Hollywood in Marokko

Heute ist Dienstag, der 8. November und ich sitze gerade in unserem Kleinbus mit dem Tagesziel „Zagora“.

Bisher war es ein ereignisreicher Tag. Direkt nach dem Fruehstueck ging es nur ein paar Meter weiter in eine andere Frauenkooperative. Die Frauen weben und knüpfen die berühmten Berberteppiche in absoluter Handarbeit. Dabei passiert alles dort, die Wolle wird geschoren, kardiert, gesponnen und gefärbt, dabei werden ausschließlich Naturfarben verwendet, z.B. Henna (rot), Safran (gelb) oder Minze (Grün). Die Frauen sitzen auf ihren Lederpoufs und arbeiten. Sie arbeiten je nach Zeit und Gefühl, einige Arbeiten von zuhause und ein grosser Teppich kann bis zu 3 Jahre in Anspruch nehmen. Die Technik ist eine Kombination aus weben und Knüpfen und war mir so auch noch nicht bekannt. Ich war total fasziniert und haette den ganzen Tag dort verbringen koennen. Ein kleiner bunter Webteppich durfte am Ende mit in den Reiskoffer.

Auf der Fahrt machten wir einen kurzen Stop vor den Toren der Atlas Filmstudios. Ich haette mir diese gerne auch von innen angeschaut, wir waren aber nur zu zweit und mussten uns der Mehrheit beugen. Hier wurden zahlreiche weltbekannte Filme gedreht, einer der bekanntesten dürfte „Gladiator“ sein, mit Russel Crow in der Hauptrolle. Viele Filme werden hier gedreht, weil die Produktionskosten deutlich billiger sind als in Hollywood. Die Landschaften erinnern sehr an die USA. Muss ich mal mehr drüber lesen wenn ich wieder in Deutschland bin.

Im kleinen Ort Ourzazate machten wir einen Stop im Supermarkt, um den ersten Alkohol auf unserer Reise einzukaufen. Als muslimisches Land ist Alkohol in Marokko eigentlich keine Option, aber es gibt einige Supermärkte in denen Wein und Bier und harte Schnäpse angeboten werden. Fuer den morgigen Aufenthalt in der Wüste habe ich mir daher ein paar Limonenbierchen gegönnt. Das kann sogar gekühlt werden. Strom in der Wüste ist gar kein Problem, der Sonne sei dank.

Jetzt sind wir auch schon wieder in der Gegenwart angekommen. Gleich erreichen wir unsere heutiges Ziel, einen Ort namens Zagora. Ich bin gespannt. Alle unsere Unterkünfte waren bislang einwandfrei und sehr sauber. Viel Komfort gibt es nicht, aber dafuer umso mehr lokale Atmosphäre und leckeres Essen. Im Gegensatz zu Kai, der die Reiseroute fast auswendig kennt, habe ich bisher nur wenig gelesen und lasse mich überraschen. Das macht Spass, vor allem wenn man dabei so gut betreut wird von unserer warmherzig und leidenschaftlichen Reiseleitung.

Als wir gegen Abend unser nächstes Hotel erreichen konnten wir uns kurz frisch machen und haben direkt im Anschluss einen langen Spaziergang durch die Haine voller Dattelpalmen gemacht. Von dort aus ging es direkt weiter in einen kleinen, sehr typischen marokkanischen Ort gemacht, der auch allgemeine als Ksar bezeichnet wird. Es wurde langsam dunkel und wir fielen auf als kleine Touristengruppe inmitten des marrokanischen Alltags. Wir wurden geführt von einem Einheimischen und bekamen vieles erklärt. Umrimgt wurden wir von zahlreichen Kindern aus dem ganzen Ort, die uns nach Stiften oder Bonbons fragten.

Zum Abschluss deckten wir uns alle noch mit marrokanischen Tuch ein. Die typische Kopfbekleidung der Berber ist ein ca. 4m langer Schal aus Baumwolle oder Seide und wird in einer ganz bestimmten Art im den Kopf drapiert und schützt in der Wüste vor Sonne und Staub.

Zum Abendessen gab es wie immer eine Tajine. Da die Tage hier alle immer recht vollgepackt sind, sind wir alle immer recht frueh müde. Die Abende sind daher eher kurz.

