Bush Panorama

Mittlerweile sind wir dran gewöhnt, so früh aufzustehen. Bereits wieder in aller Frühe um 6 Uhr war Treffpunkt am Hauptgebäude des Camps für unseren Morgenspaziergang durch den Busch. Es gab einen kleinen schnellen Kaffee und pünktlich wurden wir von zwei Rangern in Uniformen mit frisch geladenen Gewehren abgeholt. Denn wir liefen durch das Sicherheitsgate direkt auf das Parkgelände, wo die Tiere frei herumlaufen.

Wir bekamen auf dem Spaziergang viele Infos aus der Buschzeitung, den Spuren und den Hinterlassenschaften der Tiere. Die Ranger nahmen anhand dieser Merkmale die Fährte zu einem Büffel auf. Und tatsächlich galoppierte auf einmal einer der schwarzen Riesen in sicherer Entfernung an uns vorbei. Wir sahen viele Termitenhügel, Spinnennetze und allerhand Kleingetier, aßen wiulde Beeren und entdeckten einen ungefährlichen fingerdicken und ca 12-15 cm langen Tausendfüssler. Diesen ließ ich sogar über meine Hände krabbeln. Ein ulkiges Gefühl. Nach dem sehr lehrreichen Rundgang gab es erst mal ein deftiges Frühstück mit Eiern, Speck und gebackenen Bohnen, bevor wir uns auf unser Tour entlang der Panoramaroute begaben. Wir stoppten an einigen absolut faszinierten Aussichtspunkten, so zum Beispiel dem sogenannten Gods Window, dort gab es auch einen kleinen Rundgang durch ein tropisch feuchten, mit vielen Moosen und Farnen bewachsenes Stück Regenwald. Dort geschah dann etwas unglaubliches. Eine unsere Mitreisenden wurde einfach so von hinten von einem Affen attackiert und ins Bein gebissen. Mit wurde heiß kalt und ich hatte absolut kein Bedürfnis, diesen Weg noch weiter zu laufen. Ich glaub’s ja nicht. Ihr Biss war wesentlich harmloser als meiner, aber dennoch gab es kleine blutende Bissspuren und ich musste mich leider als dramatisierende Klugscheisserin aufspielen. Auf mein Drängen fuhren wir in einen Ort namens Graskop und sie wurde zum Arzt gebracht. Dort bekam sie die Bisswunde noch mal gründlich gereinigt und dazu ein paar Antibiotika, die selbst der Arzt unnötig fand. Aber sie bestand auf mein dringendes Geheiß darauf und ich war zufrieden. Naja … mag übertrieben gewesen sein, aber lieber so als andersrum.

Weiter ging die Fahrt zum beeindruckenden Bourke’s Luck Potholes mit tollen Wasserfällen anschließend zum Blyde River Canyon, dem grünsten Canyon der Erde. Die Natur Afrikas bietet wirklich spektakuläre Ausblicke.

Der Tag war lang und wir erreichten erst um halb sechs wieder unser Camp.

Bei abendlicher Runde aßen wir mal wieder sehr lecker und rösteten Marshmellows über dem Lagerfeuer … bis uns irgendwann wieder die Augen fast von selbst zufielen und wir uns in Richtung Hütchen verabschiedeten.

The Big 5

Der Tag begann wieder sehr früh und bereits um 6 Uhr saßen wir fertig verfrühstückt und mit Sonnencreme und Anti Brumm präpariert in einem allseitig offenen Jeep auf den Weg zum ersten Höhepunkt der Fahrt. Einen vollen Tag Safari im größten Nationalpark Südafrikas, dem berühmten Krüger Nationalpark. Hier sind alle Big 5 zuhause, Elephant, Nashorn, Löwe, Büffel und Leopard … und natürlich hunderte anderer Tiere. Ich habe mich sehr darauf gefreut. Schon lange vorher mein Teleobjektiv gestreichelt und so war es einfach nur zum Jammern, dass das nun sinnlos war. Das Tele habe ich noch, aber nützt ja nix ohne Kamera.

Umso toller dass das neuseeländische junge Pärchen, bei denen dies bereits der zweite Besuch im Park war und die gerade noch in der Serengeti waren, mir anboten, mit ihrer Kamera zu fotografieren. Ich war happy und so durfte ich ungestört die beeindruckenden Tiere jagen. Und von denen hüpften mir nicht wenige vor die Linse. Es ist wirklich noch einmal etwas vollkommen anderes, diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Absolut atemberaubend schön. Es ging los mit den putzigen gestreiften Kudus und von weitem ragten zwei Giraffenhälse aus dem Busch. Es gab Elefantenherden und kleine winzige Babyelefanten. Wir hatten Glück und durften zwei ausgewachsene Löwenmännchen beobachten, die faul unter einem schattigen Baum dösten. Es gab natürlich hunderte Impalas zu sehen, wir haben Warzenschweine und gaaanz viele Zebras gesehen. Paviane, Büffel, Nilpferde, Krokodile und noch vieles mehr. Es war einfach nur schön und extrem emotional. Sehr glücklich bin ich natürlich auch über die Fotoausbeute. Ich meine, also echt, das Zebrafoto ist doch der Hit :-)

Eigentlich wurden wir ja nur rumgefahren. Aber irgendwie war der Tag doch ganz schön anstrengend. Wie toll, dass es da im Camp eine tollen Pool gibt. Direkt daneben übrigens ein Wasserloch in dem die Nilpferde gemütlich im Wasser planschen und hin und wieder markerschütternde Brülllaute von sich geben. Verrückt. Es wurde geplanscht und wir haben viele lustige Poolfotos geknipst.

Später am Abend hatte ich dann mal wieder meine 5 Minuten der Traumabewältigung. Ich ringe einfach immer noch mit dem Dreck der da passiert ist. Weinen und reden ist meine Art, damit fertig zu werden. Ich bin froh, dass dann ein sehr verständnisvoller Ehemann an meiner Seite ist.

Zum Abschluss des Tages das übliche Lagerfeuer mit einem feinen Mahl, mit viel Liebe von unserem Guide zubereitet. Ein kleines Bierchen und nette Plaudereien ließen den Tag wundervoll ausklingen.

Der Tag danach

Wir haben den Wecker auf halb 6 gestellt, denn bereits um halb sieben war Treffpunkt in Midrand, einem nördlich gelegenen Teil der Stadt, für unsere 14tägige Tour durch den Krüger Nationalpark, nach Mozambique und Swaziland. Eine Reise auf die ich mich schon so lange vorher gefreut hatte.

