Es lebe der Zentralfriedhof …

… und olle seine Toten

Der Eintritt is‘ für Lebende

Heit‘ ausnahmslos verboten …

(Wolfgang Ambros)

Freitag konnten wir endlich wieder ausschlafen, es lagen drei entspannte Tage vor uns. Nach dem leckeren Frühstücksbuffet im Hotel sind wir direkt mit der Bahn in Richtung Naschmarkt aufgebrochen. Hier waren wie vor 10 Jahren auch nochmal, aber die ganzen Restaurants waren fast alle geschlossen. Dieses Mal war das natürlich anders, und wir bedauerten die noch vom Frühstück vollen Mägen. So gab es nur eine Melange für mich und einen Veltlinerspritzer für Kai. Das Wetter war etwas kühler als am Vortag und die Sonne wollte sich auch noch nicht so recht zeigen.

Anschließend brachen wir auf in Richtung Simmering, um uns den bekannten Wiener Zentralfriedhof genauer anzuschauen. Wir stiegen am Tor 2 aus der Bahn und waren erstmal erstaunt, daß es dort einen Souvenirshop und ein Kaffeehaus gibt. Hätte mir fast ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift (siehe Beitragstitel) gekauft. Fand ich als Tochter einer Bestatterfamilie angemessen. Leider war der Schriftzug in „Comic Sans“ verfasst und das hielt mich dann davon ab ;-)

Wir kauften uns für zwei Euro einen Übersichtsplan, denn die Anlage ist riesengross. Man kann dort Elektrofahrräder leihen und eine markierte Joggingstrecke gibt es auch. Ich mag Friedhöfe sehr. Im Allgemeinen stimmt einen der Besuch dort meist sehr nachdenklich. Man streift an alten Grabmälern vorbei, die mal prunkvoll und dann auch wieder ganz einfach daherkommen. Man liest die Inschriften und errechnet die Lebenszeit, wenn das Geburtsdatum und das Sterbedatum dicht beieinander liegen. Irgendwann kommen wir bei den Musikern vorbei, Beethofen, Mozart, Strauss … wobei es bei einigen doch eher Ehrengrabmäler sind als letzte Ruhestätte.

Danach liefen wir rüber zu den österreichischen Volksschauspielern, die ich vor allem aus dem Fernsehen der 70er Jahre kenne, als die alten Schinken in ZDF und ARD so manchen Sonntag im familiären Wohnzimmer flimmerten. Theo Lingen, Hans Moser, Paul Hörbiger … ich fühle mich um Jahre zurückversetzt.

Ein paar Gräber daneben haben wir Udo Jürgens und sein Marmorklavier besucht. Etwas weiter hinten in der „Gruppe“ 40 liegt Falco begraben, der auch heute noch als österreichs größter Popstar aller Zeiten gilt. Seine Hits sind unvergessene Begleiter meiner Jugend.

Nach dem doch recht langen Spaziergang sind wir dann noch in das Café gegangen und haben und die Vormittagskombination (Melange/Weinspritzer) noch mal gegönnt, wobei es für mich noch ein leckeres Stück Erdbeertorte gab. Es war mittlerweile schon später Nachmittag.

Auf dem Heimweg sind wir nochmal bei der U-Bahn Haltestelle Stubentor ausgestiegen, um in einer Straße namens „Wollzeile“ eine kleine feine Papeterie zu besuchen, die ich bereits am Vorabend im geschlossenen Zustand entdeckt hatte. Ein paar sehr schöne Kleinigkeiten konnte ich für mein zweitliebstes Hobby, dem Journaling, ergattern.

Nach einer kurzen Ruhephase im Hotel sind wir später noch ums Eck gelaufen, denn wir waren ja im 7. Bezirk, dem „Neubau“, und ich hatte gelesen, daß dies ein wirklich schönes „Grätzel“ ist. Ein gemütliches Altbauviertel mit zahlreichen Kaffees, Restaurants und tollen Geschäften. Direkt ums Eck wurden wir bereits fündig und kehrten im „Mitzitant“ ein. Ein nette Nachbarschaftskneipe mit viel Lokalkolorit. Ich bestellte mir einen steirischen Backhendlsalat und Kai kann vom panierten Fleisch nicht genug bekommen, dieses Mal gab es Cordon Bleu. Der anschließende Kaiserschmarrn, der bei den Köchen wegen der schon späten Stunde nicht auf Begeisterung stieß, bekam in meiner offiziellen Schmarrnskala von 1-10 ganze 8 Punkte. Sehr sehr lecker war der.

