Blauer Mais am Strand

Meine allerersten Nacht in einem ausgebauten Campervan war ganz wunderbar. Frau Z und ihr Freund haben sich den vor etwa 4 Jahren zugelegt und er ist praktisch und schön zugleich ausgebaut. Die Matratze ist total bequem, draussen war es ruhig. Ab und an musste ich den Wagen fuer einen nächtlichen Toilettengang verlassen, aber am naechsten Morgen wachten wir gut genächtigt auf.

Ein wesentliches Detail fuer einen perfekten Camping Morgen fehlte allerdings. Wir hatten am Vortag keine Zeit mehr, um Kaffee und Milch zu kaufen. Wir packten also zügig zusammen und fuhren in den Ort fuer die erste schnelle Ladung Koffein.

Der kleine P hat uns einen tollen Tipp gegeben, in einem kleinen Ort am Strand namens Cayugos gibt es ein Frühstückslokal names „Hidden Kitchen“… Dort gibt es Waffles aus blauem Maismehl. Blue Corn ist eine vorwiegend in Mexiko vorkommende Maissorte und laut meiner Recherche voller guter Inhaltsstoffe, die den Körper vor vielen Krankheiten schützt. Sagt zumindest die Blaumaislobby ;-)

Wir waren dort frühstucken und es war einfach saulecker. Gut gefüllt haben wir noch den einen oder anderen Thriftstore (second hand) abgeklappert und ich war ein bisschen am Meer spazieren und habe meine Füße in den kalten blauen Pazifik gehalten. Das war mal wieder so ein Glücksmoment den ich mit aller Intensität genossen habe.

Vor dem Fruehstueck waren wir noch bei Trader Joe’s und haben uns dort mit dem nötigsten eingedeckt. So haben wir uns später am Nachmittag einen Parkplatz direkt am Strand ausgesucht, und dort den Camper abgestellt. Die seitliche Schiebetür wurde weit aufgerissen und wir vertrödelten den Nachmittag mit Meerblick, einem leckeren selbstgemachten Kaffee und weiteren guten Gesprächen mit Lachen und weinen gleichzeitig. So haben wir es am liebsten.

Der Abend brach langsam an und es ging wieder zurück in die Stadt zum Abendessen mit dem kleinen P. Er führte uns in ein Restaurant auf einem Hotekdach mit Blick über die Stadt. Es gab ein paar Drinks und leckere fluffige Pizza.

Zu später Stunde fuhren wir wieder zurück zum Meer und suchten uns  dort ein Plätzchen für die Nacht. Dieses Mal hatten wir mehr Glück und fanden einen schoenen gepflegten typisch amerikanischen Campground in einem kleinen State Park in Pismo Beach. Der anstrengende Vortag steckte uns noch in den Knochen und so ging es ohne Umschweife ins bequeme Camperbett mit dem beruhigenden Hintergrundgeräusch von zirpenden Grillen.

Slow travelling nach San Luis Obispo

Mittwoch war Reisetag. Ein Urlaub im Urlaub sozusagen. Von Deutschland aus hatten wir schon geplant, dass sich Frau Z ein paar Tage freinimmt und wir noch mal ein bisschen durch die Gegend fahren koennen.

Folgendes war geplant. Der Sohn von ihr, der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine P studiert an der Cal Poly (California Polytechnic State University) in San Luis Obispo. Das liegt etwa 230 Meilen (375km) südlich von San Francisco an der Westkuste. Dort stand auch der Campervan von Frau Z, den sich der kleine P fuer ein paar Tage fuer ein Musikfestival ausgeliehen hatte.

Da wir ja immer ein bisschen Abenteuer brauchen, haben wir uns fuer die Strecke nach SLO nicht nur einfach ein Auto ausgeliehen. Wir sind mit der berühmten Amtrak gefahren.

Nun muss man wissen, dass das amerikanische Schienensystem lange nicht an das sehr gut ausgebaute Netz in Europa heranreicht. So war die Strecke auch in 3 Abschnitte geteilt.