Aber es sollte mal wieder alles anders kommen. Die Nacht war grauenhaft. Ich konnte das erlebte vom Vortag einfach nicht aus meinem Kopf bekommen. Unmöglich Schlaf zu finden. Ich versuchte es mit Ablenkung … aber es half nichts. Ich glaube erst so gegen vier bin ich eingeschlafen, bevor dann der Wecker unbarmherzig zur voreingestellten Zeit anging. Aber es half nichts. Wie ferngesteuert manövrierte ich mich durchs Koffer packen und die Morgenroutine. Zwischendurch weinte ich immer wieder. So hilflos und leer fühlte ich mich. Ein Glück, dass Herr C. Die Situation etwas besser wegsteckt als ich. Aber natürlich war es auch für ihn schlimm. Ein Taxi brachte uns dann über leere Stadtautobahnen in den Norden, wo wir zum ersten Mal auf die Mitreisenden stießen. Es gab frisch gebrühten Filterkaffee und das machte den noch fremden Morgen etwas erträglicher. Wir sahen zum ersten Mal unseren Reisebus … Entschuldigung … Reisetruck und lernten nach und nach die beiden Tourguides und die Mitreisenden kennen. Alle waren so offen und freundlich. Genau so wie ich es liebe. Es war sofort eine Vertrautheit zu spüren und man kam schnell ins Gespräch. Das war nach diesem ganzen Schlamassel so unglaublich hilfreich. Erst als der Guide später im Bus die Nachtsafari für den Abend ansprach wurde ich wieder traurig. Sooooo traurig, denn darauf hatte ich mich besonders gefreut. Aber mein Gatte überzeugte mich, dass das aufgrund meiner Müdigkeit keinen großen Sinn machen würde. Ich verfluchte die kleinen Mistkerle, weil sie mir nicht nur meine Kamera, sondern auch einen Teil meiner Freude genommen haben.

Ich versuchte es mit Schlafen im Truck. Aber es war unmöglich. Kaum machte ich die Augen zu, spürte ich die Fremden Hände in meinem Nacken.

Im Laufe des Tages aber geschah dann etwas wundersames. Ich verliebte mich spontan in die Reisegruppe und die Ablenkung und das Gequatsche und Lachen mit den anderen tat einfach nur gut und gegen Abend ging es mir bedeutend besser.

Wir erreichten am Nachmittag so gegen vier den Krüger Nationalpark am Numbi Gate und führen direkt in das Nkambeni Safari Camp am Rande des Parks. Was uns dort erwartete war einfach nur toll, eine Unterkunft ganz nach unserem Geschmack. Während etwa die Hälfte der Gruppe in Zelten untergebracht ist, haben wir die accommodated Tour Variante gebucht und bekamen eine wunderschöne Hütte mitten im Grünen mit großer Terrasse und drei Duschen, eine drin und zwei außen unter freiem afrikanischen Himmel. Dazu ein bequemes Bett mit großem Moskitonetz.

Wir haben die 14tägige Tour mit Nomad Adventure Tours gebucht. Von dieser Art zu Reisen musste mich Herr C. sehr lange überzeugen. Zum einen weil ich ein paar fein säuberlich gepflegte Vorurteile gegenüber organisierten Gruppenreisen hatte und zum anderen weil man sehr viel in einem umgebauten Truck unterwegs ist und die Straßen in Afrika zum größten Teil unbefestigt sind. Aber er hat es am Ende geschafft und so sind wir nun hier. Unsere Gruppe besteht aus zwei Guides, von denen einer der Fahrer ist und der andere die gesamte Organisation und das kochen übernimmt. Außerdem an Bord sind neben Herrn C. und mir noch 10 weitere Personen, bunt gemischt aus Neuseeland, Deutschland, der Schweiz, Amerika und Litauen. Wie wir bereits erwartet haben, sind wir mit deutlichem Abstand die ältesten. Aber das macht nix. Alles eine Frage der Einstellung. Gekocht wird immer direkt aus der Küche am Truck und wir haben Glück mit unserem Südafrikanischen Guide, der in seinem früheren leben ein Koch war und bisher nur die leckersten Speisen zubereitet hat.

Am Abend saßen wir zum Essen rund ums Lagerfeuer und wir bekamen viele Infos über die kommende Reise und speziell den folgenden Tag. Bereits gegen 8 waren wir sooo müde, dass wir uns ins bequeme Bett verabschiedeten.

Nicht wie geplant

Eigentlich hätte ich heute gerne ein paar schöne Bilder aus Braamfontein und Maboneng gepostet, zwei schöne Stadtviertel in Johannesburg, die weniger gefährlich, aber dafür umso moderner, hipper und bunter sind. Leider sind wir auf dem Weg vom einen zum anderen Viertel Opfer eines fiesen und hinterhältigen Überfalls geworden, dem unter anderem meine Kamera zum Opfer fiel. Fünf Männer schlichen sich feige von hinten an, sie würgten uns und wir würden brutalst zu Boden gerissen. Ich ließ mir bereitwillig meine Tasche abnehmen und musste hilflos zusehen wie sie an Herrn C. rumrissen und dabei seine Jacke zerfetzten und die Brille zerstörten. Das alles geschah am helllichten Tag auf belebter Straße. Kein Mensch kam zu Hilfe und es fühlte sich einfach grauenvoll an. Erst als die Gruppe das Weite suchte, merkte ich, dass ich mir vor Angst in die Hose gemacht hatte. Ich schluchzte hemmungslos während mehrere Leute zu uns kamen. Alle waren sehr nett und ich verstehe auch, dass niemand geholfen hat. Die Gruppe war einfach zu groß … irgendwie hatten alle das Gefühl, sich dafür entschuldigen zu müssen. Don’t give up on our country … sagte eine junge Frau zu mir. Würde ich niemals tun, ich gebe noch nicht mal diesen kleinen ****** (keine Ahnung wie ich die nennen soll. Alles was ich zu sagen habe, ist nicht jugendfrei) schuld. Letztendlich sind sie auch nur Opfer eines korrupten Systems, in denen das Schicksal der Ärmsten in der Gesellschaft kaum eine Rolle spielt. Ich weiß, dass sie im Grunde auch nur ums Überleben kämpfen.

Trotz allem, der Tag war futsch. Ich wollte einfach nur auf schnellstem Weg zurück ins Hotel. Ein Mann begleitet uns in eine andere Straße, in der ein Polizeiauto stand. Glücklicherweise fuhren uns die beiden netten Polizisten dann auch zurück ins Hotel, wo gleich ein paar Leute auf uns zukamen, und sich nochmal für das Verhalten ihrer Landsleute entschuldigten. Die Polizei aus dem Stadtteil kam noch ins Hotel und wir sollten eine Anzeige aufgeben. Nicht dass das irgendwas bringen würde, aber nichts zu machen, bringt ja auch nix.