Wien im Sommer

Vor fast genau zehn Jahren waren wir schon mal in der österreichischen Hauptstadt an der Donau. Damals war es allerdings Ende März und dermassen eisig und kalt, dass man nur dick eingemummelt die leeren Gassen der wunderschönen Stadt durchstreifen kon. Schon damals haben wir beschlossen, das alles mal im Sommer zu erkunden.

Gestern morgen klingelte der Wecker unbarmherzig um kurz vor 5. Müde sind wir zum Bahnhof gelaufen, denn bereits um 6.00 Uhr ging der Zug direkt vom Hauptbahnhof Frankfurt nach Wien. Die Fahrt dauerte zwar fast 7 Stunden, aber mit ein bisschen Netflix und Stricken kriegt man das auch rum. So werden wir in Zukunft sicher noch andere Städte erkunden, die man direkt (ohne Umsteigen) von Frankfurt aus mit der Bahn erreichen kann.

Um 1 Uhr mittags waren wir dann endlich da und es gab erst mal etwas Verwirrung mit der Wochenkarte fuer die Bahn, hat doch der Automat die Karte fuer die nächste Woche ausgespuckt. Aber wir konnten sie umtauschen. Eine Wochenkarte lohnt sich bereits bei 4 Tagen Nutzung.

Wir residieren im Flemings Hotel am Westbahnhof. Dort angekommen musste ich erst mal meine Schlafreserven auffüllen, währen Kai die vollverglaste Dusche mitten im Zimmer ausgiebig genutzt hat. Lustig ist das.

Danach aber endlich raus in die Stadt. Mit der U3 sind wir direkt ins Herz des 1. Bezirks gefahren und haben dort den Stephansdom bewundert. So ein Wahrzeichen am Anfang einer Städtetour bringt einen direkt in Stimmung fuer die Stadt. Und weil es so leer war sind wir direkt die 343 Stufen auf den Südturm gestiegen. Das war sehr schweisstreibend aber man wurde mit einem schönen Rundumblick belohnt.

Danach sind wir etwas raus aus dem Zentrum in Richtung Kanal gelaufen. Als der Aperol Spritz Preis endlich auf annehmbare 5.80 Euro gesunken ist, gab es dann auch den ersten Aperitiv des Tages.

Weiter ging es zum sogenannten Bermudadreieck, einem Kneipenviertel in der Altstadt, bis wir vorne am Kanal angekommen sind. Nach einem kurzen Spaziergang sind wir auf die Strandbar Hermanns gestoßen und fanden dort zwei wundervolle Plätze am Wasser mit Liegestühlen und lässiger Sundowner Stimmung. Das war ganz hervorragend.

Kai hat uns dann ein Restaurant fuer den Abend erschnueffelt. Direkt am Radetzkiplatz fand er ein Lokal mit heimischen Spezialitäten und einer wunderschönen Aussenterrasse. Fuer mich gab es ein Schwammerlgulasch mit Knödeln und fuer Kai die sog. Schweinsfledermaus mit Preiselbeeren und Krautsalat. Beides sehr lecker und so schlenderten wir mit gut gefüllten Mägen durch die belebten Gassen der Altstadt bis zur U-Bahn am Stephansdom. Wien im Sommer, so hatten wir uns das vorgestellt ❤️

Strandgeschichten

Gerade sitzen wir schon wieder am kleinen Flughafen Lamezia und warten auf den ersten Flug nach Rom. So bleibt mir noch etwas Zeit, die Erinnerungen der letzten drei Tage sauber im Blog wegzusortieren.

Mittwoch und Donnerstag gab es den ganzen Tag Sonnenschein und der Himmel war strahlend blau. So schoen nach den vergangenen Tagen mit Wind und Regen.

Morgens gab es immer ein kleines Frühstück mit leckerem Cappuccino direkt am Strand (bestes Feature des Hotels, die Bar am Meer), danach dann ausgiebiges Powerrelaxing auf den Liegen mit den blau-weissen Schirmchen.

Noch zu Beginn des Urlaubs musste ich Kai versprechen, dass ich im Meer baden werde, auch wenn dies zu Saisonbeginn in der Regel noch sehr kalt ist. Aber ich habs durchgezogen. Es war saukalt, aber kristallklar und … und wie Hannelore sagen würde „wennde ersdema drin bist, gehds“

Mittags gab es dann meist einen „kleinen“ Snack in Form einer fluffigen Pizza und bis in die fruehen Abendstunden blieben wir am Strand mit allem was (für mich) dazu gehört, Stricken, Lesen, Baden, Sapziergänge und ausgiebiges Dösen. Hervorragend war das.

Das Abendessen im Pauschalhotel Torre Marino gab es in einem kleinen Speisesaal in sehr typischem  italienischen Ambiente. Je greller die Beleuchtung, desto authentischer ;-)

Es gab immer ein „3-Gang-Menü“ bestehend aus Primo, Secondo und Dolce. Wenn es auch nichts besonderes war, es war in Ordnung und Nudeln koennte ich sowieso jeden Tag essen.

