Gänsemarsch

Heute trage ich zum ersten Mal meine neuen medizinischen ;-) Schnürschuhe. Zur Reduktion des immer noch stark geschwollenen Transplantat empfahl mir Dr. Peng, solche für eine Weile zu tragen, um den frisch angewachsenen Hautlappen in seine natürlichen Schranken zu verweisen. Da ich sowas nicht besitze, und wir bereits die gesamte Heidelberger Fußgängerzone danach abgegrast haben (große Füße sind da nicht hilfreich), habe ich letzte Woche kurzerhand beim Onlinehändler mit dem Glücksschrei bestellt. 

Bequem sind sie, mal schauen, wie der Fuß nachher aussieht, wenn ich nach Hause komme. 
Unbedingt noch erwähnenswert ist übrigens noch ein Erlebnis unserer sonntäglichen Radtour. Eine Gänsefamilie mit frisch geschlüpften Jungen kreuzte nämlich unseren Weg … und als ich auszuweichen versuchte, sind die Eltern wild aufgeschreckt und fauchten mich an. Völlig normal sowas am Main, das Federvieh ist eben sehr fürsorglich in Bezug auf seinen Nachwuchs. Mich hat es jedoch in vollkommene Panik versetzt. Leicht hyperventilierend konnte ich als staatlich anerkannte Dramaqueen die Fahrt erst nach einer Weile wieder fortsetzen. Hoffentlich geht das nicht so weiter … wir wollen doch noch die Parks und Dschungel dieser Welt bereisen. 

Hot Hot Hot

Nicht ganz ohne Stolz kann ich berichten, dass wir gestern 25 Kilometer mit dem Rad gefahren sind. Anfangs hätte ich nie für möglich gehalten, dass ich schon so weit komme, aber plötzlich lief es irgendwie und ehe wir uns versahen, saßen wir bereits in einem Liegestuhl der „Schiffsmeldestelle“ in Höchst … natürlich mit einem Radler. 

Solange ich noch nicht wieder richtig laufen kann, scheint mir das ein ideales Training für unser Mallorcaziel im Oktober. Yippieh. 
Ansonsten war dieses hochsommerliche Wochenende auch sonst rundum gelungen. Wir gehören ja jetzt auch zu den Balkongrillern, nachdem wir vor zwei Wochen einem kugeligen Citygrill mit qualmfreien und nachbarschaftsfreundlichem Gasanschluss nicht widerstehen konnten. Perfekt. 
Wir haben außerdem mal wieder der Kleinmarkthalle einen Besuch abgestattet. Einem Frankfurter Kleinod, welches mir über die Jahre in dieser Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. 

Samstag Abend gab es auf dem Holbeinsteg einen sogenannten Flashmob. Ohne tieferen Sinn treffen sich ein Haufen Leute zu einem festen Zeitpunkt an einer bestimmten Stelle, um irgendetwas zu machen. In diesem Fall wurden Seifenblasen gepustet. Da wir nun mal um die Ecke wohnen, haben wir uns das dann mal angeschaut. Und es war wirklich allerliebst. 

Jetzt sitze ich gerade wieder im Zug, und kann mich nur wundern. Streckensperrung. Bereits der zweite Vorfall in kürzester Zeit, der wohl eine längere Verspätung mit sich bringt. Unfassbar. Und da soll mich noch mal einer fragen, warum ich ansonsten lieber mit dem Auto zur Arbeit fahre. Grmpf. 
Achso ja, bevor ich es vergesse, gestern Abend lief Hangover II im Fernsehen. Für uns absolutes Pflichtprogramm, schließlich wurden teile des Films auf dem Lebua State Tower gedreht. Dem feierlichen Ort unsrer Verlobung <3

Antizyklisch

Neues Spiel, neuer Tag, neues Glück. Mal schauen, ob der Zug heute pünktlich kommt. Während um mich herum tausende mit dunkler Viskose bekleidete Arbeitsbienen die Vorortzüge verlassen, um nur Minuten später die gläsernen Bankentürme zu füllen, warte ich auf meinen nicht annähernd so vollen Zug in die Provinz. Gegen den Strom schwimmen ist nicht nur in diesem Fall ein gutes Gefühl ;-) 

