Am Ende der Welt

Nachdem wir gestern den ganzen Tag faul am Strand herumlagen war heute wieder ein bisschen mehr Bewegung angesagt. Wir sind zunächst mit dem Auto in Richtung Sagres gefahren. Auf dem Weg hielten wir an einer bunt dekorierten lokalen Töpferei an. Das Fotoherz schlug höher. Der Kombination aus Willenskraft, Marie Kondo und der Tatsache, dass wir nur mit Handgepäck fliegen, ist es zu verdanken, dass ich ausser ein paar Fotos nix mitgenommen habe. Ich liebe nämlich diesen Toepferkram.

Ein paar Kilometer weiter westlich haben wir das Auto abgestellt, und sind auf einen der vielen Rundwanderwege gegangen, die auf der Webseite der Rota Vicentina vorgeschlagen werden.

Unser Weg führte zunächst direkt zum Cabo de Sao Vicente. Dem südwestlichen Punkt des europäischen Festlandes. Hier waren wir natürlich nicht alleine. Als wir dort ankamen, tat das Wetter sein allerbestes, um echtes Ende der Welt Feeling aufkommen zu lassen. Dunkle Wolken, ein heftiger Wind und einsetzender Regen trieben uns direkt in ein Lokal zur Kaffeepause.

Eigentlich hatten wir den Wandertag schon aufgegeben, aber es klarte kurze Zeit später wieder auf und wir konnten weiter Richtung Norden marschieren. Ueber steinigen Boden ging es immer an der wilden Küste entlang. Ein wirklich traumhaft schönes Stückchen Erde. Und irgendwann waren wir dann auch wieder in totaler Einsamkeit.

Nach der tollen Wanderung fuhren wir auf dem Rückweg noch in Salema vorbei. Ein kleines Oertchen an der Algarve, welches in meinem ca. 20 Jahre alten Reiseführer unter anderem als Ort der 100 Katzen beschrieben wird. Stimmt auch heute noch. Wohlgenährte Minitiger, streunen ueberall fotogerecht durch die weissgetünchten Gässchen und die Bewohner sorgen mit überall hermstehenden Naepfen fuer das leibliche Wohl der Tiere.

Barfuss liefen wir zurück durch den Sand und freuten uns ueber den gelungenen Tag.

Das Abendessen war ein weiteres Highlight. Ich erinnerte mich an ein bestimmtes Lokal noch von vor 10 Jahren, und bisher war es jeden Abend voll, seit wir hier sind. Heute jedoch war auf der Gasse alles frei. Lag wohl am Wetter, es wird doch etwas kühler am Abend. Der Grill ist direkt am Eingang und wir bekamen je eine frische Dorade zubereitet. Als Nachtisch gab es noch einen leckeren Brownie, je ein Bica und zwei Glas Portwein auf Kosten des Hauses.

Luz

Heute war ein wunderschöner Tag, an dem ich sanft mit dem vielversprechenden Röcheln der Kaffeemaschine geweckt wurde. Eine frischgebrühte Tasse wurde mir dann auch gleich ans Bettchen gebracht. So kann ein erster Urlaubstag beginnen.

Nach dem Frühstück sind wir zum Markt neben dem Busbahnhof gelaufen und wie immer habe ich bedauert, keine groessere Menge an frischem Gemüse der Saison kaufen zu können. Denn um 12 fuhr uns ein lokaler Bus ins benachbarte Oertchen Luz. Wir wollten von dort entlang der Rota Vicentina zurück nach Lagos laufen. Die Rota Vicentina ist ein gut ausgebauter und excellent ausgeschilderter Fernwanderwege, der entlang der Atlantikküste führt und mit ca. 230 Kilometern und insgesamt 13 Etappen zu einem der schönsten Küstenwanderwege der Welt gezählt wird. Wie gesagt, eine kleine Etappe von ca. 13 Kilometern war der Plan fuer heute.

Der Bus hielt an einer Kirche und von dort aus liefen wir direkt zur Küste. Vorher gab’s zur Stärkung noch einen Toast und einen Kaffee.