Von San Francisco Downtown ging es zunächst mit einem sehr bequemen Bus auf die andere Seite der Bay nach Emeryville. Dort sind wir nach kurzem Warten in den Zug umgestiegen. Der hat so lange gebraucht, dass wir erst insgesamt 4 Stunden später in San José ankamen. Hätte man von SF in nur einer dreiviertel Stunde erreicht. Aber es war total nett, wir hatten einen sehr bequemen Platz und habens uns nett gemacht.

In San José angekommen, hatten wir es plötzlich ganz eilig, weil unser Anschlussbus eigentlich schon um 15.15 Uhr losfahren sollte, der Zug aber erst um 15.20 Uhr da war. Aber gemach gemach, der Bus hat natürlich gewartet und so ging der letzte Abschnitt der Reise im zähfliessenden Verkehr weiter.

Gegen acht kamen wir dann endlich auf dem University Campus in San Luis Obispo an und wurden vom kleinen P in seinem neu erstandenen Pick Up Truck abgeholt. War das schön, ihn wiederzusehen.

Da der Bub seine gesellschaftlichen Verpflichtungen hatte, sind wir direkt mit ihm zu seinem Soft Ball Spiel gefahren und haben dort ein bisschen zugeschaut. Soft Ball ist ähnlich wie Baseball und man muss wahrscheinlich in den USA  aufgewachsen sein, um die Regeln zu verstehen. Ich kapiers jedenfalls nicht.

Später sind wir noch zu viert Essen gewesen und ich habe das erste Mal in meinem Leben die berühmten Mac’nCheese probiert. Sehr fancy als Kugeln geformt und frittiert, damit es noch gesünder ist, dazu ein leckeres Craft Bier vom Fass und ich war pappsatt.

Es war schon fast Mitternacht, als wir uns von San Luis Obispo auf zum Meer machten, um einen Schlafplatz fuer die Nacht zu suchen. Eigentlich hatten wir einen Platz direkt am Meer gefunden, der war aber im Sand und wir hatten kein Allrad. Da es schon spaet war, haben wir uns mit einem etwas schäbigen RV Park begnügt, den Camper abgestellt und alles fuer die Nacht vorbereitet.

Der Tag war echt super anstrengend und hat all meine Energiereserven gefordert. Aber es war auch alles total schoen und aufregend und emotional. Glücklich und zufrieden schlief ich direkt ein und freute mich schon auf den naechsten Tag… ⭐🌙

Reisealltag und Eierpreise

Die letzten beiden Tage hat sich schon fast so etwas wie eine kleine San Francisco Routine eingestellt. Morgens gab es erstmal einen Kaffee am Bett mit ganz viel Quatschen (in Spanien mit Frau H. und Frau G. haben wir das immer das Morning Briefing genannt).

Danach hat Frau Z  noch etwa eine Stunde gearbeitet, bevor wir uns umgezogen haben und zum Zumba gefahren sind. Montags wurde oben im Presidio Park getanzt und Dienstags wieder unten am Meer.

Zurück zuhause habe ich mich noch mal hingelegt. Nach ein paar Tagen Action verlangt mein Koerper etwas mehr Ruhe. Da muss ich immer wieder auf mich aufpassen. Ehrlichgesagt kriege ich dann auch  immer mal wieder die Krise, weil es mich so nervt wenn ich wie ein kleiner Hundewelpe ueberall schnuppern will, mich aber durch meinen Koerper wie ein Hund an der Leine zurückgezogen werde und Herrchen laut „Sitz“ und „Platz“ ruft. Aber so isses eben und rumjammern bringt sowie nix.

Montag Nachmittag war ich in Downtown und habe einem der zwei letzten noch in San Francisco verbleibenden Gap Stores einen Besuch abgestattet. Kaum zu glauben, die Läden waren mal überall und oft riesengross. Ich habe dennoch eine total tolle Jeans gefunden, die so unfassbar gut sitzt, dass ich überlege, noch eine zweite in einer anderen Farbe zu kaufen. Mal sehen. Der Koffer wird voll.

