Bangalore nach Mysore

Gegen halb drei am fruehen morgen (lokale Zeit) sind wir am Flughafen in Bangalore gelandet. Wir hatten Glueck, im Flieger waren scheinbar nur wenige nicht indische Staatsbürger und an den Einreiseschaltern fuer „foreigner“ war so gut wie nichts los. Dennoch dauerte natuerlich alles. Bis wir unser Gepäck bekamen und uns mit den Taxifahrern auf einen akzeptablen Tarif geeinigt hatten, war es schon halb 5, als wir endlich uns Bett durften.

Die Nacht war allerdings nur kurz. Denn schon um halb elf holte uns unser Fahrer ab und wir begannen die Fahrt durch den „belebten“ Stadtverkehr von Bangalore.

Ich bin wirklich froh, hier kein Auto fahren zu muessen. Es scheint irgendwie keine Regeln zu geben, wie in einem schnellem Computerspiel wand sich unser Fahrer zügig und in Schlangenlinien durch den dichten Verkehr. Eine Hand hatte er dabei immer an der Hupe.

Es machte jedoch sehr viel Spass, das geschehen von der Rückbank aus zu beobachten. Nachdem wir ca. 1 Stunde spaeter endlich aus dem dichtesten Verkehr draussen waren, machten wir einen kurzen Stop fuer ein spätes Frühstück. Es gab leckere frisch gebackene Dosas (eine Art Pfannkuchen) und Vada + Idli (diverse kleine Reiskuchen) mit scharfen Dips in kleinen Metallschälchen. Ein etwas anderes Frühstück, aber saulecker. Wir bekamen jeder noch einen Kaffee mit süsser Kondensmilch. Dieser schmeckt karamellig und fast sirupartig, man muss sich dran gewöhnen, wir fandens klasse.

Danach ging es auf die Autobahn und nach etwa einer weiteren Stunde erreichten wir das kleine Städtchen Shririrangapattana. Wäre gerne ausgestiegen, aber das war scheinbar nicht geplant. Dabei reihte sich ein Fotomotiv an das andere. Ueberall liefen Kühe mitten auf der Strasse oder standen wartend an der Bushaltestelle (es ist mir fast unerträglich, ein solches Motiv nicht mitnehmen zu können ;-)

Wir machten Halt an einer Anlage, bekamen Tickets gekauft und sahen schon von weitem einen kleinen Palast namens Daria Daulat Bagh. Von draussen dachte ich noch er sei eingeruestet, aber er war nur verhüllt, um das Innere vor der Sonne zu schützen.

Die ganzen Wände im Inneren waren mit Teakholz verkleidet und die vielen Details, Intarsien und Schnitzereien waren einfach wundervoll anzuschauen. Draussen liefen aufgeregt kleine Streifenhörnchen umher und jagten die Palastwände entlang.

Es gab noch ein paar weitere kurze Fotostops und gegen Nachmittag erreichten wir Mysore, the City of palaces. Mittlerweile war ich furchtbar müde, und so waren wir beide froh, unser Hotel fuer die naechsten beiden Nächte zu erreichen.

Im Zimmer angekommen, zog ich nur mein Nachthemd aus dem Koffer, schlug die Bettdecke zur Seite und warf mich auf die watteweiche Matratze. Was fuer eine Wohltat.

Am Abend sind wir noch ein bisschen alleine durch die Stadt geschlendert und haben Strasse queren geübt. Nichts für schwache Nerven, aber mit ein bisschen Übung klappt es ganz gut.

Wir fanden ein Restaurant mit der typischen Nicht-Atmosphäre und bestellten jeder ein (Veg) Byriani (Reisgericht mit Gemüse und leckeren Gewürzen). Zur guten Nacht gab es noch einen Kaffee in einem anderen Strassenlokal nebenan, bevor wir wieder zurück ins Hotel gelaufen sind.

Dort wummerte die Musik aus dem ersten Stock. Das ganze Hotel war mit indischen Schulklassen ausgebucht. Auweia. Dort wo die Musik herkam, steckten wir neugierig unsere Köpfe rein. Zu lauter indischer Partymusik wurde ausgelassen getanzt. Allerdings erstmal nur die Jungs. Die Mädchen seien später dran.

Wir wollten eigentlich schon wieder raus, als einer der Betreuer und einer der Jungs hinter uns herliefen, und uns, bzw. Kai anbettelten wieder rein zu kommen und mitzutanzen. Das tat er dann auch und ich durfte filmen. Ach Mensch, solche kleinen Momente liebe ich ja sehr auf Reisen. Die Menschen hier sind uns Fremden so aufgeschlossen. Davon koennte sich bei uns so mancher eine Scheibe abschneiden.