Der Weg begann mit einem ordentlichen Anstieg auf die Sandsteinfelsen und belohnte mit fantastischer Aussicht. Noch am Morgen war ein dicker Nebel über dem Ozean und auch die Wetterapp verhiess nichts Gutes. Dennoch war der Himmel blau und nur ein paar kleine Wattewölkchen waren zu sehen. Es war irgendwie diesig aber wunderschön. Und warm. Die Sonne heizte ordentlich auf.

Am Praia Porto de Mos folgte dann die 2. Kaffeepause und der letzte Abschnitt führte direkt zum südlichsten Punkt von Lagos, dem Aussichtspunkt Ponta de Piedade. Hier war es dann auch wieder sehr voll, da dieses Fleckchen Erde sehr gut mit Reisebussen zu erreichen ist.

Fazit: Der Weg war traumhaft und wir werden hier sicher noch die eine oder andere Etappe wandern.

Erinnerungen an Lagos

Eine Reise nach Portugal bedeutet fuer mich auch immer eine kleine Reise in die Vergangenheit. 1981 war ich das erste Mal mit meinen Eltern an der Algarve. Die Zeit dort habe ich als einen der schönsten Urlaube aus meiner Kindheit in Erinnerung. Damals waren wir in Lagos. Die schönen Strände und das kleine gemütliche Städtchen hatten mir so gut gefallen, dass ich dann mit Mitte 30 noch dreimal hier Urlaub gemacht habe.

Jetzt bin ich wieder hier, mit Herrn C., und ich freue mich, in Erinnerungen zu schwelgen und gleichzeitig neue Eindrücke zu sammeln.

Gestern frueh mussten wir bereits um viertel nach 4 Uhr morgens aufstehen, um rechtzeitig den Flieger nach Faro zu erreichen. Nach knapp 3 Stunden Flugzeit waren wir bereits am Ziel. Die Übernahme des Mietwagens hat etwas Zeit in Anspruch genommen, aber irgendwann ging dann endlich die Fahrt los zu unserer ersten Station, den Apartamentos Marvela in Lagos. Ein kleines feines Zimmer mit Blick aufs Meer, am Rande der Altstadt gelegen.

Leider konnten wir erst gegen 3 einziehen und so sind wir nochmal in die Stadt gegangen. Und hier musste ich mir erstmal die Augen reiben. Was ist denn da passiert. Ich hatte Lagos Innenstadt zuletzt als angenehm belebt und quirlig empfunden. Aber hier war es auf einmal doch sehr voll. Erst dachte ich, es sei irgendwo ein Markt. Aber mitnichten. Massenweise drängelten sich die Touristen an den billigen Souvenirständen vorbei. Aber so ist das eben mit den Erinnerungen. Manchmal neigt man ja auch dazu, die Dinge zu verklaeren ;-)

Später dann konnten wir ins Zimmer und ich musste erstmal etwas fehlenden Schlaf nachholen. Das tat gut. Mein Mann hat sich derweil ein Gläschen Rotwein auf dem Balkon gegönnt.

Abends gab es dann noch ein feines Essen in einer deutlich leereren Altstadt (Müssen wohl viele tagestouristen gewesen sein). Fuer Herrn C. gab es gegrillten Bacalhao und ich bekam ein leckeres Thunfischsteak. Ein leckerer Flan nach Art des Hauses und zwei Bicas (Espresso) rundeten einen gelungenen ersten Tag ab.

Es ist verdammt schön, wieder hier zu sein.

Tag 1 – AlpenX 2019

Heute war der erste Tag der groessten sportlichen und wahrscheinlich auch mentalen Herausforderung meines Lebens. Der Beginn der Wanderung ueber die Alpen, bis ins italienische Südtirol. Es war großartig. Aber natürlich auch anstrengend.

Der Tag begann aber mit einer kleinen Überraschung. Nach einem vorzüglichen Frühstück im noblen Ameron Hotel am Fusse des Schloss Neuschwansteins hatten wir die Möglichkeit, eben dorthin aufzusteigen, denn wir waren um 9.35 zu einer Führung durch die Gemächer König Ludwigs des 2. angemeldet.