Dienstag war es mal wieder neblig im Inner Sunset, ich bin dann mit dem N-train bis zum Duboce Park gefahren und von dort aus zur Valencia Street gelaufen. Dort war strahlender Sonnenschein. Echt immer wieder lustig, die unterschiedlichen klimazonen auf relativ kleinem Raum zu erleben.

Während ich dann so die Valencia entlang geschlendert bin, gab es immer mal wieder das eine oder andere Geschäft zu erkunden.

Ich kam an einer Eisdiele namens „Smitten“ vorbei, draussen wurde mit einer Sorte names „cookie dough with pretzel sticks and chocolate chips“ (keksteig mit salzstangen und schokoladenstreuseln) geworben. Das hat direkt meinen eingebauten Speiseeisreflex ausgelöst und ich gönnte mir eine Kugel.

  1. Superlativ – das war mit Sicherheit das leckerster Eis, was ich jemals gegessen habe. Wirklich. Naja, oder vielleicht eins der besten.
  2. Superlativ – mit fast 12 Dollar fuer die eine Kugel war es auch mit grossem Abstand das teuerste Eis meines Lebens.

Apropos, wir muessen mal ueber die Preise reden. Warum die Lage in den USA momentan so ist wie sie ist, faellt einem leichter zu verstehen, wenn man sich mal das Preisgefüge im Supermarkt anschaut. Die Schweiz ist ein Discountladen dagegen, und die Menschen sind auf einen Menschen hereingefallen, der gesagt hat, genau das innerhalb eines Tages zu verändern.

Fuer einen grossen Becher Joghurt darf man fast 7 Dollar zahlen, ein halbes Pfund Butter bekommt man fuer 4-5 Dollar. Die berühmten Eierpreise sind allerdings leicht gesunken, 12 Bio Eier bekommt man schon ab 7-8 Dollar 😉. Essen gehen ist auch soo teuer geworden, dass man es eigentlich eher vermeidet. Wirklich schade ist das.

Ups, jetzt bin ich kurz abgeschweift.  Aber die Tage sind eigentlich auch beide auserzaehlt. Wobei eine Sache wollte ich noch erzählen, nämlich von einem lustigen Abend, an dem wir gemeinsam Frau Zs Kleiderschrank ein bisschen ausgemistet haben. Wir hatten eine Menge spass dabei und waren trotz heftigem Gelächter auch sehr effektiv.

Momentan sitze ich gerade mit Frau Z in einem ruckeligen Bus auf dem Weg nach San Luis Obispo. Die Fahrt zieht sich. Doch davon erzähle ich dann  nächsten Beitrag.

Einreiseformalitäten

Habe gerade einen kleinen suessen Coffeeshop gefunden und mir erst mal einen Cappuccino gegoennt. Jetzt sitze ich draussen auf einer Bank mit Blick auf den Buena Vista Park und kriege das Dauergrinsen gar nicht so richtig aus meinem Gesicht. Ich bin einfach verdammt happy, nach so langer Zeit mal wieder hier zu sein.

Wie war die Einreise? Das ist sicher  eine Frage die mir zuhause noch einige Male gestellt werden wird. Selten habe ich vor einer Reise so viel ungläubiges Kopfschütteln bekommen, wenn ich erzählt habe, wo ich hin will. Zahlreiche Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen sollte ich ergreifen und am besten nur ein Wegwerfhandy mitnehmen. Ach ja, irgendwann war ich dann selbst total verunsichert, bis ich spontan entschieden habe, mich nicht länger verrückt machen zu lassen.

Was soll ich sagen, die Einreise war kurz und schmerzlos. Der Beamte war wie immer bestimmt und dennoch freundlich. Und der Zoll war sowieso geschlossen. Also alles gut und ich durfte einreisen.

