Mein Verlobter, seine zukünftigen Schwiegereltern und ich

Heute ist ein wunderschöner sonniger Tag und überhaupt ist alles wunderschön und sonnig gerade. Sobeben habe ich im Büro angerufen und die frohe Botschaft verkündet, daß ich ab Juni wieder zur Arbeit kommen werden, wie ich den Weg dorthin zurücklege ist mir zwar noch nicht klar, aber das wird schon irgendwie funktionieren. Ich freue mich jedenfalls sogar ein bisschen auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Die Fortschritte laufen weiterhin so geschmiert, wie seit meinem letzten Post. Jeden Tag geht es etwas besser und es gibt immer wieder kleine Zwischenschritte, die wieder und wieder ein Stückchen Freiheit zurückgeben. Zum Beispiel Duschen im Stehen … sensationell. Aber das allerbeste, ich kann in der Wohnung schon wieder ohne Krücken herumhumpeln. Vorhin war ich beim Arzt und der hat es sogar schwarz auf weiss bescheinigt, daß ich ab sofort wieder voll belasten darf. Morgen sind es genau 8 Wochen seit der letzten OP. Ach ick freu mir so … ich könnte in die Luft hüpfen, aber damit muß ich dann doch noch etwas warten ;-)

Letzte Woche war auch sehr schön. Mama und Papa kamen aus aus dem fernen Vogelsberg zu Besuch. Wir waren zusammen spazieren,  sogar auch mal in der Stadt und zwischendurch hat meine Mutter sich ein bisschen um Haus und Hof gekümmert, Wäsche gewaschen und unglaublich lecker gekocht. Mit meinem Dad habe ich mittags auf der Couch verweilt und mir das Nachmittagsprogramm im ZDF angesehen. Schon sehr interessant, während ich bei meinen Lieblingsserien auf Sixx immer wieder den Versprechungen von Internetschuhhändlern und Reiseveranstaltern ausgesetzt bin, setzt das ZDF einen Kontrapunkt mit Werbung für die Apothekenumschau und den neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet des nächtlichen Harndrangs. Lediglich bei Emergency Room konnten wir uns auf einen gemeinsamen Nenner einigen ;-)

Ich habe viel gestrickt und endlich meinen Singapur Cardigan fertiggestellt, Fotos folgen. Ein neues Jackenprojekt habe ich bereits am Sonntag begonnen und ich bin einfach süchtig.

Leider ist eine der zahlreichen Langzeitfolgen auch die wundersame Vermehrung meiner selbst. Heute morgen hatte ich endlich den Mut, auf die unvermeidbare gläserne Digitalwaage zu steigen … wuaaaah … ich habe es ja geahnt, aber es war ohnehin unvermeidbar. Der Kombination aus Bewegungsarmut, Medikamenten und natürlich allen voran meiner Maßlosigkeit in Bezug auf Schokolade, Kuchen und sonsten Knabbereien ist es geschuldet, daß ich jetzt wieder ganz von vorne anfangen darf!!! Aber irgendwie ist das ja auch wieder eine Herausforderung. Ich mache ganz sicher keinen Hehl daraus, daß ich ab nächster Woche wieder regelmäßig zu den Weight Watchers gehe. Denn ihr wißt ja … der Oktober naht, und da werde ich ganz sicher nicht mehr Kilos auf den 10 Kilometern mit mir rumschleppen als unbedingt notwendig.

Vielleicht hat ja irgendjemand Lust, uns vor Ort ein bisschen anzufeuern? Oder am Ende sogar mitzumachen? Hier wären die Details :-) Das wäre doch was, außerdem ist Mallorca um diese Zeit einfach nur ein Traum. Bei unserem letzten Besuch zu dieser Jahreszeit konnten wir noch im Meer baden …

Durchbruch

Mit wirklich großen Schritten (im wahrsten Sinne des Wortes) geht es nun endlich ein Stücken vorwärts.