Es folgte noch ein kleiner Abstecher zu der von Touristen aus aller Welt reich bevölkerten Marienbrücke, bis wir dann wieder abstiegen und uns fuer das wirklich grosse Ereignis vorbereiteten. Noch ein paar Riegel eingepackt und ein bisschen die Beine gedehnt, bevor wir gegen halb zwölf das Gepäck schulterten und am Alpsee vorbei in Richtung Lechweg wanderten. Der erste steile Anstieg folgte mit etwa 300 Höhenmetern. Danach noch einige Male rauf und runter, bevor der Weg entlang des Lechs langsam und flach auslief und die Berge von alles Seiten eine atemberaubende Kulisse boten.

Heute war Genusstag, zum eingewöhnen. Ich habe die letzten 3 Kilometer den shuttle genutzt, um mein leider etwas schmerzendes Knie fuer den nächsten Tag zu schonen. Aber das war nur kurz und gegen halb sieben waren alle da und wir konnten nach kurzem Bezug der Zimmer unser wohlverdiente Abendessen genießen. Es wurde sehr viel gelacht uns es ist ein tolles Gefühl, Teil einer solchen Gruppe zu sein.

Tag 1

Füssen – Weissenbach (inklusive Auf- und Abstieg schloss Neuschwanstein)

26 Kilometer (-3 fuer mich)

Aufstieg ca. 600 Meter

Abstieg ca. 300 Meter

Minutenglück

Wenn man gleichzeitig lacht und weint, bekommt man einen Regenbogen im Kopf. Dies ist mein neuer Lieblingsspruch … und passt zufälligerweise exakt zu meiner aktuellen Stimmungslage.

Ich sitze gerade in Zug Nr. 2 auf dem Weg zurück in die große Stadt. Wie immer fällt mir so ein Abschied schwer, und gleichzeitig ist da auch die unglaubliche Vorfreude auf meinen Mann und die beiden süßen Stubentiger. Bin so gespannt, wie sie gewachsen sind.

Die letzten 6 Wochen waren intensiv und wertvoll, wie nachhaltig sie sein werden, das wird sich Zuhause zeigen. Aber ich bin momentan voller Zuversicht, dass ich einiges in den Alltag hinüberretten kann. Das Element Sport hat mir wahnsinnig geholfen. Jeden Tag habe ich mich bewegt, wirklich jeden Tag, vielleicht eine Portion kleiner soll das auch Zuhause so sein. Ob Radfahren oder Laufen, Wandern oder Yoga. Diese Sachen machen mir am meisten Freude. Aber die sogenannte Bewegungstherapie hat auch viel Spass gemacht. Das war wie früher beim Schulsport, wir haben uns in der großen Sporthalle getroffen und jedes mal irgendein Spiel gemacht. Dabei wurde so viel gelacht. Das war herrlich. Aber auch die Entspannung bei der Massage oder der Wärmepackung war toll. Nicht zu vergessen, das therapeutische Bogenschiessen. Eine tolle Übung zur Körperhaltung und Meditation. Vollste Konzentration und tiefes Atmen.

Leider viel zu kurz gekommen, ist der psychotherapeutische Ansatz hier. Fast zynisch in einer psychosomatischen Reha. Aber da hilft auch das viele Jammern nicht, dem so viele Patienten hier verfallen sind. Wir können es für den Moment sowieso nicht ändern. Es gibt zu wenig Therapeuten, warum das so ist, kann man nur orakeln. Bringt aber nix. Ich habe dennoch viel Kraft geschöpft, aus tollen Gesprächen mit den anderen Patienten, aus den Bergen und der Natur, aus dem kreativen Arbeiten und natürlich auch aus den wenigen Therapiestunden, die ich hatte.

Heute morgen wurde zum Abschied überall geherzt und umarmt. Es hat lange gedauert, bis ich den Frühstückstisch verlassen konnte. Schade, dass man so viele Leute niemals wiedersehen wird. Aber man bleibt realistisch. Ein paar wenige Telefonnummern habe ich und meine liebe Tischnachbarin werde ich sicher bald wiedertreffen. Sind nur 1 Stunde und 10 Minuten mit dem Auto.