Draussen hat mich auch direkt meine Freundin abgeholt und wir haben uns erstmal heftig umarmt. Von da ab standen unsere Münder nicht mehr still. Irgendwie hatten wir beide das Gefuehl, sofort ganz viele Dinge erzählen zu muessen. Lustig war, daß sie fest im Glaube war, ich käme erst am 29. an. Erst als ich vom Abfluggate in Frankfurt eine kurze Nachricht geschickt habe, hat sie leicht panisch realisiert, dass ich einen Tag frueher ankomme als gedacht 😂.

Gleich sind wir in Ihre wunderschöne neue Wohnung gefahren. Diese liegt im Inner Sunset in unmittelbarer Nähe zum Golden Gate Park und die Aussicht ist einfach fantastisch.

Ab jetzt hieß es wachbleiben und der suessen Versuchung nicht nachzugeben, ein kleines Nickerchen zu machen. Denn auch wenn ich bereits seit 16 Stunden auf den Beinen war, war es in San Francisco erst Nachmittag. So sind wir mit einem Kaffee in den Park gegangen, haben uns auf die Tribünen eines Baseballfelds gesetzt und einfach ohne Unterbrechung weiter geplappert.

Dann hat sie mir eröffnet, dass sie am Abend noch auf eine Farewell Party einer Freundin eingeladen ist. So um 7, und ich soll doch mitkommen. Ähem, jou, was?

Ich sach noch so, nee, das schaffe ich sicher nicht mehr. Aber plötzlich war es 7 und ich war immer noch voller Willkommensadrenalin und so fanden wir uns fröhlich weiterquatschend auf einer kleinen Party und waren am Ende sogar die letzten Gäste. Wer hätte das gedacht.

Die Wohnung, in der ihre Freundin wohnt, ist auch noch unbedingt erwähnenswert, denn dort gab es einen bezaubernden Blick auf den grossen Pazifischen Ozean.

Zuhause haben wir noch mein Gemach fuer die Nacht bereitet und dann bin ich direkt in die stabile Seitenlage gefallen und auf der Stelle eingeschlafen.

Um 4 war ich erst mal wach und habe meinen ersten Blogbeitrag erstellt. Dank einer kleinen Melatonin Tablette konnte ich noch bis 8 Uhr weiterschlafen.

Wie gesagt, ich sitze gerade tippend auf  einer Bank draussen. Es ist vier Uhr nachmittags. Meine innere Uhr will aber eigentlich den Nachschlaf. Auweia, Jet Lag, it’s real. Hoffentlich ist das bald rum.

Anflug auf San Francisco

Huiuiui, ich sitze gerade im Flieger im Landeanflug auf eine der schönsten Städte der Welt. Kann es noch gar nicht glauben, nach so langer Zeit mal wieder amerikanischen Boden zu betreten.

Das tollste ist aber, dass ich gleich eine meiner allerbesten Freundinnen treffe. Wir kennen uns vom Studium und sie lebt dort seit ca. 30 Jahren. Unsere Freundschaft hat dank all der technologischen Entwicklungen der letzten 3 Jahrzehnte so lange stand gehalten. Vom Fax, ueber e-mail, WhatsApp und Skype. Ich hin dankbar dafür.

Ich sitze auf der rechten Seite des Flugzeugs und sehe den pazifischen Ozean, links kann man angeblich einen Blick auf die Golden Gate Bridge erhaschen. Ich gehe aber davon aus, dass sich noch der eine oder andere Blick im Laufe der naechsten 2 Wochen ergeben wird.

Die Reise hierher hatte ich schon vor längerem gebucht und weil ich ja auch nicht jünger werde, habe ich mir ein Upgrade auf die Premium Economy gegönnt. Allein die Vorfreude darauf war den relativen akzeptablen Aufpreis wert. Jetzt nach fast 11 Stunden Flug kann ich sagen, ich wuerde es auf einem Langstreckenfkug jederzeit wieder buchen. Die 15cm mehr Beinfreiheit sind jeden Cent wert. Vor allem wenn man gross ist. Ich habe ein bisschen gedöst, zwei Filme und die ersten Folgen der Morning Show geschaut. Es gab lecker Mittagessen und  überhaupt war es ein super ruhiger und angenehmer Flug.