Nach dem Essen gab es vorne an der Bar immer einen Absacker, fuer Kai einen Grappa und fuer mich einen Espresso Lungo und manchmal noch einen leckeren Amaro. Der ist besonders erwähnenswert weil mit viel Ghiaccio ist das ein hervorragender Digestiv. Kann sein, dass auch ein Fläschchen davon ins Gepäck gewandert ist.

Freitag haben wir nochmal einen Ausflug an die absolute Zehennagelspitze Italiens gemacht. Es ging nach Scilla, ein wunderschöner Häuserhaufen dramatisch in den Hang gemörtelt. Es sollte auch einen Markt geben. Der bestand aber nur aus 5 Ständen, dies mag wohl der kleinste Mercatino des Landes gewesen sein.

Der Ort hat noch eine andere Besonderheit, er liegt direkt an der Meeresenge von Messina und die Entfernung nach Sizilien beträgt hier nur etwa 3 Kilometer. Vor kurzem hat man anscheinend mal wieder die Pläne, das Festland mit der Insel durch eine Brücke zu verbinden, neu aufleben lassen. Man darf gespannt sein.

Sizilien

Wir sind noch ein bisschen durch den Ort spaziert und im Anschluss ging es noch mal in einen Supermarkt um unsere viel zu leichten Koffer noch etwas schwerer zu machen. Wir kauften Amaro und etwas Pasta (gibt es in Deutschland ja nicht ;-) und sonstige schmackhafte Kleinigkeiten.

Der Himmel zog sich zu und es begann wieder zu regnen. Es ergab sich das bekannte Bild vom Anfang der Reise.

Zurück im Hotel dann ein Highlight des Tages. Es regnete immer noch und es war kalt und windig, dennoch wollten wir noch mal ins Meer. Wasser von oben und unten. Es war einfach toll.

So erfrischt sind wir zurück ins Zimmer, um die Koffer tetrisartig zu verpacken, dabei mussten wir uns ernsthaft fragen, ob wir wohl die Höchstgrenze an Gewicht erreicht hatten.

Im Speisesaal sass dann unsere Hannelore ganz alleine an ihrem Tisch, ihre Tischbachbarinnen sind alle abgereist. Da habe ich sie kurzentschlossen gefragt, ob sie sich zu uns setzen möchte. Ihre Augen haben gestrahlt. Wir haben den Rollator weggeschoben und das Geschirr umgeräumt und so war es nochmal ein geselliges und kurzweiliges Abendessen.

Als wir vorne an der Bar ankamen gab es dort wild tanzende Finnen, die den Wirt überredet haben, den finnischen Beitrag des ESC zu spielen. Ich wackelte ein bisschen mit. Wir trafen auch nochmal unsere Urlaubsbekanntschaft, ein nettes Paar aus dem benachbarten Franken. So plauderten wir noch beim Amaro bis fast Mitternacht.

Heute morgen wachte ich mit einem Lächeln im Gesicht auf (Rosamunde Pilcher Modus ;-) Aber ich habe mich einfach gefreut, das es alles mal wieder so schön war.

Edit: Sonntag morgen und wir sind wieder wohlbehalten zuhause angekommen. Mal schauen wo es als nächstes hingeht. Bisher ist noch nichts geplant.

Stromboli, Lipari und Vulcano

Direkt am ersten Tag in Italien, hatten wir letzten Freitag am Hafen von Tropea bei einem windigen Händler auf einem Motorino einen Tagesausflug zu den Liparischen Inseln gebucht.

Dienstag war es dann soweit. Der Wecker klingelte bereits um kurz nach sechs und wir mussten schweren Herzens auf das erste Frühstück vorne direkt am Meer verzichten.

Um kurz nach sieben kamen wir wieder am kleinen Hafen in Tropea and und zeigten den zerknitterten Reservierungszettel, bezahlten und warteten aufs Schiff. Wir sahen kaum andere Touristen und freuten uns ein bisschen. Aber dann kamen sie plötzlich von überall. Busladungen voller Menschen wurden ausgeladen und so kam es, dass das 400 Personen fassende Boot nahezu voll war.

Der Himmel war zum ersten Mal strahlend blau und wir fanden einen freien Platz auf dem Oberdeck. Als die Fahrt endlich losging spürte man den Fahrtwind und ich fröstelte etwas. Unten im Schiff gab es eine Bar und ich bekam endlich ein richtiges italienisches Frühstück, einen Cappuccino und ein Cornetto Vuoto.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die kleine Vulkaninsel Stromboli, deren Name wohl vor allem durch den gleichnamigen Film von Roberto Rosselini bekannt ist.

