Sonntagsparty in Berkeley

Eigentlich hatten wir geplant, erst am Sonntag früh wieder nach San Francisco zu kommen, um noch eine Nacht länger im Camper zu haben. Aber das haben wir am Samstag spontan unentschieden. Denn Sonntag Nachmittag waren wir noch auf einer Party eingeladen und das wäre einfach zu stressig geworden.

So konnten wir wieder in unseren festen Betten schlafen und das hat ja auch was. Wie immer gab es den Kaffee und das ausführliche Morgengespräch und direkt danach sind wir, wie schon am letzten Sonntag auf den kleinen Bauernmarkt in der Nachbarschaft gegangen. Frau Z ist hier so vernetzt, dass wir immer wieder auf Bekannte treffen und das finde ich einfach so schön. So gross die Stadt auch ist, aber man spürt einfach die Nähe einer solchen „hood“.

Ich wurde bereits am Morgen von Frau Z daran erinnert, entweder gar keins oder nur ein etwas kleineres Frühstück zu nehmen, da wir ja am Mittag auf eine Party eingeladen waren und die Gastgeber dafür bekannt sind, immer gross und lecker aufzufahren.

Die Party fand im benachbarten Berkeley statt, auf der anderen Seite der Bucht, ueber die lange Bay Bridge erreichbar. Der Anlass war die Graduation (Abschluss High School) des Sohnes von zwei ehemaligen Mitbewohnern von Frau Z. Die kenne ich auch beide, da ich in der WG vor fast 30 Jahren auch das eine oder andere Mal zu Besuch war. Mann, Mann, das waren Zeiten. So lange her, aber doch so präsent in meinem Kopf. Die beiden sind mittlerweile verheiratet und haben zwei Kinder und gehören zu den warmherzigsten Menschen, die ich kenne. Sie haben mich mit solch offenen Armen empfangen, dass ich total gerührt war.

Wie Frau Z prophezeit hatte, gab es ein leckeres Buffet mit Mediterranen Köstlichkeiten. Dazu ausreichend Getränke und total viele nette Leute. Das ist wirklich immer das schöne an Partys in diesem Land. Ich kannte vorher kaum jemand, danach hat man mit jedem mal geplaudert. Ein total kurzweiliger Nachmittag.

Vom Essen durften wir uns noch etwas einpacken, bevor wir kräftig umarmt und fröhlich wieder über die Brücke in die Stadt fuhren.

Zuhause wurde dann erst mal die Bude aufgeräumt und wir sind früh in die Betten gefallen. Keine Ahnung wo auf einmal die ganze Energie herkommt. Ich fuehle mich so gut und freue mich so sehr, dass ich an allem teilnehmen kann, was mir hier geboten wird. Ich hoffe sehr, dass ich von dieser Energie etwas mit nach Hause nehmen kann.

Entlang der Route No. 1

Samstag früh wachten wir nach einer sehr ruhigen Nacht mitten im Nirgendwo auf einer Farm auf und haben sogleich das Morgenritual eingeläutet. Die seitliche Schiebetür vom Camper wurde weit aufgezogen und auf dem Herd blubberte ein gut riechender Kaffee in der Italienischen Mokkakanne.

Nebenan begann schon das Leben auf der Farm, man hatte uns bereits vorgewarnt. Denn am frühen Morgen begannen die Aufbauarbeiten für die Geburtstagsparty der beiden Kinder der Landbesitzer. Es wurde eine Hüpfburg aufgebaut, es gab echte Ponys und einen Wagen mit Shaved Eis, da wird von einem grossen Eisklotz das Eis in kleinen Stücken runtergeschabt und dazu gibt es bunten Sirup. Die Besitzerin begrüsste uns freundlich und wir wurden gleich auf ein solches Eis eingeladen. Es gab ein paar nette Plaudereien, wie immer wurden wir gefragt, wo wir herkommen und was uns hierher gebracht hat. Wir erzählen unsere Geschichte und ich antworte noch, dass ich aus Frankfurt komme. Die Leute sind hier wahnsinnig freundlich und aufgeschlossen.

Irgendwann haben wir dann den Camper wieder in Gang gesetzt und sind auf der Autobahn direkt ins weiter nördlich gelegene Santa Cruz gefahren. Eine nette Kleinstadt am Meer. Hier war ich auch schon ein paar mal.

Über solche Bilder freue ich mich immer ganz besonders. Eine offene Kirche, die sich durch die aktuelle Regierung die Vielfalt nicht verbieten lässt. Kalifornien ist voll davon.

