Stricken in Spanien

Weil ich gerade so schoen am Schreiben bin, hier noch ein kleiner Rueckblick aus der letzten Woche, die ich bei meiner Freundin Frau H. auf dem spanischen Festland verbracht habe.

Kennengelernt haben wir uns vor ueber 6 Jahren bei einem Stricktreffen in Paris, wo wir uns mit 10 Frauen aus ganz Europa getroffen haben. Die daraus entstandene WhatsApp Gruppe gibt es immer noch und die Menschen dort sind zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Frau H. und ich sind seitdem beste Freundinnen. Es gibt einige Dinge die ums verbinden und in der kurzen Zeit die wir uns kennen, haben wir schon so mache Hoehen und Tiefen des Lebens geteilt.

Frau H. wohnt etwas oberhalb an einem Huegel in einem kleinen gemütlichen Häuschen, von dessen Dachterrasse man einen tollen Blick aufs Meer hat. Die Lage ist in der Nähe des Ortes Javea und auch hier möchte man am liebsten sofort einziehen.

Sonntag ist dann noch eine weitere Freundin dazugekommen. Frau G. lebt in Hamburg und ist ebenfalls fester Bestandteil unser kleinen europäischen Strickgemeinschaft.

Die gemeinsamen Tage waren geprägt von Freundschaft, viel Strickzeit, langen Strandspaziergaengen, gutem spanischen Essen, dutzenden Cafe von Leche aber vor allem eins, erzählen, erzählen, erzählen.

Normalerweise sehen wir uns ein bis zweimal im Jahr, aber Corona hat das natuerlich in den letzten beiden Jahren nicht zugelassen. Umso schoener war jetzt die gemeinsame Zeit.

Abends haben wir so lange gequatscht, bis uns fast die Augen von alleine zugefallen sind und morgens ging es direkt wieder, sobald nur eine von uns aufgestanden ist und Kaffee gemacht hat.

Die gesamte Woche ist auf der einen Seite wie im Flug vergangen, aber im Rueckblick kommt es einem doch viel länger vor. Und man kann sich vorstellen, dass beim Abschied am Freitag auch das eine oder andere Traenchen geflossen ist.

Nur gut, dass ein baldiges Wiedersehen schon beschlossene Sache ist und dieses vermalledeihte Virus uns nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Herbst auf Lanzarote

Heute ist bereits Montag und bislang fehlte mir ehrlichgesagt die Lust, mal etwas ueber unsere kleine Herbstreise zu schreiben. Aber jetzt ist es sehr ruhig, die Sonne ist gerade aufgegangen und ich habe bereits Kaffee gemacht. Während wir nun also gemütlich in unserem kleinen Wohnmobil sitzen, kann ich nun endlich mal ein bisschen erzählen.

Ich habe bereits die letzte Woche auf dem spanischen Festland verbracht, wo ich meine liebe Freundin Frau H. besucht habe. Herr C. ist letzten Freitag direkt von Frankfurt nach Lanzarote geflogen und ich bin dann am Abend angekommen. Ein schoenes Gefühl, vom Gatten so fern von der Heimat am Flughafen abgeholt zu werden.

Wir haben uns also nun seit Freitag auf der Finca La Fuentecilla eingemietet und dort einen kleinen wundervollen Trailer bezogen. Wir beide träumen ja immer mal wieder davon, uns eines Tages ein eigenes Wohnmobil zuzulegen und damit Europa mehr zu bereisen. Bis dahin probieren wir das Vanlife immer mal wieder an verschiedenen Standorten aus. Und ich muss sagen, es gefällt uns. Was uns jetzt allerdings auch aufgefallen ist, ein Bett im Alkoven kommt nicht in Frage. Buh ist das gruselig eng zu zweit, wie gut das es unten noch das ausklappbare Bett gibt. Ach ja, und das nächtliche Kraxeln auf der Leiter brauche ich auch nicht mehr unbedingt. Man wird ja nicht jünger.

Samstag haben wir uns ein bisschen auf dem nördlichen Teil der Insel umgeschaut. Wir sind hoch zum Mirador del Rio gefahren, von dem aus man einen fantastischen Blick entlang der Küste und auf die Nachbarinsel La Graciosa hat. Das Besondere ist aber dort die Architektur. Gestaltet wurde der Mirador vom bekannten Sohn der Insel, dem Künstler und Architekten Cesar Manrique. Mit seinen in die Natur eingebetteten Bauwerken hat er der Insel seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt.

Im Mirador del Rio wurden vor ueber 40 Jahren viele Szenen eine meiner Lieblingsserien aus der Kindheit gedreht, Timm Thaler mit Tommi Ohrner und Horst Frank. Sehr faszinierend dass ich mich noch so gut daran erinnern konnte. Der Raum mit den grossen Fenstern ist wirklich sehr markant und wunderschön. Man möchte sofort einziehen.