Toll ist auch, dass ich trotz immenser Futtermengen und vor allem Kuchen und Eis kein Gramm zugenommen habe. Da hat die Bewegung doch gute Dienste geleistet.Ich schlafe wie ein Murmeltier, heute Nacht bin ich nicht einmal aufgewacht. Einschlafen geht innerhalb von Minuten. Wäre das toll, wenn das auch so bleibt. In der Zeit vor der Reha und auch in den ersten Wochen, habe ich mir sehr schwer mit dem Ein- und Durchschlafen getan. Mal sehen, ob das so weitergeht. Das wäre überhaupt das tollste.

Mein persönliches Fazit, ich bin wieder glücklich, mag es nur eine Momentaufnahme sein … das ist egal. Was zählt ist der Moment

Wiedervereinigung

Am voletzten Freitag war es endlich soweit. Nach langen 4 1/2 Wochen bekam ich endlich Besuch von meinem Liebsten. Habe ich mich vielleicht gefreut, als ich kurz vor der Mittagspause aus der Beckenbodengymnastik kam und der Herr C. im Foyer auf mich gewartet hat. Minutenlang haben wir uns umarmt und hatten beide Tränen in den Augen, schließlich war das unsere bisher längste Trennung *seufz*. Ich habe ihn dann gleich mit zum Mittagessen geschleppt und stolz meinen Tischdamen vorgestellt.
Nachmittags sind wir mit dem Auto ins Tannheimer Tal gefahren und haben von Schattwald aus eine kleine Hüttenwanderung zur Stuibensennalpe unternommen. Dort war es so idyllisch, während wir Kuchen und Getränke verzehrt haben, liefen die Hühner und Ziegen um die Tische herum und der Himmel war strahlendblau mit ein paar vereinzelten Schäfchenwolken. Einen Kaiserschmarrn gab es leider nicht, schade.

Samstag war dann der grosse Tag, auf den ich lange gefiebert habe. Bereits zu Beginn der Reha hatte ich mir überlegt, daß ich mal zur Ostlerhütte auf dem Breitenberg hochlaufen will. Direkt von der Klinik aus. Per App habe ich eine Wanderroute zusammengestellt und der sonnige Samstag mit Mann war perfekt dafür geeignet. Alleine sollte man so eine Tour doch eher nicht machen.
Los ging es also gegen 9 Uhr direkt vom Haupteingang der Klinik in Richtung Fallmühle. Das waren gute 5-6 Kilometer und weitgehend flach. Gemütlich liefen wir über breite Wanderwege und konnten uns noch im Schatten der Bäume entlang des Bachlaufs erholen. Direkt an der Fallmühle beginnt dann der Aufstieg. Es sind knapp 1000 Höhenmeter zu bewältigen, verteilt auf nur 4 Kilometer. Also ein wirklich recht steiler Aufstieg. Die Wege waren schmal und von Baumwurzeln und Geröll übersäht. Also nicht ganz ohne Anspruch würde ich sagen. Zumal meine bisher Höhenmeter mäßig anspruchvollste Wanderung im Taunus war und durch breite Waldwege mit knapp 600m Höhenunterschied ging. Aber mir war klar, ich muß das schaffen, wenn ich die Sache mit der Alpenquerung ernst nehme.

Sportlich gesehen habe ich hier im Allgäu nicht nur ordentlich Fitness und Ausdauer getankt, sondern auch wesentliche Erkenntnisse zum Thema Selbseinschätzung und Körperwahrnehmung gewonnen. So war klar, ich muss es langsam angehen und mit Bedacht, viel Trinken und keine allzu langen Pausen machen. Für Herrn C. war es ok, auch mal etwas langsamer zu laufen. Und was soll ich sagen, ohne größere Komplikationen sind wir nach ca. 4 Stunden oben auf dem Gipfel angekommen. Ein absolut wahnsinniges Gefühl, AlpenX ich komme. Jaja, ist mir schon klar, daß das noch gesteigert werden muß, aber es ging eben und konditionell war ich noch überhaupt nicht am Ende. Lediglich die Kraft in den Beinen hat etwas nachgelassen. Aber ich habe ja noch über 2 Monate Zeit für die Vorbereitung.
Oben in der Ostlerhütte angekommen gab es erst mal Verpflegung, lecker Kaspressknödel und frisch gebackener Kuchen, kalte Getränke und Milchkaffee. Auch wenn es schon wieder keinen Kaiserschmarrn gab, war es doch ein tolles Erlebnis.

