Lichtblicke

Wirklich entspannt waren die letzen Tage leider auch wieder nicht. Ich stand unter dem Einfluss eines neuen Medikaments mit einem gewissen Kodeinanteil. Gegen die Schmerzen geholfen hat es den ganzen Tag wunderbar. Die Nebenwirkungen waren aber äußerst unangenehm … Herzrasen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit in der Nacht, Kraftlosigkeit am Tag. Es hat mindestens 24 Stunden gedauert, bis das Medikament des Grauens meinen Körper wieder verlassen hat. 


Überhaupt kein Vergleich zu heute. Alles ist so viel besser. Das krückenhumpeln geht etwas leichter vom Fuß  … und dank des Wannen-Boogie-Boards, eine Leihgabe der Nachbarn (aka „the greeks“), konnte ich heute sogar noch etwas komfortabler duschen. 

Irgendwann heute Vormittag war dann die Laune so gut, dass ich sogar bereit war, dem Grauen, dem Unvermeidlichen, in die Augen zu blicken. Dem aufgelaufenen Poststapel! 
Man kennt das ja schon nach 2 Wochen Urlaub … aber nach 9 Wochen Abwesenheit? 
Egal … richtig schlimmes war nicht dabei … und nur e-i-n-e Mahnung … und da MUSS es sich einfach um ein Missverständnis handeln ;-)

Irgendwie drollig ist auch der Brief der DAK, die damit auf  meinen Aufenthalt in der Uniklinik reagierten. Per Einheitsformular sollte ich den Unfallhergang schildern. Falls es irgendwo noch jemanden gibt, den man vielleicht in Regress ziehen könnte … vielleicht den Häuptling des Stammes der Makaken?

Heute Mittag waren wir das erste mal mit meinem schicken Leihrollstuhl am Main. Und das war einfach ein Genuss. Glasklare warme Frühlingsluft … draußen sein … nach so langer Zeit … ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Schade dass hier unten schon die ganzen schönen Frühlingsblüher ergrünt sind. 



Heute Nachmittag hatten wir Besuch aus Bockenheim mit dem kleinen vierjährigen P. der natürlich von der ausgeklappten Sofalandschaft ganz begeistert war … wir Erwachsenen wurden dann allerdings immer leicht unruhig … wenn er sich gefährlich nah an meinem hochgelagerten Bein aufhielt. 

Interessant auch hier wieder, wir hatten ja schon ein paar Besucher, anstatt stolz unsere 3000 schönsten Reiseschnappschüsse zu präsentieren  rückt Kai immer sofort die Multicolor Abzüge aus dem Operationssaal heraus … und ich bring es immer noch nicht übers Herz, mir diese genauer anzuschauen.

Bloggen werde ich diese Bilder nicht, wer also ein bisschen Splatter und Blut abhaben möchte, der muss uns schon besuchen kommen :-) 


Zurück in der Heimat

Da hier so langsam die Leitungen heißlaufen, und sich die Nachfragen nach meinem Gesundheitszustand häufen, schreibe ich doch noch mal schnell einen Beitrag … aus dem Bett … vom iPhone. Bin ich ja nun gewohnt :-) 

In den letzten Tagen war mir einfach nicht  danach.