Anschließend habe wir uns ein weiters Inselhighlight angeschaut. Die Anlage Jameos del Agua wurde ebenfalls von Manrique gestaltet und strahlt einen herrlichen 70er Jahre Charme aus und ist dennoch überraschend zeitlos. Die Anlage ist eingebettet in ein Hoehlensystem und beherbergt unter anderem einen unterirdischen Konzertsaal. Es ist wirklich etwas Besonderes und die Atmosphäre ist fantastisch.

Spaeter sind wir noch ein bisschen die Küste entlanggefahren. Wir haben den einen oder anderen Stop eingelegt und die wilde Brandung beobachtet. Lanzarote ist karg aber wirklich faszinierend schoen. Eine ganz andere Landschaft sieht man hier. Das kommt natuerlich daher, dass die Insel von Vulkanen und Lava geprägt ist. Der Boden ist vorwiegend schwarz und überall wachsen Kakteen und Palmen.

Die letzten beiden Tage war es sehr windig. Obwohl es gestern zum Beispiel angenehme 25 Grad warm war, ließ einen der starke Wind schnell ins Frösteln kommen.

Heute morgen wurden wir vom entfernten Krähen eines Hahns und dem Gejaule der Hunde unten im Ort Haria geweckt. Irgendwie ist mir erst gar nicht aufgefallen, dass man das nur wahrnimmt, weil der Wind aufgehört hat. Lustig. Aber heute ist es fast windstill. Der Himmel ist blau und es verspricht ein großartiger Tag zu werden.

Abreisefernweh

Gestern sind wir auf Empfehlung eines Bekannten von Herrn C. In Richtung San Pellegrino Pass gefahren (nicht das mit dem Wasser). Es waren nur etwa 15 Kilometer und von hier nahmen wir eine Seilbahn hoch zum Col Margherita. Ein toller Ausblick war es und unser Tagesziel war die Wanderung 600m abwärts zur Talstation.

Nachdem wir also von oben den fantastischen Rundumblick genossen haben und jeder einen weiteren Cappuccino getankt hatten, liefen wir los. Und was soll ich sagen, diese Wanderung war sowas von schön und abwechslungsreich, los ging es über breite Ziehwege, mit Gras bewachsene kleine Pfade (mein persönlicher Liebling unter den Wanderuntergründen)… Es gab steinige steile Passagen, weite Felder und Almen und mittendrin begrüsste uns sogar ein Murmeltier aus seiner Unterkunft. Kreisch, so süss sind die.

Die Gräser schimmerten in den schönsten Herbstfarben und zwischendrin blühte sogar noch einiges. Ein tolles Farbkonzept hat sich die Natur da ausgedacht.

Es gab natürlich auch ein weniger schönen Abschnitt, nämlich eine sehr steile kurze Passage mit haufenweise losem Geröll. Da war sie wieder, die Fallangst. Und quasi als selbsterfüllende Prophezeiung hat es mich dann auch nochmal kräftig auf den noch vom Vorvortag schmerzenden Hosenboden gelegt. Schlimm war das aber nicht, blöd nur, dass ich mir dabei dermassen den linken Zeigefinger umgeknickt habe, dass dieser momentan ein wenig schmerzt und dick und blau ist. Naja, irgendwas ist ja immer, jedenfalls bei mir ;-)

Abends habe ich dann kurz bei meiner Mutter angerufen, um uns spontan schon für Samstag Abend anzukündigen. Es macht so viel mehr Sinn, dann fahren wir am Sonntag heim und nehmen gleich unsere beiden Tiger mit nach Hause. Als sie mich fragte, ob wir denn auch schon die rot leuchtenden Bergspitzen gesehen hätten, wollte ich eigentlich erst verneinen. Ich rief von draussen an und auf einmal drehte ich mich rum und vor mir die leuchtenden Felsen. Ein schöner Moment, den ich sogleich per Bild mit der Familiengruppe teilte.

Und jetzt sind wir bereits wieder in der Gegenwart angekommen. Momentan warten wir auf Einlass zu unserem letzten Abendessen im Hotel. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Herr C. ab jetzt gerne jeden Morgen einen Zettel auf dem Frühstückstisch vorfinden möchte, auf denen er die Speisen für den Abend auswählen kann?

Heute waren wir jedenfalls noch ein letztes Mal Italien schnuppern. Es ging in ca. 50 Minuten Fahrt nach Bozen ins benachbarte Südtirol. Dort waren es dann auch nochmal satte 29 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

Wir kauften hier und da noch ein paar heimische Spezialitäten, stoppten an einem der Strassenstände und luden uns 10 Kilo feinste frisch geerntet Südtiroler Äpfel ins Auto. Ein Teil wird verschenkt und einen Teil futtern wir selbst. Gut gelagert, halten die sich auch ein Weilchen, ansonsten kann man ja noch allerlei Köstlichkeiten daraus zubereiten.