Aid Benhaddou

Der fruehe Montag morgen begann mit einer sehr kalten Dusche und einem Frühstück in unserer Unterkunft in den Bergen, kurze Zeit später wurde schon wieder das Maultier bepackt und wir sind in zügigem Schritt in ca. einer Stunde wieder im Örtchen Imlil angekommen.

Von dort fuer der Bus weiter nach Ourika und wir machten einen Stop auf einem lokalen Markt. Fleißige Blogleser sollten ja bereits wissen, wie sehr wir diese Märkte lieben. Dieser war auf mal wieder besonders fein. Wir liefen ueber eine schmale Brücke hinauf zum Markt auf denen (vor allem männliche) Händler ihre Ware feilboten.

Das Angebot reichte von Obst und Gemüse, Kräutern und Gewürzen, toten und lebenden Tiere bis hin zu Kleidung and alles was man eben sonst noch benötigt. Dazwischen gab es immer wieder kleinere Essensstände und wir erfreuten und an frisch frittierten Teigkringeln und Gebäck. Die Geruchskulisse bestand aus Minze und Kräutern, begleitet von totem Fleisch und möglicherweise nicht mehr ganz so frischem Fisch. Es war bunt, laut und staubig und absolut sehenswert.

Zwischendrin habe ich bei einem fliegenden Händlern zwei grosse leere Säcke gekauft, da mein kreativer Geist schon wieder angefangen hat zu nähen. Pink mit lila Schrift in arabischen Lettern … da konnte ich unmöglich widerstehen.

Mittags machten wir Rast in einem grossen Restaurant, es gab, na was wohl, Tajine mit leckerem Berberomlett, irgendwas mit Linsen und gegrilltes Lamm und Köfte (Hackbällchen).

Am späten Nachmittag erreichten wir unsere Unterkunft fuer die Nacht. Das La Rose du Sable liegt vor den Toren von Ait Benhaddou und hat, wie bisher alle Unterkünfte auf der Reise, ein ganz fantastisches marrrokanisches Flair.

Wir bekamen eine halbe Stunde, um kurz die Koffer abzugeben, uns etwas frisch zu machen und die Kameras in Position zu bringen. Danach ging es in Richtung des kleinen hügeligen Ortes aus braunen Lehmhäusern.

Doch zunächst stand noch ein Besuch in einer Frauenkooperative an. Ein Ort, der von Frauen geführt wird, die dort ihr eigenes Geld verdienen. Nicht unbedingt selbstverständlich in einem Land wie Marokko. Es gab wieder Tee und Gebäck und wir bekamen ausserdem frisch vom Baum gepflückte Datteln. Grossartig.

Es ging steil bergauf durch die verwinkelten Gassen von Aid Benhaddou und man hatte das Gefühl direkt in einer Szene aus „Das Leben des Brian“ zu stehen. Die Häuser sind aus Lehm gebaut und nicht besonders resistent in Bezug auf Wasser. Um diese Kulturerbe zu erhalten muss da permanent nachgebessert werden.

Das Timing unserer Reiseleiterin war perfekt, rechtzeitig waren wir zum Sonnenuntergang oben auf dem Hügel, auf der anderen Seite leuchtete bereits der Vollmond. Ein bisschen schade übrigens dass der Mond so hell ist, denn morgen geht es in die Sahara und der Sternenhimmel soll gigantisch sein. Bei vollem Mond ist er allerdings weniger sichtbar. Ich bin gespannt.

Das abendliche Dinner wurde im Hotel gereicht, wir konnten a’la carte bestellen und bestellten beide eine fette Portion krümeligem Cous Cous mit gedünstetem Gemüse und Huhn. Zum Nachtisch gab es Stück Kuchen, denn einer unsere Mitreisenden hatte Geburtstag. Danach sassen wir noch gemütlich zusammen und haben gequatscht bis mir fast von alleine die Augen zufielen.

Der hohe Atlas

Gleich gibt es Fruehstueck. Die Tische sind noch gedeckt, aber wir warten noch auf die anderen. Ich war heute morgen etwas schneller fertig, weil die Dusche seeeeehr kalt war.

Wir befunden uns seit gestern im hohen Atlasgebirge. Genauergesagt im Dorf Aroumd am Fusse des zweithöchste Berges Afrikas, dem Mount Toubkal. Bisher ist diese Reise einfach nur toll. Die Leute aus der Gruppe sind alle sehr nett und wir quatschen viel und es macht Spass.

