und einem eisernen Willen erreichten wir schließlich nach ca. 2,5 Stunden und ca. 400 Höhenmetern wieder den Einstiegspunkt hoch oben bei der Kirche. Gemein übrigens, dass man diese stecknadelkopfgross bereits vom Tal her die ganze Zeit sehen konnte.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so geschnauft habe. Selbst im letzten Jahr empfand ich keine der Touren bei der Alpenüberquerung so anstrengend wie die heutige. So ist es eben, wenn man keinerlei Kondition mehr hat.

Jetzt im Moment fühlt es sich aber einfach toll an. Die Gedanken sind klar und der Körper ist erschöpft, aber auf eine gute Art. Das macht glücklich. Einfach so.

Ärger im Paradies

Morgens wurden wir wieder geweckt vom aufgeregten Fiepen der Murmeltiere. Es klingt ein bisschen wie ein Rauchmelder, furchtbar laut jedenfalls. Ein Blick nach draussen zeigte den Grund der Aufregung. Mitten durch die Murmeltierwiese lief ein grosser weisser Hund und steckte neugierig seine Schnauze in die Höhleneingänge der Erdbewohner.

Zum Glück wurde er direkt wieder reingerufen und verschwand in einem der Hotelzimmer. Die armen Murmeltiere waren in echter Panik.

Ganz so aufregend war unser Tag gestern nicht, dafür umso entspannter.

Wir fuhren die Seilbahn nach Blatten hinunter und wollten uns dort den historischen Ortskern etwas näher anschauen. Überall im Tal konnte man schon die oft sehr gut erhaltenen und liebevoll restaurierten Holzhäuser sehen. Teilweise sind diese auf Holzpfählen und grossen Steinscheiben aufgebockt. Das machte man wohl früher so, um Mäuse daran zu hindern, die Wintervorräte aufzufuttern.

Später am Abend haben wir uns dann noch ein zünftiges Schweizer Käsefondue gegönnt. Ich bin eigentlich nicht so ein Fan, aber Herr C. liebt es sehr. Und weil man mindestens zu zweit sein muss und ich ihn auch sehr liebe habe ich mich geopfert ;-)

Murmeltiertag

Aufgeregt rief mich Herr C. gestern Morgen auf den Balkon. Neugierig reckte ein Murmeltier sein kleines Näschen in die klare Alpenluft. Schon beim Anblick eines einzigen Nagers geriet ich in Verzückung, als wir uns jedoch etwas mehr auf der umgebenden Wiese umschauten entdeckten wir sie ploetzlich überall. Es war ein kleines Murmeltierparadies. Abgesehen davon tummelten sich vor dem Stall schräg gegenüber ein paar Schweine und die Kuhglocken waren unueberhoerbar. Was für ein Idyll.

Nach einem ausgiebigen Frühstück hatte mein Begleiter bereits eine leichte Wanderung für uns ausgearbeitet. Zum eingewöhnen sagt er. Meine OP ist ja nun schon wieder fast vier Wochen her, und es wird gut sein, endlich wieder die eingerosteten Knochen zu ölen.

Am Anfang gab es einen nur klitzekleinen Anstieg und da offenbarte sich schon das ganze Ausmaß. Meine vom letzten Jahr wunderbar aufgebaute Grundkondition ist beim Teufel. Daran schuld sind auch sicher nicht nur die letzten Wochen. Aber es hilft alles nix. Da muss wieder was passieren.

Dennoch war ich froh, dass der Rest des Weges weitgehend eben entlang eines glasklaren Gebirgsbächleins verlief. Traumhaft schön war das. Umgeben von sattgrünen Wiesen gab der Nebel immer wieder fantastische Ausblicke auf die Berge frei. Wandern macht glücklich, besonders wenn man es in einer so tollen Umgebung machen kann.

Auf halber Strecke erreichten wir das winzige Örtchen Nessel. Wir freuten uns sehr auf eine kleine Einkehr. Da gab es aber nichts und so mussten wir uns mit etwas Wasser und ein bisschen Studentenfutter begnügen.

Nach etwa 4 1/2 Stunden waren wir wieder zurück in der Lodge. Frisch geduscht freute ich mich auf ein Stückchen leckeren Apfelkuchen und ein Tässchen Kaffee. Die gemütliche Kaminecke ist sehr einladend, und war zum Glück ganz leer. Nach einer Weile wurde es uns aber dann zu voll und das fühlt sich im Moment einfach nicht richtig an. Also räumten wir das Feld.