Letzten Dienstag war endlich der erste Termin der Physiotherapie. Und das hat wirklich so einiges verändert. Die wesentliche Veränderung ergab sich natürlich nicht durch ein paar erste kleine Bewegungsübungen, sondern durch die Blockade in meinem Kopf, die mit diesem ersten Termin gelöst wurde. Die Therapeutin hat mir einfach die Angst genommen, den Fuß nun endlich mal wieder auf den Boden zu setzen. Die ganze Zeit war ich mir unsicher, ob ich vielleicht etwas falsch machen könnte … oder ob die Sehne villleicht beim ersten Bodenkontakt mit einem lauten Knall wieder auseinanderberstet. Da dies so schnell nicht zu erwarten sei, fing ich an, jeden Tag fleissig zu üben.
Bin ich also Dienstag noch auf Krücken und einem Bein in die Praxis um die Ecke gehumpelt, konnte ich tatsächlich am Donnerstag so etwas ähnliches wie eine Laufbewegung simulieren … selbstverständlich noch jeden Schritt des kranken Fußes mit den Krücken abfedernd.

Am Freitag dann die Offenbarung, ich hatte das Gefühl wieder ein bisschen besser vorwärts zu kommen … also entwickelte sich im Gehirn ein wagemutiger Gedanke. Ich dachte dauernd an mein nächstes Strickprojekt, und daß ich dafür doch unbedingt neue Wolle bräuchte (ist ja nicht so, daß ich zuhause nicht schon ein paar Knäuel habe ;-)
Kai konnte ich nicht fragen, der sagt ja immer nur, ich hätte doch schon so viel davon … also recherchierte ich im Internet nach der genauen Lage des angepeilten Garnshops.
Lange genug in Frankfurt, visualisierte ich die Zugänglichkeit der Bahnen und der Stationen (Rolltreppe oder Lift, Entfernungen). Nach ausgiebiger Machbarkeitsstudie habe ich es tatsächlich gewagt. Im absoluten Schneckentempo bin ich vor zur Straßenbahnlinie 12 gehumpelt, am Willy-Brandt-Platz in die U-Bahn umgestiegen und wurde nach nur drei Stationen direkt vor der Wollboutique Elflein in der Eckenheimer Landstraße wieder ausgespuckt. 
Und weil das so toll gelaufen ist, bin ich gleich nochmal zur Konstablerwache und einmal quer über die Zeil gewatschelt. Es war einfach grandios. Ich hatte ein fettes Grinsen im Gesicht und war soooo stolz. Am Schweizer Platz kam dann der Kai von der Arbeit dazu und wir haben erstmal auf diesen Erfolg mit einem gepflegten Bierchen angestoßen.

Samstag dann die nächste ganz große Herausforderung. Der große runde Geburtstag von unserem lieben Freund und Kommentator Dirk. Er hat ganz groß aufgefahren und es gab sehr leckeres Grillgut in der Weber Grillakademie und viel Platz zum Tanzen … *Plattenscratch* … leider nicht für mich, das wäre dann doch noch nicht möglich gewesen. Ist schon blöd, wenn der Kopf einfach immer schneller vorwärts will, als meine Füße!!! Aber es war ein schöner Abend und wir hatten unseren Spaß. Ein lockeres Grillen in turbulenter Atmosphäre (ich sage nur 3 Teenager am Tisch ;-) bei Kais Schwester in Oberrad am Sonntag Abend rundete dieses wirklich ganz wundervolle und erfolgreiche Wochenende ab.

Mir persönlich wäre es ja am liebsten, das würde jetzt jeden Tag so weitergehen, aber ich befürchte, ich muß mich auch weiterhin in Geduld üben. Unser Ziel, die 10 km am 19. Oktober auf Mallorca zu laufen, werden wir aber so schnell nicht aus den Augen verlieren. 

Milchmädchenrechnung

Kai hat heute seinen ersten Arbeitstag. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich beneide ihn darum. Ich wäre heute auch so viel lieber wieder einem geregelten büroalltag nachgegangen. 

