Die Höhlen von Zungri

Sonntag morgen, aufwachen bei bedecktem Himmel und dem gewohnten grau. Ach ja, gerne tät ich da oben mal nachfragen, ob denn nicht doch was zu machen sei. Meine App sagt Regen fuer den Rest der Woche, Kais App Orakel Sonnenschein ab Dienstag. Ich beschließe, meiner App keinen Glauben mehr zu schenken ;-)

Wir sind etwas weiter landeinwärts nach Zungri gefahren. Dort gibt es alte, in den Fels gehauene Höhlenwohnungen, ueber deren Bewohner auch heute noch spekuliert wird.

Es ging erst mal steil bergab und neben den Höhlen hatte man einen großartigen Blick ueber die huegelige Landschaft Kalabriens.


Wieder oben angekommen, gab es ein kleines Museum, in dem zahlreiche Bewohner des Ortes ein buntes allerlei an Allagsgegenständen zusammengetragen haben. Mit den Höhlen hatte das nichts zu tun, dennoch liebe ich diesen alten Trödel mit Geschichte.

Auf dem Rückweg gab es noch mal einen Abstecher ans Meer mit kleinem Strandspaziergang. Es gab sogar ein kleines bisschen Sonne, das lässt hoffen.

Tartufo und Pizza in Pizzo

Der Samstag war geprägt von orkanartigem Wind und einem schiefergrauen wolkenverhangenen Himmel. Also haben wir den Vormittag erst mal etwas ruhiger verbracht. Wir hatten natuerlich gehofft, dass sich Süditalien Ende Mai etwas wärmer anfühlt. Aber das ist wohl Reisekarma, das Universum denkt sich, wir waren ja gerade eben erst in der Sonne. Egal, machen wir eben Urlaub an Englands Nordküste, so fühlt es sich wenigsten an … Slate grey victorian skies.

Nachmittags sind wir nach Pizzo gefahren, ein kleiner ruhiger Ort am Mehr, der vor allem dafuer bekannt ist, dass dort das berühmte Tartufo Eis entstanden ist. Das wollten wir natuerlich probieren.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die Gassen kamen wir unten am Meer an und fanden eine tolle Eisdiele (war nicht sehr schwer, da sich in Pizzo wahrscheinlich die höchste Eisdielendichte Italiens befindet ;-)

Stolz berichtete uns der Kellner, dass der Chef noch mit 80 Jahren höchstpersönlich das Eis herstellt. Kai hatte einen Trüffel mit Pistazieneis und einem Kern aus flüssiger Schokolade, ich probierte den Tartufo Classico, bestehend aus Schoko- und Vanilleeis, gefüllt mit Amarenasauce und in Kakao gewälzt. Es war ein Fest ❤️

Den Abend beschlossen wir mit einer Pizza weiter oben in Pizzos Altstadt, direkt aus dem Ofen, knusprig, sehr dünn und lecker belegt.

Auf dem Heimweg durch die dunkle Nacht hörten wir italienische Musik im Radio. Hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie sehr ich dieses Land liebe? 😂

C’era una Volta in Tropea

Der gestrige Tag begann mit wundervollen Neuigkeiten aus der Heimat. Gefolgt von einem hervorragenden Fruehstueck auf der Terrasse mit Blick aufs Meer. Endlich Sonne.

Wir sind direkt mit unserem Mietwagen ins benachbarte Tropea gefahren. Die kleine Stadt liegt dramatisch auf einem Sandsteinfelsen und alleine dieser Anblick ist eine Reise wert.

Wir haben den Fels ein bisschen umrundet, sind hoch zur kleinen Wallfahrtskirche Santa Maria dell’Isola gelaufen, um dann anschließend die rund 200 Stufen zum Altstadtkern hochzulaufen.

Eigentlich wollten wir dort oben irgendwo einen Kaffee trinken, es war ja noch vor 12. Aber überall auf den kleinen Bistrotischen standen bereits die Aperitivis mit den dazugehörigen Snacks. Da fiel dann die Entscheidung. Ich habe einen Bergamotte Spritz probiert. Köstlich. Die Bergamotte ist eine Zitronenart und sehr typisch fuer diese Gegend, sie hat einen säuerlich bitteren Geschmack und der daraus hergestellte Likör ist hervorragend. Er ist nicht suess und ich mag ihn viel lieber als den Limoncello. Und gemischt mit Prosecco schmeckt das hervorragend.

Wir haben anschließend leicht beschwipst ein bisschen die Altstadt erkundet und ich habe mich sehr gefreut über die wunderschönen Fotomotive. Niemand hängt so schoen seine Wäsche auf wie die Süditaliener ;-)

Gegen Nachmittag sind wir noch kurz in den Supermarkt um eine Flasche Bergamottelikör für den heimischen Gebrauch zu kaufen. Dazu gab es ein paar Kleinigkeiten fuer den Aperitiv auf der Terrasse.

Abends wollten wir mal außerhalb des Hotels essen gehen. Es gab einige fussläufige Lokale in der Nähe. Nach wenigen hundert Metern zeichnete sich schon ab, dass alles noch im Winterschlaf liegt. Im Mai? Aber ja, das Wetter is leider sehr durchwachsen und anscheinend ist noch totale Nebensaison. Was willste machen?