Die letzten Tage waren hart. Das muss ich einfach mal so sagen. Die Reise war wirklich sehr anstrengend, ich konnte trotz Businessklasse meine Beine nicht richtig hochlegen, die Schmerzen waren groß. Direkt aus dem Flugzeug ging es per Krankenwagen in die Uniklinik und wir sind knallhart auf dem Boden deutscher krankenhausrealität gelandet. Unfreundliches, überlastetes und leicht zickiges Personal gepaart mit fragwürdigen hygienevorschriften. So wurde isoliert, da ich aus einem asiatischen Krankenhaus kam, durfte in der Notaufnahme nicht die Toilette benutzen und sollte meine Notdurft auf dem eimerstuhl verrichten … dort war dann aber noch das Geschäft des Vorgängers drin :-) 
Das war ein ordentlicher Kulturschock. 
Am Dienstag durfte ich dann aber nach hause und dort … da wurde es mir dann erst einmal so richtig bewusst, wie wenig ich im Moment machen kann. Der Kai ist dabei wirklich eine riesengroße Unterstützung und es ist so schön, dass er mir hilft. 
Langsam gewöhne ich mich an die Krücken, ich habe mächtig Muskelkater in den Armen. Aber es klappt immer besser. 
Heute waren wir beim Arzt zum Verbandswechsel. Wir gehen jetzt in eine chirurgische Ambulanzpraxis direkt bei uns in der Nähe. 
Montag und Mittwoch werden die ca. 60 Fäden und metallklammern gezogen … in zwei Etappen. Davor hab ich mächtig schiss, freue mich aber auch drauf, weil die Dinger echt ganz schön piesacken. 
Mit etwas Glück bekommen wir morgen einen Rollstuhl, den wir über die Kasse für die nächsten Wochen ausleihen können. Dann können wir auch mal etwas längere strecken im Freien bewältigen. Kai arbeitet sich derweil geduldig durch die ganze Post, organisiert und kauft ein, kocht, putzt und gibt mir meine tägliche Thrombosespritze … autschn. Dafür kann ich im gar nicht dankbar genug sein. 
Sämtliche Ärzte in Deutschland haben die Arbeit an meinem Fuß gelobt, und dass das sehr gut gemacht worden wäre. Wir sind darüber sehr froh. Ich habe auch immer wieder mehrfach gesagt bekommen, welches Glück ich gehabt habe, es hätte alles viel schlimmer kommen können. 
Und ja, ich habe schrecklich geweint, als ich diese grosse Narbe gesehen habe, aber ich weiß auch, dass da überhaupt noch ein Fuß ist … mit dem ich hoffentlich bald wieder werde laufen können. 

Zip & Zoom

Die letzte Woche des süßen Nichtstuns bricht an, und damit auch die letzte Woche vor der großen Abreise. Die Aufregung steigt und langsam werde ich richtig kribbelig. Gestern hatte Kai seinen großen Packtag. Er hat das gesamte Schlafzimmer mit Sachen belagert, den Rucksack probegepackt und ihn mir dann auf den Puckel gesetzt. Bislang ist das gute Stück 10 Kilo schwer, es fehlen aber noch die Waschsachen, die Reiseführer und etlicher Kleinkram, aber er wird es sicher schaffen, unter 15 Kilo zu bleiben. Wie ich das allerdings hinkriegen soll, ist mir bislang schleierhaft. 
Schweren Herzens habe ich mich dann doch entschlossen, die Brotbackmaschine, den Toaster und die Stereoanlage zu Hause zu lassen … sind wir doch mal ehrlich, wer braucht schon frischen Toast im Urlaub ;-) 
 Nichtsdestotrotz mußte ich mir aber am Samstag noch ein gebrauchtes Teleobjektiv kaufen, die Gelegenheit war einfach zu günstig … und das gute Stück wiegt fast ein Pfund … hrgg. Aber es mußte einfach sein! Hallo da draußen, versteht mich jemand? Und was die Wollvorräte angeht, wird auch streng rationiert. Ich schwörs :-*

Außerdem ist auch die offizielle Abschiedswoche angelaufen, so ziemlich jeden Abend treffen wir nochmal den einen oder anderen. Gestern Abend waren wir im Kreis der Outdoor-Fetischisten ;-) die es offensichtlich allesamt für vollkommen normal halten, die gesamte Reise in modischen Zip-Off-Wanderhosen in Hautfarbe zu bestreiten … was soll ich dazu sagen. Beifallheischend habe ich meine Empörung in die Runde getragen und erntete nur Hohn uns Spott. Ich war eine Minderheit und Kai konnte das fette Grinsen nicht verbergen. OK, dann laufen wir halt rum wie Crocodile Dundee auf Wanderschaft ;-) – Nehme trotzdem noch ne Jeans mit, ätsch! 

