An einem Tag

Ich gebe es ja zu, ich gehöre zu den Menschen, die sich gedanklich gerne mal in der Vergangenheit verlieren, besonders immer dann, wenn ich sage: weißt du noch heute vor genau einem Jahr … oder einem Monat, oder einer Woche … oder gestern um die Zeit?
Man kann sich also sicher vorstellen, was derzeit öfters in meinen Tagträumen thematisiert wird … ich erinnere mich an letztes Jahr … genau um diese Zeit :-)

Zum Beispiel heute vor genau einem Jahr waren wir in Bangkok unterwegs, haben uns durch die Geruchs- und Geschmackwelten von Chinatown treiben lassen, sind der Hitze und dem Charme der lauten Stadt erlegen und fanden es einfach toll. Ich bin aber sicher, daß ich an einem 10. Februar auch schon meine Zeit auf Zahnarztstühlen, mit Steuererklärungen oder Mathearbeiten verbracht habe.
Warum ich das erzähle? Ach mir war gerade so sentimental zumute.

Heute sitze ich jedenfalls ordnungsgemäß am Arbeitsschreibtisch in der Kurstadt und beschäftige mich mal wieder mit dem Thema Baukosten. Gut, ist jetzt nicht so der Brüller, dafür darf ich heute Abend wieder zu meinen geliebten Punktezählern und gewichtstechnisch nach dem Rechten sehen. Ich war sehr brav diese Woche und hoffe auf weitere Erfolge.

Ansonsten genießen wir zur Zeit die Ruhe der winterlichen abendlichen Dunkelheit. Es gibt immer genug zu tun, langweilig wird’s uns irgendwie nie so richtig. Dennoch freue ich mich auf den Frühling, wenn es abends wieder länger hell ist und man noch mal mit dem Rad raus kann oder die Füße am Flußufer baumeln lassen kann.

So, und jetzt zurück zu den Zahlenwerken … 195m² HlZ, AW, 12-08, d=36,5cm-125,-€/m² ….

Li-La-Launebär

Ich habe gerade wirklich so unfassbare gute Laune, daß ich gar nicht weiß, wo ich hin soll mit meiner ganzen Energie und meinen 1000 Ideen im Kopf. Müdigkeit ade. Ob es daran liegt, daß ich seit geraumer Zeit diese Vitamin B12 Fläschchen aus dem Discounter einwerfe oder ob es damit zusammenhängt, daß ich seit Sonntag Abend wieder angefangen habe zu laufen … im sportlichen Sinne versteht sich ;-) … vielleicht liegt es aber auch daran, daß mein Minimierungsplan weiterhin funktioniert … etwas langsamer, aber immerhin … uff Schachtelsatz. Egal woran es liegt, ich freu mich. Könnte übrigens auch eine Kombination der vorgenannten Details sein.

Zum Minimierungsplan läßt sich übrigens noch folgende statistische Kenngröße festhalten ;-) … Enfernung zum Zielgewicht 10,8 Kilo … yeah, yeah, yeah.

Außerdem gibt es wirklich gerade so unglaublich viele Dinge zum Freuen. Unser Urlaub nächste Woche, die vielen verlängerten Wochenenden die schon vorgebucht sind, die Hochzeit … ach die Hochzeit … und dann natürlich die Hochzeitsreise.
Apropos Hochzeit … ich glaube seit letzter Woche hat das Brautgen bei mir zugeschlagen. Ich ertappe mich dabei, wie ich immer mehr und immer länger Zeit damit verbringe im Internet nach Kleidern, Frisurentips, Hochzeitstorten (ja, so eine möchten wir haben, ein bisschen Tradition muß sein ;-) und Brautsträußen gucke, während Kai mir bereits tabellarisch aufgeführt hat, wo ich demnächst überall meine Namensänderung bekannt geben muß. Spannend, das ganze.
Die Einladungen sind in Arbeit, wir müssen uns nur gerade noch darüber klar werden, wie wir unserer illustren Gästeschar klarmachen können, daß wir weder Hochzeitsspiele noch Partykrachergedichte, zusammengestellt im 6-füßigen Jambus haben möchten … keine Brautentführung, keine Bräutigamwadenerkennung, kein sinnloses Schnapstrinken aus Brautschuhen, keine Frage- und Antwortspielchen und keinerlei Verkleidungsarien.
Gutes Essen, leckere Drinks, tanzbare Rhythmen und gute Laune … braucht es noch mehr?