In Amerika kann man jederzeit einen Yard oder Garage sale machen. Das bedeutet, ohne Anmeldung kann man seinen Krempel im Vorgarten, auf dem Gehweg oder in der Garage aufbauen und so einen privaten Flohmarkt machen. Das ist echt klasse und eine solche Tradition, dass es einfach jeder macht und auch gebraucht kaufen kein grosses Ding ist. Ich liebe das sehr. Wir fanden dann eine Strasse in Santa Cruz wo praktisch die gesamte Nachbarschaft einen Flohmarkt veranstaltet hat. Das war so nett. Es gab zwei Klapphocker fuer den Camper fuer zusammen 3 Dollar.

1989 gab es in Kalifornien das letzte grosse Erdbeben. Das Epizentrum war nahe der Kleinstadt Santa Cruz, die danach fast vollständig wieder aufgebaut wurde. Umso schöner war es, diese Häuser zu entdecken, dem das Beben scheinbar nichts anhaben konnte.

Weil wir noch Zeit hatten, sind wir den Rest der Strecke zurueck nach San Francisco entlang der berühmten Route Number 1 gefahren. Der Himmel hat sich zwar wieder zugezogen, aber es war trotzdem toll, die ganze Zeit am Pazifik entlang zu fahren, dabei Musik von vergangenen Roadtrips dieser Art (Faithless etc.) zu hören und über das Leben zu philosophieren.

An einem kleinen Strand haben wir noch mal die Fuesse ins Wasser gehalten. Ich wäre auch sehr gerne baden gegangen, aber jeder hat mich gewarnt vor den starken Strömungen. Da habe ich lieber nichts riskiert.

Zum Abschluss des wunderschönen Tages sind wir nochmal ueber die Brücke gefahren und haben uns bei Mr. W zum Abendessen eingeladen. Seine kleine Tochter war gerade da, und ich habe mich gefreut, sie auch kennenzulernen.

Am Ende des Abends hat uns Mr. W in die Stadt gefahren, da der Campervan bei ihm besser parken kann. So hieß es für mich, von diesem treuen Gefährt Abschied zu nehmen. Und weil ich so ein emotionales Ding bin, hab ich gleich mal ein paar Tränen vergossen. Schön wars. Nachricht an Kai, es macht einen riesengrossen Spass und ich hoffe, dass wir so ein Ding auch eines Tages besitzen ❤️

Abschied in SLO

Neuer Morgen, neuer Campground. Der Freitag war dann endlich so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Direkt nach dem Aufwachen habe ich nämlich den Induktionsherd angestellt und einen echten Kaffee gekocht. Den bekam dann Frau Z sogleich ins Camperbettchen gereicht. War das schön.

Bei diesem Campingplatz haben wir allerdings nicht ganz korrekt gehandelt. Eigentlich war er voll reserviert. Aber wie das hier immer so ist, standen mindestens 25% aller Plätze leer. Das ist echt so ein Jammer. Durch das doofe Reservierungssystem sind die meisten Campingplätze von State und Nationalparks bis zu zwei Jahre im voraus ausgebucht. Die meisten dieser Plätze sind nicht nur schön, sondern auch relativ preiswert. Das führt dazu, dass die Leute die Plätze auf Verdacht ewig im voraus buchten, und dann, wenn es soweit ist,  die Plätze einfach leerstehen.

Und frei nach dem Motto, es ist immer einfacher um Verzeihung zu bitten, als  nach Erlaubnis zu fragen, haben wir uns einfach spaet abends um halb 12 auf einen freien Platz gestellt.

Beim Ausfahren hat uns dann der Herr am Eingang eine kleine Belehrung mit auf den Weg gegeben, uns 35 Dollar fuer die Nacht abgeknöpft und das wars.

Anschliessend ging es direkt noch mal zu einem Craft Superstore. Ich musste da einfach auch noch mal schauen. Wie immer konnte ich mich kaum beherrschen und ein paar Kleinigkeiten fanden den Weg in den Einkaufskorb. Was soll ich machen. Ich hin da echt willenlos 😉

Die nächsten Bilder sind von einem kleinen Spaziergang durch Downtown San Luis Obispo. Eine wirklich sehr nette kleine Studentenstadt.

Zum Lunch hat uns der kleine P noch mal in ein total leckeres Restaurant gebracht. Das Konzept dort war, dass man sich ein Gericht aus mehreren leckeren Variationen zusammenstellen kann. Eine Art amerikanische Tapas und alles wirklich sehr sehr wohlschmeckend.