Ich fühle mich gerade sehr leer und ausgepowert. Meine Kamera ist weg, meine Handtasche und das darin befindliche Strickzeug. Das ist bedauerlich, aber ersetzbar. Wir sind glücklich, dass wir außer ein paar Schrammen nichts abbekommen haben. Wir sind gesund und unverletzt, und das hätte wirklich alles viel schlimmer kommen können.

It’s time for Africa

Während ich hier gemütlich im sehr fluffigen Hotelbett des Hilton Hotels in Johannesburg liege und dabei meinen ersten Kaffee des Tages genieße, hatte ich mir so gedacht, es wäre an der Zeit, den Reiseblog wieder in Gang zu setzen. Ich muß langsam wieder warm werden mit dem Schreiben, habe den Blog ja die letzten Monate sträflich vernachlässigt und es noch nicht einmal geschafft, den letzten Beitrag aus Thailand abzusetzen. Aber jetzt gehts endlich wieder los. Denn wir sind wieder auf großer Reise.

Gestern Abend sind wir gegen halb sieben von zu Hause in Richtung Flughafen aufgebrochen. Man hatte allgemein dazu geraten, an Ostern etwas früher da zu sein, da die Schlangen überall recht lang sein könnten. Ich kann aber mit Sicherheit sagen, ich habe noch nie so einen leeren Flughafen gesehen. Die Sicherheitsangestellten standen gelangweilt herum und wir konnten direkt unser Gepäck in den Röntgenapparat schieben und am anderen Ende wieder abholen. So waren wir dann auch schon 2 Stunden vor Abflug mit allen Formalitäten fertig.

Herr C. hat wie immer das gesamte Gate nach kostenlosen Zeitungen durchpflügt und irgendwann ging es dann in den Flieger. Wir hatten mal wieder großes Glück und unser Trick hat funktioniert. Wir haben eine Dreierreihe nur für uns gehabt. Soooo toll, das ist auf einem langen Flug einfach Gold wert. Es war schon spät, als das Essen kam. Ich habe mir einen unheimlich schönen kitschigen Film namens „Wunder“ mit Julia Roberts angeschaut und gegen halb zwei habe ich dann mein Schlafritual eingeleitet, mich quer mit einer dreifachen Portion Kissen an den Schoß meines Ehemanns geschmiegt und bin beim energischen Ruckeln der Maschine eingeschlafen. Geweckt wurde ich pünktlich durch das klappern des Frühstückstrollis. Es hat mal wieder funktioniert :-)

Gelandet sind wir gegen halb 9 und den Flughafen verlassen haben wir etwa eineinhalb Stunden später … mit dem Gautrain in Richtung Stadt. Es gibt in der Millionenstadt Johannesburg ein ausgeklügeltes Netz an Bahnen (Achtung Ironie!), welches aus ganzen zwei sehr kurzen Linien besteht. Aber immerhin konnten wir damit vom Flughafen bis fast zum Hotel fahren. Was will man mehr.

Johannesburg galt jahrelang als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Auch hier im Hotel rät man uns, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf die Straße zu gehen. Einschätzen können wir das noch nicht, deswegen halten wir uns auch lieber mal an die Empfehlungen. Es gibt aber sicher Viertel, in denen das mehr zutrifft als in anderen.

Der ersten Eindruck beim Verlassen der Bahn war etwas ernüchternd. Wir befinden uns im Stadtteil Sandton und nahmen zuerst breite mehrspurige kaum befahrene Straßen war und viele Neubauten und Baustellen. Irgendwie merkwürdig. Naja, wir liefen voll bepackt die etwa 1000 Meter bis zum Hotel und konnten dort leider noch nicht unser Zimmer übernehmen. So sind wir erst mal zum Frühstücken gegangen. Denn auch wenn wir gerade noch im Flieger gefrühstückt hatten, knurrten bereits unsere Mägen wieder. Also meiner zumindest ;-)

Irgendwann konnten wir in unser Zimmer und unsere einzige Handlung bestand darin, die Decke des geräumigen Hotelbetts zur Seite zu ziehen und für ein paar Stunden die voll ausgestreckte horizontale Schlafposition zu geniessen. Geweckt wurden wir am frühen Nachmittag vom energischen Quietschen des Hotelbetts unserer Nachbarn … auweia.

Mittags verbrachten wir am traumhaften Hotelpool mit wundervoller Aussicht über Johannesburg. Die Luft war so klar und die Temperaturen angenehm. Die Sonne schien und es war einfach zum Schreien schön. Kaum zu glauben, daß wir schon wieder unterwegs sind.

Am späten Nachmittag haben wir uns mit dem hoteleigenen Shuttle zum Nelson Mandela Square fahren lassen, wo wir in einem hervorragenden Lokal namens „Big Mouth“ leckere asiatisch westliche Fusion Kitchen genossen. Ich war hocherfreut, daß es dort die leckeren Pokebowls gab. Ich bestellte eine Schüssel mit rohem Thunfisch, Edamame Bohnen, Mais, Erdnüssen und Reis und Herr C. verspeiste einen leckeren saftigen Burger. Dazu tranken wir frisch gezapften südafrikanisches Bier vom Fass und genossen das Treiben auf dem Platz und die laue Abendluft, es war wirklich schön.

Auch wenn wir null Zeitverschiebung haben, fühlt sich diese lange Reise dennoch irgendwie an, als hätten wir einen Jet-Lag zu überwinden. Wir waren einfach beide total kaputt und müde. Und so fanden wir uns auch bereits um 8 wieder zurück in den Hotelbetten und konnten die Äuglein kaum aufhalten.

So ging ein erster eher ruhiger Tag in Johannesburg zu Ende.

Es Ostersonntag und wir wollen auch heute nicht zu viel Action planen, da die vor uns liegende Reise noch abwechslungsreich genug sein wird. So werden wir später nach dem Frühstück mit dem Zug noch ein paar Stationen fahren und uns das eine oder andere Stadtviertel erkunden, die uns im local Guide und im Internet als sehenswert angepriesen werden. Schauen wir uns das mal an. Ich wünsche allerseits ein schönes Osterfest.

3 Tage in Kampot

Es ist kurz nach 12 Uhr mittags und momentan kurven wir in scheinbarer Endlosschleife durch Sihanoukville, um auch noch den letzten Platz in unserem klimatisierten Kleinbus vollzukriegen. Das kennen wir bereits aus Thailand. Man bucht seine Fahrt bei einem der zahlreichen Tourenveranstalter und weiß nie so richtig, wie der Transport abläuft. Manchmal wird man sternenförmig an den Hotels abgeholt und zu einer zentralen Verteilerstelle gebracht und manchmal läuft es auch so wie jetzt ab. Seit exakt einer Stunde holen wir jetzt Leute ab aus allen Teilen der Stadt. Aber ich glaube, jetzt ist der Bus voll, und die Fahrt nach Kampot kann beginnen.