Aufgebot

Was am Fliegen natürlich immer wieder faszinierend ist, ist die Tatsache, daß man binnen kürzester Zeit von 1001 Nacht in die Realität katapultiert wird. Einfach so. Als wär nie was gewesen. Eben noch beim Tajine in einer der belebten Gassen Marrakeschs gesessen, kurze Zeit später schon wieder auf dem langen Gang des Frankfurter Standesamts. Stark übermüdet und mit leicht verquollenem Gesicht, hatten wir heute Morgen bereits um 8.00 Uhr den hochoffiziellen Termin zur Anmeldung zur Eheschließung. Huiuiui :-)
 
Jetzt ist es also aktenkundig. Sowohl unsere geplante Eheschließung, als auch die Absicht, meinen „einzigartigen“ Geburtsnamen aufzugeben, zugunsten eines wunderschön melodisch klingenden italienischen Nachnamens. Heute haben ich diese Kombination das erste Mal auf einem Dokument live gesehen. Das war schon ein komisches Gefühl. Wenn man so lange einen Sammelbegriff als Namen hat, dann wird es sicher eine Umstellung, wenn man demnächst beim Arzt, beim Friseur oder sonstwo nicht noch zusätzlich seinen Vornamen (bzw. oft reicht das auch nicht aus zur Klarstellung) auch noch sein Geburtsdatum angeben muß. Das fatalste was mir mal mit diesem Namen passiert ist, mir wurde im Studium eine Prüfung aberkannt, die ich angeblich nicht bestanden hätte. Was kann ich dafür, wenn meine Namensvetterin zu blöd war ;-) Naja, es ließ sich aufklären.
 
Ulkig war auch, daß heute morgen herauskam, daß Kai einen nicht genehmigten Namen im Personalausweis führt. Der Bindestrich, der sich über die Jahre heimlich eingeschlichen hat, ist nämlich nicht urkundlich vermerkt. Naja, lieber den Personalausweis neu beantragen, als eine offizielle Namensänderung.
 
 
Ansonsten bleibt mir nur noch eine kurze Nachlese zu Marrakesch. Es war einfach ein wunderschönes, kurzweiliges verlängertes Wochenende. In Bezug auf das, was ich städtetechnisch bisher erlebt habe, ist Marrakesch auf jeden Fall einzigartig. Die Welt scheint so eine andere, zumindest im alten Teil der Stadt, der Medina. Die Mentalität der Marokkaner bleibt allerdings noch unbekannt, denn die touristenfangenden Männer, welche etwa alle 2 Meter lauernd auf Geschäfte hoffen, sind sicher nicht repräsentativ. Uns fehlt noch die Wüste und das marokkanische Meer.
Fazit: Da müssen wir auf jeden Fall noch mal hin.
 
Jetzt freuen wir uns bereits auf unsere nächste Reise, welche schon in 2 1/2 Wochen beginnt. Mal schauen, wo es dieses Mal hingeht :-)

Besslama Marakesh

Jetzt sitzen wir schon wieder am Flughafen und vertreiben uns die Zeit. Alles schon wieder vorbei.  Schade. Schön wars. Heute haben wir uns einfach noch ein bisschen treiben lassen, das Gepäck noch ein bisschen mit Datteln und frischer Minze bestückt. 
Hier nur in loser Folge die Eindrücke des letzten Tages. 