Dazu gab es dann auf dem Klo eine sehr fancy Flamingo Tapete. Zusammen mit dem grossen runden Spiegel ein perfekter Selfiespot.

Danach hieß es Abschied nehmen vom kleinen P. Aber sein Semester ist bald zuende und ueber den Sommer wird er eine zeitlang in dam Francisco sein. So fiel den beiden der Abschied nicht ganz so schwer.

Über eine Seite namens „Hipcamp“ hatte Frau Z einen total netten Stellplatz fuer die Nacht ausgemacht. Der war ca. 1 Stunde außerhalb von SLO Un Richtung Norden. Es war kein richtiger Campingplatz, sondern ein Bauer hat sein Feld mit Bänken, Feuerstellen und Dixiklos ausgestattet und vermietet es nun als Campingplatz mit 6 Stellplätzen.

Das ganze war sehr abgelegen und mitten im Nirgendwo. Es war einfach wunderschön. Wir wurden freundlich von Besitzer empfangen und bekamen ein paar Einzelheiten erklärt, bevor dieser davon fuhr und wir ganz alleine waren.

Leider war der Mond schon fast voll, daher gab es nicht ganz so viele Sterne am Nachthimmel. Was man aber sehr gut sehen konnte, war die Kette von Satelliten, dem sogenannten Starlink, welche der irre Exfreund des amerikanischen Präsidenten ins All geschossen hat.

Blauer Mais am Strand

Meine allerersten Nacht in einem ausgebauten Campervan war ganz wunderbar. Frau Z und ihr Freund haben sich den vor etwa 4 Jahren zugelegt und er ist praktisch und schön zugleich ausgebaut. Die Matratze ist total bequem, draussen war es ruhig. Ab und an musste ich den Wagen fuer einen nächtlichen Toilettengang verlassen, aber am naechsten Morgen wachten wir gut genächtigt auf.

Ein wesentliches Detail fuer einen perfekten Camping Morgen fehlte allerdings. Wir hatten am Vortag keine Zeit mehr, um Kaffee und Milch zu kaufen. Wir packten also zügig zusammen und fuhren in den Ort fuer die erste schnelle Ladung Koffein.

Der kleine P hat uns einen tollen Tipp gegeben, in einem kleinen Ort am Strand namens Cayugos gibt es ein Frühstückslokal names „Hidden Kitchen“… Dort gibt es Waffles aus blauem Maismehl. Blue Corn ist eine vorwiegend in Mexiko vorkommende Maissorte und laut meiner Recherche voller guter Inhaltsstoffe, die den Körper vor vielen Krankheiten schützt. Sagt zumindest die Blaumaislobby ;-)

Wir waren dort frühstucken und es war einfach saulecker. Gut gefüllt haben wir noch den einen oder anderen Thriftstore (second hand) abgeklappert und ich war ein bisschen am Meer spazieren und habe meine Füße in den kalten blauen Pazifik gehalten. Das war mal wieder so ein Glücksmoment den ich mit aller Intensität genossen habe.

Vor dem Fruehstueck waren wir noch bei Trader Joe’s und haben uns dort mit dem nötigsten eingedeckt. So haben wir uns später am Nachmittag einen Parkplatz direkt am Strand ausgesucht, und dort den Camper abgestellt. Die seitliche Schiebetür wurde weit aufgerissen und wir vertrödelten den Nachmittag mit Meerblick, einem leckeren selbstgemachten Kaffee und weiteren guten Gesprächen mit Lachen und weinen gleichzeitig. So haben wir es am liebsten.

Der Abend brach langsam an und es ging wieder zurück in die Stadt zum Abendessen mit dem kleinen P. Er führte uns in ein Restaurant auf einem Hotekdach mit Blick über die Stadt. Es gab ein paar Drinks und leckere fluffige Pizza.

Zu später Stunde fuhren wir wieder zurück zum Meer und suchten uns  dort ein Plätzchen für die Nacht. Dieses Mal hatten wir mehr Glück und fanden einen schoenen gepflegten typisch amerikanischen Campground in einem kleinen State Park in Pismo Beach. Der anstrengende Vortag steckte uns noch in den Knochen und so ging es ohne Umschweife ins bequeme Camperbett mit dem beruhigenden Hintergrundgeräusch von zirpenden Grillen.

