Wie ich bereits im letzten Beitrag erwähnt hatte, war fuer Dienstag familiärer Besuch aus der benachbarten Lombardei angekündigt. Kais Cousin Signor F lebt mit seinen zwei Kindern in Treviglio und seine Freundin Signora D lebt in Mailand. Zusammen mit der Tochter von F, der nicht mehr ganz so kleinen Signora N fuhren sie also zu dritt extra wegen uns fuer einen ganzen Tag nach Turin. Das tolle daran war, dass Signora D eine gebürtige Turinerin ist und wir so in den Genuss einer ganz exklusiven Stadtfuehrung kamen.
Um 11 Uhr morgens waren wie auf der grossen Piazza San Carlo verabredet und als sie ankamen wurde sich erstmal herzlich begrüßt und bussi links bussi rechts… . Signor F quasselte sofort munter auf mich ein, weil er ja weiss, dass ich italienisch lerne. Aber seine Geschwindigkeit ist dabei nicht angepasst, so dass ich erst mal nur Bahnhof verstehe und nervös an Kais T-Shirt zupfe „was sagt er?“

Aber nach einer Weile war das auch wieder ok und ich konnte mich einigermaßen reinhoeren. Ich verstehe schon eine ganze Menge, vor allem, wenn ich weiss was das Thema ist, da kann man sich einiges zusammenreimen. Reden klappt auch schon einigermaßen, aber ich muss ganz viel denken und im Kopf rumkomstrieren. Aber das wird noch. Ich arbeite daran.

Wir wurden also gut betreut und unser erster Halt führte uns in ein kleines Café, das fuer die Herstellung von Schokolade bekannt ist. Vor allem die Mischung mit gemahlenen Haselnüssen, Gianduia genannt, ist eine Spezialität aus dem Piemont und ein Vorläufer des weltbekannten Nutella. Die Firma Ferrero ist in Alba entstanden, was ca. 60km süd-oestlich von Turin liegt. Eine bekannte Kaffeespezialität ist der Bicerin, ein Getränk, welches im Glas serviert wird und aus Kaffee, Kakao und Milchcreme besteht. Während die anderen diese Spezialität bestellten, orderte ich einen Affogato mit leckerem Gianduia Eis. Das war schon mal ein sehr guter Start.

Dann folgte ein Stadtgrundgang mit allerlei Erläuterungen und Informationen. Das fand ich einfach toll. Es gibt doch nichts besseres, als einen Ort mit Einheimischen zu erkunden. Was ich zum Beispiel gar nicht wusste, dass Turin die erste Hauptstadt Italiens war, ganz frueher im 19. Jahrhundert. Spaeter war es dann Florenz und seitdem natürlich Rom.


Wir spazieren weiter entlang der grossen Plätze, von denen es in Turin sehr viele gibt. Auf einmal, und da ahnte ich es schon, sollten wir ein Turinesisches Kleinod gezeigt bekommen. Das war die suesse kleine Piazza, die wie bereits am Vortag selbst durch Zufall entdeckt hatten. Wir lachten und freuten uns, wieder hier zu sein, ausserdem ist das doch ein ganz klares Anzeichen fuer meine gut funktionierende Schnüffelnase 😉😂

Hier kehrten wir zum Pranzo, dem italienischen Mittagessen ein. Wir betraten ein ein sehr üriges Lokal names Osteria al Tagliere. Generell isst man in Italien nur ein kleines Fruehstueck, aber das Mittagessen ist dafuer umso üppiger. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Kai und ich fruehstuecken meist ordentlich auf Reisen und lassen dann das Mittagessen komplett aus. Aber natürlich passen wir uns gerne an Traditionen an, vor allem wenn es ums Essen geht ;)

Während Kai ein klassisches Vittello Tonnato bestellte, gab es fuer mich kleinen Törtchen aus Tomino Käse, eine Art Friachkäse, der ein bisschen an Ricotta erinnert. Dazu gab es salsa Verde und Salsa Rosso, wobei mein Favorit auf jeden Fall die leckere grüne Sosse ist, nicht zu verwechseln mit unserer Frankfurter grünen Sosse.
Als Hauptspeise hatte Kai dieses Mal die Agnolitti und ich bestellte mein absolutes Lieblingessen aus der Kindheit, Bandnudeln mit Fleischsauce, Tagliatelle al Ragu… wobei die flachen Bandnudeln hier wichtig sind. Vor allem wenn sie wie hier frisch waren, sind sie ein absolutes Gedicht. Eigentlich sind Nudeln ja hier keine Hauptspeise, sondern nur ein Primo, aber wer danach noch weiteressen kann, muss ein Magen wie eine Grosskatze haben.
Fuer den anschließenden Café wechselten wir das Lokal und kehrten ein in ein beschauliches althergebrachten Cafe im Garten des Königspalastes. Dort kündigte ich der italienischen Familie schon an, dass ich jetzt etwas illegales mache, ich werde einen Cappuccino bestellen, obwohl es schon Nachmittags ist. Ich schaute in entsetzte Gesichter. Aber es sei ok, solange ich der Bedienung nicht erzählte, dass ich gerade gegessen habe. Und natürlich ist es wurscht was ich mache, und alle haben sowie geschmunzelt. 😂

Während die anderen noch weiter zogen, habe ich mich kurz fuer ein Stündchen ins Hotel verkrümelt. Die Batterien entladen sich leider immer sehr schnell.
Um halb 7 haben wir uns wieder auf der kleinen Lieblimgspiazza getroffen und gemeinsam mit einem gut ein geschenkten Aperol Spritz auf den gelungenen Tag angestoßen.


Zum Abschluss haben wir die anderen noch zu ihrem Parkplatz begleitet und uns mit einem letzten Familienselfie voneinander verabschiedet. Ciao ciao baci baci….

Kai und ich sind später noch durch die laue Abendluft ins Hotel gelaufen. Da wir ausserdem auf das Abendessen verzichtet haben, gab es als Wegzehrung noch das leckerste Eis. Italien eben, was soll ich da machen.








































































