Kleiner Zeitsprung, 3 Tage später, die schönen letzten Tage in Kampot sind nun leider auch schon wieder rum. Gerade sitzen wir am Flughafen in Phnom Penh und warten auf unseren Rückflug nach Bangkok.

Die Fahrt mit dem Kleinbus am Freitag Nachmittag nach Kampot war zwar etwas gequetscht, aber umso kurzweiliger, da wir die gesamten zwei Stunden ununterbrochen mit unserem Sitzbachbarn gequasselt haben. Er war Spanier und geht in Kambodscha seit ca. 20 Jahren ein und aus. Zum einen, weil er eine Textilfabrik in Sihanoukville leitet und zum anderen, weil er eine kambodschanische Frau geheiratet hat. Seit 4 Jahren lebt er auch hier und hatte so viel spannendes zu erzählen. Über die Entwicklung im Land, die Menschen, die Sonnen- und Schattenseiten mit vielen kleinen Facetten.

In Kampot angekommen, haben sich schon die Tuk Tuk Fahrer um uns geschart und ehe wir uns versahen, kamen wir auch schon im zauberhaften Ramo Resort an. Resort hört sich immer etwas größer an, als es ist … in diesem Fall handelte es sich um eine sehr einfach Unterkunft ohne warmes Wasser, Klimaanlage oder sonstige Annehmlichkeiten. Dafür lag unsere kleine Holzhütte mit Palmdeckung direkt am Flussufer mit einer fantastischen Terrasse und einem zauberhaften Detail, welches von einem von unser immer in Beschlag genommen wurde. Eine Hängematte direkt am Wasser.

In der Nacht kündigte sich bereits das Unheil an. Ich habe sehr schlecht geschlafen und bin gefühlte 100 mal aufgewacht. Jedesmal fühlte ich mich schlechter als zuvor. Nach dem Aufwachen am Morgen ging es mir gar nicht gut. Mir war einfach nur speiübel. Irgendwann musste es ja so kommen … dachte ich. Ich versuchte es mit den mitgebrachten Magen- und Darm Tropfen zu bekämpfen, das half zumindest soviel, dass ich zum Frühstück etwas Obst und Müsli runterbrachte. Danach wollte ich nur wieder ins Bett. Ich war traurig, denn eigentlich wollten wir Fahrräder leihen und etwas flussaufwärts an einen vom Spanier empfehlenen Flussbadestrand fahren. Ging aber beim besten Willen nicht.

Nachmittags fühlte ich mich ein wenig besser und wir liefen in den Ort auf den lokalen Markt. Dort entdeckten wir zu meinem Erstaunen viele bunte Stoffe. Die, dir mir ins Auge sprangen, waren bunte Sarongs, ca. 1 x2m große farbenfrohe Bahnen aus indonesischer Baumwolle, die sich die einheimischen Frauen als Rock einfach umwickeln und feststecken. Beim Preis von 2,50 Dollar pro Stück war es mir quasi unmöglich, nicht die gesamte Farbpalette zu wählen. Also Mama, du musst doch etwas Platz machen in meinem Stoffregal ;-)

Leider hielt die Euphorie nur kurz an, denn auf einmal waren wir komplett verloren im Irrgarten des städtischen Marktes. Plötzlich standen wir inmitten der „Feinkostabteilung“ und die sonst so pittoresken Auslagen, die mich und meine Kamera jedes Mal aufs neue begeistern, brachten meinen angeschlagenen Magentrakt erneut ins Wanken. Abgeschnittene Schweinsköpfe, Bottiche voller Fisch, übelriechende Pasten und mein Auge nahm selektiv nur die unangenehmen Dinge war.

Jörks, das hat mir den Rest gegeben. Mit war sooo schlecht. Wir machten noch einen kurzen Stop für ein kaltes Getränk und fuhren zurück ins Hotel. Ich schlief den Rest des Nachmittages. Nach dem Aufwachen fühlte ich mich zwar deutlich besser, aber die bereits gebuchte Nachtbootsfahrt zu den Glühwürmchen musste Herr C. alleine antreten. Als er nach ca. zwei Stunden wiederkam hatte ich endlich wieder Hunger und gönnte mir im Restaurant bei unserer Unterkunft einen leckeren Burger mit Pommes Frites. Asiatisches Essen konnte erst mal nicht an mich …

Am Sonntag morgen war der Spuk wieder vorbei. Wir waren froh. Denn bereits zwei Tage vorher haben wir eine private Tuk Tuk Fahrt mit eigenem Chauffeur gebucht. Das Modell ist hier vollkommen normal, so gut wie jeder Fahrer dieses Gefährts möchte einem einen Tagesausflug verkaufen. Unser arbeitete im Hotel und warb wie ein Profi um die Vorzüge eines eigenen Fahrers mit lokalem Bezug und guten Englischkenntnissen. Als Herr C. ihn fragte, ob er denn besagten Fahrer kennen würde, schaute er verschmitzt unter sich und bekannte, dass er selbst derjenige sei. Er war einfach so charmant, dass wir ihm die 25 Dollar Tagesgage bestätigten und uns fest für Sonntag morgen um 9.00 Uhr verabredeten. Seine Augen leuchteten vor Freude über diesen Deal.

Um Punkt 9.00 Uhr holte er uns ab. Er war etwas besorgt, denn es sprach sich rum im Hotel, dass die Madame aus Deutschland etwas angeschlagen war. Aber ich versicherte ihm, das alles ok sei und wir fuhren los. Erst ging es ein paar Kilometer auf schlaglochreicher geteerter Straße stadtauswärts, bevor es so richtig tief in die ländliche Umgebung von Kampot ging. Von hier an, gab es nur noch sehr schlaglochintensive unbefestigte Wege, die ich einen Tag vorher sicher nicht gut ertragen hätte. Aber es war kein Problem und wir genossen die Fahrt durch die Dörfer.