Mein Gatte hatte offensichtlich immer noch nicht genügend Frischluftzufuhr und ging noch ein bisschen spazieren. Ich verzog mich in unser kleines gemütliches Zimmer und begnügte mich mit leichtem Stricken.

Erkenntnis des Tages: auch bei Wolken verdecktem Himmel brennt die Sonne in 2000 Metern Höhe sehr ordentlich. Und auch wenn ich dies nach 51 Jahren hätte besser wissen müssen, habe ich mir ordentlich das Dekollete verbrannt.

Endlich wieder unterwegs

Puh, das war jetzt aber eine wirklich laaange Zeit für uns, wir habe das Reisen sehr bermisst. Das letzte Mal waren wir im Oktober in Portugal. Lange haben wir gezittert ob es auch wirklich klappt, oder ob uns Corona doch wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Geplant ist jedenfalls ein dreiwöchiger kleiner Roadtrip durch die obere Hälfte Italiens mit ein bisschen Schweiz. Wir freuen uns sehr, endlich wieder ein bisschen Reiseluft zu schnuppern.

Gestern morgen ging es los und wir sind auf einigermaßen freien Strassen in Richtung Schweiz gefahren. Das Packen war dieses Mal eine Herausforderung. Schliesslich führt uns die Reise in die eher kühleren Berge zum Wandern, auf spannende Städtetrips und zum Baden and den See und zum Schluss sogar ans Meer. Am Ende habe ich einfach zwei Taschen gepackt, denn wer braucht schon Wanderschuhe am Meer.

Am späteren Nachmittag sind wir in Goldiwil angekommen, dort wohnen Freunde von uns mit einer unverschämt herrlichen Sicht auf den Thunersee und die Berge. Wir wurden herzlich empfangen und verbrachten einen tollen Abend mit essen, trinken, lachen und ganz viel plaudern.

Heute morgen haben wir noch gemütlich zusammen gefrühstückt und sind später weiter gefahren in Richtung Wallis. Die Fahrt führte entlang am Nordufer des Thunersees und ich spiele dann immer Immobilienkaufen. So ein Haus mit Terrasse und Sprungbett direkt in den See, das wäre was. Am Ende träumen wir einfach ein bisschen und sind happy mit unserer Altbauwohnung unweit vom Mainufer in der hessischen Metropole ;-)

Über den malerischen Grimselpass ging die weitere Fahrt. Die Landschaft ist einfach unglaublich schön und erinnert mich immer wieder ein bisschen an die perfekte kleine Modellbahnwelt meines Vaters, mit Bergen aus Styropor und Wasserfällen aus fliessendem Klebstoff.

Weiter ging es durch ein langgezogenes Tal mit Bergen links und rechts und zauberhaften alten Holzhäusern. Kurz vor Brig biegen wir ab und erreichen nach ein paar Minuten die Talstation von Naters. Hier erweist es sich dann als vorteilhaft, dass ich einen Rucksack nur für die Berge gepackt habe. So nehmen wir das relativ leichte Gepäck und fahren mit der grossen Gondel auf die 2000 Meter hoch gelegene Belalp.

Und schon sind wir in der Gegenwart angekommen. Ich sitze gerade gemütlich am knisternden Lagerfeuer. Draussen sind es regnerische 13 Grad. Es ist der absolute Genuss nach dem grossen schwitzen die letzten Wochen.

Es ist nicht sehr voll hier. Ein bisschen mulmig ist es natürlich trotzdem, das Reisen im Jahr 2020.

Apero in Goldiwil
Blick auf den Thunersee
Unsere Unterkunft für die nächsten 4 Nächte.
Grimselpass
Gondel auf die Belalp
Stricken und Bloggen am Kaminfeuer 😁

Quarteira

Wir sind wieder in der Gegenwart angekommen. Es ist Sonntag. Unser letzter Urlaubstag, schnüff.