Grosse Erwartungen

Irgendwann im Frühsommer diesen Jahres erfuhren wir, dass es bald eine Hochzeit geben wird. Eine Hochzeit mit dem besonderen Etwas, denn diese soll in Indien stattfinden, genauergesagt im südindischen Tamil Nadu. Denn dort kommt der zukünftige Bräutigam her. Und wir sind eingeladen!

Seit ein paar Monaten steht auch der Termin im November fest, und so konnten wir alle mit der Planung beginnen. Macht natuerlich wenig Sinn, nur fuer ein paar Tage so weit weg zu fliegen, deswegen haben wir uns notgedrungen ;-) noch zu einer weiteren Urlaubsreise entschlossen. Wenns denn sein muss 🤣.

Dafuer musste ich sogar unbezahlten Urlaub nehmen, denn fuer dieses jahr war bereits alles verbraucht.

Die letzten Wochen waren gepraegt von einer unendlichen Vorfreude auf das grosse Ereignisse im fernen Indien. Unendliche Planungen folgten und sogar wir Gäste mussten einiges „abarbeiten“ 😂

Ich habe es schon ein paar mal gesagt, aber eine solche Vorfreude habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Eine Hochzeit, eine Reise, ein unbekanntes Land, Freunde fernab der Heimat treffen … Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert.

Heute morgen war es endlich soweit, pünktlich um halb Elf startete unser erster Flieger in Richtung Doha. Aus diesem tippe ich auch gerade diesen Beitrag. Ich habe mir fest vorgenommen, regelmäßig was zu schreiben, oder wenigstens Bilder zu posten. Mal sehen ob das klappt. Das Reiseschreiben ist zu einer so schoenen Routine geworden und ich freue mich auch Jahre danach noch immer, wenn ich eine Reise dadurch nochmal nachfühlen kann.

In Doha haben wir einen kurzen Aufenthalt und fliegen noch mal ein paar Stunden weiter nach Bangalore. Dort kommen wir mitten in der Nacht an. Wenn alles klappt, checken wir dann fuer ein kurzes Schlaefchen in einem Hotel in Flughafennähe ein.

Morgen vormittag werden wir von einem privaten Fahrer abgeholt, der uns in 4 Tagen ein bisschen was von diesem grossen Land zeigen wird. Wir sind soo gespannt. Am Dienstag erreichen wir dann die Hochzeitsstadt Coimbatore. Dort bleiben wir vor und während und nach den Feierlichkeiten. Zum Abschluss sind wir noch mal fuer eine Woche im Nachbarstaat Kerala.

Aber jetzt ganz gemächlich der Reihe nach. Let the fun begin :-)

Badespass in der Donau

Es war schon wieder Sonntag morgen und unser letzter Tag in Wien. Der Zug fuhr erst um 5 Uhr Nachmittags und so blieb uns noch etwas Zeit, den sommerlichen Tag zu geniessen.

Nach dem Fruehstueck packten wir die Badesachen ein und fuhren mit der U-Bahn zur Station „Alte Donau“. Schon vom Gleis aus konnte man das viele Wasser sehen und die zahlreichen Bootsanleger entlang der Ufer. Wir waren total überrascht, haetten wir doch in einer Großstadt wie Wien niemals so viel Wasser erwartet. Wie toll, fast wie eine Seenlandschaft liegt der Seitenarm der Donau vor uns.

Wir sind ein Stueck gelaufen und entdeckten auf der anderen Seite ein grosses Strandbad. Als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass sich der relativ hohe Eintrittspreis nicht gelohnt haette, da wir ja nur mal kurz ins Wasser wollten. Auf dem Hinweg hatten wir bereits eine kleine Badestelle mit Zugangstreppe entdeckt. Also zogen wir uns im öffentlichen Klo um und liefen zurueck zu der kleinen handtuchgrossen Wiese. Das Wasser war herrlich erfrischend und absolut klar. Es waren ueber 30 Grad und so tat die Abkühlung sehr gut.

Auf dem Weg zurück zur U-Bahn goennten wir uns noch ein kühles Getränk in einem schicken Strandrestaurant, bevor wir uns wieder zurueck in die Stadt machten. Es war wirklich toll, ein absoluter Pluspunkt fuer die Stadt und man haette hier den ganzen Tag verbringen koennen.