Slow travelling nach San Luis Obispo

Mittwoch war Reisetag. Ein Urlaub im Urlaub sozusagen. Von Deutschland aus hatten wir schon geplant, dass sich Frau Z ein paar Tage freinimmt und wir noch mal ein bisschen durch die Gegend fahren koennen.

Folgendes war geplant. Der Sohn von ihr, der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine P studiert an der Cal Poly (California Polytechnic State University) in San Luis Obispo. Das liegt etwa 230 Meilen (375km) südlich von San Francisco an der Westkuste. Dort stand auch der Campervan von Frau Z, den sich der kleine P fuer ein paar Tage fuer ein Musikfestival ausgeliehen hatte.

Da wir ja immer ein bisschen Abenteuer brauchen, haben wir uns fuer die Strecke nach SLO nicht nur einfach ein Auto ausgeliehen. Wir sind mit der berühmten Amtrak gefahren.

Nun muss man wissen, dass das amerikanische Schienensystem lange nicht an das sehr gut ausgebaute Netz in Europa heranreicht. So war die Strecke auch in 3 Abschnitte geteilt.

Von San Francisco Downtown ging es zunächst mit einem sehr bequemen Bus auf die andere Seite der Bay nach Emeryville. Dort sind wir nach kurzem Warten in den Zug umgestiegen. Der hat so lange gebraucht, dass wir erst insgesamt 4 Stunden später in San José ankamen. Hätte man von SF in nur einer dreiviertel Stunde erreicht. Aber es war total nett, wir hatten einen sehr bequemen Platz und habens uns nett gemacht.

In San José angekommen, hatten wir es plötzlich ganz eilig, weil unser Anschlussbus eigentlich schon um 15.15 Uhr losfahren sollte, der Zug aber erst um 15.20 Uhr da war. Aber gemach gemach, der Bus hat natürlich gewartet und so ging der letzte Abschnitt der Reise im zähfliessenden Verkehr weiter.

Gegen acht kamen wir dann endlich auf dem University Campus in San Luis Obispo an und wurden vom kleinen P in seinem neu erstandenen Pick Up Truck abgeholt. War das schön, ihn wiederzusehen.

Da der Bub seine gesellschaftlichen Verpflichtungen hatte, sind wir direkt mit ihm zu seinem Soft Ball Spiel gefahren und haben dort ein bisschen zugeschaut. Soft Ball ist ähnlich wie Baseball und man muss wahrscheinlich in den USA  aufgewachsen sein, um die Regeln zu verstehen. Ich kapiers jedenfalls nicht.

Später sind wir noch zu viert Essen gewesen und ich habe das erste Mal in meinem Leben die berühmten Mac’nCheese probiert. Sehr fancy als Kugeln geformt und frittiert, damit es noch gesünder ist, dazu ein leckeres Craft Bier vom Fass und ich war pappsatt.

Es war schon fast Mitternacht, als wir uns von San Luis Obispo auf zum Meer machten, um einen Schlafplatz fuer die Nacht zu suchen. Eigentlich hatten wir einen Platz direkt am Meer gefunden, der war aber im Sand und wir hatten kein Allrad. Da es schon spaet war, haben wir uns mit einem etwas schäbigen RV Park begnügt, den Camper abgestellt und alles fuer die Nacht vorbereitet.

Der Tag war echt super anstrengend und hat all meine Energiereserven gefordert. Aber es war auch alles total schoen und aufregend und emotional. Glücklich und zufrieden schlief ich direkt ein und freute mich schon auf den naechsten Tag… ⭐🌙

Reisealltag und Eierpreise

Die letzten beiden Tage hat sich schon fast so etwas wie eine kleine San Francisco Routine eingestellt. Morgens gab es erstmal einen Kaffee am Bett mit ganz viel Quatschen (in Spanien mit Frau H. und Frau G. haben wir das immer das Morning Briefing genannt).

Danach hat Frau Z  noch etwa eine Stunde gearbeitet, bevor wir uns umgezogen haben und zum Zumba gefahren sind. Montags wurde oben im Presidio Park getanzt und Dienstags wieder unten am Meer.

Zurück zuhause habe ich mich noch mal hingelegt. Nach ein paar Tagen Action verlangt mein Koerper etwas mehr Ruhe. Da muss ich immer wieder auf mich aufpassen. Ehrlichgesagt kriege ich dann auch  immer mal wieder die Krise, weil es mich so nervt wenn ich wie ein kleiner Hundewelpe ueberall schnuppern will, mich aber durch meinen Koerper wie ein Hund an der Leine zurückgezogen werde und Herrchen laut „Sitz“ und „Platz“ ruft. Aber so isses eben und rumjammern bringt sowie nix.

