Hej Hej* Dänemark

Am Dienstag brach leider unser allerletzter voller Tag an, in unserem kleinen hyggeligen Ferienhäuschen irgendwo im nirgendwo.

Wir hatten die ganze Zeit ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Tagsüber war es meist warm und spätsommerlich. Man merkte dennoch wie der Herbst so langsam aber sicher seine Zeichen in der Natur setzte.

Wie an jedem Morgen war es kalt und es hing noch der Nebel aus der Nacht  in der Luft. Der Morgentau war besonders da sichtbar, wo die Spinnennetze in den ersten Sonnenstrahlen des Tages glitzerten. Kai hat uns, wie so oft, ein Feuer im Kaminofen angezündet und während die Flammen knisterten, genossen wir unseren Kaffee auf den gemütlichen Ohrensesseln und erfreuten und nochmals an dem beruhigenden Blick in die Landschaft. Es ist wirklich Balsam fuer die Seele.

Während Kai am späten Vormittag einen ausgiebigen Spaziergang am Meer machte, besuchte ich ganz kurzfristig ein letztes Mal die Schaltzentrale von Holst Garn, damit ich mir noch ein paar Farbkarten kaufen konnte.

Nachmittags begannen wir so langsam mit dem Aufräumen und packen. Kai entdeckte dabei den Fensterwischer und rief ganz aufgeregt durch die Wohnung „das macht Spaß, so habe ich noch nie Fenster geputzt“. Ich sagte, Schatz, so etwas habe wir auch zuhause, da kannst du gerne weitermachen 😂. Es hat ihm jedenfalls so viel Spaß gemacht, dass in kürzester Zeit alle Fenster sauber waren.

Zum Sonnenuntergang sind wir am Abend ein letztes Mal ans Meer gelaufen. Es war einfach nochmal wunderschön und die friedliche Stimmung in den Duenen an diesem Abend wird uns hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Ehrlichgesagt war ich schon ein bisschen (sehr viel) traurig, dass wir dieses Paradies schon wieder verlassen muessen. Keine Ahnung wann es diesen „shift“ in der Urlaubswahrnehmung gegeben hat. Aber die Ruhe hat uns beiden sehr gut getan.

Unser Plan ist es, uns in den nächsten Jahren aktiv um ein Wohnmobil zu kümmern und dabei Europa ausgiebig zu bereisen. Mal sehen ob das was wird. Wir freuen uns jedenfalls drauf.

*Hej Hej = Dänisch fuer Tschüss 🥰

Aalborg „Paris des Nordens“

Es ist Montag früh und unsere wunderschönen Tage in Dänemark sind langsam gezählt. Doch das beste kommt bekanntlich zum Schluss und so fuhren wie bei bedecktem Himmel und leichtem Nieselregen nach Aalborg.

Nachdem wir uns am Rande der Innenstadt sauber weggeparkt haben, liefen wir ein bisschen durch die schnuckligen  Straßen und Gassen und so langsam brachen die Wolken auf und es wurde ein schöner sonniger Tag. Ein Blick in die Geschäfte offenbarte, dass die Dänische Kultur nicht umsonst sehr oft zeichengebend fuer Inneneinrichtung und Kleidung ist. Alles sieht sehr schoen aus und trifft genau meinen Geschmack.

Zielsicher führte ich uns in Richtung Wasser, wo am Limfjord eine weitläufige Uferpromenade mit moderner Architektur und Cafés und Restaurants zu finden war. Es ging noch ein Stückchen weiter links, dann wieder die Straßen hoch und schwups, oh, total verrückt, so ein Zufall… Ein Wollgeschäft 😂

Dem Garncafe Madsine folge ich schon seit einigen Jahren auf Instagram und es war natürlich klar, dass ich da hin wollte. Und natürlich hatte ich Kai meinen Plan schon vorher offenbart 😉

Es war berauschend, so ein wunderschöner Laden. Ich liebte es und fasste mich dennoch kurz, weil ich die Geduld meines Gatten nicht ueberstrapazieren wollte. Er wartete geduldig draussen in der Sonne und bekam dafür sogar Anerkennung von den Damen im Laden. Ich kaufte schnell noch ein paar Fasern in meiner derzeitigen Lieblingsfarbkombination Flieder/Tomatenrot ein und danach gab’s erstmal einen Kaffee in einem sehr stylischen Lokal direkt ums Eck.

Um drei am Nachmittag waren wir dann verabredet. Eine gute Bekannte aus der Strickwelt lebt in Aalborg und wir hatten uns schon länger nicht mehr gesehen. Umso mehr freute ich mich auf ein Wiedersehen. Wir trafen uns hoch oben auf der Dachterrasse des Kaufhauses Salling mit Blick ueber die Stadt.