Orientalische Nacht

Der Hamam hat ja in den orientalischen Gefilden eine große Tradition. So auch in Marokko. Die Anzahl einschlägiger Etablissements ist schier unüberschaubar. So haben wir uns einfach auf die Empfehlung unseres Riadbesitzers verlassen und uns dann gegen 6 Uhr abends tief verwinkelt durch die dunkelsten Gassen der Medina führen lassen. 
Im Gebäude selbst ging es dann ebenso verwinkelt weiter, über diverse Treppen, hoch, runter … alles dunkel in weinrot gehalten erinnerte das ganze doch sehr stark an einen Puff. 
Zu Beginn der Prozedur durften wir uns in einem kleinen plüschigen Nebenraum komplett entkleiden. Wir bekamen jeder ein kleines Päckchen, für untenrum ;-) 
Während Kai sich in großräumige Boxershorts hüllen dürfte, bekam ich ein winziges stoffstreifchen … an einem dünnen Band, das nur mit sehr viel guten Willen als Damenslip erkennbar war. Ich musste lachen. Falsche Schamgefühle sind hier definitiv nicht hilfreich. Gerne hätten wir natürlich auch entsprechendes Bildmaterial geliefert, aber wir wollen ja niemanden überstrapazieren ;-)
Im Anschluss würden wir in einen vollgefliesten Raum geführt, wo wir in tiefen Dampf gehüllt die eigentliche Behandlung genießen durften. Paarweise versteht sich. Normalerweise sind Hamams nämlich nach Geschlechtern getrennt. Wir bekamen beide eine ordentliche Abreibung mit diversen Pasten und Seifen, anschließen würden wir mit festem Griff von oben bis unten mit einem reibeisenähnlichen Handschuh abgeschabt. Autschn, autschn. Nach kurzer relax und trocknungszeit bekamen wir noch eine Massage mit Arganöl. Drei Stunden waren wir insgesamt dort und hatten danach eine Haut … also ein Kinderpopo ist ein faltiges Schmirgelpapier dagegen ;-) 
Mit ordentlich Hunger im Bauch sind wir abschließend dann noch mal zum großen Platz gegangen, um uns an einer der zahlreichen Garküchen mit allerlei marrokanischen Köstlichkeiten vollstopfen. Die Atmosphäre dort ist einfach einmalig. 

Frisch Gepresst

Gestern Abend haben wir es sehr gemächlich ausklingen lassen. Nach einem leckeren Cous Cous mit viel Gemüse haben wir eine ganze Weile das bunte Treiben auf dem zentralen Dejaam El Fna beobachtet. Dieser Platz ist wirklich unglaublich. Normalerweise werden Plätze eher durch die darum liegenden Gebäude definiert. Aber dort machen die Menschen den Platz. Es ist ein derartiges Gewusel und alles scheint strengen Ritualen zu folgen. Tagsüber gibt es die Gaukler und Affendressierer und Abends werden dann die dampfenden Garküchen aufgebaut. Man möchte am liebsten überall probieren, und wenn ich nicht gerade ein strenges Ernährungsprogramm durchziehen würde ;-) … würde ich das auch tun. Alleine die Patisserie ist jede Sünde wert … aber zum Glück bietet die marrokanische Küche auch sehr viel Gemüse und leckere Tajine Gerichte. Vom vielen Pfefferminztee habe ich bestimmt schon ein Minzbäuchlein bekommen und atme ätherische Öle aus. 
Heute Morgen durften wir dann wieder frisch gepressten Orangensaft und selbstgemachten Joghurt mit Rosenwasser genießen. 
Unser heutiges Programme sah den Besuch eines weit vor den Toren der Medina gelegenen Industrieviertels vor. Dort sollen sich viele Kreative niedergelassen haben. Mit dem Stadtbus sind wir hingefahren und haben so allerhand Schnickschnack erworben. Besonders nett fand ich es in dem Keramikladen, wo die jungen Besitzer uns ganz stolz erzählt haben, dass sie demnächst auf der Ambiente Messe in Frankfurt vertreten sind. Sie haben uns sogar Eintrittskarten geschenkt. Witzig. 
Um meinen Fuß immer wieder zu beruhigen sind viele Päuschen notwendig. Ansonsten hält er ganz gut mit. Das Wetter meint es auch mehr als gut mit uns. Die nordafrikanische Frühlingssonne brennt ganz ordentlich. Abends und nachts ist es aber noch recht kühl. 
Heute Abend haben wir uns vom Hotel aus einen Termin in einem Hamam machen lassen. Der Reiseführer rät an, seine Schwellenangst beiseite zu lassen und das ganze zu genießen. Ich bin sehr gespannt. 