Zurueck in der Innenstadt liefen wir zielstrebig zu einem der bekanntesten Wiener Kaffeehäuser, dem Café Zentral. Ich wollte einfach noch mal das volle Klischee mit allem drum und dran, inklusive einem Stueck Sachertorte. Aber das wurde nichts. Sonntag Mittag, man haette es sich denken koennen, erwartete uns eine lange Schlange vor dem Eingang. Zeit war knapp also gingen wir in ein weniger klischeehaftes Café um die Ecke. Ein Stueck leckerste Sachertorte gab es dennoch und ich war happy.

Leider war es dann auch schon wieder Zeit, zum Hotel zu gehen und das dort wartende Gepäck abzuholen. Gegen halb 5 waren wir bereits am Wiener Auptbahnhof und deckten uns dort fuer die lange Fahrt mit ein paar Sandwiches und Getränken ein.

Wieder mal dauerte die Fahrt knapp 7 Stunden, aber dank ein bisschen Knitflix war es recht kurzweilig. Kurz vor Ankunft um Mitternacht bin ich sogar eingeschlafen, was dazu führte, dass ich am Bahnhof nur halb schlafwandelnd den weg nach Hause gefunden habe.

Fast vier Tage Wien, was soll ich sagen, es war einfach wundervoll und wir kommen sicher mal wieder.

Im Prater blühn wieder die Bäume

Nach dem Frühstück am Samstag sind wir direkt vom Hotel aus durch unser „Neubau“ Grätzel in Richtung Spittelberg gelaufen. Diese Gegend wird in Reiseberichten gerne auch als der Montmartre von Wien bezeichnet. Natürlich waren wir hier auch schon beim letzten Besuch. Es war Ende März, der Frühling stand vor der Tür und dennoch war es noch so grauselig kalt. Die Wirte hatten in freudiger Erwartung schon Ihre Tische und Stühle zusammengeklappt in den Gassen positioniert, aber die Strassen waren noch menschenleer. Es wehte ein eisiger Wind. Und genau in einer dieser Gassen reifte dann der Wunsch, das alles nochmal im Sommer zu besichtigen, wenn das Leben erwacht ist und irgendwie alles etwas fröhlicher aussieht.

Wir waren begeistert, denn der Plan ging auf und es hat uns gut gefallen. Wir schlenderten durch die Gassen und beschlossen, am Abend zum Essen wieder herzukommen.

Wir liefen weiter in Richtung Volksgarten, wo wir eine kurze Rast in einem Cafe mit lässigem 50er Jahre Charme machten. Mal wieder gönnte sich der Kai einen gespritzten Veltliner und ich erfrischte mich mit einem Eiskaffee. Dazwischen habe ich ein paar Reihen gestrickt und so genossen wir den Tag. Das Wetter war herrlich, nicht zu heiß, etwa 25 – 28 Grad und Sonne und Wolken wechselten sich ab. Perfekt für einen Städtetrip.

Am Rathausplatz war gerade ein mehrwöchiges Film- und Foodfestival und direkt vor dem Rathaus war eine riesige Leinwand aufgebaut. Abends gibt es dort immer Aufführungen. Sommer in der Stadt. Einfach toll. Bei einem der Essensstände holte ich mir Gyozas (vom Thai) und dieses Mal nahmen wir beide einen erfrischenden Weißwein mit Mineralwasser. Das Mischungsverhältnis beträgt in der Regel 2/3 Wasser und 1/3 Wein. Das ergibt einen guten Trinkfluss ;-) Wir setzten uns ins Grüne und beobachteten die Menschen und das Treiben im Allgemeinen.

Nach der Stärkung sind wir mit der Bahn weiter zum Prater gefahren. Da wollte ich auch gerne noch mal hin, obwohl ich im Nachhinein sagen muß, dass wir uns das auch hätten sparen können. Das schöne Wiener Riesenrad mit den roten Gondeln ist sehenswert, der Rest des Parks ist nicht weiter erwähnenswert, moment, doch … vielleicht das Kettenkarussel, welches sich in schnwindelnde Höhe nach oben schraubt. Da wird mir schon vom Zuschauen ganz blümerant.

Am späten Nachmittag hat sich Kai nochmal einen Besuch in der Strandbar Herrmann gewünscht, da waren wir ja bereits am 1. Tag. Die Atmosphäre am Kanal in der sommerlichen Abendstimmung ist aber auch einfach toll. Liegestühle aufgeklappt und mit Aperol Spritz in der Hand freuten wir uns, dass wir es so schön haben.