Der Abstieg auf der anderen Seite des Berges war steil und rutschig, daher entschieden wir, die bequeme und knieschonende Variante zu nehmen und sind gemütlich erst mit dem Sessellift und dann mit der Gondel ins Tal gefahren. Von dort aus waren es dann nochmals ca. 5 Kilometer zurück zur Klinik. Ich fasse also zusammen:

Wanderung Nr. ??? 7?
Fachklinik Allgäu – Fallmühle – Ostlerhütte – Talstation Breitenberg
Gelaufene Kilometer: ca. 15
Höhenmeter: knapp 1000
Reine Gehzeit: ca. 6 Stunden

Fazit: Wandern ist ein tolles Erlebnis und ich will noch viel mehr davon

Schmetterlinge im Bauch

Komisch, es sind immer noch zwei Wochen, die ich hierbleiben darf, dennoch fühlt es sich ein bisschen wie Abschied an, denn zwei sehr liebgewonnene Menschen sind bereits wieder abgereist. Wir haben so viele tolle Gespräche geführt, und das werde ich wirklich vermissen. Aber gottseidank gibt es ja Whatsapp und da bleiben wir hoffentlich in Kontakt.

Kann mich gerade etwas schlecht konzentrieren, denn momentan findet die abendliche Hausführung für die Neuankömmlinge statt. Vier Wochen ist das bei mir nun schon her und ich weiß noch wie ich am Anfang etwas überwältigt war von der Fülle der Informationen. Die Klinik ist eingeteilt in fünf Bereiche, nach Buchstaben sortiert – von A-F. Ich wohne im Haus F, was verwirrenderweise direkt an Haus A grenzt. Wenn ich morgens zum Frühsport laufe, dann muß ich einmal quer durch die langen Gänge des Gebäudes und mache bereits meine ersten 500 Schritte des Tages. So kommt dann auch einiges zusammen bis zum Abend. Überall auf den Gängen hängen aufmunternde Schilder, die einen daran erinnern sollen, nicht über die langen Gänge zu meckern (meine Interpretation), sondern sich lieber über die zusätzlichen Schritte zu freuen. Für uns Psychopatienten ist Bewegung ja scheinbar eh die halbe Miete. Aber da ist wirklich was dran. Eben gerade war ich vor dem Abendessen noch eine dreiviertel Stunde im Kraftraum und habe meine Muckis trainiert. Danach könnte ich dann auch immer Bäume ausreissen. Es gibt so viel Energie. Außerdem habe ich diese Woche ein Anti-Zucker-Experiment gestartet. Wie das funktioniert? Ich esse keinen Zucker. Das stimmt natürlich nicht so ganz, denn Zucker ist ja überall drin. Gemeint ist eher das offensichtliche. Denn sehr zu meinem Leidwesen gibt es hier um die Ecke eine Eisdiele in echt italienischer Hand mit einem so zartschmelzenden Eis, daß ich in letzter Zeit fast täglich ein paar Kugeln gegönnt habe. Meine Tischnachbarin meinte nun, daß der viele Zuckerkonsum auch ein Grund für die ständige Müdigkeit sein könnte. Also probiere ich das jetzt mal aus. Heute ich bereits Tag 2 des Experiments und mal schauen, wie es klappt. Ich bin sehr gespannt.

Das Wochenende verlief sehr ruhig. Freitags war ich noch mal mit meinen Tischmädels in Füssen, dieses Mal mit dem Auto. Wir sind ein bisschen durchs Städtchen geschlendert und ich habe meine Influencer Qualitäten ausgespielt, in dem ich die Damen unbewußt in ein Handarbeitsgeschäft geleitet habe. Beide haben was gekauft und jetzt habe ich jemand, mit dem ich Abends stricken kann, ein Traum ;-)