Aber ich lasse ja den Kopf nicht hängen und arbeite weiter an der wohnungsinternen Prozessoptimierung. Mit dem Rollstuhl kann ich fast jeden Winkel der Wohnung erreichen, Ausnahme Bett und Bad … und somit war ich tatsächlich in der Lage, eine Maschine mit Wäsche zu beladen und anzustellen. Überlege allerdings noch, wie ich es schaffe, diese danach in den Trockner umzuschichten. 
Das kaffeproblem wurde ebenfalls weiter optimiert. Im schicken blauen Rucksack mit halbgeschlossenem Reißverschluss ist das ganze zwar noch nicht vollkommen dicht, aber hey, da fülle ich die Tasse einfach ein bisschen voller und dann bleibt mehr übrig ;-)

Gerade habe ich es wieder auf das Sofa geschafft, schaue mir peinliche teenagerserien der 90er Jahre an und … nawas … stricke, bis der Arzt kommt … oder Kai ;-)
Gestern Mittag waren wir mit Kais Eltern beim Thailänder … und es hat sooooo lecker geschmeckt. Da konnte man ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Lustig war, dass der Papayasalat mit 2 Chilischoten als besonders scharf gekennzeichnet war … haha … do you like Thaispicy or touristspicy? 

Frankfurter Allerlei

Irgendwie hatte ich mir das ein bisschen anders vorgestellt. Ich dachte, ich würde hier schön weiterbloggen und es gäbe jeden Tag eine neue bahnbrechende Verbesserung meiner allgemeinen Gestundheitssituation … aber dann sind da leider immer wieder diese Rückschläge. Gestern zum Beispiel hatten wir noch am Vormittag Besuch und irgendwann am Mittag hatte ich dann wieder so starke Schmerzen im Fuß, daß selbst ein normales Schmerzmittel nicht half. Also warf ich mal wieder eine dieser Zaubertabletten aus Singapur ein … habe noch geringe Restbestände, die ich hüte wie einen Schatz. Die hat dann auch geholfen, aber durch die Abstinenz der letzten Wochen war ich wohl wieder entwöhnt … und der Warnhinweis „can cause drowsyness“ hatte dann voll eingeschlagen. Ich war schachmatt, den ganzen Tag … nix schlimmes, aber eben furchtbar müde und schläfrig. So war er dann der Freitag. Erst am Abend saß ich wieder aufrecht und habe mir mit Kai einen Agententhriller im Fernsehen angeschaut.

Heute morgen geht es aber wieder um einiges besser, die Laune ist gut und vorhin habe ich mich dabei ertappt, wie ich zu der Musik im Radio mitgewippt habe ;-) Musik … ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens, den ich seit dem Affenbiss vollkommen ausgeklammert hatte.
Heute Nachmittag sind wir auf einen Geburtstag eingeladen … mal gespannt, wie das so läuft :-)

Vorgestern haben uns die Kellers besucht, die wohnen hinter den sieben Bergen irgendwo in der Nähe des schönen Bodensees, in einer Gegend, die so traumhaft schön ist, daß man dort am liebsten sofort wieder hinfahren möchte … (Notiz an mich: Unbedingt Besuch vereinbaren :-) Dort ist es so furchtbar idyllisch, daß es für die Kinder ein ganz interessantes Erlebnis war, in der großen Stadt zu sein. Übrigens handelt es sich bei der Dame neben mir um das berühmte Monakel, die immer so fleissig mitgelesen und kommentiert hat, wir haben gemeinsam die Höhen und Tiefen des Architekturstudiums durchlebt und durchlitten ;-)

Gestern morgen beim gemeinsamen Frühstück haben wir dann auf dem Computer eine kleine bescheidene Auswahl (höchstens 1500 Stück ;-) der schönsten Urlaubsbilder angeschaut und Kai und ich haben uns mal wieder erinnert, was für eine unfassbar schöne Zeit wir hatten.

Am Montag wird der Kai wieder seinem geregelten Büroalltag nachgehen und ich habe noch 4 Wochen Zeit um hoffentlich Ende des Wonnemonats wieder einsatzfähig zu sein. Ich setze jetzt wirklich große Hoffnungen auf die am Dienstag beginnende Physiotherapie!

Herr, gib mir Geduld … und am besten sofort ;-) In diesem Sinne, ein wunderschönes Wochenende allerseits.

Nach dem Urlaub …

Heute bin ich total melancholisch, schon den ganzen Morgen. Ich bin einfach ein Träumerle. Warum ausgerechnet heute, na weil wir so ziemlich genau jetzt im Flieger sitzen würden, und in nur wenigen Minuten der Heimflug nach Frankfurt starten würde. Um 7 heute Abend würden wir in Frankfurt landen und noch ein paar ruhige Tage mit sicher sehr viel Fernweh zu Hause verbringen, bevor wir beide am 5. Mai wieder arbeiten müssten.