Gestern Abend habe ich schon online eingecheckt und heute morgen am Frankfurter Flughafen haette ich meinen Koffer einfach in eine der neuen Drop off Boxen abgeben koennen. Aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, an der langen Schlange an den Schaltern einmal die  Priority Lane zu benutzen 😉

Ach ja, gleich sind wir da und meine Vorfreude ist riesig.

Zimmer mit Meerblick

Am nächsten Morgen zeigten sich bereits um 6 Uhr früh die ersten Lichtschlitze hinter dem Verdunklungsvorhang. Neugierig tapste ich schlaftrunken nach vorne und traute meinen Augen nicht. Der versprochene seitliche Meerblick zeigte sich als frontale direkte Ansicht auf den Strand und dahinter das Meer. Und dann auch noch eine Sonne, die sich langsam aber sicher am Horizont zeigen wollte. Wunderschön!!!! Ich machte ein frühmorgendliches Freudentänzchen, denn es war einfach unerwartet und dafür umso großartiger.

Dennoch war der Tag noch viel zu jung, um sich nicht doch noch mal ins Bett zu legen. Gegen neun weckte mich Kai mit einem dampfend heißen Kaffee, den wir auf unserem schoenen Balkon genossen (ich frage demnächst mal bei Bastei Luebbe ob ich nicht anfangen sollte, Groschenromane zu schreiben 😉)

Nach dem Fruehstueck packten wir alles zusammen und liefen vor zum Strand. Dieser ist etwas neben der Anlage, da direkt vor uns alles voller Korallen ist und da kann man natürlich nicht rein. Fuer mich der beste Grund, die paar Meter zu laufen. Wie es sich aber fuer eine Anlage dieser Art gehört, gibt es natürlich auch eine kleine Bimmelbahn, die im 10 Minutentakt verkehrt.

Vorne am Strand war es schon recht gut besucht, aber wir fanden noch ein freies Plätzchen. Zum lange Rumliegen kamen wir aber nicht, denn wir waren beide viel zu neugierig auf unseren ersten Ausflug zum Schnorcheln. Dieses besondere Erlebnis hat aber einen eigenen Beitrag verdient. Der folgt in Kürze.

Da ich in diesem Urlaub noch Geburtstag haben werde, war es Kais Plan, mich nach Strich und Faden zu verwöhnen. Ich bekam fuer den Nachmittag eine erste Massage verordnet, die wirklich sehr entspannend und angenehm war. Als wir draussen bezahlen wollten, kam ein weiterer findiger Geschäftsmann und erzählte Kai, wie er seine Frau in nur zwei Stunden noch schöner machen und um 10 Jahre verjüngen wuerde. Haha, sehr lustig und doch auch irgendwie charmant. Mein Mann bejahte und ich bekam im Anschluss noch eine Mani- und Pediküre sowie eine vollständige Gesichtsbehandlung mit Augenbrauen zupfen in Fadentechtik und dem anschließenden Färben mit Henna.

Den ganzen Tag wurde ich also gepudert und gepampert und am Abend war ich dementsprechend tiefenentspannt.

Im kleinen ägyptischen Schönheitssalon war es sehr lustig und nett. Alle waren total freundlich und man kam schnell ins Gespräch. Ein junger Mann fragte, wo ich herkommen und als er „Frankfurt“ hörte, leuchteten seine Augen. Denn das kannte er, weil dort ein ägyptischer Spieler namens Marmoush fuer die Eintracht spielt. Als mir dann der naechste die gleiche Frage stellt, erklärte ich ihm stolz, dass ich in Frankfurt lebe, wo Marmoush spielt 😂😂

Sehr beeindruckt von meinem Wissen wollte er mich gleich in ein Gespräch ueber europäischen Fussball verwickeln. Auweia, da musste ich dann leider zugeben, dass ich keine Ahnung hatte 😉

Das Abendessen fand wie immer im grossen Saal statt, doch gottseidank gibt es auch ein paar Tische draussen, wo es immer noch ein freies Plätzchen gibt. Abschließend genehmigte sich Kai an der Bar noch einen Cocktail und ich einen Cappuccino und schon am ersten Tag scheint sich hier ein kleines Urlaubsritual abzuzeichnen.

