Architektengeschwätz

Soeben habe ich mich mal wieder auf dem Weg in die benachbarte Kurstadt begeben. Sonntag. Ich weiss, aber es muss sein. Mittwoch ist ein sehr wichtiger Termin, bei der ich nicht nur darum gebeten wurde, den formalen Dresdcode einzuhalten, sondern auch mein derzeitiges Projekt in hochoffizieller Runde zu präsentieren. Wenn man mit mit dem eigenen Produkt im Einklang steht, sollte das auch nicht so schwer sein. Schwieriger wird sicherlich die Bekleidungsfrage. Selbstverständlich verfüge ich über einen kleinen Fundus an vorzeigbarer Architektentracht, aber es passt ja nix mehr … aaaaargh!!! Also habe ich mich bereits am Wochenende damit beschäftigt und alles frisch gewaschen, was in Frage kommt. Heute Abend ist dann der Testrun ;-)

Ansonsten heißt es heute richtig ranklotzen. Der neue Kollege ist derzeit dabei, das ganze zu rendern – bedeutet, eine hübsche 3D Visualisierung herzustellen, und ich muss noch einiges feintunen, Berechnungen anstellen, aufhübschen, etc. etc. Aber es macht sowas von Spaß, schön wenn man dafür auch noch bezahlt wird … darf nur der Chef nicht lesen, sonst sieht es schlecht aus in der nächsten gehaltsverhandlung ;-) 
Auf dem Weg zum Bahnhof bin ich an einem meiner absoluten lieblingsgebäude in Frankfurt vorbeigelaufen. Nicht unbedingt wegen der Optik, sondern wegen den Erinnerungen, die es wachruft. Es ist nämlich exakt so gebaut, wie ein typisches Loftbuilding, von denen es in New York tausende gibt, und in genau so einem habe ich damals gearbeitet, ecke 26th and 6th Avenue. Typisch dafür der separate Eingang auf der einen Seite  und der spiegelgleiche Eingang für die Lieferanten auf der anderen Seite,die riesengroßen Fenster, Stahlsäulen im inneren und weitläufige Etagen. Ein Traum, in so etwas zu wohnen ;-) 

Freitag Abend waren wir zum Essen bei Kais ehemaliger Kollegin in Bad Nauheim eingeladen. Eine quirlige Person, die an Herzlichkeit kaum zu überbieten ist, da muss man sich einfach wohlfühlen. Lustig auch … ihr Mann ist Architekt und hat auch schon mit meinem Chef zusammengearbeitet. 
Immer wieder interessant, obwohl Kai und ich uns ja aus dem anonymen Internet kennen, gibt es doch öfters mal überkreuzungen. Ich sag’s ja gerne wieder … nur fünf Schritte bis zum Papst. 
In diesem Sinne: einen geheiligten Sonntag allerseits :-) 

Nostragabus

Wer ist der Prinz? Fragte mich Freundin C. heute morgen als erstes per Whatsapp. Nun … es handelt sich, wie ich schon orakelte um jemanden aus Kais Bekanntenkreis und außerdem … auch hier darf ich mir auf die Schulter klopfen, war es jemand, den ich noch nicht kannte.
Lustig war aber schon die Begrüßung, denn die war so, als würde man sich schon ewig kennen. Aber ich kenne das ja bereits aus meinem früheren Blogleben. Ich habe schon voerher gebloggt und gerne andere Blogs gelesen. Öfter gab es reale Treffen und es war sofort eine große Vertrautheit zu spüren.
War jedenfalls ein echt dufter Abend mit leckerem Thaifood … und es gab sogar Singha Bier.
Alleine schon wegen der fantastischen Sommerrollen müssen wir da unbedingt noch mal hin *tropf*