Die ganze Woche strahlt schon die Sonne morgens vom Himmel. Das wirkt sich sehr positiv auf die allgemeine Stimmung aus. Ich freue mich richtig auf die Arbeit. Gestern bekam ich zum Warmwerden ein neues Miniprojekt, in Form einer „einfachen“ Dachaufstockung. Und doch gibt es zahlreiche Fußangeln. Der Bebauungsplan, die Statik und natürlich nicht zuletzt die Wünsche des Bauherren müssen unter einen Hut gebracht werden. Aber das macht den Beruf dann auch spannend, und wie mein Kollege immer zu sagen pflegt: 
Wenns einfach wär, dann könnt’s ja jeder *klopftsichaufdieschenkel* ;-) 

Zufälle

Grundsätzlich habe ich ja gar nichts gegen die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Aber muss es ausgerechnet die Bahn sein? Heute morgen habe ich 2 Stunden und 10 Minuten zur Arbeit gebraucht … normalerweise schafft man das unter einer Stunde. Das macht dann eben keinen Spaß mehr.

Aber aufregen hilft ja sowieso nix. Selbst wenn ich wollte, wäre ich nicht in der Lage ein plötzliches Bremsmanöver mit dem rechten Fuß zu vollziehen. Was eine Versicherung dann im Fälle eines Falles entscheiden würde, mag ich mir gar nicht erst ausmalen. 
Es hilft also kein jammern. Ich häng da jetzt drin und alles ist gut :-)
Gestern Abend hatte ich wieder Krankengymnastik. Meine Therapeutin hatte mir vor kurzem schon erzählt, dass es in der Praxis noch eine Dame mit einer Transplantation am Fuß gibt, und dass es ganz ähnlich aussähe wie bei mir. Auf meine Anfrage erzählte sie auch von mir und jetzt habe ich seit gestern die Adresse und Telefonnummer … stellt sich heraus, wir sind fast Nachbarn. Sie wohnt nur wenige Häuser weiter in der gleichen Straße. Die Welt ist so klein. Am Wochenende werde ich sie mal kontaktieren. Sehr spannend, das. 

Geschüttelt und gerührt

Ich glaube ich habe gerade ein déjà vu. Jetzt sitze ich schon wieder hier am Bahnsteig und habe noch viel zu viel Zeit, bevor der Zug kommt. Egal, vertreibe ich mir eben die Zeit mit verbaler Inkontinenz ;-)

Gestern hatte ich einen ganz wundervollen Empfang im Büro. Ich war ganz gerührt. 

Das ganze Büro wär dekoriert mit Girlanden und Luftballons und frische Blumen gabs auch noch. Ein interessantes Projekt liegt in Reichweite und den gestrigen Tag habe ich mir in der Zwischenzeit mit leichtem Ausschreiben vertrieben. 

Unfassbarerweise waren Dinge wie Rutschfestigkeotsklassen und sonstige Normen noch irgendwo in den Hirnwindungen vorhanden. Kein Wunder dass da oben immer so viel los ist. 
Naja, die Zeit ging rum wie im Flug und bereits um kurz nach 2 betrat ich wieder den Boden der Finanzmetropole. Belohnt habe ich mich dann mit einem sehr leckeren Thaicurry to go, welches ich auf der heimischen Couch genüsslich verspeist habe *rülps* … tschuldigung ;-) 

Montagmorgen

Jetzt ist es also soweit. Ich bin frisch geputzt, die Haare sind ordentlich frisiert, der erste Kaffee hat die Geschmacksknospen gekitzelt und nun sitze ich in aufgeregter Erwartung am Gleis und warte auf den Zug in den Kurort. 

Gerade hat mir meine liebe Kollegin per whatsapp mitgeteilt, dass sie mich gleich am Bahnhof abholen wird. Und dann bin ich mal sehr gespannt, was mich heute alles erwartet. Bin ja nun eine ganze Weile raus aus dem Job. Welche Aufgabe werde ich bekommen? Pläne falten? Leistungsverzeichnisse kopieren oder am Ende sogar den Kaffee für die Kollegen an die Schreibtische bringen? Mal schauen … Heute Abend weiß ich mehr. Bis dahin eine wunderschöne Woche allerseits :-)