Los ging es gestern im Kleinbus von Marrakesch in den Ort Imlil. Dieser ist Ausgangspunkt für viele Wanderer und es hat ein bisschen den Flair eines kleinen Skiortes in den Alpen, eben nur auf Marrokanisch. Man kann sogar Skier ausleihen. Hauptsächlich aber bieten die Läden Bedarf fuer den Wanderer, Mountainbikes und ansonsten Teppiche in alles Farben, Tajines und weitere Souvenirs.

Von Imlil aus sind wir dann 300 Höhenmeter bergauf ins kleine Bergdorf Aroumd gewandert. Unser Hauptgepaeck haben wir im Tal gelassen, denn wir sollten nur einen Tagesrucksack fuer die Nacht in den Bergen packen. Dieser wurde dann auf ein Maultier geladen und ich konnte nur mit Kamera in der Hand die wundervolle Landschaft genießen.

Das Dorf liegt in einer Höhe von ca. 2000 Meter und der Aufstieg war daher noch ein kleines bisschen anstrengender. Ich habe zwischendurch wohl sehr erschöpft ausgesehen, denn der Maultierführer bot mir an, aufzusatteln. Ich habe dennoch abgelehnt ;-)

Als Unterkunft wurde das „Dar Imperial“ ausgewählt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Gite“ eine kleine familiengeführte Unterkunft mit sehr viel Lokalkolorit. Alles war sauber und gepflegt und einfach schön.

Oben angekommen war der Tisch schon reich gedeckt mit dampfenden Tajines, Reis, Brot und leckerem Salat. Zur Begruessung gab es den üblichen Pfefferminztee, professionell eingeschenkt aus ca. 80cm Höhe in ein winziges Glas. Das macht man, damit der Tee eine kleine Schaumkrone bekommt. Ich habe es auch mal versucht… nicht so einfach und gut, dass das Glas auf einem Tablett stand und nicht direkt auf der Tischdecke ;-)

Nachmittags ist ein Großteil der Gruppe zu einer weiteren Wanderung aufgebrochen, während Kai und ich und noch ein paar andere auf der Terrasse die warme Novembersonne genossen haben.

Am späten Nachmittag kamen noch zwei Nachzügler zur Gruppe dazu, einer ihrer Flüge wurde gestrichen und die Armen waren seit 24 Stunden unterwegs.

Abends gab es, typisch für Marokko, einen suessen Snack mit Pfefferminztee. Etwas spaeter das Abendessen mit Tajine, dieses Mal gefüllt mit Gemüse, Lamm und Kartoffeln, alles sehr schmackhaft. Wenn das so weitergeht, kaufe ich am Ende auch noch so einen hübschen Tontopf. Aber wir sind ja mit dem Flieger unterwegs, da besteht keine Gefahr ;-)

Der Abend endete recht früh und so zogen wir uns ins Zimmer zurück. Es war eine kühle Nacht und ich war sehr dankbar fuer die dicken Wolldecken.

Salam Aleikum

Gestern Abend sind wir recht spät in der Altstadt angekommen. Wir konnten dieses Mal unser kleines Riad ohne Problem in einer der Seitengassen finden. Das Riad Thagazoud war unsere Herberge fuer die erste Nacht. Wir haben kurz unser Gepäck abgestellt und sind direkt durch die belebten Straßen zum grossen Hauptplatz, dem berühmten Djeema El Fna gelaufen. Es war genauso wie ich es in Erinnerung hatte und aus den zahlreichen Garkuechen dampfte und brutzelte es glücklicherweise noch. Denn es war schon nach 11 und wir hatten Hunger. Es gab eine Tajine, fuer mich eine mit Huhn, Rosinen und Zwiebeln, fuer den Gemahl gab es irgendein Fleisch, Pflaumen und Mandeln, dazu warmes Brot und ein paar Dips. Geschmacksmässig ist da noch Luft nach oben, aber die tolle Atmosphäre macht das wieder wett.

Die Nacht war anstrengend. Ich konnte irgendwie kaum schlafen jnd hatte wilde Alpträume von Krieg und Verfolgung. Mitten in der Nacht hatte ich einen derart unangenehmen trockenen Husten, dass ich schon fast dachte, mich hätte das olle C nun auch erwischt. Aber nach einer Weile ging es wieder und ich konnte noch etwas schlafen.

