Das grosse Finale und ein Heimflug mit Hindernissen

Jetzt ist es also so weit. Nach viereinhalb Wochen verlassen wir dieses wundervolle Land. Mal sehen, wann wir uns wiedersehen.

Was werden wir am meisten vermissen? Die schönen Spaziergänge am Strand, die wahnsinnig aufgeschlossenen Menschen, das Koala und Känguru Suchen … die tägliche  Abwechslung und das Entdecken neuer Gegenden oder am Ende ganz einfach dieses tolle Gefühl zu Reisen.


Worauf freue ich mich aber auch? Auf das Gefühl, zu Hause den Schlüssel im Schloss umzudrehen, auf richtig gutes, krustiges und körniges Brot, auf Freunde, Familie und die Miezekatzen natürlich. Und ja: auf Ruhe. Das klingt für viele sicher ironisch, aber so eine Reise ist ein Vollzeitjob für die Sinne. Mental bin ich zwar völlig „resetet“, aber körperlich fühle ich mich, als hätte ich einen Marathon hinter mir. Ich bin sehr gespannt, wie mein Körper jetzt darauf reagiert.


Während ich das hier schreibe, sitzen wir gemütlich im Flugzeug nach Ho-Chi-Minh-Stadt – oder Saigon, wie es früher hieß (was so viel schöner klingt). Gestern Abend sah die Lage allerdings noch etwas  anders aus …


Wir saßen gerade auf der Fähre zurück zum Hotel und hingen unseren Gedanken nach, als Kai seine Mails checkte. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Wir wurden unfreiwillig von der Premium Eco in die normale „Holzklasse“ degradiert. Waaaaas?! In meinem Kopf sah ich uns schon 13 Stunden lang mit den Knien an den Ohren festsitzen.

Telefonate und Emails  ergaben nur: Flugzeugtyp geändert, Premium Eco gestrichen. Punkt. Können die doch nicht machen, stellt sich raus, sie können.

Später kam dann aber noch eine Nachricht von der Fluggesellschaft.
Vietnam Airlines bot uns drei Optionen: Eine Woche länger bleiben (mein Herz sagte sofort ja!), eine lächerlich niedrige Entschädigung oder – ein „Skysofa“.


Ein Skysofa? Ich hatte davon mal im Internet  gelesen. Man bekommt eine ganze Dreierreihe für sich, die mit einer Auflage zur ebenen Liegefläche umgebaut wird. Fast wie ein echtes Bett über den Wolken! Wir pokerten und sagten zu.

Es dauerte bis nach Mitternacht, bis die Bestätigung für das Skysofa eintrudelte. Verbunden mit der Nachricht, dass sich der Abflug um eine Stunde verspätet. Good News fuer uns, denn so konnten wir noch mal das leckere Frühstück im Hotel geniessen.


Für ein wenig Extra-Adrenalin bin ich ja immer gut: Trotz Kais „zärtlicher“ Ermahnungen heute Morgen habe ich mein iPad auf dem Nachttisch liegen lassen. Es war exakt so grau wie die Tischplatte und tarnte sich perfekt. Erst am Flughafen kam der Schockmoment: Sch****!

Dank vieler Telefonate und eines flinken Uber-Fahrers, der das gute Stück im Hotel rettete und im Slalom zum Terminal brachte, ging alles gut. 25 Euro für eine Lektion in Sachen Aufmerksamkeit – ein fairer Deal.


Dabei war der gestrige Tag davor so herrlich entspannt. Die Fahrt mit den zwei Fähren von der Pyrmont Bay nach Manly ist ein Muss! Erst wirkte Manly etwas überlaufen (wir Touristen schimpfen ja gerne über andere Touristen 😉), aber ein paar Schritte nach rechts und alles wurde ruhig.

Wir fanden einen kleinen Rockpool und sind zum Abschied noch mal ins kühle Nass gesprungen. Das Wasser war glasklar und für einen Moment fühlte es sich in einem kleinen Strandcafé daneben an, als wären wir in Griechenland gelandet. Das war wirklich nett.

Hier schließt sich der Kreis, denn auf der Heimfahrt von Manly haben wir dann von dem Downgrade erfahren.