Heppenheim

Ein wirklich schönes Wochenende liegt hinter uns. Am Freitag Nachmittag, direkt nachdem Kai von der Arbeit nach Hause kam, sind wir in nur 45 Minuten an die Bergstraße geflitzt und haben uns für zwei Näche im Park Inn Hotel in Heppenheim angemietet. Zugegeben, Heppenheim ist nicht Brisbane und es gab keine Zeitverschiebung. Dennoch haben die zwei Tage gereicht, um mal wieder ein bisschen Urlaubsluft zu schnuppern und mich auf die vor mir liegende neue Zeitrechnung vorzubereiten. Ab morgen darf ich nämlich wieder einem geregelten Alltag nachgehen, doch dazu noch später mehr. 
Heppenheim ist ein wirkliches Kleinod am Rande des Odenwalds. Die Stadt dürfte in etwa so groß wie meine Heimatstadt Alsfeld sein und wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Eingerahmt von schöner Fachwerkarchitektur liegt in der Mitte ein malerisches Plätzchen mit verschiedensten Möglichkeiten, sich bei einem Aperol Spritz leckere Köstlichkeiten zuzuführen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist auf jeden Fall das Gasthaus Schwan (direkt am Platz) … dort gibt es einen Kochkäse mit Musik (ja, war uns auch neu … mir Frankfurter kenne des ja nur mit Handkäs) und einem Bauernbrot … der seines Gleichen sucht. Anschließend noch das Milchreiseis mit Waldbeergrütze … ein Gedicht.
Samstag waren wir dann im schönen Heidelberg … viel rumlaufen ging ja noch nicht und daher haben wir uns auf einen kleineren Einkaufsbummel in der Fussgängerzone beschränkt. Dr. Peng hat mir aus Singapur die neuesten Horrorbilder aus seinem Operationstheater geschickt (wenn ich die bloggen würde, bekäme ich wahrscheinlich Schwierigkeiten mit dem Jugendschutz ;-) … außerdem erinnerte er mich doch daran, daß ich, um das Hauttransplantat zum Zurückweichen zu bringen, Knöchelhohe Schnürschuhe tragen sollte. Naja, sozusagen mit ärztlicher Freigabe versuchten wir dann in der Fußgängerzone das passende Schuhwerk zu finden. Mit Größe 42 ist das allerdings ein schwieriges Unterfangen und so wurde die Fußbekleidung am Abend bequem im Internet geshoppt. Wenn das Päckchen dann hoffentlich nächste Woche kommt werde ich hoffentlich auch schreien vor Glück ;-)
Heute hat uns dann die Rückfahrt durch den wunderschönen Rheingau geführt. Und wie es der Zufall so wollte … also nicht daß ich da irgendwas mit zu tun hatte … sind wir im kleinen beschaulichen Schwabsburg gelandet. Dort fand „zufälligerweise“ das alljährliche Wollfest statt ;-)
Eeeehrlich … ich haaaabe davon niiiiix gewußt. 
Also man muß sich das vorstellen, mindestens 30 – 40 Stände von Wollhändlern, Wollfärbereien und ähnliches … der totale Wahnsinn. Ich fing furchtbar an zu sabbern und war sehr froh, daß ich auch zuuuuufälligerweise vorher noch zum Geldautomat gegangen bin. Aber nach so langer Zeit des Eingesperrseins mußte ich mich ein bisschen glücklich kaufen, ich kanns einfach nicht lassen. 
Kai hat das ganze vorblildlich mitgemacht und sich sogar beim einen oder anderen Stand über die unterschiedlichen Handarbeitstechniken informiert. Ich bin glücklich :-)

Morgen früh wird es dann allerdings wieder ernst. Ich werde das erste Mal, nach ziemlich genau 5 1/2 Monaten wieder zur Arbeit gehen. Den ganzen Mai habe ich dazu genutzt, mich wieder in Form zu bringen. Wirklich fast täglich gab es eine bahnbrechende Neuerung zu berichten. Sogar Fahrrad und Roller bin ich schon gefahren. Mittlerweile kann ich (stark humpelnd) wieder ein bisschen laufen, ganz ohne Krücken. Wir freuen uns beide sehr darüber.
Ich fange morgen erst mal mit 4 Stunden am Tag an, das geht dann zwei Wochen, danach arbeite ich dann 2 Wochen für 6 Stunden am Tag, und im Juli dann wieder volle 8 Stunden. Das ist dann eine sogenannte Wiedereingliederungsmaßnahme, die der Arzt verordnet hat. Das ist auch sinnvoll, denn den Fuß volle 8 Stunden incl. 2 Stunden Zugfahrt und hin und hergehumpele zu belasten, ist sicher alles andere als einfach. Schließlich schwillt der Fuß immer noch an und das tut dann weh, so daß Laufen eher quälend ist. Also langsam dran gewöhnen … ich hoffe sehr, daß alles klappt. Denn die Decke, trotz Altbauhöhe von 3,20m, kann einem hier schon ganz schön auf den Kopf fallen.
Auch wenn ich … zugegebenermaßen, meinen 1. Kaffee am Morgen im Bett und die dazugehörige Lieblingsserie auf Sixx schrecklich vermissen werde.

Aber egal, es ist Zeit für Neue Routinen.