Was war noch? Dienstag gab es mal wieder einen großen Blackout in Bad Nauheim. So etwas kennen wir ja bereits aus dem letzten Jahr und jetzt ist es eben wieder passiert. Wirklich lustig allerdings, kurz bevor es passierte nahm ich ein kurzes Flackern der Bürolampen war … nur ein Augenzwinkern. Aber ich habe sofort zu meiner Kollegin gesagt, das wäre ja wie im letzten Jahr … haha, am besten wir speichern mal schnell unsere Dateien. Auch im Nachbarbüro rief ich alte Erinnerungen wach … und während wir so witzelten … rums-bums … weg, alles aus. Da war das Gelächter riesengroß und alle waren sehr beeindruckt von meinen hellseherischen Fähigkeiten ;-)
Früher, als wir alle noch im Schein einer Petroleumlampe am Zeichentisch unser Rücken verbogen haben (Schöne Betonschraffuren am oberen linken Rand der Din-A-0 Zeichnung mit Überformat ;-) hätte uns so ein Stromausfall sicher nicht aus dem Konzept gebracht. Aber jetzt? Na schön, dann gab es eben einen frühen Feierabend. Blöd nur, wenn man eine Todeslinie vor Augen hat und eigentlich dringend was fertig machen muß … am nächsten Tag kam ich auch zu nichts, da ich fast den ganzen Tag in einer Besprechung versandet bin … Ende vom Lied, morgen muß ich einrücken. Sehr dumm das. Wochenendarbeit kommt Gott sei dank nicht mehr oft vor, aber manchmal eben schon … und dann heißt es eben Zähne zusammenbeißen und durch.

Heute Abend sind wir in Bad Nauheim zum Essen eingeladen. Könnte eigentlich gleich hierbleiben ;-)

Noblesse Oblige

Nun haben wir lange genug gerätselt, und ich denke es ist an der Zeit, dem Prinzen aus Zamunda einen (fast) eigenen Beitrag zu widmen. Schon seit geraumer Zeit verfolgt er uns hier im Blog, ob regelmäßig oder nicht vermag ich nicht zu sagen. Er erfreut uns jedenfalls immer wieder mit herzerfrischenden Kommentaren.
Nun … wir müssen es zugeben, wir sind mit unserem Latein am Ende. Jeden haben wir schon verdächtigt, dann wieder verworfen und so weiter. Wir sind einfach nicht weitergekommen, und so geriet es mit der Zeit in Vergessenheit.
Letzte Woche nun bat der Prinz um ein Stelldichein … ein Treffen „beim netten Italiener“. Natürlich sind wir sehr neugierig, und lassen uns auf dieses Spielchen ein. Somit kann theoretisch jeder verfolgen, wann es soweit sein wir, und uns der Prinz mit seiner persönlichen Anwesenheit erfreuen wird.
So ziemlich jeder unserer Bekannten stand schon unter Verdacht. Wobei ich persönlich der Meinung bin, daß es sich nur um einen von Kais Freunden handeln kann, wahrscheinlich sogar jemand, den ich noch gar nicht persönlich kenne. Aber wir werden sehen. Die Auflösung steht kurz bevor ;-)
 
Gestern Abend war ich seit langen mal wieder auf einem Konzert. Meine Freundin Christina und ich schenken uns gerne mal solche Tickets zu den jeweiligen Geburtstagen … erstens haben wir ja schon alles ;-) und zweitens ist Livemusik einfach immer wieder ein Erlebnis. Der gestrige Abend wurde von ihr gesponsert und war die Einlösung meines Geburtstagsgeschenkes.
Im Mai, als sie die Karten gekauft hat, hat sie gefragt, ob ich denke, daß ich Mitte August wieder laufen kann. Ich antwortete, wenn ich es bis dahin nicht wieder könne, dann wäre irgendwas falsch ;-) Und so war es dann auch, sogar Tanzschritte und leichte Hüftschwünge waren drin.
Die Musik von Kelis ist einfach zauberhaft. Ein bisschen Chaka Khan, eine rauchige Stimme … goldene Discobehänge auf der Bühne, großartige Musik mit tanzbaren Rhythmen … es hat sehr viel Spaß gemacht.
Heute morgen war dann das Aufstehen auch etwas beschwerlicher, aber Kai hat mich sanft säuselnd mit einer dampfenden Tasse frisch aufgebrühten Kaffees aus dem Schlaf geholt :-)
 