Ehrlich gesagt hat uns das Flug-Chaos  erst mal die Stimmung vermasselt. Mit viel therapeutischer Erfahrung meinerseits sagten wir uns: Nicht mit uns! Wir lassen uns das Finale nicht verderben.

Nach dem Packen zog es uns noch einmal vor an die Bucht, wir wollten eigentlich nur noch mal einen kleinen Abendspaziergang machen.  Doch plötzlich vibrierte die Luft: laute südamerikanische Rhythmen! Schon wieder Salsa-Nacht, dieses Mal unter einer Autobahnbrücke am Hafen.


Hunderte Menschen wirbelten dort im Kreis, das Licht der Stadt spiegelte sich im Wasser, und die Musik riss uns einfach mit. Da wir von der Schrittfolge so viel Ahnung haben wie ein Koala vom Fliegen, haben wir einfach wild improvisiert. Aber hey, der Vibe war unschlagbar! Unser neuer Vorsatz: Ein Tanzkurs zu Hause muss her. Mal schauen, ob wir das bis zum nächsten Urlaub durchziehen. Mit einer geteilten Pizza als anschliessend er Mitternachtssnack war das ein absolut würdiger Abschluss für einen absolut traumhaft schönen Urlaub.



Jetzt sind wir fast in Saigon. Dann sechs Stunden Beine vertreten, bevor der lange Ritt nach Frankfurt beginnt. Tja, das ist das Opfer für eine Reise ans Ende der Welt – aber jede Sekunde war es wert.

Neues Update: wir sind heute morgen im Viertel nach 7 in Frankfurt gelandet und mittlerweile wieder gut zuhause angekommen.

Vielen Dank euch allen fürs Mitlesen, Mitfühlen und die vielen lieben Nachrichten. Wir haben uns jedes Mal riesig gefreut! Ich hoffe, unsere digitalen Postkarten habem euch ein bisschen Freude gemacht.


Bis zur nächsten Reise …

Surry Hills & Sydney Rockpools

Unser vorletzter voller Tag in Sydney – und damit natürlich auch in Australien. Langsam, aber sicher sind die Stunden in diesem wundervollen Land gezählt. So traurig uns dieser Gedanke auch macht, so sehr schleicht sich doch auch die Vorfreude auf zu Hause ein. Dort kann man sich erst mal wieder richtig erholen 😂😂😂 – auch wenn das für Kai leider nicht gilt, er muss am Montag direkt wieder arbeiten. Für mich steht dagegen erst mal ausgiebiges Ausruhen auf dem Programm.


Wie ich ja schon neulich erwähnt hatte, arbeite ich aus gesundheitlichen Gründen momentan nicht, was mir die nötige Zeit gibt, die vielen Eindrücke der letzten Wochen in Ruhe zu verarbeiten. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass nach all der Anstrengung nicht erst mal wieder ein sogenannter „Crash“ erfolgt.

Am Donnerstag sind wir nach dem Frühstück mit der Bahn in den benachbarten Stadtteil Surry Hills gefahren. Dank meiner langjährigen Sydneyliebe und entsprechenden Internet-Recherchen wusste ich, dass dies einer der trendigeren Ecken der Stadt ist. Ich habe viele Jahre lang eine Bloggerin aus Sydney verfolgt, die aus genau diesem Viertel immer so wunderschöne Eindrücke in Wort und Bild geteilt hat – da war es für mich eine besondere Freude, das Ganze nun endlich mal mit eigenen Augen zu sehen.

Das Wetter war wie eigentlich fast immer, seit wir hier in Sydney sind: am Vormittag noch etwas durchwachsen, aber später riss der Himmel wieder auf und tauchte das hübsche Viertel in ein fantastisches Licht. In Surry Hills gibt es unzählige Cafés und zahlreiche Secondhand-Läden – in einem davon wurde Kai  für mich fündig: Ich konnte meine Sonnenbrille ersetzen, die ich im Laufe dieser Reise irgendwo verloren hatte.

​So schlenderten wir entspannt durch die Gassen, ich machte hier und da ein Foto, zwischendurch gab es einen kühlen Iced Latte – und so verging der Vormittag wie im Flug.