Der erste Stop war eine der zahlreichen Höhlen, die es in dieser Gegend gibt. Die Höhle mit einem gut erkennbaren weißen Elefanten an der Wand. Inmitten ein uralter Tempel in Stein gemeißelt und entlang der verfallenen Treppe mit der Schlangenbalustrade gab es wunderschöne Ausblicke über die weite bewirtschaftete Landschaft. Wieder unten angekommen, gab es einen kleinen Getränkestop und wir fuhren weiter zu einem verborgenen See, der noch aus der Pol Pot Ära stammte. Unser kleiner Guide erzählte uns stolz, dass er extra zwei Jahre in Phnom Penh war, um sein Schulenglisch aufzubessern und sich privat sehr für die Geschichte seines Landes interessiert, um eben diese den Touristen näherbringen zu können. Ich schätzte ihn auf Anfang 20, er hatte bereits Frau und Kind in arbeitet tagsüber als Tuk Tuk Fahrer und abends im Hotel, wenn er dann mal Zeit hat, kümmert er sich um sein Reisfeld.

Es lässt einen schon mit einer gewissen Demut zurück, wenn man selbst einen komplett anderen Lebensstil pflegt und der junge Mann so hart arbeitet, um seine kleine Familie zu ernähren.

Auf der Fahrt fuhren wir auch durch sein Dorf und hielten kurz beim Haus seiner Eltern an. Sein Vater ist eins der zahlreichen Landminenopfer des Landes, er hat bei der Feldarbeit ein Bein verloren.

Kambodscha ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. In den touristisch eher erschlossenen Gegenden bekommt man das nicht so mit, die Menschen leben dort zwar meistens sehr einfach, aber durch den Monsun können die Felder bewirtschaftet werden und es gibt genug zu essen. Und außerdem befindet sich das Land deutlich spürbar im Aufwind.

Ups, jetzt bin ich Vom Wege angekommen, unser Fahrer glücklicherweise nicht und wir stoppten an einem der Reisfelder. Wir bekamen alles über den Reisanbau erklärt, und dass auch hier die Ochsenkarren auch langsam von Maschinen abgelöst werden, zumindest was das Pflügen angeht. Die Reisernte geschieht allerdings meistens noch in aufwändiger Handarbeit.

Wir erreichten eine der Pfefferfarmen rund um Kampot. Die Gegend ist für seinen qualitativ hochwertigen Pfeffer bekannt und der Name Kampot-Pfeffer dient alleine schon als Gütesiegel. Wir bekamen eine Einführung in den Anbau und die verschiedenen Pfefferfarben.

Zusammengefasst gesagt ist grüner Pfeffer natürlich der frische Pfeffer und hat nur eine kurze Haltbarkeit. Wenn er gekocht und anschließend getrocknet wird, wird er zum schwarzen Pfeffer. Der rote Pfeffer wird getrocknet und dadurch haltbar gemacht, wird er geschält, wird er zum weißen Pfeffer. Wieder was gelernt. Die Tour war schön und natürlich haben wir auch etwas von der Spezialität eingekauft und somit die heimische Wirtschaft unterstützt. Man tut was man kann.

Langsam war es Nachmittag und wir fuhren zurück in Richtung Stadt. Auf einem kurzen Abstecher von der Hauptstraße konnten wir noch die weitläufigen Salzfelder anschauen. Diese werden gerade jetzt nach der Regenzeit wieder hergerichtet und anschließend geflutet. Nach ca. drei Monate kann die Salzblume geerntet werden. Schon etwas müde und voll mit neuen Eindrücken fuhren wir zurück ins Hotel. Es war ein toller letzter Tag in diesem einzigartigen Land.

Wir nutzten den frühen Abend zum wechselseitigen ausgiebigen Hängematting. Für Herrn C. gabs ein Bierchen und ich mochte auch weiterhin nur Wasser trinken.

Unseren letzten Abend zelebrierten wir mit einem Tischgrillen, wie wir es vor knapp einer Woche in Siem Reap erlernt hatten. Nach dem dinner nahmen wir ein Getränk in einer Bar und durften nochmal einen richtig schönen, kräftigen Tropenschauer erleben. Gemütlich unter der Markise sitzend beobachteten wir die Fahrer der Tuk Tuks, wie diese ihre Fahrzeuge in sekundenschnelle regensicher machten. Das schöne an diesem Regen war vor allem, dass die schwülheisse Luft des Tages abgekühlt wurde. Mit dem leicht prasselnden Regen auf unser Palmblatt gedecktes Hüttchen schliefen wir wohlig ein.

Waltonsmusik, und ab.

Stimmiges Ambiente

Seit Dienstag Mittag sind wir nun in Sihanoukville, genauer gesagt im Mary Beach Bumgalow am Otres Beach II. Die Reise hierher war recht interessant, denn wir sind von Siem Reap in einer etwas kleineren Propellermaschine geflogen mit nur 60 Sitzplätzen. Ich hatte sowas bisher noch nicht, und war ein wenig aufgeregt. Wir bekamen einen Fensterplatz direkt neben einem der riesigen Propeller und laut knarrend setzte sich die Maschine in Bewegung. Dass der Pilot Turbulenzen aufgrund schlechter Wetterbedingungen ankündigte, half mir auch nicht, entspannter zu werden. So krallte ich meine Pfote tief in Herrn C.s Hand und schaute auf mein rotes glücksbändchen, welches uns die Mönche bei der Zeremonie auf dem Schiff umgebunden haben.

In nur 45 sehr ruhigen Minuten landeten wir auf dem internationalen Flughafen von Sihanoukville. Ein winziges kleines Airportchen, welches gerade aufwendig umgebaut wird.

Per Taxi gelangten wir zum Hotel und bekamen unser Zimmer, von dem ich erstmal maßlos enttäuscht war. Mir fiel die Klappe runter und ich schnaubte. Sowas haben wir gebucht? Ein schäbiges Zimmer mit noch schäbigerem Bad und vollkommen dunkel? Das machte mich traurig, denn bislang hatten wir doch immer so viel Glück mit unseren Vorausbuchungen. Ich war ratlos.

Mit runtergezogenen Mundwinkeln schlurfte ich in den hinteren Teil der Anlage und dachte … Moooment, das sind doch genau die Bungalows, die wir auf den Fotos gesehen haben. Sogar einen zauberhaften nagelneuen Pool gab es davor. Ich rief Herrn C. und zeigte ihm das Bilderbuchensemble. Der checkte die Buchungsunterlagen und wir hatten tatsächlich das falsche Zimmer bekommen. Wir pochten auf unser Recht und bekamen ein kleines feines Bambus Hütchen mit Terrasse und Blick auf den Pool und die Palmen. So hab ich’s gerne und meine Reisewelt war wieder in Ordnung.

So sond wir also hier gelandet und beschäftigen uns seitdem mit dem süßen Nichtstun. Keine Besichtigungen, keine Touren, einfach nur abhängen und entspannen. Zwischendurch stricke ich mal ein paar Maschen, wir essen und trinken, meist direkt am Strand und natürlich sehr lecker. Auch nach zwei Wochen haben wir die asiatische Küche noch nicht satt, obwohl man hier auch Pizza, Burger und Nudeln bekäme. Das Frühstück morgens direkt am Meer, wo der Tisch im Sand steht, setzt dem ganzen die Krone auf. Es ist alles prima hier und wir fühlen uns sehr wohl.