Für die allerletzte Unterkunft gab es ein paar Bedingungen zu erfüllen:

  1. Kurzer Weg zum Flughafen bzw. zur Miewagenstation
  2. Hotel direkt am Meer
  3. Meerblick
  4. Meeresrauschen
  5. Passt ins Budget

Ich bediente also das Buchungskarusell im Internet und fand ein Hotel, welches all diese Kriterien erfüllt. So sind wir also in Quarteira gelandet … und sind uns beide einig, dass es Orte wie diesen geben muss. Damit die vielen Touristen irgendwo Platz haben, sonst wären die ja alle in Alcoutim oder Vila de Milfontes gewesen ;-)

Irgendwie hat es aber auch etwas vertrautes. Es erinnert mich stark an meine Kindheit, als wir in den späten 70ern bzw. frühen 80ern auch in solchen Hotels Urlaub gemacht haben. Das fand ich immer sehr schön. Heute haben wirs dafür gern ein bisschen ruhiger.

Wir freuen uns über das Meeresrauschen am Strand, welches laut uns deutlich in unserem Zimmer im 3. Stock hörbar ist. Es ist eines meiner Lieblingsgeräusche. Die Zimmer sind ausserdem sehr schön. Und morgen früh bekommen wir sogar ein extra frühes Frühstück, weil wir schon um 7 losmüssen,um rechtzeitig den Flieger in die Heimat zu erreichen.

Mein persönliches Urlaubsfazit:

Die letzten beiden Wochen waren wunderschön und sehr harmonisch. Sie haben uns beiden unheimlich gut getan. Das Jahr war bisher sehr intensiv und vieles nicht immer leicht. So hat uns die viele Abwechslung, das Wandern, das gute Essen, das Meer und die Wellen ein gutes Gefühl vermittelt, welches wir hoffentlich noch ein Weilchen bewahren können. Es kommt mir vor, als wären wir zwei Monate unterwegs gewesen. Portugal ist ein besonders schönes Land.

Wir kommen sehr gerne wieder.

Alcoutim

Donnerstag wollten wir in einem Rutsch wieder zurück in den Süden. Das bedeutete eine Fahrt von ca. 4 1/2 Stunden, was eigentlich gar nicht so viel ist.

Es blieben noch insgesamt 4 Nächte des Urlaubs übrig und davon wollten wir drei im Landesinneren verbringen. Wir entschieden uns fuer ein bezauberndes kleines Hotel direkt am Rio Guadiana, dem Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Der Ort dazu hieß Alcoutim. Ein Kleinod mitten im Land.

Die Lage am Fluss war etwas Besonderes. Gegenüber von der spanischen Seite hörten wir morgens die Schafe mit ihren Glocken. Auf dem Fluss lagen einige Segelboote vor Anker. Ein paar kleine Restaurants im Ort, ein Supermarkt und viel mehr gab es nicht. Eine himmlische Ruhe.

Freitag gnoessen wir den ganzen Tag am Pool und ich strickte was das Zeug hielt. Herr C. las in seinem Buch und dusselte hin und wieder weg.

Samstag fuhren wir mit dem kleinen Fährboot nach Spanien in den Nachbarort Sanlucar de Guadiana. Dort konnte man an einer ueber den Fluss gespannten Zipline fliegen. Das wollte der Herr C. unbedingt machen. Ich nicht so, hatte ja dieses Jahr schon mein Highlight mit dem Paragliden.

Es hat ihm großen Spaß gemacht und dieses Mal durfte ich beobachten, wie er fröhlich jauchzend ueber den Grenzfluss von Spanien nach Portugal schwebte. Danach fuhr er wieder mit dem Boot nach Spanien zurück und wir erwanderten noch ein wenig das kleine weiße spanische Dörfchen.

Es waren schöne drei Tage in Alcoutim. Und als kleines Paradies verdient es auf jeden Fall eine Empfehlung zum Nachmachen.

Azenhas do Mar

Am Mittwoch früh mussten wir unsere gemütliche Camperbehausung leider schon wieder verlassen. Wir konnten das idyllische Plätzchen nur für zwei Nächte mieten. Wir wollten aber noch etwas in der Gegend bleiben, und entschlossen uns, noch mal etwas weiter nördlich zu fahren, um uns noch fuer eine letzte Nacht am wilden Atlantik einzumieten.