Montag Nachmittag war ich in Downtown und habe einem der zwei letzten noch in San Francisco verbleibenden Gap Stores einen Besuch abgestattet. Kaum zu glauben, die Läden waren mal überall und oft riesengross. Ich habe dennoch eine total tolle Jeans gefunden, die so unfassbar gut sitzt, dass ich überlege, noch eine zweite in einer anderen Farbe zu kaufen. Mal sehen. Der Koffer wird voll.

Dienstag war es mal wieder neblig im Inner Sunset, ich bin dann mit dem N-train bis zum Duboce Park gefahren und von dort aus zur Valencia Street gelaufen. Dort war strahlender Sonnenschein. Echt immer wieder lustig, die unterschiedlichen klimazonen auf relativ kleinem Raum zu erleben.

Während ich dann so die Valencia entlang geschlendert bin, gab es immer mal wieder das eine oder andere Geschäft zu erkunden.

Ich kam an einer Eisdiele namens „Smitten“ vorbei, draussen wurde mit einer Sorte names „cookie dough with pretzel sticks and chocolate chips“ (keksteig mit salzstangen und schokoladenstreuseln) geworben. Das hat direkt meinen eingebauten Speiseeisreflex ausgelöst und ich gönnte mir eine Kugel.

  1. Superlativ – das war mit Sicherheit das leckerster Eis, was ich jemals gegessen habe. Wirklich. Naja, oder vielleicht eins der besten.
  2. Superlativ – mit fast 12 Dollar fuer die eine Kugel war es auch mit grossem Abstand das teuerste Eis meines Lebens.

Apropos, wir muessen mal ueber die Preise reden. Warum die Lage in den USA momentan so ist wie sie ist, faellt einem leichter zu verstehen, wenn man sich mal das Preisgefüge im Supermarkt anschaut. Die Schweiz ist ein Discountladen dagegen, und die Menschen sind auf einen Menschen hereingefallen, der gesagt hat, genau das innerhalb eines Tages zu verändern.

Fuer einen grossen Becher Joghurt darf man fast 7 Dollar zahlen, ein halbes Pfund Butter bekommt man fuer 4-5 Dollar. Die berühmten Eierpreise sind allerdings leicht gesunken, 12 Bio Eier bekommt man schon ab 7-8 Dollar 😉. Essen gehen ist auch soo teuer geworden, dass man es eigentlich eher vermeidet. Wirklich schade ist das.

Ups, jetzt bin ich kurz abgeschweift.  Aber die Tage sind eigentlich auch beide auserzaehlt. Wobei eine Sache wollte ich noch erzählen, nämlich von einem lustigen Abend, an dem wir gemeinsam Frau Zs Kleiderschrank ein bisschen ausgemistet haben. Wir hatten eine Menge spass dabei und waren trotz heftigem Gelächter auch sehr effektiv.

Momentan sitze ich gerade mit Frau Z in einem ruckeligen Bus auf dem Weg nach San Luis Obispo. Die Fahrt zieht sich. Doch davon erzähle ich dann  nächsten Beitrag.

Happy Wochenende

Heute ist schon Montag und ich blicke zurueck auf ein wundervolles Wochenende mit schönstem Wetter. Da habe ich scheinbar wirklich unheimliches Glück. Bis auf gestern strahlt die Sonne von morgens bis abends ununterbrochen vom Himmel. Gestern war es dann ein eher nebliger Tag in der Stadt, aber durch das Mikroklima in dieser Gegend mussten wir nur etwas raus fahren und hatten wieder tollstes Wetter.

Samstag morgen war ich endlich  fit genug, um den morgendlichen Kaffee zu bereiten und ihn Frau Z. ans Bett zu bringen. Wir haben ewig gequatscht. Es war toll, dass Wochenende war und sie nicht arbeiten musste. So hatten wir ganz viel Zeit.

Durch mein neues Lieblingshobby, dem modernen „pocket page scrapbooking“ hatte ich einen Laden, names SCRAP gefunden, in dem nur gebrauchte Sachen fuer Basteleien und Handarbeiten aller Art verkauft werden. Da wollte ich so gerne hin und so führte uns unser erster Weg in den Süden der Stadt. Habe einige coole Sachen gefunden.