Jou. So isses halt net, Gaby … iss ja gut jetzt!
Deswegen … die aktuelle Trauerzeit beträgt demnach noch genau 6 1/2 Stunden. Dann ist endlich Schluss mit dieser Phase und die nächste Planungsphase kann beginnen. Frei nach dem Motto, man muß auch loslassen können, um neues zu beginnen :-)

Als wir uns auf die große Reise begeben habe und ich den Untertitel für diesen Blog gewählt habe, mußte ich immer an dieses Bild denken …

… daß die Magie auch ihre Zähne zeigen kann, habe ich ja nun gelernt, aber es wird uns sicher nicht davon abhalten, die Zone immer wieder zu verlassen, um neue Entdeckungen zu machen.

Es gibt ja noch sooooooo viel zu entdecken ;-)

Neues aus dem Lazarett

Gestern Abend waren wir endlich mal wieder Gassi, also abends … weg, aus, unterwegs. Kaum zu fassen, das letzte Mal, daß ich an einem Abend draußen war, war vor über 6 Wochen. Das war der Abend in Singapur als ich beim Inder meine Henkersmahlzeit das letzte Abendessen vor der großen Krankenhausodyssee verspeist habe. Aber das ist nun sehr lange her, und so ging es gestern Abend mal wieder zum Rühl, dem Stammgasthaus der Famile K. aus H. Und das hat sooo verdammt gut getan, endlich mal wieder raus, unter Leute, ganz normal an einem Tisch sitzen (ok, ein Bein auf dem Nachbarstuhl) und ein ordentliches Frankfurter Festmahl einnehmen. Es sind tatsächlich die vielen kleinen Dinge, über die man sich wieder freuen kann.

Manchmal fühlt man sich wie ein Baby in den ersten Lebensmonaten, wo es jeden Tag etwas neues lernt … schau, es lacht … jetzt hat es den Kopf gehoben … es dreht sich um usw. usw.
Irgendwie fühle ich mich momentan genauso, auch wenn meine Fortschritte vielleicht nicht ganz so tiefgreifend sind, so bedeuten sie mir doch eine ganze Menge:

  • ich habe kaum noch Schmerzen und komme daher auch fast gänzlich ohne die blöden Schmerztabletten und Tropfen aus, vielleicht alle 3-4 Tage mal ein paar Tropfen Novalgin
  • ich dusche jetzt wieder ohne vorher den Fuß in eine Mülltüte einzupacken, den Fuß im Wasser genieße ich die tägliche Wäsche noch viel mehr
  • ich habe es bereits geschafft, mir selbst einen Kaffee in der Küche zu zapfen und diesen dann auch noch an den Ort meiner Wahl zu transportieren, das geht mit einer Thermostasse und einem Stoffbeutel, leider ist die Tasse nicht ganz dicht und ich tropfe beim Laufen dann immer ein bisschen ;-)
  • ich habe die Treppenstufen bei Kais Eltern bewältigt (2. Stock) 
  • ich stand neulich auf 2 Beinen! Ok, zugegeben, eher im Kontrapost mit Spiel und Standbein, aber immerhin

So viel zur aktuellen Situation. Mal abgesehen davon läßt auch dieses andauernde Schwindelgefühl und diese ständige Übelkeit nach, aber das hat vielleicht auch mit den Tabletten zu tun.
Nachher gehen wir wieder zum Arzt zur Nachkontrolle, schön wäre es, wenn wir irgendwann mit diesen vermalledeiten Thrombosespritzen aufhören könnten, es gibt nämlich kaum noch Stellen an meinem Bauch, wo es noch nicht blau ist. Gottseidank habe ich mir ein kleines Polster angefuttert, sonst wäre die Oberfläche ja noch viel kleiner ;-)

Damit ich mich dann in meinem Leiden nicht so alleine fühle mit den körperlichen Leiden, hat Kai sich einen (leichten) Bandscheibenvorfall zugelegt. Den trägt der arme schon eine Weile mit sich rum, aber erst letzte Woche hat die Röhre genaueren Aufschluß gegeben. Gerade kommt er wieder von der Spritze … auaaua sagt er.