Am frühen Nachmittag nahmen wir Bahn und Bus in Richtung Pazifik. Die Endstation der Linie lag direkt am Clovelly Beach, der sich in einer schmalen, von Felsen eingerahmten Bucht versteckt. Wir waren beide vollkommen begeistert: Eben noch im Großstadtgewirr und nur eine halbe Stunde Fahrt später stehen wir vor so einer Kulisse!


Die Bucht verfügt über einen dieser faszinierenden Rockpools, die es in Australien – und ganz speziell in Sydney – so zahlreich gibt. Diese Becken sind meist direkt aus den Klippen gemeißelt und mit Beton befestigt, sodass sie bei Flut direkt vom Meerwasser gespeist werden. Das Beste daran: Man schwimmt darin absolut „haifrei“ und ist vor der gefährlichen Brandung geschützt. Ein tolles System, das zudem noch wahnsinnig fotogen ist!

Von dort aus sind wir den Coastal Walk in Richtung Norden gewandert. Der Weg führt direkt an der Küste entlang und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Ozean.
Laut Karte sollte als Nächstes ein großer Park folgen – zumindest dachten wir das. Doch der Park entpuppte sich als ein riesiger Friedhof, der thronend über den Klippen direkt am Meer liegt.

Als alte Bestattertochter hat mich dieser Ort natürlich sofort fasziniert und ich musste die besondere Stimmung dort ausgiebig mit der Kamera einfangen.

Nach einer Weile erreichten wir schließlich Bronte Beach. Dort warteten die Bronte Baths auf uns – ein Felsenpool, der gefühlt noch schöner war als der erste. Bisher kannte ich diesen Anblick immer nur von Fotos aus dem Blog, dem ich so lange folge, und ich war umso begeisterter, dieses wunderschöne Exemplar nun endlich live zu entdecken.
Direkt daneben gab es praktische Umkleiden und WCs, und da wir vorsorglich unsere Badesachen eingepackt hatten, ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, die Wasserqualität persönlich zu testen. Es gibt kaum etwas Erfrischenderes, als in so einem Pool seine Bahnen zu ziehen, während direkt daneben die Wellen des Pazifiks gegen die Felsen klatschen.

​Ab und an schwappt mal eine frische Welle über den Beckenrand direkt ins Poolinnere, aber im Becken selbst blieb das Wasser ruhig und flach, während draußen der blaue Pazifik tobte. Ein herrlicher Kontrast und einfach nur entspannend

​Die Pools, der raue Ozean mit seinen hohen Wellen und der weißen Gischt, die schroffen Felswände, die üppige Begrünung und dazu dieses Traumwetter – all das machte auch diesen Weg zu etwas ganz Besonderem. Was mir hier immer wieder auffällt: Niemand hat direkt am Meer gebaut. Die gesamte Küste bleibt öffentlich zugänglich, sodass wirklich jeder etwas davon hat. Ein wunderbarer Gedanke, der dieses Land so sympathisch macht – Australien mal wieder

Der letzte Strand auf unserer kleinen Wanderung war schließlich der berühmte Bondi Beach. Auch hier gab es noch einmal einen beeindruckenden Rockpool – die berühmten „Icebergs“. Dieser ist allerdings Teil eines Schwimmvereins und kostet 10 $ Eintritt, während alle anderen Pools, die wir passiert haben, kostenlos nutzbar waren.

Die Stimmung am Bondi Beach war allerdings gar nicht mal so schön wie an den kleineren, unbekannteren Stränden zuvor. Hinter dem Strand wirkte vieles eher ungemütlich; es reihen sich leicht schäbige Burgerketten an andere, eher lieblose Lokale. Da hat uns der ursprüngliche Charme der kleineren Buchten deutlich besser gefallen.

Wir hatten nach dem vielen Laufen und Schwimmen trotzdem ordentlich Hunger und landeten dann doch ganz spontan in einer der Burgerketten. Immerhin hatte es einen praktischen Vorteil: Direkt davor hielt später der Bus, der uns zurück in die Stadt brachte. Dort noch mal kurz in die Straßenbahn gehüpft und flugs waren wir wieder im Hotel.