Geordnetes Chaos

Nach einem ausgiebigen Frühstück im wunderschönen Innenhof unseres Riads sind wir tief eingetaucht in die bunte Welt der Souks. Sich darin zu verlieren scheint in Marrakesh einfach dazuzugehören. Die Gänge und Wege sind derart verwinkelt, dass sich nur einheimische darin auskennen können. Es lebe das Smartphone mit gps und einem offline Stadtplan. Gut so, sonst bestünde nämlich wieder die Gefahr, dass wir wie gestern Abend in die Fänge der marokkanischen selbsternannten  Touristenführer gelangen. 
Unsere kleine Wanderung begann auf dem weltberühmten Dejaam El Fnar, vorbei an Orangensaftständen und Schlangenbeschwörern. Es gibt dort auch Affen!!! Als Kai sagte, dass die einfach so auf einen zukommen, um einem die kleinen haarigen Biester auf die Schulter zu setzen, standen mit für einen Moment alle Nackenhaare zu Berge. 
In den Souks stellt man sich die Frage, wer das alles kaufen soll. Einen Blick zu lange auf einem Gegenstand haftend, haben sie einen auch schon am Wickel. Aber nach noch nicht mal 24 Stunden sind wir bereits abgestumpft. Die Ignorier-Taktik, die wir heute Morgen vom einheimischen Besitzer unserer Unterkunft angeraten bekamen scheint zwar unhöflich, funktioniert aber sehr gut. 
Jetzt sitzen wir gerade entspannt im Schatten des ruhigen Innenhofs des Musée de Marakesh … mit freiem Internet. Da musste ich einfach mal wieder schnell ein paar Impressionen rauslassen, damit wieder Platz für Neues ist. 

Bon Soir

Kaum zu glauben. Nur drei Flugstunden, und wir sind in einer komplett anderen Welt gelandet. Die Eindrücke strömen aus allen Richtungen auf uns ein und ich bin komplett überwältigt. 
Der Flug verging wie im Flug *brüller*, leider hat der einsetzende Schneefall dazu geführt, dass wir mit einer ordentlichen Verspätung losgeflogen sind. In Marrakesch am Flughafen schienen dann 25 großräumige Passagierflugzeuge gleichzeitig gelandet zu sein, denn die Passkontrolle dauerte fast eine Stunde. Den Bus in die Stadt haben wir aber sofort erwischt und nur kurze Zeit später fanden wir uns im Gassengewirr der Medina von Marrakesch wieder.  
Wahnsinn, ich grinste und freute mich auf unser kleines Abenteuer. 
Ich erinnere mich noch gut an einen Roadtrip, den ich damals mit zwei Freundinnen quer durch die USA unternommen habe. Einmal, in Moab, am Rande der roten Nationalparks fanden wir einen traumhaften Campground. Direkt am Colorado River, die Landschaft war einfach atemberaubend schön. Dennoch, am Abend, während die Sonne unterging, ging das Gewirr der Moskitos los. Ein Alptraum. Warum ich das erzähle? Weil es hier in etwa genauso ist, alles ist traumhaft, doch leider ist alles voller kleiner blutrünstiger Biester. Diese kommen in Form sehr geschäftstüchtiger junger Männer daher und man kann leider keinen Schritt machen, ohne in ein Gespräch verwickelt zu werden. 
Aber man wird sich dran gewöhnen müssen. 
Eben auf dem Heimweg, als wir auf dem Weg zurück in unser traumhaft schönes Riad waren, war in den Gassen gerade eine wilde Diskussion im Gange und man kam sich vor wie in einer Szene aus „das Leben des Brian … die Frauen haben sich angeschrien und angekeift … 
Jetzt sitzen wir im ruhigen Innenhof unseres Hauses und lassen den Abend langsam ausklingen. War ein schöner Tag, aber jetzt geht’s ins Bett. 
 
 

 

Frühling in Sicht :-)

Langsam aber sicher macht sich wieder ein kribbeln breit, die Vorfreude auf ein mir bislang unbekanntes Land breitet sich aus. Es ist ein entspannter Samstag und draußen schneit es gemächlich vor sich hin. Fest steht, vom Schnee werden wir in den nächsten Tagen nichts mitbekommen. Denn wo wir jetzt gleich hinfliegen ist es Frühling. 

Vor fast genau einem Jahr sind wir auch aufgebrochen auf eine unbekannte Reise. Damals war das Kribbeln natürlich ungleich stärker. Die Faszination einer 3-Monatigen Reise war unglaublich. Ich kann mich noch so genau daran erinnern. 
Aber auch wenn es sich jetzt „nur“ um ein verlängertes Wochenende handelt, freuen wir uns trotzdem drauf wie Harry. Die Füße machen beide mit. Gleich geht’s los …