Direkt am Bootsanleger gab es einen weiss getünchtem sehr fotogenen Häuserhafen und direkt dahinter ragte der noch aktive Vulkan auf, welcher in regelmäßigen Abständen Rauchzeichen sendete. Vor allem aber durch den schwarzen Sand am Meer fühlten wir uns an unseren Urlaub auf Lanzarote erinnert. Ein schönes Fleckchen Erde.

Nach weiteren 90 Minuten Fahrt im Tyrrhenischen Meer legten wir im kleinen Fischerhafen von Lipari an.

Das war mal wieder alles sehr fotogen. Zwischendurch gab es eine Aperol Spritz und ausserordentlich leckere Arancini zum Lunch. Das sind gefüllte Reisbällchen, diese werden dann paniert und frittiert. Eine sizilianische Spezialität, denn die kleine Inselgruppe gehört zur Region Sizilien.

Weiter ging es mit dem Schiff in nur 10 Minuten zur kleinen Nachbarinsel Vulcano. Hier brodelt es und blubbert es aus allen Löchern. An manchen Stellen roch stank es sehr stark nach faulen Eiern. Ueberall steigen schwefelhaltige Gase auf. Das dort bekannte Bad im schwefelhaltigen Wasser mit natürlicher Fangopackung war leider nicht möglich und am Strand hatten wir auch keine grosse Lust zum Baden. Denn vorne am Meer lagen hunderte von toten Quallen und im Wasser gab es wahre Teppiche der durchsichtigen Geleefischchen. Sehr eklig.

Gegen halb fünf folgte dann die zweieinhalbstündige Rückfahrt nach Tropea.

Es war ein anstrengender aber auch wunderschöner Tag auf dem blauen Meer und den putzigen Inseln. Wir koennen es empfehlen, man sollte sich aber unbedingt etwas wärmere Sachen fuer die windige Überfahrt einpacken. Zumindest um diese Jahreszeit.

Pauschalreise und Wärmepumpen

Montag frueh direkt nach einer letzten Colazione molto abbondante mussten wir schon wieder packen, denn es ging auf grosse Reise ins 2km entfernte Nachbarhotel. Damit ist das Kapitel Greenstorm erst mal erledigt. Das war das letzte Hotel, welches Kai damals in einem Anfall von Fernweh beim allerersten Corona Lockdown für einen Appel und ein Ei im Internet ersteigert hat. Die Gutscheine waren 3 Jahre gültig und dieser war kurz vorm Verfalldatum. Wir waren quasi zu dieser Reise gezwungen ;-)

Aber gut dass es weitergeht. Denn mittlerweile sind es schon drei Parteien im Hotel, die man aus praktischen und logistischen Gründen alle direkt nebeneinander gepackt hatte. Es stellte sich heraus, die Wände sind papierduenn und die offenen Lüftungskanale tun ihr Übriges. Hellhörig ist gar kein Ausdruck 🤣 Links neben uns ein österreichisches Pärchen, sie mit einer schrillen Quäkstimme (aua), auf der anderen Seite Vati und Mutti aus Deutschland, er mit ausgeprägtem Raucherhusten. Nachts hat er so laut geschnarcht, dass ich schon dachte, er haette sich zwischen uns gelegt 😂

Das Hotel Tonicelli war aber trotzdem sehr schoen, toller tropischer Garten, nettes Personal und ausgiebiges Frühstück in einer schoenen Lage am Capo Vaticano.

Um halb elf traten wir dann die lange (etwa 6-minütige) Reise ins Nachbarhotel Torre Marina an. Das haben wir über den Reiseveranstalter gebucht, fuer den Kai arbeitet. Und wie es fuer ein Hotel aus dem Katalog zu erwarten ist, ist das gesamte Ambiente mal wieder sehr speziell vollkommen anders.

Das Hotel ist zwar in die Jahre gekommen, aber dennoch ist es irgendwie charmant. Den 70er Jahre Italienurlaubsvibe bekommt man an jeder Ecke zu spüren. Was soll ich sagen, man spricht deutsch 😂

Vorne am Strand gibt es eine kleine wundervolle Bar und ein paar Liegen mit Sonnenschirmchen. Das gefällt uns besonders gut.

Wir haben ein gemütliches Zimmer mit grosser. Doppeltür und direktem Zugang zum Garten und nur wenige Meter zum Meer.