Blokhus

Hin und wieder machen wir doch mal einen kleinen Ausflug. So waren wir zum Beispiel am Mittwoch im kleinen Nachbarort Blokhus. Dort gibt es, wie eigentlich an der gesamten Küste von Nordjütland einen langen, breiten Sandstrand mit einer sehr pittoresken Dünenlandschaft im Hintergrund.

Das besondere an diesen Stränden ist, dass man dort im Auto entlangfahren und parken kann. Man hält einfach irgendwo und parkt und dann werden die Stühle und Tische ausgepackt und man genießt das Leben am Meer. Witzig ist das irgendwie.

Eine weitere Besonderheit hier sind die kleinen weißen Badehäuschen am Strand. Man kann sie nur durch Vererben oder ganz viel Glück ergattern. Die Nutzung ist reglementiert. Man darf dort nicht übernachten und sie muessen in jedem Jahr neu weiss angestrichen werden. Zusammen mit dem blauen Wolkenhimmel, dem Sand und dem Meer ist das eine ganz zauberhafte Szenerie.

Eine weitere Spezialität hier in Dänemark ist das Softeis. Ich habe ja schon als Kind Softeis immer sehr geliebt. Hier bekommt man es, wenn man mag, mit allerlei Toppings bestreut. Mein persönlicher Favorit sind die Lakritzstreusel. Wenn du sowohl herrlich cremiges Softeis und leicht salziges Lakritz magst, dann wirst du diese Kombination lieben.

Anschließend waren wir noch im Supermarkt und haben uns mit ein paar notwendigen Dingen versorgt und am späten Nachmittag ging es wieder zurueck in unser kleines Ferienhäuschen.

Nordjytland

Endlich, endlich sollte es zum eigentlichen Ziel unserer Reise gehen, hoch in den Norden Dänemarks, irgendwo an der Nordseeküste in der Nähe eines kleinen Oertchens namens Blokhus.

Lange zuvor hatte ich dem Gatten schon die Aufgabe gegeben, uns ein kleines freistehendes Häuschen mit NIX drumrum zu finden. Fuer Kai hat das Suchen eines Feriendomizils in etwa die gleiche Bedeutung wie für mich das Stricken. Er liebt es, ewig lang durchs Internet zu grasen und tolle Orte zu finden.

Diese einsame Hütte war ein grosser Wunsch meinerseits. Ich habe tagelang davon geschwärmt und schwadroniert. Als er mir unser Haus dann eines Tages im Internet gezeigt hat, war es Liebe auf den 1. Blick.

Gegen halb vier am Montag  errichten wie unser kleines neues Zuhause fuer die nächsten 10 Tage und ich war erstmal sprachlos. Bilder koennen ja oft viel erzählen. Aber hier sah es genauso aus, wie wir uns das vorgestellt haben. Vor lauter Freude habe ich auch erstmal wieder ein paar Tränchen verdrückt.

Innen ist es gemütlich eingerichtet, es gibt ein Wohnzimmer mit Kaminofen, eine kleine Küche, Bad und ein Schlafzimmer im Erdgeschoss. Darüber liegend, ueber eine sogenannte Sambatreppe erreichbar, gibt es noch zwei kleine Kammern mit jeweils zwei Betten.

Am tollsten ist aber die vollflächig verglaste Vorderfront des Hauses mit der breiten Schiebetür. Davor stehen zwei grosse gemütliche Lehnsessel und der absolut unverbaute Blick auf die Dünenlandschaft. Im Hintergrund kann man sogar das Meer tösen hören, obwohl es ca. 400 Meter weg ist. Ein lange gehegter Traum geht in Erfüllung.