Heute morgen war ich dann auch entsprechend unausgeschlafen und ein bisschen grumpy. Da war das Frühstück oben auf der Terrasse über den Dächern von Marrakesch genau das richtige.

Wir haben aus dem Riad ausgecheckt, unser Gepäck noch im Innenhof geparkt, und sind noch mal vor zum Platz gelaufen. Von dort sind wir direkt in die Souks eingetaucht. Wahnsinn. Wirklich unglaublich was es da alles gibt. Die Wege sind endlos und verwinkelt und ohne offline Karte auf dem Handy mit GPS wuerde man sich sicher doll verlaufen.

Es macht einfach spass, sich treiben zu lassen. Fotografiert habe ich nicht, zu viele Menschen und die sind teilweise echt sehr ungehalten, wenn man ihre Ware fotografiert ohne etwas zu kaufen. Ein bisschen schade ist das, denn es juckt schon arg in den Finger. Ist aber auch alles sooo pittoresk.

Nach dem Besuch im Souk gab es den ersten Minztee auf einer Terrasse mit Blick auf das bunte Treiben unten auf dem Platz. Später haben wir das Gepäck abgeholt, und sind mit dem Bus in das nächste Hotel gefahren. Das Hotel Les 3 Palmieres ist der Ausgangspunkt fuer unser 9-tägige Rundreise durch Marokkos Süden.

Direkt nach dem einchecken habe ich das grosse Bett erst mal für ein ausgiebiges Mittagsschläfchen genutzt, während Kai unten am Pool den Reiseführer studiert hat.

Das Hotel liegt außerhalb der Medina und das Viertel ist ein Gegensatz zu den verwinkelten Gassen der Altstadt. Direkt um die Ecke ist ein grosses modernes Einkaufszentrum mit einem Supermarkt, wo keine Wünsche offen bleiben. Tolle kleine Läden und zahlreiche Restaurants, eine quirlige Stadtatmosphäre ergeben ein anderes Gesamtbild von Marrakesh und wir freuen uns, diese Seite auch kennenzulernen.

Abends um 6 hatten wir dann das erste Treffen mit unserer Reisegruppe. Und ich bin sehr begeistert. Wir sind insgesamt 12 Personen und die Mitreisenden kommen aus den USA, Kanada, England, Belgien und Italien. So etwas liebe ich ja sehr. Nette Menschen aus aller Welt treffen. Einfach toll. Unsere Reiseführern ist eine junge Marrokanerin und als erste berichtete sie uns ganz stolz, dass sie eine der ersten sehr wenigen weiblichen Tourguides in Marokko ist. Das finden wir natuerlich umso toller.

Wir freuen uns sehr auf die bevorstehende Reise. Der Empfang wird sicher nicht überall gut sein, also kommt hier erst mal ein paar Tage nichts. Ich werde dennoch fleißig schreiben und fotografieren und dann bei Gelegenheit alles hochladen.

Das fängt ja gut an :-)

Gerade eben sind wir aus dem Flieger gestiegen und durch die lauwarme nordafrikanische Abendluft gelaufen. Auf dem Weg zum Terminal las ich den grossen leuchtenden Schriftzug Aeroport Marrakesch Menam. Ein tiefer Atemzug und ein seliges Glücksgefühl stellte sich ein. So schön, nach so langer Zeit mal wieder aussereuropäischen Boden zu betreten. Der Travelbug (Reisekäfer ;-) hat wieder zugebissen.

Der Flug war ein wenig ruckelig, aber mit ein bisschen Netflix und leichtem Stricken war es gut zu ertragen. Apropos Stricken, hatte ich doch fuer schreckliche 10 Minuten gedacht, ich haette meinen Strickbeutel am Boden des Wartebereichs im Flughafen Hahn liegenlassen. Er war weg, einfach so. Panik. Irgendwann fand ich ihn dann doch weit unterm Sitz. Pff. Kaum auszudenken, so ein Urlaub ohne Strickprojekt.


Momentan ist erst mal laaaaanges Warten angesagt. Wir bewegen uns seit ca. einer dreiviertel Stunde im endlosen Labyrinth der Tensatorenbaender und warten auf die offizielle Einreise in unser Urlaubsland Marokko. Wir haben etwa die Hälfte der Strecke hinter uns. Während wir da so rumdümpeln dachte ich mir, ich vertreibe mir die Zeit ein bisschen mit Blog schreiben. Geht ganz gut im Stehen, die Schlange bewegt sich sowieso nur sehr gemächlich. Gerade sind wir auf der Gegengeraden angekommen. Prima. Nur noch zwei Reihen. Aber alles gut. Es ist angenehm warm, wir kriegen nachher hoffentlich noch irgendwo was zu Futtern, und ändern kann ichs eh nicht. Ich bin tiefenentspannt.