Etwas weiter oberhalb befindet sich der Crane Cove Park und da wollte Frau Z. gerne hin, weil dort einiges neu entstanden ist. Ich liebe ja solche Viertel, ein ehemaliges Industriegebiet, dem behutsam und mit viel Gefuehl fuer Gestaltung neues Leben eingehaucht wurde. Die alten Industriegebäude wurden gefüllt mit Büros, hippen Läden, Cafes und Restaurants. Das ganze liegt direkt am Wasser und so haben wir unseren Spaziergang bei einem Aperol Spritz mit Blick auf die San Francisco Bay beendet. Ein traumhaft schöner Tag war das.

Sonntag früh waren wir erst mal auf dem kleinen Bauernmarkt um die Ecke und haben frisches Obst und Gemüse gekauft. Da es kalt und neblig in der Stadt war sind wir wieder ueber die berühmte rote Brücke gefahren und ich durfte  in einen dieser riesengrossen Craft Stores gehen. Ich war schon etwas überwältigt, denn die Dimensionen in solchen Läden sind einfach noch mal anders als bei uns in Deutschland. Eine aufgeregte Dreiviertelstunde später hatte ich mein Körbchen ordentlich gefüllt und war happy ueber all die Dinge, die ich mir gekauft habe. (Nachricht an meinen Mann, ich habe alles unter Kontrolle 😉)

Der Tag war einfach wunderschön und sonnig und so zeigte mir Frau Z. noch den kleinen Campus, an dem sie gerade nochmal studiert. Da bin ich ja so stolz drauf. Ich finde es bewundernswert in unserem Alter noch mal eine Ausbildung anzufangen. Das ist einfach total inspirierend.

Wie überhaupt alles hier total inspirierend ist. Die Leute sollen wegen mir von Amerika denken was sie wollen und natürlich ist die politische Lage momentan mehr als beängstigend. Aber Kalifornien und speziell eine Stadt wie San Francisco ist einfach anders. Man muss es selbst gesehen haben, und den allgemeinen Zeitgeist spüren. Ich rate auch dazu, die Stadt jenseits von Fishermans Wharf und Cable Cars zu erkunden. Irgendwie erscheint mir hier vieles unkomplizierter und die Menschen sind sehr freundlich und kommunikativ.

Am späten Sonntag Nachmittag haben wir nochmal Mr. W besucht und während die beiden eine kleine Wanderung gemacht haben, habe ich meine Energiereserven aufgefüllt und meine neuen Bastelsachen ausprobiert. Zwischendurch gab es noch ein kleines Bad im Kältepool und ein leichtes Dösen auf der gemütlichen Eckbank im letzten Sonnenlicht des Tages.

Zurueck zu Hause bekam ich dann noch das allerleckerste Essen gekocht und dann waren wir beide irgendwann so fertig, dass wir uns einfach nur in unsere Betten zurueck zogen. Ich habe noch den letzten Blogbeitrag verfasst und bin wie immer, seitdem ich hier bin, innerhalb von drei Sekunden eingeschlafen.

Spaziergänge und Eisbaden in San Francisco

Nachdem ich am Freitag morgen erst mal ein längeres Schläfchen gemacht habe, habe ich mir ein Tagesticket für Bus und Bahn gekauft.

Zunächst ging es runter nach Downtown mit dem N-train zur Market/Powell Street. Wollte mir von der Situation vor Ort selbst ein Bild machen. Irgendwie ist San Francisco in letzter Zeit ein bisschen in Verruf geraten.  Auch hier hat Covid seine Spuren hinterlassen und speziell die gegend rund um die Market Street soll sich sehr verändert haben. Zahlreiche Obdachlose und hoher Leerstand ist die Erzählung.

Das mit dem Leerstand stimmt auf jeden Fall. Beim letzten Mal als ich dort war gab es zahlreiche Geschäfte, vor allem mit grossen Ketten wie Gap oder Old Navy. Zahlreiche grosse Flagship Stores reihten sich aneinander entlang der grossen Hauptstraße. Es gab auch eine grosse Mall und mein favorisiertes Schuhgeschäft auf der Powell Street. Aber davon war kaum etwas übrig, zahlreiche leerstehenden Immobilien suchten per Schild nach neuen Mietern.. Das ist schon irgendwie bedrückend.

Dennoch, die Gehwege waren picobello sauber. Da hat wohl jemand aufgeräumt. Obdachlose habe ich kaum gesehen. Angeblich soll sich da auch was ändern in Zukunft. Es scheint einiges in Planung zu sein, um diese Gegend zu revitalisieren.