Rheingau

Wir hatten ein wirklich sehr schönes und kurzweiliges Wochenende im nicht so weit entfernten Rheingau. Freitag Abend sind wir direkt nach der Arbeit angereist und haben uns gar nicht lange mit Kofferauspacken aufgehalten. Denn wir hatten etwas zu feiern. 2 Jahre!!! Auf den Tag genau am Freitag vor 2 Jahren haben Kai und ich ebenfalls einen sehr schönen Abend miteinander verlebt. An diesem Abend haben wir beschlossen, daß ich mit nach Mallorca fliege, um ihm beim dortigen Halbmarathon zuzuwinken. Es war praktisch besiegelt. Den 15. August haben wir somit als offizielles Datum auserkoren. Damit wir immer schon was zu feiern haben ;-)
 
 
Leider war ja das Wetter nicht ganz so dolle und wir mußten mit ständig wechselnden Wetterbedingungen rechnen. Sonne + heiß, Jacke aus, Prasselregen, Jacke an, Schirm raus, Regen weg, Schirm zu, Sonne + heiß, Jacke wieder aus, Regen dazu … Schirm auf und so weiter und so weiter. Aber wir konnten auch wunderbar wandern gehen.
Mein Fuß hat diesbezüglich einen neuen Rekord aufgestellt, mindestens 3 Stunden sind wir gelaufen. Das war ein wirklich gutes Gefühl. Zwischendurch ein Tässchen Kaffee am Rhein.

 

Nachmittags sind wir dann noch mal nach Rüdesheim gefahren. Dort war eins der zahlreichen Weinfeste. Wir haben oberhalb des Ortes geparkt und sind dann mal durch die Drosselgasse gelaufen. Wirklich ulkig. Alles voll mit asiatischen und amerikanischen Touristen, die dort durchlaufen, und glauben ein echtes Stück Deutschland mitzunehmen. Ein bisschen was hatte es von der berühmten Khao San Road in Bangkok ;-)
Nebendran, nur ein paar Gassen weiter, dort wo ein typisch deutsches Wein- bzw. Stadtfest seinen Lauf nahm, hat sich keiner dieser Touristen hinverirrt. Irgendwie merkwürdig.
Das sollte einem stets zu denken geben, wenn man sich in einer dieser „typischen“ Gegenden im Ausland aufhält *klugscheissermodus aus* ;-)

Abends haben wir dann noch ein sehr tolles kleines Restaurant in Winkel, entdeckt, wo wir ganz hervorragend gespeist haben. Kai sagt ja immer, ich hätte eine echte Schnüffelnase, was das Auffinden solcher kleinen leckeren Restaurants angeht. Dabei ist das ja gar nicht so schwer, ich schaue immer auf das Logo des Restaurants, die Einrichtung und die Speisekarte. Eine volle Speisekarte auf der Schnitzel in 180 Variationen stehen, spricht in der Regel nicht so sehr für die Qualität der Speisen. Unambitionierte Inneneinrichtung und Logogestaltung versprechen oft ebenso wenig Ambition in der Küche. Manchmal stimmts, manchmal nicht … letztentlich isses Glückssache.
Das Essen im Zehentenhof war jedenfalls lecker. Der Koch mochte sein eigenes Essen sicher am liebsten ;-) (hatte gewisse Leibesfülle) … und man möchte ihm noch zurufen, etwas weniger Öl täte den Speisen noch besser (ups, da isser doch wieder angegangen, der K-Modus ;-)

 
Sonntag sind wir dann nach dem Frühstück irgendwann in Richtung Heimat gefahren. Gegen mittag waren wir zuhause und haben den Rest des Tages mit gemütlichem Nichtstun verbracht. Ich habe mich mit leichtem Stricken vergnügt, während Kai leichte Reparaturarbeiten unternommen hat.
Und jetzt geht die neue Woche wieder los. Auweia, es ist schon 16.00 Uhr und ich mache gerade erst Mittagspause. Irgendwas ist hier gerade falsch …