Update: etwa eine halbe Stunde spaeter, vorbei an Pass- und Zollkontrolle, haben wir das Zerren aufdringlicher Fahrer an den Taxiständen hinter uns gelassen und sitzen endlich im Bus. Mittlerweile ist es viertel nach 10, vor zwei Stunden sind wir gelandet. Uff.
Ich sah uns eigentlich heute abend schon auf dem belebten Djeema El Fna sitzen und einen leckeren Imbiss nehmen. Aber egal, wir haben ja noch mehr als zwei Wochen Zeit. Da kann man noch ganz viel leckeren Cous Cous und Tajine essen.

Trennung in Italien

Jetzt sitze ich schon fast zwei Stunden am Flughafen Bergamo rum und bin ein ganz bisschen traurig. Herr C. hat mich vorhin hier abgesetzt, wir haben vor der Security Schlange noch einen letzten Cappuccino zusammen getrunken und weg war er. Hab sogar ein paar Tränchen verdrückt.

Aber so war es geplant und er hat mich schließlich dazu überredet, direkt von Italien aus zu fliegen.

Achso, wo es hingeht? Etwas weiter westlich in Europa, wo ich nachher am Flughafen Valencia von meiner lieben Freundin Frau H. abgeholt werde. Da freue ich mich sehr drauf, auch wenn das Herz gerade noch etwas trübe in den Seilen hängt.

Heute morgen sind wir wieder sehr früh aufgebrochen, denn die offizielle Fahrzeit laut Navi sollte 5 Stunden betragen und gerade Freitags steckt auch in der italienischen Autostrada gerne mal der Wurm drin. Also lieber nix riskieren und deswegen bin ich eben schon recht zeitig hier angekommen.

Wenn man so eine Woche fast in der Einsamkeit verbracht hat, dann koennen einem die vielen anderen Menschen am Flughafen plötzlich furchtbar auf den Geist gehen 🙃

Naja, in einer guten Stunde geht es los. Bis dahin strick ich einfach noch ein paar Maschen und hör ein bisschen Podcast.

Tartufo + Cinghiale

Es ist Donnerstag, früher Abend und ich sitze frisch geduscht auf den gemütlichen Schwingstühlen auf der Terrasse vor unserem Zimmer und vertreibe mir noch ein bisschen die Zeit, bevor wir zum Abendessen noch mal rausfahren. Heute wurde es tatsächlich etwas voller im Hotel, das ansonsten in den letzten Tagen wenig besucht war. Der Weg zur Rezeption führt auch an unsererer Terrasse vorbei und wir müssen den Neuankömmlinge immer wieder erklaeren, dass es sich bei uns nicht um die Rezeption handelt. Es sind fast ausschließlich Frauen und alle tragen eine Yogamatte unterm Arm. Ist sicher auch der perfekte Ort fuer einen Yoga retreat. Die Dame an der Rezeption sagte lächelnd, die seien alle leicht verrückt 🤪

Gestern sind wir erst wieder nachmittags aus dem Haus und haben uns den zweitgrößten Ort der Provinz Perugia fuer einen kleinen Besuch ausgewählt.

Auf dem Weg dorthin gab es tatsächlich ein paar Lavendelfelder zu bewundern. Die haette ich ja eigentlich eher in die Provence verortet. Aber umso mehr haben wir uns hier gefreut. Der blühende Lavendel ist ein Fest für Bienen und Schmetterlinge aller Art und es macht Spass das summende Treiben zu beobachten.

Danach erreichten wir unser Ziel. Foligno hat knapp 60.000 Einwohner und erfüllte exakt unsere Erwartungen. Ein quirliges italienisches Städtchen, welches am Nachmittag nach der Siesta noch mal richtig zum Leben erwacht. Es gab ein paar nette Geschäfte und in einer Bar habe ich den Hipsterdrink der vergangenen Jahre probiert, einen wirklich leckeren Espressotini. Muss ich zuhause mal nachmachen. Wirklich sehr schmackhaft.