Mit dem Bus bin ich weiter zur Ecke Fillmore/Geary Street gefahren. Von dort aus bin ich anschliessend die gesamte restliche Fillmore entlang bis zum Meer gelaufen. Das war echt schoen. Man läuft zwar nur auf einer Strasse, erlebt aber immer wieder andere Stadtteile, Eindrücke und Lebensarten.  Angefangen hat es in Japantown, mit zahlreichen japanischen Läden und Restaurants. Es ging weiter entlang kleiner Boutiquen und hübschen Cafes in Pacific Heights, bis runter zum Meer durch den feinen Marina District. Zwischendurch bin ich eingekehrt und habe meinen leeren Magen mit einem sehr leckeren  Burger gefüllt.

Es ging bergauf und irgendwann war die Kuppe erreicht und ein fantastischer Blick auf die Straße herunter bis ans Meer tat sich auf. Nebenan war die Golden Gate Bridge zu sehen und ich war total verzückt. So schoen war das.

Unten am Meer bin ich noch bis zum Fort Myers gelaufen, weil dort noch ein grosser Arts and Craft Store sein sollte. Auf dem Parkplatz davor war dann auf einmal ein kleiner Markt mit lauter Ständen, wo man diverses Kunsthandwerk kaufen konnte. Ein leichtes shopping musste da natürlich sein.

Später am Abend sind wir raus aus der Stadt über die wunderschöne Golden Gate Bridge gefahren und haben Frau Z.s Freund besucht. Dort wartete bereits ein leckeres Abendessen auf uns.

Ganz besonders fasziniert aber war ich von dem traumhaften Haus von Mr. W. Wow, so toll gelegen, mitten in der Natur, mit einer grossen Terrasse mit Blick auf die Baumwipfel.

Ein besonders Highlight des Tages war die grosse Badewanne auf der Terrasse, mit einer aktiv heruntergekuehlten Wassertemperatur von 6 Grad. Ein Cold Plunge. Yippie yay, da habe ich ja was fuer übrig.  Ich war natürlich vorbereitet und zog gleich meinen Badeanzug an. Kalt wars, und ich muss zugeben, dass so eine Eiswanne noch mal eine Spur krasser ist, als ein See mit der gleichen Temperatur. Warum kann ich nicht sagen, aber nach etwa 5 Minuten hatte ich genug. Das gefuehl am ganzen Körper danach ist gigantisch und ich haette sowas natürlich auch gerne zuhause. Ob ich Kai dazu überreden kann? 😂😂😂

Stadt am Meer

Heute ist Samstag, bereits Tag 3 meiner kleinen Reise nach Kalifornien. Hier ist gerade noch etwas Ruhe, Frau Z. duscht und ich habe einen kurzen Moment, um wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Die vielen tollen Eindrücke der letzten beiden Tage muessen wieder sauber abgelegt werden.

Mein erster Morgen in San Francisco begann mit einer kleinen Trainigseinheit unten am Meer. Dort wird regelmäßig Zumba gemacht und ich habe einfach mitgetanzt. Durch meinen gesundheitlichen Zustand habe ich in letzter Zeit so wenig Sport gemacht und ich hatte Respekt. Aber der blaue Ozean, die ungezwungene Atmosphäre und die Musik haben mir ein bisschen mehr Energie gegeben.

Wie ich da so vor mich hintanzte und dabei auf das Meer geschaut habe, dachte ich so bei mir, dass das ein absoluter „kneif mich mal“ moment war. Einfach so schoen.

Zuhause habe ich mich noch mal kurz hingelegt, denn auch hier ist die Müdigkeit ein Alltagsbegleiter. Aber wir kennen uns ja schon eine Weile und respektieren uns. Das bedeutet, kleine Ruhepause sind absolut notwendig.

Anschliessend war ich kurz im Büro nebenan und habe dort auch Frau Zs Freund getroffen, wir haben kurz zusammen ein Käffchen getrunken und dann habe ich die beiden arbeiten lassen.

Nachmittags habe ich einen Spaziergang durch die wunderschöne Neighborhood gemacht und mich ueber das schoene Wetter gefreut. So macht das alles richtig viel spass und die bunten Farben der Häuser leuchten kräftig in der Sonne. Ich bin vor zur Haight Street gelaufen, habe das eine oder andere kleine Geschäft besucht und mich anschliessend in einen netten kleinen Coffeeshop gesetzt.