Den restlichen Nachmittag waren wir am Strand und in der Bar. Dort trafen wir auf Hannelore P. (Name von der Redaktion geändert ;-)

Die ältere Dame klagte uns sofort ihr Leid, man hat ihr im Reisebüro dieses Hotel als Rollatorgerecht verkauft. Das ist es mitnichten. In dieser Hinsicht kann ich den Unmut voll verstehen. Sie hat ueber Kais Veranstalter gebucht. Jetzt habe ich Kai in der Hand. Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, sonst verpfeife ich ihn 🤣😂🤣.

Was aber wirklich lustig ist, die Dame kommt aus Frankfurt und verkauft dort Wolle. Wie lustig. So war der Nachmittag recht amüsant, denn sie plapperte in einer Tour vom Händlertum und den Lieferanten und bunten Garben. Ab und zu fluchte sie ueber diese Väboodsgrüne(n) und den „Gattezwäch“ (Scholz) und ging mir mit der Bildzeitungspolemik ein bisschen auf die Nerven (me wädd ja nochma saare derffe) und (die mit ire Wämmepump).

Wir vermeiden sinnlose Diskussionen und ich lenkte das Gespräch immer wieder auf unsere gemeinsame Wollleidenschaft. So konnte man wieder zuhören und es war plötzlich schon fast sieben Uhr abends.

Das allerschoenste am Tag war aber, dass endlich die Sonne kam und die wunderschöne Landschaft und all die Schattierungen von Azurblau bis Smaragdgrün des Meeres zum Leuchten brachte.

Die Höhlen von Zungri

Sonntag morgen, aufwachen bei bedecktem Himmel und dem gewohnten grau. Ach ja, gerne tät ich da oben mal nachfragen, ob denn nicht doch was zu machen sei. Meine App sagt Regen fuer den Rest der Woche, Kais App Orakel Sonnenschein ab Dienstag. Ich beschließe, meiner App keinen Glauben mehr zu schenken ;-)

Wir sind etwas weiter landeinwärts nach Zungri gefahren. Dort gibt es alte, in den Fels gehauene Höhlenwohnungen, ueber deren Bewohner auch heute noch spekuliert wird.

Es ging erst mal steil bergab und neben den Höhlen hatte man einen großartigen Blick ueber die huegelige Landschaft Kalabriens.


Wieder oben angekommen, gab es ein kleines Museum, in dem zahlreiche Bewohner des Ortes ein buntes allerlei an Allagsgegenständen zusammengetragen haben. Mit den Höhlen hatte das nichts zu tun, dennoch liebe ich diesen alten Trödel mit Geschichte.

Auf dem Rückweg gab es noch mal einen Abstecher ans Meer mit kleinem Strandspaziergang. Es gab sogar ein kleines bisschen Sonne, das lässt hoffen.

Tartufo und Pizza in Pizzo

Der Samstag war geprägt von orkanartigem Wind und einem schiefergrauen wolkenverhangenen Himmel. Also haben wir den Vormittag erst mal etwas ruhiger verbracht. Wir hatten natuerlich gehofft, dass sich Süditalien Ende Mai etwas wärmer anfühlt. Aber das ist wohl Reisekarma, das Universum denkt sich, wir waren ja gerade eben erst in der Sonne. Egal, machen wir eben Urlaub an Englands Nordküste, so fühlt es sich wenigsten an … Slate grey victorian skies.

Nachmittags sind wir nach Pizzo gefahren, ein kleiner ruhiger Ort am Mehr, der vor allem dafuer bekannt ist, dass dort das berühmte Tartufo Eis entstanden ist. Das wollten wir natuerlich probieren.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die Gassen kamen wir unten am Meer an und fanden eine tolle Eisdiele (war nicht sehr schwer, da sich in Pizzo wahrscheinlich die höchste Eisdielendichte Italiens befindet ;-)

Stolz berichtete uns der Kellner, dass der Chef noch mit 80 Jahren höchstpersönlich das Eis herstellt. Kai hatte einen Trüffel mit Pistazieneis und einem Kern aus flüssiger Schokolade, ich probierte den Tartufo Classico, bestehend aus Schoko- und Vanilleeis, gefüllt mit Amarenasauce und in Kakao gewälzt. Es war ein Fest ❤️

Den Abend beschlossen wir mit einer Pizza weiter oben in Pizzos Altstadt, direkt aus dem Ofen, knusprig, sehr dünn und lecker belegt.

Auf dem Heimweg durch die dunkle Nacht hörten wir italienische Musik im Radio. Hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie sehr ich dieses Land liebe? 😂

C’era una Volta in Tropea

Der gestrige Tag begann mit wundervollen Neuigkeiten aus der Heimat. Gefolgt von einem hervorragenden Fruehstueck auf der Terrasse mit Blick aufs Meer. Endlich Sonne.