Übrigens ist das Bad in unserem Bungalow genauso schäbig, das Waschbecken fällt beinahe aus der Wand, die Dusche ist halb über der Toilette und man setzt alles unter Wasser, aber es ist unglaublich preiswert und das Ambiente stimmt.

Gestern haben wir uns direkt am Strand eine jeweils einstündige Massage gegönnt. Für den Gatten gab es eine Khmer Massage und ich entschied mich für die traditionelle Thai Massage. Der Unterschied hat sich uns beiden nicht erschlossen. Wir wurden beide gleichermaßen in alle Richtungen verbeult und gezogen, geprügelt und geknebelt. Autschn, autschn, autschn. Danach musste ich erstmal „Tod durch Thaimassage“ googeln. Das hat aber zu keinem Ergebnis geführt. Erstaunlicherweise geht es uns heute beiden gut, der Körper ist entspannt und wir haben keine blauen Flecken. Dennoch würde ich sagen, waren die Massagen in Thailand wesentlich angenehmer.

Im Moment sitzen wir gerade auf der Terrasse vor unserer Hütte. Meine Schultern und der Rücken sind aufgeheizt vom heutigen ausgedehnten Strandspaziergang. Trotz ausgiebigen eincremen hat mich doch ein leichter Sonnenbrand erwischt.

Gleich gehen wir ein letztes Mal am Strand Abend essen. Mal schauen, wohin mich Herr C. heute entführt. Morgen Vormittag geht es zur letzten Station unsere Kambodscha Reise, an den Fluss nach Kampot, das ist da, wo der Pfeffer wächst *brüller*. Bis bald.

Angkor Wat

Unser zweiter und letzter voller Tag in Siem Reap stand ganz unter dem Eindruck der gigantischen Tempelanlagen rund um Angkor Wat.

Auf den viel gepriesenen Sonnenaufgang haben wir zunächst einmal verzichtet, da wir uns einfach nicht vorstellen konnten, um vier Uhr aufzustehen. Ich wäre dann den ganzen Tag matschig und unausstehlich gewesen. So haben wir erstmal gemütlich gefrühstückt und uns dann so gegen 10 in Bewegung gesetzt. Unsere kleinen Elektromopeds haben unten in der Hotelgarage übernachtet und wurden, ohne etwas sagen zu müssen, direkt vom Personal nach oben gebracht. So aufmerksam sind hier alle, faszinierend.

Die meisten staunen nicht schlecht über diese Art der Motorisierung und fragen recht neugierig. Geräuschlos schnurrten wir vor zur Hauptstraße und fädelten uns in den dichten Straßenverkehr ein. Interessant wie irgendwie alles klappt. Sieht aus als wären alle total rücksichtslos, aber dennoch funktioniert es gut und es hat sogar ein bisschen Spaß gemacht. Vorbei ging die Fahrt in Richtung Norden an der Ausfallstrasse entlang wilder Bebauung und Millionen von Strassenständen, bis das Häusermeer irgendwann von Strassenbegleitgrün abgelöst wurde. Irgendwann erreichten wir den Kontrollpunkt und mussten unsere Tageskarten mit Foto vorzeigen. Danach wurde es noch grüner und bewaldet. Am Straßenrand tauchten die ersten, von mir sehr gefürchteten, kleinen Affen auf. Makaken. *kreisch*

Ich wollte nach einer Weile kurz rechts ran fahren und meine Sonnenbrille aufsetzen, als ich feststellte, dass ich beinahe direkt neben einer Gruppe der reißerischen wilden Biester geparkt hatte. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Später lief eine Horde Elefanten mit ihren Mahuts vorbei. Es war ein wundervolles Wetter und die Fahrt war toll.

Wir hielten an der Einfahrt zu Angkor Tom an und stiegen ab, um beeindruckt erste Fotos zu knipsen. Wir fuhren weiter rein und machten beim Bayon Tempel halt. Dort schauten wir uns weiter um und gingen spazieren in der riesigen Anlage. Voller Ehrfurcht liefen wir entlang diverser kleinere Tempel und Toranlagen. Die Anlage drum herum ist grün und wird scheinbar recht gut in Schuss gehalten. In den Baumwipfeln fliegen grüne Papageien umher.

Nach längerem Laufen bewegten wir die Mopeds zu einer Art Rastanlage, in der sehr sehr aufdringliche Frauen versuchen, zu einem Mittagessen in Ihrem Restaurant zu überreden. Dabei verfolgen Sie einen sehr penetrant, und wenn man wie wir gerade nur etwas trinken will, muss man leider hart bleiben. Die Kambodschanerinnen sind, wenn es ums verkaufen geht, leider für unsere Verhältnisse etwas … wie sage ich es … naja etwas herausfordernd ;-)

In der Regel wird man erst nach Namen und Herkunft gefragt und bekommt breit lächelnd das Angebot unterbreitet … sagt man dann nein, kommt die Tränendrüse mit einem absoluten Schmollmund, dass man alleine schon aus Mitleid kaufen möchte. Oft sind die Damen dann bereit, so weit im Preis runterzugehen, dass man das Gefühl bekommt, würde man noch länger warten, sie würden einem Geld bezahlen, wenn man etwas abkauft ;-)

Wir tranken eine Cola und auf gings zum nächsten Highlight, dem Ta Prohm Tempel, der vor allem dafür bekannt ist, dass sich riesengroße Bäume mit ausladenden Wurzeln zwischen den Steinen breit gemacht haben. Dieser Ort war wirklich märchenhaft … aber leider sehr voll. Aber dennoch ging es einigermaßen und das ganze ist ja so groß, dass es immer wieder stillere Momente gab.

Danach gab es erstmal Futter für uns und unsere kleinen treuen Elektrogefährten. Es gab eine Ladestelle an einem Restaurant, und während die Mopeds gierig ihren Strom tranken, speisten wir leckere Frühlingsrollen und Stir Fried Reisgerichte.

Zum Schluss … dramaturgisch hätte man es nicht besser machen können, erreichten wir über das weniger frequentierte Osttor den eigentlichen Haupttempel, den sagenhaften Angkor Wat. Wir liefen Richtung Westen nach vorne zum Gewässer, wo man die bekannte Gesamtaufnahme mit der Wasserspiegelung machen kann. Wahnsinn dieses Motiv.

Natürlich gingen wir auch rein und konnten als eine der letzten sogar noch ganz nach oben. Es war einfach toll und beeindruckend und spektakulär und großartig.