Vorhin lag ich kurz oben im Zimmer, während Herr C. schon den einen oder anderen Saunagang absolvierte. Ich nickte tatsächlich ein und als ich aufwachte vernahm ich dieses spritzende Geräusch von Autoreifen auf nasser Fahrbahn. Hatte es doch tatsächlich geregnet. Naja, wir sind ja auch so gut wie fertig mit dem Urlaub und bei uns beiden macht sich schon ein bisschen Melancholie breit. Weisst du noch, heute vor zwei Wochen? Dabei seufzen wir uns machen Pläne für die Zeit danach. Denn nur so lässt sich das Fernweh einigermaßen ertragen.

Dolomiti

Mittwoch früh sind wir schon wieder aufgebrochen, dieses Mal zu unserer letzten Unterkunft auf unserer kleinen Oberitalienrundfahrt. Doch dazu später mehr.

Auf dem Weg dorthin haben wir uns das hübsche Trient (Trento) angeschaut, in der Innenstadt einen Aperol Spritz getrunken und uns ein bisschen beim Bummeln die Beine vertreten. Ich mag es sehr, dieses ziellose Herumlaufen in einer unbekannten Stadt. Ab und zu gehe ich mal in ein Geschäft, meistens wartet der Herr Gemahl geduldig draussen, manchmal kommt er auch mit rein. Kaufen tue ich meist nix, ich guck einfach gerne was die so haben. OK, manchmal muss es dann doch eine Kleinigkeit sein.

Nachdem wir wieder aus Trient draussen waren, ging die Fahrt in ca. 1 1/2 Stunden weiter nördlich nach Suraga im Fassatal, mittendrin in den bezaubernden Dolomiten. Nicht umsonst gehören diese zum UNESCO Weltnaturerbe und an den hohen Bergspitzen, die die Täler links und rechts einsäumen, kann man sich gar nicht satt sehen.

In der neuen Unterkunft haben wir sogleich erst mal den Wellness Bereich inspiziert. Wie fein. Im Hotel Dolomia gibt es zwei Saunen, ein Dampfbad, einen Pool und einen Whirlpool mit zuschaltbarem Wasserfall. Gefallen hat mir, dass hier die Leute ihre Badebekleidung anbehalten durften/sollten/mussten. Ich gehe wirklich gerne in die Sauna, aber ganz ehrlich, so richtig wohl fühle ich mich nicht unter den Nudisten. Ist eben so.

Am Abend dann gab es ein feudales 5 Gänge Menü mit Salatbuffett mit allerlei leckerer Trentiner Küche. Es war alles sehr schmackhaft zubereitet und wir hangelten uns vom geflammten Zucchinittörtchen, über leckerste Nudeln mit Pilzen, gebratenem und gekochtem bis hin zur allerfeinsten Karamelltorte.

An der Bar draussen machte sich der Kellner gerade einen Café Macchiato für den Eigenbedarf. Das ist ein Espresso mit einem Schuss Milch falls jemand fragt. Ich kramte tief in meiner Italienisch Schublade, grinste ihn breit an und sagte, ich hätte gerne einen Café „essatamente cosi“… woraufhin er mir zwinkernd seinen rüberreichte. Derselbe und der gleiche, jaja, die Feinheiten der Sprache muss ich wohl noch lernen.

Sitzbeinhöcker

Momentan denke ich gezwungenermaßen pausenlos über mein Hinterteil nach, denn es schmerzt nach der gestrigen Strapaze so sehr, dass ich kaum noch sitzen kann.

Wir haben uns, wie schon im letzten Jahr, mal wieder ein Elektro Fahrrad ausgeliehen. Diese gab es direkt im Hotel und weil man ja in den Bergen gerne mal jegliches Zeitgefühl verliert, haben wir es gleich fuer den ganzen Tag gebucht.

Die Tour ausgesucht, hat mein persönlicher Reiseleiter Herr C. Schon vom letzten Jahr wusste ich, dass bergauf im Turboantrieb gar kein Problem ist. So schreckten mich auch nicht die über 1000 anvisierten Höhenmeter.

Leider stellte sich gleich beim Verlassen der Hauptstraße heraus, dass die Strecke weitgehend unbefestigt war und im wesentlichen mit Steinchen und Geröll belegt war. Da war sie dann auch gleich wieder, meine Angst. Schließlich war es das erste Mal seit 9 Wochen, als ich unachtsamerweise in eine Strassenbahnschiene eimfädelte, dass ich wieder im Sattel dass. Apropos Sattel … dazu gleich mehr.