Als dann die Mägen hörbar zu knurren anfingen, war es Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Wir hatten ja bereits den Spittelberg ins Auge gefasst, dachten aber falls uns auf dem Weg was schönes ins Auge sticht … tat es aber nicht und so fuhr uns die Bahn direkt zum Ausgangspunkt von heute morgen. Wir landeten bei Witwe Bolte. Das kleine Lokal lag etwas zurückgesetzt von der Spittelgasse und hatte einen tollen gemütlichen Vorplatz. Wir hatten Glück und bekamen sogar noch einen freien Tisch. Für den letzten Abend gönnten wir uns jeder ein 3-Gang-Menü, welches mit allerlei österreichischen Spezialitäten gespickt war. Frittatensuppe, Tafelspitz, Wiener Schnitzel und zum Nachtisch gab es Palatschinken oder Kaiserschmarrn. Und es war wirklich alles ausgesprochen lecker. Schöner konnte man nicht sitzen, mitten in Wien, der wunderschönen Stadt an der Donau.

Es lebe der Zentralfriedhof …

… und olle seine Toten

Der Eintritt is‘ für Lebende

Heit‘ ausnahmslos verboten …

(Wolfgang Ambros)

Freitag konnten wir endlich wieder ausschlafen, es lagen drei entspannte Tage vor uns. Nach dem leckeren Frühstücksbuffet im Hotel sind wir direkt mit der Bahn in Richtung Naschmarkt aufgebrochen. Hier waren wie vor 10 Jahren auch nochmal, aber die ganzen Restaurants waren fast alle geschlossen. Dieses Mal war das natürlich anders, und wir bedauerten die noch vom Frühstück vollen Mägen. So gab es nur eine Melange für mich und einen Veltlinerspritzer für Kai. Das Wetter war etwas kühler als am Vortag und die Sonne wollte sich auch noch nicht so recht zeigen.

Anschließend brachen wir auf in Richtung Simmering, um uns den bekannten Wiener Zentralfriedhof genauer anzuschauen. Wir stiegen am Tor 2 aus der Bahn und waren erstmal erstaunt, daß es dort einen Souvenirshop und ein Kaffeehaus gibt. Hätte mir fast ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift (siehe Beitragstitel) gekauft. Fand ich als Tochter einer Bestatterfamilie angemessen. Leider war der Schriftzug in „Comic Sans“ verfasst und das hielt mich dann davon ab ;-)

Wir kauften uns für zwei Euro einen Übersichtsplan, denn die Anlage ist riesengross. Man kann dort Elektrofahrräder leihen und eine markierte Joggingstrecke gibt es auch. Ich mag Friedhöfe sehr. Im Allgemeinen stimmt einen der Besuch dort meist sehr nachdenklich. Man streift an alten Grabmälern vorbei, die mal prunkvoll und dann auch wieder ganz einfach daherkommen. Man liest die Inschriften und errechnet die Lebenszeit, wenn das Geburtsdatum und das Sterbedatum dicht beieinander liegen. Irgendwann kommen wir bei den Musikern vorbei, Beethofen, Mozart, Strauss … wobei es bei einigen doch eher Ehrengrabmäler sind als letzte Ruhestätte.

Danach liefen wir rüber zu den österreichischen Volksschauspielern, die ich vor allem aus dem Fernsehen der 70er Jahre kenne, als die alten Schinken in ZDF und ARD so manchen Sonntag im familiären Wohnzimmer flimmerten. Theo Lingen, Hans Moser, Paul Hörbiger … ich fühle mich um Jahre zurückversetzt.

Ein paar Gräber daneben haben wir Udo Jürgens und sein Marmorklavier besucht. Etwas weiter hinten in der „Gruppe“ 40 liegt Falco begraben, der auch heute noch als österreichs größter Popstar aller Zeiten gilt. Seine Hits sind unvergessene Begleiter meiner Jugend.

Nach dem doch recht langen Spaziergang sind wir dann noch in das Café gegangen und haben und die Vormittagskombination (Melange/Weinspritzer) noch mal gegönnt, wobei es für mich noch ein leckeres Stück Erdbeertorte gab. Es war mittlerweile schon später Nachmittag.

Auf dem Heimweg sind wir nochmal bei der U-Bahn Haltestelle Stubentor ausgestiegen, um in einer Straße namens „Wollzeile“ eine kleine feine Papeterie zu besuchen, die ich bereits am Vorabend im geschlossenen Zustand entdeckt hatte. Ein paar sehr schöne Kleinigkeiten konnte ich für mein zweitliebstes Hobby, dem Journaling, ergattern.