Etwas erschöpft sattelten wir die Elektroräder und fuhren zurück in die Stadt. Mittlerweile ist es dunkel geworden, und wir waren schon ein bisschen froh, die beiden wieder abgeben zu können. Denn somit konnten wir endlich ein gekühltes Angkor zischen gehen. Prost.

Zwischendurch wurde nochmal geduscht und wir gingen lecker Essen und gönnten uns noch ein letztes Mal (in Siem Reap) eine wohltuende Fussmassage. Hach, wie werde ich das vermissen :-)

Vom Wege abgekommen

In der Nacht nach dem großen Insektenmahl bin ich ein paar Mal aufgewacht, und habe mir eingebildet, irgendein hartschaliges Krabbeltier windet sich den Weg zurück durch meine Speiseröhre … *kreisch*

Nach dem Aufwachen gab es daher erst mal ein gesundes Frühstück aus Haferflocken, frischem Obst und Joghurt … dazu frischer Kaffee … meine Ernährungswelt war wieder in Ordnung.

Schon am Abend zuvor haben wir uns in einer der kleinen Reiseagenturen, die es genau wie in Thailand an jeder Ecke gibt, einen Ausflug in eines der schwimmenden Dörfer auf dem Tonle Sap See gebucht. Dieser See ist das größte Binnengewässer Südostasiens und bietet den Einwohnern die Möglichkeit, Reis anzubauen und Fische zu fangen. Es ist eine wichtige Lebensader für Kambodscha und umso dramatischer ist es, dass die Chinesen planen, Staudämme zu bauen, und somit zur Austrocknung des Gebietes beitragen werden. Momentan aber ist die Welt noch in Ordnung und man kann sich sanft schippernd durch diese fremde Welt führen lassen. Die Dörfer bieten einen Einblick in ein sehr einfaches Leben, die Häuser sind auf hölzernen Pfählen gebaut, darunter hängen die Utensilien für den Fischfang und auf dem Wasser dümpeln die Boote. Weiter oben befindet sich das Wohnhaus , Elektrizität wird durch lange Überland- bzw. Überwasserleitungen in die Wohngebiete gebracht. Teilweise sind die Häuser hübsch dekoriert und die Einheimischen scheinen es gewohnt zu sein, interessiert betrachtet zu werden. In der Regel wird freundlich gewunken oder einfach dem Tagwerk nachgegangen. Es war Sonntag, und es fand kein Fischfang statt. Die Frauen haben die Netze durch eine Art Rüttelmaschine gezogen, wo der Fang vom Vortag herausgeschleudert wurde.

Zwischendrin wurde gestoppt und für einen Extraobulus von 5 Dollar konnte man sich zu zweit von einer der Frauen in einer Art Nussschale ;-) durch eine verzauberte Landschaft schwimmen lassen. Der schwimmende Wald war absolut wundervoll und er strahlte eine magische Ruhe aus. Die sanften Ruderbewegungen trugen dazu bei.

Zurück in Siem Reap versorgten wir uns erst mal mit dem Nötigsten, Essen und kühle Getränke sowie eine frische Dusche. Es folgte mein mittlerweile zur lieben Gewohnheit gewordener Mittagsschlaf.

Am späten Nachmittag liefen wir zu einem Verleih für Elektroräder, welche aber eigentlich eher einem Moped glichen. Herr C. hatte diese Möglichkeit der Fortbewegung im Reiseführer entdeckt. Die Miete kostet 10 Dollar für 24 Stunden. Wir füllten die notwendigen Papiere aus, bekamen alles erklärt und nach etwa einer halben Stunde brausten wir Richtung Norden zum zentralen Anlaufpunkt, der zentralen Kartenverkaufsstelle für die absolute Hauptattraktion der Gegend, bzw. des ganzen Landes, die weitläufigen Tempelanlagen rund um Angkor Wat. Ab 5 Uhr werden die Tickets für den Folgetag verkauft, die man bereits am Vorabend für einen Sonnenuntergangsquickie nutzen kann. Die Schlangen vor den Schaltern waren lang und wir bekamen eine erste Vorahnung, was uns erwartet. Aber egal … das lassen wir uns definitiv nicht entgehen. 37 Dollar kostet eine Tageskarte.

Anschließend wollten wir weiter in Richtung Eingang und fuhren los. Die Straße war vollgestopft bis zum Gehtnichtmehr, denn auf einmal waren wir mitten in einem lokalen Nachtmarkt. Eine interessante Erfahrung den Straßenverkehr auf dem eigenen Zweirad einmal selbst erleben zu können ;-) Als die Straße leerer wurde fuhren wir … und fuhren … und fuhren. Irgendwann wunderten wir uns und stellten erschrocken fest, dass wir die falsche Abzweigung genommen haben. Wie gut dass wir ein Handy mit GPS haben, denn so konnten wir uns rasch orientieren und fuhren über eine Nebenstraße zurück in Richtung Stadt. Der Sonnenuntergang war zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte. Ich schlug vor, aus der Not eine Tugend zu machen und irgendwo am Rande des Nachtmarktes zu speisen. So hielten wir an und würden freudig winkend in ein provisorisches Restaurant unter einer Zeltplane mit feiner Garküche im Freien gewunken. Wir waren begeistert. Keiner konnte uns verstehen und wir bekamen sofort Getränke und Geschirr gebracht … sowie eine (gottseisgepriesenundgetrommelt) bebilderte Speisekarte. Auf dem Tisch standen schon die kleinen Tischkocher und wir orderten das, was am wenigsten nach Insekten aussah … neee Quatsch … die gab es da gar nicht. Es wurde eine Unmenge an frischem Gemüse herangekarrt, sowie ein Tablett mit 5 verschiedenen Fleisch- und Fischarten. Es gab unter anderem frisches Rindfleisch, Riesenscampi, Leber und Tintenfisch. Ein junger Mann sprach sehr gebrochen englisch und setzte sich zu uns. Er fühlte sich dazu bewogen, uns alles genau zu zeigen und kochte und grillte praktisch alles vor unseren Augen. Wir waren happy, das landestypische Khmer Gericht serviert zu bekommen. Auf dem kleinen Kocher gab es einen Topf mit umlaufender Rinne für die Brühe und einer geschlitzten Wölbung in der Mitte als eine Art Grill.

Alles war äußerst schmackhaft und es hat viel Spaß gemacht. Zwischendurch tobten die beiden Mädchen der Familie um uns herum und eine Katze mit Stummelschwanz kreuzte ihren Weg. Es war einfach toll und wir waren sehr froh, uns verfahren zu haben. Und die Moral von der Geschichte, manchmal muss man eben vom Weg abkommen, um etwas Neues, großartiges zu erleben … ohmmm!!!