Fest steht, dieser Urlaub ist anders als alles was wir bisher gemacht haben. Es gibt nicht viel Programm, wir haben uns zwei Puzzle mitgenommen, Bücher und ich natürlich mein Strickzeug.

Wir wollen es dieses Mal ruhig und gemütlich haben, das wird uns beiden gut tun, da bin ich sicher.

Flensburg

Nach dem Frühstück am Sonntag morgen (Shoutout to Ibis Alsterring fuer eine Waffel-selbstmach-Anlage) fuhren wir weiter. Es ging immer höher in den Norden fast bis zum Ende der Deutschen Grenze.

Wir wollten uns Flensburg anschauen und hier noch einmal übernachten. Die kurzen Etappen machen zum einen mehr Spaß, zum anderen waere  alles andere fuer mich momentan viel zu anstrengend.

In Flensburg konnten wir erstmal nicht ins Hotel einchecken, da wir noch viel zu früh waren. So nutzen wir die Gelegenheit, einen ersten Spaziergang durch die nordische Kleinstadt zu machen, und unterwegs unser erstes Flens zu trinken. Auch wenn es noch so früh am Tage war, es hat gezischt und die Sonne lachte vom Himmel. Wer haette gedacht, dass es Anfang September hier oben noch so schoen warm ist.

Um drei durften wir endlich ins Zimmer und ich konnte die Batterien wieder ein bisschen auffüllen. Der Mittagsschlaf ist mittlerweile zum festen Bestandteil meiner Tagesroutine geworden und ermöglicht mir, auch den zweiten Teil des Tages einigermaßen zu genießen.

Nach dem Nap und einer frischen Dusche liefen wir draussen noch ein bisschen umher und genossen die wunderschöne Abendstimmung  am Hafen. Flensburg gefällt uns wirklich gut, ein sehr hübsches Städtchen mit etwa 90.000 Einwohnern, welches wir sehr fuer einen Besuch empfehlen koennen.

Am Abend gab es dann Backfisch mit Kartoffelsalat fuer Kai und Fish & Chips fuer mich. Dazu ein dunkles Flens fuer den Herrn und ich trank ein Alsterwasser mit Mineralwasser verdünnt. Eine Radlershorle sozusagen. Nicht so suess und sehr erfrischend.

Es war mal wieder ein toller Tag und am Ende freuten wir uns dann doch ganz doll, dass es am Montag endlich nach Dänemark gehen soll. Stay tuned…

Hamburg + Hochzeitsdecken

Samstag sind direkt nach dem Fruehstueck in Richtung Norden aufgebrochen. Unser nächstes Etappenziel war Hamburg. Dort hatten wir uns mit meiner Strickfreundin (der Braut aus Indien) auf einen Kurzbesuch  verabredet. Der Plan war ausserdem, ihr endlich unser gemeinsames Hochzeitsgeschenk zu überreichen, welches ich zusammen mit meiner in Spanien lebenden Strickfreundin hergestellt habe. Eine gehaekelte Decke in der stundenlange Arbeit, Freundschaft und ganz viel Liebe drinsteckt.

Am Nachmittag erreichten wir unser Etappenziel und ich musste mich erstmal wieder hinlegen. Auch wenn ich nur Beifahrerin war, aber durch die chronische Erschöpfung macht mich sogar das furchtbar muede.

Nach dem Powernap fuhren wir mit der Bahn nach Elmsbüttel und ich freute mich ganz doll auf das Wiedersehen. In der Wohnung angekommen, haben wir erstmal Spanien per Videochat hinzugerufen und die grosse Deckenuebergabe fand statt. Wir hoffen, dass sie lange Freude daran hat.

Nach dem Chat sind wir durch die tolle Nachbarschaft gelaufen, und haben in dieser lauen Spätsommernacht Tapas kauend und schwätzend einen schoenen Abend verbracht. Hamburg ist einfach toll. Hier koennte ich auch leben.