Bloß mal so

Schon wieder Donnerstag … die Woche rast nur so in affenartiger (blödes Wort ;-) Geschwindigkeit an mir vorbei. Also nutzt ich mal schnell das Mittagspäuschen, um einen kurzen Beitrag zu schreiben. Ich kanns ja eh nicht lassen.
An der Arbeit bin ich ordentlich mit einem ganz wundervollen Projekt beladen. Es gibt zwar einen gewissen Druck, aber ich kann mich fast nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Freude mit dem Job gehabt habe. Bleibt jetzt erst mal so … habe ich beschlossen. Kai macht sich natürlich schon sorgen, weil er Angst hat, ich könnte evtl. nun das Interesse an Urlauben aller Art verlieren … aber ich denke, soweit wird es sicher nicht kommen ;-)
Am Wochenende sind wir auch erst mal wieder unterwegs, im Rheingau. Ein Geschenk von Kais Eltern, weil Ende letzten Jahres mal eine Zeit lang nichts so war, wie es sein sollte und Kai sich mächtig reingestürzt hat. Jetzt bekommt er die Belohnung ich darf partizipieren. Sozusagen.
Wir freuen uns jedenfalls auf einen Kurztrip in naher Umgebung mit Wanderungen in den Weinbergen und natürlich auch gutem Wein. Mal schauen, wie das in mein neues Ernährungskonzept passt.
Ansonsten freue ich mich auch sehr auf den Herbst, hier jammern ja alle gerade über den verregneten Sommer. Ich fand den Sommer eigentlich ganz schön, naja zugegeben, wir haben ja auch in diesem Jahr schon sehr früh damit angefangen. Tropische Temperaturen in Thailand … *seuft* … lauter schöne Erinnerungen. Ich habe jedenfalls nix dagegen, wenn dann jetzt ein schöner goldener Herbst bis tief in den Oktober folgt.

Heidi + Peter

Unsere Fahrt hat uns Donnerstag vormittag zunächst entlang des Comer Sees bis zur Nordspitze geführt. Danach ging es querfeldein durch die Berge über den Splügenpass in die Schweiz. dieses Mal kein Nebel, einigermassen klare Sicht, angenehme Temperaturen und Serpentinen bis zum Abwinken. Man braucht auf jeden Fall einen robusten Magen, dann kann man diese wunderschöne Fahrt einfach nur geniessen. 


Wieder runter geht es dann und man wird mit einem grandiosen Blick auf Splügen im Heidiland empfangen. Dieses sattgrüne Gras, die hohen Tannen … die kleinen eingesteuten Hütten … man fragt sich, ob das alles echt ist … oder hat da jemand nachgeholfen? War vielleicht Bob Ross am Werk?


Gegen Nachmittag sind wir dann in der „Casa Pintga“ angekommen. Hier war ich ja nicht zum ersten Mal, ich ahnte also, welches Idyll mich erwartet, aber ich konnte nicht umhin, meinen Lieblingsspruch anzuwenden … „Genau SO will ich auch wohnen!!!“ … Kann denn eine Hütte noch idyllischer liegen, eingerahmt von grünen Wiesen, einer plätschernden Tränke, einem alten Kirchlein und lauter „Happy little Trees“. Wirklich ideal zum Runterkommen. Aber schöner noch, der warmherzige Empfang durch die Bewohnerin mit Ihrem kleinen Sohn. 


Am nächsten Tag waren Kai und ich zunächst auf uns allein gestellt, da natürlich auch in der Schweiz der F’reitag ein ganz normaler Arbeitstag ist. Wir haben uns informiert, und konnten in Erfahrung bringen, daß einer der zahlreichen Sessellifte auch im Sommer in Betrieb ist. Also sind wir zur Mittelstation gefahren, um dann mit dem 6er Sessel nach oben auf den Piz Mundaun zu fahren. Es war sehr warm, ca. 23 Grad und die Sonne brannte und versteckte sich immer nur kurzzeitig hinter den Wolken. Wie schön, daß ich komplett vergessen hatte, mich einzucremen. Dämlich aber auch … ein schöner Redneck war die Folge. Aber egal. Es war einfach so friedlich da oben. Ich denke, die Bilder sprechen für sich, diese Blumenwiesen … Schmetterlinge, dicke Hummeln, Bienchen, Raupen, Zicklein, Kuhglocken … Pferdekoppeln … *seufzttief*. Klingt kitischig? Aber ich schwöre es, genau so war es … schau nur:




Oben auf der Hütte haben wir ein Bierchen gezischt und ein paar lecker Chäshörndli verspeist, gefolgt von einem pickepackevollbelegten Blaubeerkuchen. Das Leben kann so schön sein :-)