Irgendwann zog sich der Himmel immer mehr zu und obwohl es noch noch mal sieben war, verdunkelt sich alles sehr dramatisch. Auf dem Weg zurueck zum Auto fing es bereits an zu regnen. Auf der Fahrt zum nächsten Ort schüttete es dann aus allen Kübeln.

Wir nutzten die Zeit noch für einen kurzen Stop im Supermercato um unsere Pastavorräte aufzustocken. Das ist natuerlich vollkommen unnötig und übertrieben, aber ich mag einfach diese ganzen speziellen Formen, die man bei uns nicht an jeder Ecke kriegt. So habe ich ausserdem mit jeder Packung, die ich öffne eine schöne Erinnerung an den Urlaub.

In immer noch strömendem Regen erreichten wir Spello. Ein kleines Örtchen, dessen terrakottafarbene Steinhäuser sich malerisch an einen Bergrücken schmiegen. Es wirkt daher auch etwas wie eine kleinere Version on Assisi.

Wir parkten unten am Ortsrand und stiegen mit Schirm im prasselndem Regen die Treppen nach oben. Auf der grossen Piazza erspähte mein Auge sogleich ein gemütlich aussehendes Lokal mit Tischen, die gut geschützt unter einem Laubengang aufgereiht waren.

Die lokale Küche bietet eine grosse Auswahl an allem, was der Wald so hergibt, vor allem Wildschwein und Trüffel sind eine Spezialität der Gegend. Beides nicht so mein Fall, so gabs fuer den Gatten lokale Speisen und ich durfte mal wieder eine sooooo leckere Pizza geniessen. Schöner dünner Boden und reichhaltig belegt, so hab ichs gern.

Der Regen hat aufgehört und so sind wir zum Abschluss des schönen Tages noch ein bisschen im malerischen Örtchen umherspaziert, bevor wir wieder auf einem der zahlreichen schlängelenden Wege im Wald verschwunden sind.

Federvieh

Heute ist doch tatsächlich schon wieder der letzte Tag in dieser zauberhaften Unterkunft in den bewaldeten Bergen im Herzen von Umbrien. Das Hotel Le Silve di Armenzano liegt traumhaft inmitten einer hügeligen Landschaft und ausser zirpenden Grillen, zwitschernden Vögel und summenden Insekten ist nichts zu hören.

Vorgestern habe ich mir eine Vogelstimmenapp runtergeladen und nun versuche ich mich ein bisschen an einfacher Ornitolgie. Gerade habe ich den Ruf eines Kuckucks identifiziert (OK, den haette ich auch ohne App erkannt 😉) aber all die anderen Piepmätze sind schon schwieriger zu unterscheiden.

Vorgestern haben wir einen Ruhetag eingelegt und waren lange am oberen Pool der Anlage. Dieser liegt noch mal etwa einen Kilometer oberhalb der Anlage und das Gelände ist sehr weitläufig, super gepflegt und vom Pool kann man weit ins Tal schauen.

Vor dem Abendessen haben wir uns noch das Nachbardorf Armenzano angeschaut. Ein winziger Steinhaufen, deren Gässchen in konzentrischen Kreisen angelegt sind. Wir wurden von einem roten ortsansässigen Kater durchs Dorf begleitet.

Danach waren wir wieder sehr lecker essen, in einer dieser absolut typischen italienischen Lokale. Im Inneren ist es meist sehr hell und die Speisekarte ist voller lokaler Leckereien. Nebendran war eine Bar mit einer Theke aus braunem Granit, der gigantischen silbrig glänzenden Kaffeemaschine und den typischen Kaugummiauslagen neben der Kasse.

Es gab einen leckeren Vorspeisenteller und danach eine schmackhafte Pasta. Zum Abschluss eine Kugel Vanilleeis über die ich meinen Espresso gekippt habe. So ein Affogato ist was feines.

Der Ruf des Waldkauz

Gestern Nachmittag sind wir nach Assisi gefahren. Es ist gar nicht so weit weg von unserer Unterkunft, aber die Strasse hat es in sich. Gerade so befestigt, hat der Zahn der Zeit so einiges an Schlaglöchern hervorgebracht. Es bedarf einiger Konzentration des Fahrers, zumal die Strasse größtenteils durch den Wald führt und die Beschilderung vor Wildwechsel warnt.