Das Highlight des Tages war für mich aber ganz klar das Schwimmen in den Bronte Baths mit den tosenden Wellen im Hintergrund. Ein Traum! Da kam mir direkt eine Idee: Sowas Ähnliches könnte man doch eigentlich auch am Main bauen, oder? Ich sehe schon, ich muss wohl nach meiner Rückkehr mal ein Wörtchen mit den Stadtplanungsämtern reden… 😂😂😂

Sydney Opera, Salsa und Kaffeduft

Manchmal braucht das Schicksal einen langen Atem. 12 Jahre ist es her, dass uns das Leben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ich erwähnte bereits die Geschichte mit dem Affenbiss.

Seitdem schien Australien immer in weiter Ferne. In einem Jahr gab es andauernde Waldbrände, dann kam Covid, dann hat Kai wieder was anderes vorgeschlagen. Aber ich bin hartnäckig geblieben, und habe den Wunsch Australien nie aufgegeben. Die berühmte Oper als zentrales Wahrzeichen von Sydney stand dabei immer symbolisch fuer die Erfüllung meines Reisetraums.

Der Tag begann ganz entspannt im Woolstore Hotel. Nach drei Wochen Rundreise mit improvisierten Frühstück aus unserer kleinen Kühlbox gab es hier zum ersten Mal wieder ein richtiges Frühstück à la carte. Am Tisch sitzen, bedient werden, den ersten Kaffee in Ruhe genießen – das hat uns gefallen.

Vom Hotel aus sind wir später zu Fuß zum Fähranleger am Maritim Museum spaziert und haben dort die Fähre in Richtung Oper genommen. 



Das Boot legte ab, der Wind wehte uns um die Nase, wir schipperten gemütlich entlang der beeindruckenden und stetig wachsenden Skyline, bis wir irgendwann direkt auf die Harbour Bridge zusteuerten – und plötzlich tauchte sie auf: die Oper. In diesem Moment sind bei mir alle Dämme gebrochen. Ich musste einfach heulen, so richtig emotional und tief aus dem Herzen. Ich habe mich einfach so sehr über diesen Anblick gefreut.  Um dem Moment einen würdigen Rosamunde Pilcher Anstrich zu verleihen, hauchte Kai mir dann auch noch die berühmten drei Worte ins Ohr 😉


Wir sind dort ausgestiegen und haben das beeindruckende Gebäude erst einmal aus der Nähe betrachtet. Die weißen Dächer sind mit unzähligen weißen Fliesen gedeckt. Diese Struktur aus der Nähe zu sehen, ist wahnsinnig beeindruckend.


Unser Weg führte uns weiter durch die Royal Botanic Gardens bis zur anderen Seite der Bucht.

Von dort aus hat man diesen berühmten Postkarten-Blick: die Oper und die Harbour Bridge in perfektem Einklang. Und das Beste: Der Himmel, der morgens noch grau war, riss pünktlich etwas auf. Die Sonne zeigte sich immer wieder zwischen dem wolkenverhangenen Himmel.

Wir liefen die ganze Strecke quer durch den Park und landeten im Stadtteil „the Rocks“.
Dort haben wir ein Café entdeckt, das mein Herz sofort höher schlagen ließ: Dort lag Wolle auf den Tischen und man konnte einfach weiterstricken. Wie gemütlich ist das bitte?

Herbstlaub


Später haben wir uns wieder aufgeteilt. Kai zog es zurück zum Hotel und mich – wie sollte es anders sein – noch einmal in meinen japanischen Lieblingsbuchladen Kinokuniya. Ich habe dort sicher zwei Stunden verbracht, mich durch Handarbeits- und Crafting-Bücher geblättert und einfach nur geschwelgt. Es ist pure Inspiration für mich.



Zum Abendessen habe ich Kai angerufen und wir haben uns in Chinatown getroffen. Es gab köstliche Wontons und Dim Sums. Bei noch angenehmer Abendluft konnten wir sogar noch draussen sitzen – genau das Richtige nach so vielen Kilometern zu Fuß.

Auf dem Heimweg sind wir an einer grossen Markthalle vorbeigekommen – dem Haymarket. Dort wurde Salsa getanzt – es ist wohl jeden Mittwochabend so. Wir konnten nicht widerstehen und haben ein bißchen mitgetanzt. Das war soooo schön. Wären wir nicht beide so k.o. von diesem ereignisreichen Tag gewesen, hätten wir sicher noch stundenlang weitergemacht.