Nachdem wir bereits um halb neun wieder zurück im Hotel waren, wurde nochmal die frische Mischung aus Schweiß, Sonnencreme und Anti-Brumm abgeduscht, bevor wir uns beide zum Tagesausklang bei einer wohltuenden Fussmassage entspannten.

Ein weiterer wundervoller Tag ging zuende und ich werde immer sicherer, dass dieser Urlaub nun das offizielle Prädikat „Traumreise“ verdient hat *seufzttief* ;-)

Kribbeln im Bauch

Gestern sind wir gegen halb zwei mit unserem Reisebus in Siem Reap angekommen. Wir haben uns alle ausgiebig voneinander verabschiedet. Wenn man in so einer kleinen Gruppe reist, dann kommt man sich doch schon etwas näher und wir haben viele nette und interessante Gespräche geführt. Viele waren auch Reisefreaks wie wir … und da gibt es immer was zum plauschen.

Dann trennten sich unsere Wege wieder und ein Tuk Tuk brachte uns zum Apsara Residence Hotel mitten in der Stadt. Das Hotel habe ich ausgesucht, vor allem deswegen, weil es sehr gut bewertet war, und mich das Interiör sehr angesprochen hat. Und wir wurden nicht enttäuscht. Die gesamte Aufmachung entspricht absolut meinem Geschmack. Ich mag einfach diese kleinen Boutique Hotels. Ein bisschen musste ich darum kämpfen, denn mit ca. 45 Euro pro Nacht incl. Frühstück für uns beide lag das Niveau höher, als vom Schatzmeister angestrebt ;-) Schließlich ist sie Hoteldichte hier so riesig, da sind die Preise recht niedrig.

Ach ja … Siem Reap. Es handelt sich um das absolute Zentrum des kambodschanischen Tourismus. Mit seiner Hauptsehenswürdigkeiten, der alten Tempelanlage von Angkor Wat, zieht es jährlich ca. 4 Millionen Besucher aus aller Welt an. Vornehmlich aus dem asiatischen Raum, aber natürlich auch viele Amerikaner, Franzosen, Deutsche, Briten usw. dementsprechend ist die gesamte Stadt darauf ausgerichtet.

Rund um die sogenannte Pub Street tobt das touristische Leben mit seinen Märkten, Bars und Restaurants, den Massageläden und den zahlreichen Garküchen am Straßenrand. Hier merkt man natürlich auch, dass man gelernt hat, wie man den Fremden das Geld aus der Tasche ziehen kann. Normalerweise sind die Preise sehr gering, aber man kann auch bis zu 3 Dollar für ein Bier zahlen, wenn man nicht aufpasst ;-) Im Regelfall kostet ein frisch gezapftes großes Bier hier nämlich nur 50 Cent. An jeder Ecke wird man angesprochen, ob man ein Tuk Tuk benötigt, oder eine „Massaaasch“ oder eins der vielen bunt bedruckten Kleidungsstücke kaufen möchte … „Madaaam“

Wir haben uns durch die Straßen treiben lassen. Hier einen Kaffee, etwas Reisnudeln aus dem Wok, mal eben nach den Seidentüchern stöbern, Massagepreise vergleichen. So wurde es langsam dunkel und wir suchten ein ganz bestimmtes Ziel, welches im Reiseführer empfohlen wurde. Das Bugs Café liegt etwas oberhalb des Nachtmarktes und wir wollten es uns unbedingt mal anschauen. Die Neugier war groß und so blieben wir vor der Speisekarte stehen. Ehe wir uns versahen, hat uns die charmante Bedienung auch schon an einem der Tische platziert und die Karte gebracht. Zur Erklärung, in Kambodscha werden Käfer aller Art und auch Spinnen und Skorpione verspeist. Dieses Restaurant hat es sich zum Ziel gesetzt, die Speisen dem touristischen Gaumen etwas näher zu bringen. Wir orderten den kleinen gemischten Entdeckerteller und ich trank mir erst mal Mut an. Auf der Toilette liefen echte (tote) Kakerlaken über die Wand. Brrrr.

Dann kam der wunderschön angerichtete Teller und ich müsste schon lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht bis in die Tiefen meiner Haarspitzen geekelt war. Aber jetzt sind wir hier und im Sinne der rasenden Reisereporterin habe ich furchtlos mein erste Gabel mit Seidenraupen und Heuschrecken aus dem Wok verspeist. Weiter ging es mit Frühlingsrollen, gefüllt mit Gemüse und grünen Riesenameisen. Von den Samosas (Teigtaschen) gefüllt mit Spinat und gehackten Taranteln habe ich nur ein winziges Eckchen probieren können. Erst zum Schluss wagten wir uns an die größte Herausforderung. Den gemischten Insektenspiess mit Riesenschabe, Skorpion und karamellisierten Heuschrecken. Mutig steckte ich mir eins der letzteren in den Mund … kauen kauen kauen. Nicht dass noch etwas im Bauch zum Leben erwacht ;-)

Herr C. Hat dann auch noch todesmutig den Skorpion und die Innereien der Schabe verspeist. Vom Skorpion habe ich nur ein Beinchen geschafft und die Schabe habe ich nicht angerührt. Jörk.

Fazit: Insekten sind meiner Meinung als Nahrungsmittel überbewertet. Mir ist natürlich klar, dass sie uns wohl noch öfter begegnen werden und möglicherweise für die Zukunft eine Lösung für den Hunger der immer schneller wachsenden Weltbevölkerung dienen können. Aber lecker? Wer behauptet die kleinen Biester seien lecker und würden nussig oder salzig schmecken, der lügt meines Erachtens und möchte nur seine Facebookfreunde beeindrucken ;-) … ja klar … nix anderes will ich natürlich auch ;-)

Ich finde sie schmecken nach fast nix, eher etwas bitter oder erdig. Aber lecker ist wirklich anders. Wobei, die karamellisierten Heuschrecken waren einigermaßen akzeptabel. Aber wenn ich knabbern möchte, dann werden auch in Zukunft Chips oder Nüsschen die erste Wahl sein.

Nach dieser vollkommen neuen Erfahrung habe ich mir erstmal an einem der Strassenstände einen leckeren Pancake mit Banane und gesüßter Kondensmilch gegönnt. Ein sagenhafter Genuss. Zuletzt entspannten wir noch ein bisschen mit Bier und Cocktail auf der Beobachtungsgerrasse in einer der Bars auf der Pub Street und erzählten uns unsere Eindrücke vom Tag und von diesem Urlaub und dem Leben im Allgemeinen.