Ich hoffe nur sehr, daß wir im nächsten Frühjahr (möglicher angepeilter Hochzeitszeitraum) beide wieder fit sind, sonst müssen wir den Schampus am Ende aus der Schnabeltasse schlürfen ;-)

Glückstag

Heute wurde wieder ein Meilensteil auf dem recht steinigen Genesungsweg erreicht. Die letzten Fäden, bzw. Klammern wurden gezogen. Und das war heute weitaus weniger schmerzhaft als am Montag, als ich noch die halbe Praxis zusammengeschrien habe. Also wirklich, sowas ist mir ja noch nie passiert, aber es war wirklich das schmerzhafteste, was ich bisher einem Arzt erlebt habe. Es fühlte sich an, als würde jemand anstatt Fäden, direkte Nervenstränge herausziehen … autschn.

Aber jetzt ist es ja rum, und ich bin sehr glücklich darüber, weil ich jetzt das Gefühl habe, selber diesen Prozess weiter zu beieinflussen. Kleinere Bewegungsübungen im Liegen, ab nächste Woche etwas Belastung, die Narbe hegen und pflegen … dann kommt Krankengymnastik und so weiter und so fort. 

Der Arzt hat mir außerdem eröffnet, daß ich nach jetziger Einschätzung noch den ganzen Mai nicht arbeitsfähig bin. Mir tut das wirklich sehr leid, da ich natürlich, typisch für mich, ein gewisses Schuldgefühl habe … stecke ja schließlich nur in diesem Schlamassel, weil wir die Reise nicht an der Ostsee, sondern im wilden Dschungen Südostasiens verbracht haben. Aber Schuldgefühle nützen eh nix … und Kai findet die dazu noch total unnötig, wahrscheinlich hat er recht.
Heute ist der 17. April … den Tag hätten wir in Adelaide verbracht, wenn dieses Mistvieh nicht so gnadenlos zugeschlagen hätte. Ab morgen wären wir dann bis kurz vor Ende der Reise in Sydney. Dort sind es zur Zeit 25 Grad und es ist sonnig. Herbst in Australien. Wir hätten es so gerne erlebt … egal. Momentan bin ich einfach glücklich, weil diese ganzen Fäden weg sind.

Und dann gibt es ja auch einiges zum drauf Freuen, heute Abend sind wir bei den Griechen obendrüber eingeladen und morgen früh fahren wir nach Alsfeld zum großen Familientreffen … und obendrein … holen wir die kleinen süßen Tiger ab. Ich kanns kaum abwarten!

Lichtblicke

Wirklich entspannt waren die letzen Tage leider auch wieder nicht. Ich stand unter dem Einfluss eines neuen Medikaments mit einem gewissen Kodeinanteil. Gegen die Schmerzen geholfen hat es den ganzen Tag wunderbar. Die Nebenwirkungen waren aber äußerst unangenehm … Herzrasen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit in der Nacht, Kraftlosigkeit am Tag. Es hat mindestens 24 Stunden gedauert, bis das Medikament des Grauens meinen Körper wieder verlassen hat. 


Überhaupt kein Vergleich zu heute. Alles ist so viel besser. Das krückenhumpeln geht etwas leichter vom Fuß  … und dank des Wannen-Boogie-Boards, eine Leihgabe der Nachbarn (aka „the greeks“), konnte ich heute sogar noch etwas komfortabler duschen. 

Irgendwann heute Vormittag war dann die Laune so gut, dass ich sogar bereit war, dem Grauen, dem Unvermeidlichen, in die Augen zu blicken. Dem aufgelaufenen Poststapel! 
Man kennt das ja schon nach 2 Wochen Urlaub … aber nach 9 Wochen Abwesenheit? 
Egal … richtig schlimmes war nicht dabei … und nur e-i-n-e Mahnung … und da MUSS es sich einfach um ein Missverständnis handeln ;-)

Irgendwie drollig ist auch der Brief der DAK, die damit auf  meinen Aufenthalt in der Uniklinik reagierten. Per Einheitsformular sollte ich den Unfallhergang schildern. Falls es irgendwo noch jemanden gibt, den man vielleicht in Regress ziehen könnte … vielleicht den Häuptling des Stammes der Makaken?