Ein letzter Boxenstopp führte uns noch in einen kleinen Supermarkt. Mit Milch und Kaffee im Gepäck  (für frischen Kaffeduft am Morgen im Zimmer) sind wir glücklich und müde ins Hotel zurückgekehrt.

Sydneysider

Am Ende ging alles ganz schnell: Eben noch die schnuckeligen Koalas bewundert, sind wir Montagnachmittag gegen drei schon in Sydney gelandet. Unser erster Anlaufpunkt: unser Zimmer im 7. Stock des Holiday Inn im Stadtteil Potts Point. Kurz die Taschen abgeworfen und dann hieß es auch schon Abschied nehmen.

Wir mussten unseren treuen blechernen Gefährten – unser Auto – am Flughafen abgeben. Ein bisschen traurig war das schon, schließlich hat er uns sicher durch die letzten Wochen begleitet.


Mit der Bahn ging es zurück in die City. Um fünf waren wir wieder im Hotel und mein Körper hat erst mal laut nach dem üblichen Schläfchen verlangt. In Ermangelung eines Pools hat Kai währenddessen schon mal seine Fühler ausgestreckt und die Umgebung erkundet.


Kais „Schnüffelnase“ ist mittlerweile richtig gut trainiert und hat uns am Abend zu einem wunderbaren kleinen Asiaten geführt. Wir bestellten jeder eine Rice Bowl, die einfach köstlich war. Das Viertel rund ums Hotel mochten wir sofort: Es gibt dort viele kleine Gassen, nette Lokale und Boutiquen. Und als Krönung gab es auf dem Rückweg noch ein Eis mit Banoffee-Geschmack – sooo lecker!


Das Holiday Inn war das letzte offizielle Hotel unserer gebuchten Rundreise. So stand am Dienstag der letzte Hotelwechsel an.


Nach einem letzten improvisierten Zimmer-Frühstück fuhren wir mit haufenweise lose gepackten Taschen in einem Uber in unser neues Zuhause für die letzten Tage in Sydney.

Das 1888 Woolstore Hotel liegt im Stadtteil Pyrmont. Es handelt sich dabei um ein kleines Designer-Boutique-Hotel, in das ich mich schon von zu Hause aus verguckt hatte. Und mal ehrlich: Wenn ein Hotelname schon mit „Wool“ (Wolle) anfängt, dann kann es ja nur gut werden.


Nachdem wir unser Zimmer vollständig in Beschlag genommen und alle horizontalen Oberflächen sorgsam mit unseren Habseligkeiten vollgepflastert hatten, wollten wir eigentlich die Klassiker abklappern – Opernhaus, Harbour Bridge, das volle Programm. Aber der Himmel über Sydney war grau und wolkenverhangen. Kurzer Planwechsel: Wenn es regnet, gehen wir eben shoppen.


Das haben wir erst mal gemeinsam erledigt, wobei es für Kai eine hübsche neue Sommerhose gab. Ich hatte mir für den Anlass einige Shops ausgewählt, die ich nun nacheinander „abarbeiten“ wollte. Dazu haben wir uns getrennt, denn es kann schon mal vorkommen, dass ich in dem einen oder anderen Laden etwas mehr Zeit brauche.

So verschlug es mich zuerst in einige Läden für Schreibwaren und Journaling-Zubehör und in ein großes Wollgeschäft.
Besonders angetan hat es mir ein riesiger japanischer Buchladen namens Kinokuniya – dort hätte ich den ganzen Nachmittag verbringen können. Nur so zum Verständnis: Japanische Stationery und japanische Handarbeitsbücher sind einfach unschlagbar!


Gegen halb sechs haben wir uns im Food-Court einer der Malls getroffen und uns erst mal etwas Sushi zur Stärkung einverleibt.

Eigentlich war der Plan, später noch mal größer essen zu gehen, doch das wurde kurzerhand gestrichen. Wir waren einfach fix und fertig. Stattdessen gab es ein „Resteessen“ auf dem Bett mit den Vorräten aus unserer pinkfarbenen Kühlbox: Hummus, Cracker, Gurke, Tomate und ein paar Kekse.
Es war ein wunderbar gemütlicher Abschluss für unseren ersten richtigen Sydney-Tag. Die Stadt hat uns jetzt schon in Ihren Bann gezogen und wir sind sehr gespannt, was die nächsten Tage noch so bringen.