Auf Kies zu fahren kann rutschig werden, besonders wenn es steiler wird. Ich hatte ordentlich Respekt vor der Tagesaufgabe. Aber kneifen gilt nicht und so strampelten wir munter den Berg hinauf.

Die Landschaft war ein Traum. Unglaublich schöne Bergwelt und wir hatten mal wieder totales Glück mit dem Wetter.

Irgendwann, nach einer Weile, fing dann bei uns beiden das Gesäss an zu schmerzen. Während Herr C. etwas härter im Nehmen ist, schimpfte ich leise vor mich hin. Schuld ist die Fahrradsattelindustrie. Jetzt mal echt, breites Gesäss und knochenharter schmaler Rennsattel. Das kann doch gar nicht funktionieren denke ich. Vollkommen unmöglich. Nicht umsonst habe ich mir für mein Rad zuhause einen großformatigen Gelsattel zugelegt. Mit dich egal wie das aussieht ;-)

Auf dem Weg nach oben kamen wir an einer Schafherde vorbei. Gut dass wir angehalten haben, denn eins der Lämmer blökte herzerweichend. Es hatte sich mit dem Kopf im Schutznetz verfangen und kam nicht mehr alleine raus. Herr C. ist gleich hingeeilt und hat das Tier aus seiner misslichen Lage befreit, noch ehe ich ein Foto davon machen konnte. Es bedankte sich mit einem lauten Määäh und rannte zurück zur Herde. Da geht einem wirklich das Herz auf.

Oben an der Hütte war es dann unbeschreiblich schön. Der Aufstieg hat sich gelohnt und die Batterieladung meines Rades zeigte trotz ausgiebiger Nutzung des Turbo Modus noch fast 50%. Von weitem wurden wir schon mit lautem Kuhglockengeläut empfangen, bevor wir uns dann endlich ein wohlverdientes Radler genehmigten. Auch wer es nicht glauben möchte, strampeln muss mann dennoch, auch wenn es natürlich lächerlich ist im Vergleich zum normalen Rad. Die vielen Fahrer ohne E-Antrieb haben daher auch meinen absoluten Respekt.

Danach begann der weniger angenehme Teil. Die Abfahrt. 1000 Meter ging es wieder nach unten und jetzt erst begannen die Strapazen. Dauerbremsen und verkrampfte Sirzhaltung in Armen und Beinen. Kann man bestimmt besser lösen, aber nicht wenn man so ein Schisser ist wie ich. Das Geröll auf dem Weg ist einfach sehr rutschig. Ironischerweise vor allem dann wenn man langsamer fährt und viel bremst.

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir endlich unten und mir stiegen schon fast die Tränen in die Augen.

Unten angekommen wurden dann erst mal die Füsse in das glasklare gebirgswasser gehalten und das hat einfach nur gut getan. Am liebsten wäre ich ganz reingehüpft. Aber brrr, es war doch etwas zu kalt.

Zum Abschluss ging es noch mal gute 250 m aufwärts auf der geteerten Hauptstraße zum Hotel. Konditionstechnisch nicht das Problem, aber sitztechnisch …. autschn autschn autschn. Die eingangs erwähnten Sitzbeinhöcker wurden nochmals aufs unangenehmste malträtiert und auch jetzt, zwei Tage nachdem ich diesen Betrag schreibe, tut mir mein Gesäss noch weh.

Höhen und Tiefen

Diese Überschrift ist eine wahre Meisferleistung in Sachen zweideutigkeit und ein kreativer Höhepunkt meines Schaffens ;-)

Seit gestern (Sonntag) Nachmittag sind wir in den italienischen Alpen, genauergesagt im Trentin. Noch genauer gesagt liegt unser Hotel direkt an der Passstrasse zum Manghen Pass, oberhalb von einem Ort namens Telve im Suganertal (Valsugana).

Wir haben fuer drei Nächte das Aurai Hotel gebucht und in der Bar hängt ein Schild, dass man ein Freibier bekommt, wenn man das Hotel in seinen Insta Stories tagged. Ob ich meinen ersten inoffiziellen Auftrag als Influencerin annehmen soll? Herr C. sagt ja 😂

Heute morgen wurden dann endlich die Wanderklamotten ausgepackt und ich musste mit einem Schrecken feststellen, dass ich ausversehen die falsche Hose eingepackt habe. Die war schon ein älteres Modell, sieht aber meiner aktuellen Hose zum verwechseln ähnlich. Ich mag eben grau. Der entscheidende Unterschied ist aber die Konfektionsgrösse. Mit viel gutem Willen hätte ich sie vielleicht noch zu bekommen, aber auf das Atmen hätte ich dann verzichten müssen. So habe ich dann die ebenfalls graue Jogginghose genommen.