Auf dem Weg dahin wollten wir eigentlich Sintra anschauen, aber irgendwie stimmte etwas nicht. Mag es daran gelegen haben, dass ich irgendwie müde war, oder mir war schlecht oder was auch immer. Sintra und ich klickten nicht … unten im Ort gab es nur große Riesenparkplaetze und das ließ erahnen, dass die Burg oberhalb des Ortes umso überfüllter war. Herr C. hatte es auch das Neuschwanstein Portugals genannt. Vielleicht ein anderes Mal. Wir fuhren weiter ans Meer.

Unsere Unterkunft fuer die Nacht lag direkt hinter dem Praia das Macas. Auf den Bildern in Internet sah sie sehr hübsch aus. Was sie auch war. Es gab eben nur keine seitlichen Fenster im Zimmer und die Toilette war in einer Ecke des Raumes, abgetrennt durch einen Duschvorhang. Nur gut, dass wir schon ein Weilchen zusammen sind ;-)

Dafür gab es eine Dachluke. Immerhin, und es war ja auch nur fuer eine Nacht.

Tagsueber sind wir zu Fuß nach Azenhas do Mar gelaufen. Der Weg dorthin war toll und der Ort noch viel besser. Traumhaft schön und dramatisch in die Felswand eingearbeitet, schmiegten sich die weiss getünchten Häuser aneinander. Unterhalb befand sich ein natürlicher Meerespool, nur abgetrennt durch eine Mauer. Das sah wirklich wunderschön aus, die Fotos sollten dies bezeugen.

Abends gab es dann einen der dramatischsten Sonnenuntergänge des gesamten Urlaubs. Tiefrot verschwand die Sonne hinter einer Wolkenwand. Wir fanden direkt am Meer ein kleines Restaurant, welches uns erlaubte, das fantastische Farbenspiel noch etwas länger zu beobachten. Dazu gab es leckeren Bacalhao a Bras, ein portugiesischen Gericht, bestehend aus gezupftem stockfisch, Ei, Zwiebeln und gebratenen Kartoffelsticks. Lecker.

Lissabon

Dienstag haben wir einen Tag in Lissabon verbracht. Eine absolut wunderschöne Stadt und fuer mich eine der schönsten Großstädte Europas.

Morgens sind wir erst mit dem Auto nach Caxias an die Küste gefahren, haben uns dort sauber weggeparkt, um anschließend einen der Vorortzüge mitten ins Herz der Stadt zu nehmen. Das ging alles sehr unkompliziert. Vom Bahnhof Cais de Sodre konnten wir dann auch direkt loslaufen und eintauchen in das Gewusel der Straßen.

Zugegeben, Lissabon scheint ein bisschen unter dem argen Massentourismus zu stöhnen. Alleine drei grosse Kreuzfahrtschiffe lagen an diesem Tag vor Anker. Die großen Strassen waren vollgestopft mit Menschen. Da half nur, in die Seitengassen auszuweichen. Da gibt es ja bekanntlich auch immer viel schönes zu entdecken.

Einen kleinen Stop mussten wir einlegen. In eines der in der Szene bekanntesten Wollgeschäfte der Stadt. Der Retrosaria Rosa Pomar. Der wunderschöne Laden war im 2. Stock eines Altbaus und von der Straße kaum zu sehen. Herr C. harrte geduldig aus und ich beschränkte mich auf nur zwei Knäuel feinstes Garn. Geht doch ;-)

Den restlichen Tag ließen wir uns planlos durch die Gassen der Alfama treiben und genossen die vielen schönen Ausblicke, die die Stadt zu bieten hat. Feststeht, ein Tag reicht nicht. Da müssen wir noch mal wiederkommen.

Auf dem Rückeg sind wir dann ausversehen in den Expresszug eingestiegen und der ist an unserem eigentlichen Stop vorbeigefahren. So mussten wir an einem anderen Bahnhof umsteigen. Wir zeigten auf einen stehenden Zug am anderen Gleis und fragten den Schaffner. Herr C. Versuchte es als erstes: „Kaksias?“ Der Schaffner schaute verwundert … Dann ich: „kaschjas?“… Keine Regung. Dann klärte sich der Blick. „Caschiiiiaj!“ so wars also richtig. Caxias wird es geschrieben.

Gelesen kann man portugiesisch sogar ein bisschen verstehen, aber wenn es gesprochen wird. Unmöglich. So wundervoll und bezaubernd der Klang der Sprache auch ist, aber wie ein menschlicher Gaumen diese Laute formen kann, ist mir unerklärlich ;-)