Ein Vormittag im Krankenhaus

Der gestrige Tag war ein längerer Tag im Auto. Wir mussten mal wieder einige Kilometer hinter uns lassen.

Am Nachmittag sind wir in Port Macquarie angekommen und konnten direkt in den vierten Stock des Rydges Hotels einchecken.

Da es nach meinem üblichen Nachmittagsschläfchen schon recht spät war, sind wir kurz vor Sonnenuntergang noch einmal entlang der Promenade gelaufen. Solche Abendspaziergänge sind ein fester Anteil unseres Reisealltags geworden.

Zum Abschluss des Tages gab es unsere geliebten Fish & Chips in einem kleinen Lokal um die Ecke des Hotels.

Heute morgen zeigte sich Australien dann  mal wieder von seiner besten Seite, aber der heutige Tag nahm eine Wendung, mit der wir so nicht gerechnet hatten. ;-)
Nach ein paar Bahnen im Hotelpool und einem improvisierten Frühstück hieß es mal wieder: Koffer packen und los.

Aber wir sind nicht weit gekommen. Unser spontanes  Ziel lag quasi um die Ecke, und doch war es eine ganz andere Welt.

Wenn man hört, dass man im Urlaub direkt ins Krankenhaus fährt, zuckt man erst mal kurz zusammen – vor allem mit meiner Reisehistorie! 😂 Aber keine Sorge, uns geht es prächtig. Unser Ziel war das Koala Krankenhaus  kurz hinter Port Macquarie.


Die Anlage ist eine wunderschöne, grüne Oase. Überall stehen Eukalyptusbäume und die Gehege sind so in die Natur integriert, dass man fast vergisst, sich in einer medizinischen Einrichtung zu befinden. Hier werden verletzte und kranke Koalas aufgepäppelt und, wenn möglich, wieder ausgewildert. Aber das ist nur ein Teil der wichtigen Arbeit dort.


Wir hatten das große Glück, etwa eine Stunde dort zu verbringen, und trafen dabei auf Ranger Toni. Er ist einer der Freiwilligen vor Ort und ein absoluter Experte, besonders was das Zuchtprogramm angeht. Mit viel Leidenschaft und Humor hat er uns die gesamte Anlage erklärt.


Das Areal ist riesig. Im hinteren Teil befindet sich ein umzäuntes Waldstück, das der reinen Koalazucht vorbehalten ist. Hier sollen Tiere unter natürlichen Bedingungen und mit so wenig menschlichem Einfluss wie möglich auf die Welt kommen.

Schmunzeln mussten wir, als wir erfuhren, dass es dort sogar eine „Matchmakerin“ gibt. Die weiblichen Koalas sind nämlich sehr wählerisch! Zuerst setzt man sie in benachbarte Gehege. Wenn sie Interesse zeigen, wird die Trennung geöffnet und der Spaß kann beginnen.


Es war faszinierend zu hören, wie gezielt daran gearbeitet wird, die Population der Koalas langfristig zu sichern. Toni erklärte uns, wie wichtig die Genetik für eine gesunde neue Generation ist und wie viel Herzblut in die Vorbereitung der Tiere auf ihre Freiheit gesteckt wird.


Ein weiterer wesentlicher Teil der Einrichtung ist das eigentliche Krankenhaus. Hier gibt es tatsächlich einen richtigen OP mit allerlei Geräten wie Ultraschall und Röntgen. Dahinter liegen die Rehabilitationsgehege. Diese sind, genau wie die Zuchtgehege, für Besucher unsichtbar im hinteren Teil der Anlage untergebracht.


Den dritten Teil der Anlage bilden die Gehege im vorderen Bereich für die dauerhaften „Residenten“. Das sind Koalas, die aus diversen Gründen nicht mehr alleine in der Wildnis überleben könnten. Da das Ganze direkt im Wald gebaut wurde, hat jedes Gehege eigene hohe Bäume, in denen die Koalas ungestört klettern können.