Herr C. hatte bereits am Vorabend eine „leichtere“ Einstiegsroute für uns ausgesucht. Prima dachte ich noch. 250 Höhenmeter, ca. 3 Stunden, kriege ich locker hin.

Vor fast genau zwei Jahren haben wir zu Fuss die Alpen überquert. Aber durch Corona und die damit verbundene eher inaktive Lebensweise und nicht zuletzt wegen totaler Inaktivität seit meinem Radunfall vor 9 Wochen, sieht es mit meiner momentanen Ausdauer eher nicht so gut aus.

So fuhren wir hoch auf den Pass und liefen von dort aus los. Eine Hütte zur späteren Einkehr gab es und ich visualisiert schon diverse Speisen als Ziel am Ende der Runde.

Der Einstieg in den Weg verhiess jedoch nichts gutes. Es ging direkt zur Sache mit einem steilen Abstieg durch steinige Pfade. Meine Beine haben gezittert, ich war total unsicher auf meinen Beinen und dachte immer an die Worte in der Komoot App „gute Ausdauer und Trittsicherheit erforderlich“ auweia, kann ja heiter werden. So schimpfte ich leise vor mich hin. Der Zetervogel war wieder da und Herr C. wollte schon fast umkehren.

Aber so war ich vielleicht früher. Die neue und verbesserte Version meiner selbst weiss, dass Wandern einfach toll ist, und das Glueck es dann geschafft zu haben, durch nichts zu überbieten ist. Auf der Suche nach dem Glücksmoment habe ich mich also durchgebissen. Und Schritt für Schritt wurde es tatsächlich besser und auch die Strecke war nicht mehr ganz so steinig.

Die Landschaft war aber auch schön. In fast vollkommener Einsamkeit erreichten wir nach etwa einer dreiviertel Stunde den kleinen kleine Lago Buse. Die herbstlichen Farben, der wechselwolkige Himmel und die Bergkulisse waren einfach ein Traum.

Dann wurde es lustig. Vor uns türmte sich ein Gebirgskamm auf und es mutete sehr steil an. Da sollten wir rüber. Wie jetzt? Einstiegstour? Leicht? Aber kneifen gilt nicht und so gingen wir es an. Der Aufstieg hat gar nicht so lange gedauert und war dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Erst ging es durch die Forcetta Ziolera, danach dann ein ganzes Stückchen im Verlauf der Höhenlinien. Auf der zweiten Furka hatten wir plötzlich wieder Empfang und wir nutzten die Gelegenheit um meinem lieben Papi ein Geburtstagsständchen per Telefon zu bringen. Ich glaube er hat sich ein bisschen gefreut.

Danach begann der Abstieg. Der war erst mal wieder recht steil und felsig, aber die Beine spielten besser mit als am Anfang. Man konnte von weitem schon die Zielhütte erkennen und zum Schluss ging die Strecke fast gerade in Richtung Einkehr.

Mein Fazit, es war fantastisch. Eine der schönsten Wanderungen, die ich gemacht habe und uneingeschränkt empfehlenswert. Mit etwas besserer Kondition hätte es sicher noch mehr Spass gemacht. Das Radler danach hat gezischt und da war es dann, diese absolute und unvergleichliche Glücksgefühl.

Biennale di Architettura

Sonntag Morgen in Venedig. Bereits um 9 Uhr am Morgen haben wir unser Hotel in Richtung Canale Grande verlassen, um von dort ein Vaporetto zu nehmen. Alleine der Weg dorthin war schon so schön, da sich die Stadt so früh am Sonntag von einer herrlich ruhigen Seite zeigte.

Mit etwas Planung war es doch noch möglich ein freies Zeitfenster für ein weiteres Highlight auf der Reise zu finden: Die Architekturbiennale. Das schöne daran, wenn man von unterwegs Bilder in seine Storys setzt, bekommt man praktisch live neue Reisetips. So hat meine ehemalige Münchner Architektenkollegin uns wertvolle Hinweise zum Besuch der Biennale gegeben. Denn das Areal ist riesig, und soviel Zeit hatten wir ja leider auch nicht mehr. Auf ihre Empfehlung sind wir also direkt zur Arsenale geschippert und waren um Punkt 10 direkt zur Öffnungszeit am Eingang. Alleine das Gelände der Arsenale ist sehenswert. Ein grosses Industriegelände, dass einst unter anderem eine Schiffswerft beherbergte.