Anbei eine Bilderserie von gestern Abend und ein Bild mit meinem neuen Teleobjektiv … nur so kann ich Taranteln, Kakerlaken und Co richtig in Szene setzen :-)

Die Werkstatt im Hof

Schon seit einigen Jahren schwöre ich auf meinen ganz persönlichen Hinterhofschrauber. Das Herz am rechten Fleck … seinerzeit eine wirklich tolle Empfehlung meiner Nachbarn.

Gestern Abend in einer Nacht- und Nebelaktion haben wir dann den (seit 3 Jahren!!!) vom Stillstand betroffenen Roller quer durch Sachsenhausen geschoben und ihn dort im Hof abgestellt. Der nette Herr war noch da, die süße struppige Hundedame hat uns schwanzwedelnd begrüßt … und bereits heute morgen dann rief er an. Der Kostenvoranschlag ist akzeptabel und jetzt wird das Ding wieder flott gemacht, gute alte elektronikfreie Technik. Immerhin hat der olle Zweitakter nämlich schon über 20 Jahre auf dem Buckel.
Warum wir das ausgerechnet jetzt noch so kurz vor dem Abflug machen? Gute Frage … aber so auf der Straße kann er nicht bleiben, ohne Aufsicht und in dem Zustand … also alles noch vorher organisiert. Eine feine neue Sitzbank gibt es dann auch. Wenn jemand einen heißen Tip hat, wo wir das feine Gefährt drei Monate (als Gegenleistung ein nettes Mitbringsel aus Australien?) auf privatem Grund parken können? Dann müßte ich ihn nämlich jetzt noch nicht anmelden. Hinweise erbeten!

Und das Thema Küche steht auch noch auf dem Plan. Kai ist ein ebenso unermüdlicher Schrauber … er muß einfach beschäftigt sein … und damit es ihm nicht zu langweilig wird (der Arme hat ja sonst nix zu tun — Achtung Ironie — hole ich ab und zu mal ein rechteckiges Päckchen vom Schweden nebenan und lasse ihn den Inhalt zusammenbauen. Dann sind wir beide zufrieden … man könnte dies als klassische Win-Win-Situation bezeichnen ;-)

Anbei dann ein Bild unserer künftigen Küchensituation :-)

Happy New Year

Wir wünschen euch allen ein frohes und glückliches neues Jahr. Kai und ich haben es gestern Abend sehr ruhig angehen lassen. Leider hat mich die Erkältung fest im Griff und ich bin einfach nur ein schlappes, schlaffes etwas. Die Schlafphasen überwiegen momentan und es ist mir tatsächlich schwer gefallen, mich gestern Abend bis Mitternacht wachzuhalten. Nichtsdestotrotz haben wir ein bisschen gefeiert, gut gegessen und getrunken und in langen Gesprächen das alte Jahr Revue passieren lassen. Um 12.00 Uhr sind wir dann vor zum Main gelaufen und waren fast ein bisschen überwältigt. Menschenströme, die Straße vollkommen zugeparkt und entlang des Flußufers ein einziges großes Feuerwerk, das war wunderschön. Wir sind dann noch ein Weilchen durch das neue Jahr spaziert, immer wieder kleineren Böllern ausgewichen und nachdem die Luft bald so arg nach (was eigentlich – Raketengeruch?) … also verraucht war, sind wir so gegen 2 nach Hause. Wie gesagt, es war ruhig, aber dennoch schön. Jetzt versuche ich mich irgendwie in der aufrechten Sitzposition. Neben mir steht ein frisch aufgebrühter Chai Tee … Figo schnurrt links von mir in seinem Lieblingskörbchen … In diesem Sinne nochmals:

Prost Neujahr … auf ein wundervolles 2014