Sogar ein bisschen gewandert sind wir. Insgesamt sind wir bestimmt gut 2 Stunden umhergelaufen, haben teilweise steile geröllreiche Steigungen bewältigt und den Fuß immer wieder auf Funktionalität getestet. Ich sage mal so, der Fuß schafft schon eine ganze Menge, nur das kleine Dickerchen, welches der Fuß tragen muß, muß noch ein bisschen besser werden in Bezug auf Kondition. Huiuiui, was hats gekeucht ;-)
Kai hat sich in die Heidelbeeren begeben. Wie ein kleiner Bub freute er sich über die vielen blauen Kügelchen, die auf den Wiesen überall verstreut wachsen. Ein Paradies … wobei ich sagen muß, ich fand die Dinger noch recht sauer. Aber das ist wohl alles eine Sache der Einstellung ;-)


Abends wurde dann die Bude in Surcuolm wieder richtig voll. In der Nachbarhütte waren zwei sehr nette Frankfurter zu Besuch, eine Freundin mit zwei Bambinis und der niegelnagelneue Freund der Hausbewohnerin kam zu Besuch. Alle tragen sich zum gemeinsamen Apero, es wurde gegrillt und an der langen Tafel gab es viel Wein und laute Gespräche. Mit zunehmenden Alkoholgenuß kann man dann auch das Schwizerdütsch besser vestehen. Wobei … mit 6 Jahren Bayern und einer guten Freundin vom Bodensee ist man da schon im Vorteil ;-)

Samstag morgen hat es dann in Strömen geregnet und wir hatten (bereits am Vortag) entschieden, daßa wir uns dann schon wieder auf die Heimreise machen. Ist ja auch irgendwie schön, noch so ein gemütlicher Sonntag, bevor morgen früh die Arbeitswoche wieder losgeht.
Aber so verblüffend das auch sein mag … ich freu mich drauf :-) 

Als kleine Nachlese hier noch schnell zwei Übersichtskarten, die man mit dem tollen Tool von Stepmap erstellen kann. Macht wirklich sehr viel Spaß und ist toll fürs Urlaubsalbum. 

Schweiz + Italien
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StepMap Schweiz + Italien



Oberitalienische Seen
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StepMap Oberitalienische Seen



Familienleben

Huiuiui … gestern ist hier ordentlich Leben in die Bude gekommen. Am Nachmittag ist nämlich Kais Schwester mit Familie angereist. Die hatten das Apartment bereits vor uns reserviert, aber wir hatten vereinbart, dass wir noch eine Nacht gemeinsam hier verbringen. 

Lustig anzuhören, wie drei Teenager um die besten Plätze im mittleren Teil des Apartments kämpfen. Nur gut, dass Kai und ich noch eine Nacht in der Präsidentensuite verbringen durften. Am Abend waren wir mit allen zusammen in der Tenda Rossa. Eine nahegelegenen Pizzeria, wo man vom hiesigen Balkon aus bereits prüfen kann, ob der Pizzaofen weiter unten im Ort schon raucht.

Bereits bei der Vorspeise konnte ich mit Erstaunen beobachten, wie ein Pizzabrot, eine große Portion Carpaccio und zwei gemischte Vorspeisenplatten vor meinen Augen in Windeseile inhaliert wurden. Übrig blieben nur noch ein paar einsame Krümel auf den Tellern. Wir hatten jedenfalls alle viel Spaß beim gemeinsamen Mahl und die Pizza war einfach wieder superbe. 

Ansonsten war es ein sehr ruhiger Tag mit ausreichend Entspannung. Wir statteten unter anderem dem hoch auf dem Hügel gelegenen Friedhof einen Besuch ab, auf dem Kais Großeltern und seine beiden Tanten begraben liegen. In der zugehörigen Kirche San Giorgio hat Kai vor vielen Jahren seine erste heilige Komminion empfangen. Diese Kirche ist von der Lage eigentlich kaum zu überbieten. Wunderschön blickt man auf den Luganer See und über die Landschaft. Überhaupt muss ich sagen, dass das gesamte Intelvital eine wirkliche Schönheit ist. Vom Massentourismus praktisch unentdeckt kann man hier tolle Wanderungen unternehmen, ursprüngliche Dörfchen entdecken … und wie schon mehrfach erwähnt ;-) natürlich den unmittelbaren Zugang zu den oberitalienischen Seen genießen. Selbst Mailand erreicht man in gut einer Stunde. Wir werden hier sicher nicht das letzte Mal zu Gast sein. Wie wäre es eigentlich mit einer Hochzeit in Italien? ;-)