Im langgezogenen Hauptgebäude konnten wir dann auch direkt eintauchen in die Welt aus Architektur, Kunst, Phantasie und Kitsch. Das Thema in diesem Jahr war unser aller Leben in der Zukunft. Wirklich sehenswert und ich hab mich einfach nur gefreut, dass ich Herrn C. dafür gewinnen konnte. Ich glaube sogar, es hat ihm auch gefallen. Nach einer Kaffeepause sind wir dann noch vor zum eigentlichen Hauptareal der Biennale gelaufen, den Giardini. Dies ist ein festes Gelände, welches im jährlichen Wechsel Kunst oder Architekturprojekte aus aller Welt zeigt. Einige der Pavillons haben wir uns auch angeschaut, wobei, wie ebenfalls zuvor persönlich empfohlen, wir beide den dänischen Beitrag am liebsten mochten. Im deutschen Pavillon erwartete einen erstmal nix, ausser ein paar QR Codes an weißen Wänden und leeren Räumen. Man sollte alles virtuell erkunden und mir schien das ganze etwas kopflastig und irgendwie wars fad.

Leider mussten wir irgendwann mal den Rückweg antreten, denn der nächste Reisepunkt stand schon auf dem Plan, es sollte in die Berge gehen.

Doch zuvor spielte uns das Leben einen so schönen Ball zu, den wir nicht einfach abprallen lassen konnten (metaphorisch-literarische Meisterleistung ;-) Wir wollten das Vaporetto für den Rückweg ursprünglich nur für die 6 Stationen zum morgendlichen Ausgangspunkt nehmen. Aber plötzlich taten sich ganz vorne, in allererster Reihe, zwei der sehr raren Aussenplätze auf dem Boot auf. So verlängerten wir spontan das vorgesehene Zeitkontingent für Venedig und schipperten in aller Ruhe mit der Linie 1 einmal komplett entlang des Canale Grande mit der perfekten Aussicht. So schön und ein würdiger Abschluss für diese einzigartige Stadt.

Am Ende der Linie angekommen konnten wir von der anderen Seite schnell wieder unser Hotel erreichen. Wir haben unser eingelagertes Gepäck abgeholt und nochmals betont wir gut uns das Hotel gefallen hat. Gibt übrigens auch Zimmer mit eigenem Bad, haben wir erfahren.

Mit dem Bus Nr. 7 sind wir wieder nach Mestre gefahren und haben unser Auto wieder aus dem Schlaf geweckt. Während der etwa zwei Stunden Fahrzeit in die Alpen veränderte sich die flache Landschaft und die ersten Hügel taten sich auf. Und ehe wir uns versahen, waren wir schon mitten drin. Alles wieder ganz anders und dennoch toll. Wir lieben beide sehr diese Abwechslung im Urlaub.

Gegen halb sechs checkten wir in unserem neuen Hotel Aurai ein und bezogen ein feines Zimmerchen mit eigenem Bad und unser beider Traum, einer großzügigen Dusche, bodengleich und mit Regenduschkopf. Irgendwann haben wir sowas vielleicht auch mal.

Wir haben Halbpension und so erwartete und am Abend ein exquisites 4 Gänge Menü mit allerlei lokalen Spezialitäten. Wir freuen uns auf die nächsten Tagen in den Bergen.

Buntes Burano

Samstag morgen führte unser erster Weg in den putzigen Frühstücksraum unseres Albergho und es gab ein kleines Buffet mit frischen Croissants, Saft, Butter, Marmelade und Kaffee.

Später sind wir zu Fuss in Richtung Canareggio gelaufen, um dann am oberen Ufer der Stadt ein Vaporetto nach Burano zu nehmen. Hier schließt sich der Kreis, denn von genau dort hatte ich den letzten Beitrag geschrieben.

In Burano war ich vor über 20 Jahren schon einmal, aber die bunten Häuser hatten es mir damals schon so angetan, dass ich immer mal wieder herkommen wollte. Während es damals noch fast ein bisschen als Geheimtipp galt, ist die Instagram würdige Kulisse mittlerweile zum echten Magneten für die Massen geworden. Hätten wir uns eigentlich denken können. Aber seis drum. Auch hier half es, nur wenige Meter vom Hauptstrom in eine Seitengasse zu verschwinden und die ruhige Seite dieses Ortes zu geniessen.

Es ist wie ein Labyrinth, manchmal enden die Gässchen einfach, dann wiederum führt ein kleiner Tunnel auf eine neue zauberhafte Piazza. Die Bewohner dulden die Menschen, man wird geflissentlich ignoriert. Dafür dekorieren sie ihre Häuser mit allen Schikanen und vielleicht sind sie ja doch ein bisschen stolz, dass der Ort an dem sie leben so schön ist, dass er gerne von Menschen aus aller Welt besucht wird. Es wird Fluch und Segen gleichermaßen sein.