Also ging es wieder zurück ins heimische Lokal und dort haben wir wieder vorzüglich gespeist. Es gab Nudeln und Insalata Caprese, danach einen Espresso.

Heute ist Samstag, draussen fegt ein orkanartiger Wind, spaeter soll es bis zum Abend regnen. Mal sehen was sich aus diesem Tag noch herausholen lässt ….

Kalabrien im Frühling

Seit zwei Tagen sind wir nun bereits ganz unten an der Stiefelspitze Italiens. Bisher war noch keine Zeit, mal etwas zu schreiben, da es heute aber den ganzen Tag regnen soll, habe ich mich gemütlich zurueck ins Bett verkrümelt. Es folgt eine kurze ;-) Zusammenfassung:

Donnerstag morgen 5.20 Uhr – Wecker klingelt unbarmherzig, sitze verschlafen an der Bettkante. Morgenritual: Katzen schmusen, Bad Kaffee, packe letzte Kleinigkeiten

6.20 Uhr – Katzen verabschieden, rollern mit den Koffern zur Strassenbahn. Nicht viel los. Ist Feiertag. 6.45 Uhr – Umsteigen in die S-Bahn. Schon voller, viele Wochenendausflügler. 7.05 Uhr – Ankunft Flughafen Frankfurt. Gate wechselt von A18 auf A40. Wanderung am A-Finger. Stop im Duty Free Shop, Kai duftet sich mit Giorgio Armani ein.

8.55 Uhr – Abflug nach Mailand. Sitzen Gang und Fenster, mittlerweile leider sehr bekannter Reisehack. Junger Mann guckt treudoof, ruecke auf Mittelplatz. Auch gut, Flug eh nur kurz. Probiere neuesten Reisehack, Stück Papier reicht, um Smartphone am Vordersitz zu befestigen. Gucke Film, stricke, schlummern an Kais Schulter. Schon da.

10.00 Uhr – Mailand Linate. Ritual bei Ankunft in Italien. Cappuccino finden und geniessen. Freuen uns. Weiter zum Gate.

12.20 Uhr – Weiterflug. Notiz an mich: nie wieder ITA Air buchen. Sitzbestuhlung extrem eng. Noch nie erlebt. Denke an mögliche Thromben. Die sind doch verrückt. Egal, Knitflix und Chill.

14.05 Uhr – Aeroporto Lamezia. Kleiner gemütlicher Flughafen. Stehen direkt am Kofferband. Google kofferband auf italienisch. Finde keine glaubhafte Übersetzung. 14.50 Uhr – Bekommen Mietwagen. Fiat 500, grosse Ausführung. Sehr hässliches Fahrzeug. Aber bequem und viel Platz. Prima. Fahrt geht los.

16.05 Uhr – Ankunft Hotel Tonicello, Capo Vaticano. Sehr hübsch. Will endlich italienisch sprechen. Mann will freundlich sein und spricht englisch. Erkläre, italienisch zu lernen. Mann freut sich. Endlich. Ich sage etwas. Alles falsch. Italienische präpositionen sind nur nach jahrelanger Übung nutzbar. Egal, er versteht mich. Behauptet er wenigstens. 16.10 Uhr – Allgemeine Verwirrung. Sind nicht im System. Kai zeigt Mailbestaetigung. Hotel fast leer, bekommen unser Zimmer dennoch. 16.25 Uhr – Rundgang durch die Anlage. Wunderschöner fast tropischer Garten, Palmen, Bananen, Orangen, Zitronen, Feigen. Bunte Blumen und reife Mispeln. Erwäge kurz, diese nach Frankfurt zu importieren und in Calvados einzulegen.

16.40 Uhr – endlich im Zimmer. Koffer ausgepackt. Bettdecke ausgerollt, endlich hinlegen. Bin muede und leicht knatschig. Anreise 10 Stunden.

Nach einem kurzen Powernap fühle ich mich besser. Es gibt weiter vorne in der Hotelanlage ein Restaurant. Das ist sehr praktisch, denn wir sind froh nicht mehr weit weg zu muessen. Vor dem Essen gibt es noch einen kurzen Abstecher runter ans Meer, der Himmel ist grau und wolkenverhangen. Es ist alles leer, aber wunderschön. Von weitem kann man die kleine Vulkaninsel Stromboli erkennen.

Im Restaurant gibt es fuer jeden eine Pizza. Die war unfassbar lecker, nicht sehr dünn, aber der Teig war so fluffig. Auf dem Weg zurueck ins Zimmer gehen wir am Pizzaofen vorbei. Ich frage (auf italienisch 😁) Was denn eigentlich das Geheimnis dieses fluffigen (mache eine knetende Handbewegung) Teiges sei. Ganz einfach, den Steinofen mit 330 Grad einheizen (Notiz an mich: Pizzastein fuer neuen Backofen kaufen) und zuvor den Teig 48 Stunden gehen lassen. Ich bin dennoch sicher, ich werde es nie so hinkriegen. Die leckerste Pizza der Welt gibt es nur in Italien 🙃

Der Abend endete sehr frueh, wir waren beide todmüde. Waltonsmusik. Vom gestrigen Tag in Tropea erzähle ich im nächsten Beitrag.