Noro zum Beispiel war ein richtiger Poser: Während wir oben auf einer Art Terrasse standen, kletterte er auf Augenhöhe vorbei und warf sich in so zauberhafte Posen, als wäre er bei einem Model-Contest. Ich bin fast in Ohnmacht gefallen vor Verzückung! Ja, ich glaube, ich kann es jetzt offen aussprechen: Koalas sind meine absoluten Lieblinge unter den australischen Beuteltieren.


Nach gut einer Stunde mussten wir uns von Toni und seinen Schützlingen verabschieden. Dieser Vormittag hat uns noch einmal geerdet und uns gezeigt, wie besonders dieses Land und seine Bewohner sind.


Mit diesen schönen Bildern im Kopf haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Für uns beginnt jetzt der letzte Abschnitt unseres großen Abenteuers. Wir sitzen im Auto und fahren Richtung Süden – unser letztes Ziel: SYDNEY.


Es fühlt sich noch ganz surreal an, aber Sydney wird tatsächlich der letzte Stopp unserer Reise sein. Bevor der Alltag uns wiederhat, wollen wir dort jedocha die letzten Tage noch einmal in vollen Zügen genießen. Die Vorfreude auf die Oper, die Harbour Bridge und das Großstadtflair ist riesig, auch wenn natürlich ein klein wenig Wehmut mitschwingt, dass sich unsere Reise so langsam dem Ende zuneigt.

Koalas, Delfine, Wasserdrachen und Pfannenpizza in Byron Bay

So langsam sind die Tage auf unserem kleinen Roadtrip entlang der australischen Ostküste gezählt. Morgen Nachmittag werden wir bereits unser Ziel Sydney erreicht haben. Aktuell sind wir aber noch auf dem Weg zu unserem letzten Übernachtungsstopp vor der Metropole. Es ist ein merkwürdiges Gefühl: Wir genießen den Komfort der wechselnden Hotels und das Auspacken der Koffer an immer neuen, schönen Orten sehr, aber die Gewissheit, dass Sydney die letzte Station ist, schwingt nun bei jedem Kilometer mit.

Zwei wunderbar entspannte Tage in Byron Bay liegen hinter uns.  Kaum haben wir uns an den Vibe eines neuen Ortes gewöhnt, zieht es uns weiter. Wie immer hätten wir auch hier liebend gerne noch ein paar Tage drangehängt, um einfach nur aufs Meer zu schauen und die Seele baumeln zu lassen.

Am Freitagmorgen hieß es: Abschied nehmen von Brisbane. Die Fahrt aus der Stadt heraus verlangte uns durch den dichten Verkehr erst einmal einiges an Geduld ab, doch kaum lag das Stadtgebiet hinter uns, wurde es auf den Straßen Richtung Süden merklich ruhiger – und das Fahren endlich wieder entspannter.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir unser Ziel: den Byron Bay Discovery Park. Es ist eine dieser weitläufigen Anlagen, eine Mischung aus klassischem Campingplatz feststehenden Hütten, in denen man alles findet, was das Outdoor-Herz begehrt. Schnell war klar: Das hier ist ein echtes Paradies für Familien mit kleinen Kindern, im Reisejargon bedeutet das, es war ein ordentliches Gewusel und Kindergeschrei.

Wir bezogen ein kleines modernes Häuschen an einem der Teiche mit kompletter Ausstattung und zwei Schlafzimmern. Besonderes Feature: im Teich sprudelt eine Fontäne so laut, dass es jenes Gebrüll übertüncht hat 😂

Vor der Tür empfing uns übrigens ein freundlich dreinblickender Australian Waterdragon. Die sind echt so süss. Leider auch sehr scheu.

Mittlerweile sind wir ein total eingespieltes Team. Jeder Handgriff sitzt, fast so, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Während einer von uns die pinkfarbene Kühlbox ausräumt – unser treuester Begleiter, den wir direkt zu Beginn in Cairns erstanden haben –, kümmert sich der andere um die restlichen Vorräte.

Sobald der Duft von frischem Kaffee durch den Raum zieht, beginnt unsere ganz eigene Routine: Ich unterziehe wie immer die Matratzen einem kritischen Check, während Kai direkt den Pool inspiziert.