Samstag war Waschtag und überall hing die bunte Wäsche malerisch verteilt zwischen den Häusern, und wir fragten uns, ob die Bewohner am Ende von der Gemeindeverwaltung sogar dazu aufgefordert werden, nur Wäsche im passenden Farbkonzept aufzuhängen ;-) Es war jedenfalls unglaublich fotogen. Ein paar Bilder habe ich ja auch geknipst ;-)

Am Rand der Insel fanden wir ein richtig schönes Café und haben uns mit leckerem Toast, Cappuccino und Wasser gestärkt, bevor wir mit dem Boot wieder zurück nach Venedig gefahren sind.

Abends sind wir erneut nach Canareggio gelaufen, um dort nochmal Venedig und auch Italien von seiner schönsten Seite zu geniessen. Dort an einem der langen Kanäle treffen sich die Einheimischem abends zum Aperitif. Und das ist ganz wundervoll. Man holt sich einen Aperol aus einem der Bars und setzt sich einfach ans Ufer. Dieses Getränk wird wirklich überall angeboten und der Prosecco kommt dafür sogar aus dem Zapfhahn.

Zum Abschluss gab es eine sehr leckere Pizza in einem der zahlreichen Strassenlokale und wir haben uns gefreut, dass wir mal wieder so einen schönen Tag hatten.

Saluti da Venezia

Ich sitze gerade etwas unbequem im Innenraum des Traghetto auf dem Weg nach Burano und frage mich, wieviel Schweißperlen noch unter der Maske entstehen können, bevor mir das gesamte Gesicht zerfliest. Dennoch lächle ich und bin glücklich. Irgendwie habe ich das Gefühl, endlich im Urlaubsmodus angekommen zu sein. So richtig, mit allem, und Herrn C. geht es genauso. Das Fremdeln zu Beginn der Reise ist verflogen und Italien hat uns wieder voll und ganz in seinen Bann gezogen.

Gestern frueh haben wir noch ein letztes Frühstück mit der bezaubernden Aussicht auf den Lago genossen, bevor wir alles zusammengepackt haben und gegen halb elf unsere schöne Unterkunft verlassen mussten. Schade war das, denn gerade jetzt hatte ich mich richtig eingewöhnt.

Aber die Vorfreude auf die Lagunenstadt überwog. Eindeutig. In ca. zwei Stunden erreichten wir das vorgelagerte Mestre, dessen Name mich nicht das letzte Mal an Commissario Brunetti erinnern sollte. Die Romane von Donna Leon habe ich der Reihe nach verschlungen. Nicht zuletzt wegen der wundervollen Beschreibung der venezianischen Lebensart.

In Venedig war ich schon ein paar Mal. Und dieses Mal lag es so günstig auf der Route, dass mir Herr C. diesen Wunsch erfuellte und zwei Nächte direkt Im Zentrum gebucht hat.

Mit dem Bus sind wir in nur ca. 15 Minuten direkt auf die Insel gebracht worden und von dort war es wirklich nur noch ein Katzensprung zu unserem Albergho.

Das kleine Hotel Dalla Mora hat einen Stern und liegt in einer Seitengasse direkt an einem der pittoresken Kanäle. Wir bekamen ein tolles Zimmer im 2. Stock mit einem wundervollem Ausblick auf das Wasser und die alten Gemäuer. Fantastisch. Das Hotel selbst kommt mit unglaublich viel Lokalkolorit daher und ist jedem grossen Kasten mit 5 Sternen vorzuziehen. Es ist pieksauber, die Dusche ist im Zimmer und das WC teilt man sich auf dem Gang mit drei anderen Zimmern. Wem das nichts ausmacht, dem sei dieses Hotel wärmstens empfohlen, zumal die Lage wirklich sehr sehr zentral ist.

Wir haben uns kurz frischgemacht und sind direkt losgezogen. Auf halber Strecke fiel mir plötzlich auf, dass ich mein Portemonnaie nicht in der Tasche hatte. Ein Schreckmoment, bei dem wahrscheinlich jeder etwas durcheinander gerät. Ich sah mich schon wegen meinem verlorenen Ausweis auf dem deutschen Konsulat sitzen. Mein Mann ist gottseidank sehr besonnen und geduldig und wir liefen eilig zurück ins Hotel. Dort lag es dann seelenruhig, ich hatte es einfach vergessen. Uff. Auf diese Erleichterung mussten wir danach erst mal mit einem Aperol Spritz anstoßen.

Hierfür steuerte Herr C. zielsicher den Campo Santa Margherita an und wir waren erstaunt, wie angenehm ruhig es war. Der Aperol Vergleichspreis sank auf unglaubliche 3 Euro. Und dass in Venedig. Wer haette das erwartet.