Wir quatschen und tranken Kaffee und es war ein schöner Nachmittag, der noch in ein gemeinsames Abendessen mündete. Danach hieß es schon wieder Abschied nehmen und wir hofften, dass wir uns bald mal wiedersehen.

Der Tag in Aalborg war einfach schoen. Die Stadt ist wirklich ganz bezaubernd und ich glaube es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Wir haben beide immer mehr das Gefuehl, mit dem Norden Dänemarks noch lange nicht fertig zu sein.

Roadtrip nach Skagen

Freitag war ein neuer wundervoller sonniger Tag und wir haben überlegt, was wir machen. Zur Auswahl standen Aalborg oder Skagen.

Mit einer Strickfreundschaft aus Aalborg hatte ich kurzfristig  ausgemacht, dass wir uns am Montag dort treffen wollen. Also fiel die Auswahl auf die Nordspitze Dänemarks.

Direkt auf dem Weg dorthin, in Tversted war ausserdem das von meiner Bekannten als „schönstes Wollgeschäft, dass sie jemals gesehen hat“ angepriesene Hauptquartier von Isager, von dem ich gestern schon berichtet hatte. Ausserdem wurde uns das Eis am Strand von Tversted im Blauen Haus angepriesen.

Beides haben wir also ordnungsgemäß abgearbeitet 😉, und das Eis war wirklich sehr lecker. Ich habe wieder die schmackhaften Lakritzstreusel genommen, fuer Kai gab es ein Topping aus Haselnusskrokant.

Weiter ging die Fahrt auf schnurgerader Strecke nach Skagen. Dort treffen Ost- und Nordsee aufeinander. Und weil dieser Ort so bekannt ist, und dort sogar Kreuzfahrtschiffe halten, war es entsprechend voller als sonst irgendwie in Nordjütland. Es gab sogar koreanische Reisegruppen mit einem Reiseleiter, der eine Flagge als Orientierung hochhielt.

Es war trotz der ungewohnten Menschenmengen wunderschön. Ganz oben gibt es dann den Punkt, an dem man wirklich sehen kann, wie die Wellen der beiden Meere gegeneinander laufen. In der Regel macht man dort das Bild wo man mit jeweils einem Bein in der Nord- und dem anderen Bein in der Ostsee steht. Das ging aber dieses Mal nicht, weil vorne eine kleine Robbenkolonie an der Spitze saß und sich die Sonne auf den Pelz brennen ließ. Sind die vielleicht suess. Ich bin dankbar, dass mein Handy so gut heranzoomen kann.

Auf dem Rueckweg haben wir noch einen kurzen Stop an der Råbjerg Mile gemacht, eine unter Naturschutz stehende Wanderduene, die sich jedes Jahr um ca. 15 Meter ostwärts bewegt. Sie ist in etwa 120 ha gross.

So, und jetzt noch die Bilder des Tages und ab damit ins Netz.

Dänisches Wollbad

Als ich irgendwann bei Google Maps nach „Wollgeschäft“ in der Nähe unserer Unterkunft suchte, stellte ich fest, dass ein roter Punkt nach dem anderen aufploppte. Ich brachte es Kai schonend bei. Ich fragte ihn, ob er sich bewusst sei, dass Dänemark eines der nordischen Länder ist, in dem es sehr viele bekannte Marken und exzellente Garne zu kaufen gibt. Er nahm es gefasst auf und ich hatte ein Punkt mehr zur Vorfreude.

Als wir am letzten Montag hier ankamen, bin ich direkt am Dienstag früh zum ersten Geschäft aufgebrochen. Kai blieb zuhause. Das Label „Holst“ ist eine europaweit bekannte Marke, die zunächst mit ein/zwei Qualitäten angefangen hat. Aufgefallen ist die enorme Farbauswahl und die relativ günstigen Preise. Schnell sprach sich das rum in der Szene und alle wollten damit stricken. Mittlerweile hat sich der Hype etwas gelegt, es sind mehrere Qualitäten hinzugekommen und die Auswahl ist grosser geworden.

Das beste, der Laden war nur 20 Minuten mit dem Auto von uns weg. Ich traf dort auf eine andere Strickerin aus Deutschland und wir schwelgten begeistert in Wolle und Farben und ich war verzückt.