Heute heißt es leider wieder Tschüss sagen. Wir machen Platz im Haus und wollen auf dem Rückweg noch für ein paar Tage in der Schweiz Halt machen. Eine gute Freundin von Kai lebt in Chur und ganz in der Nähe davon, hoch oben in den Bergen gibt es ein kleines idyllisch gelegenes Chalet. Hier waren wir im letzten Jahr bereits zu Gast und ich hoffe sehr, dass dieses Mal der Nebel verzogen ist, und die Sicht auf das weite Tal freigibt. Das soll nämlich sehr schön sein … habe ich mir sagen lassen. 

Seelenmarsch

Heute waren wir in Ossuccio, oberhalb des Comer Sees gelegen. Dort gibt es einen Kreuzgang, der auf nur knapp einem Kilometer zum Santuario Madonna del Soccorso führt. Es geht steil bergauf, der Weg ist mit schroffen Kieseln gepflastert und entlang der Strecke sind insgesamt 14 kleine Kapellen, in denen in unterschiedlichen Szenen der Leidensweg Jesus Christus dargestellt ist. Seitlich ergeben sich spektakuläre Ausblicke auf die Landschaft und den See. Es war heiß und der Weg war steil und anstrengend. Aber so gehört sich das wohl für einen Pfad dieser Art. Mein eigener Bezug war natürlich die Tatsache, dass ich überhaupt wieder in der Lage bin, eine solche Strapaze auf mich und meinen Fuß zu nehmen. Oben angekommen war es ein wirklich tolles Gefühl. In der Kirche selbst haben wir dann jeder eine Kerze gestiftet. 

Leider hatte das angeschlossene Café dienstags seinen Ruhetag und so fuhren wir weiter nach Menaggio, um dort unser Mittagessen mit anschließendem Gelato zu verspeisen.
 
Auf dem Rückweg nach Hause regnete es dicke Tropfen, während die Sonne auch weiterhin gleißend vom Himmel schien. Klar, dass auch der obligatorische Regenbogen nicht lange auf sich warten ließ. 

Festa delle Corti

Der gestrige Tag war wirklich abwechslungsreich. Bei wunderschönem Sonnenschein und angenehmen 23 Grad starteten wir den Morgen mit einem kleinen Einkauf im benachbarten Alimentari, um im Anschluss unser Frühstück auf der eigenen Terrasse mit spektakulärer Aussicht zu genießen.

Etwas später fuhren wir in Richtung Lugano oberhalb des Luganer Sees entlang und legten einen kleinen Zwischenstop in Gandria ein. Eines dieser malerischen Dörfchen, wo man nur oberhalb parken kann, um dann zu Fuß in die Welt aus kleinen Gässchen und Treppen und malerischen Winkeln einzutauchen. Überall ergeben sich spannende Einblicke und Aussichten. Alleine die teilweise sehr liebevollen Dekorationen aus Topfpflanze in einfachen Blechkanistern, schlafenden Katzen und herausgehängter Wäsche in Mustern vergangener Jahrzehnte. Daran werde ich mich niemals sattsehen. 

Am späten Vormittag sind wir dann in Lugano angekommen. Ich erinnerte mich, dass wir hier vor vielen Jahren mal Rast auf dem Weg an die Adria gemacht haben. Da war ich aber noch seeehr klein … Zeit für Auffrischung also. 
Lugano ist schweizerisch mondän. Gut betuchte können  ihren Hunger an Luxusgütern stillen, anzugtragende Bänker machen ihre Mittagspause in kleinen Cafés und natürlich ergibt sich auch hier die wahre Schönheit des Ortes erst so richtig, wenn man ans Seeufer gelangt. 