Nach einer kurzen Ruhephase im Hotel sind wir später noch ums Eck gelaufen, denn wir waren ja im 7. Bezirk, dem „Neubau“, und ich hatte gelesen, daß dies ein wirklich schönes „Grätzel“ ist. Ein gemütliches Altbauviertel mit zahlreichen Kaffees, Restaurants und tollen Geschäften. Direkt ums Eck wurden wir bereits fündig und kehrten im „Mitzitant“ ein. Ein nette Nachbarschaftskneipe mit viel Lokalkolorit. Ich bestellte mir einen steirischen Backhendlsalat und Kai kann vom panierten Fleisch nicht genug bekommen, dieses Mal gab es Cordon Bleu. Der anschließende Kaiserschmarrn, der bei den Köchen wegen der schon späten Stunde nicht auf Begeisterung stieß, bekam in meiner offiziellen Schmarrnskala von 1-10 ganze 8 Punkte. Sehr sehr lecker war der.

Wien im Sommer

Vor fast genau zehn Jahren waren wir schon mal in der österreichischen Hauptstadt an der Donau. Damals war es allerdings Ende März und dermassen eisig und kalt, dass man nur dick eingemummelt die leeren Gassen der wunderschönen Stadt durchstreifen kon. Schon damals haben wir beschlossen, das alles mal im Sommer zu erkunden.

Gestern morgen klingelte der Wecker unbarmherzig um kurz vor 5. Müde sind wir zum Bahnhof gelaufen, denn bereits um 6.00 Uhr ging der Zug direkt vom Hauptbahnhof Frankfurt nach Wien. Die Fahrt dauerte zwar fast 7 Stunden, aber mit ein bisschen Netflix und Stricken kriegt man das auch rum. So werden wir in Zukunft sicher noch andere Städte erkunden, die man direkt (ohne Umsteigen) von Frankfurt aus mit der Bahn erreichen kann.

Um 1 Uhr mittags waren wir dann endlich da und es gab erst mal etwas Verwirrung mit der Wochenkarte fuer die Bahn, hat doch der Automat die Karte fuer die nächste Woche ausgespuckt. Aber wir konnten sie umtauschen. Eine Wochenkarte lohnt sich bereits bei 4 Tagen Nutzung.

Wir residieren im Flemings Hotel am Westbahnhof. Dort angekommen musste ich erst mal meine Schlafreserven auffüllen, währen Kai die vollverglaste Dusche mitten im Zimmer ausgiebig genutzt hat. Lustig ist das.

Danach aber endlich raus in die Stadt. Mit der U3 sind wir direkt ins Herz des 1. Bezirks gefahren und haben dort den Stephansdom bewundert. So ein Wahrzeichen am Anfang einer Städtetour bringt einen direkt in Stimmung fuer die Stadt. Und weil es so leer war sind wir direkt die 343 Stufen auf den Südturm gestiegen. Das war sehr schweisstreibend aber man wurde mit einem schönen Rundumblick belohnt.

Danach sind wir etwas raus aus dem Zentrum in Richtung Kanal gelaufen. Als der Aperol Spritz Preis endlich auf annehmbare 5.80 Euro gesunken ist, gab es dann auch den ersten Aperitiv des Tages.

Weiter ging es zum sogenannten Bermudadreieck, einem Kneipenviertel in der Altstadt, bis wir vorne am Kanal angekommen sind. Nach einem kurzen Spaziergang sind wir auf die Strandbar Hermanns gestoßen und fanden dort zwei wundervolle Plätze am Wasser mit Liegestühlen und lässiger Sundowner Stimmung. Das war ganz hervorragend.

Kai hat uns dann ein Restaurant fuer den Abend erschnueffelt. Direkt am Radetzkiplatz fand er ein Lokal mit heimischen Spezialitäten und einer wunderschönen Aussenterrasse. Fuer mich gab es ein Schwammerlgulasch mit Knödeln und fuer Kai die sog. Schweinsfledermaus mit Preiselbeeren und Krautsalat. Beides sehr lecker und so schlenderten wir mit gut gefüllten Mägen durch die belebten Gassen der Altstadt bis zur U-Bahn am Stephansdom. Wien im Sommer, so hatten wir uns das vorgestellt ❤️

Strandgeschichten

Gerade sitzen wir schon wieder am kleinen Flughafen Lamezia und warten auf den ersten Flug nach Rom. So bleibt mir noch etwas Zeit, die Erinnerungen der letzten drei Tage sauber im Blog wegzusortieren.