Samstag war ich schon am Vormittag zwei Stunden mit den Nordic Walking Stöcken unterwegs. Irgendwie denkt man immer, daß das ja ein bisschen albern aussieht mit den Stöcken. Aber wenn ich hier eins lerne, dann, dass es einem grenzenlos Wurscht sein muß, was andere denken. Habe ich glaube ich schon erwähnt. Bin aber von dieser Erkenntnis nach 50 Lebensjahren immer noch schwer begeistert. In jedem Fall macht diese Art der Bewegung wirklich Spaß und man tut so viel für Hirn und Herz. Zufällig hat mich meine Walking Route mal wieder zu den Alpakas geführt, die habe ich ja mittlerweile bestimmt schon 6 mal besucht. Endlich war auch mal jemand da und ich durfte in den kleinen Hofladen, der den Stallungen angeschlossen ist. Dort war das Heiligtum aufgebart, ein ganzes Regal von frischgeschorener und in heimischen Betrieben gesponnene Alpakawolle in den Naturfarben der Tiere. Von jeder Farbe gibt es nur eine kleinere Menge und ich habe mich für eine caramelfarbene Wolle von Xanti entschieden. Eine wunderschöne Erinnerung aus lokaler Herkunft.

Sonntag war dann Ruhetag. Kein Sport und nur mässige Aktivität. Ich habe mal mein Zimmer etwas in Ordnung gebracht, etwas gestrickt, ein bisschen fern geschaut und nachmittags bin ich noch mal mit meiner Tischnachbarin zu meinem Happy Place geradelt, dem kleinen liebevoll angelegten Alpengarten weiter unten in Pfronten. Die Füsse an einem heissen Tag in den glasklaren Gebirgsbach zu halten oder in das hübsch angelegte Natur Kneipp Becken, was gibt es schöneres.

Noch dreimal schlafen, dann kommt mein Schatz. Ich freue mich so sehr darauf, vier Wochen haben wir uns nun schon nicht gesehen. Also jetzt mal echt, aber so lange getrennt waren wir seit unserem Kennenlernen im August von 7 Jahren noch nie. Aber so eine lange Trennung hat auch was schönes. Die Schmetterlinge fliegen wieder :-)

Einmal Füssen und zurück

Die Zeit geht wie immer viel zu schnell herum. Gleich zu Beginn meines Aufenthaltes hat meine Therapeutin festgestellt, daß sich in meinem Fall eine Verlängerung der Reha anbieten würde, ich hatte mir ein paar Tage Bedenkzeit auserbeten, mich dann aber dafür entschieden. Diese Zeit hier ist ein wahres Geschenk und tut mir sehr gut. Also wurde es beantragt, und überraschenderweise ist es ohne weitere Nachfragen genehmigt worden, so ist mein neuer Abreisetermin also nun der 17. Juli. Also noch über zwei Wochen darf ich hier sein.

Letzten Donnerstag habe ich eine wunderschöne Fahrradtour nach Füssen gemacht. Immerhin ist das eine Gesamtstrecke von knapp über 30 Kilometer, und wir sind hier nicht im flachen Norden der Republik. Ich wollte das schon die ganze Zeit ausprobieren, aber immer, wenn sich mal ein Zeitfenster auftat, hat es geregnet. Donnerstag war es eigentlich viel zu heiß, daher habe ich auch bis zum Nachmittag gewartet.
Gegen 16.00 Uhr bin ich losgeradelt in Richtung Weißensee, da gab es erst mal einen steilen Anstieg. Ich dachte, das schaffe ich sowieso nicht bis nach Füssen. Aber nach dem ersten Anstieg war ich ruckzuck am See und wenn ich dann schon mal so weit bin, kann ich auch weiterradeln. Vorbei ging es am schilfbewachsenen Seeufer mit traumhaftem Blick auf die Berge.
Nach knapp eineinhalb Stunden erreichte ich Füssen und hab mich einfach nur gefreut. Ein kleines hübsches Städtchen mit echtem Tourismus und nicht nur Kurgästen. Das war fein. Ich schloss mein Rad ab und gönnte mir erstmal einen Eiskaffee. Die Geschäfte waren gerade alle dabei zu schließen und ich schlenderte noch ein Weilchen gemütlich durch die malerischen Gässchen.
Gegen halb sieben machte ich mich wieder auf den Weg, dieses Mal fuhr ich weiter unterhalb von der ersten Strecke in Richtung Alatsee. Die Steigung bis zum See ging quer durch den Wald und war recht anstrengend. Als ich dann am See ankam, entschied ich kurzerhand nochmal reinzuhüpfen. Etwas umständlich zwängte ich mich unter meinem kleinen Handtuch in den Bikini und genoß den kühlen klaren See.