Wir sind direkt mit unserem Mietwagen ins benachbarte Tropea gefahren. Die kleine Stadt liegt dramatisch auf einem Sandsteinfelsen und alleine dieser Anblick ist eine Reise wert.

Wir haben den Fels ein bisschen umrundet, sind hoch zur kleinen Wallfahrtskirche Santa Maria dell’Isola gelaufen, um dann anschließend die rund 200 Stufen zum Altstadtkern hochzulaufen.

Eigentlich wollten wir dort oben irgendwo einen Kaffee trinken, es war ja noch vor 12. Aber überall auf den kleinen Bistrotischen standen bereits die Aperitivis mit den dazugehörigen Snacks. Da fiel dann die Entscheidung. Ich habe einen Bergamotte Spritz probiert. Köstlich. Die Bergamotte ist eine Zitronenart und sehr typisch fuer diese Gegend, sie hat einen säuerlich bitteren Geschmack und der daraus hergestellte Likör ist hervorragend. Er ist nicht suess und ich mag ihn viel lieber als den Limoncello. Und gemischt mit Prosecco schmeckt das hervorragend.

Wir haben anschließend leicht beschwipst ein bisschen die Altstadt erkundet und ich habe mich sehr gefreut über die wunderschönen Fotomotive. Niemand hängt so schoen seine Wäsche auf wie die Süditaliener ;-)

Gegen Nachmittag sind wir noch kurz in den Supermarkt um eine Flasche Bergamottelikör für den heimischen Gebrauch zu kaufen. Dazu gab es ein paar Kleinigkeiten fuer den Aperitiv auf der Terrasse.

Abends wollten wir mal außerhalb des Hotels essen gehen. Es gab einige fussläufige Lokale in der Nähe. Nach wenigen hundert Metern zeichnete sich schon ab, dass alles noch im Winterschlaf liegt. Im Mai? Aber ja, das Wetter is leider sehr durchwachsen und anscheinend ist noch totale Nebensaison. Was willste machen?

Also ging es wieder zurück ins heimische Lokal und dort haben wir wieder vorzüglich gespeist. Es gab Nudeln und Insalata Caprese, danach einen Espresso.

Heute ist Samstag, draussen fegt ein orkanartiger Wind, spaeter soll es bis zum Abend regnen. Mal sehen was sich aus diesem Tag noch herausholen lässt ….

Kalabrien im Frühling

Seit zwei Tagen sind wir nun bereits ganz unten an der Stiefelspitze Italiens. Bisher war noch keine Zeit, mal etwas zu schreiben, da es heute aber den ganzen Tag regnen soll, habe ich mich gemütlich zurueck ins Bett verkrümelt. Es folgt eine kurze ;-) Zusammenfassung:

Donnerstag morgen 5.20 Uhr – Wecker klingelt unbarmherzig, sitze verschlafen an der Bettkante. Morgenritual: Katzen schmusen, Bad Kaffee, packe letzte Kleinigkeiten

6.20 Uhr – Katzen verabschieden, rollern mit den Koffern zur Strassenbahn. Nicht viel los. Ist Feiertag. 6.45 Uhr – Umsteigen in die S-Bahn. Schon voller, viele Wochenendausflügler. 7.05 Uhr – Ankunft Flughafen Frankfurt. Gate wechselt von A18 auf A40. Wanderung am A-Finger. Stop im Duty Free Shop, Kai duftet sich mit Giorgio Armani ein.

8.55 Uhr – Abflug nach Mailand. Sitzen Gang und Fenster, mittlerweile leider sehr bekannter Reisehack. Junger Mann guckt treudoof, ruecke auf Mittelplatz. Auch gut, Flug eh nur kurz. Probiere neuesten Reisehack, Stück Papier reicht, um Smartphone am Vordersitz zu befestigen. Gucke Film, stricke, schlummern an Kais Schulter. Schon da.

10.00 Uhr – Mailand Linate. Ritual bei Ankunft in Italien. Cappuccino finden und geniessen. Freuen uns. Weiter zum Gate.

12.20 Uhr – Weiterflug. Notiz an mich: nie wieder ITA Air buchen. Sitzbestuhlung extrem eng. Noch nie erlebt. Denke an mögliche Thromben. Die sind doch verrückt. Egal, Knitflix und Chill.

14.05 Uhr – Aeroporto Lamezia. Kleiner gemütlicher Flughafen. Stehen direkt am Kofferband. Google kofferband auf italienisch. Finde keine glaubhafte Übersetzung. 14.50 Uhr – Bekommen Mietwagen. Fiat 500, grosse Ausführung. Sehr hässliches Fahrzeug. Aber bequem und viel Platz. Prima. Fahrt geht los.