Abend sind wir zum Sonnenuntergang vor ans Meer gefahren und haben dort einen langen Spaziergang gemacht. Die Stimmung war ganz wundervoll. Ueberall waren kleine Lagerfeuer und die Leute trafen sich zum Feiern am Strand. Toll wenn man in einer Stadt lebt, die direkten Zugang zum Meer hat. Als waere San Francisco nicht schon schön genug, aber die Lage am Pazifik macht es absolut perfekt.

Ich war zwar wieder etwas muede, dennoch sind wir auf einen kurzen Schkummertrunk in eine Bar in der Nachbarschaft gegangen und haben den Tag bei einem leckeren Bier und noch viel mehr Gesprächen ausklingen lassen.

Einreiseformalitäten

Habe gerade einen kleinen suessen Coffeeshop gefunden und mir erst mal einen Cappuccino gegoennt. Jetzt sitze ich draussen auf einer Bank mit Blick auf den Buena Vista Park und kriege das Dauergrinsen gar nicht so richtig aus meinem Gesicht. Ich bin einfach verdammt happy, nach so langer Zeit mal wieder hier zu sein.

Wie war die Einreise? Das ist sicher  eine Frage die mir zuhause noch einige Male gestellt werden wird. Selten habe ich vor einer Reise so viel ungläubiges Kopfschütteln bekommen, wenn ich erzählt habe, wo ich hin will. Zahlreiche Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen sollte ich ergreifen und am besten nur ein Wegwerfhandy mitnehmen. Ach ja, irgendwann war ich dann selbst total verunsichert, bis ich spontan entschieden habe, mich nicht länger verrückt machen zu lassen.

Was soll ich sagen, die Einreise war kurz und schmerzlos. Der Beamte war wie immer bestimmt und dennoch freundlich. Und der Zoll war sowieso geschlossen. Also alles gut und ich durfte einreisen.

Draussen hat mich auch direkt meine Freundin abgeholt und wir haben uns erstmal heftig umarmt. Von da ab standen unsere Münder nicht mehr still. Irgendwie hatten wir beide das Gefuehl, sofort ganz viele Dinge erzählen zu muessen. Lustig war, daß sie fest im Glaube war, ich käme erst am 29. an. Erst als ich vom Abfluggate in Frankfurt eine kurze Nachricht geschickt habe, hat sie leicht panisch realisiert, dass ich einen Tag frueher ankomme als gedacht 😂.

Gleich sind wir in Ihre wunderschöne neue Wohnung gefahren. Diese liegt im Inner Sunset in unmittelbarer Nähe zum Golden Gate Park und die Aussicht ist einfach fantastisch.

Ab jetzt hieß es wachbleiben und der suessen Versuchung nicht nachzugeben, ein kleines Nickerchen zu machen. Denn auch wenn ich bereits seit 16 Stunden auf den Beinen war, war es in San Francisco erst Nachmittag. So sind wir mit einem Kaffee in den Park gegangen, haben uns auf die Tribünen eines Baseballfelds gesetzt und einfach ohne Unterbrechung weiter geplappert.

Dann hat sie mir eröffnet, dass sie am Abend noch auf eine Farewell Party einer Freundin eingeladen ist. So um 7, und ich soll doch mitkommen. Ähem, jou, was?

Ich sach noch so, nee, das schaffe ich sicher nicht mehr. Aber plötzlich war es 7 und ich war immer noch voller Willkommensadrenalin und so fanden wir uns fröhlich weiterquatschend auf einer kleinen Party und waren am Ende sogar die letzten Gäste. Wer hätte das gedacht.

Die Wohnung, in der ihre Freundin wohnt, ist auch noch unbedingt erwähnenswert, denn dort gab es einen bezaubernden Blick auf den grossen Pazifischen Ozean.

Zuhause haben wir noch mein Gemach fuer die Nacht bereitet und dann bin ich direkt in die stabile Seitenlage gefallen und auf der Stelle eingeschlafen.

Um 4 war ich erst mal wach und habe meinen ersten Blogbeitrag erstellt. Dank einer kleinen Melatonin Tablette konnte ich noch bis 8 Uhr weiterschlafen.

Wie gesagt, ich sitze gerade tippend auf  einer Bank draussen. Es ist vier Uhr nachmittags. Meine innere Uhr will aber eigentlich den Nachschlaf. Auweia, Jet Lag, it’s real. Hoffentlich ist das bald rum.