Ab dann musste ich noch knapp eine Stunde durch das teilweise in Österreich gelegene Vilstal radeln, bevor ich am Abend erschöpft aber glücklich wieder mein temporäres zuhause erreichte. Ich war so froh, nun endlich diese Tour gemacht zu haben. Die Erkenntnis, sowas auch komplett alleine genießen zu koennen, ist dabei unbezahlbar.

Altstadt Füssen
Haus am Lech
Stop am Alatsee
Rückfahrt durchs Vilstal

Ein- und Aussichten

Gerade komme ich von einem abendlichen Bad im smaragdgrünen Alatsee. Der ist nur ein paar Kilometer von hier entfernt und meine Tischnachbarin hat ein Auto. Der Moment war perfekt und wunderschön. Das habe ich aber auch gebraucht, nach diesem merk- und denkwürdigen langen Wochenende.

Alles hat damit begonnen, daß ich am Fronleichnamsdonnerstag das Grab meiner Großtante im Nachbarort besucht habe. Der Besuch hat einiges in mir ausgelöst, über das ich dieses Wochenende viel nachgedacht habe und auch so einige Tränen geweint habe. Ich bin tief eingetaucht, auch in vergangene Jahre und habe dort so einiges ausgegraben, woran ich lange nicht gedacht habe … Die Reise ins Ich. Aber das sagte ich ja glaube ich schon. Es waren schmerzhafte Momente dabei, aber auch tolle Erkenntnisse, die mich ein kleines Stückchen näher zu mir selbst und auch zu meiner eigenen Akzeptanz gebracht haben. Klingt esoterisch? Soll es auch, ich bin hier ja schließlich die Patientin ;-)

Aber ich fands toll. Heute morgen hatte ich Gruppentherapie. Es hört sich immer erst mal komisch an, wenn man mit wildfremden Menschen im Kreis sitzt, und anfängt, ein bisschen von sich selbst preiszugeben. Aber man wird ja nicht zum Reden gezwungen, es redet nur der, des es möchte. Andere können schweigen. Aber letztendlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, und schweigen mag ich nicht. Also habe ich heute geredet, viel so gar, ich habe vor vollkommen Fremden meine Geschichte ausgepackt. Und es hat sich gut und richtig angefühlt. Warmherzig und geborgen. Am Nachmittag habe ich dann noch mal in einer Einzelsitzung über den Tag gesprochen, und es fühlt sich alles rund an. Ich glaube das war, gut. Wie gesagt, ich bin einen riesengroßen Schritt weitergekommen.

Vielleicht wird es mir auch in Zukunft helfen, mit ewas mehr Selbstvertrauen ins Berufsleben zurück zu gehen, meine Frau zu stehen und mich nicht dauernd von wild umherfuchtelnden Personen einschüchtern zu lassen. Das wäre schön. Die Richtung stimmt jedenfalls.

Da der Seelenspaziergang sehr viel Energie gesaugt hat, habe ich beschlossen, die große Wanderung am Samstag nicht mitzumachen. Ich hätte sie nicht geniessen können. Auch das Schnitzen am Freitag habe ich aus diesem Grund abgesagt, schließlich arbeitet man da mit scharfem Werkzeug und da muß man schon mit voller Konzentration bei der Sache sein. Von der Therapeutin gab es für dieses vorbildliche Verhalten auch ein Bienchen. Die eigenen Signale erkennen, bewerten und die richtige Entscheidung treffen. *klopftsichaufdieschulter*

Dafür hatte ich gestern Besuch vom Ammersee und wir sind von der Talstation der Breitenbergbahn zur Burgruine Falkenstein gelaufen, wobei gekraxelt es eher treffen würde, der Aufstieg von der Südseite hatte es in sich, es ging durch schmale steile Pfade im Wald, die von Baumwurzeln und allerlei Geröll übersäht waren. Ich war froh über die Wanderstöcke und die vielen Ruhebänklein entlang des Pfades. Oben angekommen, wurden wir dann aber mit einem sensationellen Rundumblick über den Beginn der Alpenkette mit seinen Seen und Tälern belohnt, von weitem konnte man Füssen und den Forgensee erkennen sowie das majestätisch im Hang gelegene Schloß Hohenschwangau. Dort oben gab es ein nettes Gasthaus mit dem wohlverdienten Kaiserschmarrn. Es war ein gelungener Tag.