16.05 Uhr – Ankunft Hotel Tonicello, Capo Vaticano. Sehr hübsch. Will endlich italienisch sprechen. Mann will freundlich sein und spricht englisch. Erkläre, italienisch zu lernen. Mann freut sich. Endlich. Ich sage etwas. Alles falsch. Italienische präpositionen sind nur nach jahrelanger Übung nutzbar. Egal, er versteht mich. Behauptet er wenigstens. 16.10 Uhr – Allgemeine Verwirrung. Sind nicht im System. Kai zeigt Mailbestaetigung. Hotel fast leer, bekommen unser Zimmer dennoch. 16.25 Uhr – Rundgang durch die Anlage. Wunderschöner fast tropischer Garten, Palmen, Bananen, Orangen, Zitronen, Feigen. Bunte Blumen und reife Mispeln. Erwäge kurz, diese nach Frankfurt zu importieren und in Calvados einzulegen.

16.40 Uhr – endlich im Zimmer. Koffer ausgepackt. Bettdecke ausgerollt, endlich hinlegen. Bin muede und leicht knatschig. Anreise 10 Stunden.

Nach einem kurzen Powernap fühle ich mich besser. Es gibt weiter vorne in der Hotelanlage ein Restaurant. Das ist sehr praktisch, denn wir sind froh nicht mehr weit weg zu muessen. Vor dem Essen gibt es noch einen kurzen Abstecher runter ans Meer, der Himmel ist grau und wolkenverhangen. Es ist alles leer, aber wunderschön. Von weitem kann man die kleine Vulkaninsel Stromboli erkennen.

Im Restaurant gibt es fuer jeden eine Pizza. Die war unfassbar lecker, nicht sehr dünn, aber der Teig war so fluffig. Auf dem Weg zurueck ins Zimmer gehen wir am Pizzaofen vorbei. Ich frage (auf italienisch 😁) Was denn eigentlich das Geheimnis dieses fluffigen (mache eine knetende Handbewegung) Teiges sei. Ganz einfach, den Steinofen mit 330 Grad einheizen (Notiz an mich: Pizzastein fuer neuen Backofen kaufen) und zuvor den Teig 48 Stunden gehen lassen. Ich bin dennoch sicher, ich werde es nie so hinkriegen. Die leckerste Pizza der Welt gibt es nur in Italien 🙃

Der Abend endete sehr frueh, wir waren beide todmüde. Waltonsmusik. Vom gestrigen Tag in Tropea erzähle ich im nächsten Beitrag.

Das Beste kommt zum Schluß

Samstag Abend sind wir bei Einbruch der Dunkelheit in Victoria angekommen und direkt mit dem Taxi in unser nahegelegenes kleines Guesthouse im Stadteil Bel Air gefahren. Dort wurden wir freundlich begrüßt und haben uns kurz frisch gemacht, bevor wir uns auf die Suche nach Abendessen begeben haben.

Victoria ist die sehr kleine Hauptstadt des Inselstaates und hat gerade einmal ca. 25.000 Einwohner. Damit ist sie nur ca. doppelt so groß wie meine Heimatstadt Alsfeld. Und so hat es sich auch angefühlt, abends gegen 8 waren bereits alle Bürgersteige hochgeklappt und wir hatten Mühe, überhaupt noch etwas zu finden, was noch geöffnet hat. Nach einiger Suche fanden wir doch nicht etwas, eine Pizzeria (sind anscheinend sehr beliebt auf den Seychellen).

Der Sonntag morgen begann mit einem sehr gemütlichen Frühstück auf der kleinen Terrasse unseres Minihotels und es gab zu meiner großen Freude noch mal frische Mango und Papaya. Für den Tag haben wir keine weiteren Pläne gemacht. Es war Sonntag, und da die Insel zu 95 christlich geprägt ist, hatte fast alles geschlossen. So sind wir einfach losmarschiert und haben geschaut, was der Tag für uns bereit hält.

Was dann passiert ist, war so unglaublich schön, daß ich sicher bin, falls mal jemand fragt, was mein schönster Moment im Jahr 2023 war, es dieser auf jeden Fall in die Top 3 schaffen wird.

Wir liefen ein bisschen abwärts in Richtung Ortskern und kamen an einer Kirche vorbei. Dort fand gerade ein Gottesdienst statt und ein lauter Chorgesang drang aus dem Inneren der Kirche. Dabei hatte ich bereits Gänsehaut. Kai ging durch das Gatter am Eingang und bewegte sich auf die geöffnete Seitentür zu. Schüchtern folgte ich ihm und packte meine Kamera ein, weil ich die Privatsphäre der Kirchenbesucher respektieren wollte. Als wir näher kamen, wurden wir freundlich angelächelt und gebeten, doch einfach rein zu kommen. Eine nette Dame wies uns einen Platz auf einer der Kirchenbänke an und wir setzten uns.