Mittwoch und Donnerstag gab es den ganzen Tag Sonnenschein und der Himmel war strahlend blau. So schoen nach den vergangenen Tagen mit Wind und Regen.

Morgens gab es immer ein kleines Frühstück mit leckerem Cappuccino direkt am Strand (bestes Feature des Hotels, die Bar am Meer), danach dann ausgiebiges Powerrelaxing auf den Liegen mit den blau-weissen Schirmchen.

Noch zu Beginn des Urlaubs musste ich Kai versprechen, dass ich im Meer baden werde, auch wenn dies zu Saisonbeginn in der Regel noch sehr kalt ist. Aber ich habs durchgezogen. Es war saukalt, aber kristallklar und … und wie Hannelore sagen würde „wennde ersdema drin bist, gehds“

Mittags gab es dann meist einen „kleinen“ Snack in Form einer fluffigen Pizza und bis in die fruehen Abendstunden blieben wir am Strand mit allem was (für mich) dazu gehört, Stricken, Lesen, Baden, Sapziergänge und ausgiebiges Dösen. Hervorragend war das.

Das Abendessen im Pauschalhotel Torre Marino gab es in einem kleinen Speisesaal in sehr typischem  italienischen Ambiente. Je greller die Beleuchtung, desto authentischer ;-)

Es gab immer ein „3-Gang-Menü“ bestehend aus Primo, Secondo und Dolce. Wenn es auch nichts besonderes war, es war in Ordnung und Nudeln koennte ich sowieso jeden Tag essen.

Nach dem Essen gab es vorne an der Bar immer einen Absacker, fuer Kai einen Grappa und fuer mich einen Espresso Lungo und manchmal noch einen leckeren Amaro. Der ist besonders erwähnenswert weil mit viel Ghiaccio ist das ein hervorragender Digestiv. Kann sein, dass auch ein Fläschchen davon ins Gepäck gewandert ist.

Freitag haben wir nochmal einen Ausflug an die absolute Zehennagelspitze Italiens gemacht. Es ging nach Scilla, ein wunderschöner Häuserhaufen dramatisch in den Hang gemörtelt. Es sollte auch einen Markt geben. Der bestand aber nur aus 5 Ständen, dies mag wohl der kleinste Mercatino des Landes gewesen sein.

Der Ort hat noch eine andere Besonderheit, er liegt direkt an der Meeresenge von Messina und die Entfernung nach Sizilien beträgt hier nur etwa 3 Kilometer. Vor kurzem hat man anscheinend mal wieder die Pläne, das Festland mit der Insel durch eine Brücke zu verbinden, neu aufleben lassen. Man darf gespannt sein.

Sizilien

Wir sind noch ein bisschen durch den Ort spaziert und im Anschluss ging es noch mal in einen Supermarkt um unsere viel zu leichten Koffer noch etwas schwerer zu machen. Wir kauften Amaro und etwas Pasta (gibt es in Deutschland ja nicht ;-) und sonstige schmackhafte Kleinigkeiten.

Der Himmel zog sich zu und es begann wieder zu regnen. Es ergab sich das bekannte Bild vom Anfang der Reise.

Zurück im Hotel dann ein Highlight des Tages. Es regnete immer noch und es war kalt und windig, dennoch wollten wir noch mal ins Meer. Wasser von oben und unten. Es war einfach toll.

So erfrischt sind wir zurück ins Zimmer, um die Koffer tetrisartig zu verpacken, dabei mussten wir uns ernsthaft fragen, ob wir wohl die Höchstgrenze an Gewicht erreicht hatten.

Im Speisesaal sass dann unsere Hannelore ganz alleine an ihrem Tisch, ihre Tischbachbarinnen sind alle abgereist. Da habe ich sie kurzentschlossen gefragt, ob sie sich zu uns setzen möchte. Ihre Augen haben gestrahlt. Wir haben den Rollator weggeschoben und das Geschirr umgeräumt und so war es nochmal ein geselliges und kurzweiliges Abendessen.

Als wir vorne an der Bar ankamen gab es dort wild tanzende Finnen, die den Wirt überredet haben, den finnischen Beitrag des ESC zu spielen. Ich wackelte ein bisschen mit. Wir trafen auch nochmal unsere Urlaubsbekanntschaft, ein nettes Paar aus dem benachbarten Franken. So plauderten wir noch beim Amaro bis fast Mitternacht.