Es war ein heisser Tag und wir haben oberhalb der Stadt geparkt. Wir waren beide sehr erstaunt, dass es gar nicht so voll war, wir wir vermutet hatten. Montags herzukommen erwies sich als gute Idee.

Wir sind den ganzen Weg bis vor zur Hauptsehenswüdigkeit gelaufen. Der Basilika des heiligen Franziskus. Ich wuerde hier mal wieder ungeniert zu einem Superlativ greifen und behaupten, dass dies eines der schönsten Kirchengebäude im Land ist. Besonders die Wandmalereien in der unteren Basilika, wirklich wunderschön und vor allem auch die Mehrstöckigkeit macht das Gebäude so einzigartig.

Wenn man von fast ganz oben nach ganz unten gelaufen ist kommt dann das Unausweichliche. Man muss alles wieder raufklettern. Und das zog sich bei der strahlenden Sonne wirklich ordentlich. Ich war ja noch nie sehr Hitzefest, ich schwitzte und jammerte zugegebenermassen ein kleines bisschen.

Mein Fazit zu Assisi: Die Basilika ist wirklich sehenswert, die Stadt ist hübsch an einem Hügel gelegen und hat schon fast musealen Charakter. Die Gebäude sind fast ausschließlich mit braunen Bruchsteinen verkleidet und überall ergeben sich hübsche Fotomotive. Und doch sage ich mal vorsichtig, dass ich jede quirlige italienische Stadt mit ihrem ganz typischen Flair aus Bars, Cafés und Geschäften, einem solch pittoresken Ort vorziehe. Aber das soll in keinem Fall die Schönheit von Assisi schmälern und ist auch nur meine ganz persönliche Meinung.

Am Abend wollten wir eigentlich dort noch feudal essen gehen, um unseren Hochzeitstag gebührend zu feiern. Aber aus irgendeinem Grund mochten wir raus aus der Stadt. Wir googelten ein bisschen und fanden so ein ganz bezauberndes kleines familiengeführtes Ristorante mitten im Nirgendwo. Wir waren etwas zu früh dran und man bot uns an, in einer Art hängendem Liegestuhl zu warten. Wir bestellten einen Bianco Sporco und beobachteten die vielen Tiere die dort überall herum lagen. Hühner, Gänse, Katzen, Hunde und Ziegen, fast ein kleiner Zoo in der Campagne.

Das Federvieh lief Kreuz und quer über die Terrasse und wir bekamen jeder eine sagenhaft leckere Pizza, gefolgt von einem dickflüssigem italienischen Espresso.

Kurz vor dem Schlafengehen haben wir noch draussen auf der Terrasse gesessen. Wir konnten laut und deutlich den Ruf eines Waldkauz hören. Ein wirklich toller Abschluss eines wunderschönen Hochzeitstages.

Das verflixte 7. Jahr

Heute vor genau 7 Jahren kamen wir gerade aus dem Standesamt und aus Frau S. wurde Frau C…. Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Und genauso Wahnsinn, dass wir immer noch so glücklich sind ;-)

Bisher war es nie langweilig. Wir haben gemeinsam schon so einiges gestemmt und so manche Hürde überwinden müssen. Allen voran natuerlich die verrückte Affengeschichte und zuletzt die vergangenen Corona Jahre mit Homeoffice und diversen Lockdowns.

Umso schöner ist es jetzt, da wir endlich mal wieder weitgehend unbeschwert und nahezu maskenfrei reisen duerfen (geniessen wir es, solange es anhält).

Gestern ging es wieder sehr früh los und gegen 2 haben wir unser eigentliches Ziel der Reise erreicht. Wir sind in einem wunderschönen Refugium mitten im hügeligen Umbrien, in der Nähe von Assisi gelandet.

Die Unterkunft ist ein Traum und eines siebten Hochzeitstages absolut würdig. Wunderschöne Ausblicke und wir sind wirklich mitten in der Natur. Überall summt es und brummt es. So viele Schmetterlinge auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Gestern Abend waren wir im Restaurant, welches zum Hotel gehört und haben uns mit einem mehrgängigen italienischen Menü verwöhnen lassen. Vorab natuerlich auch hier wieder einen grossen Humpen meines Lieblingsaperitifs.

Gerade chillen wir etwas am Pool während die Batterien meiner Kamera noch laden. Gleich geht es nach Assisi. Wir freuen uns drauf.