Den weiteren Tag verbrachten wir mit ziellosem umherstromern durch die Gassen und Kanäle. Immer im Wechsel zwischen voll belebter Touristenmeile und ruhigen Gässchen. Das hat viel Spass gemacht. Die berühmte Rialtobruecke und den Piazzale San Marco haben wir natuerlich auch nicht ausgelassen, denn nur hier kann man ablesen, wie voll Venedig zur Zeit wirklich ist. Ich wuerde sagen, auch wenn es durchaus sehr gut besucht ist, speziell an den Hot Spots, hat die Stadt ihre ursprüngliche Dichte noch nicht wieder erreicht. Es fehlen einfach noch die vielen Besucher aus Übersee. Und das sage ich jetzt vollkommen wertfrei.

Am späten Nachmittag, zum zweiten Spritz des Tages, fingen dann plötzlich die kleinen Blutsauger an, ihre Opfer zu jagen. Mich moegen sie dabei wesentlich lieber als Herrn C. und innerhalb von wenigen Minuten hatte ich einige juckende Stiche abbekommen. Wie gut, daß wir im Hotel den „bite away“ und Antibrumm dabeihatten. Alles andere bringt nix.

Zum Abendessen sind wir am Abend nochmals zurück zur Piazza vom Mittag, wo mittlerweile deutlich mehr los war. Was mir dort am besten gefallen hat, war die Mischung aus Einheimischen und Besuchern. So nahm ich es zumindest an. Ein weiterer toller Tag neigte sich dem Ende und gegen 11 Uhr fielen wir muede in das etwas zu kurz geratene Hotelbett.

Mit der Fähre nach Malcesine

Gestern sind wir direkt nach dem kleinen Fruehstueck mit Aussicht auf den See mit dem Auto runter ins benachbarte Maderno gefahren. Hier kann man wesentlich besser einen Parkplatz finden, als im eng bebauten Gardone. Wir mussten ein Stückchen an der Uferpromenade entlanglaufen und hatten noch etwas Zeit fuer einen zweiten Cappuccino direkt am Bootsanleger.

Mit etwas Verspätung holte uns dann um die Mittagszeit die Fähre ab und wir begannen die langsame Überfahrt nach Malcesine. Geplant war eigentlich ein Ausflug nach Limone, aber da haette die Fahrt noch länger gedauert und der Aufenthalt waere entsprechend kürzer gewesen.

Die Fahrt war einfach schön. Der Himmel war strahlendblau und der See war etwas rauher, so dass sich die Gischt teilweise meterhoch vor dem Schiff auftuermte. Ein tolles Schauspiel war das. Die Kulisse der steil aufragenden Felswände entlang des nördlichen Teils des Gardasees ist ohnehin sehr beeindruckend.

Nach knapp eineinhalb Stunden steuerten wir dann Malcesine an. Der malerische Häuserhaufen mit der Burg und einer Chiesa im oberen Teil wurde vorne vom Wasser her noch mit Segelbooten perfektioniert. Fast ein bisschen kitschig ;-)

Malcesine war voll, sehr sehr voll. Aber nach kurzer Ruecksprache mit dem Fanilienchat auf WhatsApp erfuhren wir, dass man sich hier, im Gegensatz zu Limone wenigstens noch um seine eigene Achse drehen kann. Und was man Malcesine zugestehen muss, es gibt ein paar nette Läden dort, so wie ich es aus früheren Italienurlauben kenne. Schuhe und Taschen, Gürtel und einigermaßen geschmackvolle Bekleidung.

Nachdem wir ein bisschen durch die engen Gassen gestromert sind, fanden wir schließlich auch ein paar entlegenere Gaesschen und eine feine Trattoria. Herr C. bekam äußerst schmackhafte gebratene Salsicce mit Polenta und ich gönnte mir ein Lieblingsessen aus meiner Kindheit, Tagliatelle alla Bolognese.

Die Zeit verging wie im Flug und nach drei Stunden mussten wir schon wieder zurück fahren. Irgendwie ist der Schiffsverkehr auf dem See doch recht limitiert. Aber seis drum. Hat auch gereicht.

Die Heimfahrt dauerte zwar etwas länger, da das Schiff zweimal den See kreuzte. Aber es war dennoch total schoen und als Herr C. plötzlich mit zwei Aperol Spritz hinter mir auftauchte, war der Moment einfach nur perfekt.

Den Abend habe wir dann gemütlich auf der Terrasse verbracht. Wir haben selbst gekocht. Als Vorspeise gab es Honigmelone mit Bresaola und Parmaschinken. Zur Hauptspeise haben wir eine Polenta Uncia zubereitet. Ein traditionelles Rezept aus der lombardischen Heimat meines Schwiegervaters. Die Polenta wird verfeinert mit allerlei Kaese und ganz viel Butter. Wem das noch nicht reichhaltig genug ist, der verfeinert mit Olivenöl. Knoblauch und Salbei waere gut gewesen, hatten wir aber nicht. Es war trotzdem unglaublich lecker und hat pappsatt und glücklich gemacht.

Alles in allem ein perfekter Urlaubstag.