Heute morgen wachte ich mit einem Lächeln im Gesicht auf (Rosamunde Pilcher Modus ;-) Aber ich habe mich einfach gefreut, das es alles mal wieder so schön war.

Edit: Sonntag morgen und wir sind wieder wohlbehalten zuhause angekommen. Mal schauen wo es als nächstes hingeht. Bisher ist noch nichts geplant.

Stromboli, Lipari und Vulcano

Direkt am ersten Tag in Italien, hatten wir letzten Freitag am Hafen von Tropea bei einem windigen Händler auf einem Motorino einen Tagesausflug zu den Liparischen Inseln gebucht.

Dienstag war es dann soweit. Der Wecker klingelte bereits um kurz nach sechs und wir mussten schweren Herzens auf das erste Frühstück vorne direkt am Meer verzichten.

Um kurz nach sieben kamen wir wieder am kleinen Hafen in Tropea and und zeigten den zerknitterten Reservierungszettel, bezahlten und warteten aufs Schiff. Wir sahen kaum andere Touristen und freuten uns ein bisschen. Aber dann kamen sie plötzlich von überall. Busladungen voller Menschen wurden ausgeladen und so kam es, dass das 400 Personen fassende Boot nahezu voll war.

Der Himmel war zum ersten Mal strahlend blau und wir fanden einen freien Platz auf dem Oberdeck. Als die Fahrt endlich losging spürte man den Fahrtwind und ich fröstelte etwas. Unten im Schiff gab es eine Bar und ich bekam endlich ein richtiges italienisches Frühstück, einen Cappuccino und ein Cornetto Vuoto.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die kleine Vulkaninsel Stromboli, deren Name wohl vor allem durch den gleichnamigen Film von Roberto Rosselini bekannt ist.

Direkt am Bootsanleger gab es einen weiss getünchtem sehr fotogenen Häuserhafen und direkt dahinter ragte der noch aktive Vulkan auf, welcher in regelmäßigen Abständen Rauchzeichen sendete. Vor allem aber durch den schwarzen Sand am Meer fühlten wir uns an unseren Urlaub auf Lanzarote erinnert. Ein schönes Fleckchen Erde.

Nach weiteren 90 Minuten Fahrt im Tyrrhenischen Meer legten wir im kleinen Fischerhafen von Lipari an.

Das war mal wieder alles sehr fotogen. Zwischendurch gab es eine Aperol Spritz und ausserordentlich leckere Arancini zum Lunch. Das sind gefüllte Reisbällchen, diese werden dann paniert und frittiert. Eine sizilianische Spezialität, denn die kleine Inselgruppe gehört zur Region Sizilien.

Weiter ging es mit dem Schiff in nur 10 Minuten zur kleinen Nachbarinsel Vulcano. Hier brodelt es und blubbert es aus allen Löchern. An manchen Stellen roch stank es sehr stark nach faulen Eiern. Ueberall steigen schwefelhaltige Gase auf. Das dort bekannte Bad im schwefelhaltigen Wasser mit natürlicher Fangopackung war leider nicht möglich und am Strand hatten wir auch keine grosse Lust zum Baden. Denn vorne am Meer lagen hunderte von toten Quallen und im Wasser gab es wahre Teppiche der durchsichtigen Geleefischchen. Sehr eklig.

Gegen halb fünf folgte dann die zweieinhalbstündige Rückfahrt nach Tropea.

Es war ein anstrengender aber auch wunderschöner Tag auf dem blauen Meer und den putzigen Inseln. Wir koennen es empfehlen, man sollte sich aber unbedingt etwas wärmere Sachen fuer die windige Überfahrt einpacken. Zumindest um diese Jahreszeit.

Pauschalreise und Wärmepumpen

Montag frueh direkt nach einer letzten Colazione molto abbondante mussten wir schon wieder packen, denn es ging auf grosse Reise ins 2km entfernte Nachbarhotel. Damit ist das Kapitel Greenstorm erst mal erledigt. Das war das letzte Hotel, welches Kai damals in einem Anfall von Fernweh beim allerersten Corona Lockdown für einen Appel und ein Ei im Internet ersteigert hat. Die Gutscheine waren 3 Jahre gültig und dieser war kurz vorm Verfalldatum. Wir waren quasi zu dieser Reise gezwungen ;-)