Heute Mittag waren wir das erste mal mit meinem schicken Leihrollstuhl am Main. Und das war einfach ein Genuss. Glasklare warme Frühlingsluft … draußen sein … nach so langer Zeit … ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Schade dass hier unten schon die ganzen schönen Frühlingsblüher ergrünt sind. 



Heute Nachmittag hatten wir Besuch aus Bockenheim mit dem kleinen vierjährigen P. der natürlich von der ausgeklappten Sofalandschaft ganz begeistert war … wir Erwachsenen wurden dann allerdings immer leicht unruhig … wenn er sich gefährlich nah an meinem hochgelagerten Bein aufhielt. 

Interessant auch hier wieder, wir hatten ja schon ein paar Besucher, anstatt stolz unsere 3000 schönsten Reiseschnappschüsse zu präsentieren  rückt Kai immer sofort die Multicolor Abzüge aus dem Operationssaal heraus … und ich bring es immer noch nicht übers Herz, mir diese genauer anzuschauen.

Bloggen werde ich diese Bilder nicht, wer also ein bisschen Splatter und Blut abhaben möchte, der muss uns schon besuchen kommen :-) 


Zurück in der Heimat

Da hier so langsam die Leitungen heißlaufen, und sich die Nachfragen nach meinem Gesundheitszustand häufen, schreibe ich doch noch mal schnell einen Beitrag … aus dem Bett … vom iPhone. Bin ich ja nun gewohnt :-) 

In den letzten Tagen war mir einfach nicht  danach.

Die letzten Tage waren hart. Das muss ich einfach mal so sagen. Die Reise war wirklich sehr anstrengend, ich konnte trotz Businessklasse meine Beine nicht richtig hochlegen, die Schmerzen waren groß. Direkt aus dem Flugzeug ging es per Krankenwagen in die Uniklinik und wir sind knallhart auf dem Boden deutscher krankenhausrealität gelandet. Unfreundliches, überlastetes und leicht zickiges Personal gepaart mit fragwürdigen hygienevorschriften. So wurde isoliert, da ich aus einem asiatischen Krankenhaus kam, durfte in der Notaufnahme nicht die Toilette benutzen und sollte meine Notdurft auf dem eimerstuhl verrichten … dort war dann aber noch das Geschäft des Vorgängers drin :-) 
Das war ein ordentlicher Kulturschock. 
Am Dienstag durfte ich dann aber nach hause und dort … da wurde es mir dann erst einmal so richtig bewusst, wie wenig ich im Moment machen kann. Der Kai ist dabei wirklich eine riesengroße Unterstützung und es ist so schön, dass er mir hilft. 
Langsam gewöhne ich mich an die Krücken, ich habe mächtig Muskelkater in den Armen. Aber es klappt immer besser. 
Heute waren wir beim Arzt zum Verbandswechsel. Wir gehen jetzt in eine chirurgische Ambulanzpraxis direkt bei uns in der Nähe. 
Montag und Mittwoch werden die ca. 60 Fäden und metallklammern gezogen … in zwei Etappen. Davor hab ich mächtig schiss, freue mich aber auch drauf, weil die Dinger echt ganz schön piesacken. 
Mit etwas Glück bekommen wir morgen einen Rollstuhl, den wir über die Kasse für die nächsten Wochen ausleihen können. Dann können wir auch mal etwas längere strecken im Freien bewältigen. Kai arbeitet sich derweil geduldig durch die ganze Post, organisiert und kauft ein, kocht, putzt und gibt mir meine tägliche Thrombosespritze … autschn. Dafür kann ich im gar nicht dankbar genug sein. 
Sämtliche Ärzte in Deutschland haben die Arbeit an meinem Fuß gelobt, und dass das sehr gut gemacht worden wäre. Wir sind darüber sehr froh. Ich habe auch immer wieder mehrfach gesagt bekommen, welches Glück ich gehabt habe, es hätte alles viel schlimmer kommen können. 
Und ja, ich habe schrecklich geweint, als ich diese grosse Narbe gesehen habe, aber ich weiß auch, dass da überhaupt noch ein Fuß ist … mit dem ich hoffentlich bald wieder werde laufen können. 