Den Nachmittag haben wir genutzt, um ein wenig durch den Ort zu bummeln und später am Strand die Meeresluft zu genießen. Wie fast überall auf unserer bisherigen Reise durch Australien begleiten uns auch hier zahlreiche Eukalyptusbäume – die einzige Lebensgrundlage der wohl süßesten Beuteltiere der Welt.

Überall am Straßenrand sieht man die Warnschilder, die zur Vorsicht mahnen, doch in den Baumkronen selbst sind die Koalas extrem schwer zu entdecken. Ihr graues Fell ist die perfekte Tarnung zwischen den Baumstämmen und den dichten Blättern. Meist klammern sie sich so eng und unbeweglich an die Äste, dass man schon sehr genau hinschauen muss, um nicht einfach an ihnen vorbeizulaufen.

Umso aufgeregter war ich, als wir plötzlich eine kleine Gruppe von Leuten entdeckten, die alle mit gereckten Hälsen nach oben in die Baumkronen starrten. Ein untrügliches Zeichen: Da muss was sein!

Bereitwillig versuchte man uns die Stelle zu zeigen, aber ich tat mich anfangs wahnsinnig schwer, in dem Wirrwarr aus Ästen und Blättern den kleinen graue „Bären“ zu entdecken. Doch dann, plötzlich, fokussierte mein Auge ihn – und die Freude war riesig. Ist er nicht einfach unfassbar putzig?

Für den Abend hatten wir uns ganz optimistisch eine Tiefkühlpizza mitgenommen. Ich war mir sicher, dass wir in unserer Unterkunft wieder so eine praktische Kombi aus Backofen und Mikrowelle vorfinden würden, wie wir sie schon öfter hatten. Tja, falsch gedacht: Es war nur eine ganz normale Mikrowelle vorhanden.

Eine kurze Internet-Recherche später die verblüffende Lösung: Die Pizza zuerst in der Mikrowelle auftauen und anschließend in einer heißen Pfanne knusprig anbraten. Wer hätte das gedacht? Ich war skeptisch, aber was soll ich sagen: Es hat tatsächlich funktioniert! Ein echtes Roadtrip-Lifehack-Abendessen, das am Ende viel besser schmeckte als erwartet.

Für den nächsten Tag hatte ich mir ganz bewusst eine Ruhepause verordnet. Auf einer so langen Reise ist das für mich einfach essenziell – ohne diese Inseln der Erholung würde ich irgendwann nur noch erschöpft in der Ecke liegen. Während Kai also alleine loszog, um den nahegelegenen Strand zu erkunden, habe ich mir eine ganz andere Art von Auszeit gegönnt: Ich habe den ganzen Vormittag mit meinen Journaling-Freundinnen aus der ganzen Welt gezoomt.

Das Schöne an der Reise ist ja auch, dass sich die Zeitverschiebung mal zu meinem Vorteil dreht. Zu Hause in Frankfurt finden die Treffen meist weit nach Mitternacht meiner Zeit statt, was für mich kaum machbar ist. Hier in Australien hat es zeitlich endlich mal perfekt gepasst! Es wurde unglaublich viel gelacht und der kreative Austausch hat mir total gutgetan.

Und während ich meine Akkus aufgeladen habe, hat Kai diese fantastischen Aufnahmen am Strand gemacht. Sieht das nicht toll aus?

Am späteren Nachmittag stand noch ein kleines Highlight auf dem Plan: die Fahrt hoch zum Byron Bay Lighthouse. Ich muss wirklich sagen, dass dies einer der schönsten Leuchttürme war, die ich jemals gesehen habe – strahlend weiß vor diesem tollen Abendhimmel.

Kurz dahinter befindet sich der östlichste Punkt des australischen Festlandes. Und genau dort passierte es: Wir konnten tatsächlich Delfine im Wasser entdecken! Kreisch! Wow, was für ein magischer Moment. Ein Tag, an dem man Delfine in freier Wildbahn sieht, kann einfach kein schlechter Tag sein. Wenn diese eleganten Kreaturen so spielerisch und wellenartig durch das Meer gleiten, macht das einfach glücklich. Ein perfekter Abschluss für unsere Zeit in Byron Bay.