Wanderung 4
Talstation Breitenbergbahn – Buruine Falkenstein – Pfronten Meilingen – zurück zum Ausgangspunkt

ca. 8 Kilometer, Gehzeit ca. 3 Stunden, ca. 430 Höhenmeter
Kaiserschmarren Burghotel Falkenstein: 7 von 10 Punkten

Blick von der Burgruine Falkenstein
Mariengrotte

Reise ins Ich

Ich habe mich gerade nur mit Widerwillen aus einer wundervollen Wärmepackung herausjagen lassen. Das ist so eine Wohltat. Seit ein paar Wochen habe ich Probleme im oberen Rückenbereich und die Schmerzen sind oft sehr unangenehm. Gestern war ich dafür auch in Physiotherapie und der Therapeut hat sich ganz genau alles angeschaut und mir einige Übungen gezeigt, die ich zusätzlich machen kann. Schuld ist wahrscheinlich der Bürostuhl und die Computerarbeit. Sitzen ist das neue Rauchen sagt man ja.

Dennoch, so sportlich wie momentan war ich, mit Ausnahme meiner Zeit im Schwimmverein als Teenager, noch nie im Leben. Gleich zu Beginn meines Aufenthaltes, habe ich mich dazu entschlossen, das Angebot einer sportmedizinischen Untersuchung wahrzunehmen. Diese ist eine Zusatzleistung, wird aber angeblich von meiner Kasse zu zwei dritteln unterstützt. Es wurde ein Belastungs EKG gemacht, alle drei Minuten Blutdruck- und Laktatmessung, Körperfettmessung, Lungenfunktionstest sowie Größen- und Gewichtsaufnahme. Ein langjähriger Mythos wurde zerstört, ich bin offensichtlich nicht mehr 1,78m groß, sondern nur noch 1,76m. Huh. Waaaas? Ein Teil wird dem Alter geschuldet sein, ein Teil, so der Therapeut, sei auch meinem Gewicht geschuldet. Er meinte, ich müsse unbedingt Gewicht reduzieren, um den kompletten Körper zu entlasten. 10 Kilo Körperfett sollen es werden, meint er … naja, wir kennen ja diese Supersportler, die gleich nach dem Frühstück die erste Kuh erlegen, in dem sie 2 Stunden Radfahren, danach 5 Stunden trainieren und sich anschließend noch die Eiweißreiche Kost zuführen.

Nun ja, so unrecht hat er nicht und ich möchte ja im September mein großes Ziel erreichen, und die Alpen zu Fuß überqueren, er hält dies nicht für unrealistisch, aber dafür, daß ich das ganze auch etwas genießen kann, empfiehlt er, die Kondition grundlegend aufzubauen. Ich bekam einen Trainingsplan ausgearbeitet und soweit läuft es ganz gut.

Nachher gehen wir zum Klettern in den Hochseilgarten, das ist eine freiwillige Veranstaltung, hat aber auch einen gewissen therapeutischen Ansatz, zum Beispiel Überwinden von Ängsten, Selbstvertrauen gewinnen etc. Ich habe echt Schiß vor der Höhe, vor ein paar Jahren haben wir das mal mit dem Büro gemacht und es ist echt hart, in 10m Höhe über irgendwelche Hindernisparkours zu kraxeln. Aber heute stelle ich mich mal wieder meiner Angst. Wie der Bayer sagt: S’huiftjonix.

Jetzt bin ich zwei Wochen hier, und ich spüre, wie ich langsam ruhiger werde. Die Entspannung breitet sich langsam aus und ich finde es interessant, daß ich hier weder Fernsehen noch Smartphone brauche, um mich zu beschäftigen. Momentan kommt mir der ständige Blick in die sozialen Medien wie Instagram oder Facebook vollkommen absurd vor, warum ist es so interessant was anderen Menschen tun. Ganz esotherisch würde ich sagen, meine Reise ins Ich ist momentan viel spannender.