Viel Lärm um Nichts

Am gestrigen Tag waren wir beide einfach nur glücklich. Wir haben uns so sehr darüber gefreut, dass es nun endlich bald nach Hause geht. Glück bedeutet für mich eben nicht nur an den tollsten Plätzen der Welt zu sein, und schon gar nicht, in Unmengen von Geld zu schwimmen. Das kleine Glück kommt oft unverhofft. Und gestern zeigte es sich, indem Kai ganz entspannt neben mir am Bett saß, während ich ein Nickerchen machte … später, als ich es wieder schaffte, einmal die ganze Station auf Krücken zu umrunden … 

… und danach, als wir mit dem Rollstuhl durch die Lobby fuhren, damit ich den Kaffee, den Kai mir jeden morgen mitbrachte, dann auch einmal persönlich in Empfang nehmen konnte. 

Auch danach, als wir in der Lobby auf Christina trafen. Sie arbeitet hier im Krankenhaus als Concierge und hat mich oft im Krankenhaus herum gefahren, wenn ich zu irgendwelchen Terminen musste. Sie ist in Singapur geboren, hat unverkennbar indische Wurzeln und ist eine sehr gläubige Christin. Sie hat mich so sehr gerührt, weil sie mir immer wieder erzählte, wie sie mich jeden Abend in ihre Gebete einschließt. 
Eine wirklich sehr liebe Person, und eine von den Personen, die ich richtig vermissen werde, wenn es heimgeht. Ja, absurderweise kann ich diesem Krankenhaus auch viel positives abgewinnen. Die Menschen hier sind einfach alle sehr herzlich, absolut hilfsbereit, nie wirklich mürrisch und es gab auch viele persönliche Gespräche. 

Später am Nachmittag tauchte dann die Ärztin aus Deutschland auf, die uns auf dem Flug in die Heimat begleiten wird. Sie ist nur ein Jahr älter als ich und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Für den morgigen Flug hat sie mir auch gestattet, mal ein Gläschen sekt oder Bier zu trinken, und ich würde es niemals wagen, den Rat einer Ärztin nicht zu befolgen ;-)

So, jetzt dann aber mal genug gesäuselt. Ist ja nicht zu aushalten, kommen wir also jetzt zum Action Teil. 
Gestern Abend so gegen 7, bemerkte ich einige rot-bräunliche Flecken auf dem Kissen, auf dem immer mein Bein lagert. Kai half mir, die Beinschiene abzulegen und wir stellten relativ entsetzt fest, dass der Verband in der gesamten Fersengegend mit einer gleichfarbigen Flüssigkeit durchtränkt war, die wirklich ekelhaft gerochen hat. Aufgeregt klingelte ich nach der Schwester. Als diese zu zweit kamen und auch noch genauso ratlos wirkten und etwas von Eiter und Entzündung murmelten, verlangten wir, am selben Abend noch einen Arzt zu sehen. Zunächst kam Frau Dr. Koh, sie konnte den Verband nicht öffnen und packte erstmal ratlos ihr Waffenlager aus. Sie drohte, den unbekannten Feind sogleich wieder mit intravenösen Antibiotika zu beschießen. Es war zum verzweifeln, schon wieder am Tropf, was ist mit Sonntag? Können wir dann immer noch heim?
Wir waren beide dementsprechend unruhig. Ich bekam erst mal Blut abgenommen. 
Später um 9, ich war gerade ein bisschen eingedusselt, kam dann endlich Dr. Peng. Er packte das Bein aus und gab sogleich Entwarnung. Es war wohl etwas altes Blut, was rausgesickert ist und das hat sich unten in der Ferse gesammelt. Die Ferse war wohl total aufgeweicht. Das Bein war über und über mit Pusteln übersäht, aber die kamen ja bloß von dem Hautpilz (hatte ich davon noch nicht erzählt, ja … mich hat ein hautpilz überfallen, aber nach so vielen Antibiotika scheint das nicht ganz unnormal, wird gerade mit Puder und Medikamenten bekämpft.) 
Also wurden die Narben gereinigt, wieder neu verbunden, und alles war wieder gut. Uns ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen. Was für ein Drama!!!
Und nun zum Abschluss, zur Beruhigung, noch ein paar Fotos von Kais Stadtspaziergang.