Am Freitag sind wir nach Skagen gefahren (dazu folgt noch ein separater Beitrag). Dort gab es das Hauptquartier von Marianne Isager zu bestaunen. Eine Frau, die sich in der Strickwelt einen grossen Namen gemacht hat, zum einen als Designerin und zum anderen gibt es dort ganz wundervolle Garne. Diese kann man zwar alle auch in Deutschland erwerben, aber der Laden war einfach wahnsinnig schoen. Kai war diese mal mit und hat sich auf dem Sofa entspannt und mir sogar zu einem Pulli geraten, den ich jetzt unbedingt stricken muss.

Heute dann nochmals ein Höhepunkt, wir waren in Aalborg und dort gab es das Garncafe Madsine, diese Mal kein Hersteller, sondern ein normales Wollgeschäft mit diversen Marken, hauptsächlich dänisch. Schon wieder hat es mich umgehauen. Diese Art von Laden, habe ich bisher in Deutschland noch nicht gesehen. So gross und eine wahnsinns Auswahl. Auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte, dass das Portemonnaie dieses Mal zu bleibt, bin ich leider doch wieder schwach geworden. Kai nahms mit Humor und irgendwie freut er sich ja auch, wenn er mich so glücklich sieht. Oder, Schatz? ;-)

Meine Ausbeute.

Blokhus

Hin und wieder machen wir doch mal einen kleinen Ausflug. So waren wir zum Beispiel am Mittwoch im kleinen Nachbarort Blokhus. Dort gibt es, wie eigentlich an der gesamten Küste von Nordjütland einen langen, breiten Sandstrand mit einer sehr pittoresken Dünenlandschaft im Hintergrund.

Das besondere an diesen Stränden ist, dass man dort im Auto entlangfahren und parken kann. Man hält einfach irgendwo und parkt und dann werden die Stühle und Tische ausgepackt und man genießt das Leben am Meer. Witzig ist das irgendwie.

Eine weitere Besonderheit hier sind die kleinen weißen Badehäuschen am Strand. Man kann sie nur durch Vererben oder ganz viel Glück ergattern. Die Nutzung ist reglementiert. Man darf dort nicht übernachten und sie muessen in jedem Jahr neu weiss angestrichen werden. Zusammen mit dem blauen Wolkenhimmel, dem Sand und dem Meer ist das eine ganz zauberhafte Szenerie.

Eine weitere Spezialität hier in Dänemark ist das Softeis. Ich habe ja schon als Kind Softeis immer sehr geliebt. Hier bekommt man es, wenn man mag, mit allerlei Toppings bestreut. Mein persönlicher Favorit sind die Lakritzstreusel. Wenn du sowohl herrlich cremiges Softeis und leicht salziges Lakritz magst, dann wirst du diese Kombination lieben.

Anschließend waren wir noch im Supermarkt und haben uns mit ein paar notwendigen Dingen versorgt und am späten Nachmittag ging es wieder zurueck in unser kleines Ferienhäuschen.

Dänische Glückstage

Als ich mich am Montag Nachmittag auf den Sessel vor der offenen Schiebetür setzte und mit einer dampfenden Tasse Kaffee in die Dünen blickte sagte ich zu Kai, hier will ich niiiiieee wieder weg!!!

Der Ort hat etwas magisches und strahlt ein Ruhe aus, die man in unserem hektischen Alltag oft nicht finden kann. Ich bin glücklich und alles ist genau so wie es sein soll.

Unsere Tage hier sind ruhig. Morgens fruehstuecken wir gemütlich am offenen Fenster. Das Wetter meint es gut mit uns, wenn kein Wind weht, kann man es gut im T-Shirt aushalten. Wir machen Spaziergänge an den langen menschenleeren Stränden und füllen unsere Lungen weit mit der salzhaltigen Luft der Nordsee.

Zuhause sitzen wir oft stundenlang am Tisch und puzzeln und hoeren dabei spannende Hörbücher. Zwischendurch stricke ich ein paar Reihen, einer macht was zu essen und so genießen wir den Tag. Manchmal gibt es zwischendurch eine Yogaeinheit auf der Wiese vor dem Haus.

Ein weiteres persönliches Highlight fuer mich, ich habe wieder angefangen zu lesen. Das ist deswegen so besonders, weil ich es aus lauter Konzentrationsmangel der vergangenen Monate einfach nicht mehr konnte. Ich habe eine Seite gelesen, den Inhalt nicht registriert und immer wieder aufgegeben. Doch seit einiger Zeit geht es wieder und ich verschlinge ein Buch nach dem anderen.

Abends wird dann der kleine Kaminofen angemacht und wir zünden ein paar Kerzen an. Es ist einfach sehr sehr hyggelig, wie man in Dänemark sagt.