Vorne auf dem Podium spielte eine Band, und unter den Besuchern standen viele auf, erhoben die Hände, wiegten sich zur Musik und sangen aus Leibeskräften. Es war so unfassbar schön, daß mir die Tränen vor Rührung vollkommen unkontrolliert die Wangen runterliefen. Wir waren beide ergriffen von der Schönheit des Augenblicks.

Es war Muttertag auf den Seychellen und alle Mütter wurden gebeten, nach vorne zu kommen und sich ein kleines Geschenk abzuholen. Kai und ich schauten zu, wie die Frauen nach und nach aufstanden und nach vorne gingen. Einige Personen um uns herum schauten zu mir herüber und die Dame neben mir lächelte freundlich und frage mich, ob ich auch Mutter sei. Ich verneinte und sagte, daß ich es gerne gewesen wäre. Da war es dann um mich geschehen. Ich heulte wie ein Schloßhund. Es war eine Mischung aus Rührung und Trauer, Trauer um die Kinder, die ich nicht habe. Meine Sitznachbarin war hochschwanger, sie nahm mich in den Arm und tröstete mich, Ihre kleine Tochter lächelte mich an und teilte eins Ihrer Bonbons mit mir.

Die gesamte Situation war unglaublich emotional. Wir haben anschließend der Predigt noch ein wenig gelauscht, welche abwechselnd in die offiziellen Amtssprachen der Seychellen übersetzt wurde, Englisch, Französisch und Seychellen Creol. Nach etwa einer Stunde standen wir auf und gingen nach draußen. Dort bedankte ich mich nochmals emotional und überschwänglich dafür, daß man uns mit offenen Armen empfangen hat und wir das erleben durften. Ich versichterte, daß ich diesen Moment niemals vergessen werde.

Es war schon Mittag, als wir wieder in die stickige Luft traten. Diese war noch vom sehr regnerischen Vortag so dick und feucht, daß man das Gefühl hatte, direkt in einer Sauna zu laufen. Ich war dennoch beseelt von der vorherigen Erfahrung. Wir fanden ein nettes geöffnetes Café und ich gönnte mir einen großen Iced Coffee. Leider war der schöne lokale Markt in der Mitte der Stadt nicht geöffnet. Es war ja Sonntag. Aber wäre nicht sonntag, dann hätten wir das Erlebnis in der Kirche nicht gehabt.

Gegen 4 waren wir bereits wieder zurück im Hotel. Wir waren froh, dass wir uns dort aufhalten durften, denn unser Flug ging erst am späten Abend um halb 12 lokaler Zeit. Wir machten uns noch etwas frisch, und vertrieben uns die Zeit mit dem Surfen im Netz und dem Suchen nach neuen Reisemöglichkeiten. Einer der Angestellten hatte mir bereits am Vortag drei frische Mangos gepflückt, weil er meine Begeisterung für den vollgehängten Baum bemerkt hat.

Später kam er dann noch mit einer aufgeschnittenen Frucht an, die ebenfalls im Garten des Hotels wuchs und die ich vorher noch nie gesehen habe, geschweige denn probiert habe. Es handelte sich um eine „Soursop“. Eine Recherche in Google ergabe, daß es sich um eine Stachelannone handelte, die auch als Graviola bezeichnet wird. Sie schmeckte leicht säuerlich und war lecker und ich freute mich über die Erweiterung meines Horizonts.

Um 8 Uhr abends holte uns dann ein Taxi ab und brachte uns in ca. 15 Minuten zum Flughafen. Dort haben wir schnell eingecheckt und unser Gepäck abgegeben. Irgendwann begann das Boarding und wir haben uns gefreut, daß wir zwei Sitzplätze nebeneinander hatten in einer 2-er Sitz Konstellation. Es gab noch ein Abendessen an Bord und ich habe mir „Hanna und Ihre Schwestern“ angeschaut. Ein schöner 80er Jahre New York Film. Danach habe ich die Flugzeug-Abendroutine eingeläutet, eine Schlaftablette eingeworfen, Augen und Ohren verschlossen und es tatsächlich mal wieder geschafft, 5 Stunden zu schlafen. Bequem ist anders, aber es war auszuhalten. Um halb 7 am Morgen landeten wir in Zürich, wo wir nach ca. 2 Stunden Aufenthalt in nur 40 Minuten zurück nach Frankfurt gebrachte wurden.

Ich war müde. Saumäßig müde. Als wir um 12 Uhr mittags endlich zuhause waren, habe ich mich auch direkt ins heimatliche bequeme Bett gelegt, während Kai schon wieder umtriebig die Nachreiseroutine eingeläutet hat.