Nachmittags haben wir dann an einem kleinen Lido mit Seebad gestoppt und konnten endlich mal Baden gehen. Das Wasser war zwar seeeehr kalt, aber es war toll. Und außerdem war es das erste Bad in größerem Gewässer seit dem Affenbiss. Noch ungewohnt … so mit freigelegter Narbe in der Öffentlichkeit. Aber auch das wird immer besser. 
Am späten Nachmittag dann der lange visualisierte Apero auf der zentralen Piazza in San Fedele. Dem etwas größeren Nachbarort von Pellio. Hier haben wir auch schon beim letzten Besuch in Pellio so manchen Abend gesessen und das geschäftige Leben auf der Straße beobachtet, welches sich in Italien überall nach ausgiebiger Siesta ergibt. 

Am Abend dann das wirkliche Highlight des Tages. 
Jedes Jahr am ersten Montag im August findet im unteren Teil Pellios die Festa delle Corti statt. Wir haben nur durch Zufall davon erfahren und hatten keine Ahnung, was das genau bedeutet. Corti sind Höfe. Soweit die Übersetzung. 
Von überall her strömten Menschen in den Ortskern und die Stimmung war einfach toll. Mehrere Innenhöfe hatten ihre Tore geöffnet und es gab an unterschiedlichen Stationen kleinere Häppchen zu essen und man konnte sich so ein komplettes italienisches Menü zusammenstellen. Die Höfe waren unterschiedlich geschmückt und die Klänge des Schifferklaviers  sorgten für ein echtes italienisches Ambiente. Kai kam die ganze Zeit aus dem Staunen nicht mehr heraus, soooo viel los in Pellio. Ist eben Sommerzeit. August in Italien. Hauptsaison. Auch mal schön, das auf diese Weise zu erleben. 

Abastanza Soleggiato Domani

*stößteinentiefenseufzeraus* Vorhin sind wir in Pellio angekommen. Wir sind also wieder unterwegs. Yippieyayeah. Und wir genießen es in vollsten Zügen:
Gestern wollten wir eigentlich gaaaaaanz früh losfahren, um den vorhergeunkten Superstaus zu entgehen. Losgekommen sind wir dann gegen Viertel vor neun. In Thun (unserem 1. Ziel) angekommen sind wir gegen zwei. Staus? Fehlanzeige. Wahrscheinlich haben sich alle so vom Automobilclub einlullen lassen, dass die meisten zuhause geblieben sind. 
Die Fahrt in die Berge hat jedenfalls früheste Kindheitserinnerungen in uns geweckt. Kai hat berichtet wie er mit drei Geschwistern inclusive Hase und wasserschildkröten auf der Rückbank des Fiats in Richtung Italien gefahren ist (daher sicher seine enorme Leidensfähigkeit bezüglich südostasiatischer Busreisen) … und ich erinnerte mich, im hinteren des Fahrzeugs meiner Eltern eine Kotztüte nach der anderen verbraucht zu haben. Ganz im Stil der unbekümmerten 70er Jahre hat mein liebes Papilein nämlich auch auf langen Urlaubsreisen das Rauchen im Auto nicht eingestellt. Naja es sei ihm verziehen. Schlimmer war es ohnehin wenn er mit seinem mit Spucke befeuchteten Taschentuch meinen Schokoladenbart abgewischt hat ;-) Ich bin aber sicher dass ich diese Vorliebe der Kindergesichtsreinigung mit einem Großteil meiner Generation teile ;-) Ups, jetzt schweife ich ab. 
Nachmittags haben wir die schöne Thuner Innenstadt besichtigt und später sind wir dann hoch nach Goldiwil zu Kais Studienkollegen und dessen Familie gefahren. Sowas von idyllisch. Wieder ein Beitrag aus der reihe: „genauso will ich auch  wohnen!!!“
Bis spät abends haben wir unter anderem einmal mehr die affenstory zum besten gegeben, viel zu viel Wein getrunken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen ging es dann weiter in Richtung Pellio. Da am Gotthard-Tunnel mehrere Stunden Wartezeit prognostiziert wurden, haben wir eine wunderschöne Passstrecke gewählt … wobei sich der Nufenpass in dickste Regenwolken gehüllt hat. 

Gegen Nachmittag sind wir dann in Pellio angekommen, haben Gas und Strom aktiviert, erstmal einen Kaffee gebraut, die Betten bezogen und es uns auf der Terrasse gemütlich gemacht. Da wir es irgendwie versemmelt haben, noch etwas einzukaufen, gehen wir heute Abend im Dorf eine Pizza essen *trieft*. Mahlzeit.