Aber gut dass es weitergeht. Denn mittlerweile sind es schon drei Parteien im Hotel, die man aus praktischen und logistischen Gründen alle direkt nebeneinander gepackt hatte. Es stellte sich heraus, die Wände sind papierduenn und die offenen Lüftungskanale tun ihr Übriges. Hellhörig ist gar kein Ausdruck 🤣 Links neben uns ein österreichisches Pärchen, sie mit einer schrillen Quäkstimme (aua), auf der anderen Seite Vati und Mutti aus Deutschland, er mit ausgeprägtem Raucherhusten. Nachts hat er so laut geschnarcht, dass ich schon dachte, er haette sich zwischen uns gelegt 😂

Das Hotel Tonicelli war aber trotzdem sehr schoen, toller tropischer Garten, nettes Personal und ausgiebiges Frühstück in einer schoenen Lage am Capo Vaticano.

Um halb elf traten wir dann die lange (etwa 6-minütige) Reise ins Nachbarhotel Torre Marina an. Das haben wir über den Reiseveranstalter gebucht, fuer den Kai arbeitet. Und wie es fuer ein Hotel aus dem Katalog zu erwarten ist, ist das gesamte Ambiente mal wieder sehr speziell vollkommen anders.

Das Hotel ist zwar in die Jahre gekommen, aber dennoch ist es irgendwie charmant. Den 70er Jahre Italienurlaubsvibe bekommt man an jeder Ecke zu spüren. Was soll ich sagen, man spricht deutsch 😂

Vorne am Strand gibt es eine kleine wundervolle Bar und ein paar Liegen mit Sonnenschirmchen. Das gefällt uns besonders gut.

Wir haben ein gemütliches Zimmer mit grosser. Doppeltür und direktem Zugang zum Garten und nur wenige Meter zum Meer.

Den restlichen Nachmittag waren wir am Strand und in der Bar. Dort trafen wir auf Hannelore P. (Name von der Redaktion geändert ;-)

Die ältere Dame klagte uns sofort ihr Leid, man hat ihr im Reisebüro dieses Hotel als Rollatorgerecht verkauft. Das ist es mitnichten. In dieser Hinsicht kann ich den Unmut voll verstehen. Sie hat ueber Kais Veranstalter gebucht. Jetzt habe ich Kai in der Hand. Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, sonst verpfeife ich ihn 🤣😂🤣.

Was aber wirklich lustig ist, die Dame kommt aus Frankfurt und verkauft dort Wolle. Wie lustig. So war der Nachmittag recht amüsant, denn sie plapperte in einer Tour vom Händlertum und den Lieferanten und bunten Garben. Ab und zu fluchte sie ueber diese Väboodsgrüne(n) und den „Gattezwäch“ (Scholz) und ging mir mit der Bildzeitungspolemik ein bisschen auf die Nerven (me wädd ja nochma saare derffe) und (die mit ire Wämmepump).

Wir vermeiden sinnlose Diskussionen und ich lenkte das Gespräch immer wieder auf unsere gemeinsame Wollleidenschaft. So konnte man wieder zuhören und es war plötzlich schon fast sieben Uhr abends.

Das allerschoenste am Tag war aber, dass endlich die Sonne kam und die wunderschöne Landschaft und all die Schattierungen von Azurblau bis Smaragdgrün des Meeres zum Leuchten brachte.

Die Höhlen von Zungri

Sonntag morgen, aufwachen bei bedecktem Himmel und dem gewohnten grau. Ach ja, gerne tät ich da oben mal nachfragen, ob denn nicht doch was zu machen sei. Meine App sagt Regen fuer den Rest der Woche, Kais App Orakel Sonnenschein ab Dienstag. Ich beschließe, meiner App keinen Glauben mehr zu schenken ;-)

Wir sind etwas weiter landeinwärts nach Zungri gefahren. Dort gibt es alte, in den Fels gehauene Höhlenwohnungen, ueber deren Bewohner auch heute noch spekuliert wird.

Es ging erst mal steil bergab und neben den Höhlen hatte man einen großartigen Blick ueber die huegelige Landschaft Kalabriens.


Wieder oben angekommen, gab es ein kleines Museum, in dem zahlreiche Bewohner des Ortes ein buntes allerlei an Allagsgegenständen zusammengetragen haben. Mit den Höhlen hatte das nichts zu tun, dennoch liebe ich diesen alten Trödel mit Geschichte.

Auf dem Rückweg gab es noch mal einen Abstecher ans Meer mit kleinem Strandspaziergang. Es gab sogar ein kleines bisschen Sonne, das lässt hoffen.